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um
09:48
Konzert: Cat Power
Ort: Live Music Hall, Köln
Datum: 04.06.2008
Zuschauer: nicht ausverkauft
Unterwegs. Zwangsaufenthalt Köln-Süd. Ein ICE darf einen Güterzug überholen, daher müssen wir, sprich die Regionalbahn, im Bahnhof warten. Aber gleich - in wenigen Minuten - soll es weitergehen. Sagt zumindest der Zugleiter via Mikrofon. Soviel Informationen in einem Wagen der Bahn AG machen Angst. Dauert es doch länger? Ist dies der erste Schritt zur Fahrgastberuhigung? Ich lausche den Gesprächen im Viererblock hinter mir. es geht um Studienfahrten nach Rom und Urlaube in Barcelona. “Ich bin zum ersten Mal mit 19 oder 20 Jahren geflogen. Nach Rom.” sagt die weibliche Stimme. “Cool”, entgegnet die männliche Stimme,”ich war noch nie in Rom. Bin aber mit 17 Jahren das erste Mal geflogen. Das war ein aufregendes Gefühl.” Männliche Einschmeicheltaktik der Generation Billigflieger. Ich überlege kurz, mein erster Flug war mit 28 Jahren, und dann auch noch umweltpolitisch inkorrekt innerdeutsch. Es geht weiter, der Zug rollt. In Köln-West steigen die beiden Stimmen und ich aus.
Gegen 20 Uhr erreiche ich die Live Music Hall. Klappte
ja ganz gut! Natürlich ist es vor der Bühne unerträglich! Eine Luft zum schneiden, dabei spielt die Vorband gerademal 10 Minuten. Ich habe hier einiges über sie gelesen. Bin also nicht vorurteilsfrei. “Ist das jetzt gut?” überlege ich, während der Compi auf der Bühne Elektrobeats ausspuckt, die gar nicht so schlecht zusammengestellt wirken, während die weibliche Hälfte des Duos dazu singt. (Naja, sie versucht es zumindest.) das Duo nennt sich Appaloosa, kommt aus Frankreich und setzt sich zusammen aus Sängerin Anne-Laure und Max Krefeld. In guten Momenten erinnern sie ein bischen an die frühen Intastella, diese 90er Jahre Band aus England mit dieser einen guten Single “dream some paradise”.
Aber singen kann Anne-Laure nun wirklich nicht richtig, da hat Oliver schon recht. Aber vielleicht will sie das auch gar nicht können. Sei es drum, den Bonus einer englisch singenden / sprechenden Französin kann sie voll verbuchen (das klingt immer sehr lustig, so ohne h und mit schönem französischen Akzent, höre auch Soko) und die Sounds sind so schlecht nicht.
Man munkelt, dass sie nur hier stehen darf, weil sie eine Freundin von Chan Marshall sei.
Die und ihre Bandkollegen von der Dirty Delta Blues Band betreten nach einer überschaubaren Umbaupause gegen 21 Uhr die Bühne. Natürlich ist es mittlerweile noch wärmer, die LMH hat sich gut gefüllt.
Meine Entscheidung, mich rechts vor der Bühne zu postieren war die richtige, denn während der Umbaupause wurde die Seitentür geöffnet und so kam wenigstens noch ein bischen frische Luft herein.
Chan ist die Nervosität deutlich anzusehen. Sie weiss nicht wohin mit ihrer linken Hand, versucht immer wieder ihren Daumen in der hinteren Hosentasche einzuhaken oder die Hand vorne in die Tasche zu stecken. Beides scheint ihr aber nicht voll und ganz zu behagen, so wechselt es immer hin und her. Nach den ersten zwei, drei Liedern hatte sie sich aklimatisiert.
Die Band spielt viel vom letzten Album. Genau wie die Vorgruppe steht auch die Band unter verschärfter Beobachtung. Sind sie wirklich so verschnarcht gelangweilt wie ich gelesen habe? Also, der Keyboarder wirkt fidel, ist mit Abstand der jüngste der vier und würde jeden Rod Stwart Frisur look-a-like Wettbewerb gewinnen. Sein Keyboard / Klavier ist links auf der Bühne aufgebaut. Die anderen drei stehen im hinteren Bühnenbereich. Sie wirken wie typische Tourbegleitmusiker, die mit der eigentlichen Show nichts zu tun haben wollen. Abseits der Lichtkegel verrichten sie ihre Arbeit. Solide, aber ohne grosses Aufsehen.
Aufsehen erweckt Chan, und dreimal auch der Keyboarder.
Einmal übernimmt er im Refrain den zweiten Gesangspart, einmal tanzt er leicht mit der Rassel in der Hand über die Bühne und irgendwannmal im Mittelteil der Show bekommt er von Chan Cola und eine Zigarrette gereicht. Letztere wanderte dann noch in die Hände des Publikums.
