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Donnerstag, 4. Juni 2009

Alela Diane, Frankfurt, 03.06.09

6 Kommentare

Konzert: Alela Diane
Ort: Mousonturm, Frankfurt
Datum: 03.06.2009
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft, vielleicht 400
Dauer: 75 min


Ein "schönes Konzert" (Zitat Oliver über den Vorabend in Paris), gar keine Frage! Aber der Reihe nach...

Auch wenn ich den Abend mit Alela Diane schon lange vorgemerkt hatte, war der Entschluß spontan, sie im Mousonturm zu sehen. Denn neben einigen anderen potentiellen Hinderungsgründen tauchte mit der wundervollen Caroline Keating kurzfristig noch eine Konkurrenzveranstaltung auf. Die Kanadierin spielte aber als
eine von zwei Vorgruppen von Kristofer Åström im Wiesbadener Schlachthof. Die Aussicht auf einen sehr kurzen Auftritt und die fehlende Lust, den schwedischen Sänger schon wieder zu sehen, bedeuteten den letzten Funken Ausschlag (das klingt nach Spätpubertät...) für die amerikanische Folkkünstlerin.

Das Künstlerhaus Mousonturm ist neben den vielen skurrilen (und meist trotzdem charmanten) Clubs in Frankfurt ein echter Star. Sein Konzertsaal ist ein eigens dafür gebauter, was ihn für Künstler, deren Musik gute Akustik besonders gut verträgt, zum perfekten
Auftrittsort macht. Auch bei Art Brut hatte ich viel Spaß im Mousonturm, so richtig punkten als Spielstätte kann der Saal aber eben bei den Paul Wellers, Mark Lanegans, Isobel Campbells oder Alela Dianes.

Saal und Empore waren bestuhlt. Ich schätze, daß so etwa 450 bis 500 Leute Platz gefunden hätten. Ganz ausverkauft schien es mir aber nicht zu sein. Beginn 21 Uhr war ausgegeben worden, was mir bei zwei Vorgruppen wie in Paris plausibel erschien. Ich hatte aber nichts von Supports gelesen (auf die ich nicht sonserlich erpicht war, besonders nach dem, was mir Oliver über die zweite im Olympia erzählt hatte) und wollte nicht riskieren, den Hauptact zu verpassen. Also kam ich um zwei vor neun im Parkhaus am Mousonturm an und sah, daß noch viele Leute draußen oder im Vorraum standen. Offensichtlich verkalkuliert. Als ich aber kurz in den Konzertraum guckte, liefen die letzten Vorbereitungen. Es würde also wirklich schon losgehen!

Um zehn nach neun erschien aber kein Warmup sondern die Kalifornierin. Alela Diane hatte aber erst nur einen zweiten Gitarristen im Schlepptau, vermutlich Tom Menig.* Die beiden guckten sich an und spielten auf ihren Instrumenten los. Lady
Divine vom diesjährigen Album To be still bildete den Auftakt. Alelas Stimme ist live so, wie ich es gelesen hatte. Sie ist klar, kraftvoll und einprägsam.

Toll fand ich die Dramaturgie des Konzerts. Da sie offenbar die gleiche Setlist spielt (Paris und Frankfurt
waren identisch), scheint dies so geplant zu sein. Standen bei Lady Divine noch Alela und Tom alleine auf der Bühne, war es beim zweiten Stück (Tired feet vom 2006er Debüt) schon eine dreiköpfige Band - Sängerin Alina Estelle Hardin war dazugekommen. Obwohl ihr Gesicht meist vollkommen unbeteiligt aussah, gefiel mir die zusätzliche Stimme sehr! Tired feet war dadurch deutlich intensiver als das erste Lied.

In gleicher Konstellation ging es zunächst weiter mit Tatted lace, bei denen Alelas Gesang an einer Stelle stark Jodlern glich - vielleicht können das Münchner Konzertgänger am Donnerstag bestätigen!

Zum vierten Lied - Dry grass & shadows - kam der Rest der Band dazu. Bassist Tom Bevitori und (als
Vogelscheuche verkleidet) Schlagzeuger Benjamin Oak Goodman. Ich tue Benjamin aber ein wenig unrecht, sein Hut ist vermutlich mehr Hoss Cartwright als Vogelscheuchenkopfbedeckung. Vor allem tue ich seinem Spiel unrecht, denn Ho ähh Benjamin machte das ganz ausgezeichnet. Durch die beiden weiteren Musiker kam jetzt deutlich mehr Schwung in die Bude, allerdings nur auf der Bühne, denn im Saal war es ruhiger als in der Kirche (da husten Leute und klingeln Telefone). Nach jedem Lied setzte zwar freundlicher Applaus ein, mit Konzertstimmung hatte das aber nichts zu tun. Vielleicht erschwerte die Bestuhlung größere Ausgelassenheit. Natürlich ist es sehr bequem, während eines solchen Konzerts weich zu sitzen, es fördert aber auch abends, wenn man ohnehin müde ist, das langsame Wegdösen (harte, unbequeme Kirchenbänke wie bei Scott Matthews können da Wunder wirken!).

