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Montag, 20. Mai 2013

The Pigeon Detectives, Frankfurt, 17.05.2013

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Konzert: The Pigeon Detectives
Support: The Blackberries
Ort: Nachtleben, Frankfurt am Main
Datum: 17.05.2013
Zuschauer: ca. 200
Dauer: Blackberries (ca. 30min), The Pigeon Detectives (ca. 70min)



The Pigeon Detectives. Noch so ein großartiger Bandname – und vor allem ein Bandname, der mir seit Jahren immer mal wieder vermutlich aufgrund der Großartigkeit aufgefallen ist. Nachdem ich in das nunmehr vierte Album der fünf Engländer, „We Met At Sea“, reingehört hatte, beschloss ich mir die „Tauben-Detektive“ mal live anzusehen, um festzustellen, ob sie der Kreativität ihres Bandnamens auch wirklich gerecht werden.

Da sich der Einlass aus unbekannten Gründen etwas verzögerte, nahmen meine Begleitung und ich erstmal oben in der Bar des Nachtlebens Platz – und wurden dann erst durch den plötzlichen Beginn der Supportband und die daraus resultierenden lauten Geräusche aus dem Untergeschoss hektisch aufgescheucht – schade, dass es keine Ansage mehr gab, aber nach wenigen Songs der Support-Band „The Blackberries“ musste ich für mich feststellen, dass ich auch nicht viel verpasst hätte. Die ambitionierten Jungs aus Solingen boten eine Mischung aus Indie, Rock und Pop – nicht nur äußerlich mit zwei Frontmännern stark an Mando Diao angelehnt, ein bisschen von den Hives, ein bisschen Franz Ferdinand – irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich das alles schon einmal gehört hatte und insgesamt zerbrach mein Interesse dann daran, dass mir zwischen all diesen mehr oder weniger klar heraus hörbaren Einflüssen einfach der eigene Stil fehlte. Böse gesagt, wenn auch nicht so böse gemeint – eher „stets bemüht“, als große Überraschung. Aber bei so jungen Bands, wie den Blackberries darf man darauf hoffen, dass sie in den nächsten Jahren hoffentlich ihren eigenen Stil klarer ausprägen werden.



So mittelmäßig wie der Abend bereits begonnen hatte, ging es dann auch über weite Strecken weiter. Souverän stylish in der Mehrzahl in Lederjacken gehüllt, eröffneten die Pigeon Detectives ihr Set mit einem soliden Ohrwurm-Garanten: „I Won't Come Back“ - funktionierte super, alle tanzen, Mini-Pogo vor der Bühne, alles soweit gut.

Die Tatsache, dass Frontmann Matt Bowman eine Rampensau par excellence ist, kann man kaum als Kritikpunkt anführen, allerdings war es nach einigen Songs einfach anstrengend, da die Grenze zwischen unterhaltsamen Ansagen, kleinen Scherzen und nerviger Selbstdarstellung einfach häufig nicht mehr erkennbar war. So kann es ja ganz nett sein, wenn man ein Mädchen zum Tanzen auf die Bühne bittet, aber dann selbst etwas überfordert ist, wenn diese junge Dame tatsächlich mit einem tanzt und nicht nur Bilder schießt – bei Matt aber wirkte der Umgang mit dem Publikum seltsam hölzern, vermutlich weil er so krampfhaft versuchte machohaft-souverän zu wirken. Auch anstrengend, dass ständige krampfhafte Hin-und-Her-Gespringe um des Gespringes willen, sowie Wasser für den reinen – sagen wir mal mangelhaften – Showeffekt über sich selbst und das Publikum schütten. Das das Publikum zu großen Teilen damit auf Dauer überfordert war, zeigte sich am Sicherheitsabstand, der zur Bühne eingehalten wurde, auch wenn Matt mehrfach in feinstem Northern Accent darum bat doch ein wenig näher zu kommen.

Viel ist mir vom Set leider nicht als herausragend in Erinnerung geblieben, was vermutlich auch daran liegen mag, dass sich viele Songs sehr ähneln und vom Aufbau her sehr klassisch Rock'n'Roll oder eben auch einfach relativ simpel sind. Trotzdem okay bis gut waren vor allem die Lieder des aktuellen Albums, wie z.b. „Animal“ und „I Don't Mind“ - penetrante Ohrwürmer, bestimmt total super, wenn man einen im Tee hat – für mich persönlich auf Dauer trotzdem nicht der Bringer und das trotz des charmanten britischen Englischs. Das es einigen anderen Anwesenden ähnlich zu gehen schien, zeigte sich daran, dass zwar während des Konzerts vereinzelt von offensichtlich angeheiterten Menschen wild getanzt wurde, dann aber doch nur eher aus Anstand und höflich zurückhaltend eine Zugabe erbeten wurde und nicht unbedingt, weil man wirklich noch mehr hören wollte.

