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Samstag, 24. August 2013

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen, Stade, 03.08.2013

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Konzert: Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen
Ort: Bürgerpark, Stade (Müssen Alle Mit Festival)
Datum: 03.08.2013
Dauer: ca. 45 Min
Zuschauer: vllt. 500


Der Tod des BootBooHooks ist sicherlich nicht das prominenteste Opfer des immer beängstigender erscheinenden Festivalsterbens, das die europäische Konzertlandschaft erfasst hat. Nichtsdestoweniger ist das Verschwinden des gemütlich-familiären Festivals in Hannover einer der schmerzhaftesten Schläge für Indie-Connaisseure und Liebhaber hochwertiger deutscher Popmusik. 
Dass das ausrichtende Hamburger Indie-Label Tapete Records dieses Jahr mit dem „Müssen alle mit – Festival“ (MAMF) erstmals ein weiteres Sommerfestival veranstaltet, trocknet so manche Träne. 


Als weitere Veranstaltung neben dem etablierten BootBooHook geplant, könnte das im Bürgepark in Stade stattfindende Eintagesfestival irgendwann einmal in die Fußstapfen des verblichenen, großen Bruders treten. 
Mit Kettcar als Headliner und Künstlern wie Tusq, Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen, Me And My Drummer, Naked Lunch und Turbostaat lockt Tapete knapp 2.000 Besucher in die kleine, pittoreske Hansestadt unweit von Hamburg. 


Von meinem Sommerurlaub an der Ostsee ist es nicht allzu weit nach Stade, sodass ich mich freue, die Erstauflage des MAMFs mitzuerleben. Ein Stau vor der Elbfähre in Glückstadt zieht sich in die Länge, wir müssen uns damit abfinden, die vielversprechende Hamburger Nachwuchsband Tusq zu verpassen. Schade, denn der Ruf des Grand Hotel van Cleef – Acts ist mehr als vielversprechend. 
Es ist heiß: Hohe Luftfeuchtigkeit und Schwüle des frühen Nachmittags empfangen uns nach unkomplizierter Parkplatzsuche in Stade, bevor bei Betreten des Festivalgeländes gerade das markant-skurille Trabrennbahn-Intro von „Jeder auf Erden ist wunderschön (sogar Du)“ erschallt: „Cheri Cheri Lady an der Spitze...“ 

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen erscheint vor noch nicht allzu vielen Zuschauern auf der Bühne und besticht wie schon vor wenigen Monaten im Stuttgarter Club Schocken mit unnachahmlichen, scharfzüngigen, deutschsprachigen Northern Soul. 
Carsten Friedrichs (Gitarre und Gesang) und Tim Jürgens (Bass) veröffentlichten schon vor der Auflösung der besten deutschen Modband, Superpunk, gemeinsam mit Philip Morton Andernach (Gitarre und Saxophon), Ex-Blumfeld-Drummer André Rattay und Gunther Buskies, Tapete-Records-Co-Gründer, den fantastischen Fußballsong „Die Gentlemen Spieler“ auf einem Rolling-Stone-Sampler. 


Dass die Nachfolgeformation als kleine Supergroup Superpunk in nichts nachsteht zeigte schon der vielversprechende Clubauftritt im April, nachdem ich vom Debütalbum zunächst eher enttäuscht war. Doch scheinen weitere Spielpraxis und das an Arroganz grenzende Vertrauen in die Klasse der eigenen Songs die Band zu weiteren Höchstleistungen angespornt zu haben. In Stade genügen wenige Minuten, um überaus deutlich zu zeigen, welch enormes Potential in diesem scheppernden Hamburger Quintett und seinen bestechenden Songs steckt. „Ich lass mich gehen in letzter Zeit“, singt Carsten Friedrichs im schwarzen Fred-Perry-Polo-Shirt und adretter Frisur und konterkariert die Zeilen mit demselben Humor, mit dem er im thematisch ähnlichen Superpunk-Song „Das Feuerwerk ist vorbei“ verblüffte: „Im Spiegelbild ein fremder Mann, / der mal schön war irgendwann / Und ich tu mir selber leid / Da ist ein Cut über der Braue, bekam ich gestern Abend Haue? / Mein Anzug dreckig, die Pupillen weit / Ich lass mich gehen in letzter Zeit“. 


