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Freitag, 16. August 2013

Blur, Rom, 29.07.13

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Konzert: Blur
Ort: Ippodromo delle Capannelle, Rom, Italien
Datum: 29.07.2013
Dauer: ca. 7.000
Zuschauer:ca. 90 min



von Ursula von neulich als ich dachte

Hatte ich geschrieben, dass bei Sigur Rós die Einlasszeit etwas sehr früh angesetzt gewesen war? Nun, beim Blur-Konzert für den kommenden Abend hatte man sie um eine weitere Stunde nach vorne verlegt! Ganz so früh waren wir dann doch nicht angereist, standen aber dieses Mal noch deutlich vor 8 Uhr abends vor der Bühne und warteten - wiederum ohne Vorband - darauf, dass es endlich Viertel vor 10 wurde. Dass die auf den LED-Wänden neben der Bühne gezeigten Videos und Werbespots dieselben wie am Vorabend waren, ließ diese "Ablenkung" eher zur Folter werden. 

Das Publikum um uns herum war ein anderes als am Vorabend und vor allem sehr viel fröhlicher (man könnte in zahlreichen Fällen auch "betrunkener" schreiben). Nachdem ich selbst mich im Blur-Back-Catalogue eher mäßig auskenne, war ich darüber überrascht, dass die Italiener während der Wartezeit wieder und wieder Tender anstimmten ("Oh my baby / Oh my baby / Oh why? / Oh my") - das kannte ich nämlich im Vorfeld überhaupt nicht, scheint aber südlich der Alpen Blurs größter Hit überhaupt zu sein. 

Die offizielle Konzert-Beginn-Zeit kam und verstrich, von Blur war nichts zu sehen. Erst mit 30 Minuten Verspätung erschienen Damon, Graham, Alex und Dave begleitet von vier Backgroundsängern und drei Bläsern auf der Bühne und lösten mit dem ersten Song Girls and Boys in der Menge sofort begeistertes Toben aus. Damon spritzte literweise Wasser ins Publikum, alle sprangen auf und ab, man sang und brüllte. Seltsamerweise wurde man bei alldem als etwas ruhigerer Konzertbesucher nicht oder zumindest kaum herumgestoßen oder angerempelt: Die "Nachbarn", um deren Konzertgebahren und Alkoholpegel ich mir im Vorfeld bereits ein wenig Sorgen gemacht hatte, zogen alle nach weiter vorne ab. 

Während Popscene und There's No Other Way tobte die Menge weiter, bis ihr Beetlebum einen ersten Stimmungsdämpfer versetzte. Das lag natürlich an der Langsamkeit des Songs, allerdings gab es für vorbereitete Konzertbesucher noch einen zusätzlichen Stimmungskiller: Blur haben nämlich momentan für Festivals eine feste, aus 17 Songs bestehende Setliste. Bei "eigenen" Konzerten spielen sie aber mindestens zwei Lieder mehr, und das erste von ihnen hätte vor Beetlebum kommen müssen. Folglich wurde uns an diesem Punkt klar, dass an diesem Abend die Festival-Setliste zum Einsatz kam - angesichts der langen Wartezeit eine ziemliche Enttäuschung. 

Es folgten - wegen der Vorab-Bekanntheit der Setliste nicht unerwartet, aber für ein "Best-of-Set" dennoch ziemlich kurios - Out Of Time, Trimm Trabb und Caramel. Bei Out Of Time wurde um mich herum noch ergriffen mitgesungen, mit den anderen zwei Songs (beide vom eher sperrigen Album 13) wurde das Publikum dann definitiv nicht mehr richtig warm. Gut, dass darauf Coffee and TV folgte, das die Stimmung wieder verbesserte. 

Bereits während der Wartezeit hatten wir gesehen, dass zwei Konzertbesucherinnen die Milchkartons aus dem zugehörigen Video ziemlich perfekt nachgebastelt hatten. Diese waren schon bei vorausgegangenen Liedern hochgehalten und durch die Menge gereicht worden und traten nun, bei ihrem eigenen Lied, besonders stark in Erscheinung. Schade, dass die Band diese sicherlich anstrengende Bastelarbeit mit keinem Wort würdigte - wobei ich natürlich auch nicht weiß, mit wie vielen nachgebastelten Milchpackungen sie im Laufe ihrer Karriere bereits konfrontiert wurde. 

