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Freitag, 31. Mai 2013

The Breeders, Barcelona, 24.05.13

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Konzert: The Breeders (performing
Ort: Primavera Sound Festival, Barcelona
Datum: 24.05.2013
Zuschauer: tausende
Dauer: 60 min


"Die Breeders waren live immer schrecklich. Es klang immer schlimm." Gute Voraussetzungen für einen Freitagabend!


Als jemand, der in den 90er Jahren einen großen Bogen um Konzertbühnen gemacht hat, hatte ich auch die Breeders bisher nicht live gesehen, obwohl ich ein riesiger Pixies-Fan war (und immer noch bin) und folglich natürlich auch das Kim Dealsche Nebenprojekt verschlungen habe. In meiner wilden Depeche Mode Phase vorher hatte ich schließlich auch alles gekauft, was aktuelle oder ehemalige Bandmitglieder erzeugt hatten. So macht man das eben als Fan. Man nimmt dann ja auch gerne hin, daß die Nebenaktivitäten musikalisch nur selten ähnlich spannend wie das eigentliche Werk sind. Die Pixies / Breeders sind dafür ein gutes Beispiel.

Trotzdem war "The Breeders perform Last Splash" natürlich eines der Konzerte, auf das ich mich besonders gefreut hatte, obwohl der Freitag des Festivals ohnehin vollgestopft mit Höhepunkten war.

Vorher waren wir bei Django Django an der Hauptbühne, konnten das Konzert aber wegen einer doofen Überscheidung, des erwarteten Andrangs bei den Breeders und den fünf bis zehn Minuten Fußmarsch zwischen den Bühnen nicht bis zum Schluß verfolgen. Wie bei allen Künstlern war auch jetzt der Vorplatz vor der Primavera gerammelt voll. Wir hatten noch einen recht guten Platz am Rand bekommen, waren dafür aber auch schon frühzeitig da. Konzerte aus 100 m Entfernung zu sehen, macht mir keinen Spaß. Das Livegefühl nimmt mit zunehmender Entfernung rapide ab, daher (nicht alleine deswegen) verstehen Leute, die einmal alle paar Jahre zu einem Stadionkonzert gehen, unter Livemusik etwas ganz anderes als wir. Jedenfalls standen wir noch nah genug dran an den Breeders, um die schlechte Qualität ihrer Auftritt hautnah zu erleben.

Daß Kim Deal nach ihrem Erscheinen noch einen Minisoundcheck machte, verstärkte noch einmal die Angst vor einer schlimmen Demontage.

Die blieb allerdings aus. Es klang gut. Die Pixies Bassistin lächelte vor sich hin und spielte - immer wieder nett kommentierend - ihr bestes Album chronologisch und komplett - und mit dem obligatorischen Hinweis an der Stelle, an der die A-Seite beendet war. In den letzten Jahren erlebt man diese "wir spielen eines unserer Alben" Konzept ja immer wieder. Auch die Pixies waren mit Doolittle (und leider nicht auch mit Bossanova) auf Tour. Man kan an dieses Vorhaben ganz unterschiedlich rangehen, die Breeders wählten einen konservativen Weg und spielten alles, von Beginn an und in der richtigen Reihenfolge - was im Falle von Last Splash gewisse Probleme bereitete. Zum einen ist einer der Hits früh auf dem Album vertreten (Cannonball ist das zweite Lied), zum anderen sind auf der Platte einige Stücke, die man wohl sonst als Band nie spielte. 

Als sie nach 45 min mit Last Splash durch waren, hatten wir fast damit gerechnet, daß damit Schluß sein würde. Wir wollten schließlich eilig zu den nächsten alten Menschen, zu The Jesus and Mary Chain. Wieder ans andere Ende des Geländes.

Die Breeders hatten das anders geplant. "A couple of songs" sollten noch als Quasi-Zugabe kommen, eigentlich also zwei in Bandsprache. Es wurden fünf von den beiden EPs rund um Last Splash, darunter die beiden Cover Shocker in Gloomtown (Guided By Voices) und Happiness is a warm gun (The Beatles). 

