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Freitag, 24. Mai 2013

Murder by Death, Zürich, 20.05.13

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Konzert: Murder by Death mit Support Daniel Meister
Ort: Komplex 457 in Zürich
Datum: 20. Mai 2013 
Zuhörer: etwa 60
Dauer: 40 min + 75 min



Es gibt so Langzeitbeziehungen mit Bands. 
  Beispiele gefällig? 

Im Dezember 2006 traf ich auf Daniel Benjamin (heut Sea+Air) und im März 2007 auf Locas in Love (mit Saurus) und  Murder by death (mit In Bocca al Lupo). Bei dieser Musik schlug bei mir der Blitz ein ... und das kitzliche Gefühl in den Nervenenden bleibt und nutzt sich über die Zeit einfach nicht ab, sondern die Gefühle reifen heran wie guter Wein. Außer Daniel Benjamin, den ich live zuerst traf, waren dies alles Beziehungen per Tonkonserve und trotz großer Liebe kam es erst im Dezember 2012 zum ersten Konzert mit den Locas und Murder by death stand bis jetzt komplett aus. Das obwohl wir uns gerade im Zuge der Kickstarterkampagne zum aktuellen Album Bitter Drink, bitter Moon ganz besonders nah gekommen waren weil viele Neuigkeiten und witzige Coversongs geteilt wurden. Dieser seltsamen Situation musste ich unbedingt abhelfen und dazu die Chance in Zürich zwingend nutzen.

Fast hätte mich noch der Schlag getroffen als ich an dem Tag des Konzerts morgens folgende Statusmeldung las: Holy shit! The last two shows were incredible! Best shows ever in Europe. Thanks London and Orange Blossom Fest! Da hatten die Jungs heimlich in Beverungen gespielt und ich kriegte so noch einmal richtig einen dafür mitgegeben, mir das Festival an der Weser diesmal nicht ausgesucht zu haben. Echt jetzt mal - das ist nicht fair!


Nun gut, in Zürich würden wir uns nun definitiv treffen. Ich hatte mir ein Hostel in der Nähe das Hauptbahnhofes gesucht. Zum Glück fuhr auch ein Bus in den Club, der an einer für Fußgänger eher unattraktiven Ausfallstrasse Zürichs liegt. Im Gegensatz zum äußeren Eindruck war es aber innen richtig kuschlig und nett anzusehen (nur ist mir wegen der Beleuchtung kein gutes Foto davon gelungen).


Als Vorprogramm gab es den Schweizer Singer-Songwriter Daniel Meister. Die Songs waren gefällig, mir aber in Summe etwas zu eingängig weil ohne Ecken und Kanten. Ich ließ mich davon faszinieren, wie man für ein Set von acht Songs tatsächlich vier Gitarren mitbringen kann und fand die Logarithm-Box super (Berufskrankheit...). Und ... es war echt seltsam, mir wie eine dumme Fremde vorzukommen, während auf der Bühne deutsch gesprochen wird. Ich habe zu wenig davon verstanden, als dass ich mir immer einen Reim drauf hätte machen können. Später bei der Band von überm Teich dann alles überhaupt kein Problem...



Setlist Daniel Meister:
Cloudrunner
Heart of a Lion
Kinda blind
She goes down
Keeping the Aliens alive (cover)
Destination
The River
Remedy

Die Umbaupause war erstaunlich kurz und das ersehnte Treffen wurde von Murder by Death mit einem rasanten Einstieg begonnen. Die ersten Songs luden auf wilde Tänze ein. Gekommen waren viele wohl als Fans und nicht als Laufkundschaft. Man sah es daran, dass sehr viel mitgesungen wurde und recht ekstatisch getanzt.


