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Montag, 6. April 2015

The Darling Buds, London, 04.04.15

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Konzert: The Darling Buds
Ort: The Lexington, London
Datum: 04.04.2015
Dauer: The Darling Buds ca. 75 min, The Popinjays knapp 40 min, Colour Me Wednesday 29 min
Zuschauer: ca. 250 (ausverkauft)



Wenn ich wichtig wäre und wenn Musik wichtig wäre und wenn irgendwer meine musikalische Entwicklung analysieren wollte, die Darling Buds spielten eine entscheidende Rolle. Bevor ich die walisische Band Ende der 80er Jahre kennenlernte, gab es für mich nur Depeche Mode. Mit Bands wie den Darling Buds öffnete sich die weite Welt der Musik, die ich heute noch höre. Ohne Euch würde ich heute vermutlich einmal alle drei Jahre zu einem Depeche Mode Konzert gehen und wäre viel normaler, liebe Buds! Danke! Pop said... ist bis heute eines meiner Lieblingsalben.



Daß ich die Band irgendwann einmal live sehen würde, hatte ich lange abgehakt. Sie löste sich 1993 auf, 2010 gab es ein einmaliges Comeback nur mit Sängerin Andrea Lewis - und die drei Auftritte 2014 hatte ich erst nachträglich mitbekommen.

Anfang des Jahres, als ich ein Darling Buds Video gesucht hab, fand ich die Ankündigung zweier Konzerte an Ostern. Das Risiko, es mir noch einmal zu überlegen, schien bei 16 Pfund Ticketpreis überschaubar. Denn ich hatte keine Ahnung, ob ein Konzert einer Band, die ich vor 25 Jahren geliebt habe und die lange nicht aktiv war, musikalisch nicht katastrophal sein würde. Naja, jedenfalls stand ich um kurz vor acht im ersten Stock des Lexington im Westen Londons. Das Lexington ist ein Pub mit hohen Decken und mit Spuren einer langen Geschichte. Im ersten Stock ist der Konzertsaal, der vielleicht 250 Zuschauer faßt. 



Der Veranstalter hatte an beiden Abenden je zwei Supports gebucht. Ich hätte ohnehin nur Samstag gekonnt, hätte mir aber auch den ersten Abend ausgesucht. Colour Me Wednesday und die Popinjays klangen verlockend.


Kurz nach acht begannen Colour Me Wednesday ein kurzes, extrem knackiges Set. "Where are you from?" rief jemand nach dem ersten Lied. "From here. We're from West London." Die Band gibt es seit fünf Jahren, 2013 erschien das Debüt I thought it was morning. Zwei Reihen vor mir stand eine andere Londoner Band, die Tuts, die ich beim Indietracks und im Gebäude 9 als Support von Kate Nash gesehen hatte. Das erklärte auch, warum mir die Gitarristin links auf der Bühne bekannt vorkam. Harriet ist auch Bassistin der Tuts.



Neben Harriet gehören Sängerin Jen, Bassistin Carmela und Schlagzeuger Sam. Wobei es bei Sam "gehörten" heißen muß. Am Tag nach dem Konzert erklärte die Band, daß sie bedauere, daß Sam aussteige. Sehr schade, er wirkte hervorragend!


Die Musik der Londoner bezeichnen sie selbst als "DIY punk and indie and pop." Ich würde die Reihenfolge vielleicht in indie, pop und punk ändern. Aber egal, wichtig ist auf der Bühne... Und wow, das war vollkommen überzeugend! Alles! 

Beste Stücke waren Half a life und Don't tell anyone (oh doch, das werde ich!). Bitte unbedingt (hier) kennenlernen! Das Bedauern, daß es nach einer halben Stunde schon vorbei war, hielt sich in Grenzen, weil Colour Me Wednesday auch (wie die Tuts) beim Indietracks spielen. Und da jetzt gesetzt sind!

