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Freitag, 9. Dezember 2011

Erdmöbel, Frankfurt, 03.12.11

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Konzert: Erdmöbel
Ort: Nachtleben, Frankfurt
Datum: 03.12.2011


von Ursula von neulich als ich dachte

Die Bands, die ich am häufigsten live gesehen habe, sind mit jeweils vier Konzerten die Editors und Get Well Soon. Mein Freund muss da etwas länger zählen, unser Erdmöbel-Konzert am Samstag war nämlich sein dreizehntes! Gleichzeitig war es immerhin mein zweites nach dem letztjährigen Auftritt im Schauspiel Frankfurt. Wenn ich weiterhin immer mitkomme, wird Erdmöbel wohl über kurz oder lang auch meine live meistgesehene Band werden ... zumal wir dieses Mal Gästelistenplätze erhalten hatten.

Andere Frankfurter waren wohl nicht ganz so erpicht auf diesen Konzertbesuch, die Band wurde nämlich von dem Schicksal ereilt, das diejenigen trifft, die bei einem Batschkapp-Konzert im Vorverkauf nicht ausreichend Karten absetzen: einer Verlegung ins viel kleinere Nachtleben. Wir hatten von der Änderung im Internet gelesen, fanden aber auch bei unserer Ankunft im Nachtleben vor Ort diesen Aushang vor:

Ich hoffe doch sehr, dass dieser Zettel nicht ausschließlich am neuen Konzertort aufgehängt worden war ...


Die Verlegung des Konzertabends hatte neben der Verkleinerung noch eine Konsequenz: Im Nachtleben fand am Samstagabend ab 23 Uhr der Clubabend „Britpop strikes again“ statt, und die Betreiber hatten gegenüber der Band (wie wir hinterher erfuhren) nachdrücklich erklärt, dass nicht nur das Konzert, sondern auch das Abbauen bis zu dieser Uhrzeit erledigt zu sein hätte. Das führte dazu, dass die Ein-Mann-Vorband Friedemann Weise bereits kurz nach dem Einlass die Bühne betrat und somit früh anfing und schnell fertig war – meinen Freund freute es, denn ihn hatte der Sänger schon in Hachenburg leicht genervt. Ich fand seine Lieder eigentlich ganz witzig, was aber auch an der Kürze des Auftritts gelegen haben kann.

Etwa fünf Minuten nach Friedemanns Abschied standen dann noch weit vor 21 Uhr – und damit vor der angekündigten Anfangszeit - bereits Erdmöbel (plus Henning Beckmann an der Posaune) auf der Bühne. Wohl wegen des Zeitmangels hatte Ekki nicht einmal wie sonst seine Schuhe ausgezogen – wenn man es eilig hat, kommt eben keine Gemütlichkeit auf.

Die aktuelle Tournee blickt unter dem Titel „Retrospektive“ auf 17 Jahre Erdmöbel zurück, entsprechend bot die Setliste einen Blick auf die größten Hits aus dem Gesamtwerk. Auch im Alter der Zuschauer spiegelten sich diese 17 Jahre: Wie schon neulich bei PeterLicht sah man viel weißes Haar, aber auch die jüngsten Zuschauer Stella und Linus, die wohl nicht einmal gemeinsam auf 17 Jahre kamen. Ein Konzertabend für die ganze Familie, sozusagen.

Erdmöbel betraten die Bühne in der Art Anzüge, wie man sie in englischen Wohltätigkeitsläden kaufen kann, während hinter ihnen ein Poster die riesigen Köpfe der vier Bandmitglieder zeigte. Der Auftritt begann mit zwei Liedern vom ersten Album („Dreierbahn“, „Lang schon tot“), und wir erfuhren, dass Katja Epstein das darauf folgende Lied „Au Pair Girl“ nicht habe singen wollen, weil darin niemand stirbt. Wenig später folgte ein aus vier Liedern bestehendes „Akustikset“ auf selbst mitgebrachten Stühlen. Eines der darin enthaltenen Lieder, „Busfahrt“, war laut Markus bereits bei zwei vorherigen Nachtleben-Auftritten laut eingefordert worden und wurde nun endlich einmal gespielt. Manchmal muss man im Leben einfach Geduld haben.