Benjamin trommelte zumindest das erste Lied mit einer Rassel, ein wunderbarer Effekt! Mir schien es auch eine gute Idee zu sein, den Schlagzeuger zu betrachten, denn dem auch ausgezeichnet spielenden Bassisten Tom konnte ich beim besten Willen nicht zusehen. Sein Gehampel und Gepose machte mir wieder einmal
deutlich, wie Bassisten für mich sein müssen: sie müssen stoisch auf ihrem Platz stehen und tiefe Töne erzeugen. Beispiele und Vorbilder sollten Dee Dee Ramone oder Shmoo Ritchie sein! Aber netto war Tom Bevitori sehr gut!

A propos stoisch: Alinas Müdigkeit lag vielleicht auch an der Wahnsinnsfahrt morgens von Paris nach Frankfurt, die Alela aber mochte ("we drove from Paris this morning. It's good to have a change of scenery!").

Wie bei Scott Matthew spielte auch Alela ihr ganzes aktuelles Album. Der Hauptteil des Konzerts wurde nur viermal durch andere Songs "unterbrochen", durch drei Stücke von der ersten Platte und das Neil Young Cover Heart of gold, das mich aber nicht überraschte, weil ich es in Olivers Setlist bereits gesehen hatte. Hätte ich mich
mehr mit der Sängerin befasst und wäre es nicht mein erstes Konzert gewesen, hätte mich vermutlich enttäuscht, daß die Amerikanerin ihr Programm nicht variiert, so störte es mich nicht, ich erfreute mich mehr an der zunehmenden und nach The ocean wieder abnehmenden Bandgröße.

The ocean war für mich der beste Song des Abends! Neben dem erwähnten Tired feet gefiel mir auch White as diamonds besonders. Ein Highlight bot aber noch die Zugabe. Nach dem schönen Age old blue (kein Lied über Käse) kam The pirate's gospel, das böse Zungen als albern bezeichnen könnten. Ich bin wohlgesonnen und liebte das Piraten-Cowboy-Lied. Es handelt nicht von Cowboys (das glaube ich wenigstens), es wurde aber von einer Cowboy-Band gesungen, die an diesem Abend nie mehr nach Country klang (und
die die leider vergessene Jeanshemd-Mode wieder aktuell gemacht hat).

Und da packte es das Publikum dann wirklich mal! Alela hatte vorher gebeten, doch aufzustehen. Zögerlich machten alle mit. Es wirkte aber fremd. Nach
The pirate's gospel dagegen brach extrem langanhaltender Jubel aus. Vollkommen klar, daß die Band noch einmal rauskommen musste. Alela und Tom kamen zurück - allerdings nur, um sich zu verbeugen. Schade.

Die mit Abstand romantischste Szene hatte sich vorher ereignet. Alela und Bassisten-Tom hatten
Take us back, das letzte Lied vor den Zugaben alleine bestritten. Tom stand hinter der Kalifornierin und sang in ihr Mikro. Sehr schön! Und ich hatte den Eindruck, es war nicht ganz zufällig, daß dies so romantisch wirkte.

Setlist Alela Diane, Mousonturm, Frankfurt:

01: Lady Divine
02: Tired feet
03: Tatted lace
04. Dry grass & shadows
05: White as diamonds
06: The alder trees
07: To be still
08: Heart of gold (Neil Young Cover)
09: Every path
10: My brambles
11: The ocean
12: The rifle
13: Oh! My mama
14: Take us back

15: Age old blue (Z)
16: The pirate's gospel (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Alela Diane, Paris, 02.06.09
- Alela Diane, Paris, 12.11.08
- Alela Diane, München, 04.11.08
- Alela Diane, Paris, 19.03.08
- Alela Diane, Paris, 24.10.07
- Fotos aus Frankfurt

* Leser dieser Seite werden wissen, daß er Alelas Vater ist


Samstag, 18. April 2009

Matt Bauer & Troy von Balthazar, 17.04.09

6 Kommentare

Konzert: Matt Bauer & Troy von Balthazar (ben
Ort: Le Nouveau Casino, Paris
Datum: 17.04.2009
Zuschauer: fast ausverkauft




