skip to main
|
skip to sidebar
um
20:23
Konzert: The Hoosiers, The Dodoz, Moriarty (Micky Green)Ort: Solidays, ParisDatum: 04.06.2008Zuschauer: tausendeKonzertdauer: jeweils ca. 50 MinutenEine Wohltätigkeistveranstaltung zu Gunsten der Aidshilfe ist eine gute und unterstützenswerte Sache. Das dachten sich auch viele andere Besucher und so war die Jubiläumsveranstaltung der Pariser Solidays (10. Geburtstag) schnell ausverkauft, zumindest was den Pass für alle 3 Tage anbelangt. Trotz (oder wegen?) eines recht unausgewogenen Line-Ups (ein paar spannende Bands, aber etliche - wenngleich kommerziell erfolgreiche - Langweiler), strömten die Zuschauer in Massen nach Longchamps, wo ansonsten überzüchtete (und vermutlich gedopte) Rennpferde gallopieren.Wie schon in den letzten Jahren kamen die Veranstalter wieder nicht so recht mit dem Anstrom klar. Fast 2 Stunden musste ich deshalb bei brütender Hitze und zwischen qualmenden und schwitzenden Menschen in der Schlange vor dem Eingang ausharren, bevor ich endlich auf das Gelände kam. Meine Laune war dementsprechend mies und hinzu kam, dass ich die Belgier Girls In Hawaii verpasste, die ich eigentlich fest eingeplant hatte.Aber was will man machen, bei Festivals muss man immer irgendwie Abstriche machen! Man kann nie alle Gruppen sehen, die einen interessieren.
Die Engländer The Hoosiers bekam ich aber in ganzer Länge mit, obwohl ich darauf eigentlich nicht sonderlich scharf war. Mein Standort spielte dabei auch eine Rolle, ich war gerade in der Nähe der grossen Bühne mit dem originellen Namen "Paris" und so lauschte ich dann den poppigen Klängen der kommerziell unglaublich erfolgreichen Band (das Album war in England auf Platz 1!).Und siehe da, es gefiel mir sogar recht ordentlich! Gutelaune-Musik bei herrlichem Sonnenschein, unpassend kam der fröhliche Pop der Hoosiers nun wirklich nicht! So ertappte ich mich dann auch dabei, wie ich zu
"Goodbye Mr A" mitklatschte und mir ein Grinsen nicht verkneifen konnte. Das lag nicht nur an der heiteren Musik, sondern auch an den ausgefallenen Bühnenoutfits. Der Keyboarder trug ein Spiderman-Kostüm und die Trompeter hatten einen Ganzkörper-Skelettanzug an. Auch der Bassist mit Bommelmütze sah lustig aus und trug zur Unterhaltung bei.
Sind die Hoosiers also doch nicht so schlecht, wie ich das in Erinnerung hatte? Jein! Schon nach ein paar Liedern wurde es wieder zu süsslich und kitschig! Die Falsettstimme von Sänger Irwin Sparkes kann ich nur in homöopathischen Dosen vertragen.
Aber es gibt auch immer wieder Ausreisser nach oben, meistens dann wenn schnell und schmissig gespielt wird, wie z.B. bei "Cops And Robbers", die Balladen hingegen sind üble Kost. Und auch die Coverversion von Billl Joel, "We Didn't Start The Fire" ist eher Ohrenquälerei. Den Hit "Worried About Ray", der das Set logischerweise abschloss, muss man den Hoosiers aber lassen. Hier finden sie die richtige Mischung aus guter Melodie, Herzschmerz und Tanzbarkeit. Ein tolles Lied, das wunderbar zum Sommer passt!
Nachdem die Hoosiers fertig waren, ging es mit der Australierin Micky Green im Zelt namens "Dôme" weiter. Auch sie hat zumindest einen Hit zu bieten und zwar das leicht soulige "Oh!", das so ähnlich auch von Feist stammen könnte. Da enden allerdings die Parallelen.