Meine Begleitung und ich wurden an diesem Freitagabend sehr früh wieder in die Frankfurter Nacht entlassen. Es blieben einerseits diese simplen und sehr penetranten Ohrwürmer („I Won't Come Back“ vor allem!), die auf Dauer nur bedingt gute Laune machen und andererseits auch das Gefühl, dass etwas fehlte – nämlich das gewisse Etwas. Vermutlich wäre ich begeisterter gewesen, wenn ich mir klischeehaft britisch vor dem Auftritt ein paar Pints reingezogen hätte, da ich aber im Besitz meiner vollen Sinne war, rissen mich die Pigeon Detectives leider nicht vom Hocker. Um es theatralisch-neumodisch auf den Punkt zu bringen: eine Performance, die mir im wahrsten Sinne des Wortes nicht einmal ein Facebook-Like wert gewesen wäre/ist. Schade, denn den Bandnamen finde ich immer noch super.


Setlist, The Pigeon Detectives, Nachtleben Frankfurt, 17.05.2013:

01: I Won't Come Back
02: I Found Out
03: What Can I Say
04: Emergency
05: I Don't Mind
06: Romantic Type
07: Done In Secret
08: Day & Month
09: Say It Like You Mean It
10: Animal
11: Go At It Completely
12: Everybody Wants Me
13: Take Her Back

14: Hold Your Gaze (Z)
15: I'm Not Sorry (Z) 


Mittwoch, 2. März 2011

Those Dancing Days, Köln, 01.03.11

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Konzert: Those Dancing Days
Ort: Luxor, Köln
Datum: 01.03.2011
Zuschauer: recht gut besucht
Dauer: Those Dancing Days knapp 55 min, Blackberries 40 min


Kommende Woche erscheint Daydreams And Nightmares, die zweite Platte der schwedischen Frauenband Those Dancing Days. 2008 hatte ich die fünf Stockholmerinnen im MTC gesehen und war von Konzert und von ihrer ersten EP sehr begeistert. Danach verlor ich die zwischenzeitlich bei Wichita untergekommenen Those Dancing Days ein wenig aus den Augen. Vor gut einem Jahr begegnete Sängerin Linnea mir dann als Gastsängerin auf einer der God Help The Girl Singles von Belle & Sebastian Sänger Stuart Murdoch wieder (sie ist auch das Covergirl der Single).

Und dann kam das für mich in so vielen Belangen herausragende Bowlie Festival im Dezember in Südengland. Dazu hatten Belle & Sebastian ihre liebsten Bands eingeladen, und dazu gehörten Those Dancing Days. Deren nächtliches Konzert in Minehead war herausragend, obwohl ich hundskaputt war und irgendwann aufgeben musste. Am nächsten Abend erlebte ich Linnea aber noch einmal, weil sie als Gastsängerin bei Belle & Sebastian auftrat und Lazy Lane Painter Jane sang - magic!

Seitdem sind die Schwedinnen wieder fest in meinem Buch der guten Bands untergekommen; es gab also keine Chance, das heutige Konzert zu verpassen, es war gesetzt.


Vorher hatte ich am Nachmittag Sängerin Linnea und Gitarristin Rebecka interviewen können. Als wir über unterschiedliche Konzerterlebnisse in verschiedenen Teilen der Welt sprachen, behauptete ich, das Publikum in England sei euphorischer und erzeuge mehr Stimmung als das deutsche. Rebecka und Linnea widersprachen heftig. Das deutsche Publikum sei viel aktiver und tanze und feiere, Engländer stünden meist gelangweilt und überkritisch rum. Ich war zu höflich, das für ausgemachten Unsinn zu erklären. Keine schlechte Entscheidung, denn als TDD ihre Show begannen, fing das Luxor an zu toben und hielt das bis zum letzten Ton durch. Dancing days eben.

Die Stimmung war nicht grundlos so gut, denn die Mischung aus alten und neuen Stücken - allesamt großartig - , vor allem aber der Bühnenauftritt der jungen Frauen war hervorragend! Keine Frage, warum Wichita diese Band, die musikalisch vielleicht nicht richtig ins Programm passt, unter Vertrag genommen hat. Oder warum zumindest für einen der Musiker von Belle & Sebastian TDD zu den fünf Bands zählten, die er fürs Bowlie einladen wollte.

