Samstag, 10. August 2019

Jetstream Pony, Ripley, 28.07.19

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Konzert: Jetstream Pony
Ort: Midlands Railway Centre, Ripley (Indietracks)
Datum: 28.07.2019
Dauer: gut 35 min
Zuschauer: bestimmt 100 (volle Kirche)



Eines der Konzerte, auf die ich mich am meisten beim Indietracks gefreut hatte, stand irgendwie beispielhaft für das ganze Festival: riesige Vorfreude, dann aber nur ein halbes Vergnügen, wofür die Band, im anderen Fall das Festival nichts konnte. Wie schon im vergangenen Jahr war das Wetter in den Midlands bis Donnerstag heiß und trocken. Sobald sich Bands und Publikum der Swanwick Junction näherten, kam der Regen. Bis auf eine kurze Pause am Samstag und einige Phasen am Sonntag regnete es durch.
 
 
Anders als im Vorjahr war der Sound in der akustisch schwierigen Indoor-Halle dieses Jahr wieder ein Thema. Die erste Band, die drinnen spielte (Molar) und auf die ich mich auch sehr gefreut hatte, klang fürchterlich. Bei der ersten Band auf einem Festival war ja vorher Zeit für einen ausgiebigeren Soundcheck. Genutzt hatte die nichts, es schepperte und dröhnte und war alles andere als ein Vergnügen. Jetstream Pony spielten gleich im Anschluß und wurden ebenso Opfer des miesen Sounds. Irgendwann nach ausgetauschten Kabeln und einigen "Was ist das? Die Scheiße"s, saß Sängerin Beth Arzy frustriert auf dem Schlagzeugpodest. Die Band hatte sich so auf den Auftritt gefreut und wurde nicht vom Wind aber vom schlechten Sound von der Bühne getrieben. 
Aber da auch beim Indietracks jeder weiß, wie wundervoll die Musik der Band aus Brighton ist, bekam sie einen zweiten Auftritt, der Sonntagmittag in der Kirche stattfand. Und der perfekt war.


Seit ich die Band bei ihrem dritten Auftritt in Hamburg gesehen habe, ist einiges passiert. 2017 hatten Jetstream Pony gerade mal eine Single veröffentlich, heute ist der Katalog um eine EP, eine Kassette und ein paar neue Lieder reicher. Und das, was sich damals erahnen ließ, ist jetzt passiert: Jetstream Pony sind eine Indiepop-Perle mit fantastischen Songs, die live unglaublich viel Spaß macht!


Richtig überraschend ist das nicht. Sängern Beth ist und war in mehr großartigen Bands als der Durchschnittsdeutsche kennt (Aberdeen*, The Luxembourg Signal, Trembling Blue Stars...). Dazu hat sie mit Kerry Boettcher (Bass - Turbocat) und Shaun Charman (Gitarre - The Wedding Present, The Fireworks, The Popguns) wundervolle Bandmates. Die Schlagzeugerin meines ersten Konzerts war nicht dabei, stattdessen saß Hannes Müller von Endlich Blüte und den BV's auf ihrem Platz. Hannes machte aus der Kerry-Beth-Shaun-Supergroup eine Nochsuperergroup. 



Obwohl es um 12:20 Uhr losging, war die kleine rote Kapelle ("church stage") randvoll. Jetstream Pony begannen mit Out of reach von der 2018 beim feinen Augsburger Label Kleine Untergrund Schallplatten erschienenen EP. Heute klang alles großartig, heute waren alle gut gelaunt, heute hätte es auch bei Emma Cooper nicht besser funktioniert. Beth hatte keinen Grund für deutsche Flüche (was aber auch ein wenig schade war).


Musikalische Highlights gibt es bei der Band reichlich. Self-destruct reality ist sicher ein Überhit, der Rest fällt dagegen aber nicht ab. Sehr mag ich auch das Cover von Kerrys und Shauns Band Turbocat. A tribute to Wanda and Zena ist auf der EP und beginnt mit dem "Bass, Bass, wir brauchen Bass"-Sample (ist das Das Bo?). Bei A tribute... spielt Beth Bass. Beim Instrumente-Wechsel forderte sie Kerry auf, einen Witz zu erzählen. "Aber nicht den von gestern!" - "Tell a religious joke!"

Das Bass-Spample stammte von einer Hamburg-Soundbox, die Beth in einer anderen Pause durchspielte. "The Germans give us the best presents! Heinz' box, Hannes!"


Es war großartig! Das Festival hätte einen echten Makel gehabt, wenn Jetstream Pony nicht die Chance bekommen hätten, so gut zu klingen, wie die Band es verdient. Natürlich war der Auftritt in der Kirche eines der großen Highlights des 2018er Indietracks!

Setlist Jetstream Pony, Indietracks, Ripley:

01: Out of reach
02: Like you less
03: I close my eyes
04: Mitte
05: A tribute to Wanda and Zena (Turbocat Cover)
06: It's fine
07: Gone to ground
08: Self-destruct reality
09: Had enough
10: Charms around your wrist

Links:

- Jetstream Pony, Hamburg, 28.10.17




* mit der nach der silbernen Stadt benannten Band hat sie im Bronze in Sunnydale gespielt!

