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Freitag, 6. Juni 2008

Tokyo Police Club, Brüssel, 05.06.08

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Konzert: Tokyo Police Club
Ort: Botanique, Brüssel
Datum: 05.06.2008
Zuschauer: 100 - 120
Dauer: 50 min.


"Um Mitternacht sind wir wieder in Köln", da waren wir uns vollkommen einig - auf dem Weg nach Brüssel. Natürlich ging es bei unserem Konzertausflug um die Band, Tokyo Police Club haben schließlich nach einer fabelhaften EP in diesem Jahr ihre grandiose Debütplatte "Elephant shell" veröffentlicht, zu einem guten Teil aber auch um den Ort des Auftritts. Meine Mitreisenden hatten mir nämlich in höchsten Tönen von der Rotonde im Brüsseler Botanique vorgeschwärmt...

Zweimal hatte ich die Kanadier bisher gesehen, im Underground in Köln und im
Cooky's in Frankfurt. Beide Konzerte liegen schon eine ganze Weile zurück, es wurde also höchste Zeit. Obwohl die Band aus Ontario an diesem Wochenende bei Rock am Ring und Rock im Park auftritt und anschließend einige Zeit in Europa verbringt, paßten keine zusätzlichen Deutschland-Termine in ihren Terminkalender. Brüssel war also (abgesehen von der No-Go-Area Rock am Ring) die geografisch nächste Gelegenheit für ein drittes knackig-kurzes Konzert der Kanadier. Denn so kurz wie ihre Alben sind auch die Gigs des Quartetts.

Weil wir keine riesige Lust auf die Mobius Band als Vorgruppe hatten (ich hatte sie in Krefeld vor den Editors erlebt) und der türkische Imbiss gegenüber des Botanique verlockender erschien, kamen wir erst um kurz nach acht in der Rotonde an. Dieser runde Gebäudeteil des alten botanischen Gartens der belgischen Metropole faßt 250 Zuschauer und ist einer von drei Sälen des Kulturzentrums "Botanique". Obwohl ich
ja mit etwas Schönem gerechnet hatte, überraschte mich der Konzertraum noch, weil er so unendlich niedlich ist. Die Bühne nimmt fast die Hälfte der (Überraschung!) runden Grundfläche ein. Der andere Halbkreis hat einen Radius von vielleicht acht bis zehn Metern und steigt nach außen hin an. Vier hohe Stufen sorgen so zum einen dafür, daß Zuschauer hinten perfekte Sicht haben, und zum anderen für einen winzig kleinen Bereich unmittelbar vor der Bühne. Dazu kommen irre hohe Wände und eine Kuppel zum Abschluß. Eigentlich könnte der Raum gut und gerne auch ein kleiner Hörsaal sein, wer weiß, vielleicht fanden in der Rotonde früher Vorträge über seltene Pflanzen in Belgisch-Kongo statt.

Heute gibt es kein Grünzeug zu bestaunen sondern Bands. Die New Yorker Mobius Band spielte schon ein paar Minuten, als wir schließlich in den Saal kamen. Die drei Amerikaner passten musikalisch deutlich besser zum heutigen Hauptact als zu den
Editors vor einigen Wochen. Besonders ihre Keyboards klangen oft gar nicht so furchtbar weit weg von Tokyo Police Club. Obwohl besser geeignet als Vorgruppe, riss mich die Mobius Band wieder nicht vom Hocker (bzw. von der Stufe). Mit machte es mehr Spaß, den ziemlich extrovertierten Musikern zuzusehen als ihnen zuzuhören! Verkehrt war das nicht, aber auch nicht begeisternd.

Um fünf nach neun (niedlich!) hatten dann die Hauptakteure ihre Instrumente und Gerätschaften aufgebaut, das Konzert konnte beginnen. Merkwürdigerweise brauchte ich einige Zeit, um "reinzukommen", etwas, daß ich bisher nicht kannte. Entweder waren Konzerte mies (oder ich nicht aufnahmefähig) oder sie begeisterten mich direkt. Es lag sicher nicht an der Band, anfangs dachte ich aber, daß ich enttäuscht nach Hause fahren würde. Und da,
obwohl schon gleich drei Knaller gespielt wurden ("La ferrassie", "In a cave" und "Box"). Während "Box" schlug meine Stimmung vollkommen um, da war die riesige Freude an der Band wieder, die ich schon bei den ersten beiden Konzerten erlebt hatte.

