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um
01:15
Konzert: New PretoriaOrt: La Java, ParisDatum: 05.03.2010Zuschauer: etwa 120-150Konzertdauer: etwa 45-50 Minuten
Trendige Leute gingen in Paris heute zum Konzert von Girls in die Maroquinerie und diejenigen, die beim Gewinnspiel Losglück hatten, waren beim Gig von Gossip* in der Flèche d'or, wofür es keine Karten im Handel gab.Mich persönlich zog es aber in den Club La Java, (auf dem Foto die hübsche alte Treppe) der einer der ältesten von Paris sein soll. Hier ist bereits Edith Piaf aufgetreten, belehrte mich Isabelle, die Sängerin von Pollyanna. La Môme, wie die Piaf genannt wurde, stand aber heute nicht auf dem Programm.
Stattdessen gab es mit New Pretoria eine Band aus Südafrika. Haha, verarscht! New Pretoria stammen nämlich aus Paris, klingen aber amerikanisch. Verwirrend, wa? Sänger und Songwriter der Band ist der enorm sympathische Labelboss (Frenchtoast) Stephan Lilipansky, der über eine unglaubliche Baritonstimme verfügt, die an Matt "The National" Berninger oder Stuart "Tindersticks" Stables erinnert. Hätte Stéphan nicht den typisch französischen Akzent beim Singen der englischen Texte, könnte man New Pretoria tatsächlich für eine Band aus den Staaten halten.
Ihr schwarz gefärbter Indierock/Folk hat Saft und Kraft, aber auch Eleganz und Klasse. Im Moment nehmen die fünf Jungs gerade ihr zweites Studioalbum auf, vertrauter sind mir aber die Stücke des Vorgängers The Backyard's Legacy, das sich in meiner CD Samlung befindet.
Das fetzige Silly Place und das stark Tingersticks geprägte New City Boy stammten davon, aber besonders angetan hatte es mir ein Song, der gothisch angehaucht war und statt Geang eher Sprechgesang zu bieten hatte. Ansonsten viel Unbekanntes im flüssig vorgetragenen Set,
das Lust auf das Erscheinen des neuen Albums gemacht hat. Unter den zufriedenen Gästen unter anderem auch Jonathan "Syd Matters" Morali, der ein alter Weggefährte von Stéphan ist. Ganz diese Klasse erreicht New Pretoria noch nicht, aber sie sind definitiv eine der Pariser Bands, die mir mit am besten gefallen. Wir haben irgendwie die gleichen Lieblingsgruppen...
Setlist New Pretoria, La Java, Paris:
01: Canyon02: Jack On The Roof03: 2 or 3 Things04: Drum Signal05: Silly Place06: White Chapel07: 2 Woman08: Sans Titre09: New City Boy10: Smoke Signal*
mein Freund Rockerparis ist bei solchen Events immer dabei. Hier geht es zu seinem englischen Review mit Fotos und einem Video und die Setlist sah so aus:
Setlist Gossip, La Flèche d'or: (from Rockerparis)
01: Love Long Distance
02: Listen Up!
03: 2012
04: Four Letter Word
05: 8th Wonder
06: Men In Love
07: Standing in The Way Of Control
08: Pop Goes The World
09: What's Love Got To Do With It (Tina Turner)
10: Heavy Cross11:
You Are Not Alone (Michael Jackson)
um
02:33
Konzert: Lawn Factory & New Pretoria
Ort: L'International, Paris
Datum: 08.10.2009
Zuschauer: der Laden war gut besucht
Heute nachmittag kam mir plötzlich der Gedanke, daß ich eigentlich ein Buch über die französische Indiemusikszene schreiben könnte. Fachlich traue ich mir das zu, schließlich habe ich in den letzten Jahren so ziemlich jede interessante französiche Band mindesten einmal live gesehen. Aber wen würde das interessieren? Wahrscheinlich keine Sau! Oder gibt es etwa doch ein paar Leutchen, die wissen wollen, ob es neben auch international bekannten Acts wie Indochine, Air, Daft Punk oder Phoenix noch etwas anderes gibt im Land des Käses und der schönen Frauen?
