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Mittwoch, 7. Mai 2008

Portishead, Paris, 06.05.08

8 Kommentare

Konzert: Portishead

Ort: Le Zénith, Paris
Datum: 06.05.2008
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: ca. 85 Minuten


"Hell yeah, war orgasmisch" (xdevx) - "Titanisch, gigantomanisch und einfach nur geil! (Atua) - "Es war traumhaft, famos, unvergesslich, einzigartig, unwiederholbar. Das Konzert des Jahrzehnts!!!" (Frank)

Spiegel-Online: 10/10 Punkten; Plattentests.de 9/10 Punkten; Uncut *****, etc.

Besucher des Konzerts von Köln (Palladium 06.04.2008) und die Musikpresse scheinen sich hinsichtlich der Großartigkeit von Portishead einig zu sein. Da wurde wohl ein kollektiver Nerv getroffen.

Ohne auf bemühte und verkrampfte Art und Weise gegen den Strom schwimmen zu wollen, mich persönlich hat das heutige Pariser Konzert der in höchsten Tönen gelobten britischen Band relativ kalt gelassen. Bei mir wurde jedenfalls kein Nerv angestochen und größere Gefühlswallungen, Rührung, Ergriffenheit, oder Enthusiasmus blieben während der gesamten 85 Minuten weitestgehend aus. Aus meiner anfänglichen Neugierde, wie denn eine Band live auf mich wirken würde, die ich seit geraumer Zeit nicht mehr verfolgt habe, wurde am Ende fast Langweile. Ja, Langweile, insgesamt war es eine eher ermüdende Angelegenheit.

Inzwischen liegt das Konzert fast drei Stunden zurück und noch immer frage ich mich etwas verwundert, warum der Großteil des Publikums mit Sicherheit einen famosen Abend hatte - die Reaktionen während des Gigs waren frenetisch und lautstark - und das Ganze an mir vorbeiging.

Zunächst einmal: Ich bin kein Kenner der Band, habe mich lange nicht mehr mit ihnen beschäftigt. In meiner Studentenzeit in Berlin während der 90 er Jahre lief aber "Dummy" so einige Male in meiner Bude und auch im CD - Wechsler im Auto (so gut ging es Studenten damals). Später habe ich mich mit anderen Gruppen beschäftigt, das zweite selbstbetitelte Werk der Engländer habe ich gar nicht mehr mitbekommen. Danach war ja ohnehin Funkstille und Gerüchte über eine mögliche Wiederbelebung des zeitweillig stillgelegten Phänomens, die in der Mitte der 2000er Jahre aufkamen, interessierten mich nicht weiter. Dann aber in diesem Jahr das neue Opus, schlicht und einfach "Third" (das Livealbum zählte wohl nicht) bezeichnet und im Nu kamen alte Fans wieder aus den Löchern gekrochen und auch junges, frisches Publikum wurde mit vollmundigen Berichten geködert. Auch meine Neugierde wurde geweckt, allerdings mit etwas Verspätung denn den ersten Termin zum Ticketkauf für das (später die, es gab zwei) Konzert ließ ich verstreichen. Warum sollte ich mich auch beeilen, ich war nicht mehr in der Materie drin?! Dann aber kam Christophs euphorischer Konzertbericht und in Paris kamen völlig überraschend neue Karten in den Umlauf. Ich schlug zu...

Zur Einstimmung auf den Abend hörte ich dann mehrfach "Third" auf meinem i-pod, allerdings passten die düsteren Klänge so gar nicht zu dem herrlichen Wetter. Warum soll man noch auf Winter-Depri machen, wenn die Sonne aus allen Ritzen lacht?

