Posts mit dem Label Mac Demarco werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Mac Demarco werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 27. Mai 2014

Goldfrapp, Köln, 23.05.14

1 Kommentare

Konzert: Electronic Beats Festival mit Goldfrapp, Jon Hopkins, Mac DeMarco, Vimes
Ort: E-Werk Köln
Datum: 23.05.2014
Dauer: Goldfrapp ca. 60 Minuten, Jon Hopkins ca. 60 Minuten, Mac DeMarco ca. 40 Minuten, Vimes ca. 30 Minuten
Zuschauer: ca. 2000 (ausverkauft)




Dieses Jahr an Ostern schenkte mir mein Freund eine Karte fürs Electronic Beats Festival in Köln. Das ist normalerweise nicht ganz meine Geschmacksrichtung, aber in diesem Fall hieß der Headliner Goldfrapp. Dennoch war ich etwas besorgt: Würden wie die einzigen Gäste über 20 sein? Für das "Festival" waren fünf Bands vorgesehen, dazwischen sollten DJs auflegen. Würden Goldfrapp vielleicht zwischen 4 und 5 Uhr morgens auftreten? Und was machte diese Band, deren letztes Album "Tales of Us" an getragener Ruhe kaum zu überbieten war, eigentlich bei einem Festival, dessen Ziel doch sicherlich war, dass alle Besucher so richtig schön verschwitzt abtanzen?




Bei unsere Ankunft am E-Werk wurden wir zunächst mit der Information konfrontiert, dass die Band Milky Chance, auf den Plakaten die wichtigste Band nach Goldfrapp, hatte absagen müssen. Nachdem ich Milky Chance überhaupt nicht kenne, konnte ich ihren Verlust durchaus verschmerzen, ich begrüßte ihn sogar, wenn das bedeutete, dass ich am Abend nach einem Arbeitstag vor 4 Uhr ins Bett kam ...

Der Einlass am E-Werk erwies sich als durchaus Festival-mäßig, man wurde nämlich aufs Genaueste auf Essen und Getränke durchsucht. Während vor uns einer jungen Frau nicht nur eine halbe Tüte Kekse abgenommen wurde, sondern sie auch genötigt wurde, eine noch vorhandenes halbes Käsebrötchen noch schnell hektisch aufzuessen, oder es ebenfalls wegwerfen zu müssen. Beim nächsten Versuch, die Einlasskontrolle zu passieren, wurde sie ganz im Ernst gefragt "Du hattest doch vorhin noch einen Kaffee...?". Ich nehme an, die Besucherin hatte ihn ganz durchtrieben in ihrem Magen versteckt.



An einer richtigen Bändchenausgabe bekamen wir neben unseren "Festivalbändchen", die als Möglichkeit genutzt wurden, dem auch sonst allgegenwärtigen Sponsor T-Mobile noch etwas mehr Werbefläche zu bieten, Gutscheine für ein noch nicht terminiertes Ersatzkonzert von Milky Chance. Ob ich dort wohl hingehen werde? Während an diesem lauen Frühsommerabend der Biergarten des E-Werks gestopft voll war - man konnte Grillwürstchen kaufen, natürlich Getränke konsumieren und sich außerdem Hipsterbeutel bedrucken lassen - war der Innenraum noch ziemlich leer, obwohl der Auftritt von Vimes bereits im Gange war.



Das Kölner Duo war auf der Bühne ein Trio und machte, soweit ich das anhand der vielleicht drei Lieder, die wir mitbekamen, beurteilen konnte, recht angenehmen Synthie-Pop. Als nächstes kam, nach einer kurzen Pause, während der DJs auf einem Balkon elektronische Musik auflegten, Mac DeMarco. Den kanadischen Künstler hatte ich ebenfalls vor diesem Abend überhaupt nicht gekannt, ließ mir aber von meinem Freund versichern, er werde im Moment extrem gehyped.

Spätestens jetzt wurde auch klar, dass man beim Booking den "Electronic Beats"-Titel des Festivals nicht nur bei Goldfrapp ein wenig beiseite gelassen hatte. DeMarco, der mit Band auftrat, aber eigentlich ein Solokünstler ist, macht eher Slackerrock, der zudem auch noch ausgesprochen un-elektronisch klingt.


