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um
23:41
Konzert: The Sunshine Underground
Ort: Paris (Solidays Festival)
Datum: 06.07.2007
Zuschauer: etliche Tausend
Etwas für die internationale Aids-Hilfe zu tun, ist ja an sich schon eine feine Sache, aber wenn man dazu noch ein ordentlich besetztes Festival geboten bekommt, ist das um so besser. Schon letztes Jahr hatte es mich auf die schöne weiträumige Anlage (normalerweise finden hier in Paris-Longchamp Pferderennen statt) gezogen und ich erfreute mich an Acts wie z.B. We Are Scientists, den Zutons und Keane. Dieses Jahr war die Besetzung sogar noch deutlich besser, denn die Veranstalter hatten heute am ersten Tag u.a. die Editors und die Kaiser Chiefs an Land gezogen, morgen kommen u.a. !!! (chk chk chk) und Lily Allen und am Sonntag wird das Highlight von den liebenswürdigen und live hervorragenden Magic Numbers gesetzt werden.
Um die Kaiser Chiefs zu sehen, ließ ich sogar mein Ticket für den heutigen Tag beim gleichzeitig in der Normandie stattfindenden Festival in Evreux (1 Stunde von Paris entfernt) verfallen, wo Maximo Park Headliner waren...
Morgen werde ich zum Ausgleich dann nach Evreux zum "Rock dans tous ses états" pilgern und die Solidays finden ohne meine Beteiligung statt, aber man kann halt leider nicht gleichzeitig auf mehreren Hochzeiten tanzen...
Zurück zum heutigen Tage: Der Zugang zum Festivalgelände gestaltete sich als äußerst zäh, wir warteten in der sengenden Hitze (die sich später wieder legte...) mit Sicherheit gut eine Stunde auf Einlass. Da ich letztes Jahr ähnliche Erfahrungen gemacht habe, kann ich nur jedem, der erwägt, die Solidays 2008 zu besuchen, raten, diese Zeit miteinzuberechnen!
Endlich auf der schönen Wiese vor der Hauptbühne angekommen, quälten uns dann zunächst die ziemlich scheußlichen Fatals Picards mit ihrer Musik und einigen nicht sonderlich lustigen Sprüchen. Beispiel gefällig? "Hat jemand von euch Aktien und trägt eine Brille?" - "Dann bitte jetzt mal weghören!", alberte der Sänger der Kapelle herum und wollte sich damit beliebt machen. Wie bitte? Eine Band, die beim kommerziellsten und musikalisch schlechtesten Wettbewerb, nämlich dem Eurovision Song Contest teilgenommen hat, macht hier auf links und antikapitalistisch? Wenig glaubwürdig...
Zum Glück hatte das Grauen bald ein Ende und wir pilgerten zur Bühne "Phenix", einem mittelgroßen Zelt, wo die Engländer The Sunshine Underground auftreten sollten. Auf dem Weg dorthin
schallte uns schon einer ihren größten Hits "Put You In Your Place" vom Debütalbum "Raise The Alarm" (benannt nach einem Song der Chemical Brothers), entgegen.
Unglaublich, dachte ich mir, die legen ja los wie die Feuerwehr! Aber auch das anschließende "I Ain't Losing Any Sleep" hatte es in sich und animierte zum Tanzen. Schließlich wird die Band aus Leeds ja nicht zu unrecht unter die Kategorie New-Rave gefasst, obwohl das elektronische Element zum Großteil im Einsatz von Kuhglocken liegt. Letztendlich machen sie einen tanzbaren
Indie-Rock mit funkigem Einschlag, ähnlich wie "The Rapture" oder CSS, mit denen sie schon auf einer vom NME organsierten Veranstaltung getourt sind. Aber auch von den Killers hat die vierköpfige Band einiges, was zum Großteil an der Ähnlichkeit der Stimmen von Craig Wellington (The Sunshine Underground) und Brandon Flowers (The Killers) liegt. Dennoch sollte man sie nicht als bloße Klone oder Kopierer anderer aktueller Bands einstufen, denn ihr Sound hat doch auch eigenständige Elemente zu bieten und vor allem der leicht pummelige Sänger Craig ist ein veritables Energiepaket! Wenn der auf seine Cowbells einprügelt, geht es nämlich ganz schön zur Sache! Zudem bewegt er sich wie von der Tarantel gestochen und läßt seine Gitarre das ein oder andere Mal
aufheulen. Größter Pluspunkt ist aber seine durch Mark und Bein gehende Stimme, die vergisst man nicht so schnell...