Anschließend kam, wieder ohne Stühle, eine Reihe Lieder vom letzten Album „Krokus“, das verglichen mit „Altes Gasthaus Love“ und „No. 1 Hits“ stark repräsentiert war. Von letzterer Platte behauptete Ekki, man habe eigentlich „Up & Down“ (Cover der Vengaboys!) spielen wollen, da Christian Wübben aber nur Opamusik möge, habe man stattdessen auf „Wieder allein, natürlich“ von Gilbert O’Sullivan umdisponiert. Tatsächlich war die Setliste wohl spontan variabel, denn „Snoopy T-Shirt“ wurde dem Anschein nach einfach von Wolfgang Proppe am Keyboard angespielt, der Rest machte dann eben bereitwillig mit, Ekki initiierte anscheinend spontan „Nah bei dir“, und vor der allerletzten Zugabe „Die Devise der Sterne“ sagte Markus zu Ekki „Ich hoffe, Du spielst jetzt dasselbe wie ich“. Nur der Schlagzeuger war in diesen Plan noch nicht eingeweiht und musste sein Handwerkszeug wechseln.

Insgesamt wurde eine Maximalzahl von Liedern in den begrenzten Zeitraum gequetscht, aber auch die Kommunikation mit dem Publikum kam nicht zu kurz. So behauptete Markus Berges, er habe 1000 Mark (!) darauf gewettet, dass es in Frankfurt nicht, wie in so vielen anderen Städten, einen Oktoberfest-Klon gebe. Wir hätten doch „Apfelwein und Heinz Schenk“. Stimmt, aber auch ein Oktoberfest ... Die Band war übrigens vor ihrem Auftritt in einer Apfelweinkneipe gewesen, was möglicherweise die gegen Ende des Konzerts recht reibeisenartig werdende Stimme von Markus erklärt.

Wenn man unbedingt meckern wollte, könnte man sagen, dass die doch recht langwierige Bandvorstellung am Ende des Hauptteils – für jedes Bandmitglied wurde das Licht ausgemacht und musste im Rahmen des Songs „In den Schuhen von Audrey Hepburn“ mit der Textzeile „Das Licht geht an...“ dann vom Publikum wieder „angesungen“ werden – durchaus ein wenig Potenzial zum Sparen der knappen Konzertzeit geboten hätte. Aber man muss auch zugeben, dass die Zuschauer, die zumindest das kleine Nachtleben prall füllen konnten, begeistert mitklatschten und –sangen.

Nach dem blitzschnellen Abbauen stand die Band dann noch am Merchandisestand für Unterschriften und Gespräche zur Verfügung, wodurch wir auch vom engen Zeitplan erfuhren. Mein Freund wurde als alter Bekannter in Empfang genommen und freut sich nun sicherlich auf sein vierzehntes Erdmöbel-Konzert, das aber im Rahmen der aktuellen Tournee nicht mehr stattfinden wird – diese endet nämlich diesen Freitag in Köln. Außer natürlich, er fährt hin und hat es bislang verschwiegen.

Setlist Erdmöbel, Nachtleben, Frankfurt:

01: Dreierbahn
02: Lang schon tot
03: Au Pair Girl
04: Wurzelseliger
05: Der blaue Himmel (akustisch)
06: Lied über gar nichts (akustisch)
07: Busfahrt (akustisch)
08: Dawai Dawai (akustisch)
09: Ausstellung über das Glück
10: Wort ist das falsche Wort
11: Wieder allein, natürlich
12: Für die nicht wissen wie
13: Fremdes
14: Erster Erster
15: Snoopy T-Shirt
16: Das Leben ist schön
17: In den Schuhen von Audrey Hepburn

18: Anfangs Schwester heißt Ende
19: Wette unter Models
20: Nah bei Dir
21: Die Devise der Sterne

Links:

- Erdmöbel, Hachenburg, 30.10.11
-
Erdmöbel, Frankfurt, 10.10.10



Montag, 31. Oktober 2011

Erdmöbel, Hachenburg, 30.10.11

2 Kommentare

Konzert: Erdmöbel
Ort: Stadthalle Hachenburg
Datum: 30.10.2011
Zuschauer: ca. 100
Dauer: Friedemann Weise (ca. 30 Minuten), Erdmöbel (ca. 100 Minuten)


von Dirk von Platten vor Gericht


Die Hachenburger Konzerte der Band Erdmöbel bleiben ein Mysterium. Erklärbar vielleicht nur durch die Leiterin der Hachenburger KulturZeit Frau Beate Macht, die selbige nutzt, um sich selbst und nur wenigen Eingeweihten in den Tiefen des Westerwaldes ein Konzert-Erlebnis zu ermöglichen. Und dies bereits seit Jahren.

