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Montag, 17. November 2014

Jack White, Frankfurt, 14.11.14

3 Kommentare

Konzert: Jack White
Ort: Alte Oper, Frankfurt
Datum: 14.11.2014
Zuschauer: ca. 3.000 (ausverkauft)



von Dirk aus Mönchengladbach

Er kommt nicht oft nach Deutschland, auch das Konzert in Frankfurt lag wohl eher zufällig auf dem Tourplan und wurde in die kurze, nur 10 Städte umfassende Europatour noch eingeschoben. Da Herr White netterweise „schöne“ Konzertarenen bevorzugt, gleichzeitig aber nicht auf Stehplätze verzichtet, gab es in der ehrwürdigen Alten Oper eine Premiere (Besserwisser nutzen bitte gerne die Kommentarfunktion). 

Also alle Sitze raus und Party im Parkett. Dies sollte jedoch nicht die einzige ungewöhnliche Änderung für ein Rockkonzert in diesem Rahmen sein. Aufzüge zum Balkon, Wein aus der 0,2l Dekantierkaraffe, fast mehr Ordnerdamen als Gäste, strikte Handy- und Fotoeinschränkung überwacht durch neonbeleuchtete Ex-Söldner der Security.... doch kommen wir zur Sache. 

Wohl keinem gönnt man die monetäre Freiheit durch Gema- und Tonträgereinahmen mehr als Jack White. Alles dient wieder dem Konzept, dem Konzert oder seinem Label. Mag er auch persönlich ein eher verschrobener Geist zu sein, die Band und seine eigenen Tourmänner (Hosenträger, schwarze Kleidung, Hut und Zigarette) vermitteln eine sehr entspannte Stimmung innerhalb der Crew. 


Das Konzept sieht diesmal eine kleinere Band vor, nur zu fünft wird agiert und da gibt es beim Anspruch der Künstlers keinen Platz für Amateure. Ohne ins Detail zu gehen, hier sind nicht nur Vollprofis am Werk, alleine die Erscheinung und Art des Spiels jedes einzelnen sind mitreißend wie beim Sänger selbst. 


Als Show fungiert alleine eine Variation von Blau und Weiß. Kein anderer Lichtstrahl wird zu sehen sein. Diese Monotonie spiegelt sich jedoch in keinster Weise in der gebotenen Musik wider. Zwar werden alle Spielarten des Rock, Blues, Country etc. ..in der White eigenen Art gegeben. Aber die Bandbreite ist beeindruckend. 


Icky Thumb gibt den krachigen Opener und nach nur 10 Songs hat man schon Lieder von 4 Bands geboten bekommen. Tolle Versionen von Alone in my home oder Three Woman folgen, doch dann ist der offizielle Teil vor den Zugaben überschaubar und endet mit einem wuchtigen Ball and Biscuit. So gut die Solosongs und Coverversionen sind, als Highlights scheint sich Jack White immer noch auf seine White Stripes Songs zu verlassen. Dem Publikum ist es egal. 

Immer wieder läuft Jack wie ein Derwisch über die Bühne, reißt die Arme hoch, um Einsätze seiner Band zu arrangieren oder das Ende eines Songs anzukündigen. Flüstert seiner Geigerin danach eine neue Eingabe ins Ohr und weiter geht die schnelle Fahrt ohne Setlist und doppeltem Boden. 

Und so teilen sich die Meinungen der Besucher wieder in die zwei bekannten Lager. Was ist besser: klassisches Best-of Set oder ungebremste Spiellaune mit ungeplanten Hängern. 

Die Zugaben treffen nicht so ganz meinen Geschmack, was die Steigerung bis zum Ende anbelangt. Immerhin waren dafür die Versionen von Hello Operator und besonders Love Interruption besonders schön. Damit alle wissen, dass Schluss ist, dann noch nach fast 2 Stunden Seven Nation Army (mit einen geänderten Gitarrenriff) und damit wussten auch die letzten Ordner warum dieser Mann eine so große Halle füllen kann, denn ein Fußballspiel mit diesen Akkorden hatte wohl schon jeder gesehen. 

Was bleibt, war ein toller Abend in angemessener Atmosphäre der, und das soll hier auch mal gesagt werden, mit 42 EUR völlig angemessen veranschlagt wurde. 

Bleibt zu hoffen, dass sich Jack White weiterhin treu bleibt und solange er bei den seltenen Konzerten alles gibt, besteht kein Grund, über fehlende Abende in Deutschland zu meckern.

Setlist Jack White, Alte Oper, Frankfurt:

01: Icky Thump
02: High Ball Stepper
03: Lazaretto
04: Dead Leaves and the Dirty Ground
05: Temporary Ground
06: Alone in My Home
07: Baby Blue
08: Cannon
09: I Asked for Water (She Gave Me Gasoline)
10: Just One Drink
11: Three Women
12: Sugar Never Tasted So Good
13: Entitlement
14: Weep Themselves to Sleep
15: Ball and Biscuit
   
16: Hello Operator (Z)
17: Top Yourself (Z)
18: I'm Slowly Turning Into You (Z)
19: Love Interruption (Z)
20: Missing Pieces (Z)
21: Seven Nation Army (Z)


Links:

- aus unserem Archiv:
- Jack White, Berlin, 26.06.12
- The White Stripes, Paris, 11.06.07
- The Raconteurs, Paris, 29.08.08
 

Montag, 27. April 2009

Antony And The Johnsons, Frankfurt, 27.04.09

10 Kommentare

Konzert: Antony And The Johnsons
Ort: Alte Oper, Frankfurt am Main
Datum: 27.04.2009
Zuschauer: ausverkauft (2.700)
Dauer: 95 min


Selten fiel es mir so schwer, über ein Konzert zu schreiben, es täte dem Abend aber unrecht, die Erlebnisse hier zu ignorieren.

