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Mittwoch, 1. Oktober 2008

Bon Iver, München, 29.09.08

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Konzert: Bon Iver
Ort: Ampere, München
Datum: 29.09.2008
Zuschauer: gut gefüllt (das Ampere, nicht die Zuschauer mit Weizenbier. Obwohl...)




Das habe ich wirklich lange nicht erlebt - ein durchgehend diszipliniertes Publikum. so gehört dieser Umstand an die erste Stelle. Seltener habe ich aber auch so sehr darum gebangt, dass die Betonungen eines Ensembles mein Gehör finden werden. Dass die flachen, sparsamen und leisen Passagen in der Musik des Herrn Justin Vernon und die seiner Mannen in ihrer Dringlichkeit erfahren werden können. sie konnten und noch viel mehr.

Das Ampere war bereits gut gefüllt, als zunächst anaïs mitchell die Bühne betrat. Ein breites Lächeln und die Meute wurde munter. Ihr hübsches Gesicht, das kurze, schwarze Gewand und die große Gitarre machten glauben, dass es sich um ein Persönchen handelte. Doch dieses toughe Mädel ließ schnell vom Stapel. was sie mitbrachte: ungewöhnlich vertrackte, aufmerksamkeitsheischende Songs, die mit einer klaren und strapazierfähigen Stimme vorgetragen und mit ataxischen Bewegungen untermalt wurden. Dieese ungewöhnliche Darbietung, der farbige, an koloraturen reiche und inhaltlich dichte Vortrag brachte ihr Sympathien ein. Dass sie außerdem einige Worte deutsch einwarf, womit sie das Publikum freundlich bediente und sich als Fan der nachfolgenden Band ausgab, dürfte für mehr gereicht haben. Ob sich das allerdings in ein paar Verkäufen am Merchandisingstand niederschlug, weiß ich nicht.

Die Pause danach verstrich nur zögerlich, das mittlerweile dicht gedrängte Volk wurde unruhiger. die vielfachen Gitarren auf der Bühne wurden gestimmt. die Beschallung dazu: oktoberfestselige Blasmusik. Grausam. Es war weit nach zehn, als die vierköpfige Truppe endlich unter starkem Jubel die kleine Bühne enterte. Justin, in knallrotem hemd, platzierte sich weit vorn. Der Rest des Abends verging in einer Glückswolke.
In ihr war ich für eine gute Stunde gefangen und besser aufgehoben als in Abrahams Schoss. Das Falsett Vernons, auf Tonträger gebannt in die Ferne gerückt und auf das technische reduziert, erzwingt realiter und aus unmittelbarer Nähe Gänsehaut. Die ruhige und gewissenhafte Art des Sängers drückte den Sympathiebonus ins Unermessliche. Das komplexe und doch feingliedrige, das exakte und doch Freiraum gewährende Zusammenspiel aller Beteiligten verstieg sich nicht, sondern wendete sich dem Zuhörer zu. Eine Art Vergeistigung, wie sie auch der Musik Midlakes innewohnt, konnte man erahnen, doch war sie jederzeit frei von Redundanzen und konzentriert darauf, dem sänger das Tableau zu bereiten, auf dem sich seine Stimme entfalten kann und seine Geschichten transportiert werden können. Eine Wohltat zu sehen, wie unprätentiös und doch inniglich, wie anspruchsvoll und doch nicht kunstfertig Vernon sein Handwerk betreibt. Meine Ergriffenheit steigerte sich von Song zu Song. Der Auftakt mit Flume und Lump Sum, ein Abtasten mit dem Publikum, der wache Bass, der Holzklotz, auf den der Fuß betriebene Stab einschlug, das gerichtete Schlagzeug, die begleitende, zurückhaltende E-Gitarre. Vernon dankbar für jedes Applaudieren, fast schon überrascht ob der starken Resonanz. Dabei gleicht seine Europatour bereits jetzt schon einer Art Triumphzug. Aus jeder Stadt, die Bon Iver besuchten, erklingen Lobeshymnen. erster hervorzuhebender Höhepunkt ist "Creature Fear", da die Band via zweier Schlagzeuge, die dem von vernon angeschlagenen Rhythmus entgegenarbeiten, mit Verve einem Ausbruch, einer überbordenden Ekstase zusteuern. Hier zeigte sich vertrautes Miteinander, das auch den Extremen standhält. Wer etwas mehr auf das akustische Moment gesetzt hat, wurde nicht enttäuscht. For Emma - verheerend schön, Team - fast wie vom Album übernommen, Blindsided - ausufernd und außerdem Gelegenheit bietend, sich in die vergeistigten Gesichter der Umstehenden zu verlieben. Mit Blood Bank allerdings rumpelte wenig später ein neuer, kraftvoller Song durch das Rund. Er erweckte und füllte die gestressten Konzentrationsakkus auf. Die gebündelte Aufmerksamkeit brauchte es schließlich auch für die Solonummer: Re:stacks, ohne Worte.