Tokyo Police Club bestehen aus vier Musikern, Schlagzeuger Greg Alsop, Gitarrist Josh Hook, Sänger und Bassist Dave Monks und Keyboarder Graham Wright. Schlagzeuger und Gitarrist spielen ihre Parts solide, während die beiden anderen die Show bieten. Beide, Keyboarder und singender Bassist verziehen herrlch das Gesicht während sie singen oder schreien. Graham kneift dabei meist seine Augen zu und wirkt so ganz schrecklich angestrengt. Und kaum haben sie ein Lied begonnen, ist es auch schon vorbei...

Ich schätze, daß gut 100 Zuschauer gekommen waren, einige davon zweifelsfrei Nordamerikaner. Die
Nato-Stadt Brüssel als ist sicher dankbar als Auftrittsort für kanadische Bands. Zu vielen Reaktionen ließ sich ein Großteil des Publikums aber nicht hinreißen. Immerhin tanzten und sangen diejenigen, die unten unmittelbar vor der Bühne standen ordentlich mit.

Da TPC kaum Ausfälle in ihrem Repertoire haben (haben sie überhaupt welche?), spielten Dave und Kollegen nur Hits. Neben dem wundervollen "Juno" war "Your English is good" ein erster richtiger Höhepunkt gegen Hälfte des Konzerts. Dieses erst auf "Elephant shell" veröffentlichte Stück, war auch im vergangenen Jahr fester
Bestandteil der Sets - kein Wunder, da das Lied ein ganz großer Knüller ist.

Mit Abstand die beste Phase des Konzerts waren aber die Lieder 14 bis 19 (also die letzten gefühlten fünf Minuten...). Angeführt von "Tessallate", dem Überhit, rotzten die blutjungen Musiker einen Knaller nach dem anderen raus, um nach langen 50 Minuten mit "Cheer it on" mit der gebrüllten Zeile "Tokyo Police Club" abzuschließen.

ie haben mich wieder begeistert, gar keine Frage! Und sie haben mich auch zum Lachen gebracht. Da war zum einen Keyboarder Graham, der sich mit Gitarrist Josh einen Schellenkranz teilen mußte. Er rannte also regelmäßig über die Bühne, um das Instrument wegzubringen oder abzuholen! Sänger Dave entsorgte seine Getränke herrlich. Sobald er einen Schluck aus einer der Plastikflaschen getrunken hatte, klatschte er sie auf die Holzbühne. Flatsch! Und da lag sie dann...

Setlist Tokyo Police Club, Botanique, Brüssel:

01: La ferrassie
02: In a cave
03: Box
04: Sixties remake
05: If it works
06: Graves
07: Juno
08: Your English is good
09: Cut cut paste
10: Nursery, academy
11: Citizens of tomorrow
12: Centennial
13: New new song
14: Tessellate
15: Shoulders & arms
16: Nature of the experiment
17: Famous
18: Be good
19: Cheer it on

Links:

- Fotos des Abends
- aus unserem Archiv:
- TPC in Paris 2007
- TPC in Köln 2007
- TPC in Frankfurt 2007




Samstag, 15. März 2008

Editors, Krefeld, 14.03.08

5 Kommentare

Konzert: Editors
Ort: Kulturfabrik Krefeld
Datum: 14.03.2008
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: 80 min


Ob die Editors mich nach drei Konzerten im vergangenen Jahr, vor allem nach dem fabelhaften Auftritt in der Live Music Hall im November, noch einmal begeistern und vor allem überraschen könnten? Ich war davon ausgegangen, vermute ich, denn ich hatte ohne jedes Zögern vor Monaten ein Ticket für das Konzert in Krefeld bestellt, eine sehr gute Idee, denn die Editors waren schnell ausverkauft.

Die Kulturfabrik in Krefeld ist vermutlich ein ehemaliger Schlachthof, an der Seite des Saals, der mich ans Bürgerhaus Stollwerck in Köln erinnerte - nur mit Säulen - stehen nämlich einige große Waagen. Aber sonst, wenn man die Vorstellung, was da früher einmal alles so rumhing, verdrängt, ist der große Raum ein sehr angenehmer Platz für Konzerte. Die Bühne, die für die Größe des Saals erfrischend wenig tief wirkte, wurde zwar von Gittern abgesperrt, der Fotograben war aber so winzig, daß die erste Reihe auch wirklich eine erste Reihe war.