Ansonsten konnte man Blur nicht vorwerfen, keine Begeisterung zu zeigen: Alle Mitglieder der Band waren völlig verschwitzt, wirkten dabei fröhlich und schienen alles zu geben. Damon sprach als einziger und erklärte, er wisse zwar nicht, wann man zuletzt in Rom gewesen sei, es sei aber offensichtlich zu lange her. Außerdem wollte er anschließend mit uns allen ausgehen. 

Weiter ging es mit dem mir mittlerweile aus den Fangesängen bestens bekannten Tender. Darauf folgten Country House, bei dem sich Damon ins Publikum stellte, und Parklife, das er offensichtlich nur mit einer albernen Plastiksonnebrille darbieten darf. Wir blieben also auf sicherem Hit-Terrain, bevor nach End of a Century mit Blurs eigenem Favoriten This is a Low bereits das letzte Lied des Sets gespielt wurde. 


Natürlich gab es, trotz der wiederum ausgesprochen schweigsamen Zugabeforderungen, noch einen Nachschlag, der aus vier Songs bestand. Das Finale Song 2 sorgte selbstverständlich wieder für kollektives Ausflippen, danach war endgültig Schluss. 

Zeit für uns, wieder den Veranstalterbus zurück in die Innenstadt zu nehmen, dessen Zugangskontrolle wieder genauso chaotisch organisiert war wie am Vortag - immerhin wir hatten aber mittlerweile Routine gewonnen. Der Konzertabend ließ auf der anschließenden Reise ins Hotel gemischte Gefühle zurück: Die Band hatte einen begeisterten und engagierten Eindruck gemacht und nicht zuletzt sehr gut gespielt, sich aber für eine etwas merkwürdige Songauswahl entschieden, die dauerhafte Begeisterung geradezu unterband. Hinzu kam die lange Wartezeit auf den Auftritt, gefolgt von einer eher kurzen Setliste: Der Hauptauftritt ohne die vier Zugabensongs hatte um die 75 Minuten gedauert. Möglicherweise hatte aber gerade der verzögerte Auftritt (an dem wohl technische Probleme schuld waren) dazu geführt, dass man eben nicht länger spielen konnte? 

Setlist Blur, Ippocampo della Capanelle, Rom: 

01: Girls & Boys 
02: Popscene 
03: There’s No Other Way 
04: Beetlebum 
05: Out Of Time 
06: Trimm Trabb 
07: Caramel 
08: Coffee & TV 
09: Tender 
10: Country House 
11: Parklife 
12: End Of A Century 
13: This Is A Low 

14: Under The Westway (Z)
15: For Tomorrow (Z)
16: The Universal (Z)
17: Song 2 (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Blur, Barcelona, 24.05.13
- Blur, London, 12.08.12

Fotos: Dirk von Platten vor Gericht



Donnerstag, 8. August 2013

Sigur Rós, Rom, 28.07.13

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Konzert: Sigur Rós 
Datum: 28.07.2013 
Ort: Ippodromo delle Capannelle, Rom, Italien 
Zuschauer: ca. 7.000 
Dauer: ca. 105 Minuten 


von Ursula von neulich als ich dachte 



Eigentlich war für dieses Jahr überhaupt kein Sommerurlaub vorgesehen. Dann kam mein Freund mit zwei Konzerten in Rom um die Ecke, es gab noch bezahlbare Flüge und Hotelzimmer und - zack - gab es zumindest einen Kurztrip. Ob es so schlau ist, bei über 30 Grad in Deutschland in eine noch heißere Stadt zu fahren, die noch dazu dafür berühmt ist, dass ihre Einwohner ihr im Hochsommer entfliehen (weil sie es dort auch nicht aushalten), sei einmal dahingestellt. Immerhin mussten wir uns zwischen Deutschland und Italien temperaturtechnisch kaum umstellen. 

Rock in Roma ist eine Konzertveranstaltung, die bereits seit 11 Jahren besteht. Dort, wo sich normalerweise eine Pferderennbahn befindet, wird eine Art Festivalgelände mit Getränkeständen, Essen, Sponsoren und allem Pipapo aufgebaut, und dann spielen dort über zwei Monate hinweg verschiedene Bands - in diesem Jahr zum Beispiel My Bloody Valentine, Smashing Pumpkins, Rammstein, Zucchero und Bruce Springsteen - um eine stilistische Abstimmung der Live-Acts müssen sich die Veranstalter ja wegen der zeitlichen Trennung nicht bemühen. 

