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Montag, 26. März 2012

Dillon & Mirel Wagner, Paris, 24.03.12

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Konzert: Dillon & Mirel Wagner

Ort: Théatre de la Cité Internationle, Paris
Datum: 24.03.12
Zuschauer: 400, ausverkauft!


Kann so viel zu Show getragene Seelenpein echt sein, oder hat uns die Dillon da etwas vorgespielt?

Noch zwei Tage nach dem Auftritt der deutschen Künstlerin im wunderschönen Pariser Théatre de la Cité Internationale grübele ich über diese Frage nach. Ich bin hin und her gerissen, weiß nicht, ob ich das Konzert als ziemlich sensationell oder doch eher künstlisch und affektiert bezeichnen soll.

Die hübsche junge Dame war gegen 22 Uhr zusammen mit einem zweiten Keyboarder auf der Bühne erschienen und hatte knapp 80 Minuten lang das Publikum mit ihrem herzerweichenden brüchigen, manchmal aber auch sehr festen Kleinmädchengesang und bollernden Diskobeats windelweich gehauen. Ein paar der Zuschauer klatschten noch mintenlang nach der letzten Zugabe frenetisch weiter, freilich ohne die in eine schwarze Kutte gehüllte Muskerin noch einmal auf die Bühne zu kriegen. Waren diese Leute bekifft, oder war das wirklich so toll?

Es gab sie in der Tat, diese magischen Momente, wo man wirklich spürte, daß eine Symbiose zwischen Musiker und Publikum hergestellt wird, wo man den Atem anhielt und mit Spannung verfolgte, was man nun zu hören und zu sehen bekam. Gegen Ende gab es so eine Szene, wo Dillon ihr Keybaord verließ, sich an den Bühnerand setzte und das Publikum dirigierte.

Andererseits gab es auch Phasen, in den die Kühle der Synthies überhand nahm, der Sound (wahrscheinlich bewußt) steril und monoton klang. Aber da war ja immer diese Stimme. Dieses leicht soulige Kelchen, das nicht so recht zu dieser fragilen Künstlerin zu passen schien. Das schwebte und vibrierte. Das aber viele Emotionen transportierte, bis zu einem Punkt, wo man vom Kitsch nicht mehr zu weit entfernt war.

Letzlich also ein Konzert, das mich ziemlich aufwühlte und nicht indifferent ließ. Dafür waren auch die Songs einfach zu stark. Thirteen Thirty Five, As Much As I Ever Could oder der ohrwurmige Hit Tip Tapping, da gab es so einiges, was aufhorchen ließ.

Und ob die Emotionen echt oder gespielt waren, werde ich wohl nie erfahren. Zur Performance auf einer Bühne gehört fast immer auch ein gewisses schauspielerisches Talent, eine Inszenierung. Man ist da nicht wirklich der Gleiche, der man im normalen Leben ist.

Bei der aus Ätiophien stammenden Finnin Mirel Wager war die eingangs aufgeworfene Frage (zumindest auf den ersten Blick) viel leichter zu beantworten. Das war ein ganz schlichter, authentischer Vortag ohne Schnickschnack, Kostüme oder Effekte. Einfach nur Mirel mit ihrer Akustikgitarre und ihrer wundervollen Stimme und Songs, die pechschwarz aber nicht trostlos waren. Es ging häufig um Tod, Verzweiflung, Einsamkeit, aber der Gesang von Mirel war so sanft, so warmherzig, so voller Zärtlichkeit, daß man trotz der düsteren Lyrics angenehme Gefühle empfand. No Death, Red, oder Despair zitiere ich nur beispielhaft für ihr gekonntes, simples aber bewegendes Songwriting.

Und wem der Vortrag etwas zu monoton und gleichförmig erschien, der war wohl zu sehr Opfer der Pariser Hektik und konnte sich schwerlich in die langsam voranschreitende Welt der Mirel Wagner hineinversetzen. Ich jedenfalls hatte einen prima Abend. Mit beiden Künstlerinnen. Trotz oder gerade wegen iher Unterschiedlichkeit!




Donnerstag, 26. Januar 2012

Sounds Nordic, Sounds Good!, Zürich, 22.01.12

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Konzert: Sounds Nordic, Sounds Good!