Auf der Bühne waren reichlich Schlagzeuge aufgebaut, es schien also zu stimmen, daß es zwei Vorgruppen geben sollte. Die erste von denen fing dann um halb neun an, eine Gruppe namens Red District Company aus London. Sänger und Bassist sah ich erst nur von hinten. "Wow, eine Band mit zwei Sängerinnen!" Ein Trugschluß, mich hatten die Frisuren der beiden (Richard und Shawn) getäuscht. Die englische Gruppe komplettieren ein zweiter Gitarrist, der auch Keyboard spielte, und ein Schlagzeuger. Red Light Company spielen Indierock, der nett war - mehr aber für mich nicht. Vielleicht lag das (wie so oft) an der Stimme des Sängers, die mir nicht überragend gefiel. Mich erinnerten einzelne Lieder an die Shins, die Shout Out Louds oder auch Midnight Oil. Der halbstündige Auftritt tat sicher keinem weh, begeistert hat er mich aber nicht.

Das erste Schlagzeug war also damit aus dem Spiel. Ans zweite, diesmal links stehende, setzte sich dann ein Oliver Kalkhofe Double mit einem hübschen Schnauzbart. Der Lockenkopf Noam Schatz gehörte zum Brooklyner Trio Mobius Band (Basteltip: Bau Dein eigenes Mobius Band: Schneide von einem quer liegenden Blatt Papier längs ein Drittel ab und klebe es, nachdem Du sein Ende um 180 ° verdreht hast, an den Enden zusammen. Heraus kommt eine Figur, die nur eine Fläche, bzw. eine Seite und eine Kante hat, ganz faszinierend!). Die beiden anderen Bandkumpels sind ein Sänger und ein Keyboarder. Die New Yorker machen elektronischen Indie, sicher musikalisch originell, obwohl diese Stilrichtung lange nicht mehr originell ist, der Auftritt verpuffte aber zumindest bei mir sehr schnell. Damit tue ich der Mobius Band sicher unrecht, ich werde mir auch schnellstmöglich einmal die beiden Alben, die in den USA hochgelobt werden, anhören. Aber im Editors Vorprogramm war das wirklich kein großer Stimmungmacher. Irgendwann brüllte jemand aus dem Saal "boring", was der Mobius Sänger gleich richtig als "langweilig" übersetzte. Und das war es leider auch. Die Drei spielten auch exakt eine halbe Stunde und waren um zehn fertig.

Bis dahin war es knackig voll geworden. Das übliche Reindrängeln an die Stellen vorne, an denen sich die Leute schon gegenseitig auf den Füßen stehen, setzte schon vor der Mobius Band ein, was ganz lustig war, weil die späten Drängler wohl nicht mit einer zweiten Vorgruppe gerechnet hatten.

Um halb elf wurde es dunkel, dann blau (das Licht in der Kulturfabrik ist toll!) und es erklangen die ersten Töne einer Überraschung. Bei meinem ersten (kurzen) Editors
Konzert, im Rahmen von Rock en Seine 2006, war "Camera" der Überraschungshit für mich. Das Lied vom Debüt "The Black Room" hatte mir vorher nur so lala gafallen, die Liveversion war dann allerdings so fabelhaft, daß ich das Stück für mich vollkommen neu entdeckt hatte. Bei den drei Konzerten im vergangenen Jahr hatte ich dann vergeblich auf "Camera" gehofft, dafür ein paarmal "Fall" hören dürfen, das Lied, das mich an "She's like the wind" erinnert, und das ich, seit mir diese Assoziation eingefallen war, gar nicht mehr mag. Krefeld begann also mit "Camera" und ich war begeistert. Sänger Tom Smith hatte ich anfangs noch nicht entdeckt. Er stand bei "Camera" hinten links an einem Keyboard, hinter Boxen und anderem Kram versteckt.

Zum zweiten Lied, "An end has a start" war die Band dann auf den gewohnten Plätzen und Tom mit seiner schwarzen Gitarre in der Mitte der Bühne. Aber wie üblich hielt es ihn da nicht furchtbar lange, er hüpfte, rannte, kletterte auf das zentral aufgebaute Klavier und wieder davon runter oder kam zum Bühnenrand. Das gehört bei dem Sänger zum festen Programm, genau wie die vielen Gesten, die Selbstumarmungen (die aber weniger geworden sind), das Verzerren des Gesichts, fuchtelnde und in alle Richtungen zeigende Hände. Aber unter diesem "Bewegungsreichtum", das 20. Jhd.-Suppernannies als Zappel-Philipphaft bezeichnet hätten, leidet der Gesang
keineswegs. Auch wenn es in Krefeld an meinem Standort sehr sehr laut war, sind mir da keine unangenehmen Fehltöne aufgefallen. A propos Zappel-Philipp: Toms Struwwelpeter-Phase scheint vorbei zu sein, er hat die Haare wieder sehr viel kürzer.

Das Set war wohltuend anders als letztes Jahr. Die Band aus Birmingham ist da glücklicherweise kreativ. Daher war meine Sorge, mich vielleicht zu langweilen, vollkommen unbegründet. Das war ja gleich mit "Camera" vorbei.