 


Freitag, 9. August 2019

Camera Obscura, Glasgow, 05.08.19

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Konzert: Camera Obscura
Ort: Saint Luke's & The Winged Ox
Datum: 05.08.2019
Dauer: Camera Obscura 85 min, Carla J. Easton 35 min
Zuschauer: 600 (ausverkauft)




Nach dem Tod ihrer Keyboarderin Carey Lander im Oktober 2015 spielten Camera Obscura keine Konzerte mehr. Ein wenig erinnerte die Situation an Lush nach dem Tod von Drummer Chris. Lush stellte alle Aktivitäten ein und verkündete Jahre später die Auflösung. Ich war sehr sicher, daß das die Band aus Glasgow auch irgendwann machen würde. Tracyanne Campbell hatte mit Tracyanne & Danny eine neue Band, nichts deutete darauf hin, daß CamObs zurück kämen.

Als vor einigen Monaten das Lineup der Belle & Sebastian Indiepop-Kreuzfahrt bekanntgegeben wurde, tauchte aber neben Tracyanne & Danny auch Camera Obscura im Programm auf, kurz danach wurde eine Warmup-Show in Glasgow angekündigt. Eine Woche nach dem Indietracks, wie praktisch! Vor dem Konzert ihres neuen Projekts in Köln sprach ich die Sängerin auf die Bootstour an. Sie sagte damals, daß sie nicht einschätzen könne, wie es für die Band sein werde, wieder als Camera Obscura auf der Bühne zu stehen. Man werde abwarten müssen, was passiere.

Da meine bisherigen Camera-Obscura-Konzerte immer einen faden Beigeschmack hatten und die Band auf der Bühne mißgelaunt wirkte, hatte sie bei mir nicht den Ruf einer gute Liveband. Das - und das Risiko, daß die Situation die Musiker vielleicht emotional überfordern könnte - war eigentlich keine gute Voraussetzung für zu viel Vorfreude. Erstaunlicherweise stiegt die aber in Schottland von Tag zu Tag. Trotz so großer Konzerte wie dem der Primitives oder der Vaselines, war ich restlost überzeugt, daß es eine gute Idee war, nach Glasgow zu fahren.


Das Saint Luke's ist eine im 19. Jahrhundert gebaute Kirche im Glasgower East End. Das schlichte Gebäude hat eine Empore, eine Orgel, zwei Kirchenfenster und bietet wohl 600 Menschen Platz. Da das Konzert seit vielen Wochen ausverkauft war, waren wir früh da. Gottseidank! Denn so sahen wir den spannenden Support, der 30 min nach Einlass begann. "Das ist doch die Keyboarderin von den Vaselines!" Die schottische Indiepop-Szene ist wirklich nicht klein, die Frau hinter dem Keyboard hatten wir aber zwei Tage vorher bereits in Aberdeen als Bandmitglied der Vaselines gesehen. Diesmal durfte Carla J. Easton mit ihrer eigenen Musik auftreten.



Carla wurde von zwei Musikern begleitet, Callum ("guitar") und Paul ("acoustic guitar and glitter"). Carlas aktuelle Platte Impossible stuff ist als Scottish Album of the Year nominiert, obwohl es in allen Glasgower Plattenläden prominent vertreten war, kannte ich ihre Musik vor dem Konzert noch nicht. Der Auftritt gefiel mir sehr gut. Carlas Stimme erinnert mich an Kate Bush, stilistisch kann ich das nicht richtig greifen. Der Auftritt war aber spannend und damit der erste gute Support der kleinen Indiepop-Reise. Richtig toll wurde es auch zwischen den Liedern. Nach dem Vaselines-Konzert hatten wir die Sängerin für sehr schüchtern (oder von Frances' Humor eingeschüchtert eingeschätzt. Als Band-Leaderin taute sie kräftig auf und redete viel mit einem wunderschönen schottischen Akzent. Sie saß auf ihrem linken Bein hinter dem Keyboard. So sitze sie immer. Eine Frau habe sie einmal mitleidig darauf angesprochen, ob sie nur ein Bein habe. Als Carla ein neues Lied ankündigte, tat sie das mit "jetzt kommen die beiden schlimmsten Worte bei jedem Konzert: 'new song!'" Wir sollten nach Camera Obscura noch zum Merch-Tisch kommen. "I'm not a horrible person! No, I think I'm not a horrible person." Ihr Ex-Freund sei aber vielleicht anderer Meinung.

Als die Bühne für Camera Obscura bereitet wurde, fragten wir uns, ob Carla vielleicht auch bei der Hauptband am Keyboard spielen würde. Das erschien eine pragmatische Lösung zu sein, weil sie ja schließlich durch den Job bei den Vaselines ohnehin auf dem Schiff sein würde.

Nachdem er alles vorbereitet hatte, schrieb der Roadie Gitarrist Kenny McKeeve noch "smash it!" auf die Setlist. Ein normaler Konzerttag war das nicht.


