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Donnerstag, 3. Oktober 2024

Ryan Adams - Concertgebouw de Vereeniging - Nijmwegen - 02.10.2024

2 Kommentare

 


Konzert: Ryan Adams
Ort: de Vereeniging, Nijmwegen
Datum: 02.10.2024
Dauer: 150 min.
Zuschauer: ausverkauft


"To die by your side. Well, the pleasure, the privilege is mine". Ryan Adams covert The Smith in einer berührenden Pianoversion, und vielleicht ist diese Zeile auch schon die größtmögliche Hoffnung auf eine Zukunft, die eigentlich gar keine ist. 

Leicht und unbeschwert ist nichts an diesem Konzertabend und das Fotoverbot obligatorisch. Nicht einmal eine Bühnenbeleuchtung gibt es. Ein paar wenige Wohnzimmerlampen müssen reichen, Adams scheint wirklich gar nichts erhellen zu wollen. 


Dreißig Songs in 2,5 Stunden, abwechselnd am Piano oder mit Gitarre, kaum Ansagen und schon gar kein Lächeln sind während des Auftritts zu erkennen. Eine live vorgetragene Katharsis und weniger ein Konzert werden hier aufgeführt. 
Nur was soll ich als Zuschauer damit anfangen ? 

Adams hat viele Übergriffe und Fehler eingestanden und wirkt auch äußerlich schwer angeschlagen. Mit mittlerweile kurzen Haaren und vielen Kilos ist er kaum wieder zu erkennen. Seine Gesten sind klein, seine Sprechstimme leise. 

Will man einen Saal mit 2.000 Besuchern akustisch überzeugen, helfen  Charisma und Bühnenpräsenz schon sehr viel weiter. Gerade ein Vergleich zu Glen Hansard zeigt die gewaltigen Unterschiede auf. 

Ja, es gibt Highlights. "I see monsters", und das letzte Drittel des Sets sind etwas zugänglicher. Doch meistens sind es die Coverversionen, die er meisterlich vorträgt. Dylans "Love Sick", oder "Pale Blue Eyes" von Velvet Underground klingen träumerisch, aber nicht weniger depressiv als im Original. 


Und so bleibt es ein Abend in komplettem Moll. "The fact that you are married. Only proves you`re my best friend. But it`s truly, truly a sin." Zugaben sind inkludiert. 

Zwei Songs vor dem Ende zieht sich Adams bereits wieder sein Sweatshirt an. Darauf ist das Motiv von "The Exorcist". Wer an Zufälle glaubt, ist hier falsch.  





Montag, 4. Juni 2007

Ryan Adams, Paris, 03.06.07

12 Kommentare

Konzert: Ryan Adams

Datum: 03.06.2007
Ort: La Maroquinerie, Paris
Zuschauer: offensichtlich ausverkauft ( sonst wäre ich wohl kaum nach
einer nicht vorhandenen überschüssigen Karte vor dem Eingang gefragt
worden...)


Am heutigen Sonntag war einiges anders als sonst in der Maroquinerie. Ist mir normalerweise der Laden besonders sympathisch, weil keine lästigen Taschenkontrollen durchgeführt werden, so erregte die Security heute meinen Zorn. Zunächst wurde ich überflüssigerweise darauf hingewiesen, daß Rauchverbot herrsche (was schon lange bekannt ist), bevor dann ein zweiter Gorilla mit schwarzen Golferhandschühchen meine Tasche eigenhändig durchwühlte und beim Öffnen eines Reißverschlusses auf meine Kamera stieß, was aber keine Konsequenzen hatte. Danach gab es auch noch eine Leibesvisitation wie am Frankfurter Flughafen. Beide Vorgänge im übrigen komplett illegal, wie ich mal als ausgebildeter Jurist anmerken darf. So etwas darf nämlich nur die Polizei. Was war denn hier los? Glaubten sie etwa, ich, oder andere Zuschauer seien bewaffnet, wenn es anscheinend nicht um die Kamera ging? Ich verstehe ja, wenn beim Auftritt von Heavy-Metal-, Punk- oder Rapbands aufgepasst wird, schließlich wurde vor ein paar Jahren der Sänger der Band Panterra auf offener Bühne erschossen, aber bei Ryan Adams, dem Country-Sänger? Waren doch nur äußerst friedfertige Zeitgenossen da, gebildete Leute zwischen 20 und 40, in Vorfreude auf ein erlesenes Konzert...

