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Sonntag, 15. Februar 2015

Motorama, Straßburg, 14.02.15

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Konzert: Motorama
Ort: La Laiterie, Straßburg (kleiner Saal)
Datum: 14.02.2015
Dauer: Motorama knapp 70 min, The Grand Bay gut 40 min
Zuschauer: ca. 200 (voll) 



Wie unterschiedlich doch zwei Konzerte der gleichen Band mit den gleichen Liedern innerhalb weniger Tage sein können! Waren Motorama am Mittwoch in Esch-sur-Alzette zwar gut (weil sie Motorama sind!), durch miesen Sound aber arg beeinträchtigt, war das Konzert im kleinen Saal der Laiterie in Straßburg am Samstagabend überragend gut!

Der Auftritt im Elsaß war der letzte der kleinen Release-Tour zum dritten Album Poverty. Die Band aus Rostow am Don hat live einige Besetzungsänderungen seit ihrer Gründung vorgenommen, seit ich sie kenne war bisher aber immer Bassistin Irene Parshina dabei. Bei dieser Tour macht die Frau des Frontmanns Vladislav Babypause. Ende des Jahres sei sie wieder bei Konzerten dabei. Durch die schrecklich schlechte Abmischung in der Rockhal vor ein paar Tagen hatte ich den Eindruck, daß die Notlösung der Band, eine der Gitarren zu streichen und die Bassparts von Vlad und Gitarrist Maxim abwechselnd übernehmen zu lassen, eben wirklich eine Notlösung wäre. Es war gut, bei weitem aber nicht so brillant wie vorherige Konzerte. Nur fehlte mir in Luxemburg nicht die zweite Gitarre, mir fehlten alle. Denn ausgerechnet dieses Instrument war deutlich zu leise. 

In der Laiterie klangen Motorama besser denn je. Bei meinen meisten Konzerten der Russen war die Stimme von Vlad kaum zu hören. Der Sänger selbst mag es nicht, wenn er zu laut klingt. Also ist sein Gesang meist so leise, daß man ihn hinter den anderen Instrumenten nur schemenhaft mitbekommt. Das passt natürlich zum Stil der Band, ist aber trotzdem schade. Hier passte alles. Vlad war gut zu verstehen, die Gitarre war glasklar, Keyboard und Schlagzeug nicht zu laut. Es klang wie eine Band, nicht wie einzelne Instrumente. 

Die Setlist unterschied sich kaum von der vom vergangenen Mittwoch. Motorama stellten ihr drittes Album vor, also spielten sie auch alle Songs der Platte. Ich fand Poverty anfangs schwächer als die beiden Vorgänger. Vielleicht ist es das wirklich, allerdings gefallen mir alle Lieder mittlerweile enorm gut, ich brauchte ihre Liveversionen, um ihre Großartigkeit auch auf Platte zu erkennen. Wenn das funktioniert, ist das ein besonderes Gütemerkmal einer Band.

Einige der neuen Stücke spielen Motorama deutlich schneller als auf Platte. Wenn die Musik auf den Album wunderschön, manchmal aber auch eine Spur behäbig ist, sind Motorama-Konzerte das Gegenteil (wobei ich nicht so genau weiß, was das Gegenteil von behäbig ist). Die besten der neuen Titel... ach, eigentlich sind sie ausnahmslos großartig. Ich mag neben dem herrlich repetitiven Write to me Old wahnsinnig gerne. Das Lied hat live einen viel längeren Instrumentalstart, auf dem Album fängt ganz unvermittelt der Gesang (von Alkohol und Zigaretten) an. Aber auch alle anderen sind fabelhaft! 

Die unterschiedlichen Liveversionen der Stücke bereiteten auch dem Sänger der Vorgruppe kleinere Probleme. Er stand eine Weile neben mir und versuchte einen Titel zu shazamen, ohne Erfolg. Bei Madonna-Konzerten mag das gehen, bei Motorama nicht (es war Heavy wave!).