Sonst drehte sich alles um Chan. Klar, sie ist Cat Power. Sie bestimmt den Weg. Und der führt heute über all die Coversongs, die auf dem letzten Album zu finden sind. Das Konzert beginnt ruhig. Es herrscht eine gelassene und wohlwollende Stimmung. Die Hitze schlägt allen ins Gesicht. Chan scheint das nicht sehr zu stören. Mit Shirt, langer Skinny-Hose und weissen Lederschuhen bekleidet trägt sie auch alles andere als ein Sommeroutfit. Die Musik passt gut zu den Temperaturen. man muss sich nicht allzu viel dazu bewegen, kann einfach nur da stehen und zuhören.
Der erste ganz grosse Moment dann, als Metal Heart erklingt. Gänsehautschauer bei gefühlten 30 Grad. wie geht das physikalisch, so ganz ohne frieren?
Nach einer Stunde verschwindet Chan kurz hinter der Bühne. Sie braucht wohl ne Pause. Die Musiker jammen derzeit als Pausenfüller auf der Bühne weiter. Das Publikum bleibt ruhig. Irgendwie glaubt keiner, dass das Konzert jetzt schon zu Ende ist. Stimmt auch, nach fünf Minuten taucht Chan wieder auf. Es soll noch eine Stunde weitergehen bis zum regularen Konzertende.

So langsam wird es einigen dann doch zu unerträglich. Die Reihen vorne lichten sich ein wenig. Der Flüssigkeitshaushalt bedarf einer Ausgleichung. Auch ich verziehe mich Richtung Theke, erst hier hinten merke ich, dass es vorne so richtig warm war. Leider gehe ich zwei Lieder zu früh. Jetzt werden die obligatorischen Blumen ins Publikum geworfen.
So schön der Auftritt gestern Abend auch war. Die grosse Bühne, die Band, das irritierte. Ich dachte kurz an den letzten Auftritt zurück, den im Gebäude 9 im Jahr 2003. Der war zwar chaotisch, dauert ewig lang, wirkte aber durch die Verwirrtheit auf mich authentischer und besser zur zerbrechlichen Musik Cat Powers passend als die grosse Live Music Hall. Aber vielleicht ist das nur mein subjektiver Eindruck. Und diesmal wurden ja auch kaum eigene Songs gespielt, und die Coverversionen sind doch eine andere Kategorie als die “You are free” Sachen und älteren Stücke.
Es war ein schönes Konzert. Ich hatte im Vorfeld schlimmeres befürchtet.
von Frank von Pretty Paracetamol
um
01:35
Konzert: Cat PowerOrt: l'Olympia, ParisDatum: 01.06.08Zuschauer: ausverkauftKonzertdauer: knapp 2 Stunden"Aufstehen, Oliver, es ist schon 19 Uhr 10!"Ach Herrje, jetzt war ich gerade so friedlich weggedämmert...
Das ganz Wochenende über war ich auf den Beinen, um der wunderbaren Hochzeit von meinem Konzertfreund Pierre und seiner netten Frau Satha beizuwohnen. Ein schönes Pärchen, diese Franzosen mit asiatischen Wurzeln, die am Sonntag in eines der besten und bekanntesten China- Restaurants von Paris geladen hatten und uns mit allerlei exotischen Köstlichkeiten verwöhnten. Krönender Abschluss war der Anschnitt der üppigen Hochzeitstorten, die gleich danach mit einem Gläschen Champagner runtergespült wurden. Um 17 Uhr 30 war der über 4 stündige Fress-und Tanzmarathon dann beendet und für circa. ein Stündchen legte ich mich zu Hause noch einmal aufs Ohr.Aber der Sonntag war für mich noch nicht beendet, schliesslich stand Cat Power im Olympia auf dem Programm, da hat man fit zu sein!
Und glücklicherweise war ich gegen 20 Uhr als ich mich auf den Weg in den altehrwürdigen Konzertssal machte, auch wieder recht munter.Vor dem Eingang sah ich zu meiner Überraschung und Freude die französische Folksängerin Marie-Flore am Boden kauern. Sie war in ein Gespräch mit Jim White, dem weisshaarigen Drummer der Band von Cat Power vertieft. Da wollte ich auch nicht stören und sagte nur kurz "Salut". Ich freute mich für sie, dass sie anscheinend Kontakte zu den Dirty Delta Blues aufgebaut hat und bekam auch hinterher die Neuigkeit mitgeteilt, dass Marie-Flore wohl ein Projekt mit Gregg Foremann, dem Orgelspieler von Cat Power am Laufen hat. Nicht zu Unrecht wird die junge französische Sängerin mit Chan Marshall verglichen und das hat sich wohl auch bis Amerika durchgesprochen...