Der einzige der dann bewaffnet war, war dann letztlich Neal Casal, allerdings nur mit seiner Klampfe! Der amerikanische Songwriter durfte eine handvoll schöner Lieder trällern, entnommen möglicherweise von seinem 2006-er Album "No Wish To Reminisce". Er war sehr froh, mal wieder in Paris zu spielen, er sei schließlich seit langer, langer Zeit nicht mehr dagewesen, wie er mehrfach betonte. Nach einer knappen halben Stunde verabschiedete sich der beim tollen französischen Label Fargo (u.a. Andrew Bird, Alamo Race Track) unter Vertrag stehende Künstler dann, nicht ohne darauf hinzuweisen, daß man ihn gleich wiedersehe, da er bei der Begleitband von Ryan Adams, den Cardinals, mitmusiziere...

Wobei gleich leider nicht sofort hieß, denn jetzt war erst einmal nervzehrendes Warten angesagt. Etwas Kurzweil verschaffte ich mir lediglich durch das Anglotzen einer scharf aussehenden Amerikanerin, mit einem süßen Pagenschnitt, die aber mit ihrem Macker da war. Irgendwann war aber auch meine Geduld aufgebraucht, denn ich und die anderen im Saale warteten bereits eine geschlagene halbe Stunde auf Ryan und seine Cardinals. Die Leute begannen rhythmisch zu klatschen, wie man das von den French Open kennt, wenn ein zurückliegender Spieler aufgemuntert wird. Aber es half nichts, es war keine Band zu sehen. Mir wurde es etwas mulmig. Irgendwie war heute alles etwas seltsam. Gab es etwa eine Bombendrohung, oder Ähnliches, oder rauchte Ryan in aller Ruhe im Wartesaal ein Zigarettchen? Wahrscheinlicher war zum Glück die zweite Variante, denn nach einer Wartezeit von knapp 50 Minuten kam die Band endlich aus ihren Löchern gekrochen und legte Gott sei Dank los. Und zwar gleich mit einem Lied von dem neuen, sehr bald erscheinenden Album "Easy Tiger". Der Opener hieß "The Sun Always Sets" und war schön wie gewohnt. Allerdings hatte ich etwas Probleme, mich auf die Musik zu konzentrieren, denn ich war verblüfft von der schwarzen Sonnenbrille (!), die der New Yorker, während des gesamten Konzertes tragen sollte. So exzentrisch hatte ich mir den Sänger nicht vorgestellt, auf den Covern der Alben wirkte er immer eher wie der schüchterne, junge Mann, von nebenan, mit Jeans und kariertem Hemd. Stattdessen hatte ich es mit einem veritablen Dandy, ja Crooner zu tun. Er erinnerte fast an Morrissey, oder Bryan Ferry, dabei vermutete ich vorher einen zurückhaltenden, erdigen Burschen wie Ray LaMontagne...

