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Freitag, 19. März 2010

La Fiancée & Lisa Papineau, Paris, 18.03.10

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Konzert: La Fiancée & Lisa Papineau (Promo Festival Les fêmmes s'en mêlent)

Ort: Fnac Ternes, Paris
Datum: 18.03.2010

Zuschauer: vielleicht 30

Konzertdauer: jeweils etwa 30-40, Interviews zusammen fast eine Stunde



Wenn man ein Indiefestival hochziehen will, bekommt man keine Fördergelder vom Staat, wenn man aber ein Festival mit bereits etablierten (Mainstream)- Künstlern organisiert, fließt die Staatskohle. Logisch? Mitnichten! Dies war aber eine der Kernaussagen, die man dem interessanten Interview zwischen dem Moderator und Stéphane, dem Gründer und Chef des wunderbaren Festivals Les Femme s'en mêlent entnehmen konnte. Er habe teilweise eigenes Geld eingesetzt, um die Veranstaltung zu ermöglichen, erklärte Stéphane und im Jahre 2000 ist das Festival sogar ausgefallen, weil man im Vorjahr einen zu großen Verlust eingefahren hatte. 13 Jahre gibt es nun Les fêmmes s'en mêlent und nach wie vor hat sich an dem Konzept nichts geändert. Förderung von noch recht unbekannten weiblichen Musikerinnen und vereinzelte Verpflichtung von etwas etablierteren Headlinern. In diesem Jahr ist das beispielsweise Soap & Skin. Eine Lady Gaga würde Stéphane aber nie einladen. Zu teuer und musikalisch völlig uninteressant entgegnete er die (seltsame) Frage des Moderators, ob die komische Lady auch ihren Platz auf dem Festival hätte. "Les femmes s'en mêlent" seien ein städtisches, urbanes Festival, bei dem man besonderen Wert auf Intimität und Innovation legen würde und das fast ausschließlich in kleinen Clubs stattfinden würde. Man wolle sich auch von den großen Sommerfestivals mit den immer gleichen Headlinern absetzen und eigene Schwerpunkte setzen. All dies ist Stéphane und seinen zahlreichen (teils ehrenamtlichen) Helfern in den letzten Jahren immer bestens gelungen. Es gab so viele interessante weibliche Künstlerinnen (schnippische Frage des Moderators: "warum eigentlich nur Frauen bei diesem Festival? willst Du die angraben?"), die mir noch in bester Errinnerung sind. The Organ, Au Revoir Simone, (auf dem Foto mit den bonbonfarbenen Strumpfhosen) Rose Kemp, Marissa Nadler, Laura Veirs, My Brightest Diamond, um nur ein paar zu nennen.

Und wer spielt in diesem Jahr? Neben der Headlinerin Soap & Skin, viele auch mir unbekannte Namen. Sarah Blasko, Sydney Wayser, Motorama, Peau etc. Da gibt es sicherlich viel zu entdecken...

Keine taufrische Entdeckung, aber dennoch eine junge Künstlerin, die noch ganz am Anfang ihrer Karriere steht, wurde nun im musikalischen Teil geboten, der dem Interview folgte. La Fiancée (die Verlobte) nennt sich die kesse Französin, die ich zuvor bereits dreimal gesehen hatte. Sie wird genauso wie die Amerikanerin Lisa Papineau, die nach der Verlobten im Forum des Fnac- Stores auftrat, beim Festival Les Femmes s'en mêlent auflaufen.

Das Set von La Fiancée ähnelte stark dem vom Baron von vor ein paar Wochen, was nicht verwundert, da sie erst knapp 10 Lieder im Repertoire hat. Die Texte schreibt sie selbst, die Musik stammt von dem in französischen Indiekreisen sehr angesehenen Florent Marchet. Lieder voller Zärtlichkeit, luftig leichter Eleganz und Melancholie, gesungen von einem zuckersüßen Mädchen, das auf der Bühne von zwei Musikern an Gitarre und Piano begleitet wurde. La Fiancée bringt mich mit ihrem unschuldigen und butterweichen Stil immer wieder zum Träumen. Titel wie L'Emploi du Moi, Cette Autre oder Tigre Mercenaire (handelt vom Herzschmerz nach einer Trennung) sind fast schon so etwas wie kleine Klassiker obwohl sie frühestens 2007 geschrieben wurden. La Fiancée steht in bester Tradition klassischer französischer Chanteusen wie Barbara oder Francoise Hardy und arbeitet fleißig an neuen Liedern. Nach dem wudervollen Auftritt ging es für sie schnurstracks ins nächste Tonstudio.

