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Donnerstag, 30. Dezember 2010

The Vaselines, Bowlie 2, 12.12.10

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Konzert: The Vaselines
Ort: Butlins Minehead, Bowlie 2
Datum: 12.12.2010
Dauer: 75 min


"Die Vaselines sind live unglaublich langweilig", war die immer gleiche Antwort, die ich bisher vernommen habe, wenn jemand von meinen Lieblingen aus Glasgow sprach. Langweilig? Nicht die Spur!

Die spektakuläre Geschichte der von Fran McKee und Eugene Kelly gegründen Band ist bekannt; die schnelle Auflösung, die Beziehung zu Nirvana. Daß das zweite Studioalbum (Sex with an x) gut zwanzig Jahre nach dem ersten erschien, passt sehr schön dazu.

Nachdem Sängerin Frances morgens im Rahmenprogramm bereits eine Yogastunde gegeben hatte (zum phänomenal tollen Programm neben den Konzerten später noch mehr), spielten die Vaselines abends auf der Hauptbühne.

Ihr Auftritt war musikalisch toll, das ist aber nur die halbe Geschichte. Der Brüller waren nämlich die weit unter der Gürtellinie angesiedelten Sprüche von Fran zwischen den Liedern. Sie jagte einen Schenkelklopfer (ob das jetzt das richtige Bild ist...) nach dem anderen raus und übertrumpfte sich immer noch. Die Zuschauer lachten sich erst schlapp, um dann beim derben Nachschlag von Fran verschüchtert zu kichern. "Das hat sie jetzt nicht gesagt, oder?" Wahrscheinlich waren die Vaselines nicht nur wegen ihres Status' so spät angesetzt.

Im September 2010 erschien mit Sex with an x also das zweite Album der Vaselines als Nachfolger von Dum dum, das 1989 veröffentlicht wurde. In meinen Ohren hört man die zwei Jahrzehnte zwischen den Alben nicht, das schottische Duo klingt wie früher - einfache Rhythmen, schleifende Gitarren und der Gesang von Fran und Eugene, der so herrlich gut zueinander passt (und immer an der Grenze dazu ist, schief zu klingen).

Auffällig neben Frans Matrosensprache waren die Outfits der beiden. Eugene trug einen dreiteiligen Anzug ohne Jacke und dazu kapitale Reitstiefel über der Hose. Fran dagegen hatte ein Kleidchen ausgesucht und anfangs noch eine Pelzjacke getragen. Die flog aber irgendwann weg, weil es nur im gesamten Pavilion eisekalt war, war das Kleid alleine zu kalt. Sons and Daughters Sängerin Adele kam irgendwann und brachte warme Sachen, Fran lehnte aber dankend ab; bei Adeles Geschmack gut nachvollziehbar. Außerdem war Fran vermutlich der Meinung sich selbst mit ein paar derben Sprüchen besser aufwärmen zu können.

Die Sons and Daughters Sängerin kam noch einmal mit einem Bandkollegen auf die Bühne, um bei Molly's lips (von der EP Dying for it; von Nirvana gecovert) zu tröten. Über die alte Autohupe freue ich mich jedes Mal, wenn ich das Lied höre, daß sie live auch eingesetzt wurde, war herrlich!

Die Vaselines waren auch über 75 Minuten absolut nicht langweilig, also auch musikalisch... Ein Comeback, falls man es so nennen kann (dafür müsste ja eigentlich damals mehr Erfolg da gewesen sein), das unglaublich viel Sinn macht. Und auf meiner Liste der Bands, die ich unbedingt mal live sehen möchte, nicht nur ein Haken sondern ein Haken mit Smiley!

Setlist The Vaselines, Bowlie 2, Butlins Minehead:

01: The day I was a horse
02: Monster pussy
03: I hate the 80’s
04: Oliver twisted
05: Slushy
06: Sex with an x
07: The devil inside
08: Molly’s lips
09: Ruined
10: Rory rides me raw
11: Poison pen
12: Jesus wants me for a sunbeam
13: Such a fool
14: No hope
15: Son of a gun
16: Sex sux
17: Whitechapel
18: Bitch
19: Mouth to mouth
20: Dum dum
21: Dying for it
22: Think you’re a man

Links:

- andere Bowlie-Konzerte:
- Belle & Sebastian
- Saint Etienne
- Edwyn Collins
- Zoey Van Goey
- The Amphetameanies
- Dean Wareham plays Galaxie 500




Dienstag, 14. Dezember 2010

Zoey Van Goey, Bowlie 2, 12.12.10

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Konzert: Zoey Van Goey
Ort: Butlins Minehead, Bowlie 2
Datum: 12.12.2010
Dauer: ca. 45 min


Sonntag, Mitternacht - nach einem langen Festival ist das der Auftritt, den man nicht mehr unbedingt sehen muß, sofern die Band nicht einen besonders großen Namen hat. Den haben Zoey Van Goey aus Glasgow noch nicht, gesetzt waren sie allerdings trotzdem, denn ich liebe ihre Debütplatte und wollte um nichts in der Welt die seltene Chance nutzen, Zoey Van Goey live zu sehen.

Zoey Van Goey sind nach einer New Yorker Street Art Künstlerin* benannt, die nach Deutschland kam, um da Wim Wenders zu groupieren. Ob diese Geschichte so stimmt, weiß ich nicht, ganz erfunden ist der Name allerdings nicht, denn in Niedersachsen lebt ein Herr Van Goey, der allerdings ganz offensichtlich nichts mit der Band zu tun hat. Zoey... besteht aus drei Mitgliedern: Kim Moore aus England, Matt Brennan aus Kanada und dem Iren Michael John McCarthy. Weil John Theaterautor ist, und mir die Vorstellung schwerfällt, daß Wim Wenders Groupies hat, könnte die Geschichte, von dem Amish-Mädchen, das über New York nach Berlin kommt, allerdings auch ein wenig erflunkert sein. So oder so ist der Bandname toll.

Die drei trafen sich aber in Glasgow, und ihre Musik klingt auch nach dieser Welthauptstadt des Indiepop. In ihrer jungen Bandgeschichte haben Zoey Van Goey bereits mit großen Namen zusammengearbeitet. Ihre Debütsingle Foxtrot vandals
wurde von Stuart Murdoch produziert (den Bass spielte Belle & Sebastians Bobby Kildea), die zweite und das Album The cage was locked all along von Delgados-Mann Paul Savage.

Vom ersten (und bisher einzigen) Album kamen stammten auch drei der ersten vier Lieder. Ich hatte The cage... irgendwann vor gut einem Jahr blind über die Bandhomepage bestellt und seitdem sehr oft gehört. Die wundervollen Indiepop-Melodien, die immer auch eine Portion Verschrobenheit beinhalten hatten es mir schnell angetan. Und das war live keine Spur anders, denn obwohl der Rahmen für sie ungewohnt war ("wie spielen normalerweise in viel kleineren Räumen" - die Center Stage war noch dazu sehr gut gefüllt), merkte man nichts von etwaiger Nervosität, Zoey Van Goey spielten frisch, die mehrstimmigen Gesänge passten perfekt, der Sound war herrlich abgestimmt - es machte einen wahnsinnigen Spaß den unfassbar sympathischen Musikern zuzusehen.

Live wurden die eingewanderten Schotten von einem barfüßigen Bassisten** unterstützt. Ansonsten spielte Kim Geige und Keyboard, Matt Schlagzeug und
Michael Gitarre. Bei You told the drunks I knew Karate, einem neuen Song, wechselten sie einmal reihum, Kim ging ans Schlagzeug, Michael nahm ihren Platz ein, Matt Michaels, das nächste Stück spielten sie ohne Schlagzeug.

Viele der Lieder kannte ich nicht, denn der Großteil stammte vom zweiten Album, das im Februar erscheinen wird. Und wenn es nicht vollkommen kaputtproduziert wird, freue ich mich jetzt schon sehr darauf, weil alle gespielten Stücke toll waren! Und so nett!

Irgendwann erzählte Matt von ihrem Tourmanager, einem riesigen Kerl, der anderen locker die Kniescheiben brechen kann, der an einem der Bowlietage aber plötzlich Angst bekam weil er zerklirrendes Glas hörte und Randalierer oder Einbrecher befürchtete. Als er vorsichtig nachguckte, waren das aber bloß Indiekids, die ihr Glas recycelten! "Die Geschichte ist nicht spannend. Aber wir müssen umbauen, daher
muß ich euch etwas erzählen!" Später redete er noch von seinem Onkel Jim in Kanada, der es liebt, mit dem Auto Eisdonuts zu fahren.

Am schönsten war es aber bei T-Rex. Da riefen nämlich alle Sauriernamen nach vorne und die Band kommentierte das.

Hoffentlich kommen Zoey Van Goey 2011 mit ihrem neuen Album auch nach Deutschland! Ihr Bowlie Konzert war so wundervoll, daß ich die Band unbedingt wiedersehen will!

Setlist Zoey Van Goey, Bowlie 2, Butlins Minehead:

01: The best treasure stays buried
02: Extremities (neu)
03: Sweethearts in disguise
04: We all hid in basements
05: You told the drunks I knew Karate (neu)
06: Sackville (neu)
07: Another day (neu)
08: T-Rex (neu)
09: Little islands (neu)
10: Aviator (neu)
11: ?
12: Foxtrot vandals
13: We don't have that kind of bread
14: I'm sticking with you (Velvet Underground Cover)

- mehr Fotos

* jaja, ich weiß
** wohl Adam Scott, mittlerweile das vierte Bandmitglied



Amphetameanies, Bowlie 2, 12.12.10

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Konzert: The Amphetameanies
Ort: Butlins Minehead, Bowlie 2
Datum: 12.12.2010
Dauer: ca. 45 min


Manchmal sind ja diese kleinen Überraschungen die großen Perlen eines Festivals. Ich kannte die Amphetameanies, diese Glasgower Ska-Band, besitze auch seit Jahren eine CD der Band, hätte sie aber im Vorfeld nicht unbedingt zu den wahrscheinlichen Höhepunkten des Wochenendes gerechnet. Wir hatten großen Hunger, wir waren aber neugierig. Nur mal schnell reingucken, dann verpassen wir wenigstens nichts.

Die Amphetameanies spielten im Reds, einer im Sommer sicher unerträglichen Disko, ganz in (Überraschung!) Rot, mit vielen Spiegeln, seitlichen Bars und in der linken Ecke Daddelautomaten (diese Münzeinwurfspiele, bei denen man andere geschichtete Münzen runterschieben muß). Wir kamen pünktlich, die Band hatte gerade die Bühne betreten. Die ersten Minuten brauchte ich für erstauntes Zugucken, da standen nämlich viele, sehr viele Leute! Eine Keyboarderin, daneben Gitarre, die Sängerin mit zwei mädchenhaft-niedlichen Zöpfen, der weder mädchenhafte noch niedliche Sänger, ein Bassist, ein Schlagzeuger und die dreiköpfige Bläsergruppe, ein Saxophonist und zwei Trompeter, darunter Belle & Sebastians Mick Cooke.

Ich weiß, daß Ska nicht jedermanns Sache ist. Aber ich glaube nicht, daß sich viele im Saal dem schmissigen Auftritt der vielen Schotten entziehen konnten. Das Wechselspiel zwischen den beiden Sängern, der zierlichen Jane Chalmars und dem stiernackigen Stan Millar war schon einmal fabelhaft. Aber dazu all die anderen hüpfenden und wippenden Musiker - herrlich!

Mir kam die ganze Zeit der Gitarrist mit der Schiebermütze wahnsinnig bekannt vor, ich konnte ihn aber nicht einordnen (er erinnerte mich an Matthias Scherz vom 1. FC
Köln). Beim Sichten der Fotos fiel es mir wieder ein, das war John Clark (bzw. John Disco), den ich mit seiner anderen (Glasgower) Band bis auf dem Primavera in Barcelona gesehen hatte.

Nicht nur die Band wippte, die Stimmung steckte an. Von "kurz mal reinsehen" war keine Rede mehr. Irgendwann mussten wir aber dem Hunger nachgeben und an den Rand zum Hotdog-Stand gehen. Von etwas weiter oben verfolgten wir das Geschehen weiter. Die beiden
Sänger kündigten da einen Gastgitarristen an, das ließ mich aber kalt. Gut, dann ist da eben ein Gast, hatten wir schon mal dieses Wochenende.

Die Amphetameanies spielten ein erstes Lied (Last night) mit dem zusätzlichen Musiker. Als dann die ersten Takte des nächsten Stücks anfingen und mir einfiel, daß das ein Ska-Cover von This boy von Franz Ferdinand war, guckten wir uns den Gast genauer an.
Und es war natürlich Alex Kapranos, der früher einmal bei den Amphetameanies gespielt hat. Alex stand hinten, wippte und hüpfte mit und hatte sichtbar viel Spaß.

Nach dem gemeinsamen Backbeat fucker war leider Schluß. Auch ohne Alex Kapranos wäre der Auftritt ein Schmuckstück gewesen, ich hatte aber auch nichts dagegen, daß es diese besondere Überraschung gab.

Solche gar nicht eingeplanten großartigen Konzerte waren es, die das Bowlie Wochenende für mich so einzigartig machten. Oder wie Sänger Stan sagen würde: "Magic!"

