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um
17:05
Konzert: Conor Oberst
Ort: Postbahnhof, Berlin
Datum: 12.08.2014
Zuschauer: fast ausverkauft
von Tobias aus Berlin
Als ich Conor Oberst das letzte Mal sah, hat er mich im Backstage des Melt!-Festivals mal fast über den Haufen getorkelt. Später übergab er sich während seines Gigs auf der Hauptbühne, mal eben aus Versehen in seine Drum-Maschine. Das war ein witziger aber auch alarmierender Anblick damals. Der Mann hatte offensichtlich ein mindestens kleines Alkoholproblem. Ich hatte immer so ein bisschen Angst, dass der Conor mal den Elliot Smith macht und uns einfach alleine lässt. Gottseidank hat mein Lieblings-Nebraskaner(?) jedoch offensichtlich die Kurve bekommen. Und das nicht nur toxikologisch gesehen, sondern offensichtlich auch musikalisch. Denn leider kamen da in den letzten 7 Jahren eher durchschnittliche Platten vom Conor heraus. Nachdem er diese Welt 2005 mit den wunderbaren Bright Eyes-Zwillingsalben „Wide awake, it’s Morning“ und „Digital ash in a digital urn“ (kennt ihr nicht? KAUFEN!) beschenkt hat, kam da musikalisch eher Durchschnittskost. Um Olli Schulz zu paraphrasieren: Er legte sein Bright Eyes-Namen in die Ecke, schrieb als Conor Oberst & The Mystik Valley Band noch immer kleine Lieder, nur seine Texte (und Musik) wurden schlechter.
Nun nennt er sich einfach nur noch plain old Conor Oberst und scheint musikalisch zu alter Form zu finden. Sicher, „Upside Down Mountain“, sein neues Album ist auch noch kein „Wide Awake“, aber auf jeden Fall ein großer Schritt in die richtige Richtung.
Womit wir nach diesem langen Ausholen, endlich bei seinem Konzert im Berliner Postbahnhof angekommen wären. Da erfreute uns erst einmal die wirklich sehr sympathische Band Dawes mit einem gut halbstündigen Set, welches durchaus kurzweilig war und musikalisch gesehen ein fast schon zu perfektes Match zu Conor Oberst war. Die Jungs verabschiedeten sich, nur um kurz vor 22 h auf einmal wieder auf der Bühne zu stehen. Unsere Fragezeichen in den Augen wurden schnell mit dem Wort Synergieeffekt beantwortet. Heureka, der Conor benutzt seine Vorband als Tourband. Wie clever!

Da stand er also. Conor Oberst! Mit altbekannt gebrochener Stimme. In Nüchtern! Das sollte sich auch den ganzen Abend nicht ändern. Good for him! Los ging es mit „Time Forgot" und „Zigzagging Toward the Light“, zwei der eher schwächeren Songs des neuen Albums. Aber siehe da, live, mit dieser tollen Band verstärkt, entfalteten auch diese Songs eine ganz andere Qualität. Bei „Hundreds of Ways“ durften wir dann auch gleich mal lernen, dass Conor & Dawes auch die Klangfarbe LAUT können, nur um uns dann gleich mit dem so wunderbaren „We are Nowhere and it’s Now“ zu beglücken. Spätestens jetzt war klar, dass das hier ein ganz besonderes Konzert werden wird. Eine wunderschöne Werkschau aus anderthalb Jahrzehnten Conor Oberst.
Ich musste in diesem Moment zwangsläufig an Damon Albarn denken, der uns dieses Jahr ja mit einem ähnlichen Konzept und gleicher Spielfreude beglückte. Immer wieder wechselte Conor die Tempi, mischte alte Perlen (Old Soul Song) mit glänzenden neuen Trophäen (Governor’s Ball). Vor „Ladder Song“ sprach Conor kurz über den verstorbenen Robin Williams und gedachte noch einigen anderen Musikern. „You are not alone in anything, you are not unique in dying“. Ein wirklich ergreifender Moment.