Ort: Zürich, x-tra

Datum: 22.01.2012,

Zuschauer: ca. 400 zahlende Besucher und jede Menge VIPs auf der Empore

Konzertdauer: 17-23.30


Bericht von Gudrun Thäter


Line-up:

17:45 Mirel Wagner (FIN)
18:45 Figurines (DK)
20:15 Kaizers Orchestra (NOR)
22:00 Caligola (SWE)

Die Botschaften von Schweden, Dänemark, Finnland und Norwegen in der Schweiz organisierten den Zürichern einen Abend voll nordischer Musik und sich selbst einen netten Abend im x-tra.



Ich stolperte beim Suchen nach Konzertterminen von Mirel Wagner über das Event. Was einen gewissen abseitigen Charme hat, wenn man sich das Lineup ansieht. Die Frage auf Ehre und Gewissen war, ob sich so eine weite Fahrt lohnen würde, inklusive sehr kurzer Nacht - ich musste (wie auch andere, die hier vor mir das Wort ergriffen) Montag früh wieder zur Arbeit und dabei ohne Auto auskommen (konkret also bezahlbares Bett finden und früh genug wieder aufstehen, um 6:00 Uhr den ersten Zug zu nehmen).

Die Entscheidung wurde mir dann etwas erleichtert durch Glück im Spiel: die norwegische Botschaft verloste 2x2 Tickets, und ein Paar landete bei mir (mit meiner Partnerkarte habe ich dann die zufällig hinter mir in der Kassenschlange stehende Besucherin eingeladen).

Was mir im Vorfeld gefiel: präzise Angaben, wann welche Band dran ist und dass es wohl gegen Mitternacht zu Ende sein würde. Tatsächlich hielten sich die Veranstalter recht genau an den Fahrplan und das war schon logistisch eine eindrucksvolle Leistung. Bei allein drei verschiedenen Schlagzeugsets, diversen Tasteninstrumenten usw.

Ich war pünktlich etwas vor 17 Uhr da und kam mit den ganzen VIPs hinein. Das war ein lustiges Vielvölkerschwatzen in der Warteschlange - auch die Altersverteilung fand ich sehr interessant... Das frühe Erscheinen sicherte mir einen genialen Platz, von dem ich die Bühne bestens im Blick hatte und zwischen den Konzerten gut ausruhen konnte.

Leider war das Set von Mirel Wagner irgendwie lieblos platziert. Es ging schon damit los, dass Sie einige Minuten auf der Bühne saß und beginnen wollte, aber warten musste, bis jemand davon Notiz nahm und die Background-Beschallung abstellte. Sie spielte 35 min hinreißend traurige Lieder, mit sehr zurückhaltenden Ansagen zwischendurch. Es wurde ziemlich laut geschwatzt und mir tat es leid, dass dieses Setting so bescheuert organisiert worden war. Die einzige Frau, die ans Mikro treten durfte als Botschafterin nordischer Musik. Dann sowas... Sicher hätte es einen intimeren Raum in dem großzügigen Gebäude gegeben, wohin sich die hätten begeben können, die Mirel Wagner gern hören wollten. Und die anderen hätten sich halt vor der Hauptbühne auf die laute Musik eingestimmt.

Hinreißend spielten anschließend die sehr jungen Männer von Figurines auf. Live gefielen sie mir ausnehmend gut. Beine still halten ging gar nicht. Das Haus war auch schon gut gefüllt und es wurde ordentlich mitgefeiert. Ich habe nach musikalischen Referenzen gesucht. Für mich war es an dem Abend am ehesten Franz Ferdinand meets Beatsteaks. Absolut eingängige Stücke zum Teil sehr rotzig vorgetragen, aber häufig mit einer Wendung ins frickelige überraschend.

