Posts mit dem Label Floating Points werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Floating Points werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 7. Mai 2017

The xx, Berlin, 25.02.17

0 Kommentare

Konzert: The xx
Ort: Arena Berlin
Datum: 25.02.2017
Dauer: knapp 85 min
Zuschauer: 9.000 (ausverkauft)



Ich habe noch nie lauteren Jubel am Ende eines Konzerts erlebt. Es war nicht einfach lauter Applaus, es klang nach Stadion und entscheidenden Toren. Dabei schien das Publikum um uns rum nicht wegen The xx sondern wegen des Events gekommen zu sein. Klassenfahrt nach Berlin- und Städtetrip-Publikum. Die Gruppe niederländischer Frauen vor, neben und hinter uns, die viel eher Zielgruppe der Band war als ich, unterhielt sich (und uns) ununterbrochen. Normalerweise verdirbt mir alleine das schon ein Konzert, auf das ich mich so gefreut hatte. Eine riesige Halle auch. Und die immer zu der gehörenden anstrengenden Menschen, die irgendwie noch in die kleinsten Lücken zu passen glauben (tun sie nicht). Und rhythmisches Klatschen natürlich! Von all dem gab es zu viel. Trotzdem wurde der Auftritt von The xx so viel besser als objektiv eigentlich möglich. Romy, Oliver und Jamie sind schließlich im Mainstream angekommen und das wird man in der Regel nicht mit unverändert guter Musik, dafür ist der kollektive Geschmack bei uns viel zu mies.



The xx sind jetzt seit acht Jahren auf unserem Live-Radar. Natürlich waren die ersten Konzerte in Deutschland auch schon ausverkauft, sie fanden aber in Clubs wie dem Luxor in Köln (noch zu viert) oder dem Nachtleben in Frankfurt statt. Jetzt ist die Band in den riesigen Sälen angekommen, eine Stufe vor der Sporthalle. Schon am Anfang waren The xx live fantastisch. Mit der zweiten Tour, also wenigstens der zur zweiten Platte packten sie da noch eine ordentliche Schippe drauf. Natürlich war es da schon vielen nicht mehr indie genug. Wenn eine vierstellige Zahl Leute mit mir bei einem Konzert ist, kann die Band ja nicht mehr gut sein. Also las man immer häufiger davon, daß The xx "zu steril" seien, daß die Konzerte langweilig wären, man auch eine CD hören könne. Das ist alles großer Unsinn. So 2012 waren The xx auf dem Zenit. Steril? Ja, das gehört zum Konzept. Dieser gelangweilt klingende Gesang von Romy und Oliver, die meist aneinander vorbei singen (wundervoll!), das mag man oder nicht. Aber langweilig und wie auf CD? Wer das so empfindet, steht vermutlich während des Konzerts an der Bar. Jamie xx, der für all die elektronischen Geräusche (oder eher für alles außer Bass und Gitarre) zuständig ist, zuzugucken, ist spannender als alle Tatorte zusammen. Als ich die Band 2012 in Luxemburg zuletzt erlebt habe, klebten meine Augen auf dem Mann hinten. Ihn zu beobachten, wie er jeden kleinen Beat live erzeugte, war toll! Nein, besser als 2012 würde es heute in den noch größeren Hallen nicht mehr werden können.

85 Minuten später war meine Einschätzung korrigiert. Die können wirklich noch mehr. Selbst die Lieder der neuen Platte, die mir bei den ersten Malen noch nicht so gut gefielen wie die von den ersten beiden, waren live riesige Knüller. Aber vor allem war die Dramaturgie des Konzerts überragend. Es begann eher langsam, am deutlichsten beim von Romy Madley Croft alleine vorgetragenen Performance, dann kam ein Drake Cover und es wurde von Lied zu Lied danciger. Hätte ich vor dem Konzert "dann kam ein Drake Cover und es wurde von Lied zu Lied danciger" gelesen, ich hätte mein Ticket noch verkauft (nein). Aber erstaunlicherweise waren gerade die Lieder mit treibendem Beat besonders grandios. Am meisten entsetzte mich, daß das an den ESC erinnernde Jamie xx Lied Loud places, diese Eurodisco-Hymne, vielleicht das beste Stück des Abends war. Oder Shelter, das einen Techno-Beat verpasst bekommen hat, fastastisch! The xx scheinen wirklich nichts falsch zu machen und ein Gespür für musikalischen Stil zu haben wie kaum eine andere Band zur Zeit. Daß sie damit Nummer eins in zig Charts waren - selbst in Deutschland (und den Niederlanden), sollte man feiern. Die Band dafür zu bestrafen, daß sie den Musikgeschmack in Deutschland verbessert, ist ziemlich dumm. 

Vermutlich war das mein einziges The xx Konzert für eine Weile, so oft ist die Band ja nicht mehr unterwegs, je kleiner die Welt für sie wird. Aber in meinen Jahres Top-10 kommt jede Band eh nur mit einem Konzert vor. Und in meine Bestenliste kommt dieses Konzert auf jeden Fall! Ein perfekter Abend!

