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Montag, 6. Februar 2012

Wild Flag & Peggy Sue, Paris, 04.02.12

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Konzert: Wild Flag & Peggy Sue (und andere), Inrocks Indie Club
Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 04.02.2012

Zuschauer: viele, etwa 400



Im Nordwesten der USA leben die krassen, die wilden Weibsbilder. Das absolute Kontrastprogramm zu Kalifornien und den intergralgebräunten blondierten Tussies mit den aufgeklebten Fingernägeln. In Olympia, Washington, oder in Portland, Oregan geben sich die Frauen natürlich, sind kaum geschminkt, oft tätowiert und haben teilweise Haare unter den Achseln (echt jetzt, kein Witz). Hier oben an der Grenze zu Kanada ist das Klima rauer als im sonnigen Los Angeles, es regnet oft, Kurt Cobain ist hier (in Aberdeen, einer grauen Küstenstadt) groß und depressiv geworden, die rebellische Riott grrrl Bewegung nahm hier ihren Ursprung und zahlreiche kultige Top-Label (K-Records, Kill Rockstars, Hush, Sub Pop) sind ortsansässig.

Die vier wilden Weibsbilder von White Flag veröffentlichen zwar auf Merge Records aus North Carolina, kommen aber aus dem Nordwesten der USA und können der Riot grrrl- Bewegung zugerechnet werden, obwohl man ja heute diesen Begriff nur noch als Referenz verwendet. Sie bilden eine sogenannte Supergroup, wenngleich mir persönlich nur Sleater-Kinney und somit Carrie Brownstein und Janet Weiss ein Begriff waren. Wer kennt schon Helium, die Band von Mary Timony? Wer The Minders, die Gruppe der Orglerin Rebecca Cole? Ich nicht.

Egal, nun kenne ich zumindest alle Gesichter und weiß auch wie die Mädels musikalisch so drauf sind. Gut nämlich! Zwar war das wohl kein Top Ten Konzert des Jahres und der Sound der präsentiert wurde, war auch alles ander als neu und innovativ, aber die vier Spätdreißigerinnen (erstaunlich, meine Frau ist so alt wie Carrie Brownstein sieht aber 10 Jahre jünger aus) gingen mit so viel Spielfreude und Enthousiasmus zur Sache, daß man überhaupt nicht meckern konnte. Man merkte ihnen an, daß sie sich gut untereinander verstehen, daß sie richtig Bock haben zu touren und die Titel ihres Albums zu spielen und daß sie dankbar für jede Unterstützung waren. Wieselflink und leichtfüßig huschten sie über die Bühne und feuerten die Titel ihres Debüts ab. Durch ihre Einsatzfeude kaschierten sie auch, daß sie keinen ordentlichen Soundcheck absolviert hatten und dadurch auch nicht perfekt eingestimmt waren. Aber die Songs waren mitunter sehr catchy, mit dem besonderen Reiz des Kontrastes zwischen süßlichen Stimmen und rotzigen Gitarren.

Sehr cool fand ich im ersten Drittel die sehr ramoneslastige Punknummer Winter Pair, die wahnsinnig rasant und herrlich agressiv rüberkam und ordentlich Staub aufwirbelte. Carrie und Mary lieferten sich hierbei fetzige und hochunterhaltsame Gitarrenduelle. Später dann gefiel auch Nothing mit einem 60ies poppigen Mittelteil.

Besondere Erwähnung muss die Orglerin Rebecca Cole finden, die mit ihrem Geklimper eine schöne Abwechslung in den schroffen Sound brachte und der Sache eine Seventies-Note verlieh. Stark auch die Drummerin Janet Weiss, die mich nicht nur mit ihren Trommelkünsten verblüffte, sondern auch meiner Mutter ziemlich ähnlich sah (Mama, seit wann spielst du in einer Girlgroup?).



Aber am energischsten und auffälligsten waren natürlich die beiden Frontladies. Mary Timony und Carrie Brownstein teilten sich den Gesangespart und den Mittelteil der Bühne und hatten alle Rockstargesten (die Signifikanteste? Das Gitarrehochreißen) drauf, brachten das aber immer mit einem gewissen Augenzwinkern und somit sehr sympathisch rüber.

Fulminant der Schlußteil, in dem der durchaus radiotaugliche Hit Romance und zwei absolut gelungene Zugaben der Punklegenden Televison und Ramones (bzw. Bobby Freeman im Original) geschmettert wurden. Da wurde man noch einmal drauf gestoßen, aus welcher Zeit neben den 90ern Wild Flag ihre Hauptinspiration gezogen haben, klar aus der Hochzeit des Punk Ende der 1970 er Jahre! Hey ho, let's go!

Bericht Peggy Sue etwas später.

Setlist Wild Flag, La Flèche d'or, Paris

01: Black Tiles
02: Future Crimes
03: Electric Band
04: Winter Pair
05: Something Came Over Me
06: neu
07: Glass Tambourine
08: Boom
09: Nothing
10: Short Version
11: neu
12: Racehorse
13: Romance

14: See No Evil (Televison)
15: Do You Wanna Dance (Bobby Freeman/Ramones)



Wild Flag, Köln, 05.02.12

6 Kommentare

Konzert: Wild Flag
Ort: Gebäude 9, Köln

Datum: 05.02.2012
Zuschauer: vielleicht 200 (halbvoller Saal)
Dauer: Wild Flag 65 min, ahuizotl 35 min


Supersonntag in den USA, zur Zeit spielen New York Giants und New England Patriots um den 46. Superbowl, die - wie man dort sagt - Weltmeisterschaft im Football. Neben anderen uns fremden Feiertagen (Presidents' Day, Thanksgiving, Labour Day) sicher der wichtigste Festtag der Amerikaner.