Dann kam die sehr magere und gebrechlich wirkende Lisa Papineau nach vorne und antwortete auf die Fragen des Moderators. Die enorm nette Amerikanerin sprach ein sehr ordentliches Französisch, da sie seit geraumer Zeit in Paris lebt. Mit Air habe sie bereits zusammengearbeitet, aber auch mit M83 und für ihr neues Album mit Mark Eitzel vom American Music Club. Auf die Frage des Moderators, ob ihr Stil Trip Hop sei, wiegelte Lisa aber ab. Trip Hop sei etwas sehr Elegantes, das sei sie nicht unbedingt. Sie habe mehr Feuer.

Im Anschluß konnte man sich sein eigenes Bild vom Stil der Amerikanerin machen. Sehr schwer in eine Schublade zustecken das Ganze. In der Tat gab es Elemente von Trip Hop, aber auch Electronica, Indierock und Shoegaze. Lisa hatte zwei männliche Musiker mit dabei, die Schlagzeug, Gitarre und Piano spielten. Sie selbst betätigte auch ab und zu ein Keyboard und bewegte sich auf ihre ganz eigene Weise. Das erinnerte fast an das Slapstickhafte eines Charlie Chaplin. Ein Titel hatte es mir ganz besonders angetan. In Marco Chomo war textlich immer mal wieder von "It's beautful" die Rede und "beautiful" war dieser sehnsüchtige Track auf jeden Fall! Allein hierfür hatte es sich gelohnt, zu kommen. Der Abschluß mit Red Tree dann auf französisch, allerdings nicht wie auf dem gleichnamigen Album mit Mathieu Boogaerts als Begleitsänger.

Insgesamt ein sehr schönes Showcase, bei dem man auch interessante Details zur Organisation eines Indie Festivals erfuhr. Aufgepasst: Les femmes s'en mêlent gibt es dieses Jahr auch zum zweiten Mal in Berlin! Sie kein Frosch, sei dabei!

Setlist Lisa Papineau, Forum Fnac des Ternes:

01: Rene Thomas
02: The Quiet Storm
03: Touch Time Out
04: Marco Chomo
05: Little Light
06: Gay Can't Wait Forever
07: I Dream Of Red Trees


Aus unserem Archiv:

La Fiancée, Paris, 09.02.2010
La Fiancée, Paris, 05.11.2009


Videos unten von Rockerparis, merci! Lisa Papineau - Marco Chomo; La Fiancée - Cette Autre










Mittwoch, 10. Februar 2010

La Fiancée, Paris, 09.02.10

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Konzert: La Fiancée

Ort: Le Baron

Datum: 09.02.2010

Zuschauer: recht viele
Konzertdauer: 45 Minuten



Mann, hat dieses Mädchen eine süße Stubsnase! Ja, ja, ich weiß man soll nicht immer so nach Äußerlichkeiten gehen und sich davon seine Urteilsfähigkeit rauben lassen. Aber was soll ich tun? Ich sitze auf so einem komischen roten Ledersessel in dem Schicki- Micki Club Le Baron und schaue direkt drauf auf dieses puppige Gesicht. Es gehört zur französischen Chanson-Sängerin Claire, die ihr Projekt La Fiancée nennt. Die Verlobte also. Gemein dieser Künstlername, da fragen sich die ledigen Männer immer, warum sie denn nicht gewartet hat mit dem Eheversprechen, die gute Claire. Ich frage mich das nicht, schließlich bin ich schon verheiratet. Und jeder weiß doch wohl, daß verheiratete Männer ausschließlich Augen für ihre Angetraute haben. Ein ganzes Leben lang.

Aber was singt sie denn nun so, La Fiancée? - Von ihrem anderen ich (C'est Autre), von der Unfähigkeit einen anderen zu lieben (L'Emploi Du Moi), oder von einer Prostituierten (Femmes à Gages) z.B. Entscheidend ist aber nicht unbedingt was sie singt, sonder wie sie es singt. So sinnlich, zärtlich, liebevoll. Aus ihrem schön geformten Mund kommen ausschließlich Wohlklänge, als würde sie einen mit ihrer Stimme streicheln. Die Lieder von La Fiancée klingen so unschuldig wie der erste Kuss. Da spürt man förmlich die Frühlingsknospen sprießen, spaziert gedanklich über eine hübsche Blumenwiese und blinzelt den zarten Sonnenstrahlen entgegen. "Romantik!" würde Seven Regener vermutlich nun laut ausrufen und läge damit gar nicht so falsch, denn die Musik der Französin ist wirklich enorm romantisch. C'est Autre ist in dieser Hinsicht kaum zu toppen, das hätte Caspar David Friedrich nicht besser hinbekommen! Schön auch, daß La Fiancée mit Les Mains Sales oder Femme A Gages bereits neue Lieder im Programm hat, die sie beim letzten Konzert, das ich von ihr gesehen hatte, noch nicht päsentierte. Da darf man wohl getrost auf eine erste EP hoffen, nachdem eine Vinylsingle bereits in limitierten Stückzahlen erhältlich ist. Ob auf der EP dann wohl auch das Brigitte Bardot Cover Une Histoire De Plage drauf sein wird? Schön wär's, denn dieses Stück ist wirklich entzückend und lohnt es auf jeden Fall, wieder ausgegraben zu werden, allein schon für die Songzeile "J'ai souvent fait naufrage" - ich habe oft Schiffbruch erlitten...

