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um
16:00
Konzert: New Fall Festival 2017
Ort: div.
Datum: 16.11.2017
Dauer: div.
Zuschauer: div.
Für alle auswärtigen Leser nochmal vorab zu Erklärung: Das New Fall Festival findet zeitgleich in Düsseldorf und Stuttgart mit ähnlichem Programm, am gleichen Wochenende statt. Der Begriff Festival ist insofern etwas verwirrend, da für jedes Konzert einzeln Tickets erworben werden müssen und auf Grund der lästigen Überschneidungen meist nicht mehr als zwei Konzerte pro Tag besucht werden können.
Ansonsten gab es aber auch in diesem Jahr wieder gar nichts zu meckern. Die außergewöhnlichen Säle, eine perfekte Organisation und kurze Wege zeichnen das Festival aus.
Tradition hat auch, dass die Festivalmacher ihre Gäste fast immer persönlich (von der Bühne aus) begrüssen. Und so lässt es sich "Direktor" Hamed Shahi Moghanni auch diesmal nicht nehmen, vor dem Konzert der Höchsten Eisenbahn im Robert-Schumann Saal zu sprechen.
Diesmal hat er prominente Begleitung mitgebracht. Witzelt die Band im Anschluss noch darüber, Campino sei doch wohl der "echte" Bürgermeister von Düsseldorf, ist Thomas Geisel gekommen um die Verbundenheit zu dem, für Düsseldorf im Pop/Rockbereich auch nach außen strahlenden Festival, zu bekunden.
Danach betreten dann Die Höchste Eisenbahn die Bühne und starten mit ihrem Mix aus Songs deutscher Texte und vieler launiger Ansagen, die wohl der Länge des geplanten Konzertes geschuldet sind. Musikalisch wirkt das Konzert überraschend frisch und persönlich, erinnert mit seiner poetischen Wortwahl und Instrumentierung an die Flowerpornoes oder die Sterne (allerdings ohne den politischen Ansatz).
Verträumte Geschichten von Liebe, Entlieben und dem Chaos des Alltags, hier klingt es viel optimistischer und unverkrampfter als bei anderen deutschen Band der Stunde. (AMK, vwL).
Lange spielen Sie, ("Timmy" und "Woher denn" packen mich am meisten) und es stellt sich das übliche, ungute New Fall Gefühl ein..."werden wir es rechtzeitig in die Johanneskirche zu Julien Baker schaffen ?"
Schließlich klappt aber wieder alles (incl. Blitzbesuch in der Altstadt) und wir betreten den Bachsaal der Kirche, malerisch gelegen am Martin Luther Platz und stilvoll illuminiert. Der Saal befindet sich praktisch hinter und über dem eigentliche Kirchenschiff und bietet trotzdem noch eine Empore mit Sitzplätzen sowie einen schnuckeligen, kleinen Stehplatzbereich.
Investigativ erfahre ich: der Küster wohnt noch über dem Saal, ein Grund mehr warum hier wohl selten Konzerte stattfinden, sehr schade.
Zu Julien Baker haben wir bereits oft und viel geschrieben. Das Publikum war anscheinend auch gut vorbereitet und quittiert den minimalistischen und ruhigen Auftritt mit fast beängstigender Stille, (zumindest während der Songs) was sehr angenehm ist.
Gerne hätte ich nach den diversen Touren diesmal ein Band auf der Bühne gesehen, das ist aber nicht der Fall. Julien spielt ein genau einstündiges Set und verschwindet dann ohne echte Zugabe nach "Something" von Bühne.
Schade, elf Songs (darunter neue Songs am Piano) sind doch etwas arg kurz. Ihre Klasse blitzt immer wieder auf (Turn out the lights, Funeral Pyre) aber ein neuer Impuls fehlte leider.
Am Ende geht es wieder die steile Wendeltreppe hinab vor die Kirche und man freut sich schon auf den nächsten New Fall Tag in Düsseldorf mit Sophia.
Fotos: Michael Graef
um
15:06
Konzert: Julien Baker
Ort: Evangelische Friedenskirche, Darmstadt (Bedroomdisco)
Datum: 03.06.2017
Dauer: Julien Baker knapp 60 min, Lauren Denitzio 25 min, Allman Brown 35 min
Zuschauer: 120 vielleicht (volle Kirche)
Irgendwann (nach meinem Lottogewinn) werde ich eines meiner Lieblingsprojekte umsetzen und den durchschnittlichen Musikgeschmack in Deutschland näher untersuchen. Besonders interessiert mich, wie äußere Einflüsse diesen Geschmack beeinflussen. Wie mies (Hypothese) er also in der Eifel (Rock am Ring) und "SWR3-Land" ist, wie folkig rund um Haldern und wie gut in Rüsselsheim (Phono Pop Festival) oder Darmstadt. Wer Interesse an dieser Studie hat und nicht auf meinen überfälligen Lotteriegewinn warten will: teile meine Paypal- und Kontoverbindung gerne auf Anfrage mit.
