Konzert: Spark - die klassische Band Ort: Ausklang - Schloßgarten Karlsruhe Datum: 26. September 2015 Dauer: 70 min Zuschauer: mehrere Tausend
Es war schon ein besonderer Samstag Abend für mich. Der letzte Tag des Karlruher Stadtgeburtstags-Marathons, an dem ich mich so lange gerieben hatte, um dann doch Teile davon zu umarmen. Und dieser Abschied sollte nun also ausgerechnet von Spark eingeläutet werden, die ich sowieso sehr schätze und nicht etwa von einer vordergründig massentauglichen Musik (*). Die letzten Auftritte mit Spark, die ich miterleben konnte, lagen schon etwas zurück und dort hatten das Material ihres Volksmusik-geerdeten Albums Folk Tunes vorgestellt. So hatte ich mir vor meinem inneren Auge vorgestellt, dass es ein Cross-over von klassischen Instrumenten, modernen und frischen Stücken mit zwischendurch sehr archaisch tanzbaren Teilen geben würde und fand das eine wirklich gute Wahl für so einen Abend an dem man mit vielen Besuchern rechnet, die nicht extra für die konkrete Musik kommen, sondern für die Veranstaltung und das Abschied nehmen.
Der Abend verlief dann aber etwas anders. Andrea Ritter und Daniel Koschitzki mit ihren Blöckflöten in allen Größen und Lagen und die Streicher Stefan Glaus und Victor Plumettaz ließen sich diesmal von Julia Okruashvili am Flügel begleiten und hatten im Programm vor allem die Stücke ihres neuesten Albums Wild Territories. Und das ist über weite Strecken sehr viel stärker an zeitgenössischer experimenteller klassischer Musik orientiert und in meinen Augen nicht so einfach zugänglich. Zumal wenn man ja die Musik zum allerersten Mal im Konzert um die Ohren gehauen bekommt.
Die sprichwörtliche Spielfreude von Spark war selbstverständlich groß wie immer und so schafften es die fünf Musiker tatsächlich, ein dahergelaufenes Publikum mit ihrer Musik zu begeistern. Die Kinder fanden es durchaus tanzbar und im Publikum ging auch der eine oder andere Fuß im Takt mit. Es durfte gestaunt werden über die Bravourstücke mit den Subbassflöten und in der geplanten etwa einen Stunde auf der Bühne erklangen Candybox, Venetian Gondola Song, Beyoncé, Alpha Dog I & II, und ein Telemann Presto mit nur sehr sparsamen Ansagen und Erklärungen unterbrochen zu tosendem Applaus.
Ich muss sagen, das hätte ich mir vorher nicht vorstellen können. Und natürlich musste dann auch noch eine Zugabe her. Zu meiner großen Freude war das letzte Stück Nymans An Eye For Optical Theory - ein Lieblingsstück von dem mir so ans Herz gewachsenen Folk Tunes Album - in meinen Augen ein echter Reißer. Liebe Veranstalter lasst Euch das ins Herz schreiben - die Leute können gute Musik genießen, wenn man sie ihnen präsentiert.
(*) z.B. einer Coverband mit Hits der 80er, usw.
Tourdaten: 24.09. Gent Handelsbeurs Concertzaal 25.09. Limoges Place de la République 26.09. Karlsruhe, Pavillon 27.09. Warschau Teatr Wielki 27.09. Warschau Teatr Wielki 11.10. Den Haag Nieuwe Kerk 15.10. Grenoble Auditorium Du Musée 17.10. Weingarten, Walzbachhalle 18.10. Giengen an der Brenz, Walter-Schmid-Halle 24.10. Zeulenroda, Dreieinigkeitskirche 31.10. Karlsruhe, Büchele Luft- und Klimatechnik 19.11. Leverkusen, Schloss Morsbroich 26.11. Davos 28.11. Nizza C'est pas classique 29.11. Rapperswil Schloss
Aus unserem Archiv: Spark, Karlsruhe, 23.02.13 Spark, Karlsruhe, 30.06.12
Doppel-Konzert: Sväng + Spark Ort: Tollhaus in Karlsruhe
Datum: 23.02.2013
Zuschauer: etwa 250
Dauer: 75 min+70 min
Trolle, die auf einem Toaster musizieren. Die Nordlichter sind doch immer wieder für eine skurrile Überraschungen gut - diesmal ein Mundharmonika-Quartett. Ihr wisst schon, dieses unglaublich coole *...* Instrument, das man in der Zuckertüte findet und für das es so lustige Namen gibt wie Mundharfe oder Blues Harp.
