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Samstag, 17. März 2012

Damien Jurado & Chad VanGaalen, Paris, 14.03.12

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Konzert: Damien Jurado & Chad VanGaalen

Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 14.03.12
Zuschauer: nicht ausverkauft

Konzertdauer: pro Musiker jeweils etwa eine Stunde



Chad vanGaalen ist wirklich ein Komiker! Erzählt uns doch glatt, das er sein kleines Kind verarscht und ihm manchmal seine haarige Männerbrust hinhält! Und meistens scheint der Trick auch zu klappen und das Baby fängt an, an seinen Nippeln zu saugen. Verrückt! Wie kommt man auf solch alberne Gedanken? Und: was sagt seine Frau dazu? Findet die das auch komisch? Ach, was frage ich da, Frauen haben eh einen anderen Humor (bzw. eben keinen) als wir Männer...


Damien Jurado ist hingegen deutlich wortkarger. Mehr als ein knappes "merci" oder "you're a very nice audience" rutschte ihm in der Pariser Maroquinerie nicht raus. Das war zwar authentisch, liebenswürdig und bescheiden, aber ein bißchen mehr Charisma wäre schon wünschenswert gewesen. Warum ließ er sich am Ende seines guten Konzertes nicht feiern, wie es sich gehört, anstatt leeren Blickes von der Bühne zu schleichen? Warum guckte er das Publikum nie richtig an? Nun, zu einem echten Rockstar taugt der Bursche mit dem obliagtorischen Karohemd und den weißen Tennissocken (zumindest heute trug er die) wohl nicht. Dabei hätte er allen Grund dazu, etwas selbstbewußter aufzutreten. Er liefert seit Jahren regelmäßig glänzende Alben ab, hat die Kritiker schon lange auf seiner Seite und sollte jetzt eigentlich ein größeres Publikum für sich gewinnen können. Mit seiner introvertierten (allerdings auch sehr netten und natürlichen) Art dürfte dies aber schwierig werden. Immerhin: manchmal stand er heute von seinem Stühlchen auf, wanderte auf seinen Socken umher und rockte zusammen mit seiner vierköpfigen Begleitband ein wenig ab.


Damien zusammen mit einer Band zu sehen war für mich Neuland. Ich kannte ihn bisher nur als einsamen Performer auf der Akustischen und war damals von seinen reduzierten Vorträgen sehr angetan. Aber auch mit stärkerer Instrumentierung konnte sich Jurado in mein Herz spielen. Einzig der Umstand, daß ob der größeren Lautstärke seine fantastische Stimme weniger Luft zum Atmen hatte, war manchmal etwas schade. Zudem kannte ich das neue Album Marqopa noch nicht aus dem Eff-eff, aber das war meine Schuld. Ich habe jedoch ein paar Notizen gemacht und ein paar Titelnamen rausgefunden. Reel To Reel hat er gespielt von dem Neuling, aber auch Working Titles und Life Away From The Garden.



Reden wir am besten zuerst von Working Titles, weil das so ein unglaubliches Juwel ist. Es ist so poetisch, so filigran und nahegehend und wurde zudem durch viele kleine Pianomelodien und Chorgesänge aufgehübscht, das war schon wirlich eine Wonne. Aber auch Reel to Reel kam sehr gut rüber und wir erlebten einen Damien Jurado, der seine Stimme teilweise mit sehr viel Kraft und Dynamik einsetzte. Und bei Foolishly in Love stieg er gar bis ins höchste Falsett hinauf. Sage also niemand, daß der Pfundskerl seine Stimme nie variiere. Das fetzigste Stück des Abends, bei dem sich äußerst melodische Gitarren und ein galoppierendes Schlagzeug ein Wettrennen lieferten, konnte ich allerdings nicht per Namen benennen. In den Lyrics kam die Songzeile: "you have no control" vor, aber selbst eine Suche bei Google ergab leider kein Ergebnis. Wer diesen Song kennt, nenne mir bitte den Namen!


Unter dem Strich ein sehr schönes Konzert von Damien. Nicht sicher bin ich mir allerdings, ob ich ihn nicht doch akustisch und reduziert bevorzuge. Und das mit der Kommunikationsfähigkeit übt er dann bis zum nächsten Album einfach noch. Oder auch nicht. Er ist eben ein eher ruhiger Zeitgenosse, der kein großes Aufheben um seine Person macht. Das muss man akzeptieren.