Man konnte sein Glück ehrlich gesagt gar nicht fassen, so toll und abwechslungsreich war das Konzert. Als dann auch noch der beste Song des neuen Albums „Desert Island Questionaire“ mit dem herzzerreißenden „Poison Oak“ („when you stole the car, and drove towards Mexico, and you wrote bad checks, just to fill your arm“) gekontert wurde, war man ehrlich gesagt so happy, dass jetzt auch gut sein hätte können. Das kümmerte Conor jedoch gar nicht. Er besprach sich mit der Band und man baldowerte offensichtlich aus, was man noch in die Setlist einfügen könne, um den Postbahnhof noch ein wenig länger zu beglücken. Das es am Ende des Tages leider nicht für „Lua“ und den tollen neuen Song „Enola Gay“ gereicht hat, störte sicherlich nur jemanden, der so schlimm an Setlist-Neid leidet wie ich. Um viertel nach Mitternacht hatten die Jungs gute 135 Minuten auf der Uhr, was ja an sich schon außergewöhnlich genug wäre. Nimmt man jedoch das Pensum, dass die Vor-und Begleitband Dawes zu absolvieren hatte, dann ist man schnell in Bruce Springsteen Welten, was die Setlänge angeht. Bravo!
Setlist Conor Oberst, Postbahnhof, Berlin:
01. Time Forgot
02. Zigzagging Toward the Light
03. Hundreds of Ways
04. We Are Nowhere and It's Now (Bright Eyes song)
05. Get-Well-Cards (Conor Oberst and the Mystic Valley Band song)
06. Hit the Switch (Bright Eyes song)
07. Artifact #1
08. Old Soul Song (For the New World Order) (Bright Eyes song)
09. Danny Callahan (Conor Oberst and the Mystic Valley Band song)
10. Ladder Song (Bright Eyes song)
11. Lover I Don't Have to Love (Bright Eyes song)
12. Cape Canaveral (Conor Oberst and the Mystic Valley Band song)
13. Governor's Ball
14. Method Acting (Bright Eyes song)
15. Desert Island Questionnaire
16. Poison Oak (Bright Eyes song)
17. I Got the Reason #2 (Conor Oberst and the Mystic Valley Band song)
18. White Shoes (Conor Oberst and the Mystic Valley Band song) (Z)
19. Another Travelin' Song (Bright Eyes song) (Z)
20. Roosevelt Room (Conor Oberst and the Mystic Valley Band song) (Z)
Fotos von Oliver vom Haldern Konzert
um
20:50
Konzert: Jake Bugg
Ort: Postbahnhof/Berlin
Zuschauer: ausverkauft
Datum: 18.03.2013
Dauer: 70 Minuten
von Tobias aus Berlin
Wer wissen möchte, wie denn der Künstler heißt von dessen Konzert hier berichtet werden soll, muss sich bitte die Mühe machen in die Kopfzeile zu schauen. Denn von hier an wird dieser Künstler nur noch die Bezeichnung PLF tragen. Bevor jemand fragt, ja PLF steht natürlich für pretentious little fucker. Hey, werdet ihr sagen, was soll denn die Beleidigung? Keine Beleidigung, sage ich! Nicht wenn man pretentious little Fucker aus dem Kontext der Frage, „How dare you having so much talent and confidence at such a young age, you pretentious little fucker?” entlehnt hat. Die Frage stellt man sich nämlich zwangsläufig, wenn man ein PLF Konzert besucht oder aber auch nur sein wunderbares, aus der Zeit gefallenes Debutalbum anhört. Der Typ ist 19! Gerade geworden!
Nur gut, dass ich wieder mal auf den Noel gehört habe. Noel Gallagher hatte letzten Sommer auf seinem amüsanten Tourblog, eine Art Kaufbefehl für das PLF-Album veröffentlicht. Die beiden waren in Asien gemeinsam auf Tour und dem Noel gefiel offensichtlich was PLF zu bieten hatte. Und da der gute Noel, anders als sein Bruder Liam, welcher sich letzte Woche tatsächlich mit Justin Bieber verbrüderte, über die Jahre schon mit so einigem Recht hatte – ich verdanke seiner Empfehlung u.a. The Soundtrack Of Our Lifes, M.Ward und die Mystery Jets – folgte ich dem Kaufbefehl und verfiel nach anfänglichen Berührungsängsten dem schrägen Charme einer Platte, auf der ein 18-jähriger über die typische englische Teenagerangst zwischen fetten Spliffs und maroden Hangouts singt. Thematisch nix neues, das haben andere 18-jährige vor ihm schließlich auch schon gemacht. Die PLF Lyrics hätte man zum Beispiel auch genauso gut auf dem ersten