Posts mit dem Label Feist werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Feist werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 12. Januar 2018

2017 - meine Alben des Jahres (Michael)

0 Kommentare
Unter den besten Alben sind einige, von deren Interpreten ich bisher nichts gehört hatte. Ihr werdet staunen, aber ich freue mich immer, wenn ich auch nach so vielen Jahren des Musikkonsums noch Neues entdecke. Auch Neues, was es eigentlich schon lange gibt, aber in meinen 41 Jahren aktiven Musikgenusses habe ich eben manche Strömungen weggelassen, spät entdeckt oder auch wieder verschüttet.

Nun also meine 2017er Liste der für mich besten und schlechtesten Alben - diesmal in der Reihenfolge des Gefallens oder Missfallens.

Die Auswahl aus mehr als 120 Platten fiel dann doch nicht so schwer, wie es bei der Anzahl zu erwarten gewesen wäre. Es ist wohl eher ein Zeichen dafür, dass es für Bands und Künstlerinnen wie Künstler nicht mehr so einfach ist, wirklich aus der Masse herauszustechen. Und bei bekannten Bands lege ich die Messlatte hoch, weil ich mich mehr über Weiterentwicklung freue als über Verwalten des eigenen Stils. Deshalb habe ich eine Liste der größten Enttäuschungen angefügt.


Die Besten

LCD Soundsystem - American Dream


Typisch: dieses Projekt habe ich aus dem Radio (Tonart meist auf dem Weg vom Büro nach Hause). Habe ich vorher nie bewusst wahrgenommen und dieses Werk macht Lust auf die alten.






Ibeyi - Ash


Die beiden Schwestern mit kubanischen Wurzeln kenne ich seit ihrem Debütalbum. Dieses hier ist ein absolute Empfehlung, genial reduzierte Songs und nebenbei großes Artwork!







Dhani Harrison - IN//PARALLEL


Was macht der Sohn von George? Das Radio erzählte mir die Geschichte, dass seine Mitmusiker von Fistful of Mercy ihm diesmal verweigert haben, unter dem Bandnamen zu veröffentlichen. Er solle sich endlich trauen, das Album unter seinem eigenen Namen herauszubringen. Es ist ein eigenständiges und grandioses Werk geworden.


Slowdive - Slowdive


Ich habe wohl in den 1990er Jahren Shoegaze verpasst bzw. bei der Nennung der Genreschublade an komplett andere Musik gedacht und nie reingehört. Bin sehr froh über die Entdeckung wie auch über Cocteau Twins und Jaguwar aus Dresden, die gerade heute (12.01.2018) ihr Debüt veröffentlichen.


Steven Wilson - To The Bone


Hier muss ich nicht viel schreiben. Einer meiner Helden nach der Nach-Rock-Ära und ein kreativer Kopf und Workaholic wie sie selten sind heutzutage. Ich hoffe auf noch viele Werke in all seinen Projekten, die er betreibt.





St. Vincent - Masseduction


Auch eine Empfehlung des Radios, passt für meine Ohren.











Albin Lee Meldau - Lovers (EP)


Eine weitere Quelle für Neuentdeckungen sind die NPR Tiny Desk Konzerte. Dort stellt der Sender neue und bekannte Musiker vor. Diese Entdeckung war besonders spannend wegen der sparsamen Instrumentierung und der dazu im Kontrast stehenden Intensität des Auftritts.




Hello Piedpiper - The Raucous Tide


Als Freund der Scala haben wir uns hier riesig über Fabios 2. Album gefreut und darüber, dass er es mit Band aufgenommen und dann auch bei uns gespielt hat.







Caspian Sea Monster - Caspian Sea Monster


Chemnitz hat auch eine Post- und Progrockgemeinde. Aus verschiedenen Bands hat sich diese Formation gegründet und ein bemerkenswertes Debüt abgeliefert. Das Googeln nach dem Bandnamen fördert Kurioses zu Tage.





Nick & June - My November My


Leider hat es noch nicht mit einem Wohnzimmerkonzert geklappt. Das Album gefällt mir ausnehmend gut.









Courtney Barnett & Kurt Vile - Lotta Sea Lice


Kurt Vile kenne ich seit seinem 2009er Album „Childish Prodigy“ und habe mich bei NPR Tiny Desk concerts über die Performance mit Courtney Barnett gefreut.








Feist - Pleasure


Ein Album wie ein ungeschliffener Diamant.











Father John Misty - Pure Comedy


Dieses Werk erschließt sich mir immer noch. Ich höre es in Abständen und finde es immer interessanter. Und entdecke immer andere Ecken in den Songs. Kein Ohrwurm dabei - gut so!







Woods of Birnam - Searching For William


Die Reste von Polarkreis 18 fanden sich zusammen und schrieben ein Album, mit dem sie im Dresdner Schauspiel einen Shakespeare-Abend gestalteten. Ein Kleinod moderner Popkunst.







Le-Thanh Ho - Staub


Tolle und nahegehende deutsche Texte. Le-Thanh Ho zu erleben war auch ein Höhepunkt unserer Wohnzimmerkonzertreihe.