Während die Kanadierin weit mehr als eine Zugnummer zu bieten hat, scheint die blonde Micky, die fast aussah wie ein Marilyn Monroe- Double, ein One-Hit Wonder zu sein. Ein Lied wie "White T-Shirt" zum Beispiel sorgte bei mir nur für gepflegte Langeweile und die neue Single "Shoulda" kommt trotz eines gewissen Grooves auch nicht an "Oh!" heran.So hing mir die blonde Matrosin (dieses Schiffchen!) schon bald zum Halse heraus und auch ihre rosa Hello-Kitty Gitarre und der hübsche rote Nagellack hielten mich nicht mehr in dem Zelt.
Stattdessen wechselte ich in den "Cesar Circus" der ebenfalls überdacht war, obwohl das Wetter nach wie vor prächtig war. Dort spielten die blutjungen Franzosen The Dodoz, die ich auch schon einmal in der Pariser Maroquinerie gesehen hatte und die sogar schon die Ehre hatten, Pete Doherty zu supporten.Und siehe da, schon war die Langweile, die Micky Green zuvor versprüht hatte, wie weggeblasen! Die kesse Sängerin Geraldine wirbelte aufgedreht über die Bühne und hatte richtiggehendes Sex-Appeal, das auch von ihrer coolen Stimme ausging.
Ihre drei männlichen Mitstreiter begleiteten sie sehr gut und so schafften es die vier Grünschnäbel mit ihrem englisch klingenden Garagenrock (The Subways lassen grüssen) die jungen Leute im Publikum richtig aufzumischen. Es wurde sogar Pogo getanzt! Abgefahren!Die Dodoz erfinden zwar nichts Neues, aber ihr frecher Rock ist so erfrischend, dass dieses Manko an Originaltät kompensiert wird. Und "Werewolf In Love" und vor allem das abschliessende "Do You Like Boys" sind richtige Hits!
Wesentlich reifer als die Dodoz sind Moriarty. Die französisch-amerikanische Band feiert seit ein paar Monaten in Paris und ganz Frankreich richtiggehende Triumphe, was neben dem guten Songmaterial auch an den vorzüglichen Bühnenauftritten liegt, wo neben der originellen Deko auch das theatralische Spiel der Akteure sofort ins Auge sticht.Um davon etwas zu sehen, musste ich mich allerdings erst einmal nach vorne durchkämpfen, das Zelt "Domino" erwies sich als viel zu klein,
um dem grossen Publikumsinteresse gerecht zu werden.Songs wie "Private Lilly" und "Cottonflower" sind aber auch wirklich spitze! Und die Stimme von Sängerin Rosemary ist einprägsam und prägnant und wird von ihrer Band bestens unterstützt. Eine fabelhafte Mischung aus Folk, Country, Bluegrass, Swing und Pop, die das Kunststück schafft, gleichzeitig eingängig aber keineswegs flach zu sein. Einer der Highlights im Programm von Moriarty ist regelmässig das Depeche Mode Cover "Enjoy The Silence",
das man auf dem Debütalbum "Gee Whiz But This Is A Lonesome Town" allerdings vergeblich sucht.Live trägt Rosemary das Lied stets mit einer Reh-Trophäe in der Hand vor, was immer wieder für erstaunte Gesichter im Publikum sorgt.
Der nach wie grösste Hit ist aber immer noch "Jimmy", bei dem die Mundharmonika Lagerfeuerfeeling aufkommen lässt und die Zuschauer stets zum Mitsingen bewegt. Zweifelsohne einer der Songs dieses ersten Festivaltages, der die jungen Amerikaner Vampire Weekend als Headliner zu bieten hatte. Von diesem Konzert berichte ich im Anschluss gesondert!