Gunther Buskies, der vor etwa zehn Jahren gemeinsam mit Dirk Darmstaedter Tapete Records ins Leben rief, erschien im Frühling hinter den Keyboards noch etwas unscheinbar, heute strotzt er nur so vor Selbstbewusstsein und betört mit herrlichen 60s Orgelsounds zwischen Bahnhofskino-Soundtrack, Motown und dem Klang britischer Beatbands.  


Thies Mynther schien Superpunk, die ihren letzten Auftritt in Deutschland vor ihrer Auflösung vergangenes Jahr beim BootBooHook-Festival hatten, mit seiner harmonischen Tastenarbeit zusammenzuhalten, regelrecht zu zügeln. Gemeinsam mit Philip Morton Andernachs perfektionierten Saxophoneinsatz schlüpft Buskies mittlerweile glänzend in die Rolle als elementares Bindeglied.  
„Ich hoffe, es bleibt trocken. Lasst uns gegen den Regen ansingen. Dieses Lied ist über eine wundervolle Band“, kündigt Friedrichs vor verdüstertem Himmel „Der fünfte Four Top“, eine sagenhafte Liebeserklärung an den Soul Detroits, an. 
Thees Uhlmann im Publikum hat seinen Spaß und lässt sich auch nicht vom einsetzenden Regen abschrecken. „Weine nicht, es ist nur ein Film“, ein bizarrer Song über die Spiderman-Filme und das herrliche „Frühling im Park“ sind Highlights des Sets, während mir „Meine Jeans“ wohl nie gefallen wird. 
Bassist Tim Jürgens, der sich als profilierter Sport- und Lifestyle-Journalist - als Ex-Redakteur des deutschen Playboys und derzeit als stellvertretender Chefredakteur des besten Fußballmagazins, 11 Freunde, - ein zweites Standbein aufbaute, singt jene locker um den Finger gewickelten Harmonien noch immer mit ironischem Lächeln um die Mundwinkel und gibt die Schlagrichtung der Gruppe subtil vor. 


Vermutlich auf dem zweiten Album der Hamburger Band lässt sich irgendwann einmal „Kennst Du Werner Enke“, eine Hommage an den gleichnamigen Schauspieler, der vor über vierzig Jahren in Filmen wie „Zur Sache, Schätzchen“ oder „Nicht fummeln, Liebling“ zu sehen war, finden. 
Kaum ein Songwriter kann in Puncto Originalität und unterschwelligem Humor hierzulande Carsten Friedrichs das Wasser reichen. Bernd Begemann, der Pate der Hamburger Schule, der seit 30 Jahren fest integriert in den deutschen Pop-Underground ist, gehört zu denjenigen, denen eben dies gelingt. Wenig verwunderlich ist es daher, dass Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen ausgerecht bei der Gala anlässlich seines 50. Geburtstags am 31. Oktober letzten Jahres im Hamburger Knust erstmals auftrat und bis heute sein Anti-Liebeslied „Viel zu glücklich (um es lange zu bleiben)“ im Live-Repertoire hat. Im idyllischen, von Bäumen gesäumten Bürgerpark gehört es erwartungsgemäß zu den Highlights des Sets. 


 Der Regen nimmt zu, Zuschauer suchen unter den Überdachungen der Getränkestände Schutz, während Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen standhaft mit der stolzen Urbanitätshymne „Ein Fremder in der eigenen Stadt“, dem Fußballsong „Nimm mich mit zum Spiel“ und der Marotten-Ode „Mach mich traurig“ (mit Zeilen wie: „Bitte sei lieb und lass mich allein / Oder nimm die Bratpfanne und schlag auf mich ein / Denn aus seltsamen Grund bestimmt nicht gesund / Lieb ich es, traurig zu sein“) ihre fulminante Mod-Freilicht-Disco auch ohne eine einzige Superpunk-Nummer souverän beenden. 



Setlist Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen, Stade: 

01: Jeder auf Erden ist wunderschön (sogar Du) 
02: Ich lass mich gehen in letzter Zeit 
03: Der fünfte Four Top 
04: Weine nicht, es ist nur ein Film 
05: Frühling im Park 
06: Meine Jeans 
07: Kennst Du Werner Enke? 
08: Viel zu glücklich (um es lange zu bleiben) (Bernd Begemann - Cover) 
09: Ein Fremder in der eigenen Stadt 
10: Nimm mich mit zum Spiel 
11: Mach mich traurig 


Links:
- aus unserem Archiv:
- Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen, Stuttgart, 24.04.2013

 