Die schlimmsten Alben

We Invented Paris - Catastrophe


„Rocket Spaceship Thing war 2014 eines meiner Lieblingsalben auf dem Plattenteller, die Tour dazu ganz toll und ein Erlebnis auf dem Parkett des Beatpols in Dresden. Was die Jungs Geräten hat, diesen Synthipop aufzunehmen, erschließt sich mir nicht. Der Albumtitel sehr wohl, vielleicht hatte jemand in der Band schon so eine Ahnung…




U2 - Songs of Experience


Ich gebe zu, ich habe der Band überlange die Treue gehalten, nämlich bis 2009 und „No Line On The Horizon“. Ab dann ging es bergab und mit diesem Album besonders steil. Einfallslos und uninspiriert. Wer bezahlt noch für sowas?






Portugal.The Man - Woodstock


Dieses Album steht hier, weil es gegenüber den Vorgängeralben so abfällt und beliebig wirkt. So verliert man Fans, gewinnt sicher auch neue. Ich hoffe, dass dies ein Album zum Sammeln von Erfahrungen ist. Das nächste wird wieder besser.


Mittwoch, 14. März 2012

Feist, Köln, 13.03.12

6 Kommentare

Konzert: Feist
Ort: E-Werk, Köln
Datum: 13.03.2012
Zuschauer: ausverkauft

Dauer: Feist 110 min, Fionn Regan 25 min


Seit heute ist der Streaming-Dienst Spotify auch aus Deutschland erreichbar. Ich bin noch nicht sicher, was von dieser Möglichkeit, Musik online hören zu können, ohne dafür etwas zu bezahlen, zu halten ist. Für Musik hat man gefälligst zu bezahlen. Wenn ich tagein tagaus in Buchhandlungen stünde und Bücher gleich da lesen würde statt sie zu kaufen, würde ich vollkommen zurecht als irre gelten. Bei Musik ist dies gesellschaftlich vollkommen anerkannt. Dienste wie Spotify geben diesem Verhalten einen rechtlich abgesicherten Rahmen. Organisiertes und abgesegnetes Betrügen von Künstlern also. Allerdings bekommen Musiker eine gewisse Entschädigung für das Hören ihrer Stücke über Spotify, auch wenn der Betrag offenbar elendig niedrig ist. Muß man die Schlecker-Löhne also vielleicht doch gut finden, weil mies bezahlt immerhin besser als nicht bezahlt ist? Schwierige Sache.

Leslie Feist braucht die Spotify-Einnahmen sicher lange nicht mehr für ein annehmbares Leben, dafür verkauft sich das Werk der Kanadierin zu gut. Auch das E-Werk (welch ein Wortwitz...) war heute ausverkauft, und das, obwohl der Ticketpreis mit gut 40 Euro gesalzen war.

Um es vorweg zu nehmen: man bekam einiges geboten für dieses Geld. Wir bekamen fast zwei Stunden Konzert geboten, zwei entzückende Zugaben, einige grandiose, druckvolle Rocknummern, wir bekamen aber auch von manchem deutlich zu viel; an einigen Stellen zu viel Bombast und vor allem zu viele Musiker auf der Bühne: die tanzenden und schnippsenden Gospel-Schwestern rechts nahmen eine Menge der Magie weg, die mein vorher einziges Feist Konzert vor ein paar Jahren in Frankfurt so wundervoll gemacht hatte. Es war ein durchwachsenes Konzert, auch wenn ich mit dieser Meinung vermutlich ziemlich alleine dastehe.

Feist war heute immer dann mehr als nur ok, wenn sie entweder ganz leise oder ganz laut war. Die letzten beiden Zugaben waren das viele Geld dann doch noch richtig wert, da spielte Leslie Feist alleine, und da war dieses Besondere, das ich mir für den Abend insgesamt so sehr erhofft hatte reichlich vorhanden. Das konnten selbst in allerlei Rhythmen mitklatschenden und schrecklich schief und laut mitsingende Menschen (an den Stellen, an denen man leise - wenn überhaupt - mitsingt) nicht versauen. Ebenso brillant waren die lauten Stücke: My moon my man und I feel it all gleich nacheinander. Neben den beiden akustischen Zugaben und So sorry vor den Encore-Blöcken waren das die mit Abstand besten Stücke des Abends. Es waren also die alten Lieder, die die Magie mitbrachten.

Zu den unmagischen Momenten (gibt es ein Gegenteil von magisch?) in Kürze mehr!

Setlist Feist, E-Werk, Köln:

01: Undiscovered first
02: A commotion
03: Graveyard
04: How come you never go there?
05: Mushaboom
06: The circle married the line
07: My moon my man
08: I feel it all
09: So sorry
10: Anti-pioneer
11: The bad in each other
12: Pine moon
13: Comfort me
14: Caught a long wind
15: Get it wrong, get it right

16: Cicadas and gulls (Z)

17: Sea lion woman (Z)
18: Let it die (Z)

19: Mushaboom (solo) (Z)

20: Intuition (Z)

Setlist Fionn Regan, E-Werk, Köln:

01: 100 acres of sycamore
02: Sow mare bitch vixen
03: ? (Könnte ein Puff the magic dragon Cover gewesen sein, klang zumindest sehr ähnlich. Irgendwas mit Japanese Poetry)
04: Violent Demeanour
05: Put a penny in the slut
06: For a nightingale

Links:

- aus unserem Archiv:

- Feist, Paris, 03.06.08
- Feist, Frankfurt, 01.06.08
- Feist, Paris, 09.10.07

Foto: Archiv by Oliver Peel



Mittwoch, 4. Juni 2008

Feist, Paris, Paris, 03.06.08

0 Kommentare

Konzert: Feist
Ort: Le Grand Rex, Paris
Datum: 03.06.2008
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: ca. 110 Minuten


Feist oder Devo?

