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Montag, 1. April 2013

Indochine, Lorient, 29.03.2013

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Konzert: Indochine 
Ort: Parc des Expositions Lorient (Bretagne, Frankreich) 
Datum: 29.03.2013 
Zuschauer: etwa 5.000 
Dauer: 140 Minuten 


Bericht von Anja, danke, merci!


Concert complèt – Ausverkauft. Was in deutschenVenues die Konzertvorfreude je nach Lokalität trüben kann, heißt in Frankreich: Platz, Freiraum, Bewegungsfreiheit. 

Nach kleiner Parkhauspanne (das Parkhaus schloss um 20 Uhr, um 19.59 Uhr suchten wir noch verzweifelt den Eingang) kamen wir als Konzertprofis pünktlich zum Hauptact als zwei der letzten von ca. 5000 Zuschauern in den Parc des Expositions in Lorient und sicherten uns standardmäßig Plätze links vorne – denn egal wann man kommt, links vorne geht immer. 

Schon vor dem Auftritt von Indochine war die Stimmung „énorme“. La-Ola-Wellen rollten unter Jubel von vor der Bühne ohne Unterbrechung bis in die hintersten Sitzreihen durch die Halle. 

Typisch war die bunt gemischte Zusammensetzung des Publikums: Viele Fans der ersten Stunde – Männer in Fan-Shirts aus den 80ern und Frauen, die mit ihren mittlerweile 22-jährigen Töchtern den Sänger Nicola anbeteten (mehr zum Thema Hysterie folgt später). Daneben Familienausflügler, die ihren Grundschulsprösslingen eine angemessene musikalische Früherziehung garantieren wollten. Aber auch viele Indochine- Konzertfrischlinge (so wie ich). 

Die Stimmung steigerte sich, als gegen 20.40 Uhr das Licht gedimmt wurde und die Black Ouverture begann. Hinter einer Schattenwand betrat die Band die Bühne, so dass zunächst nur die Silhouetten zu sehen waren. Nicht nur für uns ein Anlass zum Fotografieren. Eingeleitet wurde das Konzert mit dem Titelsong der Tour Black City Parade. Das zweite Stück Traffic Girl startete mit einem Knaller – im wahrsten Sinne des Wortes: Konfetti schoss aus Kanonen und regnetet auf das begeisterte Publikum. Hört sich schön an, war es auch. Der Song wurde von einem Video begleitet, in dem ein „traffic girl“ den Verkehr in einer Großstadt regelt. 

Auch beim nächsten Lied regnete es Konfetti, diesmal aber nur auf der Leinwand. Die Stimmung steigerte sich weiter wozu Nicola selbst beitrug, indem er das Publikum durch ausladende Armbewegungen animierte. Quelle putain de Bühnenpräsenz! Der Sänger brachte mit jeder seiner Bewegungen die weiblichen Fans mittleren Alters dazu, sich teenageresken Schreianfällen hin zu geben (noch mehr zur Hysterie folgt später). Nicht nur die weiblichen Fans konnte Nicola für sich gewinnen, er eroberte auch die Herzen der stolzen Bretonen, indem er seine Sympathie für die Region betonte und die Toleranz der Menschen in der Bretagne angesichts der aktuellen gesellschaftspolitischen Lage lobte. (Er bezog sich dabei auf die landesweiten Proteste gegen die „Homo-Ehe“ in Frankreich.) So sah man im Publikum einige bretonische Flaggen schwingen. 

In den nächsten zwei Stunden folgte eine Mischung aus alten und neuen Songs (siehe Setlist unten). Die Zuschauer gingen bei allen Liedern mit; es wurde geklatscht, gesungen und zum Teil frenetisch getanzt. Unterbrochen wurde der Auftritt durch kurze Pausen, wie beim Intro zu Wuppertal, welche die Band zum Umziehen nutzte. Besonders schön war die Ballade J’ai demandé à la lune, bei der das Publikum den Gesangspart fast vollständig übernahm. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Band jeden Zuschauer in ihrem Bann. 

Danach hätte man die Zeit nutzen sollen, die Toilette auf zu suchen oder neue Getränke zu beschaffen. (Randbemerkung: In Frankreich scheint man bei Konzerten ganz auf die Musik und weniger auf Kaltgetränke konzentriert zu sein, denn während des Auftritts sah man kaum jemanden trinken.) Das befürchtete 10minütige Medley Black City Club drückte bei uns und einigen anderen Besuchern die Stimmung, besonders die Technopassagen empfand ich als enervierend. 