Camera Obscura kamen zu sechst auf die Bühne. Tracyanne, Kenny, Bassist Gavin, Schlagzeuger Lee, Percussionist und Trompeter Nigel (denke ich) und Keyboarderin Donna Maciocia, die uns Tracyanne sehr früh vorstellte. Wenn die Band Zweifel hatte, waren die spätestens nach dem ersten Lied weg. Auf Let's get out of this country folgte minutenlanger Applaus, der den Grundton für den Abend festlegte. Das Heimspiel und das Publikum, das zum großen Teil aus Freunden und Familien-Mitgliedern zu bestehen schien, waren sicher eine große Hilfe. Daß die Band sich musikalisch nichts beweisen musste, wurde bei jedem der zahllosen Hits deutlich. Aber hier ging es nicht ums Eingerostetsein, es ging darum, mit den Gedanken zurechtzukommen, die ganz sicher bei jedem Blick zum Keyboard in den Köpfen der Band arbeiteten. Nach außen gingen Tracyanne und die anderen damit sehr stilvoll um. Die Sängerin erzählte irgendwann, daß alle Erlöse rund um die Konzerte an das The Prince & Princess of Wales Hospice in Glasgow gingen, den Ort, an dem Carey ihre letzten Tage verbracht habe. Auch wenn man ihr da den Kloß im Hals anmerkte, hatte der Abend einen enorm fröhlichen Grundton. Gerade Tracyanne wirkte gut gelaunt, sie lachte oft und schien es zu genießen, mit ihrer Band zurückzusein. Der Eindruck, den ich bei meinen früheren Camera-Obscura-Konzerten immer wieder hatte, daß es der Band keinen Spaß mache, aufzutreten, wäre ja vielleicht an diesem besonderen Abend berechtigt gewesen, davon war aber so gar nichts zu spüren! Es war ein Konzert mit viel Lachen, mit glücklichen Gesichtern auf und vor der Bühne.


Nicht zuletzt war es ein Abend mit fantastischen Liedern! Hätten wir vorher eine Wunschliste abgeben dürfen, sie wäre nah an der echten Setlist gewesen. Camera Obscura spielten alle Hits, hätte ich fast geschrieben, die Band hat aber so viele davon, daß ich heute noch im Saint Luke's stehen würde, wenn sie das getan hätte. Trotz alter Kirche klang das Konzert glasklar, jeder Keyboard-, Gitarren- oder Trompeten-Ton.

Es war unbedingt eine gute Idee, den Urlaub so zu verlängern, daß das Konzert noch reinpasste. Ein perfekter Ort, grandiose Lieder, ein Publikum, das nach mehreren tausend Leuten klang und eine überaus sympathische Band. Ich wüsste nicht, was verhindern sollte, daß das das beste Konzert des Jahres war! Höchstens vielleicht doch noch eine Teilnahme an dieser verdammten Kreuzfahrt im Mittelmeer, auf der Camera Obscura noch zweimal auftreten.

Setlist Camera Obscura, Saint Luke's, Glasgow:

01: Let's get out of this country
02: Do it again
03: Teenager
04: Tears for affairs
05: Swans
06: Desire lines
07: The sweetest thing
08: This is love (feels alright)
09: Forests and sands
10: James
11: French Navy
12: Come back Margaret
13: Troublemaker
14: Lloyd, I'm ready to be heartbroken
15: If looks could kill

16: Cri du coeur (Z)
17: Honey in the sun (Z)
18: Razzle dazzle Rose (Z)




Donnerstag, 8. August 2019

The Vaselines, Aberdeen, 03.08.19

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Konzert: The Vaselines
Ort: The Tunnels, Aberdeen
Datum: 03.08.2019
Dauer: 85 min
Zuschauer: gut 200



Zur Planung des Post-Indietracks-Urlaubs gehört natürlich auch die Suche nach Konzerten, die auf der Route stattfinden. Rund um die kleinen und großen Sommerfestivals spielen viele Bands auch Clubkonzerte in Großbritannien. In Glasgow traten unter anderem The National und Teenage Fanclub auf. Fix geplant war, den Urlaub mit dem Comeback von Camera Obscura enden zu lassen. Die schottische Indiepop-Band, die seit dem Tod ihrer Keyboarderin nicht mehr aufgetreten ist, wurde vor einigen Monaten für den Boaty Weekender, die Festival-Kreuzfahrt von Belle & Sebastian angekündigt, ein - später noch ein zweites - Konzert in Glasgow sollte als Aufwärmen dafür dienen.

Beim Durchklicken tauchte plötzlich noch so ein Warm-Up-Dings einer Boots-Band auf, die wundervollen und selten zu sehenden Vaselines waren für Aberdeen angekündigt. Aberdeen lag auf unserer To-See-Liste, unverhofft kam also zu den Primitives und Camera Obscura noch ein drittes Konzert einer Gruppe, die auf meiner Lieblingsband-Longlist steht.