Freitag, 26. April 2013

Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen, Stuttgart, 24.04.2013

2 Kommentare
Konzert: Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen
Ort: Club Schocken, Stuttgart
Datum: 24.04.2013
Zuschauer: vllt. 150
Dauer: 71 Minuten



Wehmütig fühlte man sich an jenem Samstag Ende August in Hannover als man sich in der tanzenden, grölenden Menge im Zelt des BootBooHook-Festivals klar darüber wurde, dass es das nun war, dass Superpunk gerade ihr letztes Konzert in Deutschland spielen.
Auflösung einer Hamburger Institution nach 16 Jahren Bandgeschichte. „Das waren Mods“, singt Carsten Friedrichs über ein „I can't explain“-Riff in seiner unnachahmlichen Art und besiegelt das Ende der langlebigsten Vertreter des deutschen Northern Soul, der unumstrittenen deutschen Modgötter.

Ein wenig Trost spendete die Perspektive zu wissen, dass Friedrichs und Bassist Tim Jürgens mit Tapete-Records-Co-Gründer Gunther Buskies, André Rattay von Blumfeld und Philip Morton Andernach bereits eine neue Band ins Leben gerufen haben, Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen. Monate zuvor auf einem Fußball-Sampler des Rolling Stone gehört, fand ich bereits den ersten Song des Quintetts, „Die Gentlemen Spieler“ vielversprechend.

Acht Monate nach dem letzten Superpunk-Auftritt freute ich mich sehr auf den ersten Stuttgart-Besuch der noch jungen Bandgeschichte. „Die Gentlemen bitten zur Abendkasse“, hieß es auf Facebook, und tatsächlich folgen zahlreiche Schwaben der Ankündigung und verzichten zugunsten der fußballaffinen Hanseaten auf die Übertragung des Champions-League-Halbfinal-Hinspiel von Borussia Dortmund gegen Real Madrid.


Hätten sie gar nicht gemusst, zumindest nicht auf das gesamte Spiel. Los geht es im chicen Schocken nämlich erst kurz nach zehn. Wer jetzt denkt, Friedrichs und Co hätten sich eben nicht vom Spiel losreißen können, liegt falsch. Bei angenehmen, frühsommerlichen Außentemperaturen entspannt man lieber im Biergarten vor dem Club. Dieser füllt sich nach und nach und schon steht die Band, mit dem eher unglücklich gewählten Bandnamen auf der niedrigen Bühne. Der bizarre Pferderennenkommentatorenton erschallt wie auf Platte und die erste Single „Jeder auf Erden ist wunderschön (sogar Du)" eröffnet das Set. Dass Friedrichs eher spricht als singt, ist völlig nebensächlich. Selten hat eine Person in der unabhängigen deutschen Musikszene die Coolness deutlicher personifiziert.


Viele Besucher waren im Vorfeld skeptisch, ob die Nachfolgeformation live an die ungemeine Intensität und Energie Superpunks herankommen würde - auf dem Debütalbum gelang dies schließlich noch nicht ganz. Der erste Song genügt, die Sorgen waren unberechtigt. Die herrlichen Northern Soul – Chöre funktionieren ausgezeichnet. Philip Morton Andernach ist ein unschätzbarer Gewinn für den Sound. Sein Harmoniegesang ist auf höchstem Niveau, als E-Gitarrist ist er ein filigraner Meister. Die Saxophoneinlagen des Multinstrumentalisten im hellblauen Fred-Perry-Polo-Shirt sorgen für einen noch authentischeren Sixties-Klang, so dass ich tatsächlich zugeben muss, dass mir der vollere Sound der Liga live besser gefällt als der ruppigere Garagenrock Superpunks. Mods sind heute Abend wenige zu sehen, dafür fällt ein stilbewusstes Skinhead-Pärchen auf und Carsten Friedrichs' Inszenierung als Obermod ist sowieso formvollendet. Im orange-blau-beige gestreiften Penguin-Polo, Jeans und Clarks Camel Boots macht dem Sänger und Gitarristen in Stil- und Modefragen keiner etwas vor. „Ich lass' mich gehen in letzter Zeit“ hätte mit all seiner Ironie perfekt auf ein Superpunk-Album gepasst, doch ich spüre von Song zu Song, welche Klasse die Lieder der Liga der gewöhnlichen Gentlemen in hitziger Konzertatmosphäre besitzen. Es darf getanzt werden und es wird getanzt, getwistet; ich fühle mich an den Auftritt von Madness im vergangenen Juli auf dem Stuttgarter Schlossplatz erinnert. Alles macht Spaß. 