Zu Beginn wurde das vier Jahre zurück liegende letzte Züricher Konzert beschworen, das wohl der Band ganz besonders in Erinnerung geblieben war, weil es ein großartiges Geburtstagsfest für Adam Turla gewesen war. Heut Abend waren auf der Bühne fünf Personen versammelt


Adam Turla (Gitarre, Gesang)
Matt Armstrong
(Bass)
Sarah Balliet
(Cello, Gesang)
Dagan Thogerson
(Drums) 

??? (Piano, Mandoline, Trompete)

Meine Liebe zur Musik dieser US-Amerikaner beruht vor allem auf der Kombination der Stimme von Adam Turla mit dem warmen und manchmal auch sehr fordernd klingenden Cello von Sarah Balliet. Das erzeugt so einen Sound der etwas in meiner Mitte zum schwingen bringt auch wenn ich sonst gar nicht so auf Wüstenszenerie abfahre.
 

Auch im Konzert banden sie den Hauptteil meiner Aufmerksamkeit. Es war echt schwierig, einen Moment abzupassen, in dem sich Adam nicht beim Singen und spielen wild bewegt  - und z.B. etwas Gedanken verloren in das Mikro singt. Zum Glück hatte ich einen Schnappschuss schon vor Beginn des Konzerts hingekriegt! 

Auch die Cellistin tanzte die meiste Zeit förmlich einen Stuhltanz beim spielen auf den vier Saiten. Es ging unglaublich viel Energie von ihr aus.


Die live-Umsetzung war ganz souverän und man merkte einfach die gewisse Routine, die die Truppe miteinander hat. Das ist alles ehrlich und bodenständig ohne Fass und doppelten Boden. Das Publikum dankte es mit riesigem Applaus und feierte die Lieder eins nach dem anderen ab.

Meine persönlichen Highlights waren Shiola und Brother von meinem immer noch liebsten Album In Bocca al Lupo und Coming home vom Nachfolgealbum.

Für mich am ergreifendsten war aber, als Adam und Sarah für die Zugabe  No oath no spell (vom aktuellen Album) als Duo genau die Quintessenz meiner Liebe zur Musik von Murder bei Death filtriert darboten. Etwa so:



Nach den drei Zugaben und viel Spaß konnte man nach dem Ende des Konzerts noch alle Mitglieder der Band treffen. Ich ließ mir meine CDs alle signieren und hatte beim warten auf den Bus in die Stadt zurück noch ein nettes Gespräch mit den Männern von Bass und Piano. Ich sprach sie natürlich auf die unerhörte Begebenheit an, in Deutschland nur zwei Konzerte zu geben und eines davon geheim zu halten! Sie hatten den Gig in Beverungen noch lebendig vor Augen, wo sie ja als Sonntags-opener das Publikum in den Glittergarten ziehen sollten. Noch 11:15 war niemand da und 11:25 Uhr (fünf Minuten vor Start) war der Garten wieder krass besetzt und feierte die Amerikaner ordentlich ab. Es hatte ihnen aber auch so sehr gut gefallen: gutes Essen, nette Leute und immer genug Freibier!



Setlist (on Spotify):
Kentucky Bourbon (Magpie)
As long as there is Whiskey in the world (Magpie)
You don't miss twice (Magpie)
Foxglove (Magpie)
King of the Gutters (Magpie)
Lost River (Bitter Drink, bitter Moon)
Fuego! (Red of tooth and claw)
Straight at the sun (Bitter Drink, bitter Moon)
My Hill (Bitter Drink, bitter Moon)
I came around (Bitter Drink, bitter Moon)
'52 Ford (Red of tooth and claw)
The curse of Elkhart (Bitter Drink, bitter Moon)
Shiola (In Bocca al Lupo)
Never tear us apart (INXS-Cover)
Brother (In Bocca al Lupo)
Until Morale Improves (Who will survive...)
I'm Comin' home (Red of tooth and claw)

No oath, no spell (Bitter Drink, bitter Moon)
Pizza Party
???


Weitere Informationen:


Ich bin nicht allein: Emotionaler Bericht über das Berliner Konzert. 

Das klienicum zum sonntäglichen Murder by Death Konzert beim OBS17. 