Ich hatte keine - zumindest keine guten Erwartungen an diesen Auftritt, hatte aber Spaß. Es war deutlich besser als gedacht. Auch Kim Deal und ihre drei Begleiterinnen (darunter Schwester Kelley) und ihr Schlagzeuger schienen sich hervorragend zu amüsieren. Da war es auch nicht mehr schlimm, daß wir ihren Secret-Gig am Mittwoch vor kleinem Publikum verpasst hatten.

Setlist The Breeders, Primavera Sound Festival, Barcelona:

01: New year
02: Cannonball
03: Invisible man
04: No Aloha
05: Roi
06: Do you love me now?
07: Flipside
08: I just wanna get along
09: Mad Lucas
10: Divine hammer
11: S.O.S.
12: Hag
13: Saints
14: Drivin' on 9
15: Roi (Reprise)

16: Shocker in Gloomtown (Guided By Voices Cover)
17: Head to toe
18: Happiness is a warm gun (The Beatles Cover)
19: Safari
20: Don't call home



Montag, 28. April 2008

The Breeders, Köln, 22.04.08

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Konzert: The Breeders
Ort: Luxor, Köln
Datum: 22.04.2008
Zuschauer: halbvoll
Konzertdauer: 80 min.


Warum sitze ich im Zug und fahre zu einem Konzert einer Band, die mir seit Jahren egal ist. Deren musikalischer Kontext mir zwar vertraut ist, ich mich aber kaum noch an einzelne Songs erinnern kann. Denn seit geschätzten 14 Jahren habe ich The Breeders nicht mehr gehört. Und mich nicht für sie interessiert. Geblieben ist nur “Cannonball”.

Es ist wie mit Buffalo Tom. Ist man ehrlich, dann muss man zugeben, dass diese Bands musikalisch durch sind, sie spielen den Sound vergangener Zeiten, Innovationssprünge sind kaum zu erwartet. Es gibt sicherlich durchaus spannenderes Zeug zu hören, was also treibt mich an, diese Bands zu sehen. Ich denke, der Reiz des Backflashes ist der eigentliche Beweggrund. Nochmal für vielleicht 90 Minuten “1990 plus x” sein zu lassen. Nochmal alte Helden sehen.

Ja, das ist es. Das lässt in mir diese grosse Vorfreude aufkommen. Egal, es gibt schlimmeres.

Gestern nun The Breeders. Hiessen die früher nicht mal nur Breeders?

Also, The Breeders. Für mich mehr ein Bild, ein Synonym für eine Musikepoche als eine Band. Sie waren das Bindeglied zwischen den traditionellen amerikanischen Indierockbands der Endachtziger und der Grunge-Rock Generation. Von beiden Seiten gleich verehrt und geschätzt. 2 Alben haben die Breeders in dieser Zeit veröffentlicht. “Pod” und “Last splash”. Letzteres war ihr kommerziell erfolgreichstes Album, ihre break-through Single “Cannonball” findet sich auf dieser Platte.

“Cannonball” ist auch die einzige Breedersassoziation, die sich bei mir über die Jahre gehalten hat. Irgendwann kurz nach 1993 habe ich Kim und Kelley Deal beiseite gelegt und nicht wieder aufgehoben. Zwischendurch mal was über erneute Alkohol- und oder Drogenexzesse gelesen, erstaunt den Kopf gehoben als es hiess, Kim Deal geht wieder mit den Pixies auf Tour, das war’s. “Title TK”, ihr 2002er Album, und “Mountain Battles” gehören nicht zu den Alben, auf deren erscheinen ich sehnsüchtig gewartet hätte.

Gestern spielten sie ihren einzigen Deutschlandgig im Luxor. Das heutige Konzert in Berlin wurde gecancelt. Die Nachfrage war wohl nicht besonders hoch. Auch in Köln war der Club gerade mal gut zur Hälfte gefüllt.