Aus der Setlist von Damien Jurado:

Reel To Reel

Working Titles
Foolishly In Love
Life Away From The Garden

Zumal wir ja dann den Entertainer Chad VanGaalen vorgesetzt bekamen. Und der baumlange Kerl mit dem schelmischen Lächeln haute wirklich einen Kalauer nach dem anderen raus. Mal erzählte er davon, daß die Pariser Toiletten so klein seien, daß er mit seinem langen Pimmel gegen die Türen stoße, dann aber auch von einem unterirdischen, surrealen Treffen zwischen Kurt Cobain und Adolf Hitler. Die Begrüßung: "Sieg heil!", sollte man uminterpretieren in ein Bekenntnis: "ja, auch ich bin schwul, zumindest ein bißchen." Ein paar Leute brüllten vor Lachen und mussten sich ihre Bäuche halten.

Dabei waren die performten Lieder eigentlich oft melancholisch, ja fast traurig. Chad trug sie zusammen mit einem Mitmusiker (bekleidet mit dem
häßlichsten Sweatshirt aller Zeiten) vor. Die beiden spielten beide E-Gitarre und Fußtrommel und entwickelten so durchaus Power. Dennoch entschuldigte sich Chad dafür, daß er in Paris nie mit voller Band antrete, was er sehr bedaure. Bei manchen Liedern wäre es in der Tat besser gewesen, eine ausgewachsene Gruppe zu haben, bei anderen, reduzierten Stücken hingegen, war die Instrumentierung perfekt.

Die zahlreich anwesenden Amerikaner im Publikum waren sehr textsicher und kannten viele Songs auswendig, die Franzosen hingegen hörten eher still und bedächtig zu. Jeder verstand aber die vulgären Songzeilen bei Shave My Pussy und grinste vor sich hin (man vermied es die Mädchen dabei anzugucken,
damit die nicht glaubten, man sei ein versauter Kerl). Bestes Lied war aber trotzdem wieder das sentimentale Willow Tree, zu dem Chad heute nicht wie gewohnt Banjo spielte. Bei Stücken wie diesem ist der Geist des genialen Elliott Smit präsent, aber der Vergleich hingt letztlich dennoch ein bißchen, da VanGaalen normalerweise deutlich elektrischer und rockiger werden kann, als der 2004 verstorbene Schwermüter.



Er erinnerte mich heute vielmehr an Troy von Balthazar, sowohl wegen seines smarten und trocken -süffisanten Auftretens, als auch wegen seiner brüchigen Stimme und Verletzlichkeit, die immer wieder zum Ausdruck kam.

Begonnen hatte VanGaalen das Set mit dem rebellischen Never Cut My Hair, bevor er dann Stücke quer durch den Garten spielte, die auf keiner Setlist notiert waren. Neben Willow Tree erfreute er die Leute vor allem mit dem eingängigen Hit City Of Electric Light. Aber auch Material von Diapper Island wusste er gekonnt zu platzieren,wobei es schon sehr verwunderte, daß er das schönste Stück dieses aktuellen Albums, Sara, ausließ.



Auch bei dem Zugabenteil verdutzte er das Publikum. Nach der ersten Zugabe verschwand er zunächst, kam dann wieder und schien weiterzumachen. Aber eigentlich wollte er nur ein paar Dankessätze loslassen und ging erneut. Ein paar Minuten später kam er dann mit seinem Mitmusiker zurück, stimmte erst ein langsames Lied an und als ihm dies zu langweilig wurde, wechselte er mittendrin das Tempo, verchärfte es rasant, nur um nach eine Weile abrupt abzubrechen und zu sagen: "scheiße, verhauen!, ich hör hetzt auf" ("it's getting worse and worse so it's the moment to stop it"). Und das tat er dann auch. Mit einem breiten Grinsen.

Witziger Ker, toller Musiker!


Aus unserem Archiv:

Damien Jurado, Paris, 11.09.10
Chad VanGaalen, Paris, 08.04.11
Chad VanGaalen, Paris, 07.04.11




Samstag, 9. April 2011

Chad VanGaalen & Crocodiles, Paris, 08.04.11

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Konzert: Chad VanGaalen & Crocodiles (The Missing Season)

Ort: la Flèche d'or, Paris
Datum: 08.04.2011
Zuschauer: viele


Ein aufregendes Gefühl. Dieser stimulierende Gedanke, einen würdigen Nachfolger des großen, des unvergessenen Elliott Smith für sich entdeckt zu haben. Seit dem Tode des fantastischen, depressiven Singer/Songwriters im Jahre 2003 klafft eine Lücke, die geschlossen werden muss. Kaum ein Zweiter hat mich mit seinen Liedern und seinem düsteren Songwriting so bewegt wie Elliott. Aber man muss es hinnehmen wie es ist, von Smith wird es keine neuen Stücke mehr geben, selbst wenn immer mal wieder unveröffentliche Sachen im Netz auftauchen oder altes Material wie bei der Doppel-CD Full Moon erstmals auf Tonträger gebannt wird.