Zwei der oben hinterlegten Videos (Lost River und As long as there is Whiskey) stammen vom Konzert in Beverungen am Vortag.





Donnerstag, 1. November 2012

Amanda Palmer, Zürich, 30.10.12

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Konzert: Amanda Palmer and the Grand Theft Orchestra
Ort: Abart in Zürich 
Datum: 30.10.2012
Zuschauer: ausverkauft, ca. 500
Dauer: 100min

Wie könnte ich meine Pulsadern aufschneiden wenn ich nicht aufhören kann zu tanzen?
 

So beginnt die Platte zum Konzert und so ist das mit Frau Palmer: voll auf die zwölf, unter dem macht sie es nicht: Tanzen zum überleben, Musik als Netz, das uns im Leben hält und uns als menschliche Wesen verbindet. Dafür bewundere ich sie seit langem, bin immer neu fasziniert, angesteckt, aufgeschreckt, begeistert und befinde mich mit ihren Ansichten und ihrer Person im Dialog. Und das obwohl ich sicher nicht verdächtig bin "so eine" zu sein - also so laut, anarchistisch, theatralisch, und in dickköpfiger Punk Attitüde.

Amanda Palmer ist für mich zu einer Gefährtin geworden, die mir näher steht als sich nachvollziehbar begründen läßt. Begonnen hat alles mit der Musik der Dresden Dolls, die ich auch heute noch (nach 10 Jahren)  einfach nur göttlich finde. Der Umbruch durch Web 2.0 war für mich zu großen Teilen ein Übergang zu mehr Interaktionsmöglichkeiten und Ausprobiererei um mit dieser Band in Kontakt zu sein (daneben gab und gibt es nur noch zwei andere Projekte, die ich ähnlich intensiv verfolgte). Und in dieser Zeit sind wir durch so viele Diskussionen und sozusagen durch dick und dünn gegangen, dass ich die Musik natürlich nach wie vor wichtig finde, aber inzwischen die Person dahinter eigentlich noch viel interessanter für mich ist. Ich stelle jedem Leser hier frei, das für total bescheuert oder übertrieben (oder meinethalben naiv) zu halten. Zum Glück erlaubt das Konzerttagebuch ja total subjektiv gefärbte Berichte.

Für eine derartig enge Bindung erscheint meine Liveerfahrung mit ihr merkwürdig dünn - bisher hatte ich nur im Sommer 2006 (zu Drummer Brian Vigliones Geburtstag) und im Herbst 2008 Gelegenheiten ergriffen. Aber diese beiden Konzerte waren jedes in seiner Art grandios. Mit den Dresden Dolls hatten wir sie ganz kurz entschlossen im Spiegelzelt in Hamburg gesehen (damals waren wir in Paderborn zu Haus) und es war wirklich der absolute ekstatische Wahnsinn. Im Herbst 2008 kam sie mit ihrem Soloprojekt ''Who killed Amanda Palmer?'' nach Heidelberg in den Karlstorbahnhof. Da wir zu der Zeit in Heidelberg wohnten, war das wie ein Gottesgeschenk (zumal sie in dieser ersten Testtour nur 4 Konzerte in Deutschland spielte), das man natürlich nicht ausschlagen kann. Das Konzert war auf mehreren Ebenen Augen öffnend und absolut einmalig (sie selbst nannte es hinterher magisch). In meinem inneren Kino laufen dazu immer noch mehrere emotionale Filme ab und berühren mich aufs Neue tief. Das Prinzip der Rockkonzerts wurde aufgebrochen und erweitert und geblieben ist mir davon auch noch die Musik von Zoe Keating und Jason Webley (beide auch als interessante Personen und Gefährten). Als Indiz dafür, wie eindrücklich der ganze Abend war, möchte ich hier anführen, dass mir erst beim erneuten sichten des alten Berichtes (*) wieder einfiel, dass sie das Konzert an Krücken gespielt hat. Normalerweise wäre doch so ein Detail dominant genug, um in Erinnerung zu bleiben...

