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Freitag, 17. Dezember 2010

Hold Your Horses!, Paris, 15.12.10

3 Kommentare

Konzert: Hold Your Horses!

Ort: Les Disquaires, Paris
Datum: 15.12.2010
Zuschauer: vielleicht 50?
Konzertdauer: ungefähr 30 Minuten


Wie oft muss ich eigentlich noch über diese hocherfrischende Pariser Band schreiben, bevor mal ein Kommentar kommt, der besagt: "Hey, Oliver Peel, vielen lieben Dank für diesen grandiosen Tip, Hold Your Horses! sind wirklich allererste Sahne!" ?

Take Away Show - Hold your Horses #1 - Every Moment from La Blogotheque on Vimeo.



Hmm. Bisher habe ich schon dreimal von Konzerten dieser tollen Band geschwärmt und jedes mal hatte ich den Eindruck, das ich in die Luft schreibe. Mein Werben blieb unerhört. Bloggerschicksal. Meinem Partner Christoph geht es ja nicht besser, der hält eine Lobrede nach der anderen auf die Indelicates, versucht mit allen legalen und illegalen (hi hi) Mitteln den Leser das englische Duo aufzudrängen und erhält als Dank lediglich anerkennende Worte von der Band selbst: "Thanks for your nice review, Christoph."

Daran sieht man wieder, daß Blogger keine große Macht haben. Erstens werden Musikblogs nur von anderen Musikbloggern gelesen und zweitens vertrauen viele eher auf die Meinung vom Herrn Koch vom Musikexpress. Noch viel wichtiger als eigentlich altmodische Printmagazine sind aber das Fernsehen und das Radio. Hier werden kommerziell erfolgreiche Musikkarrieren gemacht. Nach wie vor. Severin, der bei dem tollen Label Pias arbeitet und sich auch um Hold Your Horses! kümmert, konnte mir heute abend chez les Disquaires ein Lied davon vorsingen. Zufällig kamen wir auf die kanadische Sängerin Coeur de Pirate zu sprechen (warum eigentlich?) und er sagte mir kopfschüttelnd: "Meine Güte, was die Plattenfirmen für ein Geld in die Chanteuse geballert haben, damit sie Powerplay bei MTV und den Radiosendern bekommt! Du machst dir kein Bild, Oliver! Der Wahnsinn!"

Aber es hat ja funktioniert. Der Clip zu Comme des Enfants wurde hunderte Male am Tag über die Videokanäle der Fernsehsender gejagt und anstatt im Strahl zu Kotzen haben die Leute die Platte gekauft wie die Blöden. Durch Powerplay im Fernsehen und im Radio ist es also nach wie vor möglich, den Konsumenten die Hirne zu waschen und sie zum Öffnen ihres Portemonnaies zu bewegen.

Auf den vorliegenden Fall bezogen heißt das im Klartext: Falls auch nur einer der unzähligen quirligen und hochcharmanten Ohrwürmer von Hold Your Horses! auf Dauerrotation im Radio oder bei MTV laufen sollte, dann spielen die nächstes Jahr nicht mehr ohne Eintritt vor 40 Leuten, sondern gegen Bezahlung von 30 Euro im Olympia!



Ohne Mist jetzt. Habe ich alles in den letzten Jahren schon erlebt. Die (ziemlich mittelmäßige) Pariser Popband Pony Pony Run Run hatte ich vor ein paar Jahren mal in der kleinen Maroquinerie im Vorprogramm gesehen. Kaum jemand hatte sich für die interessiert. Aber dann hatten sie mit Hey You einen Hit mit Bubblegum Refrain und 2010 traten sie im Zenith auf. Vor 700o Leuten! Total verrückt! Ich frage mich fast, ob ich den jungen Leuten von Hold Your Horses! so etwas wünschen soll. Statt vor gut informierten Bloggern und anderen Musikfreaks in intimen Rahmen zu spielen, vor zigtausend Banausen ohne Musikultur den Affen zu machen.