Wie enden? Gott hatte einen guten Tag, als er die Französinnen erfunden hat. Vive les francaises, vive la fiancée!





Setlist La Fiancée, Le Baron, Paris:

01: Juré
02: Cette Autre
03: L'Emploi Du Moi
04: Tgres Mercenaires
05: Les Mains Sales
06: Femmes à Gages
07: Une Histoire De Plage (Brigitte Bardot Cover)

08: Cette Autre (Zugabe)


Aus unserem Archiv:

La Fiancée, Paris 05.11.2009


- Mehr Fotos von La Fiancée hier
- Brigitte Bardot - Une Histoire de Plage



Freitag, 6. November 2009

Thomas Mery, La Fiancée, La Féline, Vanessa Chassaigne, Paris, 5.11.09

3 Kommentare

Konzert: Thomas Mery, La Féline, La Fiancée, Vanessa Chassaigne

Ort: Les Trois Baudets, Paris
Datum: 05.11.2009
Zuschauer: vielleicht 150
Konzertdauer: insgesamt 3 1/2 Stunden!



Chronique en français en bas



Franzosen, die in ihrer schönen Landessprache singen, sind gerade in der jungen Generation selten geworden. Hauptgrund ist wahrscheinlich, daß die Künstler Angst haben, in die Schublade "Variété Française" gesteckt zu werden, sprich im CD-Laden neben Schlagerstars wie Mireille Mathieu oder Alain Souchon einsortiert zu werden. Darauf hat natürlich kaum jemand Bock, man will lieber im Indieregal neben Andrew Bird oder Grizzly Bear stehen.

Ein paar Musiker haben es allerdings geschafft, französisch zu singen und dennoch gute Kritiken in der elitären Zeitschrift Les Inrockuptibles zu bekommen. Françoiz Breut zum Beispiel, aber auch Dominique A, Arman Mélies, oder Florent Marchet.

Und eben jener Florent Marchet arbeitet mit der jungen, bildhübschen Französin Claire alias La Fiancée zusammen. Ihr Auftreten am heutigen abend war auch der Grund für mich, im Trois Baudets aufzukreuzen. Ich hatte die junge Dame nämlich am Tag zuvor im Olympia gesehen, als sie zusammen mit Florent am Piano und einem Gitarristen drei Lieder vor dem roten Vorhang zum Besten geben durfte. Auf Anhieb war ich angetan von dem fast altmodisch zu nennenden Charme, der von ihren zeitlosen, französischen Chansons ausging. Klassische Namen des französischen Liedguts wie Barbara oder Françoise Hardy kamen einem in den Sinn und mir war klar, daß ich La Fiancée sofort wiedersehen musste!

Im Trois Baudets gab sie erst das dritte Konzert ihres jungen Lebens und auch ihr Songmaterial war folglich noch nicht sonderlich groß. Aber das war völlig egal, denn Lieder wie das zart melancholische Cette Autre waren so wundervoll, daß jede Minute ein Genuß war. Unsere geneigte Leserschaft höre doch einfach mal Tigre Mercenaire, um zu wissen, warum ich so angetan bin. Hat das nicht einen unwiderstehlichen Charme? Das erotisiert doch auf unschuldige Weise, oder nicht? Als würde man von ihrer sanften Stimme am Nacken gestreichelt, Hach! Schade bloß, daß mit dem Schlaflied Veilleuse dann auch schon sehr bald Schluß war. Meine Begeisterung war so groß, daß ich Claire hinterher sofort für eine Oliver Peel Session gewinnen musste. Sie hat zugesagt. Hurrrrraaaahhhh!

Aber auch die drei anderen Künstler des abends schlugen sich sehr ordentlich. Der bereits recht erfahrene Thomas Mery hatte den feinen Abend eröffnet und sang auf sehr melancholische Weise etliche Lieder auf französisch, obwohl sein Repertoire auch sehr viel Englisches beinhaltet. Ich mochte sein Konzert sehr.

