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Samstag, 25. November 2017

Martin Kohlstedt, Weimar, 22.11.17

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Konzert: Martin Kohlstedt
Ort: Deutsches Nationaltheater Weimar
Datum: 22. November 2017
Dauer: 100 min
Zuschauer: knapp 1000 (ausverkauft)


Heimat ist ein Konzept, dem ich mich immer wieder etwas verwundert nähere. Manchmal jäh geworfen und verzankt - ein andermal unerwartet geborgen und Menschen innerlichst verbunden, nur weil sie die gleiche Geburtsstadt im Ausweis zeigen. Zum Studium musste ich unbedingt weg aus der Provinzresidenz. Musste mir einen weiteren Ort heimatlich unterwerfen, wurde ein gestandener Mensch in sehr dichten Jahren. Nun ist das alles sehr, sehr lange her und im heimkommen überwiegt ein Gefühl der Dankbarkeit für das, was die kleine wunderbare Stadt dem Kind in mir so nebenbei mitgegeben hat.


Manches ist verbunden mit den lieben Menschen, den grünen Hügeln, den Flüsschen und Bächen, den Kirchen und buckligen Gassen. Vieles hängt aber an diesem markanten Gebäude am westlichen Stadtrand, wo ich in aller Selbstverständlichkeit monatlich die Staatskapelle im Konzert erlebte und das gesamte Repertoire des erstklassigen Theaters als Abo. Weil man das so machte. Musik wurde gemeinsam erlebt und in der Schule (wegen bestimmter Menschen) auch gelebt und diskutiert, zerfetzt und manches jubilierend im Herz umschlossen. Ich vergesse nicht den Tag, als ich nach so einem Konzertabend in der Schillerstraße meine erste eigene Platte kaufte.


Zu dieser wohligen Heimatsgefühlswolke zählt auch damals wie heute die magnetische Anziehungskraft meiner Heimatstadt auf die Musikanten der Welt. Entweder sie kommen als lernende oder als lehrende. Manche bleiben und erwerben sich mein Nest in Thüringen als Heimat. Und schon immer war die Wand zwischen dem was damals noch E- und U-Musik hieß besonders durchlässig und erstklassige Interpretinnen und Musiker machten hervorragend ausgebildet einfach ihr Ding. Auch provinziell verlacht (weil Weimar trägt die Nase manchmal sehr speziell), aber doch in einer Kohorte sich gegenseitig einen Rahmen schaffend.


Nun also dieser Martin Kohlstedt. Ein Nachname, wie ein Ortsname im Weimarer Umland. Jemand, dessen heimatlichen Ort ich an den Tasten sehe, weil ich erlebt habe, was da passiert, wenn er spielt. Der mich in der Kirche in Storkow vor zwei Jahren damit ganz und gar verzaubert hatte, berührt und erstaunt und so charmant eingeladen in eine Welt, die mir irgendwie vertraut schien. Auf der aktuellen Tour wollte ich ihn gern möglichst in Ruhe sehen - ohne Störer und Schubser, ganz ohne Ablenkung vom musikalischen Geschehen. Also warum nicht in "meinem" Theater, meiner kulturellen Wiege? Was sich irgendwie einrichten lassen würde. Ganz bestimmt. 


Erst in der unmittelbaren Vorbereitung des Abends, als das aktuellste Album Strom in meinen Rechner floß, klebte ich auf einmal an der Adresse: wohlbekannt, 1000 mal vorbeigelaufen, Wurfweite vom Weimarer Theater. So einer also - ein dagebliebener in meiner Stadt ... Und auf einmal wurde der Abend zu einer Heimat-Sache für uns beide. Das, was aktuell auf Tonträger gebannt, musikalisch in die Welt tritt, hatte ich ohnehin als sehr innig erlebt, als Wegweisung zu einem Sehnsuchtsort. Nicht im Sinn von Eiapopeia aber als dieses Gefühl angekommen und an einem guten Ort zu sein - Heimat eben.


Im Konzert selbst war es dann neues wie älteres Material, das sich in einer nur in diesem Moment sich materialisierenden Variante existierte und uns alle beschenkte und mitriß. Eine viel größere Rolle als erwartet hatte der Kasten in der Mitte: der ohne Tasten, aber mit Reglern und Rädchen. Der durfte auch gleich am Anfang ordentlich Bums machen und ekstatisch zelebrieren, dass sich die Bühne des DNT für diesen Abend bereit gezeigt hatte. Und auch Martin Kohlstedt war bereit und glücklich. Ganz da und bei sich und zeigte uns ruhig aber doch auch mit gebotener Aufregung, wie er sein Klanguniversum entstehen läßt.


Und es gab in diesem Moment keinen besseren Ort für mich. Ein Glück, mein Fleckchen zu herzen und zu teilen mit solchen Menschen. Und das Publikum feierte das aus ganzem Herzen. Ein ganz besonderer Abend, der noch lange in mir nachklingen wird.

Aus unserem Archiv: 
Martin Kohlstedt, Storkow, 22.08.15


Samstag, 3. Mai 2014

Cayoux, Weimar, 26.04.14

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Konzert: Cayoux
Ort: Erbenhof in Weimar
Datum: 26. April 2014
Dauer: 65 min
Zuschauer: 15

Foto (c) Michael Reich
Viele meiner Freunde und meiner Familie wohnen zu weit weg, um je einer Wohnzimmerkonzerteinladung von mir folgen zu können. Deshalb hatte ich mir für meine Geburtstagsfeierei überlegt, dass das Wohnzimmerkonzert dorthin kommen könnte, wo meine lieben wohnen.

