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Sonntag, 9. November 2014

Orion Rigel Dommisse, Karlsruhe, 01.11.14

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Konzert: Orion Rigel Dommisse mit Eddy Crampes als Duo
Ort: Kellerhalle in Karlsruhe
Datum:1. November 2014
Dauer: 65 min
Zuschauer: 40-50


This was the best night on tour so far

Ich bin immer wieder darüber beglückt, dass Musiker bereit sind, direkt zu den Leuten zu kommen, denen ihre Musik gefällt wie z.B. Orion Rigel Dommisse aus dem kleinen neuenglischen US-Bundeststaat Rhode Island für eine dreiwöchige Tour nach Westeuropa. Wenn man dann gesehen hat, wie scheu Orion als Person ist, ist wohl auch gut, dass ihr französisches Label What a mess die Dinge in Europa vermittelnd in die Hand nahm. Konkret bekam ich von Cyril Moya (aus dem fernen Toulouse) im Juni das Angebot, sie bei mir zu begrüßen. 


Im ersten Moment war ich aber doch etwas zerrissen. Ich wollte sie unbedingt sehen. Ihre Chickens-CD liebe ich schon lange. Aber würde sich "mein Publikum" auch für die etwas schräge Gruselmusik begeistern lassen? Und das auch noch, nachdem der Oktober schon so übervoll mit Konzerten gewesen sein würde... Dann kam mir die Idee, den Leuten von der Kellerhalle das Konzert anzubieten. Wenn sie sich dafür begeistern würden, wäre es als Auftrittsort für die morbiden Phantasien von Orion sicher viel besser als mein Wohnzimmer geeignet - eigentlich nämlich perfekt!


Zum Glück ließ sich das Kellerhallenteam tatsächlich ins Boot holen und damit konnten wir auch gemeinsam die Netze etwas weiter auswerfen. So richtig den Massengeschmack trifft Orions Musik ja nicht. Dafür hat sie andere einmalige Qualitäten. Nur, man muss dem auch eine Chance geben, also mit offenen Herzen vor Ort erscheinen. 

Als das Konzert schließlich begann, war ich sehr sehr froh und auch ein bisschen beglückt darüber, wie bis hierhin alles gelaufen war. Der Raum war gut gefüllt und es lag freudige Erwartung in der Luft. Eine sehr gute Ausgangslage!



Orion begann das Konzert solo mit ihrem elektrischen Cello. Damit hatte sie die für ihre Musik so typische Anspannung gleich festgezurrt und eine ihrer Stärken ausgespielt: Kleinmädchenhaft unschuldiger Gesang, hingetupftes Cello über dunkelschwarzen Texten ... fear is a nightgaunt trespassing... (aus Nightgaunt vom neusten Album). In der Gemeinschaft der Zuschauer war ich schon wohlig aufgehoben, doch gab es immer wieder diese Gänsehautmomente, wenn eine Zeile mal wieder ein besonders lebendiges Bild vor den Augen erstehen ließ: I've got three squirrels in my hands Chewing my fingers (Squirrels). Die mir ja eigentlich wohlvertrauten Songs wie Squirrel, Chickens und Swamp vom 2011er Album Chickens wurden in der Livedarbietung sehr eindrücklich, weil man doch anders auf den Text hört als sonst.


Musikalisch noch interessanter wurde es wenig später mit Eddy Crampes als Begleiter. Seine warme Männerstimme war eine perfekte Ergänzung und auch die Wärme der Gitarre ergänzte die musikalische Scharade der so harmonischen Musik. A Faceless Death war in dem Kontext eher "nur" skurril und Swamp war unsagbar locker fluffig geknüpft. Mein privater Höhepunkt Hewn kam - wie schon auf der CD - regelrecht übermütig dahergehüpft mit Ohrwurm-Qualitäten und hat dabei vielleicht den brutalsten Text:

evil, walk with me
i have seen all the things you have seen
a handsome killer
he knows the way to speak to me



Einen wahrhaft ruhigen Punkt setzte schließlich ein französisches Duett C'est la vie mit Eddy Crampes. Es ließ auch ein bisschen enttäuscht darüber zurück, dass nicht noch mehr von Eddies Musik für den Abend vorbereitet worden war. So war unser Appetit geweckt und wurde nicht befriedigt.