Setlist Colour Me Wednesday, The Lexington:

01: Shut
02: Sweaters
03: Sugar coated
04: Half a life
05: (I'm not coming to your) BBQ
06: Don't tell anyone
07: I thought it was morning
08: Purge your inner Tory


Als ich das Lineup des Abends gesehen hatte, dachte ich beim zweiten Support "sind das die Popinjays von damals?" Es gibt ja auch mehrere Darling Buds, bei denen war ich mir aber sicher, daß es die richtigen waren. Und ja, es waren auch die richtigen Popinjays, der Veranstalter stellte sie vor und erklärte, es sei ihr erstes Konzert seit 21 Jahren! 



Sängerin Wendy Robinson und Gitarristin Polly Hancock, die die Band 1988 in Liverpool gegründet haben, kamen alleine auf die Bühne. Früher hatten die beiden wechselnde Bassistinnen und irgendwann einen Drummer, der seinen Vorgänger (den Drumcomputer) ablöste. Ihre Freunde schienen von der Idee nicht überzeugt zu sein, erklärte Wendy gleich zu Beginn. "Can you play bass and drums? No? So shut up!" Also war das Gründungsmitglied Drumcomputer wieder dabei. Und der war so motiviert, daß er die ersten Lieder ohne Atempause spielte. Drei Lieder, neun Minuten - bis Wendy den Laptop drosselte. "Calm down, we need to talk to the people." Und obwohl die Musik vollkommen brillant war, war das eine gute Idee, denn Wendy und Polly hatten viel zu erzählen.



Too young ("you're too young, stupid and shy, so don't even try") sei der Beleg dafür, wie reif sie damals an Beziehungen rangegangen sei, erklärte die Sängerin. Das habe ihr geholfen, nach den Popinjays eine Karriere als Paar- und Kindertherapeutin einzuschlagen ("wenn ihr Probleme habt, 70 Pfund die Stunde." - "Otherwise I don't want to hear about it!").



Die Lieder waren ausnahmslos großartig! Neben mir stand ein kahlrasierter Mann, den ich für den typischen Fußball-Hool gehalten hatte und der sehr böse guckte. Als die Popinjays anfingen, sang er jedes einzelne Wort mit. Wie man sich täuschen kann.


Die 21 Jahre Pause ließen der Frontfrau keine Ruhe, sie kam immer wieder darauf zurück. "Polly hat in der Zwischenzeit Prominente fotografiert." - "Who's the most famous person you photographed?" - "The Queen!" - "Und jenseits der Royals?" - "Emma Thompson!"

Ach, es war köstlich! Die Sängerin mit dem herrlichen Humor und den tollen Mimik und Gestik und die stoischer wirkende Gitarristin mit großer weißer Sonnenbrille. Ohne Ansagen hätten wir vielleicht einen Song mehr gehört, es wäre aber auch viel vom Spaß flöten gegangen.


Die vier Wochen Probe für das Konzert hatten sich extrem gelohnt. Ich weiß natürlich nicht, wie die Popinjays früher waren, am Samstag waren sie brillant! Neben den beiden Singles am Ende (Monster mouth, das ihnen 20.000 Pfund durch Radiopräsenz einbrachte, von denen Polly angeblich nichts wusste und Vote Elvis, das ein Hit in den USA war) gefielen mir Nothing und The moon looks nice from here besonders. Wären die Popinjays schon der Headliner gewesen, hätte ich bereits einen grandiosen Abend gehabt!


Wer die Gelegenheit hat: im Oktober spielen Polly und Wendy wohl noch einmal. Allerdings schränkte Wendy lachend ein "in 21 years!"

Setlist The Popinjays, The Lexington:

01: Please let me go
02: Nothing
03: Helicopter people*
04: Too young
05: Thinking about the weather
06: Perfect dream home
07: Snowblind
08: The moon looks nice from here
09: Moster mouth
10: Vote Elvis 


Nach den Popinjays wurde viel umgebaut. Ich hatte gelesen, daß Andrea Lewis von Gründungsmitglied Chris McDonogh (Bass) und Gitarrist Matt Grey (der in den letzten aktiven Jahren dabei war) begleitet werden würde. Daß neben dem Schlagzeuger aber noch ein zweiter Gitarrist dabei sein würde, hatte ich nicht geahnt. Die vier Männer begannen zunächst ohne die Sängerin. Und es war laut! Und rockig! Und toll!