Der Teil des Abends, für den sich die Fahrt in jedem Fall für mich gelohnt hat, war Kaizers Orchestra. Das ist schon fast peinlich. Seit 2001 bin ich Fan, habe 5 CDs aber zum Liveerlebnis ist es nie gekommen. Das habe ich nun ausgerechnet in Zürich nachgeholt, aber warum auch nicht. Die Band war bestens aufgelegt. Das Publikum ohnehin in Feierlaune und die 80 min, die die Band hatten waren eine einzige Orgie. Das waren Vollblutmusiker, die ihrem Affen ordentlich Zucker gaben und das Publikum tanzte, sang, klatschte und schrie, dass es nur so eine Lust war. Ich erwische mich jedenfalls dabei, schon nach einem nächsten Konzerttermin zu schauen und dafür auch weite Wege in Kauf zu nehmen. Von der Musik her ging es quer durch alle Alben.

Der Teil des Abends, der als Höhepunkt angelegt war, Caligula, ein neues Projekt von den beiden Mando Diao Frontmännern, war dagegen dann nur schal und oberflächlich für mich. Alles war als toller Höhepunkt inszeniert: die Premiere der neuen Band heute und hier - ihr wohnt einem historischen Augenblick bei...
Ich zitiere: "Caligula, das sind Gustaf und Björn an den Vocals, ganz wie man's bei Mando Diao kennt. Die Musik dagegen ist volle Kraft voraus Sixties-Soul. Sixties Soul, modernisiert mit breiten, massiven Beats aus der Salazar'schen HipHop-Schule."
Aber es war so gar nicht mein Ding. Genau die Musik, weshalb ich mein Radio schon gar nicht mehr einschalte. Traurig, weil ich auch vor 10 Jahren mal totaler Fan der ersten Mando Diao Platte war und eigentlich noch bin.

Die Band trat als schwarze Kutten mit Kapuzen tragende Gruppe auf. Dazu Ansagen wie: "Wir sind ein Kollektiv und ein ganz neues Ding und ihr könnt heute auch Mitglieder dieses Kollektives werden" kam für mich als hohle Phrase an. Es sprang nichts über davon. Das nehme ich krumm.
Nochmal zum mitschreiben: ich habe nichts gegen Beats und nichts gegen Hiphop oder Soul. Das Original zum Auftritt der Band in Mönchskutten wäre für mich z.B. "Seeed" als "Musik Monks". Das ist für mich glaubhaft und mit Inhalt. Caligula taten nur so und brachten es irgendwie doch nicht.

Das Publikum ging ab und war offensichtlich sehr zufrieden. Mir war die ganze Show inkl. Musik wie Ersatzdrogen statt echter Musik. Der Auftritt hätte so auch beim Eurovisions Song Contest gepasst. Ich habe mir dann nach 30 min den Rest gespart und habe meine ohnehin kurze Nacht nicht noch durch solche Pseudomusik verkürzen lassen.

Schade war allgemein der Lautstärke-Pegel, der ohne Ohrstöpsel nicht auszuhalten war. Ich weiß, das ist halt so, aber gut wird es dadurch trotzdem nicht. Ich habe inzwischen auch diverse Rockkonzerte erlebt, die ohne Stöpsel gingen.

Tolle Fotos aller vier Acts gibt es u.a. hier:

http://www.rockfoto.nu/venues/zurich/x-tra

Weitere Informationen zur Veranstaltung hier:

http://www.x-tra.ch/eventinfo_20120122_1814.html

Foto Mirel Wagner: Archiv



Sonntag, 18. Dezember 2011

Mirel Wagner, Paris, 16.12.11

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Konzert: Mirel Wagner
Ort: Institut Finnlandais, 75007 Paris
Datum: 16.12.11
Zuschauer: viele! volle Hütte!
Konzertdauer. etwa eine Stunde


Mazzy Star, Cat Power, Nico, Vashti Bunyan, Marissa Nadler, so viele fantastische Sängerinnen fallen einem ein, wenn man das bezaubernd schöne Debütalbum von Mirel Wagner hört. Aber das Beste ist: die aus Äthiopien stammende Finnin fügt dem Kanon der beindruckendsten wispernden und hauchenden Folksängerinnen ein neues Kapitel, ja gar ein neues kleines Meisterwerk hinzu.