Arctic Monkeys Album wiederfinden können. Neu an PLF ist, dass der Kleine dabei so klingt wie Bob Dylan. Und die Überraschung daran: Es ist nicht peinlich. Nicht die Spur. Nicht mal wenn er dann im ausverkauften und doch luftigen Postbahnhof auf der Bühne steht, noch viel kleiner und zierlicher ist, als man das Bildern nach hätte vermuten können und dann Sachen singt wie „I’ve seen it all“. „Hat er alles schon gesehen“! Er! Mit 18. Wahrscheinlich war er sogar 17, als er den schrieb. Schon klar, du pretentious little Fucker, möchte man ihm da zurufen, mit dem doppelten an Lebenserfahrung auf dem Buckel. Nur tut man das nicht. Nicht etwa aus Höflichkeit. Nein, aus Respekt. Respekt vor seiner Chuzpe, seinem Talent, seiner Stimme. Schräg das ganze. Sehr, sehr schräg. Wie sein Gesang und vor allem auch wie sein Publikum. Von kleinen süßen 18-jährigen Mädchen mit ihren süß frisierten kleinen Freunden bis zu dutzenden Pärchen jenseits der 50 war da alles dabei (Ich hätte schwören können, dass da gestern alle Mütter meiner Ex-Freundinnen im Saal standen). Es wurde brav gelauscht, brav applaudiert und wenn man sie alle nach dem Konzert um ein Konsens-Adjektiv gebeten hätte, welches den Konzertgenuss am besten beschreibt, wäre das wohl schlicht und einfach „schön“ gewesen. Klingt vielleicht langweilig, war es aber nicht. Es war halt „schön“. 17 kleine Songs und etwas über eine Stunde dauerte der ganze Spaß, wie da halt so ist, wenn man das erste Album tourt. Zum Abschluß gibt PLF noch Johnny Cash’s Folsom Prison Blues zum besten. Das ist mir zwar dann doch ein klein wenig zu klischeehaft, aber hey wer bin ich denn, einen 18-Jährigen zu hinterfragen? Consider me BUGGED!
PS: Gerne hätte ich auch etwas über den Support Act Jack Savoretti berichtet, leider war der schon zur Hälfte mit seinem letzten Song durch, als wir um 21.03 Uhr im Saal standen. Aufgedruckter Konzertbeginn war 21.00 Uhr. Danke für nichts, lieber Veranstalter!
Setlist Jake Bugg, Postbahnhof, Berlin:
01: Fire
02: Kentucky
03: Love Me the Way You Do
04: Trouble Town
05: Seen It All
06: Simple as This
07: Slide
08: Slumville Sunrise
09: Ballad of Mr Jones
10: Someone Told Me
11: Country Song
12: Note to Self
13: Someplace
14: Two Fingers
15: Taste It
16: Lightning Bolt
17: Broken (Z)
18: Folsom Prison Blues (Johnny Cash Cover) (Z)
um
19:54
Konzert: Stereophonics
Ort: Kesselhaus in der Kulturbrauereih/Berlin
Zuschauer: fast ausverkauft/keine Ahnung
Datum: 12.03.2013
Dauer: 115 Minuten
von Tobias aus Berlin

Mal abgesehen davon, dass sie nur eine Einbahnstraße ist, unterliegt eine Liebesbeziehung die man zu einer Band hat, im Grunde genommen genau den selben Gesetzmäßigkeiten, die für die Liebe zwischen zwei Menschen gelten. Grob geschrieben gibt es genau drei Wege wie das mit der Liebe laufen kann. Man liebt sich für immer und ewig und wenn sie nicht gestorben sind, dann rennt man immer wieder auf ihre Gigs und liebt alle neuen Scheiben. Rosa all over the place. In der schwarzen Welt hingegen, ist von der anfänglich heißen Liebe im schlimmsten Fall nur noch Hass und Verleugnung übrig. Und dann gibt es den Mittelweg, auf dem man sich hin und wieder mal trifft, ein bisschen Spaß miteinander hat um dann wieder für einige Zeit nichts voneinander hört. Und genau diese Beziehung führe ich mit den Stereophonics. In der Zeit vom zauberhaften Word Gets Around bis zum großartigen You Gotta Go There To Come Back haben wir uns nächtelang geliebt. Später? Not so much. Doch auch wenn die guten Songs über die Jahre weniger wurden (das wirklich nette kleine Soloalbum von Sänger Kelly Jones mal ausgenommen), haben die Stereophonics es durch eine gute Tourfrequenz immer geschafft mich bei der Stange zu halten. Mich und wahrscheinlich einen Großteil ihrer Fans, denn ich kann mir kaum vorstellen, dass es viele gibt die etwa Graffiti On A Train lieber hören würden, als sagen wir Same Size Feet.