Meinen Supersonntag hatte ich mir so vorgestellt, daß erst der FC in Kaiserslautern gewinnen würde, ich dann ein hervorragendes Wild Flag Konzert sehen könnte, um anschließend den vierten Superbowl Sieg meines NFL Lieblingsteams zu sehen, das ich seit Anfang der 90er Jahre unterstütze. Bisher läuft es besser als erwartet: Köln-Sieg, die Patriots führen zur Halbzeit und Wild Flag erfüllten meine hohen Erwartungen locker.

"Super" ist eines der Attribute, das man im Zusammenhang mit der amerikanischen Band auch häufig hört, Wild Flag sind nämlich eine Supergroup bestehend aus Musikerinnen, die vorher in anderen Gruppen aktiv waren; Carrie Brownstein (Sleater-Kinney), Janet Weiss (Sleater-Kinney, Quasi, Stephen Malkmus & the Licks), Mary Timony (Helium) und Rebecca Cole (The Minders). Und im Gegensatz zu Madonna, die gerade über die Halbzeitbühne in Indianapolis hoppst, verdienen alle vier Wild Flags das Prädikat super durchaus!

Nach einer kurzweiligen Kölner Supportband, deren Namen ich leider nicht verstanden habe* (zweites Lied war das beste), begann um fünf nach zehn der Wild Flag Teil des Abends. Die Band besteht seit 2010 und hat im vergangenen Herbst ihr gleichnamiges Debütalbum veröffentlicht, mit dem sie heute das erste von drei Konzerten in Deutschland spielten.

Wild Flag spielt in einer ungewöhnlichen Formation, mit zwei Gitarren, Keyboard und Schlagzeug. Während Drummerin Janet und Keyboarderin Rebecca
eher unauffällig agieren, sind die beiden Gitarristinnen echte Rampensäue. Bei Bands, die ich weniger mag, böte sich mir viel Platz für Lästereien über Rockstargesten. Die Gruppe hier mag ich aber, und die Windmühl-Bewegungen von Carrie, das Hochreißen der Gitarre von Mary, die wilden Karatekicks der beiden... all das war wundervoller Teil eines großartigen Konzerts!

(Ich werde jetzt etwas unkonzentrierter; das Spiel geht weiter.)

Die Band aus Portland und Wahington DC hat noch nicht schrecklich viel Material. Neben der Platte haben die Amerikanerinnen nur eine Single (mit Albumtiteln) veröffentlicht. Schon das zweite Lied war mir allerdings neu,
Winter pair, gesungen von Carrie. Zumindest am Anfang wechselten sich beide Gitarristinnen mit dem Gesang von Lied zu Lied ab, später lockerten sie dies.

Nach Winter pair folgten einige Stücke vom Album, bevor zwei weitere mir unbekannte Lieder gespielt wurden (deren Titel ich nicht kenne). Das erste der beiden, von Carrie gesungen, war insofern bemerkenswert, weil es eine Art Ballade war, das ruhigste Lied des Abends. Aber auch wenn die Musik da verhaltender war, die Gitarristinnen waren es nicht: Mary und Carrie legten eine sagenhafte Show hin, die trotz all des Gefuchteles mit Armen, Beinen oder Instrumenten keinen Moment aufgesetzt wirkte. Die Kombination aus rotzigem, oft punkigen aber immer melodiösen Indierock und zwei derartig charismatischen Frontfrauen habe ich so noch nicht erlebt. Selbst in der einen anstrengenderen Phase, dem irre langen Racehorse, war das Konzert extrem kurzweilig, weil hier besonders Portlandia-Schauspielerin Carrie noch einmal richtig aufdrehte. Am Ende des Stücks hatte die Sängerin ihr Instrument auf dem Boden gepresst, als wäre es ein Gewehr und im Bühnenboden Maulwürfe, die sie jage. So auf die Gitarre gelehnt, spielte Carrie minutenlang weiter!

Ich hatte erst vor ein paar Wochen von der Existenz dieser recht neuen Band erfahren, mir umgehend ihre Platte gekauft und mich seitdem in riesige Vorfreude auf den heutigen Abend gesteigert. Keine gute Voraussetzung eigentlich. Aber es ist Supersonntag! Und so war das Konzert!

Setlist Wild Flag, Gebäude 9, Köln:

01: Electric band
02: Winter pair
03: Black tiles
04: Short version
05: Nothing
06: Glass tambourine
07: Future crimes
08: Something came over me
09: Boom
10: (neu)
11: (neu)
12: Racehorse
13: Romance

14: I see no evil (Television Cover) (Z)
15: Do you wanna dance (Bobby Freeman Cover) (Z)

Links:

- Wild Flag, Paris, 04.02.12 (folgt)
- mehr Fotos vom Kölner Konzert


* ahuizotl, danke, Ralf!





 

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