Auch am Parc de la Villette, wo das Zénith und noch einige andere Konzertsäle beheimatet sind, lümmelten Sonnenhungrige auf den Wiesen und ließen die Seele baumeln. Ihre Faulheit stand im krassen Gegensatz zum blanken Aktionismus, den die Schwarzhändler betrieben. Verzweifelt versuchten sie, zu überzogenen Preisen die letzten Karten loszuschlagen, was aber nicht so einfach war. Es schien ein Überangebot zu herrschen. Der Zeiger der großen Uhr stand auf 20 Uhr 10. Früh genug, um nach der üblichen Einlaßprozedur noch ein paar Lieder der Vorgruppe Kling Klang mitzukriegen. Die Burschen langweilten, ich hätte mich eigentlich auch noch in die Sonne legen können. Auch der Umbau war zäh und lang, aber dann ging es mit einem Intro endlich los. Man hörte in einer mir nicht verständlichen Sprache (was war das?) Menschen brabbeln, die Stimmen kamen vom Band. Dann wurde die Helden des Abends auf das Herzlichste begrüßt und man stieg richtig in das Programm ein. Schon als Beth Gibbons die ersten Takte von "Silence" sang, ging ein Raunen durch die Menge, die Stimme schien außerordentlich gut anzukommen. Sie ist auch wirklich außergewöhnlich, aber als Dauerkonzertgast habe ich schon so einige hübsche Kehlchen zu Ohren bekommen. Der Großteil des Publikums schien aber nicht die allergrößte Konzerterfahrung zu haben. Von meinen Bekannten, die regelmäßig kleine und mittlere Indie-Konzerte bevölkern, war nur ein Einziger da. Regelrechte Gig-Touristen gab es, neben mir stand beispielsweise eine deutsche Gruppe, die auch mal was erleben wollte. Keine Kenner, das sah ich sofort. Der Rest des Publikums gab mittels Band-T-Shirt zu erkennen, auf was er sonst so steht. Muse, Franz Ferdinand, Pearl Jam, Radiohead konnte ich da lesen. Alles Gruppen, die sich gerne Alternative und Indie nennen, es aber bei Licht betrachet natürlich längst nicht mehr sind (wenn sie das denn mal waren). Aber egal, auch ich verweigere mich nicht dem Mainstream, insofern also kein Problem. Meine liebsten Stadionfüller heißen übrigens Interpol und Kaiser Chiefs, aber das nur mal so am Rande...

Aber weiter im Text, Beth zwitscherte also hingebungsvoll "Did you know when you lost?"- Did you know when you wanted" und die meisten hatten mit Sicherheit eine Gänsehaut ob dieses greindenden Gesanges. Mir war lediglich zu warm, das Zénith glich einem Brutkasten, die Temperaturen waren tropisch. Um die Luft zu verbessern, kam der Kerl rechts neben mir auf die Idee, ein Zigarettchen anzuzünden. Genüßlich paffte er eine nach der anderen und seinem Beispiel folgten am Ende viele seiner Landsleute. Rauchverbot in allen öffentlichen Räumen seit dem 1. Januar 2008, war da was?

Aber daran lag's nicht, das ich nicht so richtig reinkam in dieses Konzert. "And if I should fall, would you hold me?", fragte Beth textlich verzweifelt ("Hunter") und rammte damit bestimmt wieder 95 % des Publikums ein Messer ins Herz. Keine Frage, ihre Stimme war klar präzise und höchst facettenreich, aber erzeugte das Ergriffenheit? - Nicht bei mir.

Ich glotzte auf die kalten und abweisenden Videos auf der Leinwand, sah aber irgendwann dann doch immer das Spiegelbild der Musiker, die auf der Bühne zugange waren. Als da wären: Ein alter, leicht dicklicher Gitarrist, der links Stellung bezogen hatte, ein glatzköpfiger Drummer, der mich an Barthez, den ehemaligen französischen Fußball - Nationaltorhüter erinnerte, Mastermind Geoff Barrow, der mit mürrischer Miene rumsampelte, Klavier spielte und auch an den Drums aktiv war und auch noch ein weiter Glatzkopf (Trip Hop sorgt wohl für Haarausfall), der auch danieldüsentriebte. Und vorne rechts agierte sie. Beth Gibbons, eine schlanke Frau mit reduzierter Gestik und rötlichen Haaren, die meistens mit beiden Armen ihr Mikro festhält, damit dieses nicht vor Trauer auf den Boden fällt. Ihr Charisma hielt sich in Grenzen aber sie hatte eine angenehm bescheidene Art. Sie wirkte nicht wie eine Diva oder Zicke sondern drehte sich oft zum Rest der Band um, um zu sehen, was die gerade so anstellen. Zwischen den Titeln erwies sie sich als Schweigerin, als sie zum ersten Mal das Wort an das Pariser Publikum richtete, um sich zu bedanken, war schon eine gute halbe Stunde absolviert. Zweifelsohne eine sympathische Erscheinung.


Vorher waren da aber noch ein paar andere Titel gelaufen, "Mysteron" zum Beispiel, einem Stück, bei dem man Schüsse und Scratchgeräusche vernehmen konnte. Diese Art von Zierrat mochte ich allerdings noch nie, Kritiker hingegen halten so etwas gerne für große Kunst. Geschmacksache...

