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Sonntag, 27. September 2009

2raumwohnung, Köln, 26.09.09

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Konzert: 2raumwohnung (Nobelpenner)
Ort: E-Werk Köln
Datum: 26.09.2009
Zuschauer: weniger als vor zwei Jahren - nicht ausverkauft
Dauer: 2raumwohnung 90 min, Nobelpenner 30 min


Die Neue Deutsche Welle war wichtiger Bestandteil meiner musikalischen Prägung. Jeder, der sie live miterlebt hat, wird sich an die sagenhaften Hitparaden mit Dieter Thomas Heck erinnern, die man plötzlich gucken konnte, weil da Falco, Extrabreit oder Ideal auftraten. Auch wenn sich meine Ausrichtung dann irgendwann Indiebands zuwandte, blieb immer etwas NDW übrig. Und die Humpe-Schwestern mit ihren beiden Platten gehörten zwingend dazu. Nie werde ich deren Auftritt mit No longer friends beim Großen Preis mit Wim Thoelke (der sie köstlich ansagte) vergessen. Während Annette Humpe, die Ideal-Sängerin, heute nicht mehr live auftritt und ihre Band Ich & Ich nur noch im Studio betreibt, ist die jüngere Humpe-Schwester Inga mit 2raumwohnung ganz regelmäßig auf Tour. Vor zwei Jahren hatte ich sie und Tommi Eckart im E-Werk erstmals gesehen und jetzt hatte ich wieder Lust darauf. Der Auftakt der Tour zum neulich erschienenen Album Lasso fand wieder im E-Werk statt...

Kurz bevor die Intro-Musik einsetzte, bewies der Tonmann guten Geschmack und spielte den Knüller Careless love von Humpe & Humpe, jetzt konnte nicht mehr viel schiefgehen! Tommi Eckart und Inga Humpe erschienen begleitet von unzähligen Musikern (naja, man konnte schon... ein Schlagzeuger, zwei Gitarristen, ein Bassist und ein Keyboarder) um Punkt neun und begannen mit der sehr elektronischen Remix-Version ihres Hits (und Bandgründungsgrunds) Wir trafen uns in einem Garten. Und damit worde auch die Ausrichtung des Abends klar; Tanz- statt Elektro-Pop. "Wir wollen, daß ihr 90 Minuten euren Hintern bewegt!"
bestätigte die 53-jährige Inga. Und sie ging mit gutem Beispiel voran. Es war kaum möglich, die Sängerin zu knipsen, weil sie dauernd in Bewegung war. Erstaunlich, wie jung die Berlinerin wirkt!

Natürlich liegen da Madonna-Vergleiche nahe, wobei sich die zwei Jahre ältere Deutsche da nur bei den Verkaufszahlen verstecken muß. Ohne Madonna je live gesehen zu haben, ist die Berlinerin mit Sicherheit die bessere Sängerin und Musikerin.

Zurück zur Musik... Vieles war mir heute zu dancig. Ich hatte das schon so erwartet,
die weniger wummernden Versionen der Stücke gefallen mir aber eine Ecke besser.

Meine ersten Lieblinge kamen mit Wir werden sehen und der "normalen" Version von Wir trafen uns in einem Garten. Mein erstes Konzert übrigens, in dem nach zwanzig Minuten ein Lied bereits zweimal gespielt worden war. Mein erstes richtiges Konzert, für das das gilt. Vor einigen Jahren habe ich mal die altgewordenen NDW Legenden Frl. Menke, Markus und Peter Schilling gesehen, die je drei Versionen ihres größten Hits gespielt hatten. Aber wir reden hier ja nicht (oder nur selten, liebe Sisters Of Mercy) von peinlich gewordenen Ex-Künstlern.

Die Rollen der beiden Köpfe hinter 2raumwohnung waren an diesem Abend ganz unterschiedlich. Inga tanzt und singt, Tommi dagegen ist mehr Dirigent. Er stand
ausschließlich an einem Synthesizer und drehte Knöpfchen. Wenn er nichts zu tun hatte, tanzte auch er, allerdings immer nur im Bühnenhintergrund. Die vielen anderen Musiker hatten viel aktivere Rollen, und die nervten mich dann auch oft. Ich mag keine Gitarrensoli, bei denen der Musiker nach vorne kommt und post. Schreckliche 70er Jahre- und Bon-Jovi-Unsitte (jeder Live-Gitarrist sollte vor seinem ersten Konzert I Like Trains sehen müssen, um Demut zu lernen!). Fieser Höhepunkt war dabei ein Sample eines scheußlichen Rockklassikers ausgerechnet mitten in Wir trafen uns in einem Garten. Ganz und gar schrecklich war die Reaktion auf die Bühnenrandsoli; der aufbrausende Jubel!