Aber so weit sind wir ja noch nicht. Der heutige Auftritt war nämlich von professionellem Niveau weit entfernt, was aber keineswegs an der Band lag. Blame it on the sound engineer! Der Herr Tontechniker hat es einfach nicht hinbekommen, die Regler richtig einzustellen, so daß der Sound einer siebenköpfigen Band mit Violine, Trompete, Gitarre, Keyboard, Schlagzeug und Bass wie eine Kakaophonie klang. Der Gesang war kaum zu hören, stattdessen waren einige Instrumente viel zu laut, andere wiederum viel zu leise. Dennoch ließen sich die jungen Musiker zunächst nicht den Spaß nehmen und spielten so gut wie sie konnten. Sie knieten sich wirklich voll rein, hofften genau wie die Zuschauer, daß die Soundprobleme mit der Zeit in den Griff zu kriegen seien, gaben dann aber nach nur 6 Liedern auf. Allerdings gönnten sie uns noch ihren absoluten Kracher 70 Million zum Abschluß, bevor sie schulterzuckend frühzeitig die Bühne räumten. Für mich waren die technischen Mängel zu verschmerzen, denn ich wußte ja bereits wie gut und berauschend die Band spielen kann, wenn der Sound gut austariert ist. Und wenn im nächsten Jahr das Album kommt, werden sie eh noch zahlreiche Gelegenheiten haben, ihr großes Talent für den perfekten Indiepopsong unter Beweis zu stellen!

Take Away Show - Hold your Horses #3 - Strutter from La Blogotheque on Vimeo.





Donnerstag, 25. November 2010

Hold Your Horses!, Paris, 24.11.10

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Konzert: Hold Your Horses!

Ort: L'Espace B, Paris
Datum: 24.11.2010
Zuschauer: etwa 40

Konzertdauer: ungefähr 40-45 Minuten


Je älter ich werde, desto mehr sehne ich meine Jugend zurück. Ich hab' einfach noch keinen Bock, wie ein Konzertrentner auszusehen, auf den die jungen Leute mit dem Finger zeigen und sagen: "Guck mal der Alte da, was sucht der eigentlich hier?"

Insofern tut es sehr gut, daß ich in den letzten Wochen etliche Male auf Anfang 30 geschätzt wurde. Ich bin 39 1/2 wohlgemerkt! Heute passierte es wieder. Ich war zu Gast im schönen Fargo-Plattenladen und Michel Pampelune, der Boss persönlich, fragte mich ganz erstaunt: "Was? Du bist schon verheiratet? Seit fast 10 Jahren? Dann bist Du wahrscheinlich bei weitem nicht so jung, wie ich dich geschätzt hatte!" Ob der Bursche weiß, daß Komplimente den Verkauf fördern? Auf jeden Fall trug ich wieder mal drei neue CDs aus dem Laden, obwohl sich bei mir Zu Hause ungehörte Silberlinge meterhoch stapeln. Mit den Neuerwerbungen unter dem Arm machte ich mich auf den Weg ins Espace B. Dort spielten mit Hold Your Horses! junge, dynamische Franzosen auf. Im Point Ephémère hätte es Teenage Fanclub gegeben. Eine tolle Band, aber die alten Säcke aus Glasgow ziehen logischwerweise nicht mehr taufrisches, sondern vielmehr faltiges, in die Jahre gekommenes Publikum an. Und ich muss mich ja nicht selbst im Spiegel sehen, oder?



Schon nach dem ersten, absolut euphorisieren Lied von Hold Your Horses! (We Dear A Desert) bestätigte sich, das ich Recht hatte, der Jugend den Vorzug zu geben! Die sechsköpfige Band aus Paris spielte dermaßen frisch, unverbraucht und rotzfrech auf, daß es eine helle Freude war! Vor allem Florence, die quitschfiedele Drummerin lächelte ohne Unterlass. Ihre unbändige Spielfreude hatte etwas enorm Ansteckendes und übertrug sich unmittelbar auf mich und die anderen Zuschauer. Bei den meisten Liedern sang Florence auch im Background mit, manchmal trug sie sogar die Aleinverantwortung für den Gesang. Ansonsten war dafür der Heißsporn Charles verantwortlich, der fast genauso klang wie Isaac Brock von Modest Mouse. Seine knarzige Stimme war einfach geil! Der Rest der Truppe war etwas ruhige drauf, aber die vier anderen spielten so stimmungsvolle Instrumente wie Trompete, Geige, oder Klarinette.

Die performten Songs waren durchweg potentielle Indie-Hits. Schwer, da besondere Perlen herauszustellen. Wenn endlich das erste Album im nächsten Jahr erscheint, wird die Pariser Indieszene nicht mehr die Gleiche sein. Hold Your Horses! sind die Band, die die Maßstäbe setzen wird. Vergleiche mit internationalen Indiegruppen wie Wolf Parade, Modest Mouse, Los Campesinos! Fanfarlo oder Arcade Fire, mit denen man sie musikalisch assoziieren könnte, müssen sie nicht scheuen. Seit Toy Fight habe ich nicht mehr so eine tolle Indie Pop Band in Frankreich entdeckt. All ihre Lieder sind enorm tanzbar, absolut berauschend und catchy wie Hölle. Mann haben die einen Bums drauf! Wahnsinn, der helle Wahnsinn! Insofern unverständlich, daß heute nur etwa 40 Leute im Espace B aufkreuzten. Ich denke spätestens 2011 werden Hold Your Horses! in deutlich größeren Locations spielen. Und dann kostet der Eintritt auch mehr als 5 Euro.