Die folgende Ballade "The Rip" gefiel mir allerdings richtig gut, sowohl in textlicher als auch atmosphärischer Hinsicht. Wirklich ein schönes Stück Musik, fast folkig, auf jeden Fall ein Highlight. Genau wie der anschließende Klassiker "Glory Box" vom Album "Dummy" dessen Refrain "Give me a reason to love you" im Publikum im Chor mitgesungen wurde. Die Stimme von Frau Gibbons erwies sich hier überdies als extrem wandlungsfähig, sie sprang spielerisch von einer Tonlage zur nächsten, was ihr nicht unverdienten Szenenapplaus einbrachte. Gerade als ich etwas besser reingekommen war, schickten die Engländer aber mit "Numb" ein scheußliches Teil hinterher. Diese sterile Scratchnummer mochte ich damals schon nicht. Das Publikum stand aber drauf, warum auch immer.

"Magic Doors" war wesentlich besser, mir allerdings eine Spur zu pathetisch. Danach dann die oben erwähnten Begrüßungsworte an das Publikum und mit "Wandering Stars" das vielleicht schönste Stück des Abends, das allerdings von laut quatschenden Nachbarn vermasselt wurde. Der operettenhafte Gesang am Ende ging so ein wenig unter. Schade, daß dann mit "Machine Gun" wieder ein abweisendes Stück Musik kam. Mit Sicherheit von den Künstlern so gewollt, um irgendeine Message auf die Menschheit loszulassen (zu viel Gewalt auf dieser Welt, oder was auch immer), aber live eine schwere Belastung für die Ohren. Die Bässe dröhnten dermaßen heftig, daß es in den Ohren prickelte, auch mit Stöpseln. Es war kaum zu ertragen, ein besser ausbalancierter Sound wäre vorteilhaft gewesen.

Danach wurde es mir von Stück zu Stück schwülstiger, die zweifelsohne hervorragende Stimme von Beth fing an, mir auf die Nerven zu gehen und die Samples und zahlreichen Geräusche bei "Over" machten es auch nicht besser. Der Klassiker "Sour Times" (Nobody loves me it's true") der auch ausgezeichnet zu einem James Bond Film passen würde, war noch einmal ein Lichtblick, aber der ganze Rest rauschte irgendwie an mir vorbei.

Das dramatische "Cowboys" beendete dann nach circa. 65 Minuten den offiziellen Teil und Beth rief der johlenden Menge entgegen: "vous etes très gentils" - ihr seid sehr nett.

Die drei Zugaben hätte ich perönlich nicht mehr gebraucht, "Threads" plätscherte vor sich hin, "Roads" war besser, aber ich war längst von der pathetischen Stimme ermattet. Und bei dem abschließenden "We Carry on" kam das dramatische und lärmende Finale wie auf Bestellung. Nach 1 Stunden und 25 Minuten schwiegen dann Gitarren, Synthesizer und auch Beth und nur noch das Publikum machte ein Weile Lärm, in der Hoffnung auf mehr Portishead. Vergeblich.

Insgesamt anstrengend und ermüdend! Und bis auf das i-Tüpfelchen genau die gleiche Setlist wie Köln.

Setlist Portishead, Le Zénith, Paris:

01: Silence
02: Hunter
03: Mysterons
04: The Rip
05: Glory Box
06: Numb
07: Magic Doors
08: Wandering Stars
09: Machine Gun
10: Over
11: Sour Times
12: Nylon Smile
13: Cowboys

14: Threads (Z)
15: Roads (Z)
16: We carry on (Z)

Links:

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Portishead, Köln, 06.04.08
- mehr Fotos von Portishead



Montag, 7. April 2008

Portishead, Köln, 06.04.08

6 Kommentare

Konzert: Portishead
Ort: Palladium, Köln
Datum: 06.04.2008
Zuschauer: 4.500 (ausverkauft)
Konzertdauer: 90 min.


Es gibt diese Konzertabende, bei denen man nach dem ersten Klang weiß, das sie großartig werden, trotz des Palladiums, trotz eingeschränkter Sicht, trotz eigentlich viel zu großer Müdigkeit und trotz 45 Minuten Kling Klang vorher. Als Beth Gibbons die ersten Zeilen des Eröffnungsstücks "Silence" sang, war der Abend schon gelaufen. Da hätte es im Prinzip schon enden können, weil der Moment perfekt war. Das hätte mich und 4.500 andere aber um weitere 90 Minuten eines ganz großen Ereignisses gebracht.