Setlist Amphetameanies, Bowlie 2, Butlins Minehead:

01: Say something special
02: Dutch courage
03: Be yourself
04: ?
05: Good one go
06: Another train
07: Love you just the way you are
08: Goodbye boyfriend
09: Hand of god
10: Nothing’s okay
11: Life without you
12: Last night
13: This boy (Franz Ferdinand Cover)
14: Backbeat fucker

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Franz Ferdinand, Bowlie 2, 11.12.10

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Konzert: Franz Ferdinand
Ort: Butlins Minehead, Bowlie 2
Datum: 11.12.2010
Dauer: 45 min


Alex Kapranos war einer der Running gags des Festivals. Hätte er auch den Merchstand bedient oder Hot Dogs verkauft, gewundert hätte es uns nicht mehr, nachdem der Franz Ferdinand Sänger mindestens bei drei Konzerten Auftritte hatte.

Der richtige Bericht folgt!

Setlist Franz Ferdinand, Bowlie 2, Butlins Minehead:

01: Cheating on you
02: Shopping for blood
03: Tell her tonight
04: Walk away
05: Bite hard
06: Matinee
07: Van Tango
08: The fallen
09: The witch
10: Michael
11: Ulysses
12: Outsiders


Dean Wareham plays Galaxie 500, Bowlie 2, 11.12.10

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Konzert: Dean Wareham plays Galaxie 500
Ort: Butlins Minehead, Bowlie 2
Datum: 11.12.2010
Dauer: 45 min


Galaxie 500 haben mich musikalisch über die drögen späten 80er und frühen 90er Jahre hinweg gerettet. Der Stil der Band war damals für mich neu und faszinierend. Daß das irgendwann Dream pop heißen würde, wußte ich damals noch nicht, vermutlich hätte der Begriff mich wegen Assoziationen zu Einhörner und Wasserfallbildern abgeschreckt. Welch ein Glück, daß ich das vorher nicht mitbekommen hatte, mir wären drei grandiose Platten entgangen.

Galaxie 500 waren eine der Wunschbands von Stuart Murdoch. Jedes Belle & Sebastian Mitglied durfte fünf Gruppen wählen, die am Wochenende auftreten sollten. Eine der Wunschbands des Sängers waren die nach einem Ford-Modell benannten Amerikaner. Galaxie 500 in der damaligen Besetzung waren aber nicht realisierbar, ich kenne die genauen Gründe der Trennung nicht, daher weiß ich auch nicht, was gegen ein Comeback sprach. Alternativ wurde Sänger Dean Wareham eingeladen, die Musik seiner Band zu spielen.

Deans Stimme und diese wundervollen Gitarren hatten mich sofort wieder. Warum
höre ich eigentlich nicht jeden Tag Galaxie 500? Warum wird Nirvana immer noch überall als die Band unserer Generation gefeiert und nicht Galaxie 500?

Dean Wareham hatte drei andere Musiker mitgebracht, um die ich mich aber nicht weiter gekümmert habe. Neben ihm ein zweiter Gitarrist und eine Bassistin, dahinter
ein Schlagzeuger. Alle machten ihre Sache sehr ordentlich, Knackpunkt war aber natürlich der Frontmann, dessen perfekte Stimme aus "Dean Wareham plays Galaxie 500" schnell nur noch "Galaxie 500" machte.

Mein Gott, war das toll, noch einmal die grandiosen Songs dieser aufregenden Band in solch unpeinlicher, frischer und würdevollen Form zu erleben. Es gab überhaupt keinen kleinen Makel, es war perfekt. Auch der Sound in dem sicher schwer zu beschallenden Raum spielte mit und versaute es nicht.
Dean Wareham und Band spielten einen Querschnitt aus den beiden ersten Alben Today und On fire, u.a. das Joy Division Cover Ceremony. Ich hätte gerne viel mehr gehört...

Irgendwann sagte der Amerikaner, daß jetzt erstmal einige Lieder seiner alten Band
gespielt worden seien und das nächste Stück von der Bassistin gesungen würde. Bis dahin hatte ich nicht kapiert, daß Britta Phillips am Bass stand. Also kamen wir auch noch in den Genuß eines Dean & Britta Titels vom aktuellen Album 13 Most Beautiful: Songs for Andy Warhol's Screen Tests. Das war eigentlich nicht nötig, es war aber trotzdem ein Sahnehäubchen auf einem vorzüglichen Konzert.
 
Setlist Galaxie 500, Bowlie 2, Butlins Minehead:

01: Flowers
02: Snowstorm 
03: Strange
04: Blue thunder
05: When will you come home
06: Tugboat 
07: Don't let our youth go to waste
08: I'll keep it with mine (Dean & Britta)
09: Ceremony

 

Konzerttagebuch © 2010

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