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Samstag, 16. Oktober 2010

Pokett & Suzanne The Man, Paris, 14.10.10

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Konzert: Pokett & Suzanne The Man

Ort: Forum Fnac des Halles, Paris
Datum: 14.10.2010, 18 Uhr

Zuschauer: 30-40
Konzertdauer: insgesamt etwa 50 Minuten



Meine Begeisterung für den französischen Singer/Songwriter Stéphane Garry alias Pokett wird dieser Tage immer größer. Jetzt folge ich ihm sogar schon in einen schnöden Plattenladen, wo er zusammen mit seinem Gitarristen David Lopez (ex-Pollyanna) einen akustischen Showcase spielte. Aber mein Erscheinen hatte sich definitiv gelohnt, denn es gibt in Frankreich kaum jemanden, der ein solches Feingefühl für den melancholischen Folksong im Stile von Elliott Smith hat, wie Pokett. Seine sanfte Stimme legte sich über wunderschöne, herbstlich-sentimentale Gitarrenmelodien und sorgte bei mir für wohlige Gefühle. Performt wurden ausschließlich Lieder des vorzüglichen neuen Albums Three Free Trees, das mit Make It Last ein Kleinod zu bieten hat, daß nur Großmeister Elliott so genial hinbekommen hätte. Mann, wie schön das ist! Der Wahnsinn! Wer das neue Album von Pokett nicht kauft ist selbst Schuld. Er verpasst nämlich eines der herausragenden Werke des Musikjahres 2010!

Auf der Webseite von Pokett kann man in Ruhe in die Stücke reinhören und findet auch Links zu Bandcamp und Deezer.

Setlist Pokett, Showcase Fanc Forum des Halles, Paris:

01: Like A Knife
02: Make It Last
03: Someone You Know
04: A Sinking Island
05: The Way Down

Danach durften auch noch die Mädels ran. Die Sängerin Suzanne Thoma und die Cellistin Sonia Cordier formen gemeinsam das Projekt Suzanne The Man über das ich hier schon mehrfach berichtet hatte. Neue Songs sind nicht zu vermelden, aber es gab eine andere große Neuigkeit: Suzanne ist schwanger. Das Beste aber: ich habe es noch nicht einmal gemerkt! Die Split Ep Titel: Let's Burn) zusammen mit dem Konki Duet ist schon seit einiger Zeit erhältlich, im Moment arbeitet die werdende Mutter an neuem Material. Ich bin gespannt!



Sonntag, 6. Juni 2010

Oneida & Secret Chiefs 3, Festival Villette Sonique, Paris, 05.06.10

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Konzert: Oneida & Secret Chiefs 3 & Suzanne The Man, Festival Villette Sonique

Ort: Gelände La Villette, Paris
Datum: 05.06.2010
Zuschauer: tausende auf den Wiesen


Das glänzende Festival Villette Sonique in Paris liegt in den letzten Zügen. Nachdem in dieser Woche Joanna Newsom, Owen Pallett und (in meiner Abwesenheit) Atlas Sound in der Grande Halle de la Villette über alle Maßen begeistert hatten, ging es nun am vorletzten Tag auf die Wiese. Der Wettergott spielte mit und manchen war es bei sommerlichen Temperaturen schon fast wieder zu warm. Ansonsten gab es nicht viel zu meckern, die Konzerte im Freien waren gratis, die Mädchen hübsch und die Hot Dogs schmackhaft. Besonders schön und gesellig war es an den zahlreichen Ständen, an denen französische Labels ihre CDs, Vinylplatten, Poster und Musikbücher verkauften. Viele bekannte Gesichter, vor allem am Verkaufstisch von Waterhouse Records, wo ich zu meiner Freude doch noch einmal June Madrona und Christina Antipa wiedersah. Spannende Musik gab es aber auch bei den feinen Labels Clapping Music (François Virot, Yeti Lane, Clara Clara u.a.) und Collectif Effervescence (Faustine Seilman, Papier Tigre, La Terre Tremble!!!) zu erwerben. Am besten man brachte genug Bargeld mit, um sich mit den neuesten Scheibchen einzudecken.

