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um
19:30
Konzert: Aimee Mann mit Ted Leo als Support
Ort: Capitol in Mannheim
Datum: 11. November 2013
Dauer: 50 min Vorprogramm + 80 min Aimee Mann
Zuschauer: zwischen 250 und 300
Dieser Montagabend war der Auftakt zu einer besonderen Musikwoche für mich. Ich begegne drei Musikidolen - neben Aimee Mann stehen nämlich noch Billy Bragg und Herman van Veen auf dem Programm!
Die Musik von Aimee Mann trat 2002 in mein Leben. Relativ spät, denn nach der Arbeit in verschiedenen Bands war ihr erstes Solowerk schon 1993 erschienen. Aber mit Bachelor #2 und fast zeitgleich dem Soundtrack zu Magnolia spielte sie sich in mein Herz. Außer dem aktuellen Album und dem davor habe ich alle ihre Alben in meinem Regal stehen und sie haben sich über die Zeit auch noch nicht abgenutzt.

Live erlebt hatte ich sie aber noch nie und hätte auch den Abend in Mannheim fast verpasst - was sehr schade gewesen wäre. Die Markenzeichen ihrer Musik sind die markante tendenziell tiefe Stimme - fest und zart zugleich mit einem unverwechselbaren Timbre und die Popperlen mit den leicht schwarzen und abseitigen Texten. Darunter ein paar, die mit dem Genius der Beatles mithalten können. Einen Song von Frau Mann erkennt man sofort (ohne ihn vorher zu kennen) als ihr zugehörig. Alle sind sie komplett zeitlos und werden nicht alt. Anscheinend färbt das auch auf die Sängerin ab, denn Aimee Mann erschien auf der Bühne wie eine Frau mit der Hälfte ihres Lebensalters.

Als Support war Ted Leo mit von der Partie, dessen Musik ich noch aus der Zeit kenne, als er mit "... and the Pharmacists" unterwegs war. Schon halb vergessen (und auch noch nie live erlebt). Sein Set begann sehr pünktlich und er war unglaublich sympathisch - versuchte sich immer wieder an wortreichen deutschen Ansagen. Die Attitüde der Lieder erinnerte mich an Bad Religion, wobei die Mitgrölhymnen fehlten. Er hatte eine sehr modulierfähige Stimme - allerdings fand ich die Begleitung durch die E-Gitarre irgendwie doof, weil sie mehr geschnarrt hat als getönt. Er bedankte sich mehrfach dafür, dass wir so eine höfliche Aufmerksamkeit aufbringen würden während er nach fast jedem Stück die Gitarre nachstimmte.

Für den zweiten Teil des Supports kam Aimee Mann selbst mit einem E-Bass auf die Bühne. Sie würden jetzt Songs spielen, die sie als The Both aufgenommen haben (die Platte soll im Februar 2014 erscheinen). Die Chemie auf der Bühne war wunderbar. Es wurde hin- und hergeflaxt und Ted hatte ein Blatt Papier von dem er seine deutsche "Rolle" ablas in einem offensichtlich vorbereiteten Austausch wie (un)cool es von Aimee sei, mit dem Shirt der eigenen Band zum Support ihres Konzerts zu kommen. Es wurde sehr viel gelacht aber in einer verbrüdernden Art.
Einen Teil mit Songs als The Both gab es dann auch später im Set von Aimee Mann. Was ich sehr gut fand, weil es irgendwie betonte, dass sie nicht "nur" Support und "richtige" Hauptkünstlerin sind, sondern gern zusammen musizieren und dies eine Variante ist, die es ihnen ermöglicht hat, das nach Europa zu bringen.
Allerdings war so das einleitende Set von Ted Leo um einiges länger als erwartet. Erst gegen 20:50 Uhr verließen beide die Bühne. Es wurde ein bisschen umgeräumt, mancher suchte sich einen neuen Platz und brachte die Gläser zurück und 21:10 Uhr ging es dann weiter.
