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um
17:16
Konzert: Schnipo Schranke
Ort: Hotel Shanghai, Essen
Datum: 23.10.2015
Dauer: 70min
Zuschauer: ca.150
Das Hotel Shanghai ist einfach ein toller Ort. Viele Jahre ist es her, das mit dem alten Namen "Kalei" Rockmusik der härteren Gangart geboten wurde. Seit Jahren ist das Shanghai nun schon Anlaufstelle für diverse Elektro-Partys und DJ-Sets im Ruhrgebiet. Die spröde Schönheit des Ladens hat kaum gelitten, fast wirkt es wie eine kleine Schwester der legendären Königsburg in Krefeld, mit seinen kleinen Nischen und liebevollen Details.
Auch Live-Konzerte stehen nun wieder auf dem Programm, ein schöner Beginn in den Abend auch für die eigentlich Tanzwütigen, die den Abend erst später beginnen würden. Mit Schnipo Schranke spielte im Shanghai die (neben den "Nerven"-siehe Bericht aus Bonn) zur Zeit vielleicht interessanteste Band aus Deutschland.
Völlig überraschend war der Song mit dem einfachen Namen "Pisse" ja letztes Jahr von der Intro-Redaktion bereits zum "Song des Jahres" gewählt worden, was den ein oder anderen zunächst an den youtube-Player getrieben haben dürfte. Was dort zu sehen war, gab allerdings doch Anlass zu noch größerer Verwirrung. War das jetzt witzig, ernst oder ironisch, kann man sowas machen..oder ist es einfach nur doof ?
Daher waren die Fronten ziemlich schnell geklärt. Eine Band für Grautöne wird Schnipo Schranke hoffentlich nie werden. Schön zu hören war allerdings, das die Stücke auf dem Album viel mehr boten als Provokationen. Im Gegenteil, viele Texte waren einfach, aber genial. In ihrer Direktheit natürlich völlig anders als bei den "Nerven" oder "Tocotronic". Aber gerade das machte es neu und aufregend.
Wie hier zwei junge Frauen einem, in doch zumeist (hoffentlich) fiktiven Songs ("Schrank" ist einfach großartig) praktisch ins Gesicht springen, ist neu. Auf der Bühne bilden sie ein Trio, die Instrumente werden locker getauscht, alles ist herrlich kumpelhaft und locker.
Das muss man mögen, wer gerne Stars auf der Bühne sehen möchte, ist hier falsch. Die Ansagen sind witzig, das Publikum keift kräftig mit und bricht so leider manchmal den Fluss des Vortrags.
Alle kleinen Hits werden gespielt, "Cluburlaub" und "Ich küss dich tot.." werden gefeiert. Leider werden auch hier wieder, die für mich eher schwächeren Stücke "Störenfried" und "Harry Potter" erst am Ende gespielt. Aber das ist bei erst einem Album zu verzeihen.
Songs über die Liebe gibt es ja eigentlich genug, Schnipo Schranke beschreiben meistens aber das Scheitern der Liebe und dies mit viel Humor.
Hoffen wir, das dieses textliche Talent auch bei weiteren Songs erhalten bleibt. Vor allem aber, dass sich der Charme mit der Zeit nicht abnutzt, wenn die Hallen größer und die Tourneen länger werden. Für diesen Abend war es eine toller Einblick in das Schnipo Universum. Mehr davon.
um
22:35
Konzert: Schnipo Schranke & Zucker
Ort: King Georg, Köln
Datum: 28.08.2014
Dauer: Schnipo Schranke 42 min, Zucker 30 min
Zuschauer: ziemlich wenige (die standen aber alle direkt vor mir)
2012 hatte ich bei einem Sterne Konzert in Frankfurt leider nur noch den Rest der Vorgruppe mitbekommen. Leider, weil mich Zucker aus Hamburg, zwei junge Frauen, sehr überzeugten! 2013 sah ich die Band wieder als Vorgruppe im King Georg in Köln, und auch da gefielen mir Zucker sehr. Natürlich wollte ich mir da ihren nächsten Vorgruppen-Job im King Georg nicht entgehen lassen. Die Hamburgerinnen sollten vor einer Band namens Schnipo Schranke auftreten, von der ich noch nie gehört hatte. Angeguckt hätte ich die mir vermutlich auch nicht, aber ich war ja nun schon mal da und hatte einen ganz guten Platz.

Zucker waren toll, spielten sechs Lieder in ihrem 30 minütigen Set. Alles toll! Aber das Konzert danach - das, das ich gar nicht sehen wollte - überstrahlte das (und die meisten anderen Konzerte, die ich 2014 gesehen habe) bei weitem. Schnipo Schranke sind Daniela Reis und Friederike Ernst. Die beiden nahmen um zwanzig vor zehn hinter Keyboard und Schlagzeug Platz und begannen das erste Stück. Mit Blockflöte.
Die Melodie des ersten Lieds Herzinfarkt war sehr schön, die Stimmen toll, die Flöte am Anfang großartig. Und dann gab es die ersten "das haben die gerade nicht gesungen" - Momente. Alles wirkte so harmlos nett, wie schöner, sehr eingängiger (im besten Sinne) Pop. Und Zeilen wie "du bist das Schlemmerfilet unter den Fischen" passen dazu. "Du hast mir gezeigt, daß es egal ist, wenn man liebt, schmeckt der Kopf nach Füße und der Genitalbereich nach Pisse" in einem Lied mit Toy-Piano (Pisse) eigentlich nicht. Alles, was nach bewußter Provokation der Aufmerksamkeit wegen wirkt, schreckt mich sofort ab. So was verdeckt nämlich üblicherweise musikalische Schwächen. Beim kurzen Schnipo Schranke Konzert war das komplett anders. Ob Kalkül oder nicht, egal! Die Stücke - alle Stücke - des Auftritts waren überragend gut, die Debütplatte der beiden Frauen, die hoffentlich 2015 erscheint, wird wundervoll, auch wenn das vielleicht nicht das richtige Wort ist.

Am Anfang des Konzerts gab es kurze technische Probleme. Die Stimmen der beiden waren zu leise. Nach dem zweiten Lied entstand dadurch eine kurze Pause, die Bandbegleiter Ente zu einem kurzen Toy-Piano-Solo nutzte. Der Musiker, der auch eine kleine Rolle im Pisse-Video spielt, stimmte die Wickie-Melodie an. "Mehr kann ich nicht!" Allerdings spielte er auch bei Pisse das Mini-Klavier.
Wäre ich nach Zucker gegangen, hätte ich ein tolles Konzert gesehen, ein großartiges aber verpasst! "Ich lieb dich nicht ein bißchen, ich lieb dich übertrieben."
Setlist Schnipo Schranke, King Georg, Köln:
01: Herzinfarkt
02: Schrank
03: Ja nun
04: Cluburlaub
05: Ich küss dich tot
06: Scherz
07: Intensiv
08: Pisse
09: Gute Reise
10: Ich lieb dich
11: Fun, fun, fun (Z)
Links:
- Zucker, Frankfurt, 08.11.12