Nun ist seit 2008 ganz schön vieles und interessantes passiert um Amanda Palmers Musik und ihre Person. Ich nehme mir die Freiheit, das hier auszulassen. Wichtig für den Bericht ist, dass Amanda Palmer 2012 als Rockband im Stil der 80er als ''The Grand Theft Orchestra'' auftritt unterstützt durch Michael McQuilken am Schlagzeug, Jherek Bischoff am Bass, Chad Raines an der Gitarre und weiteren Helfern im Hintergrund. Die Tour zum aktuellen Album ''Theatre is evil'' ist eingebettet in einen Rahmen von zum Album in Auftrag gegebener Kunst, die an verschiedenen Orten ausgestellt wurde, einer Reihe von Hauskonzerten und intimen Konzerten mit überraschendem und einzigartigem Linup und Ablauf. Mir blutete wirklich das Herz, als es mein Zeitplan einfach nicht zuließ, im Juni in Berlin daran teilzuhaben.

Als schließlich der Vorverkauf zu den Herbstkonzerten in Europa begann, war ich gerade in Prag. Trotzdem musste ich mich ganz fix entscheiden, wo ich sie sehen wollte (dass ich sie sehen wollte, war keine Frage). In die engere Wahl kamen Berlin, Zürich und Köln. Vielleicht auch noch Paris oder Prag. Es wurde Zürich, weil ich hoffte, dass das kleine Venue sich besonders lohnt und dass es mir Gelegenheit gibt, mal wieder in das schöne Zürich zu fahren. Außerdem hatte ich so eine vage Hoffnung, dass es in Zürich vielleicht nicht so voll wird (es war auch das einzige Konzert, wo es dann noch Karten an der Abendkasse gab). Hinterher stellte sich heraus, dass Köln vom Zeitpunkt her doch die einfachere Wahl gewesen wäre (**), denn es war total kompliziert, den Mittwoch nach dem Züricher Konzert frei zu räumen (naja, zur Not kann man auch 6:00 Uhr einen durchgehenden ICE von Zürich nach Karlsruhe nehmen und ist fast pünktlich 9:00 Uhr im Büro). Was in der Zwischenzeit leider auch klar wurde - wegen der aktuellen Musik musste ich das Konzert nicht so unbedingt sehen. Mit der neuen Platte bin ich auch nach 3 Monaten noch nicht so recht warm geworden bis auf ein oder zwei Stücke. Aber man kann ja hoffen, dass sich das live ganz anders anfühlt. Und ich denke, dass aus den einführenden Zeilen auch klar geworden ist: ich musste schon deshalb zum Konzert, weil ich mit eigenen Augen sehen musste, wie es Amanda geht.

Eine angenehme Facette daran, Fan von Amanda zu sein ist, dass es einfach ist, andere Amanda-Anhänger zu erreichen. Schon seit Urzeiten gibt es ein Forum über das alles mögliche organisierbar ist und passend zur Tour gibt es nun auch eine App, auf der sich viele Dinge erledigen lassen rund um Amandas Musik und die Konzerte. Eine eigene Community sozusagen. Darüber hatte ich eine Couch in Zürich gefunden, die mir (und meinem Schatz) ein Züricher Konzertbesucher für die Nacht anbot. Weiterer Vorteil (außer dass Gastfreundschaft einfach immer großartig ist) war, dass ich damit auch alle möglichen Infos frei Haus bekam, die ich mir sonst mühsam hätte zusammensuchen müssen. z.B. welche Straßenbahn ich nehmen kann und ob sich ein Tagesticket lohnt (und wie das heißt) und wie man dann nach dem Konzert noch heimkommt (***).