Zusammen mit den markanten Bassläufen von Daley Smith und den melodischen Gitarrenklängen von Stuart Jones ergibt sich so eine festivaltaugliche Musik, die einem das Warten auf die ganz großen Headliner erträglich macht. Neben Hits des alten Albums hatte das Quartett auch schon neue Stücke im Gepäck, die bereits gut ankamen. Die größten Zugnummern waren aber erwartunsgemäß bekannte Songs, wie "The Way It Is" und vor allem "Commercial Brakdown". Bei letztgenanntem Lied immer wieder bemerkenswert: die Textzeile, "so i tell my problems, you never gonna get me, cause i'm too busy"...
Den Abschluss bildete schließlich "Raise The Alarm", bei dem die Band noch einmal alles in die Waagschale warf und Craig die Kuhglocken ordentlich massakrierte. Die Band schien mit der Resonanz sehr zufrieden zu sein, sie ließen sich - den jubelnden Fans den Rücken zugewandt - allesamt photographieren und der Sänger warf seine Wasserflasche übermütig ins Publikum.
Alles in allem ein guter Aufgalopp in den Festivaltag auf der Rennstrecke von Longchamp!
Setlist The Sunshine Underground Solidays Paris:
01: Wake Up
02: Put You In Your Place
03: I Ain't Losing Any Sleep
04: Fall In Line (neu)
05: Borders
06: You Never Party
07: The Way It Is
08: Baggy (neu)
09: Commercial Breakdown
10: Raise The Alarm
Links:
- The Sunshine Underground 2 x an einem Tag 2007 in Paris
um
16:21
Konzertbericht: Inrocks Indie Club mit the Sunshine Underground & The Automatic
Ort: La Maroquinerie, Paris
Datum: 18.01.2007
Zuschauer: ausverkauft
Heute abend stand der Inrocks Indie Club #14 auf dem Programm. Vorab hatte ich mich aber bereits um 18 Uhr auf das Event eingestimmt, denn die jungen Herren aus Leeds von The Sunshine Underground gaben dort im Rahmen eines Showcases ein kleines Gratiskonzert in der Fnac Champs-Elysées. Wie immer bei solchen Veranstaltungen war das Ganze rein akkustisch. Für mich hat
sich das Kommen gelohnt, denn so konnte ich aus nächster Nähe sehen, daß die Band auch ohne Verstärker, Kuhglocken und Schlagzeug Stimmung erzeugen kann. Maßgeblich verantwortlich hierfür war der etwas pummelige Sänger der Band, der eine Stimme hat, die einem durch Mark und Bein geht. Ein gemütlich wirkender Typ übrigens, der in den Pausen zwischen den Songs das eine oder andere Bierchen kippte. Vom Alk angestachelt ging Pummelnaldo aber vor allem gegen Ende ganz schön ab und legte beim abschließenden "Commercial breakdown" sein ganzes Volumen in die tolle Songzeile "So I tell my problems you never gonna get me if I'm too busy". Nach vier Titel war Schluß und die drei Burschen (der Schlagzeuger durfte blaumachen) zogen von dannen.In der Maroquinerie hatten sie dann anschließend andere technische Bedingungen und ließen es hier so richtig krachen. Obwohl ich vorher nicht die beste Meinung von der Band aus Leeds hatte, weil ich sie als typische Mitläuferband eingestuft hatte, wurde ich doch positiv überrascht. Die Energie stimmte, die Chemie innerhalb der
Band auch und zudem haben sie mit "The way it is", "Put you in your place" und "I ain't losing any sleep" Titel, die live gut ziehen und die Leute zum pogotanzen brachten. Klar erinnerte hier vieles an andere Bands, die Killers z.B. oder The Rapture oder sogar The Automatic. Wenn eine Band sich aber so ins Zeug legt, kann ich damit leben. Auch hier war wie schon zuvor "Commercial breakdown" ein Knüller. The Sunshine Underground werde ich mir als brauchbare neue Band merken und hoffe sie im Rahmen von Festivals mal wieder zu sehen.