Andrea kam dazu und stieg ein. Ich erkannte das Lied nicht auf Anhieb. Die Darling Buds begannen nämlich mit einer B-Seite (Baby head von Sure thing). 

Ich weiß nicht, ob die Lautstärke und die rockige Herangehensweise eine Art Versicherung darstellte, weil die Musiker Bedenken hatten, stimmlich passe es nicht mehr so wie früher. Sie wären überflüssig gewesen, die Buds klangen toll! Andrea hat nichts verlernt (auch wenn ich das nicht beurteilen kann, weil ich sie damals ja nicht gesehen habe). Die Sängerin ist mittlerweile nach Jobs als Radiomoderatorin Eigentümerin einer Theaterschule



Die nächsten Stücke waren alte Freunde... erst You've got to choose vom Debüt-Album, danach If I said und dann Spin (wieder von Pop said...). Gottseidank spielten die Darling Buds fast alle Stücke des ersten Albums. Von Crawdaddy (1990) und Erotica (1992) standen je fünf Titel auf der Liste. Je später die Platten, desto seltener habe ich sie gehört. Eine Schande, wie ich bei Hits wie Sure thing und It makes no difference merkte!



Oh, es war toll! Und nicht etwa aus melancholischen Gründen! Je länger das Konzert dauerte, umso großartiger! Wie frisch die Songs klingen, wie knackig die Umsetzung!



Die männlichen Musiker wirkten von Anfang bis Ende hochkonzentriert, Andrea sah man immer mehr an, wie sehr es ihr Spaß machte - sie strahlte. Mein kurzhaariger Nachbar und die meisten anderen sangen von A bis Z mit. Wenn es irgendwo Zweifel am Sinn solcher Comebacks gibt, die glücklichen Gesichter im Lexington waren deutliche Gegenargumente!

Neben den Titeln der drei Platten spielte die Band die frühe Single It's all up to you und für mich vollkommen überraschend einen neuen Song. "Mal gucken, wie ihr den mögt!" You're so complicated klang sehr gut, ich mochte ihn! Ob das ein Hinweis auf mehr Neues ist oder ein übriggebliebenes, unveröffentliches Lied von damals, weiß ich nicht. Ich hätte aber nichts dagegen, wenn davon noch mehr käme!



Das Ende (aus Zeitgründen kurzerhand zu den Zugaben erklärt, um die Zeit des üblichen Zugabe-Rituals einzusparen) war atemberaubend. Burst, Hit the ground und Shame on you. Ich saß auf heißen Kohlen, weil der Zeitplan kräftig überzogen war und mein letzter Bus immer unerreichbarer wurde. Aber um nichts auf der Welt hätte ich auf die drei Knüller verzichten wollen. Und auf die Darling Buds!

Setlist The Darling Buds, The Lexington:

01: Baby head
02: You've got to choose
03: If I said
04: Spin
05: Please yourself
06: The other night
07: Sure thing
08: Isolation
09: It makes no difference
10: Honeysuckle
11: Fall
12: Angels fallen
13: It's all up to you
14: Tiny machine
15: Big head
16: Crystal clear
17: Long day in the universe
18: Let's go round there
19: You're so complicated (neu)
20: Burst
21: Hit the ground
22: Shame on you


* Thanks, Wendy & Polly!






Sonntag, 4. September 2011

Fresh & Onlys, London, 03.09.11

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Konzert: Fresh & Onlys

Ort: The Lexington, London
Datum: 03.09.2011
Zuschauer: 400 (fast ausverkauft)
Konzetdauer: 50 Minuten


Bericht von Michael Kelleners


Ein bisschen vermisse ich das "The Luminaire" in Kilburn, bis zur endgültigen Schliessung zu Beginn des Jahres, war es für mich die schönste Konzertlocation der Welt. Nicht zu groß, nicht zu klein, tolles Line Up und dazu die Ansage an der Wand "Wenn du hier bist um zu quatschen während die Bands spielen, ist das hier der falsche Ort für dich".