Schade, dass sie nicht das heutige Vorprogramm bestreiten durfte, das hätte stilistisch gut gepasst. Stattdessen hüpfte eine dunkelblonde Französin (?) namens Appaloosa über die Bühne und sang zu elektropoppigen Klängen, die von einem Mischpult ausgingen, neben dem ein junger männlicher Gitarrist und Keyboarder agierte. Warum man diesen Act verpflichtet hatte, blieb mir ein Rätsel. Hinterher wurde gemunkelt, Appaloosa sei eine Freundin von Chan Marshall, was wohl stimmen dürfte, denn schon im Januar im Batclan bestritt sie das Vorprogramm. Wenn man die Stücke bei MySpace hört, bekommt man den Eindruck, dass das doch eigentlich ganz nett sei, live war das aber eine fast grotesk schlechte Zumutung, die im besten Falle mit einem Schmunzeln von der Zuschauern im Olypia quittiert wurde.Appaloosa hat sich mit diesem in etwa halbstündigen Auftritt auf jeden Fall für die Top 5 der schlechtesten Vorgruppen des Jahres 2008 qualifiziert.
Ich glaube sie würde sogar bei den Superstars in der ersten Runde ausscheiden.Danach war erst einmal eine längere Pause angesagt. Das Olmpia füllte sich von Minute zu Minute und einige Besucher verharrten auf dem Boden, um Kräfte für Cat Power zu sparen. Ich sah mich um und entdeckte zahlreiche junge Leute, aber auch Mitdreissiger -und vierziger waren vertreten; die Mischung im Publikum stimmte also.Als Chan Marshall dann zum ersten Mal sichtbar wurde und die Spots ihr hübsches Gesicht anstrahlten, rief ein Mädchen vor mir verzückt aus:
"Elle es trop belle! - sie ist einfach zu schön!" Damit hatte das Mädel nicht unrecht, Chan sah wirklich entzückend aus. Ohne ihre Halbhandschuhe, dafür aber mit einem ähnlichen (dem gleichen?) mintfarbenen Hemd wie im Jananuar im Bataclan und einem lässig gebundenen schwarzen Tuch
und engen Jeans verkörperte sie perfekt das fanzösische Schönheitsideal. Stylish, aber nicht zu aufgedonnert und ausgestattet mit viel Charme und natürlicher Ausstrahlung. Ihr niedlicher Pferdeschwanz verlieh ihr zusätzlichen Pfiff und Jugendlichkeit. Optisch hatte sie also schon gewonnen, bevor es überhaupt richtig losging und böse Zungen behaupteten gar vorher, Cat Power könne eigentlich singen wie sie wolle, das Publikum werde sie eh lieben. Gerade meine Konzertgängerfreunde von der Hochzeit waren am kritischsten, viele von ihen waren heute abend gar nicht erst erschienen. Sie beschwerten sich über chaotische Vorstellungen,
die sie auf früheren Konzerten geboten bekommen hatten oder aber die Blueslastigkeit und fehlende Modernität des aktuellen Albums "Jukebox".Und ganz unrecht hatten sie nicht. Der Auftakt war regelrecht lahm und fad! Und dass, obwohl persönliche Favoriten wie "Don't Explain" oder "Silver Stallion" gespielt wurden. Wo war die Dynamik und der Schwung, der noch im Januar von der Dirty Delta Blues Band bei "Silver Stallion" ausging? Nichts von zu spüren! Stattdesen wirkten die alten Herren um Chan Marshall ein wenig wie gelangweilte Kneipenmusiker, die ihr alltägliches Programm abspulten.
Man muss sich nur einmal das gelangweilte Gesicht von Gitarrist Erik Paparazzi auf den Fotos anschauen, um zu verstehen, was ich meine! Auch Gregg Foreman, den ich noch als quirlig und aufgeweckt in Erinnerung hatte, schob in der linken Bühnenhälfte eine ruhige Kugel und Judah Bauer versteckte sich hinter seiner dunklen Sonnenbrille.