Zu den einzelen Konzerten (besonders viel habe ich nicht gesehen, da ich mich oft massiv festgeplappert habe, aber das ist ja manchmal besser als die Shows):

Suzanne The Man: Suzanne ist kein Mann, sondern eine Frau und zwar eine attraktive: Suzanne Thoma. Die junge Dame mit familiären Wurzeln in Kanada, Österreich und Frankreich bildet zusammen mit der Cellistin Sonia Cordier ein Folkduo, das ich inzwischen schon ein paar Mal sehen konnte. Immer wieder angenehm, ihren erlesenen Kompositionen zuzuhören. Die stets elegante Suzanne (heute mit orangefarbenem Sommerkleid) verfügt über ein reduziertes Fingerpicking und eine warme Stimme, die bestens mit der höheren Stimme von Sonia harmoniert. Es schien auch den Jüngsten zu gefallen, denn auf dem Teppichboden vor der Bühne wälzten sich drei kleine Kinder, von denen eines zu Sonia gehörte. Woher ich das weiß? Es gab einen witzigen Dialog: "Maman, je t'aime" Daraufhin die Cellistin: "Moi aussi je t'aime". Rührend, aber Mami musste ja arbeiten...

Secret Chiefs 3: Beim Soundcheck der Kuttenträger aus Amerika stieß mich Christina Antipa (einen Hot Dog mampfend) von der Seite an: "Hey, I know these guys! They are from California" Sie hatte recht, die recht waldschratigen Typen kommen aus der Ecke San Francisco und boten eine Musik, die nur schwer einzuordnen war. Es gab Elemente vieler Stilrichtungen: Noise, Postrock, Mathrock, Death Metal, Indierock, Ska, Filmmusik und auch Rai (zumindest klang das für mich so). Gesungen wurde nicht, dafür gab es aber unter anderem eine Fiedel, die einer der Kuttenträger virtuos bearbeitete. Ein paar Songs gefielen mir richtig gut, sie waren düster, metallisch und auf den Punkt gespielt und weckten meine Neugier auf die Blaukutten. Man konnte sich zwar schon ein wenig gruseln, aber toll war das streckenweise trotzdem. Was die Burschen wohl künstlerisch ausdrücken wollen? Allein schon das Schwert auf ihrer MySpace Seite gibt mir Rätsel auf...

Oneida: Noch so eine durchgeknallte Band, die einem die psychedelische Noisekeule um die Ohren haut, bis es kracht. Ich hatte die wilden Hunde aus Brooklyn schon letztes Jahr beim Berlin Festival entdeckt und für gut befunden. CDs (die immer sensationell gute Kritiken bekommen) habe ich von ihnen aber nicht. Sie veröffentlichen beim exzellenten Label Jagjaguwar und sind keine leichte Kost. Diejenigen die ein Nickerchen auf der Festivalwiese halten wollte, wurden unangenehm von den Raubeinen in ihrer Ruhe gestört und auch die Eichhörnchen nahmen Reißaus. Insgesamt harter Tobak, aber allein den Grimassen schneidenden Drummer zu beobachten, war sehr unterhaltsam!

Fotos in Kürze!

Morgen geht es u.a. mit den Fuck Buttons weiter!

Aus unserem Archiv:

Oneida, Berlin, 08.08.09




Sonntag, 10. Januar 2010

Suzanne The Man, Thomas Mery, u.a., Paris, 09.01.10

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Konzert: Thomas Mery, Suzanne The Man
, Julien Pras, Nestor Is Bianca
Ort: Les Troix Baudets, Paris

Datum: 09.01.2010

Zuschauer: etwa 100

Konzertdauer: insgesamt über 3 Stunden




Living In The Ice Age sangen Warsaw schon im Jahre 1977 und selten passte dieser Titel, der auf dem Weg auf meinem Kopfhörer läuft, besser als in diesen ersten Januartagen 2010. Mann ist das grimmig kalt, brr! Natürlich sehen die Pariser nicht aus, wie die Leute auf den ersten Seiten der Bild Zeitung, wo auf reißerische Weise Männer abgebildet werden, denen der lange Bart weiß eingefroren ist, als seien sie gerade auf einer Expedition durch die Antarktis, aber das Gesicht vor den eisigen Winden zu schützen, ist auch an der Seine-Metropole angesagt.

Wie wärmt man sich da am besten auf? Geht man in einen der unzähligen liderlichen Sexshops, die es in der Pariser Pigalle-Gegend gibt, wie Schuppen auf den Haaren? Oder lässt man sich lieber von melancholischer Musik berieseln, die im altehrwürdigen Trois Baudets gespielt wird? Ich entscheide mich ohne lange zu überlegen für die zweite Alternative, muss aber vor lauter Sexshops, die meinen Weg pflastern, aufpassen, dass ich nicht an dem Theater vorbeilatsche.*