Ein Hoch auf die Jugend! Hold Your Horses! sind die Zukunft, nicht die alten (wenngleich sicherlich immer noch guten) Teenage Fanclub.



Setlist Hold Your Hodes!, Espace B, Paris:

01: We Dear Are A Desert
02: Patience
03: Open Water
04: 70 Millions
05: My 2 Steps
06: Apologize
07: Strutter
08: Every Moment
09: BTP
10: Baby



Montag, 26. Juli 2010

Hold Your Horses!, Paris, 25.07.10

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Konzert: Hold Your Horses!

Ort: L'International, Paris
Datum: 25.07.10
Zuschauer. circa 150
Konzertdauer: 50 Minuten oder so


Fans von Fanfarlo, Arcade Fire und Modest Mouse aufgepasst! In Frankreich gibt es eine junge Band, die die besten Elemente genannter Bands zu einer unverschämt frischen und wahnsinnig charmanten Mischung anrührt. Hold Your Horses! heißen die Sympathen und ihr klasse Videoclip zur Single 70 Million läuft sogar bei MTV rauf und runter.



Wunderbarstpop zum Niederknien, melodiös, cathchy, euphorisierend und wie geschaffen die ganze Welt im Sturm zu erobern! Wir in Frankreich haben zur Zeit noch das Privileg, die mehrköpfige Band mit der quitschvergnügt lächelnden Schlagzeugerin und Sängerin gratis zu erleben, aber spätestens wenn sie ihr Debütalbum raushauen, wird kein Stein mehr auf dem anderen bleiben und Indiepop made in France neu definiert werden. Toy Fight waren die französische Popband des Musikjahres 2009, Hold You Horses!, die mit Trompete und Geige auf die Fans losgehen, werden es 2010 oder spätestens 2011 werden!

Ihr gestriges Konzert im Pariser International war wie zu erwarten extrem toll und wenn diese Franzosen nicht auch in deutschen Indiekreisen bekannt werden, fress ich 'nen Besen.

Ganz dufte!!!

Setlist Hold Your Horses!, International, Paris:

01: My Two Steps
02: Patience, While Of Tantrums Of Waterfalls Break To The..
03: We Dear Are A Desert
04: Every Moment
05: 70 Million
06: Tonight, We Captures Feelings And Flies In...
07: Shoolder Blades
08: Timbaland
09: To The South
10: Strutter
11: Boston Tea Party

12: Cigarettes & Lies


Montag, 21. September 2009

Thos Henley, Pokett, Hold Your Horses, Starboard Silent Side u.v.a., Paris, 20.09.09

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Konzert: A Bigger Biggest Boutiques Sonores Acoustic Party, mit: Yeepee, Thomas Mery, Hold Your Horses, Thos Henley, Pokett, Pierre & Marie, Jaromil, General Bye Bye, La Féline, Every Man Has Your Voice, Starboard Silent Side, De La Jolie Musique, Michael Wookey, Kawaii

Ort: L'International, Paris
Datum: 20.09.2009
Zuschauer: viele
Konzerdauer: insgesamt über 5 Stunden! (jeder spielte maximal drei Lieder)