Um nicht zu früh zu pathetisch zu werden, fange ich etwas weiter vorne an. Vor Portishead gab es nämlich noch anderes. Als wir eine Stunde nach dem offiziellen Einlaß (der sich bei Großkonzerten im Palladium aber auch gerne noch einmal zusätzlich nach vorne verschieben kann) angekommen waren, war der Saal schon sehr gut gefüllt. Die Bühne war ziemlich vollgestellt mit Gitarren, Keyboards, Verstärkern und ähnlichem Kram. Pünktlich um acht schlufften ein paar langhaarige zu diesen und begannen, etwas zu spielen, was wie eine achtminütige Version der Dolby Surround Werbung klang, bei der der Ton von moll und schief zu einem strahlenden und triumphierenden Sound wird - nur ohne dieses Happy End. In diesem Stil folgten einige Lieder (besser: Stücke), die kein Ende zu nehmen schienen und vor allem der Band viel Spaß machten. Der Frontmann der Band aus Liverpool (Liverpool!) headbangte ganz begeistert zu dem, was er da fabrizierte. Ich fand es zumindest am Anfang schwer erträglich. Gegen Ende wurden die Lieder kürzer. Das und die Perspektive, daß sie irgendwann aufhören werden,
verklärte vielleicht etwas, es wirkte aber am Ende der Dreiviertelstunde weniger schlimm. Beim Namen Kling Klang hatte ich vorher Assoziationen mit Kraftwerk oder den beiden Polizisten bei Pippi Langstrumpf (Herr Kling und Herr Klang), also sehr positive, die fünf oder sechs Instrumentalstücke (bei einem Lied sang der Frontmann sogar) werden sich da nicht einreihen.

Ich gehöre nicht zu denen, die Portishead in den 90ern gesehen haben. Ich hatte zwar eine kurze aber intensive Portishead- (und Massive Attack-) Phase, habe sie da aber nicht gesehen, weil mir Konzerte damals nicht wichtig waren. Daher war ich unglaublich gespannt, was mich erwarten sollte. Daß es ein Ereignis ist, eine Band, die sich so viel Zeit zwischen Alben und Touren läßt, einmal sehen zu können, ist offensichtlich, aber würde das auch gut werden oder nur von der Legende leben? Und
wie funktioniert der Portishead-Sound auf der Bühne? Vor allem im Palladium, das noch die meisten Bands in die Knie gezwungen hat?

Diese Gedanken und jeder noch so kleine Anflug von Zweifel waren um Viertel nach neun weg, als eine Projektion des Third-Logos erschien, die Band auf der Bühne auftauchte und die Startsätze von "Silence" erklangen. Der Sound war erdrückend klar, um mich rum brachen die Leute in riesigen Jubel aus, es war schlicht einmalig.

Neben Beth Gibbons, Gitarrist Adrian Utley und Geoff Barrow hatten Portishead, soweit ich sehen konnte, zwei Gastmusiker dabei. Beth Gibbons wirkte ganz und gar nicht so scheu, wie ich es gelesen hatte, sie schien den Auftritt zu genießen.

Dem Eröffnungsstück "Silence" folgte mit "Hunter" ein zweites Lied von dem dritten
Studioalbum der Engländer. Das "If I should fall would you hold me?" war so unfassbar wundervoll aber nur einer von ganz vielen solchen Momenten. Schon bei den ersten beiden (ja eigentlich neuen) Liedern brach immer wieder Jubel und Applaus während der Stücke aus, nicht am Anfang, wenn das Lied erkannt wurde, mitten drin, bei besonderen Passagen. Ich weiß nicht, ob ich das schon einmal erlebt habe, ich erinnere mich an keinen solchen Moment, mir fällt aber auch kein Künstler ein, bei dem ich das erwartete.