Nach dem Konzert wurden noch viele Platten und CDs signiert, Freundschaften geschlossen und Pläne für die Nacht gemacht. Ein wunderbarer Konzertabend war das mal wieder in der Kellerhalle! Im unten verlinkten Beitrag des Kulturkanals finden sich Teile des Konzerts und ein Interview mit Orion, das meiner Meinung nach einen wirklich lebendigen Eindruck vermittelt. Und es gibt tolle Bilder von Horst Kistner...

Und welch größere Freude für uns als Veranstalter wie als Publikum in der Kellerhalle kann es geben als den eingangs zitierten Satz für das 13. Konzert auf einer Tour mit 16 Shows?! Vielen Dank an die Kellerhalle und an Cyril, der uns das zugetraut hat...






Aus unserem Archiv:
Orion Rigel Dommisse, Paris, 14.05.12  

Das klienicum 2011
Beitrag im Kulturkanal über das Konzert

Tourdaten
17.10.2014 – Beauregard, FR (Le Presbytère) 
18.10.2014 – Toulouse, FR (The Persimmon House)
22.10.2014 – Marseille, FR (DATA)
23.10.2014 – Nice, FR (La Zonmé)
24.10.2014 – Cuneo, IT (Boto’s Farm)
25.10.2014 – Venezia, IT (Nerodiseppia)
26.10.2014 – Bergamo, IT (Invisible Show)
26.10.2014 – San Martino Spino, IT (Il Barchessone Vecchio)
28.10.2014 – Brescia, IT
29.10.2014 – Vevey, CH (House show)
30.10.2014 – Yverdon-les-Bains, CH
31.10.2014 – Offenbach, DE (Parkside Studios)
01.11.2014 – Karlsruhe, DE (Kellerhalle)
02.11.2014 – Nancy, FR (Off Kultur)
03.11.2014 – Paris, FR (Oliver Peel Session) + Charlie Rayne
04.11.2014 – Paris, FR (Le Buzz) + Julien Gasc
 





Dienstag, 15. Mai 2012

Orion Rigel Dommisse, Paris, 14.05.12

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Konzert: Orion Rigel Dommisse

Ort: ein Wohnzimmer irgendwo in Montreuil bei Paris, aber nicht mein eigenes
Datum: 14.05.2012
Zuschauer: etwa 30
Konzertdauer: etwa 50 Minuten


Homeshows laufen traditionellen Konzertlocations immer mehr den Rang an. Gut so, vor allem wenn ich selbst immer schön brav eingeladen werde! Auch für das wundervolle Konzert von Orion Rigel Domisse hatte man mir ein Plätzchen reserviert. Eine einfache Mail genügte. Aber ein ganz Unbekannter bin ich in der Wohnzimmerkonzert-Szene wohl auch nicht mehr. Die Mädels von Homespun Booking, die den heutigen Abend organisierten, hatten sogar unumwunden zugegeben, sich von meinen Oliver Peel Sessions inspiert haben zu lassen.


Die Fete sollte bei Fanny und Elsa in Montreuil steigen. Ein Ort, der offiziell nicht mehr in Paris liegt, aber recht einfach mit der Metrolinie 9 erreichbar ist. Zusammen mit der Musikerin Rachael aka Kinrisu machte ich mich auf den Weg dorthin, ließ mir vom Obsthändler sagen, wie ich die konkrete Straße finden würde und traf gegen 20 Uhr 15 am Ort des Geschehens ein. Das Wohnzimmer war nicht sehr groß, aber stark bevölkert. Am Ende waren wir ungefähr 30 Leutchen und vielmehr hätten sicherlich auch nicht mehr reingepasst.