um
00:59
Konzert: Moriarty + The Tellers (+ Sammy Decoster)Ort: EMB Sannois, Sannois bei ParisDatum: 14.12.2007Zuschauer: relativ gut gefüllt"Alela Diane mögen wir übrigens auch sehr gerne,
wir haben auch schon mit ihr zusammen gespielt und werden es nächstes Jahr wieder tun". Rosemary, die charmante Sängerin von Moriarty reagierte mit diesen Worten auf das Abspielen des Liedes " My Tired Feed", welches kurz zuvor als Hintergrundmusik vom Band lief. Moriarty waren zu diesem Zeitpunkt mit ihrem Programm eigentlich schon durch und nach einem famosen Set mit reichlich Applaus verabschiedet worden. Sie schienen auch keine Zugabe zu geben. Warum hätte es ansonsten auch schon Musik aus der Konserve gegeben? Aber der Eindruck täuschte. Das Band wurde gestopt und die französisch/amerikanische Band gab noch ein Lied zum Besten, bevor sie sich wie eine Theatertruppe verabschiedete.
Hach, wie gerne hätte ich jetzt Alela gehört und gesehen, das hätte musikalisch wunderbar gepasst! Fräulein Diane weilte aber in etwa zur gleichen Zeit in Paris, wo sie im ausverkauften Européen auftrat. Mich hingegen hatte es in die Vorstadt gezogen, zum Einen, weil mir das Programm Moriarty und die Tellers zusagte, zum Anderen, weil ich das EMB Sannois endlich mal kennenlernen wollte. Hier traten in letzter Zeit schon viele interessante Bands auf, zum Beispiel die extrem gehypten The Do, ein französisch/finnisches Duo mit der bildhübschen Olivia B. Merilahti an der Spitze, welches spätestens 2008 überall für Furore sorgen dürfte.Um nach Sannois zu kommen, mußte ich aber erst einmal ein paar Hürden nehmen. Die Webseite des EMB versprach, daß es vom Pariser Bahnhof St.Lazare nur 20 Minuten nach Sannois sei. Das klang schon einmal verlockend. Und zurück nach Paris gäbe es Nachtbusse. Auch gut. Daß mit den 20 Minuten stimmte in etwa, aber verschwiegen wurde, daß diese Vorstadtzüge eklig überfüllt sind. Außerdem hatte ich Probleme, mich am Bahnhof zurechtzufinden. Es gab unzählige Gleise, die Züge für alle möglichen Vorstadtkäffer bereithielten. Erst schickte man mich von der Info zum Gleis elf, nachdem mir aber dort die Türe vor der Nase zugeschlagen wurde und alle Versuche, diese noch gewaltsam zu öffnen fehlschlugen (die Leute im Zug taten alles, um mich noch reinzuschleusen, in Deutschland undenkbar!), mußte ich zum Gleis 13 wechseln. So hatte es mir der bärbeißige Typ an der Info mit den krass abgefressenen Fingernägeln zumindest gesagt. Viele Wege führten also nach Sannois.
Diesmal kam ich rechtzeitig und stand dann ziemlich eingepfercht zwischen den armen biederen Angestellten, die von ihrem alltäglichen tristen Arbeitstag in die ebenso tristen Vorstädte zurückfuhren. Ich schien der Einzige zu sein, der zu einem Konzert fuhr. Nach jeder Station stiegen mehr und mehr Leute aus. Die Streckenführung peilte ich nicht richtig, die grüne Linie führte neben meinem Zielort Sannois (auf der Linie südöstlich eingezeichnet) auch geradeaus nach was-weiß-ich-wohin (was falsch gewesen wäre!). Aber egal, man hatte mir ja gesagt, daß Gleis 13 richtig sei und so war es dann auch.
In Sannois angekommen, galt es nur noch das EMB zu finden. Auch diese Hürde meisterte ich und hatte Glück, daß die kleine Halle nicht weit vom Bahnhof entfernt lag. Draußen war es nämlich schweinekalt! Der Saal selbst (im Keller gelegen) dann nicht sonderlich groß, mit holzvertäfelten Wänden, die an eine Sauna erinnerten und ordentlichem Sound.
Zunächst langweilte mich der französische Folk-Barde Sammy Decoster etwas und ließ mich nur gegen Ende aufhorchen, als er eine passable Cover Version des Ronnettes Hits "Be My Baby" anstimmte. Hatte ich mir nach den wohlwollenden Zeitungsberichten besser vorgestellt, aber die lokale Musikpresse geht ja oft mit Samtpfötchen mit den eigenen Landsleuten um. Nun gut, ich war ja wegen Moriarty und den Tellers hier. Und Moriarty erfüllten meine hohen Erwartungen voll und ganz. Allein schon das Bühnenbild mit dem asiatischen Paravent und den antiken Utensilien war die Reise nach Sanois wert.
Und erst die Kostüme von Rosemary Standley, wundervoll! Zunächst trug sie ein purpurfarbenes, später ein grünes. Obwohl sie etwas stärker gebaut ist als die typisch zierliche Pariserin, gefiel sie mir sehr. Sie hat halt eben ein paar weibliche Rundungen, wen stört's? Auffallend ist ihre Ausstrahlung und ihr Charisma. Wenn sie den Raum betritt, sind alle Augen auf sie gerichtet. Sie muß eine Theaterausbildung hinter sich haben, anders kann ich mir das Phänomen nicht erklären. Oder sie ist ein Naturtalent, gesegnet mit einer wundervollen Mimik und Gestik.
Das Schönste (neben ihrem entwaffnenden Lächeln) an ihr ist und bleibt aber die kraftvolle Stimme. Auch ihre männlichen Kollegen haben so einige Talente in die Waagschaale zu werfen, sie beherrschen die theatralische Mimik ebenso wie ihre Instrumente (darunter Kontrabass und Mundharmonika). Einer der Herren, genauer gesagt der flinke Kontrabassspieler hatte Geburtstag und bekam von Rosemary eine kleine Mandarine gespickt mit einem funkelnden Kerzchen überreicht. Das hatte etwas Feierliches und passte gut zur Stimmung des Abends in diesem recht schönen Saale,
der übrigens auch ausgerechnet heute sein 10 jähriges feierte.Zu diesem Zeitpunkt hatte die Sängerin bereits ihre Perücke abgelegt, die sie zu Beginn des Auftritts trug und später zur Belustigung des Publikums an einen ihrer Musiker weiterreichte.Musikalisch herausragend waren vor allem das wunderbare "Cottonflower",
welches man auch auf der MySpace Seite der Band anhören kann und die geniale Cover-Version von Depeche Mode's Klassiker "Enjoy The Silence". Auch hier war die Darbietung sehr unterhaltsam. Der Gitarrist hatte sich kleine Klöppel besorgt und schlug auf groteske Art und Weise auf ein winziges Xylophon ein. Rosemary hingegen hielt eine tierische Trophäe im Arm und wog sie wie ein Baby.
Hinreißend! Höhepunkt des Sets war aber wie schon damals in der Flèche d'or das sehnlich erwartete Stück "Jimmy" zu dem man prima mitwippen konnte. Nach knapp 50 Minuten war aber leider Schluß, bevor oben beschriebenes Stück von Alela Diane vom Band lief und die Band mit "Private Lilly" ein wunderschönes Sahnehäubchen draufsetzte. Hier sollte man auch einmal auf den Text achten. "My name is Lilly, I'm nineteen years old, no money to study, no boyfriend, i'm kind of bored. I went to the trade fair to find a job: there I met a few guys from the army. They told me that I was smart and pretty. I'm going to war..."
Setlist Moriarty, EMB Sannois:
01: Oskosh Bend
02: Jaywalker
03: ?
04: Cottonflowers
05: Enjoy The Silence (Depeche Mode Cover)
06: Jimmy
07: Motel
08: Bacon (ein Lied für Francis Bacon)
09: Whiteman's Ballad
10: Private Lilly (Z)
Links:
- Video Moriarty - Jimmy (live) hier
- Video Moriarty - Private Lilly hier
- Video Moriarty im Interview mit RodLeHibOO (köstlich unbedingt ansehen!)
- Mehr Photos von Moriarty hier
Nachdem Moriarty unter verdientem und frenetischem Applaus die Bühne verlassen hatten, wurde es im Saale deutlich leerer.