Als dritten Song gibt es „Der fünfte Four Top“, nachdem sich Friedrichs über den beängstigenden Zustand deutscher Radiosender ausließ: „Wir sind direkt von Hamburg nach Stuttgart gefahren, das sind über sieben Stunden. In Hessen haben wir Radio gehört, es ist eine Qual, und man durfte sich etwas wünschen. Da hat eine Mitarbeiterin des Arbeitsamts angerufen und sich 'Abenteuerland' von Pur gewünscht. Das ist einfach schlecht, aber irgendwann ist das Kult und die CDs eine Menge wert.“ Friedrichs gefällt sich in der Rolle des Zynikers, siezt das Publikum heute überraschend nicht und scheint generell sein etwas arrogantes Bühnenverhalten ein Stück weit zurückgefahren haben. Bei Superpunk machte das große Freude, bei der Liga der gewöhnlichen Gentlemen ist es gar nicht nötig. Als Song besitzt „Der fünfte Four Top“, der auch auf farbigen Vinyl letzte Woche anlässlich des Record Store Days als Single erschien, außerordentliche Qualität, die aufrichtige Hommage an den Soul der Sechziger ist wundervoll, die Melodie besitzt echtes Hitpotential; darf ich vorstellen: Der große deutsche Modrockklassiker der 10er Jahre! „Diese Band ist so genial / Sag mir, wie heißt dieser Song nochmal. / Und wär' die Welt perfekt / Dann wer sie ein Song / Dann von Holland/Dozier/Holland oder Barrett Strong“. Das Schocken gleicht nun einer eleganten Mod-Disco.


„Wir Musikliebhaber blicken ja gerne auf die Cineasten herab, die mögen ja nur Filme“, der begnadete Ironiker Friedrichs kündigt munter scherzend „Weine nicht, es ist nur ein Film“ an, in dem es nicht etwa um ein großes Drama geht, sondern um den ersten Spiderman-Film.

„It's grim up north, würde man in England sagen, in Hamburg ist es noch kalt. Ich musste tatsächlich nach Stuttgart fahren, damit dieser Song einmal passt“, sagt Friedrichs und der Powerpop seiner Band erschallt: „Frühling im Park“, ein toller Song mit unübertrefflichen Zeilen Alltagsbeobachtung wie „Am Brunnen küsst sich ein junges Paar / Die kennen sich vom letzten Jahr / Und die Junkies streiten sich / Ich schließ die Augen und denke an dich / Frühling im Park / Ein Fußball-Match fünf gegen vier / Mein Nachbar trinkt Von Raven Bier / Und unser Pärchen schreit sich an / Die Beziehung hält wohl nicht mehr lang“ oder „Geschäftsleute mit Aktentaschen / Vielleicht sammeln sie schon morgen Flaschen“. Superpunk waren immer politisch und die linke Grundhaltung findet sich auch in den Songs Der Liga der gewöhnlichen Gentlemen. Politik findet sich hier nicht diskursiv phrasenhaft wie bei Tocotronic sondern in ironischer Direktheit. 




Kennt einer unserer Leser eigentlich den Schauspieler Werner Enke, der Filme wie „Zur Sache, Schätzchen“ oder „Nicht fummeln, Liebling“ in den späten 60ern und frühen 70ern drehte? Nein? Es ist der Lieblingsschauspieler Friedrichs', sagt er zumindest. „Kennst du Werner Enke?“ heißt das dann als Song. „Ich hab' keine Ahnung, wer der Vogel ist, aber der Song ist großartig“, ruft einer in Stuttgart, also „Nein“.

Als großer Bernd Begemann Fan freue ich mich riesig, als Carsten Friedrichs ein Cover ankündigt. Bei der großen Begemann-Gala zu dessen 50. Geburtstag im Hamburger Knust spielte die Liga „Viel zu glücklich (um es lange zu bleiben)“, vom begemann'schen Meisterwerk „Solange die Rasenmäher singen“ und ich bin sicher, dass es diesen Song nun zu hören gibt. Die scheppernde Mod-Rock-Fassung imponiert mir sehr, das Publikum ist begeistert. „Ich bin sehr froh, mit diesem Mann befreundet zu sein, er ist einer der größten Musiker dieses Landes. Ich habe ihm vier Mal beim Umzug geholfen – und jedes Mal gerne“. Man glaubt es dem Sänger sofort.


