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Montag, 16. März 2015

Guđriđ Hansdóttir, Karlsruhe, 14.03.15

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Konzert: Nordic night mit Guđriđ Hansdóttir und Liv
Ort: Kellerhalle in Karlsruhe
Datum: 14. März 2015
Dauer: 30 min + 75 min
Zuschauer: fast 100


Seit im November die Verabredung getroffen worden war, dass Guđriđ Hansdóttir ihre Märztour durch Deutschland in der Kellerhalle beenden wird, hatte ich mich auf diesen Abend gefreut. Und erst recht, nachdem klar wurde, dass Liv den Abend beginnen würde. Liv war in Trio-Besetzung im Februar ziemlich umtriebig gewesen und seit unserer letzten Begegnung am Bühnenrand (also sie oben und ich davor) war definitiv schon zu viel Zeit vergangen! Auch seit meiner letzten Begegnung mit Künstlern von den Färöer Inseln: Marius Ziska und Kollegen (*).



An diesem Abend fand sich zu meiner großen Freude die Kellerhalle besonders gut gefüllt. Liv hatte den Schlagzeuger Johann Polzer dabei und die beiden beanspruchten damit mehr Bühnenraum als die später solo auftretende Frau von den Färöer Inseln. Wichtiger noch: sie beanspruchten unsere ganze Aufmerksamkeit und einen kurzen Moment später schon Respekt und geöffnete Herzen. Das klingt so dahingeplätschert, aber wer in Livs Musik hineinhört - besser noch, sie live erlebt - sieht, dass hier nix einfach plätschert, sondern Hörgewohnheiten immer ein bisschen ausgetrixt und Erwartungen ein bisschen herumgeschubst werden. Insbesondere, wenn man sie noch ganz im Jazz verankert vermutet.


Ihr Konzertteil begann mit Nordic coastline  und den von mir sehr geliebten. Geigenloops, yeah! Ihre Stimme ist ja schon deutlich anders als man im jazzigen Kontext erwarten würde aber mit den Loops spannt sie einen Indie-Folk mäßigen Bogen, der am Ende auch Ecken und Kanten zulässt und das vermeidet, was ich den Jazz Standards manchmal vorwerfe: dass man sichs darin zu bequem machen kann und die krassesten Texte doch im Eiapopeia enden. No inbetween begann mit einem ausführlichen Schlagwerk-Intro und hatte später eine wirklich herzzerreißend sehnsuchtsvolle Gitarre zu bieten. In Cold heart nahm die Pauke den Herzschlag zunächst dezent auf, war aber später eher treibend und entgegen dem Titel eher heißblütig. Mein vielleicht liebstes Stück im Set war New wings, das im so harmlos wirkenden Dreiertakt  begann, aber dann über verschiedene Taktwechsel das flehentliche Anliegen ganz und gar unniedlich präsentierte. Nach Bohemian girl war mit einem sehr ruhigen I promise schon der Abschied von Liv und Johannes fällig.

Setlist:
01: Nordic coastline
02: No inbetween
03: Cold heart 
04: New wings
05: Bohemian girl
06: I promise


Abgemacht gewesen war eine Duotour mit Bartal Augustinussen als musikalischem Begleiter. Der musste krankheitsbedingt absagen und so war während der ganzen Tour aber auch an diesem Abend in der Kellerhalle Guđriđ auf ihre Stimme und eigene Begleitung per E-Gitarre, Omnichord oder kleine Gitarre reduziert. Ab und zu kam auch ein Schellenkranz zum Einsatz. Man könnte dies wohl zu recht als minimalistisch ansehen. 



Als Sprache der Verständigung diente (neben der Musik) Englisch, wenngleich wir ab und zu raten durften, was wohl die Titel der Färöischen Lieder bedeuten.  Dass es keine deutschen Lieder geben würde, hatten sicher die meisten erwartet, aber nachdem ihr als einzig geläufige Songs in deutsch nur 99 Luftballons und Ein bisschen Frieden, einfielen, wurde es auch sehr schnell abgewählt, auch nur aus Spaß etwas in der Richtung zu probieren.... Die Frau auf der Bühne hatte definitiv Humor!


Mir stellte sich im ersten Lied die Frage, ob man wirklich Sehnsucht nach Nebel haben kann. Denn sehnsuchtsvoll hörte es sich für mich eindeutig an. Sie wählte die Version mit Färöischer Sprache - verlinkt habe ich das Lied mit englischem Text. Für das zweite Lied war sie bereit, Namensvorschläge anzunehmen (wieder: Humor), aber ich glaube, wir waren nicht besonders kreativ in diesem Moment.


Der nächste Song Walk with me nutze erstmals das herrliche Omnichord und lud definitiv zum Rumba tanzen ein. Guđriđ behauptete später, sie hätte hinten wen tanzen gesehen - was ich bei den vielen Zuschauern fast nicht glauben mag... Sehr melancholisch durfte dann ein heimischer Fischer vom ertrinken erzählen und wir waren aufgefordert, uns zu beteiligen. Sehr gut aufgemischt hat uns anschließend das Fleetwood Mac cover, was wohl einfach zeitlos schön ist. Dass sie auch rockiger kann, bewies sie anschließend in Nothing about you.



Erst dann war es Zeit für etwas, auf das ich mich als Abend bestimmend eingestellt hatte, Vertonungen von ins englische übertragenen Heinrich Heine Gedichten. Dies ist nämlich Gegenstand ihres aktuellsten Longplayers Taking ship von 2014. Aber von ihr musikalisch umgesetzt klang es wenig nach dem Schelmen und auch wenig nach dem sarkastischen Dichter, als den ich Heine kenne und auch gar nicht wie andere Vertonungen mit denen ich es für mich vorher verglichen hatte. Wahrscheinlich hätte ich beim unvoreingenommenen auch nie Assoziationen zu deutschen Gedichten überhaupt gehabt.



Anschließend wurde es noch ein bisschen aktueller in der Auswahl aus ihrem (ja schon langjährigen) Liedschaffen. Sie stellte uns A- und B-Seite der aktuellen Single vor. Living with you is a lot like dying ergab beim nennen des Titels spontane Reaktionen aus dem Publikum. Man kann daraus wohl nur schließen, dass wir sie weitgehend ins Herz geschlossen hatten und sich jeder auf Haue einstellen sollte, der Anlass für solche Lieder gibt. Auch wenn wir als Zuhörer ja nur profitieren, wenn am Ende so tolle Musik entsteht... Die B-Seite Animal nutzte wieder sehr kunstvoll das Omnichord. Guđriđ nahm ihr Plektrum, um darauf wie auf einem Klavier zu spielen. Das habe ich noch nie gesehen und war toll fürs Auge und für die Musik.


Anschließend gab es ein ziemlich kitzliches Kate Bush cover, das sie aber stimmlich souverän zelebrierte. Allerdings war mir die Begleitung an der Gitarre zu geschönt und wurde dem Original nicht wirklich gerecht. Sehr sympatisch kamen aber als Abschluss wieder zwei färöische Lieder an. Und im ja nunmehr dritten Versuch hatte sogar mein norwegisch vorgebildeter Nachbar den Titel ganz richtig übersetzt.

Klar wurden anschließend noch Zugaben gefordert und auch gegeben, z.B. das Titelstück ihres letzten Albums. Nur unserem Wunsch, doch danach nicht Schluss zu machen, kam sie dann doch nicht nach. Ich glaube aber, anschließend musste sie keine CDs in ihr Reisegepäck zurück in die Heimat mehr packen.

Setlist:
01: Í Mjørka (Nebelnacht, F)
02: ohne Namen
03: Walk with me
04: A Faroese Fisherman speaks of drowning 
05: Dream (Fleetwood Mac cover)
06: Nothing about you
07: You have diamonds (H)
08: Living with you is a lot like dying
09: Animal
10: Wuthering heights (Kate Bush cover)
11: Stjørnur (Sterne, F)
12: Morgun í mars (Märzmorgen, F)

13: Taking Ship (H, Z)
14: Sleeping with ghosts (Z)

Aus unserem Archiv:
Liv, Karlsruhe, 29.07.14

(*) So im September 2013 in meinem Garten in der Waldstadt, am 19.3. im Vorprogramm von Eivör im Tollhaus!

 

Tourdaten Liv:
27.03. Roxy Ulm
15.04. Wunschlos Glücklich Würzburg
18.04. Tuchfabrik Trier
20.05. Hemingway Lounge Karlsruhe
          (Liv präsentiert Jazztalente)
05.06. Tonfink Lübeck
06.06. Prinz Willy Kiel
08.06. Hole of fame Dresden
11.06. Zimmer 16 Berlin
12.06. Weinscheune Kodersdorf (bei Görlitz)
13.06. Horns Erben Leipzig
17.06. Café Brühlaffe Chemnitz
19.06. Jazzclub Ludwigsburg
20.06. Hafen2 Offenbach 



Sonntag, 3. August 2014

Get Well Soon, Karlsruhe, 29.07.14

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Konzert: Get well soon mit support Liv
Ort: Zeltival im Tollhaus Karlsruhe
Datum: 29. Juli 2014
Dauer: 30 min + 90 min
Zuschauer: etwa 700


Das Zeltival hat dieses Jahr einige Konzerte auf dem Plan, auf die ich mich ganz besonders freue. Aber die Freude, Get well soon mal gemütlich im Tollhaus sehen zu können, stellte die Vorfreude auf jedes der anderen Konzerte locker in den Schatten. 