Zieht man das in Betracht, wundert es einen kein Stück weit, dass das Kesselhaus in der Kulturbrauerei an diesem Abend nur wenige unter 27 anlockt. Gut gefüllt ist es jedenfalls, auch die Empore ist mit Railbirds voll bestückt. Ich könnte übrigens schwören, dass dort das ganze Konzert über kein einziger auch nur mit dem Kopf genickt hat. Aber gut, nur weil ich derartiges Verhalten auf Konzerten nicht verstehe, heißt das ja noch lange nicht, dass Balkonsteher komische Menschen sind. Ach papperlapapp, genau das sind sie. Egal, meine eigene Pre-Konzertroutine, bestehend aus einem ordentlichen Mahl und ein paar Warm-Up Drinks mit Freunden, wurde auf Grund von Störungen im Betriebsablauf (Danke, Deutsche Bahn!) auf ein hastiges koreanisches Süppchen und zwei kleine Sturzbier zusammengeschrumpft. Schade drum, sind die Stereophonics doch eine klassische SechsBierBand (drei davor, zwei dabei, eins danach, dann verschwitzt und erschossen ab nach Haus).

Pünktlich um neun, stehen Kelly und die Jungs dann auf der Bühne. Mit Bartender and Thief, Thousand Trees und Superman, geht es gleich sehr vertraut los. Die Stimmung könnte zwar besser sein, die Band jedoch, kommt in sehr guter Form daher. Auf die drei alten Songs folgen danach gleich mal 4 (!) Songs vom gerade erschienenen Album Graffiti on a Train. Und siehe da, was auf Platte doch sehr zwischen einfallslos (Titelsong) und putzig kitschig (Indian Summer) daherkommt, funktioniert live doch erstaunlich gut. Da muss ich wohl zu Hause doch noch mal rein hören (natürlich erst nachdem ich 20 Mal das neue Suede-Album gehört habe!!!). Das Publikum ist auch ganz angetan und wird für das artige mitsummen auch prompt mit den erstklassigen Hymnen Mr. Writer und Maybe Tomorrow belohnt. Womit der Gig an seinem ungewöhnlichsten Moment angelangt wäre. Caught Cheating. Eine langsame, im positiven Sinne weinerliche Bluesnummer, die man vielleicht am ehesten bei Muddy Waters verorten würde. Auf dem Album wirkt der Song schräg, komisch deplatziert und auch im Kesselhaus reiben sich viele erst einmal ungläubig die Ohren, um dann jedoch schnell der schlichten Schönheit von Song und Gesang ordentlich Tribut zu zollen. Ein für den weiteren Verlauf des Gigs wichtiger Come Together-Moment für Publikum und Band. Von da an läuft es wie geschmiert. Dutzende Kehlen singen inbrünstig Same Size Feet und Just Looking Refrains zurück auf die Bühne. Berlin ist warm geworden. Selbst Violins and Tambourines, auf dem neuen neuen Album eigentlich eine 7- minütige Übung in prätentiöser Langeweile, klingt jetzt gar nicht schlecht (Waren zwei Bier doch genug?). Mit Local Boy In The Photograph geht es in die „zu kurz zum Bier holen“-Zugabenpause. Noch ein neuer Song und dann ging es mit Traffic, Have A Nice Day und Dakota ab ins Anthem-Finale-Furioso. Nach 22 Songs und knapp zwei Stunden (sehr anständig für einen one- off-Promotion Gig) waren so ziemlich alle zufrieden, einige gut angeschwitzt und meine Wenigkeit ausgesprochen happy, dem Ruf der Stereophonics wieder einmal gefolgt zu sein. Kelly Jones verabschiedet mit dem Hinweis auf eine größere Sommertour samt Festivals (tippe mal auf Southside/Hurricane) und drei Minuten nach Konzertende, konnte man an der Bar keine Drinks mehr kaufen. The End.
Setlist Stereophonics, Kesselhaus in der Kulturbrauerei, Berlin:
01. The Bartender and the Thief
02. A Thousand Trees
03. Superman
04. Graffiti on the Train
05. Indian Summer
06. Take Me
07. Catacomb
08. Mr Writer
09. Maybe Tomorrow
10. Been Caught Cheating
11. In a Moment
12. Could You Be The One?
13. Same Size Feet
14. Violins and Tambourines
15. Just Looking
16. Roll the Dice
17. No-one's Perfect
18. Local Boy in the Photograph
19. We Share the Same Sun
(Z)
20. Traffic
(Z)
21. Have a Nice Day
(Z)
22. Dakota (Z)