Die Boutiques Sonores ist eine kleine, mit viel Leidenschaft und Einsatz betriebene Vermarktungsagentur, in der ehrenamtlich tätige Musikfans auf unterschiedliche Weise dazu beitragen, noch weitgehend unentdeckte Künstler und Labels bekannter zu machen. Die Boutiques Sonores haben hierbei keine Scheuklappen, sie sind nicht auf bestimmte Plattenlabel spezialisiert, sondern unterstützen die Acts, die ihnen persönlich am Herzen liegen. Die geförderten Indiemusiker kommen oft aus Frankreich, aber das ist nicht zwangsläufig der Fall. Zur Zeit solidarisieren sie sich nämlich auch mit internationalen Könnern wie Matt Bauer, Mariee Sioux, Sparklehorse, Micachu and The Shapes, den Wildbeasts, Chris Garneau, den Castanets und vielen anderen. Auf welche Art und Weise erfolgt aber jetzt die Vermarktung? Nun, da gibt es zum einen sehr schicke, weiße Jukeboxen, die von den Boutiques Sonores strategisch clever in Boutiquen, trendigen Frisörläden ud Indieclubs (z.B. Im Mains D'Oeuvres) platziert werden. Der interessierte Indiemusikfan kann sich über Kopfhörer die jeweils aktuelle Auswahl zu Gemüte führen und macht dabei oft interessante Entdeckungen. Zum anderen sind die BS auf vielen Festivals mit Ständen präsent und verkaufen CDs (auch Sachen vom tollen internationalen Label Beggars), Vinylplatten (meistens Singles), aber auch selbst hergestellte T-Shirts und Jutetaschen. Schließlich tuen sich die BS seit geraumer Zeit auch als Konzertveranstalter hervor und laden ihre aktuelle Toppicks in tolle Indieclubs wie das Nouveau Casino, das Glaz'art oder den Divan Du Monde ein. Die Atmosphäre bei diesen Konzerten ist immer sehr relaxt, familiär und herzlich. Und ständig gibt es neue, spannende Künstler zu entdecken, nicht selten auch Amerikaner, Engländer, oder Skandinavier, die gerade auf Konzertreise durch Frankreich sind und von den Boutiques Sonores die Möglichkeiten bekommen, sich einem neugierigen französischen Publikum vorzustellen.

Der einzige Nichtfranzose, der heute an den Start ging, war der junge Brite Thos Henley und von dem hochaufgeschossenen Blondschopf habe ich ja schon mehrfach hier geschwärmt. Er wird seinen Weg gehen und er erfreute mich auch heute wieder mit drei bildschönen Liedern, intelligenten Texten und einem feinen Guitarpicking. Great, Thos! Der ganze Rest - und das waren unzählige Künstler, kamen aus Frankreich. Halt! Michael Wookey ist auch Engländer mit Wahlheimat in Paris ,aber der war eigentlich gar nicht vorgesehen. Stattdessen sollte laut Plan Andrea Perdue antreten, aber die kam nicht...

Auffälligste Band und für mich die spannendste Neuentdeckung des heutigen Tages waren aber Hold Your Horses!

Die siebenköpfige Band war schon allein deshalb cool, weil sie mit der aufgeweckten Florence eine weibliche Drummerin hatten. Aber nicht nur das, sie waren auch musikalisch überzeugend und erfrischend! Sie kredenzten eine Mischung aus amerikanischen Einflüssen wie Arcade Fire und Modest Mouse und englischen Idolen wie And Also The Trees und The Cure. Zur Abrundung setzten sie noch ihre eigene Duftnote drauf und das Ergebnis konnte sich hörenlassen! Ich bleibe auf jeden Fall am Ball!

Ansonsten war natürlich auch erneut Pokett hervorzuheben. Der bärtige Singer/Sonwriter ist so etwas wie die französische Antwort auf Elliott Smith und hat auch schon als Produzent des letzten Albums von Pollyanna geglänzt. Kein Wunder also, daß heute David von Pollyanna am Schlagzeug (und später der Gitarre) agierte und ein Männertrio vervollständigte. Toll! Ich warte gespannt auf das dritte Album von Pokett, der Mann ist wirklich gut, sehr gut sogar! Einfach mal Train oder Marmelade auf der MySpace Seite anhören, dann wisst ihr, was ich meine!

Schließlich taten sich auch noch Starboard Silent Side hervor. Angesichts der Tatsache, daß die Burschen schon eine Headline Show im renommierten Noveau Casino abgeliefert haben und für 2010 sogar einen Gig in der Maroquinerie haben werden, kann man fast von einem kleinen Hype reden. Ihre Musik klingt kompromisslos amerikanisch, Einflüsse scheinen Modest Mouse, Cake, Okkervil River und vor allem The Decemberists zu sein. Sänger Mij hat konsequenterweise eine Stimme, die derjenigen von Colin Meloy zum Verwechseln ähnlich ist. Eine interessante Sache!

Auch die anderen Teilnehmer waren nicht übel, aber es würde zu weit führen, jetzt auf jeden einzigen Künstler des heutigen Marathontages einzugehen. Über die vielversprechenden Every Man Has Your Voice werde ich ohnehin demnächst mehr schreiben...


Fazit: Konzerte der Boutiques Sonores machen immer sehr viel Spaß!



 

Konzerttagebuch © 2010

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