Die König der Folkmusik war persönlich da! Klar, ich rede natürlich von Alela Diane, die mit ihrem Vater Tom Menig das Konzert ihres ehemaligen Banjospielers Matt Bauer verfolgte und auch genau aufpasste, wie sich ihr Drummer Benjamin Oak Goodman und ihre Begleitsängerin Alina Hardin auf der Bühne machten. Ich war gerade in ein Gespräch am Merchandising Stand vertieft, als die natürliche Schönheit mit ihrem Daddy hereinschneite und Clemence von Zamora Productions, die das tolle Konzert organisiert hatte, per Küßchen begrüßte. Klar, daß da mein Herz höher schlug! Leider gab es aber keinen Gastauftritt von Alela, den ich mir so sehnlich gewünscht hätte, da ich ihre kürzlich stattgefunden drei Konzerte in Paris (Bataclan; Salle de Billards, Olympia, Secret Gig, nur per Gewinnspiel-Glück oder Listenplatz zu genießen; Canal+, Album de la Semaine) allesamt verpasst hatte. Die König schwieg also, aber die Prinzessin, in diesem Falle ihre gute Freundin Alina Hardin sang auf das Wundervollste! Den wunderschönen Titel Crying Wolf trug die hübsche Brünette mit ihren tollen Cowboyboots und der sirenenhaften Stimme ganz alleine vor, bei dem Rest der Songs sang sie gemeinsam mit Benjamin Oak Goodman. Ein hütchentragender Bursche, dessen bescheidene Art mir Respekt abverlangte! Er hatte Alela bei sämtlichen Konzerten tatkräftig unterstützt (Alina auch), erklärte dem Publikum aber lediglich, daß er in den letzten Tagen und Wochen mit "einer" (als sei es irgendeine!) Band auf Tour war und froh sei, hier mal seine Eigenkompositionen, darunter die hübsche Single Yes My Heart vorzutragen. Er erwähnte nicht, um welche Band es sich da handelte. Herrlich tiefgestapelt!

Eine Beschäftigung mit seinem Werk, das natürlich vornehmlich aus ruhigen und reduzierten Folksongs besteht, sei hiermit empfohlen!

Auch der darauffolgende Matt Bauer hat schon oft mit Alela Diane auf einer Konzertbühne gestanden, nun aber konzentriert er sich auf seine Solokarriere. Und ich drücke ihm beide Daumen, daß es denn auch etwas wird mit der Karriere, denn er hat es wirklich verdient! Seine Stimme ist wunderbar warm und rauchig und live fast noch schöner als auf seinen zwei bisherigen Alben und sein Banjospiel selbstverständlich vorzüglich. Aber auch Gitarre spielt er gefühlvoll und filigran, so daß es mir schwerfällt, mich festzlegen, an welchem Instrument er mir besser gefällt. Das hängt natürlich auch von den Songs ab, die allesamt sehr ruhig, traurig und getragen sind. Besonders hervorzuheben sind Don't Let Me Out , Rose And Vine und Florida Rain aber auch der Rest, in der Mehrheit vom vorzüglichen letzten Album The Island Moved In The Storm stammend, war hochkarätig. Lediglich die volle Konzentration ging aufgrund meiner Müdigkeit manchmal flöten. Aber wer sagt, diese Art von Musik sei langweilig, der ist wohl zu sehr von der hektischen, modernen Welt abgestumpft, wo alles immer schnell und laut zugeht. Matt Bauer lehrt uns mit seiner ruhigen Art zuzuhören, abzuschalten und uns zurückzulehnen. Allein schon seine Cowboyboots und seine Blue Jeans weisen den Kalifornier als Fan des ländlichen Amerika mit seinen unendlich weiten Landschaften aus, aber bei ihm ist das sicherlich nicht nur eine Attitüde. Und dies obwohl er heute selbst im hektischen New York lebt...

Matt Bauer, ein Mann, der in sich selbst ruht. Ein Leisetreter, ein Sympath. Und vor allem: ein ganz exzellenter Musiker!

Diese Songs gehörten zur Setlist von Matt Bauer im Nouveau Casino (ohne Rücksicht auf die Reihenfolge)

- As She Came Out Of The Water
- Water Moccasin
- Sheltering Dark
- Don't Let Me Out
- You Belong To Me
- Florida Rain
- Rose And Vine
- Carve It Out
- Blacksnake In the Carport
- Blacklight Horses

Als Letzter war der Amerikaner Troy Von Balthazar an der Reihe. Indiefans kennen ihn noch als Mitglied der Band Chokebore und mit der hatte Troy ausgerechnet im Nouveau Casino sein letztes Konzert gespielt. Als er dies erwähnte kamen Mitleidsbekundungen vom Publikum, aber er winkte sofort: "Oh, it's ok for me, no problem!"