Die ersten 45 Minuten des Konzertes, ein Flopp! Kein Wunder, dass es vom Publikum zumindest während der Lieder kaum Reaktionen gab. Der Funke wollte nicht überspringen, obwohl Chan Marshall selbst sehr engagiert wirkte. Allerdings zu engagiert! Jede Geste und Mimik bei ihr wirkte einstudiert und aufgesetzt, echte Gefühle sehen anders aus! Viel Power also bei Cat aber wenig Seele! Und die Stimmlage war regelmässig zu tief gewählt. Das passte nicht so recht und ich fragte mich ernsthaft, ob sie sich mit den bluesigen Cover-Songs einen Gefallen getan hat. Irgendwie waren das nicht ihre Lieder,
sie schien sich Stücke aneignen zu wollen, die sie selbst gerne hört, aber nicht authentisch performen kann. Geradezu symptomatisch war es dann , dass erst mit einer Neufassung ihres eigenen Songs, nämlich "Metal Heart", zum ersten Mal Stimmung aufkam. Endlich passte die Stimme und das Gefühl zu dem vorgetragenen Stück! Es wurde aber auch höchste Zeit, es war nämlich schon mehr als eine dreiviertel Stunde absolviert. Und ausgerechnet jezt verliess Chan für geschätzte 10 bis 15 Minuten die Bühne, während ihre Band instrumental vor sich hinklimperte. Das kannte ich schon vom Konzert im Bataclan und ich befürchtete, dass nach zwei bis drei zusätzlichen Liedern nach circa 70 Minuten Schluss sein würde. In diesem Falle hätte ich heute ein recht bescheidenes Konzert gesehen, zumindest angesichts des enormen Talents von Cat Power. Aber es kam anders, es wurde noch deutlich länger weitergespielt und das Verschwinden von der Bühne markierte nur die Halbzeit des Gigs.
Mit einem schwarzen und lässig fallenden Oberteil kam Chan unter grossem Applaus zurück und performte zunächst die Ballade "Blue", eine Cover Version nach Joni Mitchell. Obwohl mich der Song nicht vom Hocker riss, hatte sich irgend etwas zum Positiven gewendet. Die Sängerin wirkte entspannter, ihre Mimik nicht mehr so aufgesetzt und ihre Band hatte wohl auch die lange Aufwärmphase hinter sich gelassen. Einer meiner persönlichen Favoriten, das Schmachtstück "Where Is My Love" kam sehr soulig daher und erzielte bei mir nicht die erhoffte Wirkung auf die Tränendrüse, aber spätestens mit dem Doppelschlag vom Vorgängeralbum
"The Greatest", nämlich dem Titeltrack selbst und einem famosen und gegen Ende explodierenden "Lived In Bars" war der Knoten geplatzt. Gerade die im Vergleich zur CD stark veränderten Versionen waren alleine schon das Eintrittsgeld wert. Das beschwingt daherkommende "Aretha Sing One For Me" riss das Publikum mit und von da an gab es eigentlich kein Halten mehr. Die mir immer recht lästige lange Vorstellung der Band (nach "Could We") kam bei den Parisern ungemein gut an und wurde von rythmischem Klatschen begleitet und gipfelte in den nahtlosen Übergang zu "Satisfaction" von den Stones. Obwohl ich kein Fan der rollenden Steine bin,
begeisterte mich Chan's fetzige Version des Klassikers. Wow, ein Highlight! Mit "Do You Do You Do" und "Naked If I Want to" wurde das hohe Tempo gehalten, bevor mit dem schönsten Lied des Abends, "Angelitos Negros" etwas fürs Herz folgte. Gerade als sie am Ende gefühlvoll, (ha) lalalalala ins Mikro hauchte, ging bei mir der Puls höher. Einfach ergreifend!Genau wie das schon fast traditionelle Blumenwerfen ins Publikum am Schluss der fast zweistündigen Show.
Chan befeuerte mindestens 10 Minuten lang die Pariser mit weissen Rosen und anderen Gewächsen (ich bin kein Florist und weiss daher nicht, was das für welche waren!) und verbeugte sich wie eine Theaterschauspielerin. Der Applaus wollte nicht abreissen und Paris lag Cat Power erneut zu Füssen. Für die gelungene zweite Spielhälfte hatten sie und ihre Delta Blues Band das auch verdient und der müde Beginn war nur noch eine schwache, verblassende Erinnerung...Setlist Cat Power, Olympia, Paris:01: Don't Explain02: Woman Left Lonely03: Silver Stallion
04: New York, New York
05: Lost Someone06: Dreams07: Lord Help08: Song To Bobby09: Dark End10: She's Got You11: Making Believe12: Metal Heart13: Blue14: Where Is My Love?15: Moon16: The Greatest17: Lived In Bars18: Aretha, Sing One For Me19: Life Of The Party20: Could We21: (I Can't Get No) Satisfaction22: Do You Do You Do23: Naked If I Want to24: Angelitos Negros25: Ramblin' (Wo)man26: I've Been Loving You Too LongLinks: Fotos von Cat Power (Chan Marshall)Anmerkung: an die Setlist, die das junge blonde Mädchen auf dem Foto in den Händen hält, hat sich Cat Power nicht genau gehalten. Man verlasse sich da eher auf meine Fassung...