"Spiders" hat in der Liveversion als besonderes Bonbon eine kleines "Red rain" Zitat. Das aufregendere Cover kam aber im Anschluß. Für einen Radio One Sampler haben die Editors "Lullaby" von The Cure eingespielt. Mich hat an dem Cover, als ich es zum ersten Mal gehört habe, fasziniert, wie sehr die neue Version nach den Editors klingt. Live war mir Toms Stimme zu leise, das Lied selbst ist aber eine Wucht. Thematisch paßte es ja auch perfekt in unsere The Cure Wochen. Im Anschluß folgte mit "All sparks" einer der großen eigenen Hits, bevor es wieder ein wenig aufregend wurde. Denn der Beginn von "Munich" war wundervoll akustisch. Später wurde das Stück dann laut, der Start war aber ganz besonders schön.

Nach etwa einer Stunde wäre ich sicher panisch geworden, wenn sie nicht so viel an ihrem Programm geändert hätten. Denn da stimmten die Editors "Fingers in the
factories" an, das Lied, das immer als allerletztes gespielt wurde. Einzige mir bekannte Ausnahme war der Abend in der Kultur Kirche Köln, den ein SEK stürmte und beendete und uns damit um den Song brachte*. In Krefeld beendete dieses schöne, abgehackte Stück aber nur das normale Set. Und da ein paar Hits fehlten, war klar, daß es das noch nicht gewesen war. Darum erschienenTom & Co. auch sehr schnell wieder, ohne alberne künstliche Spannung aufzubauen, denn ein Konzert ohne "Smokers" konnte sich sicher niemand vorstellen.

Zunächst aber spielte Tom Smith am Klavier den heimlichen Star des letzten Albums, "The racing rats", um dann die Lieblings-B-Seite "You are fading" folgen zu lassen. Als
dritte Zugabe kamen dann die "Smokers outside the hospital doors", wie immer wunderbar!

Eigentlich können die Mittelengländer nicht jedes Jahr in meiner Konzert Top-10 auftauchen. Das wäre dieses Jahr der Hattrick. Aber toll war es schon. Und es gab auch einige Lieblingsszenen, die mir besonders viel Spaß gemacht haben. Bei "Bones" klatschte das Publikum irgendwann rhythmisch. Egal ob man das mag oder nicht, das da war nicht rhythmisch, also schon gleichmäßig, allerdings deutlich neben dem Takt des Lieds, auch für mich als Musiklaien gut erkennbar. Tom Smiths Reaktion war köstlich: Er grinste breit und lenkte mit Gitarre und Händen das Geklatsche wieder näher zum Lied. Sein nahes Rumgehampele am Mikro führte bei
"Fingers in the factories" dazu, daß er mit Nase oder was auch immer das Mikro aus seinem Ständer riss. Glücklicherweise war das Mikro am Klavier in Sprungweite, sodaß er den nächsten Refrain da singen konnte. Meine liebste Szene fand auch am Klavier statt: Bei "When anger shows" spielte der Frontman mit sich selbst Reise nach Jerusalem. Es wirkte zumindest so, denn das macht ja wirklich keinen Sinn, das Spiel alleine zu spielen, wenn man selbst die Musik macht und damit weiß, wann man sich setzen muß. Er ging jedenfalls singend drei Runden ums Klavier, mitten im Lied. Schön war das!

Auch wenn die Tour gerade (nichts gegen Krefeld) eine Reise durch B- oder C-Städte ist (Bielefeld, Darmstadt...), war das Konzert metropolentauglich. Die Editors sind einfach eine fabelhafte Liveband, die immer wieder wahnsinnig viel Spaß macht. Und Darmstadt ist ja eigentlich gar nicht so weit weg...

* In Wahrzeit war es so wie hier berichtet.

Setlist Editors Kulturfabrik, Krefeld:

01: Camera
02: An end has a start
03: Blood
04: Bullets
05: The weight of the world
06: Escape the nest
07: Lights
08: When anger shows
09: Spiders (incl. Red rain Cover)
10: Lullaby (The Cure Cover)
11: All sparks
12: Munich
13: Push your head towards the air
14: Bones
15: Fingers in the factories

16: The racings rats (Z)
17: You are fading (Z)
18: Smokers outside the hospital doors (Z)

Links:

- die Editors in Paris (November 2007)
- in der Live Music Hall in Köln (
November 2007)
- in Paris im Juli 2007
- beim Wireless Festival in London im Juni 2007
- in der Kultur Kirche in Köln (Juni 2007)
- bei Rock en Seine im August 2006
- mehr Fotos



 

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