Ein smarter Kerl, dieser Troy von Balthazar, gertenschlank, knackiger Po, markante Gesichtszüge, strahlend blaue Augen und ein diabolisches Lächeln. Die Frauen lieben ihn! Keine Wunder also, daß um mich rum viele Mädchen, in vielen Fällen Amerikanerinnen, standen, die schmachtend auf die Bühne starrten als der Ami loslegte. Er war ganz alleine mit seiner Elektrischen erschienen, auf der in der Mitte ein B (wie Balathazar? Hmm, was sonst!) eingraviert war. Schon bald gab er reichlich Kostproben seiner exzentrischen Mimik und Gestik. Wenn er singt, hat man manchmal das Gefühl, er sei gerade beim Vollzug des Liebesaktes. Wie er sich da so windert und dazu haucht und stöhnt, als käme er gleich.

Um sein Set abwechslunsgreicher zu gestalten, hatte er jede Menge Verstärker dabei und loopte und sampelte, was das Zeug hielt. Dennoch hätte es dem Konzert gut getan, wenn zumindest ein Drummer dabei gewesen wäre, da bei solchen One Man Shows oft irgendwann einen gewissse Monotonie aufkommt. Zum Glück hatte er aber einige wirklich gute Songs im Gepäck, die für Kurzweil sorgten. Dots and Hearts ganz am Anfang war zum Beispiel bereits ziemlich toll, wenngleich mir ein wenig die Frauenstimme (Adeline Fargier, eine Französin) fehlte, die auf der CD sinnlich mitzwitschert. Auch das nachfolgende I Block The Sunlight Out gehörte zu den Highlights. Ein pluckernder Elektrobeat leitete in diesen Schmachtfetzen ein, auf dem Troy mal wieder wie der traurigste Mensch der Welt singt. Ein tolles Stück, irgendwo zwischen Sparklehorse und Elliott Smith zu verorten, was ja wahrlich nicht die schlechtetsetn Referenzen sind. Einige Male wurde ich aber auch an John Lennon erinnert, ohne die peacige Note allerdings, die Zeiten haben sich eben geändert! Und jeder wird älter, auch Troy von Balthazar, obwohl ich ihm nicht abnehme, daß er 53 Jahre alt ist, wie er scherhaft behauptete, nachdem er nach einem Song gebten wurde, an dessen Lyrics er sich nicht mehr erinnern konnte. Stattdessen spielte und hauchte er sich durch Valentine, einem Lied mit starker Sogwirkung, bei dem er gekonnt Halleeffekte einsetzte und relativ abrupt abbrach, um Day Of Nothing hinterherzuschieben, das mich - nicht lachen! - ein wenig an die Melancholie und Sentimentälitat von Nothing Else Matters von Metallica erinnerte, aber auch erneut viel von der suizidalen Schwermut eines Elliott Smith hatte.

Der größte Kracher kam aber am Ende des regulären Sets, in dessen Verlauf Troy wie schon beim letzten Mal als ich ihn gesehen hatte, eine Bunny Maske aufgesetzt und damit für Schmunzler gesorgt hatte. Heroic Little Sisters hat eine unwiderstehliche Gitarrenmelodie (fast wie in der Frühphase von The Cure!) zu der man so richtig schön mitschmachten kann. Für mich ganz klar das beste Lied des Konzertes, das auch noch 3 Zugaben bereithielt.

Troy von Baltahzar kann ich letztlich jedem empfehlen. Ein exzentrischer Typ, aber auch ein großartiger Songwriter und Interpret. Hingehen, wenn er nach Deutschland kommt!

Konzerttermine Troy Von Balthazar:

14. Mai. 2009: Orangerie, Brüssel, Les Nuits Botaniques
04. Juni 2009: Lovelite, Berlin
06. Juni, Studio der Schaubühne, Berlin
03. Juli: Schokoladen, Berlin



Setlist Troy Von Baltahzar, Le Nouveau Casino, Paris:

01: Rainbow
02: Dots and Hearts
03: I Block The Sunlight Out
04: Communicate
05: Took Some $$
06: Valentine
07: Days Of Nothing
08: My Diamond Brain
09: Right Woman
10. Bunny dance about being hurt
11: Heroic Little Sisters

12: Playground
13: Real Strong Love
14: Wings

Links:

Videos Troy von Balthazar: Heroic Little Sisters live @ Nouveau Casino, Paris, Valentine/Days Of Nothing




 

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