Schließlich war es soweit und ich saß nach zwei ziemlich verrückten Tagen voller Diskussionen und schwelendem Streit im Job im Zug nach Zürich. In dem Moment hatte ich doch gewisse Zweifel, ob es so eine gute Idee war. Ich war eigentlich ziemlich fertig, eine extrem kurze Nacht war vorprogrammiert, ich würde einen wildfremden behelligen und das wegen Musik, die mir nicht mal so richtig gefällt. Es war auch schon klar, dass es mir in jedem Fall viel zu laut sein würde (das finde ich nach wie vor echt belastend). Mein Schatz hatte aus diesem Grund einen Rückzieher gemacht und ließ mich allein losziehen - damit war auch der Hintergedanke passé ihm bei dieser Gelegenheit mal das schöne Zürich zu zeigen (ich war schon mehrfach dienstlich dort und im Januar zu einem nordischen Konzertabend - er noch nie). Und wie es dann so ist, wenn man einmal dabei ist, den Kopf hängen zu lassen: im Bahnhof von Emmendingen hatte unser ICE einen unplanmäßigen Halt. Schnell stellte es sich heraus, dass wir wegen Personenschadens zwischen Emmendingen und Denzlingen hier wohl wenigsten 90 min verbringen würden, evt. auch länger. Innerlich brach in hysterisches Lachen aus. Ich dumme Nudel hatte mir einen Tag Urlaub genommen und ordentlich Fahrgeld investiert, um vielleicht noch die Zugaben zu sehen... Naja, Dummheit gehört halt bestraft!

Andererseits wurde ich in dem Moment auch seltsam ruhig. Wenn es bei nicht mehr als 130 min Aufenthalt blieb, würde ich wohl Amandas Auftritt noch sehen und nur die Möglichkeit verpassen, mich weit vorn zu platzieren. Dem Set des Supportes trauerte ich nicht wirklich hinterher. Diese innere Rechnung im Kopf überließ ich mich für  insgesamt etwas mehr als 2 Stunden dem wittertainment von Simon Mayo und Mark Kermode von der BBC und brachte etwas Abstand zwischen den Ärger und mich. Schließlich ging es mit 135 min Verspätung weiter und es war etwas spannend, ob ich den einen Anschluß in Basel bekommen würde, der mich wohl gerade noch rechtzeitig ins Züricher Abart bringen würde. Aber tatsächlich klappte es ab da alles wie am Schnürchen. Der Anschluss klappte auf 5 Min, in Zürich fand ich den Ticketautomaten wo ich ihn in Erinnerung hatte und die Strassenbahn fuhr nach Plan. So war ich tatsächlich 21:25 Uhr im Abart. Dort war Jherek Bischoff gerade noch in den letzten Zügen und gab eine Zugabe während ich mein Ticket einlöste.

Das war also noch einmal gut gegangen. Drin war es dann allerdings unglaublich gerammelt voll.
Leider nutzten auch nur wenige die Umbaupause dazu, draußen eine zu rauchen. Es wurde sehr sehr schwierig, so weit vorzurücken, dass ich irgendetwas auf der Bühne sehen konnte. Ich erlebte das Publikum als ziemlich ungehobelt. Keiner machte Platz, dafür wurde ich regelrecht rumgeschubst wenn ich mit meinem Rucksack zwischen den Beinen nicht sofort sprang wenn jemand sich rücksichtslos vorbeischob. Man sieht aber an den Fotos, dass ich schließlich eine annehmbare Position fand. Blöd war auch, dass schon die Pausenmusikberieselung so unglaublich laut war, dass ich die Ohrstöpsel brauchte und dass tatsächlich 30 min auf der Bühne nix geschah (nachdem der Umbau fertig war) - das Publikum wurde schon unruhig.