So richtig verstanden habe ich diesen Auftritt, denke ich, nicht. Wie so oft momentan erschien alles, von der 90er Jahre-Frisur des Künstlers über den "Jurassic Park"-Truckerhut des Gitarristen bis hin natürlich zur Musik so wahnsinnig ironisch, dass es mich nervte. Beim ersten Song riss DeMarco eine Gitarrensaite, was er damit kommentierte, dass es schon bizarr sei, dass ihm das ausgerechnet beim Electronic Beats Festival passieren würde. Der Gitarrist überbrückte das Aufziehen einer neuen Saite mit einer angeblich selbst verfassten und absichtlich schlecht gesungenen Power-Ballade, bei der es sich um "Yellow" von Coldplay handelte.


Zwischen den gespielten Songs geizte DeMarco nicht mit ironischen Zwischenansagen, die den Kontrast zwischen der recht sanften Musik und der Rampensau-Persönlichkeit des Künstlers unterstrichen. Das war sicher auch ironisch. Ebenfalls auffällig waren seine kurzen Lacher und seine markante Zahnlücke. Mit "Still Together", das frappierend an "The lion sleeps tonight" erinnerte, endete das Set nach 10 Titeln und rund 40 Minuten.


Setliste Mac DeMarco, Köln:
01: Salad Days
02: The Stars Keep On Calling My Name
03: Blue Boy
04: Treat Her Better
05: Cooking Up Something Good
06: Let Her Go
07: I'm A Man
08: Ode To Viceroy
09: Chamber of Reflection
10: Still Together


Endlich Zeit für Goldfrapp. Beim Aufbau wurden jede Menge völlig unelektronische Instrumente auf die Bühne getragen, beispielsweise ein Kontrabass und eine Mandoline. Alles wurde ganz exakt vorbereitet, etwa das Mikrophon ganz genau auf Alisons (vermutete) Höhe eingestellt, Scheinwerfer und Windmaschinen millimetergenau auf sie ausgerichtet sowie ein Sortiment von Wasser und heißem Tee bereit gestellt. Man bekam den Eindruck, dass die Band Wert auf Präzision legt und diese auch beim Personal durchsetzt.


Bei Auftrittsbeginn fand sich eine ganze Gruppe von Musikern ein, allerdings nicht die weniger berühmte Hälfte des Duos, Will Gregory, der anscheinend an den Liveauftritten seines Projekts nicht mehr teilnimmt. Stattdessen gab es einen Gitarristen, einen Schlagzeuger, einen Bassisten, der auch den Kontrabass spielte, eine Keyboarderin, die auch die Mandoline und Geige spielte sowie eine zusätzliche Dame an einem anderen Keyboard, die als Alternativinstrument auch ein Umhängekeyboard aus der Thomas Anders-Gedächtniskollektion dabei hatte. Wie es sich für eine Diva gehört, betrat Alison die Bühne erst, als alle und alles fertig waren. Sie trug einen eigentlich schlichten schwarzen Anzug, dessen gewaltige Schulterpolster und ausladende Ärmel sie jedoch wirken ließen, als hätte sie einen Umhang oder auch Flügel.

Bei Alison Goldfrapp muss man immer auch ein wenig Angst haben, dass ihr etwas nicht passt, und nachdem es bei Mac DeMarco in meiner Umgebung einige laute Idioten gegeben hatte, war ich bereits etwas in Sorge, dass es vielleicht angesichts der ruhigen Goldfrapp-Musik zu unschönen Szenen (mit entsprechenden Gegenreaktionen von der Bühne) kommen könnte. Es geschah aber nichts dergleichen, zumindest in meiner Umgebung herrschte nichts als gebannte Aufmerksamkeit, und Alison war anscheinend auch gut aufgelegt.


Los ging es mit einigen neuen Songs - "Drew", "Alvar" und "Clay" vom aktuellen Album, "Yellow Halo" ist ein Bonussong des Singles-Albums von 2012 - die quasi akustisch dargeboten wurden. Die Bühne lag beinahe im Dunkeln, Alisons Stimme beherrschte alles. Nach und nach wurde das Set etwas lebhafter, bis es zu "Number One" beinahe discomäßig wurde und anschließend bei "Train" das Umhängekeyboard zum Einsatz kam. Langsam war auch von den "Electronic Beats" etwas zu hören, denn die Bässe gingen einem mittlerweile durch den ganzen Körper. Auch optisch wurde dies durch den vermehrten Einsatz von Scheinwerfern in unterschiedlichen Farbschattierungen unterstrichen.