Zu Sunshine Underground ist noch folgendes anzumerken: sie spielen amüsanterweise im Rahmen eines Wettstreits gegen The Automatic. Die Band aus Leeds wird nämlich als Teil der sogenannten New Rave Bewegung angesehen, die in England seit knapp einem Jahr Furore macht. Im Grunde genommen handelt es sich um einen Hype, der vom NME angeschoben wird, um Bands zugkräftig zu vermarkten, die sich im Grenzgebiet zwischen Indie Rock und Dance Musik bewegen. Früher nannte man sowas auch Punk-Funk, federführend war die Gang of Four. Gemeinsam ist all diesen New Rave Bands, daß sie vor allem Instrumente einsetzen, die nach Kuhglocken klingen. Der NME hat aus dieser Idee eine ganze Tournee gemacht, bei der Indie Rave Bands gegen Indie Rock Bands antreten. Auf der Indie Rave Seite treten neben The Sunshine Underground u.a. die stark gehypten Klaxons, CSS und New Young Pony Club auf, die Fraktion der Indie Rocker wird vertreten von The Automatic, The View, The Horrors und Mumm-Ra.Spannend war also, wer heute hier als Sieger vom Platz ging, die Vertreter des Raves oder des Rocks.The Automatic mußten sich deshalb ins Zeug legen und das taten sie auch, denn mit "Keep your eyes peeled" drückten sie gleich ordentlich aufs Gaspedal. Die vierköpfige Band hatte 2006 in England vor allem durch ihren Riesenhit "Monster" für Furore gesorgt und via MTV2 bin ich auf sie recht früh aufmerksam geworden. Das Album "Not accepted anywhere" erhielt dann aber nur gemischte Kritiken, es wurde vor allem bemängelt, daß es über die gesamte Länge etwas monoton sei. Machen wir uns nichts vor, der Mangel an Originalität und Ideenreichtum ist nicht ganz von der Hand zu weisen, aber das spielte heute abend keine Rolle. Die Band kompensierte nämlich diese Schwächen live durch ihre unglaubliche Energie, ihren Einsatz und die unbändige Spielfreude. Insbesondere der kleine rothaarige Schreihals, der die background vocals bildete, sprang wie ein wildgewordenes Rumpelstilzchen herum und peitschte die Fans mächtig auf. Schon beim zweiten Titel "Raoul" war pogotanzen und crowdsurfing angesagt. In der Folgezeit spielten sie auch neue Sachen und Stücke, die nicht auf dem Album sind. So zum Beispiel "It ain't no disco", das wohl von den Talking Heads stammt. "Ihr seid ein tolles Publikum, so enthusiastisch, danke euch" zeigten sie sich angetan. " Zur Belohnung bekommt ihr jetzt was Besonderes (auf englisch sagten sie: "as a special treat for you"), nämlich "Monster". Jetzt ging mächtig die Post ab und alle schrien lauthals mit: "What's that , coming over the hill, is it am monster, is it a monster..."
Aber auch der Rest des Sets war nicht langweilig und am Schluß des offiziellen Teils brachten sie noch "You shout, you shout", bevor sie erstmal schweißgebadet die Bühne verließen. Der Sänger hatte lustigerweise nur noch einen winzig kleinen trockenen Fleck auf seinem einstmals hellgrauen T-Shirt. "It' so bloody hot in here". Stimmt Jungs, der Januar hat uns noch nie so schwitzen lassen...
Nach drei Zugaben und dem finalen "Recover" war dann endgültig Schluß. The Automatic hatten ihre Sache gut gemacht und gewaltig gerockt.
Wer hat aber jetzt das Duell gewonnen zwischen Rave und Rock?
Ich würde sagen: unentschieden!Beide Bands haben Spaß gemacht und man wird noch von ihnen hören, zumindest in 2007.
Setlist:
01: Keep your eyes peeled
02: Raoul
03: On the campaign trail
04: It ain't no disco
05: Team drama
06: Non album track
07: Monster
08: By my side
09: ?, neuer Titel
10: Seriously... I hate you guys
11: You shout, you shout, you shout
12: That's what she said (Z)
13: Gold digger (Z)
14: Recover (Z)
von Oliver