Als dann klar war, dass Liv den Abend eröffenen würde, dachte ich - warum nicht. Ich kreise schon länger um die Musik der Weltenbummlerin, die gerade in Karlsruhe zu Hause ist. Nur hatte es bisher noch nicht geklappt, dass ich sie auch live erlebt hätte. An diesem Abend hatte sie ihre Band dabei: Rolf Ableiter (Gitarre), Marcel Millot (Drums), Christian Ammann (Bass) und Michael Quast (Klavier), sodass es über weite Teile des Sets vergleichsweise rockig nach vorn ging.


Ihre Musik ist ja zwischen verschiedenen Kategoriern mäandernd unterwegs. Ich mag besonders ihre ruhigen und nachdenklichen Lieder und vor allem, wenn dort ihre Stimme bestimmen darf. So verwundert es vielleicht nicht, dass mir am meisten New Wings gefiel, wo sie mit Geige, Loops und Stimme auf der Bühne stand und uns alle bezauberte.

 

Setlist Liv:
01: I promise 
02: Coldheart
03: Slowly travels
04: Paradise of applebees

06: New wings
07: Bohemian girl 


Nach 30 min Umbau (Die Ständer für Livs und Verenas Geige standen aber schließlich fast exakt am gleichen Platz...) ging es mit dem vertrauten Prologue los, der als erstes Stück eigentlich sehr ruhig ist. Aber spätestens mit The last days of Rome war der Bombast des aktuellen Albums zusammen mit den rhythmischen Etravaganzen da, der immer wieder dazu führt, dass ich im Einstieg des Konzertes schon mit Gänsehaut vor der Bühne stehe. Und man sah allen Mitgliedern der Band die Spielfreude an!



Die nächsten Stücke von Seneca's silence bis 5 Steps/7 Words (und später im Set Werner Herzog gets shot und A Burial at the sea) sind mir ganz besonders ans Herz gewachsen über die Live EP aus dem Dortmunder Konzerthaus (mit Grand Ensemble). Wenn die Schepperbläser bei 5 Steps/7 Words einsetzen und die Tonleiter schleppend hochtorkeln, stellt sich bei mir immer wieder ein Hochgefühl ohnegleichen ein. 


Auch wenn sich die Geigen in Werner Herzog gets shot um die trotzigen Zeilen

 And that's when it left//All the crippeling fear
 The boundaries in mind ...
 There's no excuse//Let's try and fail//And be winning still

ranken, und sich später die Trompete und Verenas Stimme darüber in höchste Sphären erheben. Oder der schlingernde Dreiertakt der Seebestattung (zusammen mit dem Sirenengesang) so traurig, aber auch so tröstlich. Das nutzt sich auch über die Jahre nicht ab! Die Ansagen waren sparsam gestreut. Ein bisschen spöttisch bekrittelt wurde, dass das Zeltival ja gar keine Konzerte im Zelt bieten würde. Im Sommer würde Get well soon eigentlich nur in Zelten spielen...


Auch das fast wie Singer-Songwriter-Solonummer rüberkommende The world worst Shrink wußte im Tollhaus zu überzeugen in seiner Sparsamkeit und wurde so ein ganz intensiver Moment des Konzerts. Ebenso Tick!Tack! bei dem mitzusingen unausweichlich wurde (unweigerlich mit Tränen in den Augen). Um im Finale dann doch tatsächlich Dämonen zum Trotz zu tanzen, während auf der Bühne fast jeder und jede einen Platz an Schlagwerkzeug einnehmen musste. Was für ein Rausschmeißer!!


Das gab natürlich enthusiastischen Applaus, der um Zugaben schrie. Die beiden daraufhin gebotenen Songs Red nose day und I sold my Hands for food - vielleicht das schönste des Abends - ekstatisch nach vorne gehend und dabei doch so feierlich ... und ich nehme We're in this together - we'll always be einfach mal als Versprechen mit.




Setlist Get well soon:
01: Prologue
02: Last days of Rome
03: Seneca's silence
04: A voice in the Louvre
05: 5 Steps/7 Swords
06: Roland I feel you
07: Werner Herzog gets shot
08: A Gallows
09: Listen those lost at Sea
10: We are the ghost
11: Worlds worst Shrink
12: Angry young man
13: A Burial at Sea
14. Tick!Tack! Goes my automatic heart
15: You cannot cast out the Demons

16: Red nose day
17: I sold my Hands for food 

Konzertankündigung des Tollhauses
Konzertankündigung Liv im März


Aus unserem Archiv:
Get Well soon, Mannheim, 31.05.14 (Gudrun)
Get Well soon, Mannheim, 31.05.14 (U.)
Get Well Soon, Reutlingen, 26.07.13
Get Well Soon, Neuhausen ob Eck, 21.06.13
Get Well Soon, Frankfurt, 21.01.13 (Gudrun)
Get Well Soon, Frankfurt, 21.01.13 (Tanita, dort 29 weitere Berichte verlinkt)


Mehr Bilder:



 

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