Wie auch immer und ganz egal, ob es je das obengenannte Buch geben wird: Ich poste munter weiter Konzertberichte über französische Bands! Denn ich stehe hinter der lokalen Szene, die viel Gutes, Interessantes und Abwechslungsreiches bietet. Natürlich kommt es schon einmal vor, daß ich auf Gruppen treffe, die bei Licht betrachtet recht mies sind, aber meistens werde ich eher positiv überrascht.
So wie heute! Lawn factory sagten mir vorher nämlich überhaupt nichts. Aber das war egal, denn Bands entdecke ich am liebsten live.
Wer steckt nun also hinter dem Namen? Eigentlich nur eine Person. Die Französin Maud Nadal. Sie ist die Schwester von Rafael und bereitet ihren Bruder immer perfekt auf das Pariser Grand Slam Turnier vor... - Ist natürlich Quatsch! Mit dem aufgepumpten Spanier hat sie selbstverständlich nichts zu tun, wenngleich ihr Nachname auf iberische Wurzeln schließen lässt.
Mehr Gemeinsamkeiten mit Rafa hat sie jedoch mit PJ Harvey (deren Lied The Piano sie covert), Joanna Newsom und Kate Bush. Sind natürlich gleich große Namen, die hier als Referenzen herhalten müssen, aber es ist nun einmal schwierig, eine Stimme zu beschreiben. Deshalb schmeisst man als Kritiker immer mit vergleichbaren Künstlern nur so um sich. Sorry!
Aber Joanna Newsom drängt sich allein deshalb auf, weil auch Maud Harfe spielt. Nicht so ein riesiges Monsterteil wie die Newsom,
sondern ein Miniding, das sich sich auf den Schoß legte. Autoharp heisst dieses seltsame Instrument, das aber wundervolle Töne ausspuckt, wenn man es denn beherrscht. Verblüffend wie die Französin mit einer Hand über die Saiten strich und mit der anderen das Ding ähnlich wie ein Keyboard spielte.
Bei etwa der Hälfte der Lieder kam diese kleine Harfe zum Einsatz, den Rest bestritt Maud auf der Akustikgitarre. Auch ihre beiden Begleiter erledigten ihre Aufgaben mit Bravour. Wunderbar der Backgroundgesang der Keyboarderin Melody, präzise und melodisch das Spiel des E-Gitarristen Fantin.
Lustigster Songtitel mit Sicherheit Velib, denn dies ist der französiche Begriff für die Leihfahrräder, die man seit gut 2 (oder ist das schon wieder länger her?) Jahren einfach nehmen und benutzen kann, ein Abonnement freilich vorausgesetzt. Aber auch in musikalischer Hinsicht überzeugte mich Velib am meisten. Das ist einfach toller melancholischer Indiefolk mit schrammeligen Gitarren, Glöckchen und einem herzerweichenden Gesang!
Logisch, daß ich mir hinterher die erste EP After The Wind zulegen musste. Sie kostete lediglich 3 Euro und bietet dafür 5 Lieder. Da kann man nicht meckern., oder? Lawn Factory werde ich genauestens weiterverfolgen. Eine super Entdeckung!
Setlist Lawn Factory, L'International, Paris:
01: Old Man
02: Oh My Knees
03: Here You Are
04: New Harp
05: Be Sure
06: A Film
07: Velib
08: Eat Love
Mir bereits vorher bekannt, waren die nachfolgenden New Pretoria. Ich hatte mir ihre
feine CD The Backyard's Legacy zugelegt und kenne auch Stéphan Lipiansky, den sympathischen Sänger. Der Bursche steht nicht nur New Pretoria vor, sondern hat mit Frenchtoast sogar sein eigenes, nichtkommerzielles Kleinlabel gegründet. Der umtriebige Laden kann sich unter anderem damit rühmen, das letzte wunderbare Album von Reza veröffentlicht zu haben. Aber damit nicht genug, Stéphan hat auch noch sein Soloprojekt, das er Lafayette Young nennt.
Wenn er aber mit New Pretoria auftritt, sind etliche Musiker auf der Bühne versammelt. Ich glaube insgesamt waren sie zu fünft. Und was die Jungs zu bieten hatten, war richtig gut! Hauptverdienst daran hat Stephan, der eine Baritonstimme sein Eigen nennen kann, die Stuart Staples,
Matt "The National" Berninger und Ian Curtis vor Neid erblassen lässt (falls Ian unter der Erde denn noch zu einer Gefühlsregung wie Neid fähig ist...)! Da stört auch der kleine Akzent nicht, den der Leader von New Pretoria wie eigentlich fast alle Franzosen hat, die versuchen in der Sprache Shakespeare's zu singen.