Die Vaselines spielen fast nie. Im Verhältnis zu ihrer langen Karriere (die Band existiert seit 1986) sind Auftritte extrem selten. Dreimal spielten Frances McKee und Eugene Kelly bisher in Deutschland, zweimal in Berlin, einmal in Offenbach. Wie ich es ohne die beiden Berlin-Shows geschafft habe, sie in Aberdeen schon zum fünften Mal gesehen zu haben, ist mir ein Rätsel. "In Aberdeen zum fünften Mal" ist blöd formuliert, das Konzert im miefig riechenden Tunnel-Club The Tunnels war der erste Auftritt der Glasgower in Aberdeen überhaupt.

Die Geschichte der Vaselines ist speziell und ein wenig lustig. Nach einer ersten EP und einer ersten Platten (Dum Dum, 1989) löste sich die Band 1990 auf. Eugene und Fran waren kein Paar mehr, sie versuchten es auch musikalisch alleine. Vielleicht wäre da alles zu Ende gewesen, wenn nicht Kurt Cobain seine Liebe zu den Vaselines so offensiv geteilt hätte. Drei Vaselines-Lieder erschienen als Nirvana-Cover, das schottische Duo bekam ein ordentliches Stück vom Tantiemen-Kuchen ab.

2010 erschien plötzlich das zweite Album Sex with an x, mit dem sie tourten. Unter anderem waren die Vaselines Teil des phänomenal guten Lineups des zweiten Bowlie-Weekenders, eines von Belle & Sebastian kuratierten Festivals (und in Berlin und Offenbach). Offensichtlich war music with an x eine so gute Idee, daß 2014 V for Vaselines folgte. Beide Nachzügler-Alben sind fantastisch! Wenn die Band doch bloß häufiger spielte!

Daß wir nicht nachdenken mussten, unsere Aberdeen-Pläne ein wenig vorzuziehen, war nun wirklich nicht überraschend! Die Vaselines! 

Aberdeen ist auch speziell und ein wenig lustig. Die ganze Stadt ist aus mausgrauem Stein gebaut (das Stadtmarketing übersetzt das in "silber"). Bei den neueren Häusern wirken die hellgrauen Steine mit dunkelgrauen Fugen wie diese eine unverputzte Haus im deutschen Neubaugebiet. So sieht die ganze Stadt aus. One shade of grey. Für deutsche Verputzer-Meister ist ein Besuch in der Hauptstadt der schottischen Erdöl-Industrie vermutlich viel zu aufregend!

Das Tunnels befindet sich unter dem örtlichen Marks & Spencer. Der Zugang erinnerte an die Lieferzufahrt des Kaufhauses. Als wir ankamen, spielte die Vorgruppe schon. Die erste Hälfte deren Auftritts war fantastisch, die zweite nicht, im Schnitt blieb nichts Merkenswertes, das sollte sich eine halbe Stunde später ändern.

Daß die Vaselines im 21. Jahrhundert immer mit Band auftreten, wusste ich. Aber nicht, welche Musiker dabei sein würden. Vielleicht Bobby oder Stevie von Belle & Sebastian? Als die drei Begleiter gemeinsam mit Fran und Eugene auf die Bühne kamen, staunten wir ein wenig. Vor allem der Schlagzeuger (Michael McGaughrin) und die Keyboarderin Carla J. Easton (zu ihr später mehr) sahen sehr jung aus. Aber das sollten die beiden älteren später auch noch thematisieren. 


Das Konzert begann überraschend nüchtern - nämlich mit Musik. Frances, die hauptberuflich Joga-Lehrerin ist, hat den besten Seefahrer-Humor, den ich je erlebt habe. Sie hat bei all meines bisherigen Konzerten Sprüche geklopft, die den Großteil der Säle erröten ließen. In Aberdeen schlappte die Sängerin mit Birkenstock-Sandalen auf die Bühne und wirkte zunächst schüchtern. Nach den ersten Stücken (High tide low tide, Monsterpussy, Cardinal sin und Jesus wants me for a sunbeam, denen man ein wenig Unsicherheit anmerkte) erklärte Fran, daß sie sehr nervös seien. Oder in Vaselinesisch: "someone in the band has wet himself in preparation of this!". Eugene antwortete etwas lahm "it's you?", worauf sie lachte: "Yes, very often!"

Das Konzert wurde nach den kleinen anfänglichen Unsicherheiten immer besser und besser. Die Band wirkte schnell harmonisch. Es sah trotzdem witzig aus, wie jung die drei Begleiter aussahen. Daß sie ihre Kinder sein könnten (der Konjunktiv enttäuschte mich etwas), war schnell Thema. Nachdem sie das besprochen hatten, drehte sich Fran zum Start von The devil's inside me zu Eugene um: "ready, Daddy?"

Den Start des folgenden Whitechapel verpatzte die Sandalen-Trägerin dann und entschuldigte das mit "these songs sound exactly the same." Eugene bat sie, das zu verschweigen. "Don't tell our secrets!" Sie schrieben schließlich seit 30 Jahren gleichklingende Lieder.


Bei Molly's lips hatte Carla, die immer wieder ein Lachen unterdrücken musste und schüchtern wirkte (auch dazu später mehr), den Auto-Hupe-Part zu spielen. 