Zunächst präsentierte uns Aimee Mann mit Gitarre bewaffnet solo Going throught the motions (The forgotten arm von 2005). Sehr intensiv und den Ton für den Abend setzend. Erst danach kamen die Begleitkünstler am Piano Jamie Edwards und Paul Bryan am Bass dazu, die beide im Verlauf des Abends auch sehr häufig wunderbare Backvocals beisteuerten. Gemeinsam boten sie uns ihre "akustische" Version von Red flag diver (vom aktuellen Album Charmer).
Anschließend gab es eine länger Einleitung zum Song Borrowing time, der eigentlich für den Shrek Soundtrack entstanden war aber dann verworfen wurde. Das war eine tolle upbeat Nummer (das kann sie also auch!), die uns allen ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Schließlich kam Ted zum Block als The both nun mit dem Bandshirt von Aimee. Es gab eine längere Unterhaltung dazu in dem er diverse Argumente vorbrachte, warum er das Shirt gewechselt hatte.

Hier gab es anschließend noch das wunderbare Save me das Aimee Mann ja eine Oscar Nominierung gebracht hat (sie selbst schreibt über sich ja gern als Oscar loser) und dazu eine Geschichte, wie sie es für Hillary Clinton gespielt hätte in einer etwa bizarren Feierstunde: she definitely swayed ... Anschließend setzte sie das Set mit Wise up ohne Ted und die anderen Musiker für eine Strophe solo fort, dann kam zur zweiten Strophe das Piano und die zweite Stimme dazu und in der dritten auch der Bass. Das war ein sehr gelungener und emotional ergreifender Übergang.
Mit The fall of the world's own optimist (wieder von Bachelor #2) und One vom Soundtrack zu Magnolia kamen als Schlusspunkt noch zwei meiner liebsten Stücke und in was für Fassungen!! Das Klavier durfte sich austoben und versuchte uns nach Hause zu schicken. Allerdings ließen wir uns ohne Zugaben nicht abschütteln. Dafür hatte Frau Mann zwei der ruhigen Knallernummern zurückgehalten: You do und Deathly.
Was für ein wunderbarer Abend an einem so besonderen Ort!!
Weitere Tourdaten in Europa
14.11. Christuskirche Bochum
15.11. Eindhoven
17./18.11. Union Chapel London
Aus unserem Archiv
Aimee Mann in Paris am 31. Oktober 2008
um
14:09
Konzert: Aimee Mann (The Submarines)Ort: La Cigale, ParisDatum: 31.10.2008Zuschauer: vermutlich ausverkauftKonzertdauer: Aimee Mann: circa 90 Minuten (The Submarines ca. 35 Minuten)
Aimee Mann gehört zu jenen Künstlerinnen, mit denen ich mich schon immer mal beschäftigen wollte, aber aus welchen Gründen auch immer (hauptsächlich wohl Zeitmangel, weil andere CDs meinen Schreibtisch umzingelten und gehört werden wollten) nie zur Umsetzung schritt. Kein einziges Album ziert meine umfangreiche Musiksammlung, obwohl die Kritiken für die meisten ihrer Werke insgesamt sehr positiv ausfielen. Auch der letzte Ouput mit dem unaussprechlichen Titel @#%&*! Smilers kam bei den meisten Rezensenten wieder richtig gut weg.Da traf es sich gut, daß die 48 jährigen Blondine in meiner Stadt aufkreuzte. Ich überzeuge mich nämlich am liebsten live von den Qualitäten eines Musikers/einer Musikerin.
Als ich in der schmucken Cigale eintraf, hatte die Vorgruppe, The Submarines aus den USA, schon mit ihrem Set begonnen. Ich schritt Richtung Bühne und sah eine äußerst niedliche blonde Frau, mit süßen Zöpfchen und einer interessant gemusterten schwarzen Strumpfhose. Eine Augenweide, keine Frage! Blake Hazard heißt die Gute und der Typ neben ihr, John Dragonetti, würde noch nicht einmal eine ernsthafte Konkurrenz beim Anbaggern darstellen, denn es handelt sich nur noch um ihren Ex-Freund! Unterstützt wurden die beiden von einem lockenköpfigen Drummer, der aussah wie der junge Paul Breitner.