Für durchaus guten Ersatz haben in den letzten Jahren vor allem Sufjan Stevens, Troy von Balthazar und Loney, Dear gesorgt. Aber traurige Sänger mit verzweifelten Texten kann es auf dieser Welt gar nicht genug geben, insofern ist das Emporkommen eines Chad VanGaalen ein Geschenk Gottes. "When I die I'll hang my head beside the willow tree when I'm dead is when I'll be free. And you can take my body put it in a boat light it on fire you can use the kerosene." Diese Songzeilen haben sich in den letzten zwei Tagen tief in mein Gedächtnis gegraben. Der Tod als Erlösung und danach ist es egal, was mit einem passiert. Wie traurig, aber gleichzeitig tröstlich dieser Gedanke doch ist. Und wie anrührend es ist, wenn ein junger, gutaussehender Mann wie Chad diese Zeilen mit seiner brüchigen Falsettstimme singt.

Dennoch gehörte ich mit meiner Begeisterung für Chad heute abend in der Pariser Flèche d'or offenkundig einer Minderheit an, denn die meisten Leute waren wohl für die später startenden Crocodiles gekommen. Die erste Zuschauer-Reihe war überwiegend von jungen, aber nicht sonderlich hübschen Amerikanerinnen eingenommen worden. Fans von den Crocodiles wie sich später an den hysterischen Reaktionen herausstellen sollte. Jede Band hat die Fans, die sie verdient, insofern passten die häßlichen Kröten zu den Crocodiles. Bei solchen Groupies geht man dann als Musiker sicherlich gerne alleine aufs Hotelzimmer und zieht die Onanie vor.

Aber ich schweife ab. Also, Chad klasse, aber das heutige Publikum hatte ihn nicht wirklich verdient. Viele plapperten während seines Konzertes laut und ungeniert rum und hinterher hörte man allenthalben einen Standartsatz, den ich nur schwerlich ertragen kann: "c'était pas mal"- das war nicht schlecht. Er fällt quasi immer, wenn eine Konstellation wie die heutige vorliegt. Wenn nämlich am Anfang ein eher ruhiger Singer/Songwriter angesetzt ist und hinterher Lärmmacher in den Ring geschickt werden, für die die meisten Leute gekommen sind. Der stillere Künstler bekommt dann kaum Gehör, wird als ganz nett, aber ein wenig langweilig abgecancelt und die Krachmacher bekommen die ungeteilte Aufmerksamkeit und den oft unverdienten Zuspruch. Zum Kotzen. Auch Horse Feathers hatten sich bei mir über diesen Umstand beschwert. Auch sie wurden vor ein paar Monaten zu früher Stunde in der Flèche d'or verheizt und gingen neben den späteren Rockern ein wenig unter.

Also, die Einstufung "war nicht schlecht", insofern völliger Papperlapapp. Großartig war er, der Herr von Gaalen, jawohl! Sensationell wie er zeitlose Folk/Indierocksongs aus dem Ärmel schüttelte, famos wie er sang, bemerkenswert wie eigenständig sein Songwriting war, herrlich seine Melodien. Er war wieder als Alleinunterhalter unterwegs, spielte im Sitzen und bediente mit den Füßen die Pedalen seines Schlagzeuges, während sich seine Hände abwechselnd an Gitarre, Banjo und Ukulele zu schaffen machten. Der Mund war nebem dem Singen mit dem Mundharmonika spielen beschäftigt. Das Ganze klang knarziger, rockiger und energischer als beim gestrigen, rein akustischen, Showcase im Fargo Record Store, aber an der zarten Brüchigkeit der Kompositionen und ihrem Liebreiz änderte das nicht viel. Die Sache hattte nur etwas mehr Bums. Auch die gespielten Lieder waren fast die Gleichen, aber überhaupt nicht in der selben Reihenfolge. Wieder gab es etliche Neuheiten von dem noch nicht erschienenen Album Diaper Island und erneut gefiel mir davon "Sara wake me up" (Songzeile, der Titel heißt schlicht und einfach Sara) besonders gut.