Schon der Rahmen war ein außergewöhnlicher. Vor der Alten Oper in Frankfurt habe ich bereits Musik gesehen, drinnen bisher nicht. Vom Charme der Fassade bleibt nichts mehr übrig, wenn man das im Krieg stark beschädigte und erst vor knapp 30 Jahren wiedereröffnete Gebäude betritt. Innen haben die 70er Jahre gnadenlos zugeschlagen. Beeindruckt haben mich vor allem die wundervollen Deckenleuchten in den Foyers.

Das Publikum schien sich dem Haus angepasst zu haben, denn auch da waren unglaublich viele unterschiedliche Stile zu sehen. Ob Joschka Fischers ehemalige Kampfgefährten, bunthaarige Mittdreißiger, Mitglieder von Kulturvereinen aus dem Taunus oder der Großteil der Kölner Indie-Szene, alles war vertreten (nur nicht immer Schuhe, es gab auch einen Barfüßigen - Gott, bin ich spießig!).

Als wir unsere Plätze auf dem Balkon einnahmen, merke man erstmals die überaus feierliche Stimmung. Die Veranstaltung hatte genau den Rahmen, den sie verdiente. Unvorstellbar, das Konzert etwa im Kölner Palladium zu sehen - oder auch in der Jahrhunderthalle in Frankfurt.

Als es losging, beleuchtete erst einmal nur ein Spot die Bühne. Eine groß aussehende Frau betrat die Bühne und tanzte in den folgenden zwanzig Minuten in unterschiedlichen Kostümen eine Geschichte (in der ein Vogel vorkam...). Ich kann mit Ausdruckstanz nichts anfangen - vor dem Hintergrund des Covers der aktuellen Platte von Antony And The Johnsons machte die Darbietung aber absolut Sinn. Also ließ ich meinen Horizont ein wenig erweitern und sah hin.

Während die Dame zum letzten Mal zum Bühnenrand ging, kamen im Dunkel Musiker aus dem Hintergrund und setzten sich an ihre Instrumente. Ohne Vorlauf oder Pause, und auch ohne viel Licht, begannen die Johnsons und Antony
Where Is My Power, der B-Seite von Epilepsy Is Dancing.

Antonys Band bestand aus einem Schlagzeuger, einer Cellistin, einem Bassisten, einem Violinisten, einem Gitarristen und einem Multiinstrumentalisten, der Violine, Gitarre und Saxophon spielte. Antony Hegarty saß den ganzen Abend am Flügel.

Nach dem ersten Stück war der Applaus groß, aber noch ein wenig sachlich. Das sollte sich nach und nach ändern. Die anfängliche Zurückhaltung, wobei Zurückhaltung es eigentlich nicht richtig trifft, lag ganz sicher an den überwältigenden Eindrücken. Obwohl da vorne eine Band spielte, wirkte alles vor dem Zuschauerraum ewig weit entrückt und unwirklich. Die überwältigende Akustik (zu irgendwas muß der wenig schöne Innenraum gut sein!) und das spärliche Licht erschlugen alle Sinne, vor allem aber die vollkommen perfekt vorgetragene Musik!

Und auch hier ist perfekt eigentlich wieder das falsche Wort, denn einige Lieder gingen darüber hinaus und hörten sich besser als auf Platte an - und zwar nicht dieses Besser, das die meisten Livestücke haben, daß nämlich gut gespielte Livemusik immer durch die fehlende Distanz präsenter ist. Teilweise hörten sich Antonys Stücke einfach nach besseren Album-Aufnahmen an. Als hätten die Tontechniker gerade noch einmal besonders gezaubert. Daher hatte das Konzert wenig mit den Veranstaltungen zu tun, über die wir sonst hier schreiben, es gehört einer anderen Kategorie an.

Nach jedem Lied ging das Licht aus, man konnte bis zwei zählen, dann brandete Applaus auf - ein immer gleiches Ritual. Bis das Licht wieder hochfuhr und das nächste Stück angestimmt wurde. Im Laufe des gut anderthalb Stunden dauernden Ereignisses legte sich die Zurückhaltung der Zuschauer mehr und mehr. Nach den ersten Takten der Liedern gab es dann schon stürmischen Applaus.

Ich möchte nicht einzelne Titel auseinanderpflücken aber sicherlich waren Fistful of love,
For today I am a boy, Aeon und die Zugaben Höhepunkte dieses ergreifenden, wundervollen - aber auch entrückten Konzerts.

Und dann war da noch diese Szene, die ich nicht deuten konnte. Nach einem der ersten Lieder stürmte Antony an den Bühnenrand und redete auf jemanden in der ersten Reihe ein. Natürlich bekam ich nicht mit, worum es ging, die Körpersprache wirkte aber, als handele es sich um irgendein Ärgernis. Diese kleine Unterbrechung der Perfektion tat dem Konzert trotzdem gut.

Setlist Antony And The Johnsons, Alte Oper, Frankfurt:

01: Where is my power
02: Her eyes are underneath the ground
03: Epilepsy is dancing
04: One dove
05: For today I am a boy
06: Kiss my name
07: Everglade
08: Another world
09: Shake that devil
10: The crying light
11: I fell in love with a dead boy
12: Fistful of love
13: You are my sister
14: Twilight
15: Aeon

16: Cripple and the starfish (Z)
17: Hope there's someone (Z)

Links:

- Antony And The Johnsons in Paris
- Jede Menge Fotos von Antony & The Johnsons hier und hier!

Anmerkung: Die Fotos stammen von dem Antony Konzwert in Paris



 

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