Ebenfalls angetan war ich von der Französin Vanessa Chassaigne, die fast ausschließlich auf französich sang. Ausgestattet mit der typisch französischen , sinnlichen Stimme (obwohl dereinst von der Engländerin Jane Birkin eingeführt), spielte sie zusammen mit einrr männlichen Band Chansons, die eine ähnliche Melancholie wie die von La Fiancée aufwiesen. Obwohl sie erklärte, nervös zu sein, empfand ich sie als sehr charismatisch und für die Bühne geschaffen.

La Féline schließlich bot das rockigste Konzert des Abends. Die großgewachsene und schlagfertige Pariserin mit der an Kate Bush erinnernden Stimme wechselte zwischen Akustik-und E Gitarre hin- und her und variierte oft Stil und Tempo. Sie hat auch schon eine EP herausgebracht, die man bestellen kann, wenn man ihre MySpace Seite absurft.

Insgesamt ein prima Abend, der gezeigt hat, daß man auch französich singen kann, ohne gleich Richtung Schlager bzw. Chanson zu gehen. Und ist es nicht sogar schöner, Lieder in der Sprache Molière's zu hören, anstatt Franzosen geboten zu bekommen, die die Sprache von Shakespeare verhunzen? Ha, ein kleiner Seitenhieb auf den französchen Akzent, schließlich ärgern mich die Froschfresser ja auch ständig damit, daß ich einen deutschen Akzent hätte!

Pour nos lecteurs français:

Rares sont devenus les jeunes artistes français qui chantent dans leur jolie langue. Ils ont souvent peur d'être categorisé "Variété française" et de se retrouver rangés entre Alain Souchon et Michel Sardou, donc c'est plus sûr de chanter en anglais.

Mais il y a quand même des français chantant dans la langue de Molière qui s'en sortent bien. On pourrait citer Françoiz Breut (belge en fait), Dominique A (belge aussi), Arman Mélies ou bien Florent Marchet. Ce dernier joue d'ailleurs dans le groupe de la jeune Fiancée et l'aide beaucoup avec les arrangements, qui sont d'une grande finesse. À mon avis il a fait un bon choix, parce que La Fiancée n'est pas simplement une fille mignonne et charmante, mais elle possède en plus une très belle voix classique et s'inscrit dans la lignée de Francoise Hardy ou encore Barbara. Bref, elle ressucite la chanson française et rechauffe les coeurs.

Je l'ai découverte la veille aux festival des Inrocks à l'Olympia ou elle chantait trois morceaux devant le rideau rouge et j'étais immédiatement sous le charme. Logique donc que je veuille la revoir! L'occasion se presenta dès le lendemain et je me retrouvais dans un fauteuil confortable des Trois Baudets pour l'écouter présenter cette fois-ci six morceaux plus beaux les uns que les autres. Elle portait la même robe qu'hier (mais chut!) et était de nouveau accompagnée par Florent Marchet au clavier et un autre musicien à la guitare accoustique. Sa timidité lui va très bien et ses chansons douces et fragiles sont parfaites en cette saison triste et pluvieuse.

Son set se composait de petits bijoux comme son tubesque Cette Autre qui est tellement accrocheuse qu'elle ne me sorte déjà plus de ma tête, ou la berceuse La Veilleuse qui dans cette instrumentation dramatique me faisait penser à Dominique A.

La Fiancée n'était pas la seule à être formidable, les autres participants de cette très belle soirée, comme d'habitude parfaitement organisée par les Boutiques Sonores n'étaient pas enreste.

Thomas Mery avait ouvert le bal avec ses chansons folks, melancoliques et fragiles. Chantant en anglais et en français,
il égrène au fil des notes une poésie subtile et extrêmement touchante.

Vint ensuite la belle française Vanessa Chassaigne qui se disait un peu tendue mais n'en est pas moins une véritable bête de scène. Doté d'une voix sensuelle, elle rappelait Jane Birkin (mais sans l'accent!). Elle chantait l'amour, la plage et nous emportait avec elle au fil de l'eau...


Pour finir la soirée en beauté, La Féline offrit le set le plus varié et le plus rock , en passant régulièrement de la guitare accoustique à l'électrique. Ses morceaux, souvent joués avec un clin d'oeil montraient des influences très vastes, entre la pop aerienne d'une Kate Bush et les songs westerns de Neil Young. Une fille très charismatique et souriante qui a déjà sortie un EP six titres.

Vous trouverez les disques et vinyles de tous ces groupes aux soirées Boutiques Sonores que je recommande vivement!



Cette autre fois live @ Trois Baudets, Paris
Veilleuse live @ Trois Baudets, Paris

Fotos von La Fiancée im Olympia hier und hier



 

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