Das war die Frage, die mich in den letzten Tagen ein wenig quälte. Für die Kanadierin hatte ich sehr früh Tickets gebucht, aber dann wurde etwas später der Termin der alten Kult-Postpunker beim Festival La Villette Sonique bekannt gegeben. Mist, die hätte ich mir natürlich auch gerne angesehen, schliesslich treten die faltigen Säcke mit ihren seltsamen gelben Bühnenkostümen ja nicht alle Tage auf! Aber 45 Euro Eintrittsgeld, ganz schön happig, oder?

Bis kurz vor 19 Uhr zögerte ich aber noch, ob ich nicht mein Feist-Ticket verkaufen und stattdessen zu Devo düsen sollte. Bequemlichkeitsgründe gaben letztlich den Ausschlag zugunsten der Dame, denn das Grand Rex liegt bequem erreichbar auf meiner U-Bahnlinie, während die Fahrt nach La Villette umständlich und lang ist.

Und bequem sollte ich normalerweise auch im Grand Rex sitzen, denn dort gibt es ausschliesslich weiche und komfortable Sitzplätze.
Eigentlich bin ich kein Fan dieser statischen Veranstaltungen, ich bevorzuge grundsätzlich bei Konzerten zu stehen, oder -noch besser - zu tanzen. Heute aber hätte ich eigentlich gar nichts gegen einen dieser "Schlafsessel" gehabt, ich war nämlich recht müde und abgespannt. Meine Hoffnungen auf angenehme Bequemlichkeit wurden aber übel enttäuscht. Als ich mein Plätzchen einnehmen wollte, schüttelten die Einweiser mit ihrem Kopf und machten mir in ziemlich unhöflicher Weise klar, dass sämtliche Sitze belegt seien und ich mit einem dieser Klappstühlchen an der Seite vorlieb nehmen müsse. Wie bitte? Ich hatte 40 Euro hingeblättert und sollte mich mit der Holzklasse begnügen?

Zähneknirschend klappte ich mir einen dieser Notsitze runter und befand mich gleich in Nachbarschaft eines spiessigen Pärchens, die - wie im Kino- Chips in sich reinstopften und Bier in Plastikbechern soffen. Ich fühlte mich unwohl und fragte die Platzanweiserin, ob ich nicht wenigstens weiter vorne sitzen dürfe. Ich durfte und war jetzt viel näher an der Bühne dran! Nun hatte ich eine Gruppe von Endzwanzigerinnen um mich, die etwas flotter aussahen, als die feisten (oh, passt ja, wenn man bei einem Konzert von Feist ist!) Gesichter von vorhin. Allerdings waren sie auch nicht richtig lässig drauf und die Converse Turnschuhe einer der "Grazien" verdeckte nur ansatzweise ihr recht biederes Wesen. Insgesamt machten die drei Mädels auf mich den Eindruck, konservative Naturen zu sein, die aber gerne etwas cooler
wahrgenommen werden wollen als sie in Wirklichkeit sind. Sieht so also das typische Publikum von Feist aus? Eher BCBG* als Bobo? Und dient Feist somit als angenehme Abendberieselung für von der eintönigen Arbeit gestresste Grossstädter? Ein furchtbarer Gedanke! Mir graute es ein wenig...

Dann ging das Licht aus und es passierte das, was ich schon von Christophs Bericht aus Frankfurt kannte. Die Laternennummer und das Singen hinter der Schattenwand war also dran und auch in Paris kam die Frau Holle, die von einer Leiter aus Federn auf die Haare der ganz in weiss (ebenfalls genau wie in Frankfurt) gekleideten Sängerin schüttete.
Natürlich gab es auch diese ganzen Animationen, über die mein Kollege schon ausführlich berichtet hat, als da wären die brennende Kerze, das Segelschiff auf stürmischer See, das Knusperhäuschen und so weiter. Mit Liebe gemacht das Ganze, aber sowas brauche ich eigentlich nicht unbedingt. Das Entfernen sämtlicher Sessel und das Freimachen der Tanzfläche wäre mir deutlich lieber gewesen. Auch Feist selbst machte ihre Witzchen über die bequemen Sitzgelegenheiten im Grand Rex: "Ich habe hier auch schon einmal ein Konzert gesehen und kein einziges Mal in die Hände geklatscht": "because I was sooo comfortable!" (das "sooo comfortable" hauchte sie hierbei sinnlich ins Mikro)

Damit das hier und heute anders würde, sorgte ihre männliche Begleitband schon früh dafür, die müden Besucher munter zu machen. Zu "I Was A Young Girl" wurden die Leute nämlich aufgefordert, mitzuklatschen. Ich kam mir ein wenig vor wie in der ZDF-Hitparade mit Dieter Thomas Heck, wurde aber sehr positiv davon überrascht, dass das Stück mit Wucht und Schwung gebracht wurde. Die Nummer rockte, keine Frage! Uff, es wurde also doch nicht so steif wie befürchtet! Auch "Mushaboom", dessen Entstehungsgeschichte stark mit Paris verbunden sei, kam richtig fetzig und präzise rüber. Zu Beginn von "My Moon My Man" ging dann ein regelrechtes Raunen durch die Menge und hier bedurfte es auch keiner Aufforderung mehr, mitzuklatschen, das taten die Leute schon von ganz alleine. Sie hatten auch allen Grund dazu, in der Liveversion wirkte das Stück noch flotter und beschwingter als schon auf CD und am Ende gab es sogar noch ein kleines, aber sehr feines Pianosolo. So muss es sein, live sollten Lieder für meinen Geschmack immer etwas abgewandelt sein, damit ich nicht das Gefühl habe, eine Platte würde abgespielt. Ein Auftakt nach Mass also und das Niveau wurde auch über die gesamte Länge gehalten, auch wenn mir das ein oder andere Lied zu nah an der Schmalzgrenze tänzelte.