Viele Besucher waren wohl in erster Linie wegen Moriarty gekommen und - ich kann es vorwegnehmen - sie hatten nicht ganz Unrecht, den Konzertraum zu verlassen. Zwar war das, was die belgischen Tellers zu erzählen hatten nicht zum Weglaufen, aber wirklich originell leider auch nicht.
Schon nach wenigen Titeln drängte sich mir der Gedanke auf, es mit einer Libertines-Coverband zu tun zu haben. Frisch und sympathisch spielten sie ja schon auf, aber der Mangel an eigenen Ideen war schlichtweg nicht zu kaschieren. Wenn man es genau nimmt, klangen sie sogar oft noch eher nach The View als den Libertines, was die Sache nicht besser machte. Wer braucht schon den Klon eines Klons? Das jugendlich ungestümme Selbstvertrauen der Letztgenannten hatten sie aber auch nicht vorzuweisen.
Sänger Ben wirkte eher schüchtern und unsicher und überließ seinem forscheren Bassisten François die Ansagen. Sowas kommt natürlich schluffig sympathisch rüber, aber auf der Bühne ist es nun einmal so, daß idealerweise der Sänger die Rolle des Leaders übernimmt. Symptomatisch war, daß Ben statt in der Mitte - wie es üblich ist - am äußerst linken Rand Stellung bezogen hatte. Konsequenz aus dieser mangelnden Bühnenpräsenz war, daß bis auf eine handvoll angeheiterter Teenager niemand tanzte, oder andersweitige Regungen von sich gab. Mein Freund Fabien schien sogar fast einzuschlafen. Der große Kerl kauerte mit dem Rücken an der Wand und drohte wegzudämmern. Als ich zu ihm rüberging, sagte er in ungewohnt forscher Weise: "c'est chiant, je suis assez déçu!" (das ist beschissen, ich bin ziemlich enttäuscht!).
Recht hatte er, auch ich hatte mir nach der nett anzuhörenden EP viel mehr versprochen. Stattdessen reihte sich ein ähnlich klingendes Lied an das andere. Und war "He get's High" nicht eine frei adaptierte Cove-Version? Ich hoffe es für die Belgier, denn wenn das nicht nach "Time For Heroes" von den Libertines klang, dann weiß' ich es wirklich nicht. Beim Grand Prix D'Eurovision wären sie damit disqualifiziert worden...
Aber auch bei älteren Klassikern hatten sich die Jungspunde reichlich bedient. Die Single "Second Category" ist bestimmt entstanden,
nachdem die Kerle sich an Papis Plattenschrank vergangen haben und dort "If I Got A Hammer" von Trini Lopez gefunden haben müssen. Wenigstens war "Cut Your Hair" von Pavement als Cover kenntlich gemacht. Und auch die Zugabe war natürlich, ja dreimal darf man raten... ein Cover! Diesmal wurde der Soul- Klassiker "Sittin" On The Dog Of The Bay" von Otis Redding verwurstet. Danach hatten Fabien und ich genug gehört. Auch mit der Setlist machten sich die Belgier übrigens nicht allzuviel Mühe. Sie entsprach nicht nur was die Auswahl, sondern vor allem die Reihenfolge der Titel angeht, derjenigen, die Christoph in Köln serviert bekam. Aber er will ja angeblich die "feineren" Libertines (was immer das heißen mag) gesehen haben. Hmm...
Einspruch!