Foto (c) Michael Reich
Zum Glück hatte ich für den Weimarer Teil der Feier schnell umkomplizierte, entgegenkommende und sehr professionelle Partner gewinnen können. Das Restaurant und Kaffee Erbenhof gab uns sein Galeriezimmer (das gegen den Rest des Hauses abgeschlossen ist), servierte uns erlesenes und mit viel Liebe bereitetes Essen und schickte die charmantesten Kellnerinnen und Kellner, um sich um unser Wohl zu kümmern.

Foto (c) Michael Reich
Zum "Nachtisch" gab es Ohrenschmaus vom Weimarer Duo Cayoux. Sie hatten zu Beginn des Jahres schon bei uns in Karlsruhe Station gemacht und uns  restlos begeistert. Auch mit unserem drei Generationen übergreifenden Publikum aus Geburtstagsgästen gelang es ihnen wieder mühelos, das gleiche Kunststück zu vollbringen. Schon beim ersten Stück Cracked schauten sich meine Gäste gegenseitig verwundert in die Augen.




Was für eine Stimme - welche Stimmung! Das einfache, das doch so schwer zu machen ist, wurde mit Leichtigkeit vor uns hergestellt. Dabei hatten sie ja zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht vorgeführt bekommen, was Marcel Siegel am und mit dem Kontrabass alles kann... Das führte ein paar Minuten später zu spontanem Zwischenapplaus (wie im Jazz nach Soloeinlagen üblich), der den jungen Mann vor uns spürbar auftauen ließ. Mein privater Höhepunkt war diesmal Northern lights. Im Wechsel der sphärischen Klänge und der rhythmisch betonten Wanderpassagen erstand erneut ganz lebhaft das Bild vor mir, das ich real noch nie selbst erlebt habe.



Im Ohr blieben natürlich hinterher besonders einfach die Klassiker wie Ain't no sunshine und Bei mir biste scheen. Und im Herzen das besondere Erlebnis der Musik von Cayoux und der sympathischen Präsenz der beiden Musiker.

Foto (c) Michael Reich


Aus unserem Archiv:
Cayoux, Wohnzimmerkonzert #30, 24.01.14
Foto (c) Michael Reich


Freitag, 8. März 2013

Wolfram Huschke, Weimar, 07.03.13

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Konzert:Wolfram Huschke
Ort: Mon Ami (kommunales Kulturhaus) in Weimar
Datum: 07.03.2013
Zuschauer: etwa 80
Konzertdauer: 120 min



Ich kann mich nicht erinnern, in einem Konzert schon jemals so viel gelacht zu haben. Nun kann man zwar sagen: Dafür sind Konzerte ja auch nicht da - geh doch zur Komikerin oder in Kabarett, wenn du lachen willst. Aber ich finde ja, Gelegenheiten zum lachen gibt es eh zu wenige. Umso wertvoller, wenn sie einem so in den Weg kullern, wie es mir mit diesem Abend gegangen ist. Im Zug hatte ich den Veranstaltungskalender angeschaut und irgendwie klang das mit dem Cellokonzert interessant.

 
Dann begegnet einem so ein (Verzeihung!) Urviech und schenkt einem in einer fast distanzlosen Art von allem überreichlich: mitreißende Musik, Einblicke wie sich ein Musikstück entwickeln kann, Geschichten zur Einordnung der Stücke und das Gespräch über Musik. Und es wirkt so, als kommt es natürlich aus ihm herausgesprudelt. Nichts ist Maske und Bühnenhabitus. Manches natürlich auch offensichtlich Produkt eines langen Prozesses seiner persönlichen Arbeit am Instrument.



Was z.B. gar keinen Sinn ergibt: hier in klassisch oder Unterhaltungsmusik aufteilen zu wollen. Denn Bachs Cellosonaten bekommen einen Platz genauso wie urst lautes Heavy Metal am E-Cello. Wow wie war das toll!
In der Choreographie des Abends sind das alles Mittel um Ideen nachzugehen, Stimmungen auszudrücken und eine Geschichte zu erzählen.



Voraussetzung für alles ist zunächst erst einmal die Neugier, den Ideen nachzugehen, dann natürlich auch die Arbeit am Instrument. Der Abend begann damit, dass der Künstler den Raum betrat und alle damit begrüßte: "Geht es euch gut? Ich fang dann auch gleich an!" Und zu Beginn verwickelte er ein Kind in der ersten Reihe in ein ernsthaftes Gespräch, das auch später immer wieder aufgenommen wurde. Im Publikum waren etwa 10% Kinder und Jugendliche (trotz der späten Stunde). Alle gingen am Schluss mit leuchtenden Augen nach Hause. Die Erwachsenen sowieso (manche waren sogar extra aus Berlin gekommen). Als ein Mädchen erzählte, sie lerne auch Cello: "Oh, da muss ich ja noch einmal seriös reinkommen" und das dann auch prompt tut zur allgemeinen Erheiterung natürlich.



Welche Freude das miterleben zu können! Für mich waren die intensivsten Momente die am E-Cello - weil es in vielem so überaschend und mitreißend war. Aber auch das Liebeslied am herkömmliche Cello ganz am Schluss - wie ergreifend und doch gar nicht schwülstig. Ein wirklich ganz besonderer Abend, an den ich mich noch lang und überschwänglich erinnern werde.


 

Tourdaten:
08.03. - Zwickau - Lichtentanne St.Barbara 20 Uhr
05.04. - Königslutter/Beienrode - Rittergut - Rokokosaal 19 Uhr 

             Reservierung Tel. 05353-9134101
12.04. - Konstanz - K9 20 Uhr
16.06. - (AT) Hallein - theaterObjekt 18 Uhr
22.06. - (AT) Abtenau - Neudegg Alm Sonnenwend Performance




 

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