Dass es der Begleitung an manchen Stellen zu viel war, und dass eine Mitsingnummer meiner persönlichen Stimmung entgegenstand, können nur als Marginalien für einen ausgezeichneten Konzertabend gewertet werden. Der bereitwillig zugestandenen Zugabe Skinny Love, sicher die bekannteste Nummer Bon Ivers und vielfach mitgesungen, folgte abschließend das zu viert und a cappella intonierte Lovin’s For Fools, ein Sarah Siskind Cover.
Höchstnoten für alle an diesem Abend beteiligten Musiker und mit Sternchen versehen für das überaus aufmerksame Publikum, das ich hätte umarmen wollen.

Auszüge aus der Setlist Bon Iver, Ampere, München:

- Flume
- Lump Sum
- Creature Fear
- For Emma
- Team
- Blindsided
- Bloodbank
- Wolves
- Re: Stacks

- Skinny Love (Z)
- Lovin's For Fools (Z)


Text und Fotos von Bloggerpapst Eike aus Bayern. Danke, vielmals!

Links:

- Video Flume: solo, karg, intim, wunderschön!
- Gleiche Session: Lump Sum
- Bon Iver zusammen mit den Bowerbirds: Lovin's For Fools live
- Bon Iver Skinny Love live in einer englischen Fernsehshow
- Re:Stacks live @ The Canopy Club
- For Emma, a capella in einem Hausflur, sehr schön!

Bon Iver spielt für die Blogotheque! (kleine intime Wohnzimmersessions) :

- Skinny Love
- For Emma, Forever Ago
- Lump Sum
- Flume
- Re: Stacks
- Wolves, Act I & II




Sonntag, 3. Juni 2007

Konzertrückblick: Tinariwen, München, 01.03.07

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Konzert: Tinariwen

Ort: Ampere München
Datum: 01.03.2007

Dem Publikum dieses Konzerts hatte ich schon im vorhinein Namen gegeben. Die lehnten sich an bunte Westen, vom letzten Urlaub verbliebene Plastikzöpfe und allerlei andere Marginalien längst nicht vergessener Sehnsüchte an. Das Durchschnittsalter der ca. 150 Besucher des Amperes betrug denn auch gut 40 Jahre, womit wir von einer solventen Truppe sprechen können, die sich durchaus gut ausgestattete Afrikareisen leisten kann. Dem eingangs aufgeführten Kitsch waren sie allerdings abhold und so waren die einzigen Exoten des Abends tatsächlich nur Tinariwen. In traditionelle Kleidung gewandet durchschritten sie das Publikum und wurden vorbildlich vom Veranstalter eingeführt. Wer den aktuellen Rolling Stone noch nicht gelesen hatte, erhielt wissenswerte Informationen über Leben und Streben der Tuareg, insbesondere über jenes der Bandmitglieder.

Nach der namentlichen Vorstellung der sieben Männer und einen Frau begann das erste Set. Die Turbantücher über den Mündern verrieten den Gemütszustand und die vermutliche Aufregung der Truppe auf dem ersten Konzert ihrer Deutschlandtournee nicht. Das Verhaltene und Distanzierte war dennoch nicht uncharmant, zumal man dem Zauber der Musik sofort erlag. Die Rhythmen fordernd, das Gitarrenspiel energiegeladen, der Gesang fremd und anziehend zugleich. Die meisten Lieder entstammten dabei dem neuen Longplayer "Amin iman" (water is life), der sich durch eine hevorragende Produktion auszeichnet und dem Verdacht, massenkompatibles, "weltmusikalisches" Allerlei zu bieten, energisch entgegentritt. Tinariwen verleugnet weder die eigenen Wurzeln, hält an traditionellen Gesängen, dem erdigen Blues der Wüste fest und verzichtet gänzlich auf formal ausgleichenden Soundbrei, um womöglich die Verkaufschancen zu erhöhen.

Nach einer kurzen Pause, in der der Veranstalter seine früheren Ausführungen ergänzte, betraten Tinariwen erneut die Bühne, um ihr Programm fortzusetzen. Die anfängliche Aufregung wich mehr und mehr, die Band wurde mutiger, Schleier und Tücher fielen, Münder, Gesichter wurden sichtbar, der Kontakt zum Publikum wurde geknüpft und die Intensität der Darbietung erhöht. So gelang es den acht nach und nach besser, einen geradezu hypnotischen Beat aufzubauen, in dessen Sog man sich geborgen und wohlbehalten sah und den Bildern der Wüste, der Weite, der Einsamkeit verfiel. Auch die Zuseher, Zuhörer wurden mutiger, klatschten mit, bewegten sich zunehmend ausgelassener und wurden sogar auf die enge Bühne zum Mittanzen eingeladen.