Doch das sollte bald vergessen sein, denn ein unerwarteter Höhepunkt stand bevor: Trois nuits par semaine. Während die Band den Song weiterspielte, kletterte Nicola von der Bühne und machte begleitet von Bodyguards eine Runde durch die Halle. Wir standen direkt am Bühneneingang und waren recht verdattert von der spontanen Aktion. Nicht so die alteingesessenen Groupies (jetzt sind wir beim Thema Hysterie). Eine Publikumsbewegung von rechts nach links erfasste die Halle. 40-50jährige Frauen rannten schreiend aus der Menge und versuchten ihren Star von Nahem zu sehen. Unbeeindruckt von dem schnappte sich Nicola eine der bretonischen Flaggen aus dem Publikum und setze das Lied von den hinteren Rängen aus fort. Auf dem Rückweg zur Bühne wurde das hysterische Schreien noch lauter und noch Minuten später zappelten gestandene Damen wie Teenager und kreischten ihrer besten Freundin (oder Tochter) ihre Endorphine ins Ohr. Erstaunlich, eine solche Hysterie habe ich selbst zuletzt auf dem Konzert der Kelly Family 1995 auf der Loreley erlebt. Dennoch, ich mag es wenn Musiker Publikumsnähe zeigen. Einen krönenden Abschluss fand die Performance in einem kleinen, auf der Bühne gezündetem Feuerwerk, bevor der Song L’aventurier angestimmt wurde. Das Konzert schloss mit Europane (ou le dernier bal). 

Zusammenfassen kann man den Abend mit den Kommentaren vieler Besucher, die nach dem Konzert zu hören waren: „C’était énorme!“ und „Putain de concert!“ 

Indochine- 29/03/13 Lorient - Parc des Expositions 

00 Pré intro Trashmen 
01 Black Ouverture 
02 Black City Parade 
03 Traffic Girl 
04 Belfast 
05 Punishment Park 
06 La nuit des fées 
07 Memoria 
08 Little Dolls 
09 Miss Paramount 
10 Wuppertal 
11 J'ai demandé à la lune 
12 Tes yeux noirs 
13 College Boy 
14 Alice & June 
15 Black City Club (Trashmen, Canary Bay, Des fleurs pour Salinger, Paradize, Play Boy, 3ème sexe) 
16 Nous demain (rappel)


Sonntag, 12. September 2010

Indochine, Esch-sur-Alzette, 11.09.10

7 Kommentare

Guilty pleasure: Indochine
Ort: Rockhal, Esch-Sur-Alzette, Luxemburg
Datum: 11.09.2010
Zuschauer: ausverkauft (7.000 vielleicht)
Dauer: Indochine knapp 150 min


Während meines Schüleraustauschs in Frankreich sind zwei Dinge passiert, an die ich immer denken werde, ich habe eine Kassette mit Indochine-Liedern aufgenommen bekommen, und das Kernkraftwerk in Tschernobyl ist explodiert.

Die Atom-Sicherheitsdebatte ist heute immer noch brandaktuell, und auch Indochine hat mich nie ganz verlassen.

Heute hatte ich erstmals Gelegenheit, dieses Frankreich-Souvenir einmal live zu sehen; Indochine traten im Rahmen ihrer Meteor-Tour in der Rockhal in Luxemburg auf. Auf dem Weg in den Saal fragten wir uns, mit was unser Ausflug wohl verglichen werden könnte. Was müsste ein Franzose in Deutschland besuchen? Nena vielleicht? Weil er auf Klassenfahrt das erste Nena-Album bekommen hatte?

Ich kannte nicht viele der 31 gespielten Lieder, und nicht alle gefielen mir großartig. Aber die alten Schmachtstücke vom 85er Album 3 einmal live zu sehen, war gut, gar keine Frage.

Nachher alles ein wenig ausführlicher, vielleicht dann auch mit Setlist. Aber auch ohne gibt es viel zu erzählen von diesem Konzert, das schließlich 2 1/2 Stunden gedauert hat und genauso war, wie es sein sollte, gut genug, um froh zu sein, Indochine einmal gesehen zu haben. Und weder zu gut, noch zu schlecht, um sie noch einmal erleben zu wollen.