Bereits 2000 spielten Erdmöbel vor den Toren der Stadt in der Morgensonne, mittlerweile abgerissen, vor knapp 10 Zuschauern. 3 Jahre später folgte der nächste Auftritt im größeren Sternensaal, mittlerweile abgebrannt, der schon mindestens die dreifache Zuhöreranzahl anlockte. Bei der damaligen Ansage zum Konzertbeginn mussten Erdmöbel noch erfahren, dass sie noch nicht in der Hachenburger Stadthalle spielen dürften, dass dies jedoch vielleicht in einigen Jahren möglich sei.

2007 war es dann soweit, im Rahmen ihrer "No. 1 Hits" Tour trat die Kölner Band dann auch in der bestuhlten und halbwegs gut gefüllten Stadthalle auf. Diese steht trotz des vorherigen Erdmöbel Besuches immer noch und fasste am gestrigen Abend sicherlich mehr als 100 Zuschauer, auch wenn nicht alle gleichermaßen mit dem Werk der Band vertraut waren. So wurde einer älteren Dame vor uns am Eingang erklärt, dass heute Abend ein Konzert stattfinde. Auf Rückfrage musste die Dame an der Kasse zugeben, dass sie die Band selbst nicht kenne, diese aber schon mehrfach vor Ort gewesen sei. Bevor ich dem potentiellen neuen Erdmöbel-Fan mehr über die Band und ihre Hachenburger Vorgeschichte erzählen konnte, saß sie schon an einem der im hinteren Bereich der Halle aufgestellten, hübsch mit Blumen und Kerzen dekorierten Tische. Auf die sonstige Bestuhlung wurde, möglicherweise auf einen spontanen Massenandrang spekulierend, in diesem Jahr verzichtet, was der Stadthalle jedoch den Charme einer Turnhalle verlieh.

Nach einigen freundlichen und offensichtlich spontan ausgewählten Worten von Frau Macht betrat Friedemann Weise um kurz nach Acht mit seiner Akustikgitarre die Bühne. Entweder waren es die vergangenen Tage im Tourtross von Erdmöbel, die ihn sicherlich auf Hachenburg einstimmten, oder die Anfahrt durch die Einöde des Westerwaldes, die Weise u.a. zur Auswahl eines Songs Über die Wüste und der einen oder anderen spitzen Bemerkung in Richtung der Stadt inspirierten. So zweifelte er an, ob es vor Ort bereits Fernsehen gibt, fragte sich und uns, ob hier immer noch mit Schweinehälften bezahlt werde und baute die Pension Doris, in der er untergebracht war, als Running Gag immer wieder ein. Die Ansagen und die kleinen Geschichten zwischen den Titeln gestaltete er humorvoll und unterhielt die Anwesenden prächtig. Jedoch fehlte seinem "Satire-Pop" dieser Esprit, und von den in knapp 30 Minuten dargebotenen Songs ist mir eigentlich keiner positiv in Erinnerung geblieben. Ein Titel über den Mann mit den zwei Stimmen (Sieger beim Supertalent im letzten Jahr), vorgetragen selbstverständlich mit tiefem und quietschend hohem Gesang, hat leider eine ähnlichen Halbwertzeit wie die Sieger solcher TV-Castings und dürfte bestenfalls auf einem Kindergeburtstag für Unterhaltung sorgen. Gut, dass zumindest drei der Kleinen (zwischen 6 und 8 Jahren) anwesend waren und es sich vor der Bühne gemütlich gemacht hatten.

Zumindest den Auftrag, die Zuschauer aus den Tiefen der Stadthalle vor die Bühne zu locken, erfüllte er. Sein in einem Song formulierter Wunsch, die seit einem Jahr ständig ansteigende Vielzahl an deutschen Singer/Songwritern aus der Radiolandschaft zu vertreiben, wird so nicht in Erfüllung gehen.

Kurz vor 21 Uhr betraten die vier Erdmöbel, begleitet von Henning Beckmann an der Posaune, die Bühne der Stadthalle in ihrer (nach eigener Aussage) Partnerstadt Hachenburg, um die Lieder ihres aktuellen Albums "Retrospektive" vorzustellen.