Aber als es gegen 22:10 Uhr endlich losging musste ich doch selig lächeln, denn während sich auf der dunklen Bühne die Band eingeschlichen hatte, war Amanda von hinten in den Saal gekommen im hellen Kimono und begann das Set mit Ukulele und einem vielstrophigen deutschen Volkslied! Das gab ordentliches Gejohle und viele Sympathiepunkte. Aber gleich im Anschluss musste ich blitzartig meinen Ohrschutz an den Start bringen, denn es gab ein rockiges Intro und Lichtshow und ab da erst einmal zwei Reißer vom neuen Album. Die Rockerattitüde wurde ordentlich zelebriert aber dann auch wieder gebrochen. Z.B. weil sich das Publikum ''Eisbär'' wünschte (was nun einmal kein Rocksong ist) oder weil das Keyboard ausstieg und man schnell improvisieren musste und das Keyboard wechseln (das ist wohl auch in Berlin passiert) und bei einem ganz alten Lied ''Missed me'' wo pro Strophe die Instrumente gewechselt wurden
(vielleicht mein persönlicher Höhepunkt an dem Abend zusammen mit der Fassung von ''Astronaut''). Amanda sagte, dass dies das kleinste Venue der Tour sei und sie ja quasi auf das Publikum schwitzen würden (bis auf Jherek Bischoff, der in seinem Smoking nie schwitzt). 
 
Nach einer Weile schickte Amanda ihre Jungs in eine Pause an die Bar und nahm Wünsche für einen Soloteil an. Da ist die Frau in ihrem Element und lässt sozusagen das Publikum aus der Hand fressen. Und für diese Teile hat sich auf alle Fälle auch die Anfahrt gelohnt.

Nach etwa einer Stunde gab ich dann etwas entnervt auf, weil ich das geschubse leid war und suchte mir einen ruhigen Fleck in der hintersten Ecke. Das Publikum schien aber sonst mehr als zufrieden, denn es wurde Song um Song frenetisch abgefeiert und schließlich Zugaben herbeigeklatscht. Als letzte Zugabe gab es schließlich das Radiohead-cover ''Creep'' (was auch in Heidelberg der Rausschmeisser war, da hatte sie die Ukulele gerade für sich entdeckt) und alle sangen lauthals mit - was für ein gelungener Abschluss des Abends! 

Amanda versprach, später noch Zeit zu haben und auch ihre Jungs würden noch an die Bar kommen. Es dauerte dann auch nur etwa 15 min bis sie das Versprechen wahr machte und mich damit beeindruckte, wie sie mit jedem, der auf sie gewartet hatte, aufrichtig und interessiert sprach, Witze machte, Leute drückte, sich an vergangene gemeinsame Treffen erinnerte und Fragen beantwortete. So fragte z.B. jemand danach, wie sie es geschafft hatte, die Show in London zu spielen nachdem sie erfahren hatte, dass eine enge (noch sehr junge) Freundin ganz überraschend im Schlaf verstorben war.

In aller Ernsthaftigkeit, die man sich wünschen kann, wurde diese Frage von ihr beantwortet. Ich saß die ganze Zeit etwa 1,5 m entfernt auf einer Bank und habe mir das in aller Ruhe und auch mit stillem Glücksgefühl angesehen und angehört. Ich denke, es geht ihr gut. Und das macht mich froh. Und in der Summe hat sich der Abend in Zürich dann doch mehr als gelohnt. Wo uns die Reise noch hinführen wird, Amanda?


Bemerkungen: Das Album gibt es als freien Download (pay what you want) oder mit Bonus-Coverversionen für mindestens 1 USD (weil dann auch noch Tantiemen an die Bands zu zahlen sind, deren Lieder gecovert werden)


Weitere Bild- und Tondokumente zum Abend im Abart:
Fotos  hier von Melanie Schmidt und hier von Moritz Bichler
Zwei Videos (ebenfalls von Melanie) zu Eisbär und  Coin operated boy

und ein schönes Video vom Eingang mit Ukulele   (zusammen mit dem Übergang zur Rockshow)


Und was habe ich in Paris bzw. Köln verpasst?
__________________________________________


(*) der alte Bericht zum nachlesen
(**) und ich hätte die Karte meiner besseren Hälfte, die dann doch gekniffen hat an Christoph weitergeben können...
(***) ich hatte vorher über Couchsurfing gesucht, aber dort findet man einfach keine gut sortierten Ergebnisse, die sichern, dass man im Stadtgebiet von Zürich ist und mit öffentlichen Verkehrsmitteln ankommen kann und der allerallerbilligste Schlafplatz im Hostel im Schlafsaal ist auch etwa 40 CHF pro Person



Donnerstag, 26. Januar 2012

Sounds Nordic, Sounds Good!, Zürich, 22.01.12

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Konzert: Sounds Nordic, Sounds Good!

