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Samstag, 26. April 2008

Aidan John Moffat, Paris, 25.04.08

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Konzert: Aidan John Moffat (ex Arab Strap)
Ort: Palais de Tokyo, Paris (Stage Of The Art)
Datum: 25.04.2008
Zuschauer: ca. 350



"Nimm einfach einen der beiden Plätze, die bei Tamara Production auf meinen Namen reserviert sind."


Mein Freund Philippe hatte mal wieder ganze Arbeit geleistet. Zwei Listenplätze für Ex- Arab Strap Aidan John Moffat und davon einen für mich, da kann man nicht meckern. Zumal der Event "Stage Of The Art" im Moment der letzte Schrei in Paris ist. "Stage Of The Art" was iss'n das? - Nun, es handelt sich um eine Kollaboration zwischen dem Palais de Tokyo, dem Pariser Museum für moderne Kunst und dem Londoner Institute Of Contemporary Arts (ICA). Zum Konzept gehört, daß sich die beiden Metropolen Künstler austauschen, die dann in der jeweiligen Partnerstadt auftreten. Die Londoner haben Paris für die zweite Auflage Aidan John Moffat und Black Affair (mit dem ex Beta Band Sänger Steve Mason an der Spitze) geschickt und London wird im Gegenzug am 28. April Gonzales und die Franzosen Poni Hoax bekommen. Sponsor des Ganzen ist...der Eurostar! Passt ja!

Letztlich handelt es sich also um eine Kommerzveranstaltung in kulturellem Gewand, die - wenn es nach den Veranstaltern geht - dafür sorgen soll, daß die Pariser mit dem Eurostar nach London fahren und dort Geld lassen (am besten natürlich in dem Museum ICA) und die Londoner nach Paris kommen, um dort...äh, was weiß ich...Froschschenkel essen, zum Beispiel!

Veranstaltungen mit Eventcharakter hasse ich eigentlich wie die Pest und ich bekam heute schon wieder genug Gründe dafür geliefert, warum das so ist. Zunächst einmal hieß es nämlich "Bitte in die Schlange einreihen!" und mit Malcolm Middleton (Provokation?) auf den Kopfhörern stand ich dann also zwischen all diesen schrecklich wichtigen und angesagten Leuten. Jean Vic Chapus, Redakteur der Zeitschrift Rock & Folk sah ich den Flur enlanglaufen und auch Violaine Schütz, Redakteurin des Musikmagazins Tsugi schlurfte durch die weiten Gänge. Unter das übliche Indie-Publikum, das ich von meine zahlreichen Konzerten in Paris inzwischen zumindest vom Sehen sehr gut kenne, hatten sich auch etliche Zeitgenossen gesellt, die ausschließlich wegen des Events da waren. Hach, diese Event-Wichser, wie ich sie hasse! Die Damen jenes Menschenschlages sollen doch bitte ihre Designerhandtäschen und Stöckelschuhe auf der Avenue Montaigne spazieren führen, warum müssen die den Weg zum Konzert verstopfen?!

So kam es dann, daß ich geschlagene 35 Minuten in der Schlange stand (hier war wohl jeder auf einer Liste, obwohl man für 22 € auch offiziell Karten kaufen konnte) und irgendwann endlich an der Reihe war. Ich ließ mein Sätzchen los, sagte also, daß ich bei Tamara Production auf der Liste stehe und einen der beiden Plätze von Philippe beanspruche. "Philippe haben wir keinen aufgeführt" - "Wie bitte?" und jetzt? "Tut uns leid, wir können sie nicht reinlassen."

Na, das nenne ich einen Flop! Nicht nur, daß ich den Auftritt meiner französischen Freunde von Nelson verpasst hatte, die zwischen 7 Uhr 45 und 8 Uhr 15 spielen durften, nein, jetzt rann mir auch die Zeit für John Aidan weg, der kurz zuvor an der Schlange vorbei Richtung Konzertsaal gelatscht war. Was tun? Wie ein begossener Pudel nach Hause gehen und schmollen? Nein, kommt nicht in Frage! Ich hatte eine Idee. Ich würde einfach die Jungs von Nelson fragen, die auf den Fluren diskutierten, ob sie etwas für mich tun könnten. Sie konnten, diese Sympathen, ich hieß plötzlich Maiximilan und war auf der Liste von Nelson. Ich mußte mich allerdings wieder hinten in die Schlange einreihen und die Zeit verstrich. Es war inzwischen kurz vor 9, Aidan John spielte schon seit einer halben Stunde. Mist! Scheiß Event! Dann kam plötzlich mein Freund Philippe um die Ecke. Damit er mich bemerkte, mußte ich meinen hart erkämpften Platz in der Schlange freigeben. Zusammen reihten wir uns erneut hinten an. Um 9 Uhr 15 waren wir endlich am Zuge, plötzlich gab es den Namen Philippe auf der Liste von Tamara Production (ein Wunder?) und ich hieß ja jetzt Maximilian. Um 9 Uhr 20 waren wir endlich in dem Konzertsaal, in dem Aidan John zusammen mit einem musikalischen Begleiter musizierte. Er trug ein langsames (langweiliges?) Lied vor, daß er verpatzte und deshalb neu startete. Als er es im zweiten Anlauf besser hinbekommen hatte, erhob er sich und dankte für die Aufmerksamkeit. Wie bitte? Schon Schluß? Aber ich hatte doch nur ein einziges Lied zu hören bekommen! Bißchen wenig, oder?