Das the Lexington in Islington könnte den Platz des Luminaire bald einnehmen. Unten befindet sich der Pub, oben ein kleiner Konzertraum. Sehr sympathisches Personal & humane Preise.

Den Abend begannen Wired Dreams. Ich konnte bisher nur eine EP bei Itunes entdecken, der Sound gefiel mir aber sehr. Auch die 35 Minuten bestätigten den Eindruck. Laute Gitarren, die Stimme singt sehr melodiös, es erinnerte mich an die Soft Version der Nine Black Alps. Interessant.

Danach folgten Fair Ohs und machten irgendwie Spaß. Die Band könnte auch locker auf den Hardcore Festivals dieser Welt spielen. Die besten Momente hatte die Band aber dann wenn die Gitarre melodiös wurde. Der Surf Pop war zwar gut, aber nicht überragend, gerade zum Ende wurde die Songs einfach zu schnell gespielt. Dazu wurde noch ein Zwischenruf aus dem Publikum mit "go home and fuck yourself" beantwortet, das sollte witzig sein, war es aber nicht.

The Fresh & Onlys sind eine Band, die ich lieben muss. Nach den Crystal Stilts gab es endlich wieder eine Band, die soviel Hall Effekte in die Stimme packen, das man die Ansagen während der Songs kaum verstehen kann. Das Set fand ihr Highlight mit dem Cat Stevens Cover am Ende. Ich stand ziemlich an der Seite der Bühne, neben mir stand die Freundin des Sängers, es war schön zu beobachten wie gerade zu Beginn des Konzerts sich immer wieder ihre Blicke trafen. Toll auch wie er beim singen immer wieder an die Decke schaut, dann erinnert mich das ein wenig an Jesus. Die Highlights wurden alle gespielt u.a. Secret Walls der letzten EP, den Song habe ich in den letzten Monaten nur gehört.

Ein guter Auftritt. Hätte ich nicht diese Horror Kopfschmerzen gehabt, ich hätte es sicher noch mehr geniessen können. Ich denke von den Fresh & Onlys können wir noch einiges erwarten.





Megafaun, London, 02.09.11

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Konzert: Megafaun

Ort: The Lexington, London
Datum: 02.09.2011
Zuschauer: 300 (gut gefüllt)
Konzertdauer: 70 Minuten


Bericht von Michael Kelleners

Gideon Conn aus Manchester ist ein reduzierter Songwriter mit Sprechgesang. Seine Performance hat etwas Ironisches. Eine schöne Stimme und ein gutes Gitarrenspiel sucht man vergeblich, der Auftritt gefällt aus reiner Sympathie. Ein wenig erinnerte mich das an Olli Schulz, ich hab mich gut unterhalten. Sein Debüt Album verkaufte er nach dem Auftritt selbst vor der Bühne. Auf Platte muss ich das definitiv nicht haben.

Megafaun veröffentlichen ihr neues Album heute in Deutschland. In den letzten Wochen wurde viel darüber geschrieben, das Bon Iver im College unter dem Namen "DeYarmond Edison" mal ein Teil dieser Band war, ganz vorstellen kann ich mir das nicht, zu unterschiedlich ist die Performance.

Das Konzert brauchte lange um eine Energie zu entwickeln. Auf Platte gefallen mir die Songs besser, live war mir das heute zu US Rock. Die besten Momente waren dann zu finden, wenn es ruhiger wurde, man wünschte sich den Stecker der elektronischen Gitarre zu ziehen. Auch die neuen Lieder begeisterten mich (noch) nicht. Wie typisch amerikanisch eine Band klingen kann, bewiesen mir heute Megafaun. Dabei dachte ich immer dieses Privilig ist den Dawes und Delta Spirit vorbehalten.

Der schönste Moment dann ganz zum Ende. Die Band kam ganz an den Bühnenrand, das Publikum rückte noch ein Stück nach vorne und zusammen wurde Worried Mind gesungen. Warum das nicht direkt zu Beginn?

Ich hoffe das neue Album klingt nicht so durchschnittlich wie dieser Abend.





 

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