Passend dazu waren nicht nur die zwischen Grün und Grau changierenden Anzüge der Herren gewählt, die auch aus dem Kleiderschrank meines Großvaters hätten stammen können, sondern auch die Auswahl der Titel. Denn mit "Dreierbahn" und "Lang schon tot" ging es direkt zurück in die Anfangsjahre der Band. Ein neuer Song namens "Die Krähen" zeigte kurz darauf, in welchem Spektrum sich an diesem Abend die Songauswahl bewegen sollte. Im ersten Drittel des Konzertes schlugen Erdmöbel größtenteils ruhige und melancholische Töne an, wie zum Beispiel in "Wort ist das falsche Wort", welches Ekimas zurecht als sein Lieblingslied ankündigte. Markus Berges Zauberhände zogen (im Stile Bela Lugosis) die zurückhaltenden Zuschauer noch weiter vor die Bühne, jedoch konnte die räumliche Distanz erst mit Hilfe eines Akustik-Blocks völlig überbrückt werden. In fast schon intimen Ambiente wurden, auf Stühlen am Bühnenrand sitzend, nicht nur "Lied über gar nichts", "Dawai Dawai" und eine sehr schöne Version von "Der blaue Himmel" dargeboten, sondern auch "Busfahrt", welches vom 2003er Album "Altes Gasthaus Love" stammt und auf bisherigen Tourneen verschmäht wurde. Im neuen klanglichen Gewand fügte sich das Lied nahtlos in das Erdmöbel-Universum ein, und von der Band befürchtete Vergleiche zu Blumfeld sind ebenfalls obsolet. Allein für diese vier Titel hatte sich die Reise in den Westerwald bereits gelohnt.

Während des Konzertes griff die Band immer wieder auf ihre, anscheinend unvergesslichen Erlebnis in Hachenburgs Morgensonne zurück oder erkundigte sich nach örtlichen Besonderheiten wie dem "Kirmesekel". Man darf gespannt sein, ob sie wirklich ihr nächstes Album so nennen werden!

Erdmöbel sehen sich mittlerweile in der Lage, ihr Programm spontan zu variieren. So wurde die Reihenfolge der Setliste geändert, Lieder ausgelassen ("Vergnügungslokal mit Weinzwang", "Leben ist trivial"), auf Coverversionen verzichtet ("Wieder allein, natürlich") oder andere neu hinzu gefügt ("Emma"). So erbrachte das letzte Konzertdrittel eine äußerst fulminant dargebotene, schnelle Abfolge an temporeichen, rockigeren Songs wie "Wurzelseliger", "Fremdes" oder "Das Leben ist schön".

Nach etwas mehr als 80 Minuten verabschiedeten sich Erdmöbel, jedoch nicht endgültig, denn mit den Zugaben "Wette unter Models" und "Die Devise der Sterne" erfüllten sie auch sicherlich die letzten Song-Wünsche der noch anwesenden Fans. Denn deren Anzahl war mit fortgeschrittener Stunde in etwa auf Sternensaal-Zeiten zurückgegangen.

Der Einladung zum Treffen am Merchandise-Stand, wo Erdmöbel von CDs bis zu nackter Haut alles unterschreiben wollten, kamen leider nur sehr wenige Besucher nach. So waren an einem sehr schönen Konzertabend tatsächlich die drei jüngsten Gäste, von Schlagzeuger Christian Wübben (sicherlich zur Freude der Eltern) mit Drumsticks beschenkt, die letzten, die die Stadthalle verließen.

2014 feiert Hachenburg 700 Jahre Stadtrecht. Erdmöbel dürfen nicht fehlen, Frau Macht!



Setlist Erdmöbel, Stadthalle Hachenburg:

01: Dreierbahn
02: Lang schon tot
03: Wort ist das falsche Wort
04: Die Krähen
05: Au Pair Girl
06: Russischbrot
07: Der blaue Himmel (akustisch)
08: Lied über gar nichts (akustisch)
09: Busfahrt (akustisch)
10: Dawai Dawai (akustisch)
11: Anfangs Schwester heißt Ende
12: Wurzelseliger
13: Erster Erster
14: Fremdes
15: Für die nicht wissen wie
16: Das Leben ist schön
17: In den Schuhen von Audrey Hepburn

18: Emma
19: Wette unter Models
20: Die Devise der Sterne

Links:

- Erdmöbel, Frankfurt, 10.10.10

Weitere Tour Termine:

02.11.11 Hamburg, Fabrik
03.11.11 Potsdam, Lindenpark
17.11.11 Hildesheim, Kulturfabrik Läseke
18.11.11 Wuppertal, Die Börse
19.11.11 Bremen, Lagerhaus
25.11.11 Würzburg, Posthalle
26.11.11 München, Backstage
02.12.11 Ludwigshafen, Kulturzentrum
03.12.11 Frankfurt, Batschkapp
09.12.11 Köln, Gloria



 

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