Zwei französische Bekannte, die pünktlich auf der Matte standen, berichteten einhellig folgendes: "Es war recht langweilig, vor allem am Anfang, als Aidan John kurze eineinhalb - minütige Gedichte vortrug. Als sein Begleit- Musiker hinzustieß, wurde es zwar etwas besser, aber ihr habt trotzdem nichts verpasst! Na dann!

Aber es stand ja noch eine Band auf dem Programm, oder besser gesagt ein Projekt und zwar von Ex-Beta Band Sänger Steve Mason, der auch noch einen Bassisten mitgebracht hatte. Ich fragte mich, warum inzwischen so viele Leute abgehauen waren, wußte aber kurze Zeit später die Antwort. Black Affair waren nämlich in der Tat zum weglaufen. Ein fürchterlich monotoner Elektro- Discobrei, der niemanden zum Tanzen brachte, obwohl Steve die Leute dazu animierte. Mit seinem hellen Trenchcoat und der knallroten Krawatte auf schwarzem Hemd, sah er aus wie ein Versicherungsvertreter auf Dienstreise und ich fragte mich, wieso man einen solchen Hampelmann eingeladen hatte. Gibt es wirklich Leute, die so einen Käse ernsthaft mögen?

Die Veranstaltung "Stage Of The Art" werde ich künftig mit Vorsicht genießen, das scheint klar zu sein. An den Eurostar habe ich sowieso schlechte Erinnerungen, da im letzten Jahr auf der Rückreise von London unser Gepäck in Zeitlupentempo komplett ausgeräumt und gefilzt wurde, so daß wir den Zug um ein Haar verpassten. Fazit: Der Eurostar sucks! Und Aidan John Moffat und Steve Mason auch! (nun gut, bei Aidan John kann ich es nicht wirklich beurteilen, halte es aber zumindest für möglich)

Setlist Black Affair, Paris, Palais de Tokyo (Stage Of The Art) folgt!

Links:

- Arab Strap, Paris, 28.11.06



Mittwoch, 29. November 2006

Arab Strap, Paris, 28.11.06

2 Kommentare
Konzert: Arab Strap
Datum: 28.11.2006
Location: Trabendo, Parc de la Villette, Paris
Zuschauer: circa 350 trauernde Arab Strap Fans


Heute war ein ganz mieser, grauer Novembertag. Den ganzen Tag hat sich die Sonne nicht einmal blicken lassen. Ideale Voraussetzungen also, um sich auf das Abschiedskonzert der Schotten von Arab Strap vorzubereiten, welches sie unter dem Motto: "Arab Strap, Ten years of tears", stattfinden lassen. Im März hatte ich die beiden Köpfe der Band, den blonden Gitarristen Malcolm Middleton und den beleibten, bärtigen Sänger Aidan Moffat zum ersten Mal live erlebt. Schade, daß sich unsere Wege schon so schnell trennen müssen... Von den zehn tränenreichen Jahren habe ich allerdings erst die letzten beiden so richtig mitbekommen, denn vorher kannte ich die Band überhaupt nicht. Das Jura-Studium führt halt eben zu kultureller Abstumpfung! Aber besser spät als nie und so habe ich wenigstens das Ende dieser fabelhaften, aber sehr diskreten Gruppe mitbekommen.

Um die Engländer Field Music nicht zu verpassen hatte ich mich extra frühzeitig auf die Söckchen gemacht, aber anstatt der vorzüglichen Engländer aus Sunderland sah ich zu meiner Enttäuschung einen französischen Barden, nur ausgestattet mit Klampfe und Mundharmonika. Mit seinem ovalen Gesicht und seiner an Prinz Eisenherz erinnernden Frisur sah er ein wenig seltsam aus. Zudem kam er aus Clermont-Ferrand, einer Stadt, die in Frankreich dafür bekannt ist, das letzte Kaff zu sein. Vielleicht vergleichbar mit Koblenz. Aber das spielte letztlich überhaupt keine Rolle, denn schlecht war er keineswegs, eher ziemlich gut und talentiert. Wie ich hinterher aus seinem eigenen Munde erfuhr, nennt er sich Leopold Skin. Hmm, im Auge behalten!