Die einzige Abweichung in der Setlist war die zweite Zugabe. Statt Scars war das Anchor von einer der frühen EPs (Horse). Neben den üblichen Verdächtigen (Alps, Rose in the vase, To the south) war Special day das beste Stück des Abends. Special day ist die B-Seite von der Single She is there. Und das spricht nicht gegen das restliche Repertoire der Band, es spricht für die unglaubliche Qualität, solche Knüller auf der Rückseite einer Single zu verstecken!

Vlads herrlichen Tanzstil kenne ich bereits von früheren Konzerten. Neu waren mir zwei wundervolle andere Marotten des Sängers. Bei Lottery sang bewegte der blonde Mann seinen Kopf beim Singen rechts und links am Mikro vorbei, immer hin und her. Viel Effekt hatte das scheinbar nicht, es sah aber sehr schrullig aus. Und bei Write to me am Ende vor den beiden Zugaben, bei dem er keine Gitarre spielt (und Maxim Bass), baute Vladislav nach und nach mindestens zwei der Schlagzeug Mikros ab und sang auch in die! 

Ich habe dieses Jahr noch nicht viele Konzerte gesehen, dieses wäre aber auch das bisher beste, wenn es bereits Nummer dreißig gewesen wäre. Es war mittlerweile schon mein achtes Mal Motorama (Himmel hilf!) und ich freue mich schon jetzt auf die nächsten im Mai, wenn die Band wieder nach Deutschland kommt (Termine weiter unten!).

Vor Motorama spielte eine unterhaltsame Vorgruppe aus Straßburg ein immerhin vierzigminütiges Programm. "Aus Straßburg" ist allerdings irreführend. Sänger Lukass ist Lette, in Münster geboren und aufgewachsen und lebt und studiert in Straßburg. Er kam mit einem Bassisten auf die Bühne und sang das erste Lied von E-Gitarre begleitet in seiner Muttersprache. Das Stück klang ein wenig nach Daughter, fand ich (war also toll!). Danach kam zum nächsten Lied ein Schlagzeuger dazu und Lukass spielte Keyboard. Beim nächsten Lied stieß ein Rapper* (The Thinker) dazu. Es war ein sehr breiter Stilmix der Band (The Grand Bay), der war aber unterhaltsam. Auch Lukass selbst rappte bei einem Stück. Aufnahmen gibt es wohl noch nicht. Überregionale Konzerte auch nicht, bisher trat die Band nur in Straßburg auf. Auch wenn The Spectors als letzter Motorama-Support unerreicht blieben, war der Aufritt von The Grand Bay gar nicht verkehrt und kam hervorragend an!

Setlist Motorama, La Laiterie, Straßburg:

01: Impractical advice
02: Corona
03: To the south
04: Dispersed energy
05: She is there
06: Red Drop
07: Heavy wave
08: Lottery
09: Rose in the vase
10: Old
11: Similar way
12: Special day
13: Ghost
14: Alps
15: During the years
16: Write to me

17: Eyes (Z)
18: Anchor (Z)

Tourtermine Motorama im Mai:
 

13.05. Wiesbaden: Schlachthof 
14.05. Hamburg: Molotow 
15.05. Berlin: Magnet 
16.05. Dresden: Beatpol 
17.05. Jena: Café Wagner 
18.05. Münster: Gleis 22 
19.05. Nürnberg: K4 Zentralcafé 
20.05. Köln: Blue Shell 
21.05. Oberhausen: Druckluft

Links:

- aus unserem Archiv:
- Motorama, Esch-sur-Alzette, 11.02.15
- Motorama, Frankfurt, 03.06.14
- Motorama, Luxemburg, 26.02.14 
- Motorama, Paris, 13.12.13
- Motorama, Köln, 25.09.13
- Motorama, Paris, 19.09.13
- Motorama, Wiesbaden, 06.03.13
- Motorama, Wiesbaden, 06.03.13
- Motorama, Esslingen, 05.03.13
- Motorama, Paris, 25.02.13
- Motorama, Paris, 27.11.12

* le rappeur (oder so) 

- mehr Fotos später!