Kurz nach neun. Manchmal ergeben sich die kleinen Geschichten um den Konzertbesuch wie von selbst. Oder durch Zufall. Am Montag lief auf 3sat eine unterhaltsame Dokumentation über Haarausfall bei Männern im Alter von 30 bis 40 und den psychischen Problemen, die damit einhergehen. Also Haarverpflanzung, Ersatzprodukte, Haarersatzteil etc.. Hieran musste ich unvermittelt denken, als ich auf die Hinterköpfe der vor mir stehenden Reihen blickte. Genau, das Publikum war eher männlich und mid-age. Aber durchschnittlich nicht so alt wie bei Frank Black, wie jemand hinter mir bemerkte, oder wie der Sänger der Vorband Cloudberry es treffend auf den Punkt brachte: “Es sind viele Leute in meinem Alter heute abend hier. Die werden unser nächstes Lied sofort erkennen. Lasst euch überraschen.” Die Überraschung war “Into your arms”, ein Lemonheads Cover aus deren “Come on feel the Lemonheads” Album von 1993.

Cloudberry spielten eine halbe Stunde lang Indierock aus den Tiefen der 90er. Das Cover passte gut und spiegelt ebenso gut ihre Musik wider. Ihre Helden müssen Buffalo Tom, Lemonheads und Bob Mould heissen.

Ab kurz nach zehn gehörte die Bühne dann Kim und Kelley Deal. Die beiden Frontfrauen der Breeders standen eindeutig im Fokus. Den Drummer hatten sie kaum sichtbar hinten rechts in der Ecke versteckt, Bass und Gitarre Nr. 3 wurden am Bühnenrand plaziert. Kaum zu sehen waren aber auch K+K, denn, besonders gross sind die beiden nicht. Obwohl leicht erhöht auf der Bühen stehend,waren beide kaum grösser als das davor stehende Publikum. Und so war spätestens ab der achten Reihe köpferecken angesagt.

Erblickte man dabei Kim Deal, so sah man sehr deutlich, dass jahrelange Alkoholsucht sehr wohl ihre Spuren hinterlassen. Leicht aufgedunsen sieht sie immer noch aus. Nicht mehr ganz so schlimm wie noch vor ein paar Jahren, aber immer noch sichtbar mitgenommen und irgendwie schlecht. Kelley machte da einen “gesünderen” Eindruck. Schadet der gespritzte Drogenkonsum der Haut weniger als Alkohol?

Unabhängig vom Erscheinungsbild, fit sind sie beide. Sie liefern eine gute 80 minütige Show. Gespielt wurden Songs aus allen vier Alben und vom The Amps Album “Pacer”. The Amps war ein Kim Deal Nebenprojekt in den 90ern. Emotionaler Höhepunkt nach einer guten halben Stunde natürlich der Übersong “Cannonball”, der auch heute noch richtig gut geht und nicht unhörbar geworden ist. Ein Klassiker. Auch die anderen kleinen Hits wie “Divine Hammer”, “Safari” oder das Beatles Cover “Happiness is a warm gun” wurden gebührlich abgefeiert. Ich hatte den Eindruck, das die Crew auf der Bühne in absoluter Spiellaune war und sich wirklich darüber freute, dass im Publikum eine so gute Stimmung herrschte.

Ein bischen war es wie das Treffen alter Freunde, die sich lange nicht gesehen haben. Nach fünf Minuten weiss man wieder, was man am anderen hat, und wundert sich darüber, das man ihn in der zwischenzeit gar nicht wirklich vermisst hat.

Rausgeschmissen wurden wir mit “German studies” einem Stück vom neuen Album, das tatsächlich einen deutschen Text hat. Man konnte ihn nicht wirklich verstehen, bis auf den Refrain: “Im dunkeln” hiess der. Im Dunkeln ging ich dann auch kurz nach elf zur Bahn.

von Frank von Pretty-Paracetamol



 

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