Stimmlich bot Feist eine tadellose Leistung, spielend wechselte sie die Oktaven und zeigte die ganze Bandbreite ihres souligen Kehlchens. A propos Kehlchen: ein Titel wurde von Vogelgezwitscher eingeleitet...

Die Setlist entsprach fast exakt derjenigen von Frankfurt von ein paar Tagen, aber mit "How My Heart Behaves" wurde zum ersten Mal abgewandelt. Ich persönlich hätte dieses schmalzige Stück aber eigentlich nicht gebraucht, es erinnerte mich an Barbara Streisand oder ähnliche Heulbojen.
Auch das Einüben des Chorgesanges, wie in Frankfurt aufgespalten in verschiedene Lager (Franzosen, Kanadier, etc...), dauerte mir zu lange und wurde noch nicht einmal in das Lied "So Sorry" übertragen. Warum das dann so lange einstudiert wurde, blieb nicht nur mir hinterher ein Rätsel. Auch mein Bekannter Patrice fand diese Stelle doof ("chiant"), wie er im übrigen auch kein gutes Haar an dem gesamten Konzert liess. Ich muss ihm da allerdings widersprechen. Ein paar Szenen waren nervig und etwas anbiedernd (u.a. die Aufforderung an das Publikum, mal aus sich rauszugehen und laut rumzuschreien, sich wirklich daneben zu benehmen, was auch prompt lautstark getan wurde), über die gesamte Länge hinweg dominierten aber doch eindeutig die positiven Aspekte. Die Band zum Beispiel, die war richtig stark, die Instrumentierung sehr gediegen und punktgenau gespielt. Der Trompeter verdiente sich einige Pluspunkte und auch der Rest der zum Grossteil bärtigen Rasselbande hatte Dampf hinter dem Kessel. Und wenn Leslie ihre elektrische Gitarre aufheulen liess, konnte man die Grunge-Lady hinter der soften Fassade gut erkennen. Feist macht also glücklicherweise keinen Kaffehaus- Jazz, der bei Starbucks laufen könnte. Und selbst wenn dies geschieht, ist die Künstlerin dafür nicht wirklich verantwortlich. Ihre Musik ist gefällig, küsst aber dem Mainstream auch nicht ungeniert die Füsse, selbst wenn der Hit "1 2 3 4" schon für Werbezwecke verwendet wurde. Natürlich war der Song auch heute wieder einer der grossen Abräumer, zu dem das Publikum die "lalala-Passagen" vergnügt mitsang. Lobend erwähnen will ich aber auch noch das das offizielle Set abschliessende "Sea-Lion Woman" (vorgetragen mit Unterstützung der Vorgruppe Lawrence Arabia) und die wundervolle am Piano hinter dem Vorhang geklimperte Ballade "The Water", die den gelungenen Zugabenteil eröffnete, der mit den rockenden Stücken "Phantoms" und "Let It Die" auch noch weitere Highlights zu bieten hatte.

Warum allerdings die fürchterlich schmalzige erneute Zugabe mit dem Piano spielenden Kanadier Gonzales gebracht wurde, verstehe wer will. Wer braucht schon diese beknackten Lovesongs, die mit einem gehauchten " I love youhuhuhuhu" beendet werden? Das überlasse man doch lieber den Mariah Careys
oder Whitney Houstons dieser Welt!

Dieser Schönheitsfehler zum Schluss, änderte aber nichts mehr an einem insgesamt guten Konzert. Feist hat eine fabelhafte Stimme, eine eingespielte Begleitband und so einige starke Lieder. Fan, so wie Christoph das von sich behauptet, bin ich aber trotzdem nicht ganz von Feist. Sängerinnen mit mehr Feuer unter dem Hintern, wie z.B. Scout Niblett oder PJ Harvey, rangieren bei mir vor der stilvollen Kanadierin.

Setlist Feist, Le Grand Rex, Paris:

01: Intro
02: When I Was A Young Girl
03: Mushaboom
04: My Moon My Man
05: The Park
06: The Limit To Your Love
07: I Feel It All
08: How My Heart Behaves
09: Honey, Honey
10: Intuition
11: Gatekeeper
12: 1 2 3 4
13: Past In Present
14: So Sorry
15: Inside And Out
16: Sea - Lion Woman

17: The Water (Z)
18: Phantoms (Z)
19: Let It Die (Z)

20: Ballade mit Gonzales (Z)

Links:

- Fotos von Feist
- Feist in der Jahrhunderthalle Frankfurt vor ein paar Tagen
- das hübsche Bild von Devo stammt von Flickr Fotograf Ollografik . Merci beaucoup!
- mein Freund Philippe war wirklich bei Devo, er hat mir zumindest die Setlist mitgebracht:

Setlist Devo, Le Villette, Paris:

01. That's Good
02. Going Under
03. Peek-A-Boo !
04. Girl U Want
05. Whip It !
06. Secret Agent Man
07. Satisfaction
08. Uncontrollable Urge
09. Mongoloïd
10. Blockhead
11. Jocko Homo
12. Smart Patrol / Mr. Dna
13. Gates Of Steel