Die drei Amis waren allerdings musikalisch nur mittelmäßig unterhaltsam. Ihr netter, aber doch recht belangloser Indie-Pop im Stile der Stars, oder Rilo Kiley langweilte mich ziemlich, denn alles war zu sehr auf schön und niedlich getrimmt. Hätte Blake Hazard nicht so ein charmantes Lächeln gehabt, wäre ich glatt unten an die Bar gegangen, so aber erfreute ich mich an ihrem strahlenden Blick und den Ansagen in einem sehr brauchbaren französisch.
You, Me And The Bourgeoisie war offensichtlich ihr Hit, denn der Song, der schon für Werbezwecke verwendet wurde, bekam den stärksten Applaus.Nach gut dreißig Minuten verabschiedeten sich The Submarines unter recht starkem Beifall der sich auch später in ungewöhnlich guten CD-Verkäufen am Merchandising-Stand niederschlug. Declare A New State! (2006) und Honeysuckle Weeks (2008) gingen weg wie die warmen Semmeln, was ich mir zumindest bei den männlichen Käufern damit erkläre, daß sie der süßen Blake einmal nahe sein wollten...Die anschließende Umbauphase war sehr öde, denn im Publikum tummelte sich kaum ein hübsche Frau, die man (n) hätte anschmachten können. Die Mädchen (die Jungen, auch, aber die waren mir egal) waren alle so bieder und graumäusig. Kaum eine war geschminkt und die Haare hingen ihnen strähnig und lustlos vom Kopfe herunter. Lag das etwa an der auftretenden Künstlerin? Auch Aimee Mann bevorzugt es natürlich und ihre Frisur könnte durchaus etwas mehr Pepp vertragen.Aber halt stop! Schluß jetzt mit der törichten Schilderung von Äußerlichkeiten! Ich oberflächlicher Sack sollte lieber erwähnen, daß sich das Publikum als ganz hervorragend herausstellte! Es war höchst aufmerksam, niemand plapperte während der Lieder und es wurde an den richtigen Stellen Beifall geklatscht und mitgegangen. So entstand eine wunderbar entspannte und feierliche Atmosphäre, die das Konzert auch in dieser Hinsicht zu einem Genuß werden ließ.Und wahre Schönheit kommt ohnehin von Innen! Dieser häufig zitierte Spruch scheint mir nicht abgedroschen zu sein und ist zudem auch noch wissenschaftlich belegt!
Damit will ich aber keineswegs sagen, daß Aimee Mann nicht hübsch ist. Die enorm schlanke, ja dürre Frau, ist zwar überall sehr spitz (Nase, Kinn, Körperbau) und hat kaum weibliche Rundungen, aber sie strahlt eine große Intelligenz und Sympathie aus. Ich mochte sie auf Anhieb sehr! Schon als sie mit ihrer männlichen Begleitband auf die Bühne kam und herzlich lächelte, hatte ich sie in mein Herz geschlossen. Ihr Kleidungsstil war interssant. Obenrum trug sie eine rote Samtweste mit Aufdruck auf der Rückseite und hierzu eine bläulich-silberne Seidenkrawatte. Untenrum war sie mit Blue-Jeans und sehr kräftigem Schuhwerk bekleidet, so als wolle sie einen Kontrast zu der feinen Krawatte setzen. Das verlieh ihr eine herb-burschikose Note und erinnerte mich ein wenig an Anne Ternheim, die auch oft mit weißer Bluse und Springerstiefeln aufläuft.
Alles in allem machte sie den Eindruck einer intelligenten, sensiblen, aber doch starken Frau. Große Geschichten, oder gar Anekdoten erzählte sie aber im Laufe des Abends kaum, sie beließ es meistens bei einem herzlichen und aufrichtig wirkenden: "Thank you so much!"Hach, toll diese Aimee, ich glaube man könnte sich interessant und anregend mit ihr unterhalten.