Und live bewies sie im Centre Culturel Finlandais zu Paris, daß sie nicht nur zart und fragil kann, sondern auch über Temperament und Angriffslust verfügt. Natürlich ist sie deshalb keine vor Wut keifende Scout Niblett, aber Mirel erhob ganz im Gegensatz zum durchgängig ruhigen Album doch immer mal wieder ihre Stimme, wurde ab und zu lauter, intensiver. Dennoch überwognen aber die bedächtigen, sehr subtilen und dezenten Momente, in denen man eine Stecknadel hätte fallen hören Das sehr zahlreich erschienene Publikum (200? 300?) verhielt sich vorbildlich leise und lauschte wie gebannt dem neuen Stern am weiblichen Folkhimmel, der so untypisch wirkt. Finninen stellt man sich eben eher blond und hellhäutig vor, denkt nicht in erster Linie an Immigranten aus Afrika. Aber da saß sie nun da, die eher schüchterne, aber dennoch sehr schlagfertige und humorvolle junge Frau und ließ ihre sirenenhafte Stimme und ihre Akustikgitarre sprechen. Sie präsentierte Songs voller Poesie und Direktheit, vordergründig einfach gestrickt, aber mit einer solchen Sogwirkung und mysteriösen Anziehungskraft versehen, daß man nur staunen konnte. Wie schaffte sie das? Die Leute mit solch simplen Mitteln- eine weiche Stimme, ein paar Gitarrenakkorde- so zu fesseln? Mit Liedern, die bis vor ein paar Wochen niemand kannte und die nur Eingeweihten ein Begriff waren? Die Magie der Musik mag man so etwas nennen und es stimmt schon, die Sache hatte in der Tat etwas Magisches. Die Ungekünsteltheit faszinierte, dieser charmant simple Ansatz, diese Authenzität. Man nahm Mirel Waner ihre Gefühle ab, glaubte den Aussagen ihrer knisternd warmen Songs. Es lag eine nebulöse Düsterheit über ihnen, aber deprimierend und ohne Hoffnung waren sie nicht, obwohl die Sängerin selbst schelmisch anmerkte, daß sie kaum "happy Songs" in ihrem Programm habe und sich vieles um den Tod drehe. Der Tod verlor mit den Liedern von Wagner seinen Schrecken, wurde in warme Tücher gewickelt und unschädlich gemacht. "No Death will tear us apart" sang sie bei No Death und es klang fast wie eine Bezugnahme auf den berühmten Joy Division Song Love Will Tear Us Apart. Ein Highlight im Set, das nicht nur zahlreiche Albumtitel bot, sondern auch mit ein paar neuen Liedern garniert war (z.B. Who Am I To Sing A Lovesong?)

Die Zeit ging schnell vorbei (fast wie im Traum, vielleicht hieß deshalb eine wundervolle Nummer Dream?) und sehr bald war sie schon beim letzten Titel angelangt. Als sie den "last song" verkündete ging ein Raunen der Enttäuschung durch die Reihen, was Mirel spitzbübisch mit: Kennt ihr so etws wie ein "Encore", eine Zugabe? konterte. Die gab es dann in der Tat noch und bei Fräulein Wagner wurde auch das fünfminütige von-der-Bühne-Verschwinden ausgelassen. Sie hielt das für überflüssig und merkte an, daß sie Zeit spare, wenn sie auf der Bühne bliebe und somit sogar noch zwei Stücke performen könne.

Gegen 22 Uhr 15 war dann aber wirklich Schluß und nun, ohne die ganzen Leute, konnte ich die interessante Architektur des Gebäudes bewundern. Mir kam sofort in den Sinn, daß das finnische Kulturinstitut wie eine überdimensionale Sauna aussieht. Finnen und die Sauna, alles nur Klischees? Vielleicht. Denn wer hätte schon gedacht, daß die Nordeuropäer auch Rotwein kredenzen? Gut war der im unteren Gebäudeteil ausgeschenkte Rebensaft allerdings nicht, es fehlte ihm sicherlich die Sonne. Das Bier schmeckte jedoch tadellos und die hübsche Blondine, die den Getränkestand schmiss, sah mit ihren schönen blauen Augen ziemlich genauso so aus, wie man sich Frauen in diesen Breitgraden vorstellt...

Wundervolles Konzert!

Setlist Mirel Wagner, Institut Finlandais, Paris (ohne besondere Reihenfolge):
The Road
Despair
Joe
No Hands
Dream
Red
The Well
To The Bone
No Death
Who Am I To Sing A Lovesong?
Come Away Child



 

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