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Samstag, 5. Juli 2008

The Hoosiers, The Dodoz, Moriarty, Solidays, Paris, 04.07.08

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Konzert: The Hoosiers, The Dodoz, Moriarty (Micky Green)

Ort: Solidays, Paris
Datum: 04.06.2008
Zuschauer: tausende
Konzertdauer: jeweils ca. 50 Minuten



Eine Wohltätigkeistveranstaltung zu Gunsten der Aidshilfe ist eine gute und unterstützenswerte Sache. Das dachten sich auch viele andere Besucher und so war die Jubiläumsveranstaltung der Pariser Solidays (10. Geburtstag) schnell ausverkauft, zumindest was den Pass für alle 3 Tage anbelangt. Trotz (oder wegen?) eines recht unausgewogenen Line-Ups (ein paar spannende Bands, aber etliche - wenngleich kommerziell erfolgreiche - Langweiler), strömten die Zuschauer in Massen nach Longchamps, wo ansonsten überzüchtete (und vermutlich gedopte) Rennpferde gallopieren.

Wie schon in den letzten Jahren kamen die Veranstalter wieder nicht so recht mit dem Anstrom klar. Fast 2 Stunden musste ich deshalb bei brütender Hitze und zwischen qualmenden und schwitzenden Menschen in der Schlange vor dem Eingang ausharren, bevor ich endlich auf das Gelände kam. Meine Laune war dementsprechend mies und hinzu kam, dass ich die Belgier Girls In Hawaii verpasste, die ich eigentlich fest eingeplant hatte.

Aber was will man machen, bei Festivals muss man immer irgendwie Abstriche machen! Man kann nie alle Gruppen sehen, die einen interessieren.

Die Engländer The Hoosiers bekam ich aber in ganzer Länge mit, obwohl ich darauf eigentlich nicht sonderlich scharf war. Mein Standort spielte dabei auch eine Rolle, ich war gerade in der Nähe der grossen Bühne mit dem originellen Namen "Paris" und so lauschte ich dann den poppigen Klängen der kommerziell unglaublich erfolgreichen Band (das Album war in England auf Platz 1!).

Und siehe da, es gefiel mir sogar recht ordentlich! Gutelaune-Musik bei herrlichem Sonnenschein, unpassend kam der fröhliche Pop der Hoosiers nun wirklich nicht! So ertappte ich mich dann auch dabei, wie ich zu "Goodbye Mr A" mitklatschte und mir ein Grinsen nicht verkneifen konnte. Das lag nicht nur an der heiteren Musik, sondern auch an den ausgefallenen Bühnenoutfits. Der Keyboarder trug ein Spiderman-Kostüm und die Trompeter hatten einen Ganzkörper-Skelettanzug an. Auch der Bassist mit Bommelmütze sah lustig aus und trug zur Unterhaltung bei. Sind die Hoosiers also doch nicht so schlecht, wie ich das in Erinnerung hatte? Jein! Schon nach ein paar Liedern wurde es wieder zu süsslich und kitschig! Die Falsettstimme von Sänger Irwin Sparkes kann ich nur in homöopathischen Dosen vertragen.

Aber es gibt auch immer wieder Ausreisser nach oben, meistens dann wenn schnell und schmissig gespielt wird, wie z.B. bei "Cops And Robbers", die Balladen hingegen sind üble Kost. Und auch die Coverversion von Billl Joel, "We Didn't Start The Fire" ist eher Ohrenquälerei. Den Hit "Worried About Ray", der das Set logischerweise abschloss, muss man den Hoosiers aber lassen. Hier finden sie die richtige Mischung aus guter Melodie, Herzschmerz und Tanzbarkeit. Ein tolles Lied, das wunderbar zum Sommer passt!

Nachdem die Hoosiers fertig waren, ging es mit der Australierin Micky Green im Zelt namens "Dôme" weiter. Auch sie hat zumindest einen Hit zu bieten und zwar das leicht soulige "Oh!", das so ähnlich auch von Feist stammen könnte. Da enden allerdings die Parallelen. Während die Kanadierin weit mehr als eine Zugnummer zu bieten hat, scheint die blonde Micky, die fast aussah wie ein Marilyn Monroe- Double, ein One-Hit Wonder zu sein. Ein Lied wie "White T-Shirt" zum Beispiel sorgte bei mir nur für gepflegte Langeweile und die neue Single "Shoulda" kommt trotz eines gewissen Grooves auch nicht an "Oh!" heran.

So hing mir die blonde Matrosin (dieses Schiffchen!) schon bald zum Halse heraus und auch ihre rosa Hello-Kitty Gitarre und der hübsche rote Nagellack hielten mich nicht mehr in dem Zelt.

Stattdessen wechselte ich in den "Cesar Circus" der ebenfalls überdacht war, obwohl das Wetter nach wie vor prächtig war. Dort spielten die blutjungen Franzosen The Dodoz, die ich auch schon einmal in der Pariser Maroquinerie gesehen hatte und die sogar schon die Ehre hatten, Pete Doherty zu supporten.