Im Mittelpunkt der Band Tinariwen steht Ibrahim Ag Alhabib. Der große, müde, fast depressiv erscheinende Mann hält die Fäden unauffällig zusammen, singt einen Großteil der Songs, für deren meiste Texte er verantwortlich zeichnet, und steuert sein energetisches Gitarrenspiel bei. Mit wesentlich größeren Entertainerqualitäten ist Alhousseini Abdoulahi ausgestattet, der die Leadvocals dort übernimmt, wo sich Ibrahim in den Hintergrund zurückzieht. Alhousseini kontaktiert das Ppublikum und setzt verbindende Akzente. So gibt es Rapeinlagen, Rockriffs und den Aufbau einer tranceartigen Stimmung. Dass das Fremde stets Oberhand behält, dafür sorgt u.a. Mina Wallet Oumar mit ihrem gutturalen Gurren oder Rufen. Neben den drei genannten agieren in der Band Alassane Touhami, Eyadou Ag Leche, Said Ag Ayad, Elaga Ag Hamid. Der Truppe sei hiermit für einen wunderbaren Abend gedankt. Sie stand im übrigen noch nach dem Konzert den Besuchern Rede und Antwort.

Randbemerkung: Während der Unterrichtung durch den Veranstalter in der Pause, rief eine Dame aus dem Publikum, dass sie keine Studiosus Reisen kaufen würde. Solcherart Mißverständnisse zeigen, dass unser Weg nach Afrika noch weit ist. Die Dame wurde von den Anwesenden vorbildich in ihre Schranken gewiesen.

von Eike



Freitag, 27. April 2007

Konzertrückblick: Hanne Hukkelberg, München, 14.04.07

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Konzert: Hanne Hukkelberg
Ort: Ampere München

Datum: 14.04.2007


Unter gleichsam geistlichem Beistand fand das Konzert von Hanne Hukkelberg im Ampere am 14.04.07 statt, hatte sich doch 'Monsignore Mühlich' unter die ca. 100 Zuhöhrer gemischt. Und wie ich vernehmen konnte, folgte er damit dem Tip eines guten Bekannten. Da mich sein aufdringliches Gequatsche in Folge nervte, entfernte ich mich und suchte ein weniger unaufgeräumtes Plätzchen in der nur mäßig gefüllten Location auf, konnte aber den Herren während der Veranstaltung häufiger in Begeisterung verfallen sehen.


Unter einem gleichsam schlechten Stern stand das Konzert, da in der anliegenden Muffathalle ein Nachwuchsband Wettbewerb stattfand, zu dem als Stargast Adam Green geladen war. Die Veranstaltung war kostenlos und so verlief sich der eine oder andere Unentschlossene doch noch in die falsche Veranstaltung. Aber: das euphorische, kundige Auditorium machte die Leere im hinteren Publikumsbereich allemal wett. Denn die Band spielte ein hochkonzentriertes, musikalisch ausgereiftes, feinädriges Set. Unter Einsatz diverser Klanginstrumente in Symbiose mit dem oktavenübergreifenden, dynamischen und Grenzen auslotenden, narrativen Gesang Hannes und der prima Zweitstimme der Line Horntveth fanden die Songkonstruktionen schnell eine aufmerksame, begeisterte Zuhörerschaft. und tatsächlich gelang es den fünfen, die hochsensiblen Stücke in realiter wie 1:1 vom Tonträger erstehen zu lassen. Das hervorragende, peinlich genaue abgestimmte Zusammenspiel der Musiker war nur eine der notwendigen Voraussetzungen hierfür. Vielmehr stand die Lust und Liebe an der Beschäftigung mit Klängen und dem Ineinanderfügen von tonalen Erzeugnissen im Vordergrund. ob es ein Kinderklavier, die Speichen eines Fahrrads, der Mülltonnendeckel oder eines der diversen Percussiongeräte war, alles fügte sich, ordnete sich in die Klangfamilie ein.

Die wirklich kleine Hanne Hukkelberg taute während des Konzertes zunehmend auf, erlaubte sich den einen oder anderen Spaß und kommentierte Ereignisse, die den Abend ornamentierten: Stöckelschuhe, die auf dem Gang zum Klo hallten, das Noisegewitter der Boxen mitten in einem Titel, den Jubel des Publikums. Zum Dank gab es denn auch zwei Zugaben.

Meine Highlights waren "Ticking bomb", "The north wind", das Pixies-Cover "Break my body" und "Ease". Wobei ich mir gewünscht hätte, dass Hanne öfter ihre Stimme in den mittleren Höhen bewegt hätte, da sie dort, kraftvoll, energisch singend, noch mehr Gänsehaut, Wohlgefühl erzeugen kann. Weitere Titel waren: "Cast anchor", "Words & a piece of paper", "Berlin", "Cheater's armoury", "The pirat".

Die außerordentlich sympathische Band:
Hanne Hukkelberg - voc, violin, perc, bicycle
Line Horntveth - fl, voc, tuba, toy piano
Thomas Helland - keys, acc, g, voc
Henning Sandsdalen - g, b
Peter Baden - dr & perc
Anders Aasebøe - sound engineer

von Eike von das Klienikum

Foto: Eike



 

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