Das Wetter an diesem Abend war herrlich und so guckte ich noch eine Weile romantischen Blickes aus dem Fenster, wartete auf den Sonnenuntergang und erfreute mich am Anblick eine Baumes im Abendrot.

Erst als es schon merklich dämmerte, legten Orion und ihr Partner (in der Musiker und im Leben) Christopher los. Vielleicht brauchten sie eine nächtliche Stimmung, um ihren düsteren, mitunter fast gothischen Folk zu zelebrieren. Instrumententechnisch ist ihr Werk dominiert von ihrem elektrischen Cello und seinem gewaltigen Kontrabass, ansonsten lebt vieles von ihrer unfassbar tollen Stimme. Eine Mischung aus Sandy Denny (Fairport Convention), Marissa Nadler und Kate Bush, so meine spontane Assoziation. Das rothaarige Mädel kann sehr lieblich und sanft, dann aber auch aufmüpfig und kapriziös und manchmal durchdringend hoch singen und vermag ihren schwarzen Stimmung perfekt Ausdruck zu verleihen. Ihr Gesangesstil hat etwas stark Narratives und was sie erzählt, ist nichts für zart besaitete Naturen:

"Fake yer death if you need to, to afford distractions from the living, oh, you can make a body out of plaster soaked in your own blood, then leave the body in your bed, covered with the sheet like you were murdered in your sleep" sang sie beispielsweise mit lieblichster Stimme in Fake Yer Death und ließ mich (wohlig) erschaudern. Zum Glück kein authentischer Stoff, sondern Texte, die stark von Horrofilmen inspiriert sind. Auch die anderen Lieder hatten ähnlich krasse Lyrics zu bieten ("just drink yourself to death so I never have to see you again I know my love it sounds cruel but I'm the one killing you"- Drink Yourself To Death; Leavin' dishes of poison around sleeping on carcasses after the curtains I've got three squirrels in my hands chewing my fingers bloody pulp and I've got three squirrels in my hands"- Squirrels) waren aber ungemein faszinierend.


Ihr elektrisches Cello und sein tief grummelnder Kontrabass passten wirklich zusammen wie das Schwert zur Scheide und ihr wieselfinkes Fingerpicking und seine virtuose Streichtechnik waren absolut verblüffend. Orions Instrument klang nicht wie ein normales Cello, sondern eher wie eine Harfe, allerdings scharfkantiger, weniger lieblich und mittelalterlich. Ein großer Hörgenuß!

Einzelne Stücke als besondere Highlights rauszupicken fällt mir nicht leicht, aber Squirrels und Swamp klangen auf Anhieb so verführerisch, mysteriös und betörend schön, daß man da unbedingt mal reinhören sollte.


Ich glaube dem Publikum hat es auch ungemein gut gefallen, zumindest der Beifall war verdammt stürmisch und wollte gar nicht mehr abreißen. Zwei Zugaben gab es deshalb noch, dann war leider Schluß und die meisten Mitbügerinnen und Mitbürger stürzten sich auf das Bier und die Chips. Ich hingegen orderte die Vinylversion des neuen Album Chickens, die mir bald zugesendet wird. Ich freue mich riesig drauf, das wird sicherlich ein wundervolles Machwerk sein, daß sowohl Augen und Ohren verzücken wird.

Eine vorzügliche Homeshow. Nette Gastgeber, viele Mädchen im Publikum (jaja, sehr gute Quote!) und Musiker, die eigentlich ihren Platz auf den großen Bühnen dieser Welt hätten, was will man eigentlich mehr? Ich bin mächtig angetan von Orion Rigel Dommisse und übertreibe nicht, wenn ich von einer der besten Neuentdeckungen diese Jahres spreche. Wow!

Setlist Orion Rigel Dommisse,Homeshow, Paris:

01: Simon Sent For Me

02: Missing
03: Fake Yer Death
04: Skinwalkers
05: Bristol
06: Cord
07: Cave
08: Drink Yourself To Death
09: Moon Over Kentucky
10: Squirrels
11: Swamp




Das Klienicum zu Orion Rigel Dommisse, klick!



 

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