Mit dem ebenfalls schnelleren "Ride A White Horse" hätte man die Kollektion schneller, bekannter Songs zum Beispiel mit "Ooh La La" noch erweitern können, stattdessen wurde nun aber mit "Strict Machine" bereits der Song angestimmt, der uns als Abschluss-Lied bekannt war. Es ist ja durchaus üblich, dass Bands bei Festivals mit einer gekürzten Setliste antreten, allerdings ist es dem Headliner normalerweise durchaus möglich, eine Zugabe zu geben. Eine solche erfolgte nicht und im Vergleich zu ihren sonst immer gleichen Setlisten mussten wir auf sechs Titel (darunter "Lovely Head" oder "Utopia") verzichten. Angesichts der Tatsache, dass mit Milky Chance einer der Festival-Acts komplett ausgefallen war, konnte es keine Zeitprobleme geben. Aber es half nichts, das Goldfrapp-Set war, warum auch immer, nach elf Songs leider vorbei.


Setliste Goldfrapp, Köln:
01: Drew
02: Alvar
03: Clay
04: Yellow Halo
05: Little Bird
06: You Never Know
07: Thea
08: Number One
09: Train
10: Ride A White Horse
11: Strict Machine


Anschließend trat noch Jon Hopkins auf, dessen Album "Immunity" 2013 für den Musikexpress die Platte des Jahres war. Nun entwickelte sich der Abend doch noch in die Richtung, die angesichts des Festivalnamens erwartet hatte. Hopkins stand an einem riesigen, vom Publikum aus nicht einsehbaren Pult und erwies sich als unglaublich fleißig. Bei komplett elektronischer Musik gibt es bei Live-Performances ja manchmal das Problem, dass der Künstler nicht viel zu tun hat, aber Hopkins verdiente sich seine Gage, indem er wie wild hinter dem Pult drehte, drückte und ... ja, was auch immer. Er wirkte jedenfalls sehr beschäftig - soweit ich das beurteilen konnte, denn das nun großzügig eingesetzte Strobo-Licht blendete mich doch arg.

Die zahlreichen Videoleinwände, die rund um die Bühne angebracht worden waren, bislang aber wenig Verwendung gefunden hatten, kamen nun auch endlich zum Einsatz. Es half aber alles nichts: Ein paar Songs lang blieben wir noch für diese Mischung aus Ambient und Techno, dann zog es uns zum Auto und nach Hause.

Ich bin froh, dass wir die Gelegenheit genutzt haben, einen der hierzulande seltenen Live-Auftritte von Goldfrapp zu sehen, schade nur, dass der Headliner-Slot zu kurz ausfiel.

Links:

- aus unserem Archiv:
- Goldfrapp, London, 25.06.08
- Mac Demarco, Paris, 02.12.12 

Bilder: Dirk von Platten vor Gericht

Freitag, 21. Dezember 2012

Mac Demarco & Chris Cohen & Arlt, Paris, 02.12.12

1 Kommentare

Konzert: Mac Demarco & Chris Cohen & Arlt
Ort: Le Point Ephémère, Paris
Datum: 02.12.2012
Zuschauer: ausverkauft, also etwa 400



 
Fast schon wieder drei Wochen her, aber viel zu toll um unterschlagen zu werden! Die Konzerte von Arlt und den beiden Captured Track Artisten Chris Cohen und Mac Demarco müssen hier einfach noch erwähnt werden.

Es war ein Abend, der wirklich rundum gelungen war und drei ausgezeichnete Auftritte bot.



Die Franzosen Arlt hatten mit ihren schrägen, auf französisch gesungenen Avantgarde Folk Songs bestens in den Abend eingeleitet. Ich habe 2012 desöfteren von ihnen berichtet und geschwärmt, deshalb beschränke ich mich hier darauf, ihnen ein erneut gutes Konzert zu attestieren.



Dann schon Chris Cohen. Nicht der Sohn von Leonard, aber ähnlich talentiert. Sicherlich wird er nicht wie sein berühmter Namensvetter riesige Hallen füllen, aber um einer der am heißesten gehandelten Namen in Indiekreisen 2012 zu werden, reichte es dann aber doch. Dabei hat der bis dahin eher als Teamplayer fungierende Kerl ( ) sage und schreibe 10 Jahre gebraucht, um endlich sein erstes Soloalabum namens Overgrown Patch zu veröffentlichen. Nicht wenige sehen in dem Opus das Album des Jahres und auch ich bin nach anfänglichen Gähnattacken schwer angetan von diesem Longplayer. Es ist ein äußerst subtiles, unaufdringliches Machwerk, mit kleinen feinen Melodien, einer sonnendurchtränkten California Atmosphäre und einem Gesang, der mit seiner Sanftheit begeistert. Ein Grower vor dem Herrn im Übrigen, den ich aber vor dem Konzert noch nicht kannte.