Während Linnea und Keyboarderin Lisa vor allem wild tanzten und Bassistin Mimmi und Gitarristin Rebecka wie Heavy-Musikerinnen agierten, ist Schlagzeugerin Cissi der heimliche Star eines Liveauftritts der Band. Sie schlägt in einem solch irren Tempo auf ihre Trommeln, wie ich es selten erlebt habe; 50 Minuten Dauerfeuer. Hinter dem Merchtisch wirken die fünf so nett und schüchtern, auf der Bühne losgelassen, entwickeln sie eine sagenhafte Energie.

Mir war das neue Album noch nicht furchtbar gut vertraut, weil ich es erst zweimal vor dem Konzert gehört hatte.
Daydreams And Nightmares unterscheidet sich aber nach den ersten Eindrücken vom Vorgänger vor allem durch eine immer wieder vorkommende düstere Note. Durch Linneas tiefe Stimme (live auch heute perfekt, jeder Ton saß) hat der eigentlich fröhliche 60's Pop der Band ohnehin schon einen dunklen Einschlag, der ihm den entscheidenden Pfiff verleiht. Die neuen Stücke, Forest of love zum Beispiel, wirken aber auch jenseits des Gesangs schon mysteriöser, was mir ganz ausgezeichnet gefällt.

Andere Knüller unter den Neuheiten waren I'll be yours (wohl am ehesten klassischer schwedischer Pop), die Single Fuckarias und Can't find entrance.

Nach dem Bowlie Wochenende, bei dem ein sagenhaftes Konzert das nächste jagte, hatte ich Angst, daß vieles an meiner Begeisterung für die Auftritte mit der dreitägigen Dauereuphorie zu erklären ist und die nächsten Konzerte der gleichen Bands später in den üblichen Clubs hier enttäuschen würden. Zwangsläufig. So wie
Getränke, die man im Urlaub liebt und mit nach Hause nimmt, wo sie nichts mehr taugen. Those Dancing Days funktionieren auch noch nach dem Urlaub. Im Gegenteil glaube ich, daß die Band immer besser wird. 2008 habe ich sie als sehr gut in Erinnerung behalten, so gut wie zur Zeit aber ganz sicher nicht. Wenn man dann noch berücksichtigt, wie jung die Musikerinnen sind, daß sie 2008 vermutlich noch zur Schule gingen, wird von Those Dancing Days noch sehr viel zu erwarten sein.

Zwei Kleinigkeiten hätten besser sein können: der Sound war schrecklich breiig, das Mikro klang, als habe es viel Hall, der da nicht hingehörte. Und zweitens fehlte Maccabees Sänger Orlando Weeks für sein Duett mit Linnea!

Während des Interviews haben wir gewitzelt, wen die Band einladen würde, wenn sie
ein All Tomorrow's Parties Wochenende gestalten dürfte (so wie Battles, Les Savy Fav und Caribou im kommenden Dezember). Nach dem Konzert gab mir Rebecka die Liste mit den 40 Bands, die sie einladen würden**, überschrieben mit Those Dancing Days' ATP. Mal gucken, ob sie irgendwann gefragt werden, wundern würde es mich nicht.

Wie die Karriere der Vorgruppe The Blackberries verlaufen wird, kann ich nicht einschätzen. Ich kann mir vorstellen, daß die vier Männer, die einheitliche Uniformjacken und unterschiedlich farbene Jeans trugen (weiß, rot, gelb und mint), gerne in Konzertberichten als Libertines aus Solingen bezeichnet würden. Dafür fehlt mir allerdings ausreichend Begeisterung. Ansätze, vor allem Melodien, waren ok, der Gesang (egal von wem; drei der Musiker sangen) war mir
aber nicht gut genug, die Instrumentensoli zu gewollt. Der Fairness halber muß ich aber sagen, daß meine Aufmerksamkeit schon von dem Moment an weg war, als ich vor Konzertbeginn die Leuchtreklame mit Bandlogo sah. Ab ausverkaufter 5.000er Halle nehme ich so etwas hin, vorher ist das albern und ein Zeichen fehlender Demut vor der eigenen Rolle.

Setlist Those Dancing Days, Luxor, Köln:


01: Reaching forward
02: Run run
03: Keep me in your pocket
04: Home sweet home
05: Forest of love
06: Can't find entrance
07: Hitten
08: When we fade away
09: I'll be yours
10: Help me close my eye
11: I know where you live
12: I know where you live pt. 2
13: One day forever

14: Fuckarias (Z)
15: Those dancing days (Z)

Links:

- mehr Fotos
- Those Dancing Days, Köln, 17.08.08


** dazu mehr in Kürze, wenn das Interview online gestellt wird!





 

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