Mit Hut als Markenzeichen im rotkarierten, kurzärmligen Hemd, das er auch beim BootBooHook trug, und Modschal macht Tim Jürgens am Bass eine gewohnt gute Figur, wie schon bei Superpunk-Konzerten sorgen seine Kommentare für enormen Beifall. Der lakonische Bassist hat die Lacher grundsätzlich auf seiner Seite und besonders die Interaktion mit dem mürrisch wirkenden Gunther Buskies am Schlagzeug ist köstlich. Dieser entledigt sich schon früh seines Karo-Sakkos und bekommt nach einem neckischen Zwiegespräch einen Kleiderbügel, damit die Jacke nicht zerknittert.

„Ein Fremder in der eigenen Stadt“ folgt, bevor die Fußballsongs der Band kommen. Diese werden hintereinander gespielt, „weil wir Populisten sind“. 
 Sowohl „Nimm mich mit zum Spiel“ als auch „Die Gentlemen Spieler“ werfen ein romantisches Licht auf die Anfänge des Sports beziehungsweise die unteren Klassen. Eine Wohltat in Zeiten, in denen 37 Millionen für 20-jährige Fußballer bezahlt werden und Uli Hoeneß' Steuerhinterziehung die Medien beherrscht. 
„Mach mich traurig“, dann ist das reguläre Set schon vorbei, kein Wunder, hat die Band schließlich erst ihr Debütalbum veröffentlicht. 


Was jetzt kommt ist klar, „A bisserl was geht immer“, heißt eines der besten Superpunk-Alben und natürlich gibt es noch zwei Perlen dieser Formation zu hören. Diese sind echte Evergreens, „Man kann einen ehrlichen Mann nicht auf seine Knie zwingen“ und „In der Bibliothek“. 
Kurioserweise fehlt Tim Jürgens auf der Bühne und Andernach spielt Bass. Ein gelungener Gag, spätestens als Jürgens für das Instrumental „Nach dem Spiel“ zurückkehrt. Es ist der Lieblingssong von Friedrichs' Mutter („Ich mag das letzte Lied am meisten, das, wo du nicht singst.“) Die Selbstironie schließt den Kreis, Andernach brilliert erneut am Saxophon, Friedrichs spielt wieder Bass und André Rattay überzeugt am Schlagzeug, während Buskies authentische 60s Keyboardparts spielt. Eine schöne Tanznummer zwischen Booker T & The MG's und Two-Tone-Ska. Herrlich. Wider erwarten ist noch nicht Schluss. Es gibt noch eimal „Jeder auf Erden ist wunderschön (sogar Du)“. Der Applaus fällt frenetisch aus, Friedrichs steckt sich vor dem Club erst einmal eine Zigarette an. „Ach, ihr macht diesen Nichtraucherquatsch auch mit“, kommentierte er während des Konzerts die Fluktuation derer, die vor die Tür gingen, um ihre Sucht zu frönen. Der Schweiß läuft, die Zuschauer im Schocken sind glücklich. Draußen läuft man feiernden Fußballfans über den Weg.

Die Liga überzeugt mindestens so sehr wie der BVB bei seinem spektakulären 4:1 Heimsieg gegen die Königlichen. Nach dem Spiel: Brillant, war's. A bisserl was geht immer. All die Wehmut, sie ist verflogen.



Setlist, Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen, Stuttgart:

01: Jeder auf Erden ist wunderschön (sogar Du)
02: Ich lass mich gehen in letzter Zeit
03: Der fünfte Four Top
04: Weine nicht, es ist nur ein Film
05: Frühling im Park
06: Meine Jeans
07: Kennst Du Werner Enke?
08: Viel zu glücklich (um es lange zu bleiben) (Bernd Begemann - Cover)
09: Ein fremder in der eigenen Stadt
10: Nimm mich mit zum Spiel
11: Die Gentlemen Spieler
12: Mach mich traurig

13: Man kann einen ehrlichen Mann nicht auf seine Knie zwingen (Superpunk - Song) (Z)
14: In der Bibliothek (Superpunk - Song) (Z)
15: Nach dem Spiel (Z)
16: Jeder auf Erden ist wunderschön (sogar Du) (Z)


Links:
- aus unserem Archiv:
- Superpunk, Rüsselsheim, 20.07.2007
- Blumfeld, Köln, 13.04.2007

 

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