14. Freedom Of Choice
15. Gut Feeling
16. Beautiful World




Montag, 2. Juni 2008

Feist, Frankfurt, 01.06.08

7 Kommentare

Konzert: Feist
Ort: Jahrhunderthalle, Frankfurt
Datum: 01.06.2008
Zuschauer: 3.000 - 4.000 vielleicht
Dauer: knapp 90 min


Ich bin Feist-Fan, gar keine Frage! Sonntag Nachmittag hätte ich mich höchstens als Freund der Musik der Kanadierin bezeichnet. Aber Fan? Nein, das sicher nicht. Ich mag die beiden Alben, die ich habe und Leslie Feists Stimme fasziniert mich natürlich (wen denn auch nicht?). Aber unter meinen meistgehörten Künstlern (es lebe das lastfm-Zeitalter!) taucht sie nicht auf.

Sommerlich-warm war es in Frankfurt, als wir ankamen. Vor der lustigen Jahrhunderthalle lagen einige Konzertgänger noch auf der Wiese und sonnten sich. Vom Morrissey Konzert vor zwei Jahren hatte ich die Halle luftig in Erinnerung, ein Gedanke, der mich in Anbetracht der Temperaturen draußen beruhigte.*

Obwohl sie es offenbar nicht ist, wirkt die Jahrhunderthalle innen, als sei sie eine kommunale Kulturstätte. Im Foyer gibt es viele Ess- und Trinkstände (mit Sektflaschen in Kühlern), alles ist herrlich entspannt, die Security unaufdringlich. Über ein Treppenhaus mit schönstem 60er Jahre Charme gelangt man in den runden Konzertsaal, dessen hohes Kuppeldach ihn besonders spektakulär macht. Durch die runde Grundfläche ist der Konzertraum nach außen offen, es staut sich also nicht an Ein- oder Ausgängen - weil es keine gibt. Die Bühne ist eindrucksvoll groß. Ich war noch nie bei einem dieser fiesen keltischen Step-Abende, von diesen unerträglich-grinsenden Iren (nur die steppenden, die anderen mag ich sehr) passen da aber sicher mehrere hundert auf die Bühne. Da ich wieder einmal nicht wußte, ob
Feist alleine oder mit Band kommen würde, hatte ich ein wenig Angst, die kleine Kanadierin könnte auf der riesigen Fläche verloren gehen.

Angst hatte ich a
uch vor der Vorgruppe. Da Feist ja bekanntlich aus dem Umfeld des kanadischen Künstlerkollektivs Broken Social Scene stammt, hatte ich die schreckliche Vorstellung, Gentleman Reg, der gerne eingesetzte Dauersupport von Broken Social Scene / Stars etc. Konzerten sein - mit ein paar Kumpels. Das was dann kam, war allerdings fünf Nummern besser als besagter Reg, den ich unfreiwillig einige Male sehen durfte.

Lawrence Arabia ist die aktuelle Band eines Neuseeländers namens James Milne, der auch schon Okkervil River als Bassist unterwegs unterstützt hat. Wer nun seine Bandmitglieder in Frankfurt waren, weiß ich nicht. In einem Interview hatte James nämlich geschrieben, er habe zur Zeit eigentlich keine Band, da die alten Kumpels
alle wegen auslaufender Visa nach Neuseeland zurück mußten (ist das unter Commenwealth Staaten wirklich so?). Nunja, jedenfalls stand in der Jahrhunderthalle eine ausgewachsene Band auf der Bühne - neben dem Sänger und Gitarristen waren dies ein Bassist, ein zweiter Gitarrist, ein Schlagzeuger und ein herrlicher schnauzbärtiger nerdig aussehender Keyboarder, der auch Percussions, Glockenspiel und Gitarre spielte. Neben dem Schnurrbart (denn die anderen hatten Vollbärte) fiel an dem Keyboarder vor allem auf, daß er ununterbrochen tanzte und mächtig viel Spaß hatte.

Die Musik von Lawrence Arabia gefiel mir insgesamt sehr gut. Stilistisch, auch auf die Gafahr hin, daß ich langweile, erinnerte es mich etwas an Vampire Weekend. Da Lawrence Arabia allerdings vermutlich länger als die gehypten New Yorker existieren, erscheint mir dies kein Auf-einen-Zug-Aufspringen zu sein, die Bands haben ihren Stil wohl unabhängig voneinander entwickelt. Einen großen Teil der Aufmerksamkeit, die Vampire Weekend genießen, hätten auch Lawrence Arabia absolut verdient. Die Musik war pfiffig, abwechslungsreich - auch innerhalb der Lieder - und begeisterte den Saal sofort. James' Stimme erinnerte mich an David Byrne, die Talking Heads scheinen auch auf alle Fälle Einfluß der jetzt in London beheimateten Band zu sein. Die gute halbe Stunde Konzert hatte der Bandleader unter ein Motto gesetzt: "'Release the power', because it's written on my setlist." Das ist ihnen gelungen, keine Frage. Eine gute Vorgruppe, die für mächtig Stimmung gesorgt hat!

Setlist Lawrence Arabia, Jahrhunderthalle, Frankfurt:**

01: The Mystery Lair
02: The Joke Is In Your Hand
03: Apple Pie Bed
04: Bloody Shins
05: Short Biographies
06: The Beautiful Young Crew
07: Talk About Good Times
08: The Thinnest Air
09: The Kinds of Feelings That Happen On Summer Beaches


Der anschließende Umbau dauerte unverständlich lange. Beziehungsweise präziser, Frau Feist ließ ziemlich lange auf sich warten, denn als schließlich das Licht ausging,
war auf der Bühne schon eine Weile nichts mehr passiert. Mittig vor Feists Mikro hatten Helfer eine Schattenwand aufgebaut. Auf der unglaublich großen Videoleinwand erschien eine reich verzierte Laterne, die dann von einer Schattenhand umgeworfen wurde. Im gleichen Moment tauchte Feist auf, mit einer brennenden Laterne in der Hand. Sie setzte sich - zunächst ohne Band - hinter die Schattenwand und begann ein erstes sehr reduziertes, akustisches Lied.

Nach diesem kurzen Intro-Song erschien dann auch die Begleitband. Wie die Sängerin waren die männlichen Mitmusiker komplett weiß gekleidet. Leslie Feist trug ein kurzes weißes Kleidchen mit Flatterärmeln (aber nicht so
flattrig wie das von Adam Green). Ihre Begleiter waren ein Gitarrist, ein Schlagzeuger, ein Bassist und ein Keyboarder, der auch Trompete und Glockenspiel bediente.

Zu Beginn von "Mushaboom" nahm eine Assistentin einen Barhocker, stellte ihn hinter Feist, kletterte auf ihn und verstreute als Frau Holle Federn von oben auf die singende Kanadierin schneien - wundervoll! Aber das war erst der Beginn der vielen kleinen Perlen, die die traumhafte Musik visuell unterstützten. Auf der Videoleinwand wurden nämlich keine Filme von Band eingespielt, die Animationen fanden live statt. Zwei Assistentinnen zauberten mit allerlei Hilfsmitteln Effekte auf die Rückwand. Wäre das von einer DVD gekommen, wäre es
eine schöne Untermalung gewesen, weil es aber eben vor Ort erzeugt wurde, war es fantastisch und einmalig. Noch aufregender fand ich bisher nur Beck, bei dessen Konzert bei Rock en Seine mehrere Puppenspieler in einer Bühnenecke mit Banddoubles das Konzert parallel mitspielten. Da mir Beck aber vollkommen gleichgültig ist, war das nett aber unbedeutend. Die Feist-Animationen hinterließen Eindruck...

Ganz wundervoll waren die Effekte schon bei "
The limit to your love." Mit rudernden Bewegungen zauberten die beiden Frauen Wolkenbewegungen auf eine Folie, die vermutlich auf einem Projektor lag. Das klingt jetzt alles sicher furchtbar nach Waldorfschule, war aber einfach nur schön und passend. Und wahnsinnig liebevoll. Meine Lieblingsanimation war aber eine, in der eine Hand eine bemalte Folie (mit flüssiger Farbe) verwischte, erst Wellen erzeugte, dann ein Herz, um schließlich alles zu verwischen und ein Segelschiff (?) zu malen. Großartig!

Nach einer Weile ließ die Band Feist wieder alleine. Sie sang so "Honey honey" und "Intuition" von ihrer letzten Platte "The reminder" von 2007. Anschließend - wieder mit Band folgten zwei der bekanntesten Lieder, "Gatekeeper" und natürlich "1 2 3 4", beide damit recht früh im Set gespielt.

Wie schon bei Martha Wainwrigt am Freitag hat mich Feist damit überrascht, wie fröhlich und nahbar die Sängerin erschien. Ich hatte mir eine ganz zurückhaltende
Musikerin vorgestellt. Weit gefehlt! Leslie Feist machte Scherze, gab mit ihren Deutschkenntnissen an ("Guten danke", z.B. - "I know how to order a Wiener Schnitzel" und ein paar andere nützliche aber nicht zitierfähige Sätze, sie habe nämlich eine "deep spiritualized time" gehabt, als sie in Berlin war) und bestätigte Christinas Theorie, daß kanadische Indiebands die Weltherrschaft zu erlangen anstrebten. Vor "So sorry" sollten verschiedene Gruppen im Publikum etwas singen, die mit mehr als 300 km Anreise (erstaunlich viele), die aus Frankfurt, die, sie schon einmal beim Oktoberfest waren (für den Keyboarder war das die größte Party auf Erden) und die Kanadier. Auch wenn einige wohl bei allem sangen (sie kommentierte das streng, daß jeder sein eigenes Team zu nehmen habe), waren erstaunlich viele Kanadier da. Die Sängerin flüsterte ins Mikro, daß das ihr perfider Plan wäre, Deutschland zu übernehmen. Alle ihrer Landsleute sollten hinterher zum Backstagebereich kommen, um Näheres zu besprechen...

Nach dem Lied wies Feist grinsend auf einen Mann in der ersten Reihe hin, der alles mitfilme. Das wäre dann morgen bei You Tube. Wir könnten alle von ihm ein schönes Bootleg kaufen... Ich mochte mich gar nicht in die Haut des armen Handyfilmers versetzen, ich hätte im Boden versinken wollen...

Zum letzten regulären Stück erschien dann noch einmal Lawrence Arabia auf der Bühne und zwitscherte etwas mit. Weil aber gleich nach "
Sea-lion woman" schon wieder eine Schattenwand aufgestellt wurde (und eine gute Stunde ein wenig knausrig gewesen wäre), wurde nicht furchtbar lange Spannung erzeugt, ob es Zugaben geben würde oder nicht.