Einige der neuen Songs gefielen mir sehr gut (Wir werden sehen, Und ich dreh, Rette mich später). Aber mein Herz hängt an den alten Perlen! Leider fehlten einige meiner besonderen Lieblinge, Zwei von Millionen von Sternen oder Wolken ziehen vorbei
oder Ich denk an... (das sie aber wohl gar nicht live spielen). Entsprechend ging mein Herz bei Nimm mich mit besonders weit auf - bestes Lied des Abends natürlich!

Spiel mit beendete das reguläre Set. Dabei begeisterte mich Ingas Luftposaunen-Spiel ganz besonders! A propos Blechbläser... Mit Schrecken hatte ich den ganzen Abend über ein Saxophon am Bühnenrand gesehen und war bei jedem Lied erleichtert, bei dem es nicht eingesetzt wurde. Bei den ersten beiden Zugaben kam es auch nicht zum Einsatz, es würde also noch mehr zusätzliche Songs geben. Die allererste Zugabe hatte es aber schon in sich. Kommt zusammen feierte nämlich nach Ingas Angaben Livepremiere. Und immerhin stammt das Stück von der ersten Platte des Duos! Es fing an mit den ersten Takten von 36 Grad, wenn ich mich nicht täusche, das erst danach folgte. Kommt zusammen hatte aber auch noch etwas Fieses in sich; ein kleines Billy Jean Sample.

Bei 36 Grad gähnte dann einer der Gitarristen herzhaft. Das hatte ich auch noch nicht! Aber kein Saxophon - noch kein Ende!

Das Blasinstrument kam dann beim zweiten Zugabenblock zum Einsatz. Der letzte
Abend auf der Welt stammt auch von Lasso, war aber noch nicht das letzte Lied des Abends. Inga, Tommi und Band kamen noch einmal und spielten das wundervolle Wenn Du bei mir liegst, dessen Text eine Freundin Ingas geschrieben hat.

Inga Humpe wird vermutlich auch mit 60 noch keinen Deut peinlich sein, sollte sie da noch auftreten. Alles bei ihr hatte Stil! Egal, ob sie auf eine Trommel einschlug,
eine Sitar-Maschine bediente oder ihren Po zum Publikum streckte. Vermutlich hätte selbst sie bei den albernen Mallorca-Lasso-Tanzfiguren unpeinlich ausgesehen, die eine Frau in meiner Nähe beim Titelsong der neuen Platte machte.

Vor 2raumwohnung hatte ich schmerzhaft lernen
müssen, daß ich nie einen Job als Musikscout bei EMI bekommen werde. Auf die Idee, Nobelpenner, der Vorgruppe, einen Vertrag bei dem Major zu geben, wäre ich nämlich nicht gekommen. Dafür war die halbe Stunde der Band einfach zu langweilig.

Setlist 2raumwohnung, E-Werk, Köln:

01: Wir trafen uns in einem Garten mit Max
02: Ich & Elaine
03: Lasso
04: Body is boss
05: Wir werden sehen
06: Wir trafen uns in einem Garten
07: Und ich dreh
08: Rette mich später
09: Besser geht's nicht
10: Vielleicht im nächsten Leben
11: Nimm mich mit
12: Überall rein
13: Sexy girl
14: Sasha
15: Spiel mit

16: Kommt zusammen (Z)
17: 36 Grad

18: Der letzte Abend auf der Welt (Z)

19: Wenn Du bei mir liegst (Z)

Links:

- 2raumwohnung, Köln, 20.03.07
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Mittwoch, 21. März 2007

2raumwohnung, Köln, 20.03.07

2 Kommentare
Konzert: 2raumwohnung
Ort: E-Werk, Köln
Datum: 20.03.2007
Zuschauer: sehr voll

Auf dem Weg nach Köln hatte ich das Gefühl, eine alte Liebe nach langer Zeit wiederzusehen. In den vergangenen Jahren hatte ich immer wieder an sie gedacht, verfolgt, was sie so macht, ihre Stimme immer wieder im Ohr gehabt. Ich wußte nicht, wie es sein würde, sie wiederzusehen, ob die Gefühle noch da wären - ich fuhr übrigens zu einem Konzert.

Als vor einigen Jahren "Wir trafen uns in einem Garten" erschien (ursprünglich, wie ich eben gelernt habe, als Werbesong), war ich gleich gebannt von dem damals sehr neuen Sound des Elektro-Pop Duos 2raumwohnung. Fan der beiden Humpe-Schwestern bin ich seit meinen ersten Erinnerungen an Musik. Ich halte Annette & Inga Humpe für die größten deutschen Musikerinnen. Mit jeder neuen Platte von 2raumwohnung brökelte meine Liebe allerdings ein wenig, auch wenn ich mir das vielleicht nicht eingestehen wollte ("zwei von Millionen von Sternen, die sich immer mehr von einander entfernen", um es mit der Band zu sagen). Heute hatte ich erstmals Gelegenheit, Inga, die jüngere Humpe-Schwester, live zu erleben, nachdem ich vor zwei Jahren Annette mit ihrer Band Ich & Ich gesehen hatte (und sie mir mit der Zugabe "Blaue Augen" von Ideal fast Tränen in meine blau-grauen Augen gebracht hat). Soviel zur pathetischen Einleitung...

Auf dem Weg zum E-Werk war noch wenig los. Auch innen war es noch sehr überschaubar, was mich schon fürchten ließ, daß das Konzert nicht ausverkauft sein würde. Statt mich vorne an das Absperrgitter gleich an der Bühne zu stellen (was problemlos eine halbe Stunde vor Beginn der Vorgruppe möglich war), suchte ich mir einen Platz auf der Empore, von der ich auch mein letztes Konzert im E-Werk, nämlich das der Kooks, gesehen hatte.

Als um 20.15 Uhr die Vorgruppe auftrat, war der Saal unter uns schon gut gefüllt.
Und den Bewegungen des Publikums zufolge, kam die Musik von Werle & Stankowski, einem Kölner Duo, nicht nur bei mir gut an. Simon Werle und Johannes Stankowski machen nach eigenen Angaben Indie/Elektro/Folk. Das beschreibt es schon ziemlich gut. In Kritiken ist auch immer wieder von elektronischer Lagerfeuermusik zu lesen. Auf der Bühne heißt das dann, daß Johannes Stankowski Gitarre spielt und singt (seine Stimme ist sehr einprägsam und erinnert ab und an an die Talking Heads) und Simon Werle allerlei elektronische Geräusche dazu gibt. Das klingt, so wie ich es beschreibe, ganz schrecklich, ist aber sehr gut hörbar und in Teilen wirklich brillant. Es ist auch keine Easy-Listening- oder Chill-Out Musik, wie ich nach den ersten Takten dachte, sondern durchdachter, teilweise eben sehr guter Pop. Mir gefiel "Lady Grey" ganz besonders gut, dabei kamen mir auch die Assoziationen an die Talking Heads in den Sinn. Außerdem habe ich bisher noch nie Sample-Soli erlebt! Leider spielte die Band nur sieben Titel. Ein achtes, auf der Setlist verzeichnetes Lied, das wohl Zugabe sein sollte, wurde nicht mehr gespielt. Johannes Stankowski kündigte eines der Stücke mit "Versucht mal, auf den Text zu achten, ansonsten hört auf den Beat" an, irgendwie ein schönes Motto für diesen schönen Auftritt.

Setlist Werle & Stankowski:

01: Sound of my guitar
02: Throw your life away
03: Lady Grey
04: After all
05: I like it
06: Lost in love
07: In this world


In der Umbaupause konnte ich schön beobachten, was am Mischpult und den Beleuchtungscomputern passierte. Als das Licht ausging, legte einer der Ton-Leute eine Intro-CD in den CD-Player. Als die vorbei war, sollte wohl eine zweite eingelegt werden, was sein Kollege wohl ordentlich versaute, beide wurden nämlich ein wenig hektisch, ohne daß Musik kam. Gerettet wurde die Szene durch den Auftritt der Band.