Das Konzert war mein bisher längstes der Vaselines. Daher verwunderte es auch nicht, daß die Setlist weit mehr als ein reines Best-of war und mit Cardinal sin auch eine B-Seite enthielt (und Livepremieren wie vermutlich Messy reflection). Dummerweise fehlte leider wieder das grandiose Crazy lady vom letzten Album, das einer der besten Popsongs der letzten Jahre ist, zumindest in meiner Welt.

Dramaturgisch sollte wohl Exit the Vaselines das letzte Lied vor den Zugaben sein, aber auch das verpatzten sie ein wenig und spielten noch Dum dum hintendran, was vielleicht erst Zugabe hätte sein sollen.


Die Extras begannen dann mit dem auf Zuruf gewünschten The day I was a horse und endeten mit den beiden Groß-Hits Son of a gun und Dying for it.

Ach wie gerne würde ich irgendwann sagen können, daß ich die Vaselines zehnmal gesehen habe! Die Konzerte des brillanten Duos sind viel zu gut, um so selten zu sein. Warum nicht Booker sich darum reißen, die Band zu buchen, verstehe ich wirklich nicht.

Nach dem Konzert ärgere ich mich ein wenig mehr, nicht zum Boaty Weekender zu fahren und die Crazy lady und ihren Vater noch einmal zu sehen. Ahoj!

Setlist The Vaselines, The Tunnels, Aberdeen:
01: High tide low tide 
02: Monsterpussy
03: Cardinal sin
04: Jesus wants me for a sunbeam
05: Messy reflection
06: The lonely L.P.
07: Such a fool
08: Oliver twisted
09: The devil's inside me
10: Whitechapel
11: Turning it on
12: Inky lies
13: Mouth to mouth
14: Single spies
15: Molly's lips
16: One lost year
17: Slushy
18: Ruined
19: Exit the Vaselines
20: Dum dum

21: The day I was a horse (Z)
22: Son of a gun (Z)
23: Dying for it (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Vaselines, Barcelona, 30.05.15
- The Vaselines, Utrecht, 22.11.14
- The Vaselines, Offenbach, 30.01.11
- The Vaselines, Minehead, 12.12.10



Mittwoch, 7. August 2019

The Primitives, Birmingham, 02.08.19

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Konzert: The Primitives
Ort: O2 Academy 3, Birmingham
Datum: 02.08.2019
Dauer: The Primitives 85 min, The Regulars 30 min
Zuschauer: vielleicht 200



Nach meinem Besuch beim Indietracks, dem Wacken der Indiepop- und Tweepop*-Szene, dem uns dieses Jahr ein wenig die Headliner fehlten, gab es ein paar Tage später Headliner satt. Fest eingeplant seit Monaten war, den Großbritannien-Urlaub mit dem Comeback-Konzert der wundervollen Camera Obscura in Glasgow enden zu lassen. Schon in Schottland erfuhren wir, daß die konzertscheuen Vaselines in Aberdeen spielen würden. Doch mein ersten Nach-Indietracks-Headliner waren die Primitives, die vor ein paar Wochen für ein besonderes Konzert in Birmingham angekündigt worden waren. Wem Camera wer? und Vaseline nichts sagen: in meiner Welt ist das, als spielten der FC Barcelona, PSG und Tottenham in der gleichen Woche in Ostwestfalen.


Die Primitives machten den Anfang. Nachdem die Band aus Coventry beim Cologne Popfest erstmals seit 30 Jahren in Köln aufgetreten war, war sie für zwei Shows nach Japan geflogen und hatte da unter anderem ihr erstes Album komplett gespielt. Ich war ein wenig neidisch, als ich das gelesen hatte, der Neid verflog, als Lovely auch für das außerhalb aller Touren stattfindende Konzert in Birmingham angekündigt worden war. 

In den 80ern wäre die Band um Sängerin Tracy Tracy wohl auch in der O2 Academy in Birmingham aufgetreten (wenn es die da schon in der Form gegeben hätte), da allerdings im großen Saal. 2019 war es leider die Academy 3, der kleine Raum mit Platz für rund 250 Zuschauer. Obwohl der Altersschnitt locker über 40 lag, waren überraschend viele jüngere Gäste da (kein Widerspruch, Mathe!).

Vier der jüngeren Frauen waren da wegen der Vorgruppe The Regulars ("wir kommen hier aus der Gegend") und riefen deren Bandname immer wieder rein, ich musste ihn eben trotzdem nachgucken. Die Gruppe klingt nach einer melodienärmeren aber stadiongestenreicheren Version der Arctic Monkeys hier aus der Gegend. Aber Vorgruppen - gute wie schlechte - spielen in Großbritannien kurz, manchmal weiß man, warum.


Die Primitives mögen ihren Popstar-Faktor eingebüßt haben (sie waren in allen britischen TV-Shows), sie sind musikalisch gut wie damals! Schon bei dem Konzert in Köln, bei dem ich nicht objektiv war, fiel mir auf, wie gut gealtert Band und Werk sind. Der Abend in Birmingham war - obwohl er jetzt nicht mehr der war, auf den ich 30 Jahre gewartet hatte - genauso so wundervoll. Nur daß er eben als Bonus das komplette erste Album enthielt.