Aber dazu kam es nicht, am Merchandising- Stand (wo man ohnehin nur Smalltalk hätte betreiben können) ließ sie sich hinterher leider nicht mehr blicken.Aber sie hatte auch so schon einige Dinge mittels ihrer Lieder von sich preisgegeben. Mit ihren Texten sollte man sich deshalb auf jeden Fall einmal beschäftigen und wer dies genau wie ich tun möchte, dem empfehle ich, sich hier einen umfassenden Überblick zu verschaffen.Aber welche Lieder stachen hervor? - Nun gleich im vorderen Teil das eingängige Freeway, das trotz seines einfachen Aufbaus nicht platt oder banal wirkte.
" You've got a lot of money, but you can't afford the freeway", so einfach und ergreifend war das! Radiotaugliche amerikanische Folkmusik, die aber gerade wegen ihres unprätentiösen Charakters sehr charmant rüberkam. Zudem war die Stimme von Aimee einfach erstklassig zu nennen, ohne zu forcieren sang sie wunderschön und präzise. Auch ihre Band machte einen vorzüglichen Eindruck, alles wirkte sehr rund, harmonisch und gekonnt.- Desweiteren natürlich ihre Hits aus dem Soudtrack zu dem Film Magnolia und zwar Save MeWise Up, aber noch besser gefiel mir das solo vorgetragene Red Vines von dem hochgelobten Album Bachelor No. 2., auf dem ihre Stimme auf das Schönste zum tragen kam.
Zahlreiche Amerikaner im Publikum sangen die Lyrics mit: "With cigarettes and red vines just close your eyes, cause, baby, you never do know and I'll be one the sidelines, with my hands tied, watching the show". Herrlich! Definitiv eine der besten Phasen des Konzerts, zumal zuvor das ebenfalls starke Calling It Quits die Pariser Cigale entzückt hatte und hinterher das wundervolle It's not (toller Text: "And from the screen it can look so perfect, but it's not") kam.Dann aber wollte sich die Kalifornierin nicht mehr starr an die getippte Setlist halten.
Sie fragte Zuschauer, ob sie Wünsche hätten. Ein häufig praktiziertes Spielchen, das die Flexiblität des Künstlers zeigen soll, aber in der Regel inszeniert ist. Normalerweise wartet der Künstler/die Künstlerin nämlich ab, bis das Lied gewünscht wird, das gerade auf der Liste als nächstes kommen soll. Nicht so bei Aimee Mann! Das Publikum wollte Long Shot und bekam es auch! Ein paar Fans wünschten sich Super Ball und was kam? Klar...Super Ball! So lob' ich mir das!Später ging es dann wie geplant weiter, wobei 31 Today und vor allem Borrowing Time von dem aktuellen Album herausragten. Den größten Beifall bekam aber One von dem Opus One More Drifter In The Snow.
Mit How Am I Different wurde dann schließlich der Abgang geprobt, aber natürlich ging es noch ein bißchen weiter. Schön, daß zum Schluß noch Deathly gespielt wurde, denn das war wirklich perfekt, um mit einem richtig guten Eindruck von dannen zu ziehen!Gut, daß ich Aimee Mann endlich für mich entdeckt habe!
Setlist Aimee Mann, La Cigale, Paris:01: Stranger Into Starman/Looking For Nothing02: Freeway03: Dear John04: Save Me05: Wise Up06:
Mr. Harris?07: Great Beyond08: Calling It Quits09: Red Vines (solo)10:
It's not11: Long Shot12:
Super Ball13: 31 Today14: Borrowing Time15:
One16: Todays's The Day17: How Am I Different18: 4th Of July (Z)19: Deathly (Z)Links:
- Mehr Fotos von The Submarines hier
- Mehr Fotos von Aimee Mann hier-
Aimee Mann auf Video:
- Save Me, Originalclip
- One, Videoclip
- Freeway
- 31 Today
- How Am I Different live, gute Qualität!
- Calling It Quits, charmante Akustiksession
- Red Vines live, great!
Aimee Mann auf Tour:
03.11.2008: E-Werk, Köln
04.11.2008: Tonhalle, München
09.11.2008: The Rochefeller, Oslo
10.11.2008: China Teatern, Stockholm