Im Trois Baudets angekommen, sehe und höre ich noch die letzten zwei Lieder des Franzosen Thomas Mery, der als erster von insgesamt vier Künstlern auf die Bühne geschickt worden war. Irgendwie muss ich an den Spruch von Christina denken, die einmal äußerte, daß alte Männer, die traurige Lieder alleine auf der Akustikgitarre vortragen, nichts für sie seien, aber so richtig passt dieses Statement hier nicht. Denn Thomas Mery macht zwar in der Tat seit 10 Jahren Musik und hat damals mit einer Band und nun solo schon einige Alben veröffentlicht, aber alt ist er natürlich nicht. Außerdem mag ich traurige Akustikmusik. Könnte ich Gitarre spielen und singen, ich würde auch Klagegesänge darüber anstimmen, daß meine rechte Schulter seit Jahren höllisch schmerzt. "This fucking pain, I can't stand it any longer", so etwas ähnliches würde ich vermutlich singen. An Klagegesänge erinnern auch die Chansons von Thomas. Aber seine in moll gehaltenen Kompositionen werden nie laut, nie aufdringlich. Stattdessen herrscht eine kontemplative, nachdenkliche Atmosphäre. Er singt auf französisch und englisch, manchmal, wie bei seinem letzten Lied, bei dem er von einem Klarinettisten bekleidet wird, sogar beides gleichzeitig. Ich mag den Singer/Songwriter, seine Lieder haben trotz der traurigen Atmosphäre etwas Tröstliches.

Im Anschluß sind zwei Frauen am Start. Suzanne Thoma und ihre Cellistin Sonia Cordier. Gemeinsam nennen sie sich Suzanne The Man. Die beiden habe ich Ende 2009 schon einmal gesehen und war sehr angetan. Auch heute abend gefällt mir das gut halbstündige Set ausgezeichnet. Suzanne verfügt über eine wunderbare Folkstimme mit leicht jazziger Note und ein feines Guitarpicking und die Cellistin spielt einfach traumhaft schön und besticht durch tolle Backgroundgesänge. Alles hier ist harmonisch, gediegen, voller Klasse und Anmut. Die perfekte Musik für einen kalten Winterabend, vor allem wenn man sie wie im Trois Baudets in einem unglaublich bequemen roten Sessel genießen kann. Fehlt eigentlich nur ein Glas Rotwein und ein knisterndes Kaminfeuer und der Himmel auf Erden wäre perfekt! Aber auch ohne Wein und Feuer ist das Ganze berauschend. Die beiden spielen Stücke, die demnächst auf einem Split-Album namens Let's Burn erscheinen werden. Mein Favorit darauf wird Leaves Clap Your Hands sein, auf dem die samtweiche Stimme von Suzanne besonders gut zur Geltung kommt. Aber auch How The Owl Sang Last Night ist traumhaft schön und ich würde mich sehr wundern, wenn die charmante Französin mit dem internationalen Hintergrund (Mutter Kanadierin, Vater Österreicher) nicht noch wesentlich bekannter würde.

Als dritter geht Julien Pras ins Rennen. Noch so ein alter Mann mit traurigen Songs auf der Akustikgitarre. Ach Quatsch! Ich kannte ihn bisher nicht. Denke ich zumindest. Erst hinterher erfahre ich, daß er vorher Sänger bei der famosen, aus Bordeaux stammenden Band Calc war, von denen ich CDs besitze. Platt formuliert ist Julien Pras die französische Antwort auf Elliott Smith. Die Ähnlichkeit der Stimmen und des Gesangsstiles ist verblüffend. Und Julien entpuppt sich erfreulicherweise nicht nur als schwacher Abklatsch, des Amis, sondern begeistert mich mit seinernzerbrechlichen Titeln und seinem guten Gitarrenspiel. Songs wie The Sweets Fall hätten auch auf XO oder Either/Or drauf sein können, aber da der einzigartige Elliott leider tot ist, nehme ich die Sachen von Julien sehr gerne als Ersatz. Eine tolle Entdeckung! Franzosen, die 2010 auf ein Konzert von Emily Jane White gehen, werden ihn bald im Vorprogramm genießen dürfen, sein Album Southern Kind Of Slang wird am 1. März erscheinen.

Am Ende spielen dann noch Nestor Is Bianca, aber da fallen mir fast schon die Augen zu. Eigentlich schade, denn die mehrköpfige französische Band hat ihren ganz eigenen Stil, mit Saxophon/Klarinette, einem alten analogen Keyboard aus den 70ern und Anleihen an Free/Jazz, Noise und Postrock.



* nicht weil ich in so einen liderlichen Schuppen reinwill, sondern weil ich bewußt geradeaus gucke, um die fiesen Dinger und die Animiertypen davor nicht zu sehen. Deshalb die Gefahr, am Trois Baudets vorbeizulaufen...




 

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