Setlist Indochine, Rockhal, Esch-sur-Alzette:

00: Intro
01: Dancetaria
02: Punishment Park
03: Little dolls
04: Play boy
05: Punker
06: Drugstar
07: L world
08: Le lac
09: Le manoir
10: J'ai demandé à la lune
11: Un jour dans notre vie
12: Tes yeux noirs
13: La lettre de métal
14: Un ange à ma table
15: Alice & June
16: Popstitute
17: You spin me round (Dead Or Alive Cover) (Medley)
18: Canary Bay (Medley)
19: Les tzars (Medley)
20: Des fleurs pour Salinger (Medley)
21: Adora (Medley)
22: ??? (Medley)

23: Le baiser (Z)
24: 3 nuits par semaine (Z)
25: Mexicane Syndicate (akustisch) (Z)
26: Kao Bang (akustisch) (Z)
27: Lady boy (akustisch) (Z)
28: Electrastar (akustisch) (Z)

29: L'aventurier (Z)
30: Le dernier jour (Z)

31: Pink water (Z)




Donnerstag, 13. Dezember 2007

Indochine, Nancy, 10.12.07

0 Kommentare

Konzert: Indochine
Ort: L'Autre Canal, Nancy
Datum: 10.12.2007
Zuschauer: ausverkauft


Um eines vorwegzunehmen, ja, dies ist mein 6. Indochine Konzert und das 6. während der laufenden Tour. Wer sich nun fragt, was uns immer wieder bewegt viele, viele Kilometer in benachbarte Frankreich zu reisen um diese Band zu sehen…

Nun ja, wenn man im örtlichen ‚fnac’ steht um seine reservierten Karten abzuholen und die Verkäuferin auf einmal zu einem aufschaut und grinsend strahlt: „Oh, Indochine!“ bevor sie einem dann endgültig die heißen Tickets übergibt, dann weiß man, hier handelt es sich um was Besonderes.

Indochine sind ein franz. Phänomen, gegründet von den Zwillingsbrüdern Nicola und Stéphane Sirkis, und galten anfangs als die franz. ‚The Cure’ oder ‚Depeche Mode’. Gleich ihre zweite Single‚ ‚L'aventurier’ wird zu DEM Megaerfolg schlechthin auf dessen Welle die zwei mit wechselnder Bandbesetzung bis in die `90iger reiten. Doch dann ebbt das Interesse an der Band langsam nach und nach ab, zu allem Überfluss stirb Stéphane 1999 in Paris und hinterlässt seinem Bruder die Scherben ihres gemeinsamen Schaffens.

Dieser jedoch schmeißt diese nicht hin, sondern holt sich mit Oli de Sat den Mann in die Band, der sie nachher retten sollte. Aus dem folgenden Album ‚Paradize’ werden gleich 7 Singles ausgekoppelt (eine u.a. mit Melissa Auf der Maur). In Zahlen: 1.200.000 verkaufte Alben, 1.500.000 Singles und eine 2 jährige Tournee mit 500.000 Besucher im französischen Raum – Indochine sind die erste französische Rockband, die jemals im ausverkauften Bercy auftritt. Ende 2005 erscheint der Nachfolger ‚Alice & June’, der nicht mindererfolgreich ist. Die Tour beginnt noch im Dezember 2005 mit 3 Clubkonzerten und endet im Mai 2007, wobei die Band an diesem letzten Abend mit dem ‚Hanoi Philharmonic Orchester’ im restlos ausverkauften Bercy in Paris auftritt. Während der Tour werden im März dieses Jahres zwei Konzerte in Lille mitgeschnitten, die im Dezember als DVD veröffentlicht werden. Dies ist der Anlass zu einer weiteren kleinen Tour durch 5 kleine französische Hallen mit durchschnittlich 1000 Zuschauern pro Abend.

Und hier sind wir nun in Nancy und freuen uns auf diesen doch ehr intimen Abend mit der Band, die wir die letzten 2 Jahre immer mal wieder begleiten durften.