Drittes Lied war mit "
Mysterons" ein erstes sehr bekanntes. Dazu strahlten blaue Lichtkreise durchs Palladium. Wundervoll!*

Mit "The rip" folgte ein weiteres neues Stück. Aber neu oder alt, vollkommen egal, alles war harmonisch. Auch wenn z.B. "Machine gun" mit seinen harten Samples und Trommelschlägen zu Beginn deutlich härter klingt, könnten alle neuen Lieder auch
von einem der ersten Alben stammen, ohne unoriginell zu sein. Bei vielen Bands dieses Stils, sind Konzerte vermutlich langweilig, weil alles sehr ähnlich klingt. Portishead verstehen es, abwechslungsreiche Musik in einem nicht abwechslungsreichen Genre zu machen, allein das ist lobenswert. Sie schaffen es aber auch, ihren aufwendigen und komplexen Stil live umzusetzen. Das beantwortete meinen Hauptzweifel vor diesem Abend. Daß die neuen Lieder fabelhaft sind, wußte bzw. ahnte ich, daß die Liveperformance traumhaft wird, hatte ich nur gehofft.

An "The rip" schloß sich "Glory box" an, quasi eines der noch gleicheren Lieder des Abends, und die Minuten, die alleine jeden Cent der teuren Eintrittskarten wert waren. Das war der Grund, die Band zu lieben, gar keine Frage. Mit "Numb" kam anschließend ein weiteres Lied des Debütalbums "Dummy", dem ganz konsequent wieder etwas Neues folgte, das schöne "Magic doors".

Mein persönlicher Höhepunkt der Show war allerdings keine der Singles sondern "Wandering stars", ein unbeschreiblich schönes von Beth Gibbons gehauchtes Lied. Meine Güte, war das ergreifend und weit weg.

Die Sängerin war aber ansonsten eben nicht entrückt sondern ganz anders, als von mir erwartet. Sie hatte einen riesigen Plastikbecher in der Hand und prostete damit zu, sie lächelte und schien mit dem Publikum zu flirten. Ein paar Plätze neben mir
sah das ein Besucher wohl auch so. Am Absperrgitter stehend winkte er fast das ganze Konzert durch in Beths Richtung!

Die Traumstimmung, die "Wandering stars" hinterlassen hatte, wurde jäh durch das lautmalerische Maschinengewehrfeuer der aktuellen Single beendet. "Machine gun" war der härteste Moment der Show, zwar
verstörend aber nicht störend, falls irgendwer versteht, was ich meine. Die Trommeleinsätze bei "Machine gun" beeindruckten mich enorm, denn der Rhythmus war eben nicht gesampelt, er wurde zumindest zum Teil ganz analog erzeugt.

Ein weiteres Highlight schloß sich mit "Over" an. Ich weiß, zu viele Höhepunkte klingen unglaubwürdig, es war aber genau so. Ein großer Moment folgte dem anderen. So wie "Sour times" anschließend! Ein weiterer Song von "Third", "Nylon smile", schon der sechste, und danach "Cowbows" beendeten nach knapp 70 Minuten den Hauptteil. Beth rief uns "Ick liebe dich and everything" zu und ging. Nicht
deshalb (naja, ein wenig vielleicht...) war das Publikum wirklich ergriffen von der guten Stunde zuvor.

Nach kurzer Pause war "Threads", das letzte Lied auf
"Third" die erste Zugabe. Dabei gefiel mir besonders, wie laut Beths Stimme am Ende des Songs wurde. Und das alles - für regelmäßige Kölner Konzertgänger - glasklar im Palladium! Man hätte Arcade Fire dieses Toningenieure gegönnt!

Ein weiterer... jaja... ein weiteres großes Lied folgte: "Roads" von "Dummy". Dazu muß man eigentlich nichts sagen, es war gigantisch, wie so vieles. Der Abschluß "We carry on" von "Third" war hoffentlich ein Versprechen. Ich bin allerdings sehr entschlossen, Portishead nicht noch einmal zu sehen, um das Erlebnis nicht zu verwässern.

Zum Abschluß stieg Beth von der Bühne, ging langsam im Fotograben von links nach rechts und gab den ergriffenen Menschen die Hand. Ich weiß! Das klingt alles genz schrecklich kitschig und pathetisch - und ich neige ab und zu zu besonderem Enthusiasmus - aber dieser Bericht ist vollkommen untertrieben.

Setlist Portishead, Palladium, Köln:

01: Silence
02: Hunter
03: Mysterons
04: The rip
05: Glory box
06: Numb
07: Magic doors
08: Wandering stars
09: Machine gun
10: Over
11: Sour times
12: Nylon smile
13: Cowboys

14: Threads (Z)
15: Roads (Z)
16: We carry on (Z)

Links:

- mehr Fotos dieses Abends



 

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