Der Auftritt im Point Ephémère wusste dann ebenfalls zu gefallen, wenngleich Chris schon beim ersten Lied das Mikro von seiner Verankerung rutschte, was einer der Bandmitglieder von Mac Demarco geistesgegenwärtig dadurch löste, daß er das Ding 4 Minuten lang vor den Mund von Herrn Cohen hielt. Eine witzige Szene, die die Stimmung sofort etwas auflockerte.


Live tritt Chris Cohen zusammen mit drei Musikern auf. Er selbst sitzt am Schlagzeug und singt und diese Doppelaufgabe löste er dann ab Lied zwei mit festgezurrtem Miro auch bestens. 

Die zeitlosen Songs seines Albums gaben sich die Klinke in die Hand. Da hörte man noch einmal wunderbare Nummern wie Caller No. 99. Monad oder Optimistic High. Das war bester psychedelisch angehauchter 6o ies Pop, der so lässig und nonchalant rüberkam, daß es eine wahre Freude war. Wenn Retro immer so gut klingen würde, wäre die Welt eine schönerer Ort, wirklich war.




Die Band selbst schien ebenfalls Freude am Musizieren zu haben, agierte ansonsten aber eher diskret und zurückhaltend, was wiederum der gespielten Musik ziemlich perfekt entsprach.

45 Minuten- 50 Minuten ging das in etwa so, wir bekamen quasi das gesammte Album des in Vermont lebenden Amerikaners zu hören und hinterher fanden seine Tonträger reißenden Absatz, zu recht!



Dann aber Mac DeMarco und nun war Schluß mit der vornehmen Zurückhaltung. Jetzt wurde rücksichtslos und ständig gerülpst, die Nase hochgezogen und wild aufgespielt. De Marco teilt mit Cohen zwar das Label, hat mit ihm ansonsten aber nicht sehr viel gemein. Er gerierte sich als der typische Lausbub, mit einem breiten Grinsen (das seine Zahnlücke offenbarte), legeren Manieren, viel Durst nach Bier (er trank das fiese französische Kronenburg, das nach Affenpisse schmeckt) und frechen Sprüchen. Die Weiber im Publikum schienen auf ihn zu fliegen, obwohl er selbst schmunzelnd erzählte, daß er immer erfolglos in Amerika die kleinen Asiatinnen angraben würde.


Auch seine Bandkollegen waren unreife Chaoten, aber gerade das machte ihren Charme aus. Mit ihren von Pavement und anderen Slackerbands beeinflussten Songs räumten Demarco und seine Jungs auf der ganzen Linie ab. Das störte es die meisten Leute auch nicht, daß das Gitarrestimmen meistens ewig dauerte, daß der Spielfluss durch kleine Witzchen immer wieder gestört wurde und das Ganze wesentlich ungehobelter und unmelodischer als auf dem recht ruhigen Album klang,  von dem coole Songs wie Cooking Up Something Good, Ode To Viceroy oder My Kind Of Woman  performt wurden.




Der in Montreal lebende Kanadier sprach zwar kein französisch, wusste sich aber bestens verständlich zu machen. Als er gegen Ende in das Publikum sprang und sich auf Händen tragen ließ, flogen ihm die Herzen im Sturm zu. Das nutzte er, um mit Still Together zum Abschluß eine Schnulze hinterherzuschicken. Er gebärdete sich als Crooner mit schrägem Falsettgesang, dem nichts peinlich war.

Als die Kanadier fertig waren, setzte ein Run auf ihre CDs und Platten ein. Selten wurden an einem Abend bei einem Indie-Konzert so viele Tonträger abgesetzt wie hier. Captured Tracks, die auch DIIV in ihrem Katalog haben, scheinen im Moment also alles richtig zu machen.

Ein dufter Konzertabend, an den ich mich sicherlich auch 2013 noch gern erinner werde.







 

Konzerttagebuch © 2010

Blogger Templates by Splashy Templates