Nachdem wir am Abend des Vortages noch die wunderschöne Stadt erkundet haben, verlassen wir gegen Mittag unser Hotel um das L'Autre Canal aufzusuchen. Um diese Zeit steht bereits gut ¼ der Konzertbesucher vor der Halle, einige scheinen hier sogar in Zelten übernachtet zu haben. Wir parken und da es nicht regnet, entschließen wir uns dazu noch mal in die nahe gelegene Stadt zu gehen. Als wir gegen 18 Uhr wiederkommen, reicht die Schlange der wartenden Besucher fast einmal um die Halle herum. Gegen 19:30 Uhr beginnt dann der Einlass. Das ‚L'Autre Canal’ ist ein recht neues Veranstaltungszentrum in Nancy (so sagt es zumindest die Seite der Touristeninformation) und liegt auf so etwas wie einer Insel im Fluss Meurthe. In einer Gegend, die gerade von Grund auf neu entsteht und irgendwie an Berlin Mitte erinnert. Die Halle selber erinnert an ein Betonrechteck, dessen Fassade nur durch die blasenähnlichen Fenster und Neonröhren ringsum aufgelockert wird. Der Konzertsaal selber ist am Ende des Gebäudes, welcher irgendwie wie in einem Bunker versteckt scheint, mit einer Galerie ringsherum und einer kleinen Tribüne am Ende. Um kurz vor halbneuen geht es los, nach kurzem Intro betreten Bassist Marc Eliard, Schlagzeuger Mr. Shoes und Keyboarder Matú die Bühne und beginnen ‚Belle Et Sebastiane’ zu intonieren, danach folgen die 2 Gitaristen Oli und Boris und Nicola, der Sänger unter tosendem Applaus. Im Gegensatz zur gerade abgeschlossenen Tour gibt es auf der Bühne keine Bäume, Gräser oder Blumen. Dafür hängt aber ein schöner roter Vorhang hinter der Band in dessen Mitte hinter Mr. Shoe’s Schiessbude ab und an Projektionen erscheinen.

Schon im Vorfeld hatte die Band erklärt, bei den 5 Clubshows vornehmlich Songs aus ihrem (noch) aktuellen Doppelalbum ’Alice & June’ spielen zu wollen und somit jagen die 6 durch das Programm mit Songs, die nunmehr allen Anwesenden geläufig sind. Wird noch beim zweiten Song ‚Ceremonia’ durchgeklatscht, gibt es bei ‚Alice et June’ kein Halten mehr unter den anwesenden und der ganze Saal hüpft fröhlich vor sich hin. Es folgt das selten gespielte ‚Les Portes Du Soir’ gefolgt von ‚Adora’ und ‚Ladyboy’, dann für mich pers. ein Highlight, denn endlich steht mal wieder ‚Morphine’ auf der Setliste. Das Publikum singt lauthals ‚When do you leave you mind’ mit und Nicola drischt immer wieder auf seine Trommel ein. Nach elf Songs ist mit ‚Starlight’ erst einmal Schluss. Nachdem das Publikum lauthals ‚INDOCHINE’ skandiert folgen noch ‚June’, ‚Pink Water’, ‚Crash Me’, ‚Vibrator’. Erstmals erlebe ich, dass das Publikum scheinbar doch zu ‚June’ abgeht, einem Song den ich nie wirklich mochte und auch ‚Pink Water’ kommt heute für mich erstmalig sympathisch daher. Bei ‚Vibrator’ vernascht Gitarrist Boris wortwörtlich seine Gitarre. Nun folgen noch ein Medley bekannter Hits, das auch schon in den großen Hallen für ordentlich Stimmung sorgte, und ‚3 Nuits Par Semaine’ bringt den Saal endgültig zum überkochen. Am Ende holt Nicola – wie jeden Abend der Tour – kleine weinende Mädchen (und heute sind sogar 2 Jungs dabei) auf die Bühne, alles schmiegt sich harmonisch aneinander und ende ist.

Fazit: Eine Sehr schöne Stadt, ein netter intimer Abend, zwar nicht das beste Konzert was ich von der Band gesehen habe, aber auch nicht das schlechteste, eine runde Sache.


Setlist Indochine Nancy:

01: Belle Et Sebastiane
02: Ceremonia
03: Alice & June
04: Les Portes Du Soir
05: Adora
06: Ladyboy
07: Morphine
08: Un Homme Dans La Bouche
09: Sweet Dreams
10: Gang Bang
11: Black Page
12: Starlight

13: June (Z)
14: Pink Water (Z)

15: Crash Me (Z)
16: Vibrator (Z)
17: Medley:
Miss Paramount
Popstitute
Stef II
Astroboy
3 Nuits Par Semaine
Sur Les Toits Du Monde
Talulla

von O.S.



 

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