Darmstadt ist musikalisch so viel spannender als Frankfurt beispielsweise, weil es dort seit einigen Jahren die Bedroomdisco gibt, eine private Initiative, die u.a. Wohnzimmerkonzerte veranstaltet. Neben den Konzerten, die lange den Rahmen von Wohnzimmern sprengen, veranstaltet die Bedroomdisco auch Kirchenkonzerte. Ich war bisher leider erst bei einem, das von Lanterns On The Lake und Sophie Jamieson war aber umso toller!

Julien Baker hatte ich im vergangenen Jahr mehrfach gesehen, zum ersten Mal beim Primavera Sound Festival in Barcelona. Das Konzert später in Frankfurt fand ich nicht mehr so spannend wie das erste in Barcelona, vermutlich lag das aber an der Tagesform (meiner). Als die Bedroomdisco das Kirchenkonzert ankündigte, war meine Vorfreude jedenfalls groß.
Die evangelische Friedenskirche in Darmstadt war wie alle Bedroomdisco-Veranstaltungen, bei denen ich war, ausverkauft (also die kostenlose Version von ausverkauft). Um 19 Uhr kam die erste Band auf die Bühne, also den Altarraum, der mit einer Dornenkranz-Skulptur und einem rotbeleuchteten Kreuz schlicht aber dramatisch dekoriert ist / war (Game of Thrones Stil). Den Auftakt machte Allman Brown, ein englischer Singer / Songwriter, der von einem zweiten Gitarristen und einem Percussionisten, der auf einer Box saß, auf der er trommelte, begleitet wurde. Einen seiner Songs beschrieb Allman als "von Bruce Springsteen beeinflusst - aber viel schlechter", in meinen Ohren klang die Musik wie diese vielen Singer / Songwriter der letzten vielen Jahre eben klingen. Das kam gut an, wird sicher sehr erfolgreich sein, ließ mich aber vollkommen kalt. Meine Aufmerksamkeit hatte der Künstler bei der Ansage seines Lieds Foolish love, das er in einer Phase geschrieben habe, als mit gebrochenem Herzen alle Folgen Lost gesehen habe. "I have no idea what this song is about, much like Lost. The polar bears!"

Danach wurde es viel spannender! Der nächste Programmpunkt war Lauren Denitzio, die Sängerin der New Yorker Punkband Worriers. Lauren spielte nur mit E-Gitarre und leicht schiefem und dadurch wundervollem Gesang Lieder ihrer Band ("alternative Versions"), die so klangen, als covere die Schwester von Stephen Malkmus sehr gekonnt Torres. Ich mochte das sehr, auch Lauren kam gut an, mit meiner großen Begeisterung stand ich aber vermutlich etwas alleine da.
Lauren spielte Songs vom 2015er Album Imaginary life, von einer 2013er Single (Sinead O'Rebellion), ein neues und ein wundervolles Robyn Cover. Mit der Schwedin kann ich nicht viel anfangen, das von allem Schnickschnack befreite Hang with me macht mich aber ein wenig zum Robyn Fan.
Doof war, daß das Konzert nach 25 min vorbei war, mehr konnte Lauren solo wohl nicht spielen. Aber auch 25 min können eben eine Fahrt nach Darmstadt und einen Abend in einer Kirche locker rechtfertigen. Strenggenommen hätte dafür Precarity rules ausgereicht!
Setlist Lauren Denitzio, Bedroomdisco, Damstadt:
01: Jinx
02: Good luck
03: Precarity rules
04: Chasing
05: Happy here
06: Hang with me (Robyn Cover)
07: (neu)
08: Sinead O'Rebellion
09: They / them / theirs
Nach Pflicht und Kurzprogramm kam um zehn vor neun Julien Baker auf die Bühne. Der Auftritt der Sängerin aus Memphis unterschied sich auf den ersten Blick nicht von den Konzerten im vergangenen Jahr. Er wirkte auf mich aber von Beginn an eine Spur souveräner. Aufmerksamere Kenner der Künstlerin wiesen mich auf die vielen kleinen Gesten von Julien hin, die eben vor einem Jahr nur still hinter ihrer Gitarre stand und ihre traurigen Lieder vortrug. Jetzt ist da etwas mehr "Performance", allerdings in kleinsten Portionen. Aber die Sängerin wirkt, als fühle sie sich wohler bei dem, was sie tut. Und das das nicht ganz einfach ist, kann man sich leicht vorstellen, wenn man auf die Texte ihrer Lieder achtet. Wenn auch nur ein Teil ihrer Texte auf ihrem eigenen Leben basiert, hat Julien viel Tristesse erlebt. Dies in Liedern zu verarbeiten, ist die eine Seite der Medaille, es vor fremden Leuten vorzutragen, eine ganz andere.