Für die Tour haben Inga Humpe und Tommi Eckart zusätzliche Musiker mitgebracht. Die Band im Hintergrund bestand aus Schlagzeuger, zweitem Keyboarder und Gitarrist. Zeitweise waren dazu ein weiterer Gitarrist (oder Bassist) und zwei Background-Sänger auf der Bühne. Der Bühnenaufbau war recht dezent.
Die Musiker standen auf beleuchteten Podesten, zwischen denen im Hintergrund vier dreiteilige Bildschirm-Türme aufgebaut waren.

Das Konzert begann mit "Spiel mit" von "Es wird morgen". Und was soll ich sagen, es war toll. Inga Humpe wirkt natürlich viel jünger als 51 und hatte offensichtlich viel Spaß. Sie sollte in den
nächsten knapp zwei Stunden ununterbrochen über die Bühne tanzen. "36 Grad" war der erste Titel der neuen CD. Das Set war bunt gemischt, besonders gut kamen aber die ältesten Lieder an, denke ich. Bei einem davon, "Ich & Elaine", bat Inga Humpe beste Freundinnen auf die Bühne, die mit ihr tanzen sollten. "Vier oder sieben noch". Es wurden dann vielleicht zehn, zwölf, die um und mit der Sängerin tanzten. Mein erster richtiger Liebling kam mit "Wolken ziehen vorbei".

Der Saal unter mir war bester Stimmung. Ich habe selten erlebt, daß eine Menge so dauerhaft hin und her tanzte. Rührend war das ganz spärlich vorgetragene "2 von Millionen", damals Werbesong
für die HypoVereinsbank. Dabei sang Inga nur vom Gitarristen begleitet in der Mitte der Bühne. Es war wundervoll.

Gegen Ende des regulären Teils kündigte das Ex-Neonbaby dann ein Lied mit "das
haben Tommi und ich schon in jeder Pommes-Bude gespielt". Statt der regulären Version des großen Hits "Wir trafen uns in einem Garten" kam aber der Remix "mit Max". Da haben sicher einige, die sich auf die schlichtere, bekannte Version gefreut hatten, geschluckt. Viel Zeit dafür blieb aber nicht, denn gleich anschließend suchte Inga Humpe die "Miss Freie Liebe Köln", die während des folgenden Lieds (überraschenderweise "Freie Liebe") "wild mit dem Schlagzeuger knutschen" sollte. Eine Bianca tat das dann auch während des gesamten Stücks, während der Schlagzeuger irgendwie weiterspielte.

Mit dem nächsten großen Hit "Besser geht's nicht" war dann erst einmal Schluß. Nach kurzer Pause kamen die beiden (mit Band) aber zu drei Zugaben mit insgesamt vier Stücken zurück. Neben meinem Liebling "Nimm mich mit" kam natürlich noch die "richtige" Version von "Wir trafen uns in einem Garten". Selbst bei Depeche Mode habe ich es damals nicht erlebt, daß in einem Konzert Lied und Remix gespielt wurden. Als viele nach der
zweiten Zugabe schon auf dem Heimweg waren, kam mit Lotus noch eine letzte (sehr indische) Zugabe. Dabei sang Inga Humpe am Anfang - die Band saß nebeneinander auf der Bühne - : "Bitte keine Fotos, ich weiß, wie's aussieht."

"Wir sind die anderen" von 2004 hat als Untertitel "Frühling 2007", das Konzert endete zwei Stunden vor Beginn des Frühlings 2007. Auch wenn wir damit einen Tag zu früh waren, hatte ich schon irgendwie das Gefühl, zu dem Konzert ein paar Jahre zu spät gekommen zu sein. Es war toll, keine Frage (auch wenn das schönste und romantischste Lied der Band fehlte, "Ich denk an Dich"). Und ich war begeistert, meine alte Liebe endlich gesehen zu haben. Aber ich war nicht so euphorisch, wie ich es vor fünf Jahren gewesen wäre. Zwei von Millionen von Sternen eben.

Setlist 2raumwohnung:

01: Spiel mit
02: Ich weiß warum
03: 36 Grad
04: Ich + Elaine
05: Wolken ziehen vorbei
06: La la la
07: Wir sind die anderen
08: 1 2 3
09: Sexy Girl
10: Ja
11: 2 von Millionen
12: Du bewegst Dich richtig
13: Nimm sie
14: Garten mit Max
15: Freie Liebe
16: Besser geht's nicht

17: Sasha (Z)
18: Nimm mich mit (Z)

19: Wir trafen uns in einem Garten (Z)

20: Lotus (Z)



 

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