Hinter der Schattenwand setzte sich dann Feist erst einmal ans Klavier und spielte alleine "The water." Gemeinsam mit Band folgte dann ein mir unbekanntes Stück, ich
vermute aber, daß dies das von ihr in letzter Zeit häufig gespielte "Phantoms" war. "Let it die" beendete das Konzert nach knapp anderthalb Stunden. Die kleine Kanadierin hinterließ die Halle und mich begeistert. Beeindruckt hat mich an der Sängerin vor allem, wie perfekt ihre Stimme auch live funktioniert. Egal ob alleine oder mit lauter Begleitmusik (bei einem Lied wurde aus ihrer Band eine Bläserkapelle), war sie prägend und brillant. Gegen eine Weltherrschaft, deren Soundtrack von Feist und ihren kanadischen Musikerkollegen gesungen wird, habe ich nichts einzuwenden. Oh Canada!

Setlist Feist, Jahrhunderthalle, Frankfurt:

01: Intro
02: When I was a young girl
03:
Mushaboom
04: My moon my man
05: The park
06: The limit to your love
07: I feel it all
08: Honey honey
09: Intuition
10: Gatekeeper
11: 1 2 3 4
12: Past in present
13: So sorry
14: Brandy Alexander
15: Sea-lion woman

16: The water (Z)
17: Phantoms (vermutlich) (Z)
18: Let it die (Z)

Links:

- Feist in Paris (das wäre auch ein schöner Filmtitel)
- Fotos vom Konzert in Frankfurt

Konzertgänger von Feist könnten auch mögen:

- Cat Power (einige Male in Paris)
- Anna Ternheim (ein paar Mal in Paris, Köln, Heidelberg)

Konzertgänger von Lawrence Arabia könnten auch mögen:

- Vampire Weekend (Paris und Brüssel)

* Ein Trugschluß! Innen war es eklig heiß, trotz des weitläufigen Saals und einer Lüftungsanlage.
** thanks, James!




Dienstag, 9. Oktober 2007

Feist, Paris, 09.10.07

14 Kommentare

Konzert: Feist

Ort: La Cigale, Paris
Datum: 09.10.2007
Zuschauer: seit langem ausverkauft


Die Franzosen lieben es, Persönlichkeiten aus dem Ausland, die sie sehr schätzen, zu "adoptieren".

So ist es dann auch möglich, daß man Picasso für einen Franzosen hält, oder Jaques Brel (Belgier) großzügig dem eigenen Kulturerbe zuordnet; Romy Schneider geht auch gerne als Französin durch und Lagerfeld traut man Deutschland gar nicht zu...

Musikalische Adoptivkinder der Pariser sind zur Zeit die amerikanischen Schwestern CocoRosie, Herman Dune, der junge Amerikaner Beirut und natürlich...Feist! Leslie Feist, um genau zu sein, gebürtige Kanadierin, mit (ehemaligem) Wohnsitz in der laut Franzosen schönsten Stadt der Welt ("la plus belle ville du monde") Paris. "J'ai habité près de l'Église Notre Dame -de- Lorette" (ich habe in der Nähe der Kirche....gewohnt), wird uns Feist später in Landessprache erklären, was die Pariser natürlich vor Entzücken jauchzen läßt. Eine stilvolle Amerikanerin voller Charme, ja gibt's denn sowas? -Könnte glatt als Pariserin durchgehen! Da sind sie platt, die Frenchies!

Vorher spielt jedoch erst einmal das Neo-Hippie-Kollektiv Broken Social Scene (presents Kevin Drew) auf, die ehemalige Band des Stars des heutigen Abends. Sehr schwungvoll das Ganze, richtig guter College-Rock, überraschenderweise heute ohne große Schnörkel. Als ich die Kanadier vor circa zwei Jahren einmal als Hauptgruppe erlebt hatte, hörte sich das noch ein wenig anders an, da dominierten eher komplexe, zum Teil recht schwer verdauliche Lieder das Konzert. Schön zu sehen, daß die Jungs (heute sechs Herren) auch schneller auf den Punkt kommen können. Bestes Beispiel hierfür ist das äußerst gelungene "Lucky Ones" vom neuen Album "Spirit If". Ebenfalls vorzüglich: "The Fucked Up Kid", welches wohl unter dem Titel "TBTF" geführt wird.* Später wird Feist dieses Lied noch einmal in einer Akkustikversion alleine singen, es ist schwer zu sagen, welche Version die bessere war. A propos Feist, die charmante Dame stößt plötzlich auch bei der Broken Social Scene hinzu, hält einen Zettel in der Hand und liest mittels dieses Hilfsmittel ihren Gesangespart ab. Für zwei Lieder verweilt sie bei dem Kollektiv, dann entschwindet sie vorest unter lautem Applaus wieder. Leider kann ich nicht sicher sagen, welche Stücke gespielt wurden, ein Song enthielt die Textzeile "Please don't scream out", vielleicht kann ein eingefleischter Fan weiterhelfen?

Die Setlist bekomme ich leider nicht zu greifen, die junge Dame des Hilfspersonals, die gleich mehrere Exemplare in den Händen hält, hört meine Zurufe nicht und zieht irgendwann ab...