Und siehe da, schon war die Langweile, die Micky Green zuvor versprüht hatte, wie weggeblasen! Die kesse Sängerin Geraldine wirbelte aufgedreht über die Bühne und hatte richtiggehendes Sex-Appeal, das auch von ihrer coolen Stimme ausging. Ihre drei männlichen Mitstreiter begleiteten sie sehr gut und so schafften es die vier Grünschnäbel mit ihrem englisch klingenden Garagenrock (The Subways lassen grüssen) die jungen Leute im Publikum richtig aufzumischen. Es wurde sogar Pogo getanzt! Abgefahren!

Die Dodoz erfinden zwar nichts Neues, aber ihr frecher Rock ist so erfrischend, dass dieses Manko an Originaltät kompensiert wird. Und "Werewolf In Love" und vor allem das abschliessende "Do You Like Boys" sind richtige Hits!

Wesentlich reifer als die Dodoz sind Moriarty. Die französisch-amerikanische Band feiert seit ein paar Monaten in Paris und ganz Frankreich richtiggehende Triumphe, was neben dem guten Songmaterial auch an den vorzüglichen Bühnenauftritten liegt, wo neben der originellen Deko auch das theatralische Spiel der Akteure sofort ins Auge sticht.

Um davon etwas zu sehen, musste ich mich allerdings erst einmal nach vorne durchkämpfen, das Zelt "Domino" erwies sich als viel zu klein, um dem grossen Publikumsinteresse gerecht zu werden.

Songs wie "Private Lilly" und "Cottonflower" sind aber auch wirklich spitze! Und die Stimme von Sängerin Rosemary ist einprägsam und prägnant und wird von ihrer Band bestens unterstützt. Eine fabelhafte Mischung aus Folk, Country, Bluegrass, Swing und Pop, die das Kunststück schafft, gleichzeitig eingängig aber keineswegs flach zu sein. Einer der Highlights im Programm von Moriarty ist regelmässig das Depeche Mode Cover "Enjoy The Silence", das man auf dem Debütalbum "Gee Whiz But This Is A Lonesome Town" allerdings vergeblich sucht.

Live trägt Rosemary das Lied stets mit einer Reh-Trophäe in der Hand vor, was immer wieder für erstaunte Gesichter im Publikum sorgt.

Der nach wie grösste Hit ist aber immer noch "Jimmy", bei dem die Mundharmonika Lagerfeuerfeeling aufkommen lässt und die Zuschauer stets zum Mitsingen bewegt. Zweifelsohne einer der Songs dieses ersten Festivaltages, der die jungen Amerikaner Vampire Weekend als Headliner zu bieten hatte. Von diesem Konzert berichte ich im Anschluss gesondert!





Freitag, 18. Januar 2008

The Hoosiers, Paris, 17.01.08

3 Kommentare

Konzert: The Hoosiers

Ort: La Maroquinerie, Paris (Inrocks Indie Club)
Datum: 17.01.2008
Zuschauer: gut gefüllt, aber wohl nicht ganz ausverkauft


Aus dem Konzertteil des britischen NME:

The Hoosiers

February:

11: Bristol Academy - Sold Out
15: Liverpool Carling Academy - Sold Out
17 Preston 53 Degrees - Sold Out
25 Newcastle Academy - Sold Out
28 Manchester Academy - Sold Out

March:
01: Oxford Academy - Sold Out
02: Norwich UEA - Sold Out
04: London Shepherds Bush Empire - Sold Out
05: London Shepherds Bush Empire - Extra Date Added Due To Demand
09: Northhampton Roadmender - Sold Out
10: Cambridge Corn Exchange - Sold Out
11: Portsmouth Pyramid - Sold Out
14: Exeter University - Sold Out

Dress Code: Optional, Fancy Dress Preferred!
The Number 1 Album "The Hoosiers & The The Trick to Life" Out Now

Unglaublich, oder? - Fast alle Termine in Großbritannien ausverkauft, das Album ging bis auf eins, 1 000 000 Profilaufrufe bei Myspace, haben wir es hier etwa mit einer neuen englischen Sensation zu tun? The Hoosiers, kennt die denn jemand in Deutschland, oder Frankreich?? Und was meinen die damit: "Fancy Dress Preferred?". Sind wohl Witzbolde, oder wie?

Also, die Geschichte mit dem Fancy Dress ist schon einmal nicht bis Paris durchgesickert. Was auch immer damit gemeint war, in der Maroquinerie erschienen alle normal angezogen. Allerdings auch sehr zahlreich, möglicherweise war schon der erste Inrocks Indie Club ausverkauft. Ursache für den Anstrom war aber eher ein Heißhunger auf Konzerte nach mehrerer Wochen Feiertag bedingten Entzuges als die angesetzten Bands. So versammelte sich denn auch schon recht frühzeitig ein größeres Grüppchen an Konzertjunkies in dem szenigen Kellerverlies. Alle meine Freunde waren da, sowohl Philippe, als auch Filmer Stéphane in seinem ersten Einsatz im neuen Jahr, Starfotograf Robert Gil und etliche andere. Auch lokale Bandprominenz zog es nach Menilmontant, Olivier Jourdan von den Huspuppies war zugegen, natürlich die Mädels von Plastiscines, die aufstrebenden Go Go Charlton (klingen nach den Smiths und den Go-Betweens), Sheraff und so weiter.