Ort: Zürich, x-tra

Datum: 22.01.2012,

Zuschauer: ca. 400 zahlende Besucher und jede Menge VIPs auf der Empore

Konzertdauer: 17-23.30


Bericht von Gudrun Thäter


Line-up:

17:45 Mirel Wagner (FIN)
18:45 Figurines (DK)
20:15 Kaizers Orchestra (NOR)
22:00 Caligola (SWE)

Die Botschaften von Schweden, Dänemark, Finnland und Norwegen in der Schweiz organisierten den Zürichern einen Abend voll nordischer Musik und sich selbst einen netten Abend im x-tra.



Ich stolperte beim Suchen nach Konzertterminen von Mirel Wagner über das Event. Was einen gewissen abseitigen Charme hat, wenn man sich das Lineup ansieht. Die Frage auf Ehre und Gewissen war, ob sich so eine weite Fahrt lohnen würde, inklusive sehr kurzer Nacht - ich musste (wie auch andere, die hier vor mir das Wort ergriffen) Montag früh wieder zur Arbeit und dabei ohne Auto auskommen (konkret also bezahlbares Bett finden und früh genug wieder aufstehen, um 6:00 Uhr den ersten Zug zu nehmen).

Die Entscheidung wurde mir dann etwas erleichtert durch Glück im Spiel: die norwegische Botschaft verloste 2x2 Tickets, und ein Paar landete bei mir (mit meiner Partnerkarte habe ich dann die zufällig hinter mir in der Kassenschlange stehende Besucherin eingeladen).

Was mir im Vorfeld gefiel: präzise Angaben, wann welche Band dran ist und dass es wohl gegen Mitternacht zu Ende sein würde. Tatsächlich hielten sich die Veranstalter recht genau an den Fahrplan und das war schon logistisch eine eindrucksvolle Leistung. Bei allein drei verschiedenen Schlagzeugsets, diversen Tasteninstrumenten usw.

Ich war pünktlich etwas vor 17 Uhr da und kam mit den ganzen VIPs hinein. Das war ein lustiges Vielvölkerschwatzen in der Warteschlange - auch die Altersverteilung fand ich sehr interessant... Das frühe Erscheinen sicherte mir einen genialen Platz, von dem ich die Bühne bestens im Blick hatte und zwischen den Konzerten gut ausruhen konnte.

Leider war das Set von Mirel Wagner irgendwie lieblos platziert. Es ging schon damit los, dass Sie einige Minuten auf der Bühne saß und beginnen wollte, aber warten musste, bis jemand davon Notiz nahm und die Background-Beschallung abstellte. Sie spielte 35 min hinreißend traurige Lieder, mit sehr zurückhaltenden Ansagen zwischendurch. Es wurde ziemlich laut geschwatzt und mir tat es leid, dass dieses Setting so bescheuert organisiert worden war. Die einzige Frau, die ans Mikro treten durfte als Botschafterin nordischer Musik. Dann sowas... Sicher hätte es einen intimeren Raum in dem großzügigen Gebäude gegeben, wohin sich die hätten begeben können, die Mirel Wagner gern hören wollten. Und die anderen hätten sich halt vor der Hauptbühne auf die laute Musik eingestimmt.