Auch seine Gestik war auffallend, er spitzte sehr oft seine Finger und fuchtelte damit wild durch die Luft. Das befemdete mich ein wenig, aber lenkte mich nicht lange von der wundervollen Musik ab. Die fabelhafte Ballade "Dear John", von dem Album "Jacksonville City Nights" war das erste Lied, welches ich erkannte. Allerdings war das nicht überraschend, da drei der ersten fünf Lieder von dem neuen Album "Easy Tiger" stammten, welches eben noch nicht erschienen ist. Ohnehin hat man Probleme, dem Tempo des Amerikaners zu folgen. Ich hatte mich vor 2-3 Jahren mit einigen seiner Werke eingedeckt, darunter "Gold", "Heartbreaker" und "Love is hell", da veröffentlichte er schon wieder neue Alben, 2005 gleich zwei. Das sehr gute "Cold Roses" hatte ich mir besorgt, aber für "29" fehlte dann einfach die Zeit, zumal "Cold Roses" ein Doppel-Album war... Von diesem Kritikerliebling stammte dann auch einer meiner Favoriten des Abends, "Magnolia Mountain". Ähnlich wie Wilco schafft es Ryan Adams hierbei klassischen Country modern und ohne Klischees zu interpretieren und kreiert auf scheinbar einfache Weise wunderbar zeitlose Musik. Seine Band, die fünfköpfig angetreten war, darunter natürlich Neal Casal an der Gitarre, aber auch ein junger Herr an einem Blues-Piano, half ihm dabei tatkräftig.

Obwohl Ryan ganz klar der Boss ist, weil er einfach eine unfassbar gute Stimme hat. Er traf heute jeden Ton, auch die hohen. Wenn ich ganz ehrlich bin, gefällt mir der Gesang aber am Besten, wenn er sich in den tieferen Tonlagen aufhält und nicht ins Kitschige abtrifftet. Manchmal sah ich gar Parallelen zu Elton John, verwarf diesen Gedanken dann aber schnell als abwegig. Zu Unrecht, wie meine anschließende Recherche im Internet ergeben hat. Bei iTunes findet sich nämlich eine Cover Version von "Rocket Man", gesungen von Ryan Adams und.... Elton John!

Während ich der Band da so beim Schmachten zuhörte und nebenbei ein paar Photos schoß, fühlte ich plötzlich einen unangenehmen Griff an meiner Schulter, in etwa so, wie ihn Spok bei Raumschiff Enterprise seinen Gegnern verabreicht hatte! Er stammte von einem der Gorillas der Security, die sich in dem Raum unter die Leute gemischt hatte. "Pas de Photos, monsieur"!, raunzte er mir zu. Wie bitte? Normalerweise gibt's da doch sonst nie Probleme. Heute war irgendwie alles anders...

Das verdarb mir für eine ganze Weile die Laune, weil ich mich fragte, wie das mit meinen Photos werden soll, wenn dieses Verbot Schule machen sollte. Naja, ein paar Schüsse waren mir ja schon geglückt, es war also zu verschmerzen, daß ich die Kamera wegpacken sollte...

Bessere Stimmung kam bei mir dann schließlich wieder gegen Ende des Sets auf, als die Klassiker "New York, New York und vor allem "I See Monsters" gespielt wurden. Eine Blondine neben mir, offensichtlich eine Amerikanerin, ging dabei richtig ab, sie kannte die Texte auswendig. Bis ich soweit bin, muß ich noch ein bißchen arbeiten. Das umfangreiche Werk hat mit Sicherheit eine solch eingehende Beschäftigung verdient, aber es gibt ja auch noch tolle Alben von Ryan's alter Band Whiskeytown zu hören, die man mal wieder auflegen könnte...

So, ich muß jetzt aufhören zu schreiben, sonst kann ich mich nicht auf die Texte des Amerikaners konzentrieren, schließlich sind 8 und demnächst 9 Alben aufzuarbeiten! Da wird es den Fans wirklich nie langweilig!

Setlist Ryan Adams Paris:

01: The Sun Always Sets (neu)
02: Carolina Rain
03: I Thaught Myself How To Grow Old (neu)
04: Dear John
05: Halloween Head (neu)
06: Goodnight, Hollywood Boulevard
07: Two (neu)
08: Night Birds
09: Wild Flowers
10: Oh My God, Whatever, etc. (neu)
11: Blue Hotel
12: Magnolia Mountain
13: Keep Love Alive
14: Rip Off (neu)
15: New York, New York
16: I See Monsters

17: Down In A Hole (Z)

von Oliver




 

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