Sie alle sahen...ein recht scheußliches Konzert! Zumindest was die Hoosiers betrifft. Wer auf mainstreamlastigen Radiopop mit eunuchenhaft hoher Stimme im Stile von Mika, oder den Scissor Sisters steht, kam mit Sicherheit auf seine Kosten, alle anderen aber (und das war wohl ein recht großer Teil) fanden es größtenteils grauenhaft. Dabei war die Stimmung gar nicht mal so schlecht, zumindest Freunde gezuckerten Pops hatten ein breites Grinsen im Gesicht. Und bei einigen Liedern, vor allem bei "Cops And Robbers" und der Hitsingle "Worried About Ray" (nicht zu verwechseln mit "It's A Shame About Ray" von den Lemonheads!) ging sogar der ganze Saal gut mit. Ansonsten überwog aber bei Leuten mit gutem Geschmack ein Gefühl der Abneigung. Vor allem bei denjenigen, die hinsichtlich des Lebensalters die 3 vorne recht weit hinten gelassen haben. Klang das nicht irgendwie nach ELO?- Doch, irgendwie schon und auch nach anderen Bands aus den 80ern (Supertramp?), deren Platten man mit Sicherheit damals gekauft hat, mit denen man sich aber heutzutage nicht mehr allzugern schmückt. Wenn man eine zeitgenössische Gruppe nennen möchte, die so ähnlich wie die Hoosiers klingt, wird man bei The Feeling fündig. Auch diese haben sich, kommerziell ziemlich erfolgreich, an Formierungen oder Künstlern an den 80ern angelehnt, die man lieber vergessen möchte. Beispiel gefällig? - Wer kennt noch Billy Joel? Auch so eine Heulboje aus dem Jahrzent des schlechten Geschmacks, der damals omnipräsent war. Und ausgerechnet diesen Schmalzbubi gruben die Hoosiers prompt wieder aus. "We Didn't Start The Fire" hieß die Scheußlichkeit, die ich glücklicherweise fast vergessen hatte, an die ich aber bei der zweiten Zugabe (der offizielle Teil war nach kurzen 40 Minuten gelaufen) der Hoosiers wieder erinnert wurde. O.k., o.k., es haben sich auch schon Bands mit Niveau an grausamen Songs bedient und diese gecovert. Ich erinnere mich da insbesondere an Arab Strap, die allen Ernstes "It's A Heartache" von Bonnie Tyler verwurstet haben, oder Rio en Medios Version von "Staying Alive". Der Unterschied bestand aber darin, daß es sich ganz offensichtlich um gewollt- komische Einlagen handelte, während ich mir da gestern in der Maroquinerie nicht so sicher war...

Um auch mal etwas Positives zu sagen. Die Hoosiers sind ausgeprochen nette und symphatische Kerle. Der kleingewachsene ( dafür aber sehr durchtranierte) Sänger Irwin Sparkes hat darüber hinaus durchaus Charisma und Bühnenpräsenz und spricht sogar ein paar Brocken französisch. Optisch handelt es sich bei ihm um ein Kreuzung aus Schauspieler Ben Stiller und Mehmet Scholl, was ja auch schon einmal bemerkenswert ist. Mit seinen witzigen Grimassen brachte er mich dann auch manchmal zum Schmunzeln und auch der schwedische Bassist Martin Skarendahl und Drummer Alfonso Sharlando hatten ein gewinnendes Wesen. Dieser Sympathiebonus allein wird aber freilich nicht dazu führen, daß ich mir ihr Debütalbum "The Trick To Life" zulege. Die Hoosiers werden dies auf Grund ihrer großen Erfolge in England (auch zwei ihrer Singles platzierten sich schon in den Top Ten) verkraften können.

Anzumerken ist noch, daß die Vorgruppen zu gefallen wußten. Die extrem jungen Kid Bombardos aus Bordeaux (ich glaube der Drummer ist erst 15!) spielten flotten, melodieverliebten Indie-Rock im Stile der Strokes und die nicht wesentlich älteren Pariser Dodoz (nicht zu verwechseln mit den Kaliforniern Dodos) unterhielten mich ansprechend mit knackigem Garagen-Punk à la Yeah Yeah Yeahs. Sogar ein kleiner Hit fiel dabei ab. Als die kleine Rockröhre Géraldine, die für den Gesang verantwortlich ist, "I hate Boys" schmetterte (das Lied heißt eigentlich "Do You Like Boys"), ging in den vorderen Reihen ordentlich der Punk ab!





 

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