Setlist The Tellers, EMB Sannois:
01: If I Say (Die With Me)
02: More
03: Jack Knife
04: Hugo
05: A Bit Of Glue
06: Want You Back
07: Another Coin For
08: He Gets High
09: Second Category
10: Cut Your Hair (Pavement)
11: Penny
12: Girls Of Russia
13: Confession
14: Sittin' On The Dock Of The Bay (Otis Redding) (Z)
um
21:42
Konzert: Alela Diane, Moriarty, Joe Gideon & The Shark, Quidam & Alamo Race Track (Fargo All Stars)Ort: La Flèche d'or, ParisDatum: 25.10.2007Zuschauer: vollkommen überfüllt
In Paris gibt es ein kleines, feines Label, das auf den Namen Fargo hört. Französische Artisten sucht man im Katalog der Firma bis auf wenige Ausnahmen (Emily Loizeau, Alexandre Varlet) aber vergeblich, es dominieren vielmehr amerikanische Folk-und Country Künstler. Und zwar nicht die schlechtesten, ganz im Gegenteil; Andrew Bird, Neal Casal, Dawn Landes wären da zu nennen, aber auch schon Ryan Adams himself, die Great Lake Swimmers, Shearwater und viele andere haben CDs auf diesem Label veröffentlicht.Aus Europa haben sie bei Fargo aber vor allem einen ganz dicken Fisch an der Angel, ich spreche von den sensationellen Holländern Alamo Race Track, die mit "Black Cat John Brown" eines der besten Alben des Jahres vorlegten. Eben jene Holländer hatten die Ehre, andere Künstler des Labels, aber auch Gäste in die Flèche d'or einzuladen. Das Ganze nennt sich Fargo All Stars, erstreckt sich über drei Tage und wird 20 meist hervorragenden Gruppen ein Podium bieten.Den Ball eröffnen durfte am Donnerstag abend die wundervolle amerikanische Folk-Sängerin Alela Diane.
Dank meines stets bestens informierten Blogger Freundes Eike, habe ich sehr frühzeitig über die erst 23 Jahre alte Sängerin erfahren. Ihr "The Pirate's Gospel" rotiert seitdem regelmäßig auf meinem i-pod, ohne daß Abnutzungserscheinungen festzustellen wären. Keine Wunder, hört sich das Debütwerk der Kalifornierin doch an wie ein wiederaufgetauchter Klassiker. Insofern sehr schade, daß ich nicht rechtzeitig in der Flèche d'or eintrudelte. Aber was heißt schon rechtzeitig? Normalerweise ist um 20 nach 8 noch kein Schwein in dem Laden, gechweige denn eine Band auf der Bühne. Heute war aber alles ein wenig anders. Menschenmassen drängten sich zu früher Stunde dicht an dicht, erzeugten eine unangenehme Wärme und nahmen so ein wenig die Freude am Konzertgenuß. Da war kaum ein Durchkommen nach vorne, man wußte nicht so richtig, wo man Stellung beziehen sollte. "Steht ihr auch nicht zu eng gequetscht da?", fragte konsequenterweise dann auch die natürlich hübsche Alela. Das war nett gemeint, aber was sollte sie auch schon ausrichten können gegen den Ansturm, der höchstwahrscheinlich noch nicht einmal ihr galt.
Nicht daß sie nicht eine volle Hütte verdient hätte, ganz im Gegenteil, aber die meisten Gaffer waren wegen der nachfolgend auftretenden Band Moriarty gekommen, um die zur Zeit in Paris ein großer Hype gemacht wird. Fräulein Diane sollte meines Erachtens aber mindestens genauso ernst genommen werden. Wer hat im Folk-Zirkus schließlich solch eine famose Stimme aufzubieten? Fest und eindringlich, aber auch sanft und zerbrechlich sang die Hübsche da vorne nur mit ihrer Klampfe bewaffnet einen traurigen Song nach dem anderen. Wäre ich nicht so eingekesselt gewesen, es wäre richtig gemütlich gewesen. Aber auch so verfehlten Knüller wie der Titeltrack "The Pirate's Gospel", "The Rifle" und "Oh! My Mama" ihre Wirkung nicht. Beim Konzert im intimen Pariser "Européen" am 14.12. werde ich versuchen, in entspannterer Atmosphäre den Erzählungen der Dame zu lauschen.Anschließend versuchte sich jeder nach vorne zu drängeln, um die theatralische Band Moriarty so gut wie möglich zu sehen. Vor kurzem schon hatte das mehrköpfige Ensemble für eine ausverkaufte Maroquinerie gesorgt, spätestens seitdem sind sie in Insiderkreisen in aller Munde.