Wer sich einen Eindruck verschaffen möchte, wie die Lieder heute abend geklungen haben schaue sich das eingebundene Video von I Changed My Name an, das heute auch Teil der Setlist war.


Chad VanGaalen - I changed my name from Welcome To The West on Vimeo.



Achso, die Crocodiles. Fürchterliche Poser-Band mit schwachen Liedern. In der Presse hatte ich immer mal wieder The Jesus and Mary Chain als Referenz gelesen, aber diesbezüglich bin ich inzwischen extrem vorsichtig geworden. Seitdem die Kultband im Zusammenhang mit einer Nietentruppe wie Glasvegas erwähnt wurde, passe ich da besonders auf und erneut erwies sich der Klon als ganz schwacher Abklatsch. Da lobe ich mir doch Black Rebel Motorcycle Club. Die sind zwar nicht wirklich genial, dafür aber sehr solide, tight und routiniert. Die Milchbubis von den Crocodiles hingegen wirkten wie eine selbstverliebte, weitestgehend talentfreie Schülerband und der arrogante Sänger mit der Sonnenbrille ging mir dermaßen auf die Nerven, daß ich ihm das häßliche Ding am liebsten von der Nase gestoßen hätte. Dazu kam es aber nicht mehr, nach nur fünf Liedern zog ich Leine. Ich hatte genug gehört und gesehen. Für einen solchen Käse ist mir meine Zeit zu schade.



Freitag, 8. April 2011

Chad VanGaalen, Paris, 07.04.11

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Konzert: Chad VanGaalen
Ort: Fargo Record Store, Paris
Datum: 07.04.2011
Zuschauer: ungefähr 45-50
Konzertdauer: etwa 35-40 Minuten


In Paris lacht im Moment die Sonne aus jeder Ritze, aber die Folkfans der Seine-Metropole bevölkerten dennoch den brütend heißen Plattenladen von Michel Pamplune. Bei Fargo spielt im Moment einfach die Musik und wenn man Topkünstler in intimer Atmosphäre gratis sehen kann, dann ist die Entscheidung gegen das Straßencafé und für den Fargo Record Store schnell gefallen.

Heute zu Gast zwischen CDs, Vinylplatten und Musikbüchern: Chad VanGaalen, ein baumlanger kanadischer Singer/Songwriter, den alle Musikfans in Deutschland von lobpreisenden Artikeln auf dem Klienicum kennen. Der Bursche war heute erst in Paris eingeflogen, klagte über Müdigkeit und Jetlag, legte sich aber trotzdem voll ins Zeug und spielte großzügigerweise sogar insgesamt 7 feine Lieder. Mal auf der Ukulele, mal auf dem Banjo oder der Akustikgitarre performend, brillierte er mit (Falsett)- Stimme, schönen Melodien und kuriosen Texten. Besonders abstrus wurde es, als er bei einem neuen Stück texlich fragte: "maybe if I shave my pussy, you gonna love me?"...

Highlight war dennoch ein anderer Song und zwar Willow Tree, den er mit einer brüchigen Falsettstimme auf dem Banjo vortrug. "When I die I'll hang my head beside the willow tree when I'm dead is when I'll be free" wimmerte er und besorgte mir eine Gänsehaut, die sich gewaschen hatte.



Und er setzte gleich mit einem anderen wundervollen, auf der Gitarre gespielten Lied nach, in dem es textlich hieß: "Sarah wake me up." Definitiv die beste Phase des kurzen, aber sehr guten Sets, das mit I Changed My Name und Sing Me To Sleep beschlossen wurde.




In CD-Verkäufe ummünzen konnte Chad seinen Auftritt allerdings nicht, was schlicht und einfach daran lag, daß der Fargo Store keine Werke des Amerikaners vorrätig hatte. Das neue Album erscheint in Kürze, es wird Diaper Island heißen und sicherlich exzellent werden.

Setlist Chad VanGaalen, Fargo Store, Paris:

01: After The Afterlife
02: ? Lyrics: "Can't remeber your name"
03: Shave My Pussy
04: Willow Tree
05: ? Lyrics: "Sarah wake me up"
06: Changed My Name
07: Sign Me To Sleep

Link:

Sehr schöner Blogeintrag zu Chad Van Gaalen auf dem Klienicum, klick!




 

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