Richtig gekonnte Kompositionen können die Pariser vorweisen und sie müssen sich deshalb auch nicht hinter ihren englischen oder amerikanischen Vorbildern verstecken.
Eine neue LP ist in Arbeit und wird auch bald erscheinen. Von diesem noch nicht veröffentlichten Opus stammten dann auch bis auf eine einzige Ausnahme alle Lieder. Eines davon wurde dem inhaftierten Roman Polanski gewdimet, was ein paar Witzbolde im Publikum mit dem Hinweis kommentierten, man solle dann aber auch Fréderic Mitterand einen Song widmen. Nun, die Sensationspresse kommentiere ich auf dem Konzerttagebuch nicht! Ich beschränke mich darauf, unseren werten Lesern die Beschäftigung mit New Pretoria nahezulegen...
Und wann kommt nun ein Buch über die französische Indieszene? Hmm, vermutlich wird es nie das Licht der Welt erblicken :(
um
14:57
Konzert: Sessions Boutiques Sonores mit: New Pretoria, Pokett, This Is The Hello Monster, Maison Neuve, Exsonvaldes, Arch Woodmann u.a.
Ort: Boutique Lalala Barcelona, Paris (biggest Lalala cabin Show)
Datum: 23.05.2009
Zuschauer: wie viele passen in so eine kleine Boutique? 25? 30?
Konzertdauer: 7 (!) Stunden
Schon einmal ein Konzert gesehen, bei dem die Bands in der Umkleidekabine einer Modeboutique spielen? Nein? Ich vorher auch nicht! Die umtriebigen Mädels und Jungs der Promoagentur Les Boutiques Sonores (spezialisiert auf französische und intenationale Indiebands) haben diese abgefahrene Idee in die Tat umgesetzt und an einem heißen Mai-Samstag 7 Stunden lang Künstler in die Kabine gepfercht. Ein großer Spaß für alle Beteiligten und ein weiteres originelles Konzept! Jede Gruppe hat ungefähr vier Lieder performt, mehr Zeit war nicht, denn es gab sehr viele Teilnehmer, die um das Interesse der amüsierten Zuschauer-und Hörer buhlten. Den Start machten New Pretoria aus Paris. Zu meiner Freude spielten sie ausschließlich französische Chansons, die die brünette Sängerin mit dem quitschgelben T-Shirt vortrug. Der eigentliche Hauptsänger Stephan kauerte der weil am Boden, während sein Kollege an der akustischen Gitarre ebenfalls französisch sang. Auf MySpace klingt das Ganze anders, dort sind die Songs ausschließlich auf englisch gehalten. Grundsätzlich und auschließlich in der Sprache Shakespeare's singt der bärtige Singer/Songwriter Pokett, der auch das wunderbare Album On Concrete von Pollyanna produziert hat. Man übertreibt nicht, wenn man ihn den französischen Elliott Smith nennt, denn seine Lieder sind so wundervoll melancholisch und berührend, daß man unweigerlich an den viel zu früh verstorbenen Amerikaner denken muss. Pokett ist aber auch immer für einen Gag und eine trashige Coverversion zu haben. Heute überraschte er die amüsierten Besucher mit einem Cover von... Anastacia. Zum Glück klang seine Neuinterpretation von I'm Outta Love ganz anders als das Original.Am Rande bekammen wir später dann noch das Set der aufstrebenden Exsonvaldes mit. Die Pariser Band hat soeben ihr zweites Album Near The Edge Of Something Beautiful veröffentlicht und glänzende Kritiken von der Zeitschrift Les Inrockuptibles bekommen. Sogar die berühmt-berüchtigte Blogothèque ist von den Jungs begeistert. Auch ich bleibe hier am Ball, genau wie bei Maison Neuve, einer spitzenmäßigen Gruppe, die diese Woche im Vorprogramm von The Pains Of Being Pure At Heart an den Start gehen wird.Prima, diese Kabinensessions! Fotos folgen!