In der Pause guckte ich mir den Merchandising-Stand an und entdeckte so einige lustige T-Shirts unter anderem eines mit dem Aufdruck: "Dead is not the end." Zu sehen war ein Grabstein, eingraviert mit dem Bandnamen plus der Angabe 1996-2006. Aus dem Grab lukte eine Hand hilfesuchend hervor. Witzig auch dasjenige mit dem Aufdruck: "Tears R us", in der Anspielung auf den Spielzeughersteller.

Pünktlich um 21 Uhr ging dann das Licht aus und zur Belustigung des Publikums ertönte schottische Dudelsackmusik. Die Band legte im ersten Teil mit einigen Titeln von dem letzten Album "The last romance" los, darunter Stücke wie "Stink", "No hope for us", "Don't ask me to dance", "Confessions of a big brother", "Dream Sequence"( ich glaube das war der Opener). Genannte Lieder sind gute Beispiele für den Stil von Arab Strap, der einmal mit Post-Folk bezeichnet wurde. Ein ständiger Wechsel zwischen sehr gemächlichen, sich dahinschleppenden Nummern und plötzlichen Tempowechseln, die oft in einen regelrechten Gitarrenwirbel münden. Die Beschreibung depressiv und sautraurig würde es aber auch gut treffen, nicht umsonst wurde der Slogan mit den Tränen als Motto für die Farewell-Tour gewählt. Ein völlig besoffener Schotte sagte mir dann auch:" Oh man, this is fucking sad, how can a person be this depressed?" Den Rest verstand ich ich ob seines schottischen Akzents und seiner alkoholbedingten Aussetzter nicht richtig. Mal an dieser Stelle ein Wort zum Publikum: irgendwie passend zu einer solchen Abschiedstournee war es traurigerweise ziemlich leer, aber dafür waren hier Fans und Kenner unter sich. Sollen die anderen doch zu Placebo oder Muse gehen! Unter den Zuschauer diesmal nach langer Zeit mal wieder ein alter Bekannter. Ein dicklicher Franzose nämlich, der mir beim Bright Eyes Konzert 2005 aufgefallen war. Er ist abgesehen von seiner Körperfülle deshalb gut zu erkennen, weil er immer in der ersten Reihe steht, grinst wie ein Honigkuchenpferd und Luftgitarre spielt. Zudem schießt er permanent Photos aus nächster Nähe und diesmal hatte er sogar eine niegelnagelneue Kamera dabei. Interssant ist, daß das Publikum immer ein wenig wie die Bandmitglieder aussieht, ist fast wie beim Hund und seinem Herrchen. In unserem Fall war eine Ähnlichkeit zwischen Sänger Aidan Moffat und dem Honigkuchenpferd nicht zu
bestreiten. Beide fett und vollbärtig, allerdings lacht Aidan nur sehr selten. Häufiger trinkt er Bier (ich habe circa 8 Fläschen gezählt), streicht sich über den Bart und verschließt beim Singen die Augen. Nonverbale Kommunikation zwischen ihm und Malcom: null! Die beiden haben sich wohl wirklich nicht mehr viel zu sagen. Malcolm verzog übrigens während des ganzen Konzerts keine Miene, sondern zupfte bloß stoisch an seiner Gitarre. Selbst die Zurufe der besoffenen Schotten: "Malcolm, we love you" oder auch "Malcolm: Fuck you!" schien er einfach zu überhören.

Gespielt wurden natürlich auch viele alte Titel, darunter die erste Single: "The first big weekend", die damals von Radio one zum besten Lied des Jahrzehnts gewählt wurde. Die Kritiker standen immer auf der Seite von Arab Strap aber leider hatten sie zuwenige Fans. Gemeines Musikbusiness... Nach hundert traurigen aber musikalisch hochklassigen Minuten hieß es dann: "This is our last song. Maybe we will see us again in the future". Thank you for your support. Eine kleine Träne hing dabei in den traurigen Augen von Aidan und ich fühlte mich auch ein wenig betröpfelt. Hoffnung macht allerdings die Tatsache, daß Malcolm Middleton ein gutes letztes Solo-Album abgeliefert hat und das auch Aidan eigene Platten herausbringen wird. Bye, bye, ihr Melancholiker!!

von Oliver



 

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