Montag, 4. März 2013

Local Natives, Straßburg, 02.03.13

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Konzert: Local Natives
Ort: La Laiterie, Straßburg
Datum: 02.03.2013
Zuschauer: etwa 200, gut besucht, nicht ganz ausverkauft


von Claudia aus Stuttgart


Nun gut, Aaron Dessner von The National - hat wie schon mal erwähnt - seine Finger im Spiel. Da liegt es nahe, dass ich mal wieder größere Fahrten auf mich nehme. Und auf dem ATP hatten die Jungs aus der Nähe von Los Angeles auch schon mal überzeugt. Perfekt passte aber auch, dass das am nächsten an der Heimat gelegene Konzert der Local Natives auf einen Samstag fiel und dazuhin der kleine Saal der Laiterie einer der schönsten Veranstaltungsorte ist, den ich kenne. Das Ganze ließ sich also wunderbar mit einem Ausflug ins Nachbarland verbinden und nachdem wir ein perfekt fußläufig zur Laiterie gelegenes, recht erschwingliches Hotel ausfindig gemacht hatten, wurde ein kompletter Wochenendausflug daraus, auf dass auch das zweite Glas elsässischer Riesling noch voll und ganz genossen werden konnte. Beim Packen arbeitete sich die Sonne zum allerersten Mal seit gefühlten 5 Monaten mal wieder durch das Einheitsgrau, so dass mir in letzter Minute einfiel, noch unbedingt nach der verschollenen Sonnenbrille zu fahnden. Herrlich trotz Kälte, aber bei strahlend blauem Himmel und auch später nach Einbruch der Dunkelheit – dann eher ohne Sonnenbrille - durch das schöne Straßburg zu bummeln.


Natürlich waren wir aber schon ganz primär wegen Local Natives angereist. Als wir die Laiterie gegen 20 nach 8 betraten, waren die Haken bei der Kleiderabgabe bereits sehr gut gefüllt. So auch der doch eher winzige Saal, aus dem eine zauberhafte weibliche Stimme zu hören war. Einer der Vorteile dieses Ortes ist die Tatsache, dass der Raum eher in die Breite als in die Tiefe geht und dass sich der Haupteingang im vorderen Teil befindet, so dass man beim Reingehen praktisch fast vor der Bühne landet. Wir haben uns fairerweise aber erst mal ein Stückchen weiter nach hinten gestellt und uns umgehend von der Vorband aus London mit Namen „Wall“ gefangen nehmen lassen. Auch das restliche Publikum schien recht angetan zu sein. Es herrschte angenehme Ruhe im Saal und alle schenkten der elfenhaften Engländerin mit dem Gänseblümchenhaarreif ungeteilte Aufmerksamkeit. Der Sound, der ohne Schlagzeug auskam und viel Elektronik beinhaltete, erinnerte entfernt an The XX, vielleicht nicht ganz so minimalistisch, wobei Lyla Foys zarte Stimme dann auch wieder gar nicht mehr zu dieser Assoziation passte. Stimmlich musste ich eher an Enya denken, die Freundin an Nina Persson. Für Anfang April ist das Debutalbum angekündigt und nach den ersten Eindrücken könnte sich das möglicherweise lohnen. Sehr schön auch das Cover des steinalten Supremes-Songs „Where Did Our Love Go“, in einer erfrischend modernen, elektronisch unterlegten 2013er Minimalversion.


In der relativ kurzen Umbaupause war dann deutlich zu vernehmen, dass sich noch ein paar andere Landsleute über die Grenze gewagt hatten. Vor uns wurde fröhlich über Indiemucke und anstehende Festivals gefachsimpelt.