Kein Wunder, ist ja auch wirklich ein kurioser Haufen, diese Band, die uns da anscheinend ein in Musik gekleidetes Theaterstück vorspielt. Was ist das? Ein folkloristisches Cabaret? Ein Musical? -Zum Glück nichts von beiden, eher ein oppulent vorgetragenes Spektakel, in dem es doch hauptsächlich um die Musik geht und nur zur Untermalung dieser um Theater.
Von letzgenannter Kunstform hat sich die französisch/amerikanische Gruppe vor allem die Gestik und Mimik abgeschaut, erfreulicherweise nicht die käsige Musik, die man in Musicals vorfindet. Stattdessen erstreckt sich das musikalische Spektrum von Folk, über Americana bis hin zu Indie und Rock. Ein möglicher Vergleich mit Arcade Fire hinkt aber, da bei Moriarty keine wavigen Gitarren und Bässe auftauchen. Vergleichbar sind sie schon eher mit Devotchka;
in ihrem Sound findet man vor allem klassische Folk-Einflüsse wie Bob Dylan, Johnny Cash und Janis Joplin zuzüglich traditioneller irischer Elemente. Und da mit der Diva Rosemary eine Sängerin an der Spitze steht, kommen einem natürlich alle möglichen alten und neuen Folk-Sängerinnen (von Sandy Denny bis Cat Power) in den Sinn. Wenn man über Moriarty redet, muß man neben den für Folk- Musik ungewöhnlichen Instrumenten (u.a. ein Kontrabass) auch die Bühnendeko erwähnen. Da gibt es zum Beispiel den asiatischen Paravent, der vor Konzertbeginn schon ein wenig einsam auf der Bühne rumstand.
Oder die rote, leicht puffig aussehende Stelampe, die die Bühne sanft erleuchtete. Aber natürlich auch die ausgestopfte Trophäe eines Steinbocks, die meistens auf einem alten Koffer rumstand, aber bei einem Lied von der leicht fülligen Sängerin sanft im Arm gewogen wurde. Ebenfalls auffällig: die fünfköpfige Band (vier Männer, eine Frau) steht stets sehr eng beieinander und erzeugt so allein schon optisch eine dichte Atmosphäre. Die Enge schweißt die Musiker zusammen, läßt sie als Einheit erscheinen, in der jeder einzelne seinen Teil zum Gelingen des großen Ganzen beiträgt. Und gelungen ist das besonders, wenn fabelhafte Lieder wie z.B. "Jimmy" gespielt werden.
Da kommt Lagerfeueratmosphäre auf, obwohl der Ausdruck Lagerfeueratmosphäre scheiße, die erzeugte Stimmung hingegen gut ist. Auch "Cottonflower" nimmt den Hörer mit seiner sanften Melancholie und seinen Mundharmonikaklängen für sich ein, von dem wundervollen Gesang ganz zu schweigen. So verfalle auch ich in der Folge immer mehr dem Phänomen Moriarty und kann nicht anders,
als nach dem Konzert hastig die aufwändig gestaltete CD zu kaufen. Die wenigen bisher absolvierten Hördurchgänge bestätigen den guten Eindruck des Konzerts. Der Hype um Moriarty ist gerechtfertigt, der Individualist in mir kann sich dagegen nicht wehren. Darauf, daß man diese Truppe nicht mehr für sich alleine hat, sei an dieser Stelle geschissen!
Mehr Photos von Moriarty hier
Danach wurde ich von einer jungen Frau gefragt, wer denn als Nächster auftreten werde.
Nun, ich konnte ihr nicht helfen, ich wußte es einfach nicht. Das Einzige was ich beisteuern konnte, war die Aussage, daß Alamo Race Track heute noch auftreten würden. Vorher gab es aber noch zwei weitere Bands und eine davon hieß Joe Gideon & The Shark. Und die waren als nächste an der Reihe. Hinter dem Namen verbirgt sich ein diabolisches Duo, bestehend aus dem gutaussehenden Sänger und Gitarristen Joe Gideon (eine Art herberer Wayne Carpendale) und seiner kleinen trommelnden Schwester Viva Shark, die mit ihrer roten Samtschleife, die sie um den Hals gebunden hatte und dem feschen Pagenschnitt gleich Punkte bei mir sammelte. Auch ihre Musik - staubtrockener Punk- Folk im Stile der Two Gallants oder White Stripes - hatte es mir auf Anhieb angetan.