Aber ich muss sagen, es war phantastisch! Der Auftritt der vier Herren im schnieken Anzug mit ihren Köfferchen voller Instrumente war schon einmal ein ziemlicher Hingucker. Einer sah aus wie der Bruder von Thomas D. Sind die wirklich alle so schräg die Finnen oder nehmen wir nur die schrägen Typen wahr - die langweiligen lassen sie daheim? Die optischen Highlights (außer den Herren selbst) ganz sicher oben genannter Toaster (eine Bassmundharmonika) und die Harmonetta, die aussieht wie eine kleine Schreibmaschine in die hineingeblasen wird.
Genauer waren auf der Bühne: Eero Grundström und Eero Turkka (chromatische & diatonische Mundharmonikas) Jouko Kyhälä (Harmonetta, chromatische & diatonische Mundharmonikas - er wurde Ende 2006 zum ersten Doktor Finnlands – möglicherweise sogar in ganz Europa - im Fach Mundharmonika) Pasi Leino (Bass-Harmonika)
Eindeutig wirkliche Könner und Künstler auf ihrem Gebiet und dazu diese Prise Übermut, die so ansteckend enthusiastisch rüberkommt.
Das Repertoire war weit gestreut und interessant in Vertrautheit wie Fremdheit: Chopin bearbeitet, Tango, Balkantöne und moderne klassische Musik. Und zwischendurch Ansagen, die einerseits zum besseren Verständnis einladen, andererseits aber auch aufzeigen, wie schön selbstironisch sich die Musiker selbst nehmen. Sie sind Filmreif und absolut cool. Beim zuhören gingen mir viele komische Fragen durch den Kopf: macht Mundharmonika-spielen vielleicht schlank? Warum klingt alles wie Filmmusik, obwohl das Lied vom Tod nicht mal andeutungsweise anklingt? Wo kriegt man diese coolen Ringe her? Wie sehen wohl die Inhalte der Köfferchen aus?
Meine zwei Favoriten des Abend waren Hallelujah und die Filmmusik am Schluss des Sets.
Setlist: Schladtshe! Tango de Abuelita Humljärvi Prelldi + tango Hem Voi kun mulla on ikävä Hoisalat Kuski Svängtime Rag Halleluja Liikkuva Linna
Nach einer nötigen Umbaupause (z.B. für den großen Flügel) gab es die ebenfalls Genregrenzen überspringenden Musiker von Spark - für mich nun zum zweiten Mal. Wie schon im Sommer waren es Mischa Cheung (Klavier)Andrea Ritter (Blockflöten)Victor Plumettaz (Cello)Stefan Glaus (Violine)Daniel Koschitzki (Blockflöten und Melodica).
Zuletzt hatten sie mich total mitgerissen. Inzwischen steht die CD Folk tunes in meinem Regal und wurde oft gespielt. Einige meiner Lieblingsstücke erwartete ich schon ganz vorfreudig.Natürlich gab es die Livefassung, die an dem Abend noch feuriger und treibender war als auf der Platte. Auch Musikteile, die ganz abgewandelt waren, um z.B. den einzelnen Künstlern ein bißchen eigenen Raum zu geben - ein Pianovorspiel zum Beispiel. Die Band wirkte bestens eingespielt und einzig die charmanten Ansagen von Daniel Koschitzki fehlten mir am Anfang (ich habe das aber erst gemerkt, als er sich daran erinnerte, dass man auch zwischendurch einiges erklären könnte). Es war ein Heimspiel und das Publikum fraß der Band vom ersten Stück an aus der Hand. Sie wurden enthusiastisch gefeiert und erst nach der vierten Zugabe (immer noch widerwillig) entlassen.
Ein unglaublich unterhaltsamer Abend war das wieder. Aber wer beantwortet mir nun all meine Fragen?
Links: Aus unserem Archiv: Spark, 30.06.2012 in Karlsruhe
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