Lovely habe ich sehr oft gehört ("a record is not just a record, records can hold memories"), nicht bloß die alles überstrahlende Single Crash, die später Belle & Sebastian (hui) und die No Angels (uff) gecovert haben. Da erst die drei Männer (Gitarrist Paul, Schlagzeuger Tig und Bassist Raph, der den 2009 verstorbenen Steve Dullaghan seit der Reunion 2009 ersetzt) auf die Bühne kamen und von Tracy noch nichts zu sehen war, war zu erwarten, daß das Konzert nicht wie Lovely mit Crash beginnen würde. Das erste Lied war dann auch eines von vor der Platte, We found a way to the sun. Tracy kam nach den ersten Takten auf die Bühne und sah wie in Köln nach Popstar aus. Es folgte Spin-O-Rama vom gleichnamigen 2014er Comeback-Album, bevor Crash den erste-Platte-Part einleitete. 

Die Band spielte vor Heimpublikum - musikalisch wie örtlich. Coventry ist nicht weit von Birmingham, große Teile des Publikums waren angereist. Und alle kannten Lovely in- und auswendig. Es war wie so oft bei Konzerten in England eine Mitsing-Party. "Jetzt kommt die B-Seite!" - "Was kommt jetzt?" - "Die B-Seite! Die erste Seite ist fertig." 

Das zweite Stück der B-Seite kündigte Tracy Tracy mit "jetzt kommt der Song vom T-Shirt" an, sie guckte auf viele davon. Der berühmteste Träger eines "Stop killing me" Shirts war in den 80ern Morrissey, der die Primitives kennenlernte, als er James sehen wollte, so begeistert war, daß er danach die Band bei einem Konzert ansagte und oft deren Shirt trug. 

Musikalisch war das alles bis Buzz buzz buzz nicht überraschend (aber toll!). Gerade bei Songs wie Thru the flowers merkt man, daß in der Band aus den Midlands auch eine Ecke Wave steckte und das Label "blonde pop" eher in die falsche Richtung leitet. 

"This was Lovely - how was it for you?"


Nach der Platte folgte ein zehnteiliges Best-Of der anderen Alben und Singles mit Perlen wie Really stupid oder Sick of it. 

Das fantastische Konzert verdiente (natürlich!) einen viel ausführlicheren Bericht! Aber es kamen ja auch noch die Vaselines. Und Camera Obscura...

Setlist The Primitives, O2 Academy Birmingham:

01: We found a way to the sun
02: Spin-O-Rama

Lovely:
03: Crash
04: Spacehead
05: Carry me home
06: Shadow
07: Thru the flowers
08: Dreamwalk baby
09: I'll stick with you
10: Nothing left
11: Stop killing me
12: Out of reach
13: Ocean blue
14: Rund baby run
15: Don't want anything to change
16: Buzz buzz buzz

17: Way behind me
18: Rattle my cage
19: You are the way
20: Summer rain
21: Sick of it
22: Lose the reason
23: I'll trust the wind

24: Really stupid (Z)
25: Petals (Z)
26: Panic (Z)









Montag, 5. August 2019

Heimspiel Knyphausen Festival, Eltville, 26.-28.07.19

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Konzert: Heimspiel Knyphausen Festival
Ort: Eltville/Rhein
Datum: 26.07.-28.07.2019
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: ca. 2.000 ausverkauft



Die Nachlese zum Heimspiel Knyphausen 2019:  Bekanntermaßen flippe ich nicht gerade vor Freude aus, wenn es heißen würde: „...willst du mich auf einem 80.000er Festival vertreten?“ Von "Roskilde" oder auch dem "Sziget" mal abgesehen. Aber wenn die Frage kommt: "Hättest du Lust und Zeit zum Heimspiel nach Eltville zu fahren ?", dann geht mir schon das Herz auf. 

Mein inneres musikalisches Kind jubelte sehr. Bedeutet es doch, eines der sympathischsten, kleinen Genießerfestivals zu besuchen, die Deutschland zu bieten hat. Einerseits so groß, dass namhafte Künstler vors Ohr kommen, aber doch so klein und fein, dass sich Neues und Interessantes entdecken lässt.



Das Ganze zu einem fairem Preis und mit einem absoluten "Genußrahmen" versehen, wie es sich sonst nur noch beim "Kaltern Pop Festival" finden lässt. Ach ja, und im Oktober 2018 bereits innerhalb von 36 Stunden ausverkauft zu sein, könnte ja auch ein Qualitätsmerkmal sein.

Das Festival blickt auf eine noch junge Tradition zurück. Es begann mit Solokonzerten des deutschen Singers Gisbert zu Knyphausen, der auf dem Hof aufgewachsen ist, der jetzt das Festivalgelände darstellt.

Draiser Hof,  auf der Grenze zwischen Eltville und Erbach im Rheingau, erster Wirtschaftshof des Zisterzienserklosters Eberbach, und heute Sitz des Weingutes Baron Knyphausen. Jährlich kehrt Gisbert zu Knyphausen in den Rheingau zurück und begeistert dann mit seiner Musik und seiner Musikauswahl. 