Mich überzeugte Julien Baker wieder von Beginn an. Heute passte alles, das aufmerksame, vollkommen stille Publikum, der souveräne, nie aber abgezockt wirkende Auftritt und vor allem die Lieder. Die ersten drei kannte ich. Everybody does, Sprained ankle und Vessels stammen vom 2015er Debüt Sprained ankle.
Das neue Lied danach - Happy to be here - wird auf dem neuen Album sein, das im Oktober erscheint. Das Lied begann mit sphärischen Gitarrenklängen, die mich an Streicher erinnerten - wundervoll! Es war für mich das beste Stück des Abends. Julien spielte noch zwei andere Lieder, die nach der ersten Platte entstanden sind, Funeral pyre, das auf eine Single erschienen ist und Turn out the lights vom neuen Album. Bei Turn out the lights brüllte die junge Amerikanerin den Refrain, ein neues Stilmittel. Wenn die beiden neuen Lieder repräsentativ für die Platte sind, wird die ein großer Wurf!
Julien Baker spielte zwar nur neun Lieder und eine Zugabe (Go home), das Konzert dauerte aber ziemlich genau eine Stunde. Lauren Denitzio brauchte für neun Songs nicht mal die Hälfte. Juliens Geschichten sind eben weniger schnell erzählt als ein Punksong.
Ich hätte Allman Brown nicht gebraucht, der Rest des Abends war aber - Bedroomdisco Standard - hervorragend! Ich bin sehr sicher, meine Studie wird ergeben, daß Darmstadt eine Insel des guten Musikgeschmacks ist. Dafür braucht es nicht viel Wissenschaft.
Setlist Julien Baker, Bedroomdisco, Darmstadt:
01: Everybody does
02: Sprained ankle
03: Vessels
04: Happy to be here (neu)
05: Funeral pyre
06: Turn out the lights (neu)
07: Rejoice
08: Good news
09: Something
10: Go home (Z)
Links:
- aus unserem Archiv:
- Julien Baker, Barcelona, 02.16.16
um
18:14
Konzert: Julien Baker
Ort: Primavera Sound Festival, Barcelona
Datum: 02.06.2016
Dauer: genau 30 min
Zuschauer: ein paar hundert
In unserer Reisegruppe wurde Donnerstag beim Frühstück über das Genre "einzelne Frau mit Gitarre" gesprochen. Diese traurigen Frauen klängen doch alle gleich (was für das Schwesterngenre "einzelner Mann mit Gitarre" natürlich auch gilt). Für mich klangen die wenigen Dinge, die ich von Julien Baker mitbekommen hatte, trotzdem spannend genug, dafür auf irgendetwas anderes zu verzichten (das muß man nämlich fast immer).
Es gibt eine NPR's music tiny desk Aufnahme von Julien Baker, auf der sie das neue Lied Funeral pyre spielt und damit ankündigt, daß das Stück nur einen Arbeitstitel habe "sad song number eleven" - "Because I had ten sad songs before." Für fröhliche, tanzbare Musik kämen ja später noch LCD Soundystem ergänzte die 20jährige Sängerin aus Tennessee.
Die Stücke der Amerikanerin sind schon recht trüb, sie sind aber nicht spröde und langweilig. Natürlich hat man Ähnliches schon oft gehört, mich packte das Konzert aber trotzdem. Julien Baker war früher Mitglied einer Band (The Star Killers), ich bin aber nicht sicher, ob mir ihre Stücke mit Begleitern nicht zu aufgeblasen wären. Ihr Stimme, die Gitarre und ein paar Loops recihten mir vollkommen aus, um ein sehr schönes Konzert zu erleben (und heute noch mal hinzufahren). Neben Assoziationen, die auf der Hand liegen (Torres, Waxahatchee) erinnerte mich ihre Musik bei Vessels zum Beispiel auch an Daughter.
Ein paar Chancen gibt es noch, die Amerikanerin live zu erleben, sie spielt heute abend in Frankfurt, Mittwoch in Dortmund und Donnerstag in Köln, bevor am 14.06. ihre Deutschland-Tour in Berlin endet.
Setlist, Julien Baker, Primavera Festival:
01: Sprained ankle
02: Everybody does
03: Vessels
04: Rejoice
05: Funeral pyre
06: Good news
07: Something