Die stylische Viva Shark prügelte nämlich wie eine Besessene auf ihre Drums ein, stieß ab und zu spitze Schrie aus und vollbrachte gar das Kunststück gleichzeitig (!) Schlagzeug und Piano spielen zu können. Der blonde Joe hingegen sang (oder besser sprach) zuweilen auf hundsgemeine Art und Weise (vergleichbar mit Mark "The Fall" E. Smith) düstere Texte und spielte dazu Gitarre. Zu den dargebotenen Stücken gehörten das polternde "Civilisation", "True Nature" und "Hide & Seek" allesamt vertreten auf der EP "Two Ears Good, Four Ears Better", aber auch das an Gun Club erinnernde DOL und "You Don't Look At A Tidal Wave Looks At You", beide von der anderen EP "Joe Gideon & The Shark". All dies kam sehr gut an und wurde beschloßen durch die Ballade "Anything You Love That Much, You Will See Again". Ein versönlicher Text zum Abschluß eines eher düsteren- aber gerade deshalb- hervorragenden Sets.
Mehr Bilder von Joe Gideon & The Shark
Einen Musiker mehr aufzubieten als die zuvor Aufgetretenen, hatten die jungen Franzosen Quidam.
An der Spitze der Newcomer aus Clermont-Ferrand steht der dem Interpol- Sänger Paul Banks wahnsinnig ähnlich sehende Yannick und begleitet wird er an Bass und Schlagzeug von Romain und Pierre. Und nicht nur optisch ist ein Vergleich mit Interpol angebracht, auch bei Quidam gibt es nämlich messerscharfe Bassläufe, wavige Gitarren und eine manisch- depressive Seite. Noch enger als zu den New Yorkern ist aber die musikalische Verwandschaft zu den Noise-Poppern Blonde Redhead, von denen die Franzosen sogar schon Titel gecovert haben. Ansonsten ist alles an dem Set frisch, wild und ungestüm und ich langweile mich keine Sekunde. Kein Wunder also,
daß Quidam schon Auftritte im Vorprogramm zu den Rakes, Sons And Daughters und Wedding Present auf ihrer Haben-Seite verbuchen können. Als Einheizer taugen sie nämlich mit ihren schnellen Liedern einwandfrei. So verbuche ich dann auch den Auftritt des Trios als positive Entdeckung und störe mich auch nicht weiter daran, daß Franzosen mir später sagen, daß die Texte nicht unbedingt berauschend gewesen wären.
Von der handgeschriebenen Setlist von Quidam kann ich folgendes entziffern:
01: Paris
02: Wars (?)
03: Dans L'...
04: De Sang Froid
05: Nos Souvenirs
06: Echange
07: Tes Ondes
08: En Eau Profondes
Mehr Photos von Quidam
Inzwischen ist es in der Flèche d'or schon recht spät geworden. Der für 23 Uhr angesezte Auftritt von Alamo Race Track hat jedenfalls um 23 Uhr 30 noch nicht angefangen. Es sollte deshalb auch ein langer Abend werden an diesem Donnerstag, dem ersten Tag des Fargo All Stars Treffens. Da ich Alamo Race Track aber am Samstag erneut sehen werde, habe ich mich entschloßen, die beiden Auftritte gemeinsam zu schildern. Vorenthalten möchte ich aber nicht die
Setlist von Alamo Race Track, Flèche d'or 25.10.07:
01: Don't Beat This Dog
02: Stanley Vs Hannah
03: Black Cat John Brown
04: My Heart
05: The Killing
06: Chocolate Years
07: Breaker Breaker 1-2
08: Kiss Me Bar
09: Jets (neu!)
10: The Northern Territory (Z)
Photos von Alamo Race Track