Es entstand der Wunsch auch befreundete Bands und Solokünstler einzuladen. Damit war das Heimspiel zu Knyphausen geboren. Im Jahr 2014 wurde aus der eintägigen Veranstaltung erstmals ein ganzes Festivalwochenende. Der Draiser Hof wurde um eine bedeutende Tradition reicher. In den vergangenen Jahren hat sich das "Heimspiel Knyphausen" einen exzellenten Ruf als Musikfestival erworben und zieht seither Jahr für Jahr Musikfans aus dem ganzen Bundesgebiet auf das wunderschöne Weingut am Rhein. 

Eine charmante Familie und ein sehr nettes Team verwandeln den Familiensitz in eine kleine Oase ohne den üblichen Festivaltrubel. Gerade in den vergangenen Jahren hat sich mit dem erweiterten Line up (u.a. waren Element Of Crime, Kettcar, Olli Schulz, Sophie Hunger, Kante und die irischen Villagers zu Gast), der Kreis der Fans dieses Festivals auch musikalisch stark erweitert. 

In diesem Jahr präsentierten die Heimspiel-Organisatoren um Gisbert ein spannendes Line Up. Das Ganze wurde flankiert: zum Beispiel mit Pre-Festival Dinner oder auch Lunch, einer maritim musikalischer Bootsfahrt, oder der exklusiver Frühstückstüte. 

Dazu beste Weine und einfach ein gewisser Chic. Apropos: beste Weine - als Biertrinker musst du dich auf diesem Festival schon umstellen, sprich: es gibt nur Wein. 



Freundlich begrüßt wird man am Eingang mit dem obligatorischen, ersten von drei Tagesgläsern. Und wo Menschen zusammenkommen ist auch Gelegenheit Gutes zu tun. Was für die einen "Sea Watch" oder "Viva von Aqua" ist, ist für das Heimspiel die lokale "Philipp-Kraft-Stiftung".

Ziel war die Sammlung von 1000€ für den Jugendpark der Kulturen. Der JuPaKu bietet einen Begegnungsort für junge Menschen mit und ohne Migrationshintergrund, mit und vlt. (noch) ohne Heimat. Vorbehalte abbauen und um Verständnis und Vertrauen aufzubauen. 

Eine sinnvolle und tolle Aktion. Weitere Infos unter www.philip-kraft-stiftung.de Eine entspannte Eröffnung durch Gisbert, den Bruder und den Vater, der noch ein wenig Historie zum Draiser Hof besteuert und dann ging es auch schon los mit Ilgen-Nur.

Der Sound der Hamburger war anfänglich noch ein wenig schwach auf der Brust. Der präsentierte Indie-Pop wirke etwas gefällig, jedoch gebührt der ersten Band des Festivals bei weit, weit über 30‘ dann doch aller Respekt. Zumal alles entspannt und freundlich ablief.



Danach folgten die Damen von Gurr. Das Grungepostpunkkollektiv (oder kennt jemand tatsächlich Slacker-Pop?) zündet den ersten Turbo. Als Intro wurden Nirvana Tribut gezollt und die Besucher wurden freundlich aber bestimmt von ihren Picknickdecken gebeten und los ging’s. Überhaupt , die Picknickdecken. Diese gehören wohl zum Heimspiel wie ein Schwarm Mücken zu einem stehenden Gewässer - So will es das Gesetz! 



Was in früheren Jahren sicherlich gut funktioniert hat, kommt so langsam aber sicher an die Grenze des Belastbaren. Denn sofern man nicht ganz stumpf die Decken quert, muss man schon genau hinsehen, wohin man hier tritt. Der Einladung zum Crowdsurfen an Gisbert und den ein oder anderen Mutigen aus dem ersten Reihen folgten pogende Eltern, deren Kinder Hunger hatten, und diese öffentlich ausgerufen ließen. Was für ein Spaß! 

Das gesamte Set wechselte zwischen eigenen Stücken und den zum Teil genial interpretierten Covern, z.B. Fettes Brot mit ihrem „Jein!“ Es machte eine Unmenge Spaß und zum Ende wurden dann nochmal Ilgen-Nur auf die Bühne gerufen. Die Vorfreude wächst auf das Haldern Pop Festival. Gurr werden dort die HaldernPopBar abbauen.



Tocotronic. Einer der Gründe, warum ich an diesem heißesten Wochenende überhaupt das Wohnmobil bewegt habe, überzeugen restlos. Weit über 20 Jahre Bühnenerfahrung und unzählige herausragende Songs begeistern hier spielend die versammelten Musikenthusiasten. 



Und das ist dann auch die Zeit, zu der die Generationen zusammenrücken, die Weingläser klingen lassen und den Abend gemeinsam "electroguitarmässig" erklingen lassen. Was du auch machst - mach es nicht selbst! 

Kein wirkliches Motto für diesen Abend, aber dennoch genial einfach getextet und wie gemacht für ein Festival, das alle mit Gisbert zu Knyphausen verbinden, aber alles läuft nur, weil viele tolle Menschen sich so sehr engagieren.