Die zähflüssige Umbaupause danach macht mir wieder einmal deutlich, warum ich es hasse, schon zur Vorgruppe da zu sein. Ich kann dieses sinnlose Rumstehen einfach nicht ausstehen, werde nervös, wenn ich zu lange auf den Hauptact warten muß. Auch Feist läßt sich Zeit, aber das ist vergessen, als die natürliche Schönheit auf der Bühne erscheint. "Salut" entfährt es ihr und "comment allez vous" (bitte nicht übersetzen mit: seid ihr gut drauf?). Aus der letzterwähnten Phrase heraus entwickelt sie fast ein kleines Intro. Das gefällt natürlich, aber Leslie hat ohnehin bei den Parisern einen Stein im Brett. Im Grunde genommen kann sie nicht viel falsch machen, alles was sie sagt, wird mit Entzücken aufgenommen, man mag sie halt hier. Im umgekehrten Falle würde es schwierig, wenn der Franzose entschieden hat, daß jemand unsympathisch ist, dann kann die unbeliebte Person machen, was sie will. Die Schweizer Tennisspielerin Martina Hingis kann ein Lied davon singen, wurde im Match gegen Steffi Graf in Roland Garros gnadenlos ausgebuht.

Ein rockig dargebotenes "When I Was A Young Girl" eröffnet das Konzert, die Stimmung ist von Anfang an gut, wenngleich noch nicht euphorisch. Dann kommt die bereits oben geschilderte Erklärung, daß sie in Paris gelebt habe, drei Jahre lang, fast vor der Haustüre der Cigale, "c'est mon quartier ici" (das ist mein Viertel). Die Herzen fliegen ihr zu, aber jetzt geht es erst einmal weiter im Programm und zwar mit "So Sorry". Gründe, sich zu entschuldigen hat die junge Dame natürlich keine, dafür aber gute Lieder zu bieten. "My Moon, My Man" setzt ein frühes Glanzlicht, die Leute fangen an Texte mitzusingen. Bei "The Park" ist Feist dann zum ersten Mal alleine auf der Bühne, ihre Band hat sich vorübergehend zurückgezogen. Da ich gerade von ihrer Band spreche, es ist eine komplett andere, als diejenige, die man vorher bei der Broken Social Scene sehen konnte. Die Dame hat jetzt ihre eigene Band dabei, inklusive Trompeter und Blechbläsern. Das sorgt für eine wohlige Atmospähre, die sowieso schon durch die vielen kleinen Lampions hervorgerufen wurde. "There's a limit to your love" hört man Leslie singen, aber stimmt das auch? Die Zuneigung des Publikums scheint grenzenlos zu sein, kein Wunder, das erwähnte Lied ist auch wirklich famos. Diese zarte Soulstimme, die die Cigale noch ein paar Grad heißer werden läßt, der reizende Augenaufschlag, hach, man könnte ins Schwärmen geraten und verzeiht der Sängerin auch, daß sie bei manchen Gesangesparts die Mundwinkel etwas seltsam verzerrt. "I Feel It All" und "Fucked Up Kid" folgen, bevor wiederum solo "Honey, Honey" vorgetragen wird. "This is a song about the ocean" werden wir aufgeklärt und um das Ganze noch zu unterstreichen, macht die Kandierin Wellenbewegungen mit der Hand, wahrscheinlich soll das Schwimmen eines Fisches imitiert werden. Die Rede ist auch von sogenannten Doldrums, was das sei, könne sie bei Bedarf erklären. Das Onlinewörterbuch übersetzt Doldrums übrigens mit der Zone äquatorialer Windstille. Aha...

In der Folge gefallen vor allem "Gatekeeper" und "Inside Out", bevor es gegen Ende noch einmal richtig stark wird. Bei "1234" schunkelt jeder mit, auch der Text wird lauthals mitgesungen. Kein Wunder, daß das Lied sogar in die Mainstream Charts vorgedrungen ist, dem Charm dieses Ohrwurms kann sich keiner entziehen. Das abschließende "Mushaboom", das auch schon einmal von Bright Eyes gecovert wurde, ist dann Paris gewidmet, eine schöne Geste, wenn man bedenkt, daß Feist inzwischen wieder nach Toronto zurückgekehrt ist. Der anschließende Applaus ist entsprechend laut und langanhaltend, der Parkettboden in der Cigale, er bebt!

Als Zugabe dann noch vier Stücke, gekrönt von "Let It Die" bei dem noch einmal alle Musiker des Abends inklusive der Broken Social Scene auf die Bühne kommen und zusammen tanzen. Zuvor hatte aber auch noch ein Herr in einer roten Hose seinen Kurzauftritt, wenn ich richtig gehört habe, nennt er sich Gentleman Reg. Das gebrachte Stück hieß übrigens "Boyfriend Song", Feist selbst war zu der Zeit nicht anwesend, beglückwünschte den bloden Kerl aber mit einem Küßchen auf die Wange. Da wäre man gerne an seiner Stelle gewesen, aber man kann ja nicht alles haben, schließlich hatte der Abend auch ohne Gutenachtkuß von der Ex-Pariserin viel Klasse und Charme zu bieten!

Setlist Feist, La Cigale, Paris:

01: When I Was A Young Girl
02: So Sorry
03: My Moon, My Man
04: The Park
05: The Limit To Your Love
06: I Feel It All
07: Fucked Up Kid (Broken Social Scene Cover)
08: Honey, Honey
09: Open Window
10: Gatekeeper
11: Brandy Alexander
12: Inside Out
13: Secret Heart
14: Past In Present
15: The Water
16: 1234
17: Mushaboom

18: Intuition (Z)
19: Sealion (Z)
20: Boyfriend Song (Gentleman Reg) (Z)
21: Let It Die (Z)

mehr Bilder von Feist hier

* Unsinn, "The Fucked Up Kid" heißt auch auf dem Album so!



 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates