Montag, 4. November 2019

Shakespeares Sister, Oxford, 01.11.19


Konzert: Shakespears Sister
Ort: New Theatre, Oxford
Datum: 01.11.2019
Dauer: Shakespears Sister knapp 90 min, Dilena 30 min
Zuschauer: vielleicht 800 (halbvolles Theater)
 


Am Wochenende des Brexit nach England fahren zu wollen, war objektiv nicht unbedingt naheliegend. Aber was sollten wir denn tun? Adorable hatten den 2. November als Termin für ihr letztes Konzert* gewählt, als Theresa May noch Premierministerin war. Mit ihrem Nachfolger stieg die Möglichkeit eines ungeregelten EU-Austritts und damit unsere Sorge, wie wir am besten nach England und zurück kommen würden, ohne das Konzert zu verpassen. Wir wählten den Land- und Wasser-Weg, weil uns dann niemand Flüge streichen würde, sollte Tag X auf den 31.10. fallen. Die dadurch entstandene Flexibilität bescherte dem Konzertwochenende ein zweites Highlight: für den 31.10. kündigten auch Night Flowers ein Konzert* zur Veröffentlichung ihres zweiten Albums an. Und weil zwischen den beiden Programmen ein freier Abend lag und man das als Konzerttourist eben so macht, recherchierten wir, ob am 1. November auch irgendetwas Spannendes spielen würde und fanden Shakespears Sister. Auch das war objektiv nicht unbedingt naheliegend, in diesem "Früher" mochte ich die Band aber, warum also nicht?!

Auf dem Ticket und der Website des New Theatre in Oxford stand als Zeit 19:00 Uhr und der Hinweis, daß es unter keinen Umständen einen späteren Einlass gebe. Am besten sei man 90 Minuten vorher da. Als wir im Osten Londons losfuhren sagte die Navi-Stimme eine Ankunft für kurz nach 17 Uhr voraus, genug Zeit für Essen und pünktliches Erscheinen. Zwei Stunden später standen wir im Westen Londons und hatten zehn Meilen geschafft. Die mittlerweile beiden Navis waren sich einig, daß es furchtbar knapp werden würde. "Die Jacke lasse ich im Auto, keine Zeit, die noch abzugeben!" Wir kamen nach 3 1/2 (statt nach 1 1/2) Stunden in Oxford an, rannten zum New Theatre, kamen um fünf vor sieben an und durften noch rein ins Gebäude. Allerdings nicht auf unsere Plätze, weil erst in ein paar Minuten Einlass sein würde. Jippie. 


Hungrig und neugierig guckten wir uns im Theater um. Das Gebäude ist einer dieser riesigen englischen Konzertsäle mit drei Etagen und kompletter Bestuhlung. In einer der Bars fanden wir den Zeitplan. Shakespears Sister sollten um 20:40 Uhr auftreten, davor Delena, eine ukrainische Sängerin, die mit zwei Begleitern das, was DSDS-Fans unter Popmusik verstehen, aufführte. Wir fühlten uns beim ESC-Vorentscheid in Kiew - inklusive Umhänge-Keyboard. Puh.

Als das überstanden war, kam ein älterer Mann mit einem dieser Klapp-Gestelle, auf die man in Hotels den Koffer legen kann, und baute in der ersten Reihe einen Eisstand auf. Irgendwie passte das sehr schlüssig ins Bild.

Um zehn vor neun dann endlich unser Ausflugsgrund. Erst erschienen die Begleitmusiker, eine Schlagzeugerin, die Original-Tourbassistin von damals, ein Keyboarder und ein Gitarrist (Marco Pirroni - Ex-Adam-Ant und Gitarrist beim ersten Live-Auftritt von Siouxsie and the Banshees mit Schlagzeuger Sid Vicious - wie wir später erfuhren. Danke, Katja!), dann Siobhan Fahey und Marcella Detroit

Die erste halbe Stunde bestand ausschließlich aus Liedern der ersten beiden Platten und der neuen Single Dangerous game. Außer Heroine erinnerte ich mich an nichts. Aber der Wiedererkennungseffekt war unbestreitbar da, Siobhans Leadgesang und die immer wieder eingesetzten hohen Gesänge von Marcella, die wie ein eigenes Instrument wirken. Die Stimmen der beiden Sängerinnen sind brillant gealtert (die beiden Künsterinnen auch), mich berührte die Musik aber nicht. Dabei war das Konzert nie langweilig. Als ich das erste Mal auf die Uhr guckte, war eine Stunde vorbei - im Auto und während des Vorprogramms hatte ich hunderte Male die Uhr kontrolliert. 

Nach acht Liedern ging hinter der Bühne eine Leinwand runter und ein Foto einer Wüstenlandschaft wurde hinter die Band projeziert. Damit wurden die restlichen vier neuen Lieder umrahmt. Die Stücke, die auf einer EP (Ride again) erschienen sind, waren alle qualitativ auf dem Niveau der Lieder davor, keines wirkte wie ein schwacher Aufguss. Aber auch die verfolgte ich eher als interessierter Beobachter, nicht als Fan.

Das dritte Drittel gehörte den Hits. Meistens sind meine Hits einer Band ganz andere als die offensichtlichen. Bei Shakespears Sister war das anders, Stay, Hello (Turn the radio on) und I don't care waren ganz deutlich die besten Lieder des Abends. Und bei denen stellte sich dieses Gefühl, ganz großen Pop live zu erleben, dann auch ein. 

Obwohl mit Wave- und Punk-Hintergrund störte uns die männliche Gitarre, die immer mal wieder ins Fies-Rockige ging. Das hätte es nicht gebraucht. Aber wir waren ja auch nicht die wirkliche Zielgruppe des Konzerts. 

Die beiden Musikerinnen wirkten erfrischend nervös, kein bißchen abgehoben, schienen echten Spaß zu haben, obwohl das Konzert schlecht besucht war und schon die dritte Reihe fast leer war (die wohl mehr als doppelt so teuer war wie die vierte Reihe).

Um zwanzig nach zehn endete das Konzert mit Hello. Und auch wenn sich das vielleicht anders liest, bereue ich überhaupt nicht, Shakespears Sister gesehen zu haben. Daß mich die Musik nicht touchiert, kann ich der Band wirklich nicht vorwerfen.

Setlist Shakespears Sister, New Theatre, Oxford:

01: Goodbye cruel world 
02: Heroine
03: Dangerous game
04: Dirty mind
05: My 16th apology
06: Heaven is in your arms
07: The trouble with Andre
08: Emotional thing
09: C U next Tuesday
10: Time to say goodbye
11: All the Queen's horses
12: When she finds you
13: Black sky
14: Stay
15: Are we in love yet
16: I don't care
17: You're history

18: Catwoman (Z)
19: Hello (Turn your radio on) (Z)



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