Hinreißend spielten anschließend die sehr jungen Männer von Figurines auf. Live gefielen sie mir ausnehmend gut. Beine still halten ging gar nicht. Das Haus war auch schon gut gefüllt und es wurde ordentlich mitgefeiert. Ich habe nach musikalischen Referenzen gesucht. Für mich war es an dem Abend am ehesten Franz Ferdinand meets Beatsteaks. Absolut eingängige Stücke zum Teil sehr rotzig vorgetragen, aber häufig mit einer Wendung ins frickelige überraschend.

Der Teil des Abends, für den sich die Fahrt in jedem Fall für mich gelohnt hat, war Kaizers Orchestra. Das ist schon fast peinlich. Seit 2001 bin ich Fan, habe 5 CDs aber zum Liveerlebnis ist es nie gekommen. Das habe ich nun ausgerechnet in Zürich nachgeholt, aber warum auch nicht. Die Band war bestens aufgelegt. Das Publikum ohnehin in Feierlaune und die 80 min, die die Band hatten waren eine einzige Orgie. Das waren Vollblutmusiker, die ihrem Affen ordentlich Zucker gaben und das Publikum tanzte, sang, klatschte und schrie, dass es nur so eine Lust war. Ich erwische mich jedenfalls dabei, schon nach einem nächsten Konzerttermin zu schauen und dafür auch weite Wege in Kauf zu nehmen. Von der Musik her ging es quer durch alle Alben.

Der Teil des Abends, der als Höhepunkt angelegt war, Caligula, ein neues Projekt von den beiden Mando Diao Frontmännern, war dagegen dann nur schal und oberflächlich für mich. Alles war als toller Höhepunkt inszeniert: die Premiere der neuen Band heute und hier - ihr wohnt einem historischen Augenblick bei...
Ich zitiere: "Caligula, das sind Gustaf und Björn an den Vocals, ganz wie man's bei Mando Diao kennt. Die Musik dagegen ist volle Kraft voraus Sixties-Soul. Sixties Soul, modernisiert mit breiten, massiven Beats aus der Salazar'schen HipHop-Schule."
Aber es war so gar nicht mein Ding. Genau die Musik, weshalb ich mein Radio schon gar nicht mehr einschalte. Traurig, weil ich auch vor 10 Jahren mal totaler Fan der ersten Mando Diao Platte war und eigentlich noch bin.

Die Band trat als schwarze Kutten mit Kapuzen tragende Gruppe auf. Dazu Ansagen wie: "Wir sind ein Kollektiv und ein ganz neues Ding und ihr könnt heute auch Mitglieder dieses Kollektives werden" kam für mich als hohle Phrase an. Es sprang nichts über davon. Das nehme ich krumm.
Nochmal zum mitschreiben: ich habe nichts gegen Beats und nichts gegen Hiphop oder Soul. Das Original zum Auftritt der Band in Mönchskutten wäre für mich z.B. "Seeed" als "Musik Monks". Das ist für mich glaubhaft und mit Inhalt. Caligula taten nur so und brachten es irgendwie doch nicht.

Das Publikum ging ab und war offensichtlich sehr zufrieden. Mir war die ganze Show inkl. Musik wie Ersatzdrogen statt echter Musik. Der Auftritt hätte so auch beim Eurovisions Song Contest gepasst. Ich habe mir dann nach 30 min den Rest gespart und habe meine ohnehin kurze Nacht nicht noch durch solche Pseudomusik verkürzen lassen.

Schade war allgemein der Lautstärke-Pegel, der ohne Ohrstöpsel nicht auszuhalten war. Ich weiß, das ist halt so, aber gut wird es dadurch trotzdem nicht. Ich habe inzwischen auch diverse Rockkonzerte erlebt, die ohne Stöpsel gingen.

Tolle Fotos aller vier Acts gibt es u.a. hier:

http://www.rockfoto.nu/venues/zurich/x-tra

Weitere Informationen zur Veranstaltung hier:

http://www.x-tra.ch/eventinfo_20120122_1814.html

Foto Mirel Wagner: Archiv



 

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