Wie auch Ihr neues Album „Hummingbird“ eröffneten die Local Natives ihren Teil des Abends mit „You & I“, einem Lied, das ich etwas schwierig finde, da ich mich mit männlichen Kopfstimmen einfach nicht richtig anfreunden kann, obwohl das Lied, versuchsweise objektiv gesehen, vermutlich einen ganz passablen Opener abgibt. Es wird in jedem Fall sofort klar, dass das hier ein richtig gutes Konzert geben würde: Zwei Gitarren, Bass, Keys und quasi eineinhalb Schlagzeuge, dazu bis in die Haarspitzen motivierte Musiker, die Ihren druckvollen Psychfolk mit einer wuchtigen Energie in fulminanten, gut ausgesteuerten Klangteppichen über die weiterhin sehr aufmerksame Zuhörerschaft ausbreiten und wohl so ziemlich jeden im Raum mitnehmen. Nachdem sich Aaron Dessner als Produzent der Platte hervorgetan hat und auch sein Garagenstudio zur Verfügung gestellt hatte, klingt der ureigene Dessner-Sound an der einen oder anderen Stelle durch. Die erste Single „Heavy Feet“ erinnert mich tatsächlich stark an „The National“. Was - zumindest mir - beim Hören der Platte gar nicht bewusst wurde, wie sich Bon-Iver-Lookalike Kelsey Ayer und Schnauzerträger Taylor Rice gesanglich permanent ergänzen und auch abwechseln. Auch der zweite Gitarrist Ryan Hahn und (Tour?-)Bassist Nik Ewing drängt es an die Mikrophone. Kelsey Ayer bedient neben seinem Keyboard fast durchgängig die zweiten Drums. Die Verstärkung ist deutlich hörbar. Die Drumarrangements klingen auch schon auf den beiden Alben phantastisch, was natürlich auch an den Qualitäten von Hauptdrummer Matt Frazier liegen dürfte, der absolut überwältigende Rhythmen beisteuert. Die Energie auf der Bühne wird noch dadurch verstärkt, dass nicht nur ab und zu Instrumente, sondern auch Plätze gewechselt werden und die Instrumente auch sonst mit vollem Körpereinsatz bedient werden. Es klingt phänomenal gut. Beim wunderschönen „Mt. Washington“ muss ich immer an „Transatlanticism“ von DCFC denken, obwohl natürlich auch dieses ruhigere Lied eine ganz andere Dynamik hat als Ben Gibbards. Viele Ansagen machen die Kalifornier nicht. Ganz am Anfang kommt ein gehauchtes Merci, ansonsten beschränkt man sich auf die eine oder andere Liedansage und macht das, was man am besten kann. Zehn der Songs stammen natürlich von der betourten Platte. Da es nur ein weiteres Album gibt, kommt auch der Vorgänger „Gorilla Manor“ nicht zu kurz.


Insgesamt ganz großes Kino. Ein herrlicher Ausflug, der sich in jeder Hinsicht gelohnt hat. Ich würde vermutlich auch noch ein zweites Mal für zwei Stunden ins Auto steigen, um Local Natives live zu sehen und zu hören. Für den Herbst sind bereits ein paar weitere Deutschlandtermine bestätigt. Ich kann nur wärmstens empfehlen, einen davon wahrzunehmen. Sehr positiv fiel uns auch das eher jüngere, aber unglaublich aufmerksame Publikum auf. Sollte das eine typisch französische Konzertgängereigenschaft sein, bin ich auf Olivers Standort noch ein bisschen neidischer, auch wenn mich die Qual der Wahl in Paris schlicht erschlagen würde. Ich werde meinen Radar in Zukunft jedenfalls noch ein bisschen intensiver auf die Laiterie richten.

Setlist Local Natives, La Laiterie, Straßburg:

01: You & I 
02: Breakers 
03: Wide Eyes 
04: Black Balloons 
05: Heavy Feet 
06: Ceilings 
07: Warning Sign (Talking Heads Cover) 
08: Mt. Washington 
09: Colombia 
10: World News 
11: Airplanes 
12: Bowery 

13: Wooly Mammoth (Z)
14: Who Knows, Who Cares (Z)
15: Sun Hands (Z)


Black Cab Sessions - WALL from Black Cab Sessions on Vimeo.




 

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