Setlist The xx, Arena Berlin:

01: Say something loving
02: Crystalised
03: Islands
04: Lips
05: Basic space
06: Performance
07: Too good (Drake Cover - mußte ich googlen)
08: Brave for you
09: Infinity
10: VCR
11: I dare you
12: Dangerous
13: A violent noise
14: Fiction
15: Shelter
16: Loud places (Jamie xx Cover)

17: On hold (Z)
18: Intro (Z)
19: Angels (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
-
The xx, Esch-sur-Alzette, 23.11.12
- The xx, Barcelona, 31.05.12
- The xx, Köln, 26.08.10
- The xx, Barcelona, 27.05.10
- The xx, Paris, 18.02.10
- The xx, Frankfurt, 03.11.09
- The xx, Köln, 15.10.09

Fotos:

- Archiv und Handy
 



Mittwoch, 1. März 2017

The XX, Düsseldorf, 28.02.2017

0 Kommentare

Konzert: The XX
Ort: Düsseldorf, Mitsubishi Electric Halle
Datum: 28.02.2017
Dauer: 90min
Zuschauer: 6.500 (ausverkauft)



The XX sind eine Konsensband geworden. 6.500 Menschen in einer ausverkauften Mehrzweckhalle sprechen an diesem Abend für sich. Auffallend gut gekleidet sind die meisten, als ginge es zu einem klassischen Konzertabend. 

Im Vorfeld überwogen die Zweifel. Wie sollte es besser werden als 2009 im Kölner Luxor, wo die Band (damals noch zu viert) ihre Instrumente nach dem Gig noch selber in den Van lud ? 

Nur eine Handvoll Bands schafft den Sprung in die großen Arenen ohne sich entweder mit eine Art Kirmes incl. Konfetti und Lasershow zu präsentieren oder die Zuschauer mit einer Anzahl von neuen, schwachen Songs zu langweilen. Beides sollte an diesem Abend nicht geschehen.



Support-Act "Floating Points" beginnt Punkt 20:00 Uhr mit seinem 30-minütigen DJ-Set. Warum allerdings die ganze Zeit Stroboskoplicht zur unspektakulären und nicht tanzbaren Musik gereicht wurde, blieb unklar und nervig. 


Im Film "2001-Odyssee im Weltraum" spielt ein Monolith eine entscheidende Rolle. The XX haben heute acht haushohe, verspiegelte und drehbare Monolithen dabei. Sie rahmen die Bühne komplett ein, der sonstige Aufbau ist denkbar schlicht. 2 Mikrofone und dass mächtige Soundlabor von Jamie XX als Empore incl. diverser Schlaginstrumente. 




Dann erlischt das Licht im Saal und das Konzert beginnt sofort mit einer umwerfenden, magischen Version von "Say something Loving", die hier in der Liveumsetzung so viel toller klingt als auf CD. Sofort sind alle Elemente des besonderen XX-Sounds tausendfach verstärkt hörbar.

Die glasklaren, sich perfekt ergänzenden Stimmen von Romy Madley Croft und Oliver Sim, der satte, knackige Bass sowie die mittlerweile so wichtigen Samples und Spielereien von Jamie XX. 

Die Gitarrenakkorde perlen durch die Halle, die Band tänzelt und windet sich in Schönheit durch die nächsten beiden "Hits" mit "Crystalised" und "Islands". Die Monolithen tanzen dazu Walzer und schießen Lichtföntänen durch die gesamte Halle. Dies alles sieht aus wie eine große, außerirdische Spieluhr. 

Kein Ton in diesem kleinen Orchester ist zu viel, und keiner zu wenig. Selten habe ich ein so konzeptioniertes Konzert erlebt, das trotzdem viele Momente der Spontanität und musikalischen Klasse vermitteln konnte. Hier passt die Umsetzung in die große Produktion perfekt, wohl auch weil die Band selbst drei starke Charaktere hat und dies ständig in Kreativität zu kanalisieren weiß.

Die Band hat in kürzester Zeit eine erstaunliche Entwicklung vollzogen ohne alte Fans zu verschrecken. Auch textlich liegen zwischen dem als Teenie-Song angekündigten "VCR" und neuen Stücken wie "A violent noise" Welten.



Dann zieht das Tempo langsam, Song für Song an. Jamie XX spielt sich mehr in den Vordergrund. Licht und Sound verbinden sich noch stärker zu einem Gesamtkunstwerk und die Band gibt ihre festen Positionen auf. Sie lassen sich über die Bühne treiben, reiben sich aneinander, es wirkt wie ein langsamer Balztanz und gleichzeitig spürt man auch die enge Vertrautheit. 

"Loud Places" von Jamiee XX Soloalbum bietet den perfekten Abschluss bevor der Song fließend in den Zugabenblock mäandert und die Band in die bebende Halle zurückholt. Immer weiter brodelt der Sound und formt sich zu "Hold on". 

Danach noch "Intro" in einer Soundlawine, ebenfalls ein Stück das nie richtig Fahrt aufnimmt und trotzdem immer wieder fesselt. Die Band bedankt sich, ist bester Laune und kündigt ein baldiges Wiedersehen an. "Angels" beschließt den wahrhaft imposanten Abend und bringt die Gefühlswelt von The XX ein letztes Mal auf den Punkt:

"And the end is unknown
But i think I`m ready
As long as you are with me 
Being 
As in love with you as i am"


Fotos: Michael Graef

 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates