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Samstag, 30. November 2013

Sigur Rós, Frankfurt, 24.11.13

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Konzert: Sigur Rós
Ort: Jahrhunderthalle, Frankfurt
Datum: 24.11.2013
Dauer: Sigur Rós ca. 90 Minuten, I Break Horses ca. 25 Minuten
Zuschauer: ca. 4.000 



von Ursula von neulich als ich dachte 

Was ist das nur dieses Jahr? Ich, die es eigentlich gar nicht mag, dieselbe Band mehrfach auf derselben Tournee zu sehen, scheine dieses Jahr kaum etwas anderes zu tun: Nach CocoRosie, Enno Bunger und Editors sah ich gestern nun auch Sigur Rós ein zweites Mal. Als wir uns entschlossen, im Sommer nach Rom zu fahren und ein Konzert der Isländer zu besuchen, waren die Tickets für Frankfurt nämlich bereits gekauft gewesen. 


Anders als in Rom gab es für den Auftritt in Frankfurt eine Vorband, I Break Horses aus Schweden. Von Christoph, der die Bands bereits am Vorabend in Luxemburg gesehen hatte, wussten wir schon, dass der bereits für den Auftritt der Hauptband zwischen Bühne und Zuschauerraum angebrachte durchsichtige Vorhang erst bei deren drittem Song fallen würde, und so kam es dann auch: I Break Horses blieben für ihr kurzes Set also komplett hinter dem Stofftuch und waren so teils nur als Umrisse wahrnehmbar. Man konnte aber auch so sehen, dass die Band aus einer Keyboard spielenden Sängerin, einem weiteren Keyboarder und einem Schlagzeuger bestand. Während die Sängerin ein gewagtes schwarzes Cape trug, das sie auch mehrfach mit gehobenen Armen präsentierte, trugen die Herren Kapuzenpulli. 

Die Musik erschien mir passend zum Cape etwas Addams-Family-mäßig düster, wobei sich angesichts der Kürze des Auftritts (fünf Songs in etwa 25 Minuten) von mir nicht allzu viel dazu sagen lässt. Die theatralischen Gesten der Sängerin fand nicht nur ich ein wenig albern (neben mir wurde gekichert), so dass ich insgesamt sagen muss: I Break Horses interessieren mich nicht sonderlich, so dass ich mir das im Januar erscheinende neue Album Chiaroscuro wohl nicht anhören werde. 

In der nun folgenden Umbauspause lief eine für mich enervierende "Wartemusik", die ich bereits aus Rom kannte und die aus genau zwei langgezogenen, an- und abschwellenden Noten bestand. Zum Glück kamen Sigur Rós dann gegen 21 Uhr auf die Bühne und erlösten uns mit Yfirborð. Neben den drei verbleibenden Bandmitgliedern hatte sich auch zwei zusätzliche Musiker, die sich an einer Vielzahl von Instrumenten betätigten, eingefunden, außerdem gab es noch drei Streicherinnen und drei Bläserinnen und Bläser im Hintergrund, die ich allerdings im Nebel hinterm Vorhang zunächst kaum ausmachen konnte. 

Die dreiköpfige Sigur Rós-Stammbesetzung selbst - Jón Þór „Jónsi“ Birgisson, Georg „Goggi“ Hólm (Bass) und Orri Páll Dýrason (Schlagzeug) - trug einmal mehr Phantasieuniformen, dieses Mal in Hemdform, wobei die Bekleidungsstücke einander zwar stark ähnelten, aber unterschiedliche Farben hatten. Die Bühne wurde wie schon in Rom von einem Meer aus Glühbirnen beleuchtet, die an unterschiedlich hohen Stehfassungen befestigt waren. 

Während bei Yfirborð Projektionen sowohl auf den Bühnenvorhang als auch auf die in der Höhe verstellbare Leinwand im Hintergrund geworfen worden waren, zeigte beim nun folgenden Vaka nur der Vorhang eine Gasmaskenfigur aus dem zugehörigen Video. Nachdem wir über die Vorhangsituation ja wie gesagt bereits bestens informiert worden waren, waren wir nicht sonderlich überrascht, als bei der Single Brennisteinn die Sicht auf die Band endlich frei wurde, allerdings erfolgte der Fall des Schleiers perfekt abgestimmt bei einem "Krach" im Lied, was durchaus beeindruckend war. 


Die mitgebrachten Extramusiker betätigten sich immer wieder an den verschiedensten Instrumenten, beispielsweise war einer bei Hrafntinna an einem Extraschlagzeug auf der linken Bühnenseite mit scheppernden Klängen beschäftigt, während der andere rechts die Becken zusammen schlug. Auch die Streicher- und Bläserinnen hatten mehrere Aufgaben und sangen so auch am Ende von Varúð mit. 

Hoppipollas Anfang wurde vom Publikum besonders bejubelt, überhaupt war das Album Takk - abgesehen natürlich vom aktuellen Kveikur - mit den meisten Songs vertreten, Ágætis byrjun wurde leider gar nicht berücksichtigt. Mit einer Art Winkegeste forderte der ansonsten selbst für seine eigenen Verhältnisse wortkarge Jónsi das Publikum zum Mitklatschen auf. Währenddessen sprühten auf der Leinwand im Hintergrund Funken. 

Nachdem Kveikur sich am Ende in eine Krachorgie gesteigert hatte, verließen die anderen Musiker die Bühne und ließen Jónsi zurück, der nun zunächst mit dem Geigenboggen auf seiner Gitarre schrammelte, um dann Festival zunächst allein an der Gitarre vorzutragen. Eine auch in der aufgenommenen Version lange Note hielt er live geradezu endlos, was ihm von der anschließend zurückkehrenden Band ein anerkennendes Schulterklopfen einbrachte. 

Irritierenderweise entpuppte sich der nun folgende Song als Popplagið - das Lied, das traditionell jedes Sigur Rós-Konzert abschließt. Sollte das etwa bedeuten, dass es keine Zugabe geben würde? In der Tat, das hieß es. Nach diesem Lied und rund 90 Minuten kamen alle Musiker noch mehrmals zum Verbeugen zurück, während auf der Leinwand groß "Takk" stand, aber dann war überraschenderweise Schluss. 

Nachdem ich mich im Songmaterial von Sigur Rós nur oberflächlich auskenne und auf Isländisch auch keine Textfetzen mitschreiben kann, konnte ich die Frankfurter Setliste erst hinterher per Internet recherchieren. Sie entpuppte sich im Nachhinein als nahezu identisch zu der des Vorabends in Luxemburg, lediglich der Titelsong von Ágætis byrjun, zu dem Jónsi laut Konzertbericht am Vorabend gesagt hatte, man werde es wahrscheinlich nicht wieder spielen, fehlte tatsächlich. An und für sich bin ich auch gar kein riesiger Fan von Zugaben (beziehungsweise von der Tatsache, dass der ganze Prozess stets so stereotyp abläuft, wenn sie doch fest eingeplant sind), aber in diesem Fall kam das Ende dann doch ein wenig überraschend. 

Im Vergleich zum Rom-Auftritt im Sommer fehlten im Frankfurter Set leider auch Olsen Olsen und Svefn-g-englar, was in diesem Fall leider bedeutete, dass der zweite Konzertbesuch des Jahres gegenüber dem ersten eher eine Verschlechterung war. 

Setlist Sigur Rós, Jahrhunderthalle, Frankfurt: 

01: Yfirborð 
02: Vaka 
03: Brennisteinn 
04: Glósóli 
05: Stormur 
06: Hrafntinna 
07: Sæglópur 
08: Varúð 
09: Hoppípolla 
10: Með Blóðnasir 
11: Rafstraumur 
12: Kveikur 
13: Festival 
14: Popplagið 

Links:

- aus unserem Archiv:
- Sigur Rós, Düsseldorf, 25.11.13
- Sigur Rós, Esch-sur-Alzette, 23.11.13
- Sigur Rós, Rom, 28.07.13
- Sigur Rós, Best Kept Secret Festival, 23.06.13
- Sigur Rós, Wien, 04.09.12
- Sigur Rós, Paris, 15.11.08
- Sigur Rós, Köln, 11.08.08


Fotos: Dirk von Platten vor Gericht




Sonntag, 24. November 2013

Sigur Rós, Esch-sur-Alzette, 23.11.13

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Konzert: Sigur Rós (& I Break Horses)
Ort: Rockhal, Esch-sur-Alzette
Datum: 23.11.2013
Dauer: Sigur Rós 105 min, I Break Horses 27 min
Zuschauer: mindestens 3.000



Am Wochenende fand in Esch-sur-Alzette in Luxemburg das Sonic Visions Festival statt. In verschiedenen Sälen der Rockhal traten Luxemburger und auswärtige Bands auf. Headliner am Samstag waren Sigur Rós, nachdem Freitag noch Hurts (Urteil eines Musikkenners zu deren Auftritt: "Hausfrauenpop mit Hurts, fürchterlich. Aber super für die Mitklatscher.") das Programm angeführt hatten.

Die Rockhal ist grundsätzlich schon eine der angenehmsten Hallen für große Bands (was in meiner Musikwelt ein Publikum von 2.000 bis 5.000 Zuschauern bedeutet). Bei Konzerten, bei denen es auf die Akustik ankommt, punktet sie richtig, dafür nehme ich zu gerne die längere Anfahrt hin.

Das Samstagsprogramm des Festivals war höchst abwechslungsreich. Girls in Hawaii, Frightened Rabbit oder Dear Reader traten in einem der drei Säle auf. Mir ging es aber um Sigur Rós, also entschied ich mich sehr kurzfristig für I Break Horses als Vorprogramm, weil die Schweden unmittelbar vor dem Headliner im großen Saal angesetzt waren. Als I Break Horses um 20.30 Uhr auf die Bühne kamen, begann ein Schattenspiel. Die Schweden, die eigentlich ein Duo sind, traten zu dritt hinter einem Bühnenvorhang auf. Der Vorhang war zwar ein wenig durchsichtig, man konnte aber nur Schemen erkennen, deutlicher waren die Schatten der drei Musiker. Ein wenig ungeschickt (und vollkommen unnötig) waren die Kapuzenpullis der beiden männlichen I Break Horses Mitglieder. Es sah ein wenig nach einem Ku-Klux-Klan-Treffen aus.


Optisch ein wenig eintönig, gefiel mir der Auftritt musikalisch ziemlich gut. Er war kurzweilig. Allerdings wäre es auch katastrophal gewesen, wenn die gut 25 Minuten bereits gelangweilt hätten. 


Als um kurz vor neun die höchst eintönige Fahrstuhl-Pausenmusik stoppte und Sigur Rós auf die Bühne kamen, passierte dies wieder hinter dem Vorhang. Auf den Stoff wurden die Videoprojektionen geworfen, was sicher toll aussah, wenn man weiter hinten stand. Vorne sah man weißen Stoff, der bunt flackerte, und dahinter Leute an Instrumenten und Lichter. Auch beim zweiten Stück Vaka von ( ) blieb es dabei: hören statt sehen, ein wenig so wie diese Kopfhörer-Konzerte, die seit einiger Zeit in sind.


Erst mit den ersten lauteren Schlagzeug-Tönen von Brennisteinn vom aktuellen Album Kveikur fiel das Stoffdings. Warum ich darum jetzt so viel Aufhebens mache, weiß ich auch nicht genau, schließlich sah das Bühnenbild genauso aus wie beim End Of The Road Festival im Spätsommer. überall Instrumente, dazwischen blanke Glühbirnen auf Ständern unterschiedlicher Höhe, deren Lichtintensität wechselte. Auch wenn diese Lichtkonstruktion vermutlich teurer ist, als sie aussieht, schafft diese Dekoration mit einfachen Mitteln eine wundervolle Stimmung. Das gefiel mir sehr gut.


Für die Musik gilt das natürlich umso mehr. Ich verstehe jeden, der mit den Isländern nichts anfangen kann, wenn man sie aber mag, liebt man solche Auftritte. Der Klang war perfekt abgestimmt, die Instrumente wunderbar auszumachen. Jedes Glöckchen war zu hören. Und von allem gab es eine ganze Menge. Elf Musiker habe gezählt, vielleicht waren es auch mehr. In dem Labyrinth aus Lichtern und Instrumenten war es schwer, einen Überblick zu bekommen. Und unnötig. Die Musik war ergreifend schön, es wäre eigentlich sogar nicht furchtbar schlimm gewesen, wenn der Vorhang noch da geblieben wäre.


Im Publikum waren erstaunlich viele Sigur Rós Fans. Wir waren uns zwar hinterher einig, daß es übertrieben ist, bei den Isländern mitzusingen (was erstaunlich viele taten!), aber schon nach den ersten Takten wurden viele Lieder mit Szenenapplaus bedacht. 


Die meisten gespielten Stücke stammten vom tollen aktuellen Album Kveikur. Allerdings hatte Takk von 2005 fast den gleichen Stellenwert im Set, wärend von Kveikurs Vorgänger Valtari mit Varúð nur ein Stück gespielt wurde. Von den neuen Sachen gefiel mir neben dem zackigen Brennisteinn Stormur mit weiblicher Zweitstimme besonders gut! Der Frauengesang kam von einer der zusätzlichen Musikerinnen, ich glaube einer Posaunistin. Neben einem Bläserensembler waren wieder Streicher links im Bühnenhintergrund dabei. Die Bläser hatten am Ende von Hrafntinna einen großen Auftritt.


Zwei Sachen gefielen mir nicht. Bei Kveikur hielt Sänger Jónsi den letzten Ton wenig lang. Das mag technisch toll sein, ich mag solchen Effekthaschereien aber nicht. Ich hatte mich je bewußt gegen einen Samstagabend mit "Supertalent" und für echte Talente entschieden, da brauche ich auch keine solchen Spielereien. Schlimmer waren aber die offenbar unvermeidbaren Mitklatschorgien. Ich habe mich bei einigen Konzerten in den letzten Wochen massiv dafür geschämt, daß die Künstler beim Betreten der Bühne keinen Applaus bekamen (bei Savages beispielsweise - eine schlimme Unsitte, die von ganz schlechter Kinderstube zeugt), diese Oktoberfest-Ausgelassenheit wärend eines Lieds ist aber natürlich genauso schlimm. In der Rockhal ging das multinationale Publikum bei Hoppipolla (das in Með Blóðnasir überging) und bei Festival so richtig aus sich raus. Puh...


Nach knapp 80 Minuten bedeutete das Mitklatsch-Festival das Ende des regulären Sets. Die erste Zugabe Ágætis byrjun leitete der Sänger mit "we haven't played this song for a while and probably won't play it anymore." Ágætis byrjun spielten Sigur Rós mit zwei akustischen Gitarren. Die letzte Viertelstunde (oder mehr!) gehörten dem fantastischen Popplagið vom dritten Album ( ). Es hätte ein solches Ende nicht mehr gebraucht, um ein tolles Konzerterlebnis zu sein, es rundete die anderthalb Stunden vorher aber noch einmal ab. 

Ich finde es enorm schwer, über Sigur Rós Konzerte zu schreiben, man merkt das. Das wird mich aber nicht davon abhalten, die Isländer noch möglichst oft zu sehen! Vielleicht ist mein Vonlenska dann irgendwann auch gut genug, um auch mitsingen zu können.

Setlist Sigur Rós, Sonic Visions Festival, Esch-sur-Alzette:

01: Yfirborð
02: Vaka
03: Brennisteinn
04: Glósóli
05: Stormur
06: Hrafntinna
07: Sæglópur
08: Varúð
09: Hoppípolla
10: Með Blóðnasir
11: Rafstraumur
12: Kveikur
13: Festival

14: Ágætis byrjun (Z)
15: Popplagið (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Sigur Rós, Rom, 28.07.13
- Sigur Rós, Best Kept Secret Festival, 23.06.13
- Sigur Rós, Wien, 04.09.12
- Sigur Rós, Paris, 15.11.08
- Sigur Rós, Köln, 11.08.08



 

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