Nullmillimeter als Opener und Orientierung für den Samstag, Tag 2. Teilweise langjährige Freunde und Weggefährten Gisberts finden sich zu einem neuen Bandprojekt zusammen und zelebrieren Texte über die Liebe und das Leben. Herausragend liebevoll und treffend. Tja, und wer’s nicht hören mag - „...Stell dich in die Ecke und heul doch!...“ Alleine der Name ist schon genial - Theodor Shitstorm. 

Imposanter Auftritt des Duetts mit tiefen, nicht nur eigenen, Texten. Es scheint zudem eine besondere Beziehung zu Reinhard May zu geben, dem Liedermacher aus, man höre: (West)Berlin. Immer wieder wird er bemüht. Dabei erscheint der Tiefgang der Texte mal verspielt, mal packend. Und nix für ungut, aber am Schlagzeug sitzt heute die beste Vertretung der Welt.

Sie hat sich anscheinend aushilfsweise eingearbeitet und spielt alles so sauber, dass es eine Freude ist. Am Ende entscheiden aber die Kinder. Oder eher die Kinderlieder. „...Ich habe keinen Hunger, ich habe keinen Durst - ich will einfach meine Extrawurst!...“ Wer weiß schon, dass diese Band auch Kinderlieder auf CD einspielt oder beim WDR an einem Kinderliedercontest mitgewirkt hat.

ClickClickDecker - schlichter, schön schnörkelloser Deutschsprech. Und seit Udo Lindenberg endlich auch mal wieder Kinder auf der Bühne. Es waren die Kinder des Drummers. Sehr schöne Hamburg-Berliner Kombination. Und der Geburtstag vom Bassmann wurde auch noch besungen. 

Another Sky - Vergleiche hinken ja bekanntlich, aber wer die Briten bisher noch nicht auf dem Zettel hatte und sich fragt, wo lassen sie sich einnorden,  muss dann zwangsläufig die Line zu London Grammar ziehen. Ein wunderbares Konzert mit ganz eigenem Charme und stimmlichem Zauber !

Es war das erste Deutschlandkonzert der vier Londoner*innen und es wird mit Sicherheit nicht das Letzte bleiben. (Auch beim Halder Pop noch zu bestaunen).



Genau wie Brandt Brauer Frick - die herausragenden Elektrospezialisten bilden den grandiosen Abschluss des heutigen Tages. Stimmungsvoll knallen die Beats über das Anwesen und bis in die letzte Reihe wird getanzt, gewippt oder zumindest technokratisch der Fuß bewegt. Der abendlich stimmungsvolle Gig war ein grandioser Tagedeckel. Der Tag geht zu Ende wie er begonnen hat - mit Schweiß und Regen auf der Stirn. 



Der Tag 3 beginnt in der Nacht wieder mit Regen. Es wird "ein Tag wie ein Schwein". Nur nochmal zur Erinnerung: Fortuna Ehrenfeld gehört nicht nur für mich zum Besten, was die deutschsprachigen Bühnen derzeit zu bieten haben. Die Knyphausens Matinee startet mit den Kölner Textpoeten und auch wenn ich mittlerweile schon einigen Konzerten lauschen durfte, ich werde dieser Musik wohl nicht so schnell überdrüssig. 

Während Jenny Thiele und Paul Leonard Weißer bereits am Samstag anreisten, bretterte Martin Bechler in der Nacht aus Hamburg heran. Alles kein Zuckerschlecken. Fortuna Ehrenfeld sehen sich ja selbst noch als sehr junges "Unternehmen" und das führt dann auch schonmal dazu, sich viel Stress anzutun. 

Das anschließende meet and greet dauert fast 1,5 Stunden und immer noch schweißnass gebadet verabschiedet sich Martin, nicht ohne ein Merci mit seinem Edding auf meinem Shirt zu hinterlassen. Ich werde es wohl nie wieder waschen.... ?!



Nils Frevert. Dem deutschen Singer/Songwriter gebührt der Abschluss eines insgesamt tollen Festivals. Doch zunächst fällt erst einmal der Strom aus. Die  Akkorde waren gespielt und dann Stille auf dem Platz. Wer in der ersten Reihe stand konnte zumindest noch ein improvisiertes Akustikset verfolgen. 



Nils Frevert versucht die Zeit irgendwie entspannt zu füllen, während im Hintergrund die Stromversorgung wieder hergestellt wird. Frevert textet und spielt sicherlich in der Tradition der Hamburger Schule, der nicht nur seine frühere Band Nationalgalerie angehörte, sondern auch der Headliner vom Freitagabend, Tocotronic. Klein ist die Welt, aber denke daran - du kannst nicht immer 17 sein. 



Mit zwei Kisten Knypausener Riesling unterm Arm ging es beseelt und doch auch ein wenig müde zurück auf die Autobahn. Das „bis nächstes Jahr!“ ging mir beim Verabschieden dann doch recht leicht über die Lippen....

Bericht und Fotos: Denis Schinner 


 

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