Konzertbesuche im Ausland - noch dazu, wenn man die Sprache nicht spricht - sind ja immer ein wenig aufregend und so waren wir gespannt, ob die Anreise mit der italienischen Bahn vom Bahnhof Termini (Kostenpunkt: 1 Euro) sowie die Abholung der Tickets an der Abendkasse problemlos klappen würde. Das funktionierte aber ganz wunderbar, und so waren wir lange vor Konzertbeginn auf dem Gelände. 

Wohl um den Essens- und Getränkeverkauf anzukurbeln, findet der Einlassbeginn bei Rock in Roma nämlich geradezu absurd früh statt. Sigur Rós sollten um 21:45 Uhr auf der Bühne stehen (Einlass: 18:30 Uhr), eine Vorband gab es nicht. Dennoch standen wir mit vielen anderen bereits gegen 20:00 Uhr vor der Bühne herum, um uns zumindest einen halbwegs guten Platz zu sichern. Auf den LED-Wänden neben der Bühne liefen zwar ein paar Musikvideos, aber sowohl diese als auch die Werbung dazwischen wiederholten sich ziemlich schnell. Dass wir auf dem Weg übers Gelände geradezu mit Werbegeschenken überschüttet worden waren (Stofftaschen, Kaugummi, Kondome), war da auch nur ein schwacher Trost, eineinhalb Stunden in der auch gegen Viertel vor Zehn noch intensiven Hitze zu warten macht einfach keinen Spaß. Klügere Konzertbesucher in unserer Nachbarschaft packten aus Tupperschüsseln ein halbes Picknick aus ... 

So hatten wir zumindest mehr als ausreichend Zeit, das Bühnenarrangement zu betrachten, das aus ca. 50 Glühbirnen auf unterschiedlich hohen Ständern bestand. Außerdem gab es unter anderem auch ein Vibraphon zu besichtigen. 

Relativ pünktlich begann dann das Konzert, und das Publikum um uns herum, das mir vorher noch als allzu gesprächig erschienen war, entpuppte sich dann doch als ziemlich ruhig. Dafür gab es mehrfach "Szenenapplaus" mitten im Lied (zum Beispiel als Jónsi bei Svefn-g-englar in seine Gitarre sang) und auch Versuche, mitzuklatschen! Bei Sigur Rós! 

Die LED Leinwände neben der Bühne projizierten nun Bilder der Band von fest installierten Kameras, eine weitere hinter der Bühne zeigte Funkenflüge, Regen, Farbverläufe und Sequenzen aus Videos. 


Das Set begann mit zwei Songs (Yfirborð und Brennisteinn) vom neuen Album, danach waren weitere Titel aus Kveikur in einer Art "Best Of", die alle Albenveröffentlichungen berücksichtigte, eingebettet. Bei den aktuellen Liveterminen spielt die Band eine wechselnde Auswahl aus einem Grundstock von 18 Liedern - an diesem Abend bekamen wir 15 davon zu hören. Ungeachtet der Temperaturen über 30 Grad trugen Jónsi und ein Großteil der Band langärmlige Jacken und legten diese auch zu keinem Zeitpunkt ab. Alle waren dabei dunkel und schlicht gekleidet, nur Jónsi fiel mit seiner Phantasieuniformsjacke etwas auf, auch wenn diese nicht so schillernd war wie beim Solokonzert. Zu den drei verbleibenden festen Bandmitgliedern hatten sich noch zwei weitere Musiker gesellt, die häufig die Instrumente wechselten. Dazu kamen noch je drei Streicher und Bläser im Bühnenhintergrund. 

Die Kommunikation mit dem Publikum wurde eher klein geschrieben: Nur Jónsi sagte einmal etwas, und das konnten wir leider nicht verstehen. Beim Lied Olsen Olsen übernahm einer der Bläser den Querflötenteil des kürzlich ausgestiegenen Kjartan „Kjarri“ Sveinsson. Die Wiederholung dieses musikalischen Motivs am Ende des Songs fiel allerdings weg. Das Publikum reagierte am begeistertsten auf Hoppípolla, das darauf folgende Með Blóðnasir sang Jónsi allein, alle anderen Musiker hatten kurzzeitig die Bühne verlassen. 

Nach Festival war dann der Hauptteil des Konzertes nach rund 80 Minuten zu Ende. Im Mai hatte der ebenfalls isländische Künstler Ólafur Arnalds bei seinem Wiesbadener Konzert erzählt, dass das italienische Publikum seine Begeisterung anders ausdrückt als das deutsche, und wir konnten uns von der Korrektheit dieser Aussage überzeugen: Erst wurde durchaus begeistert applaudiert, dann wartete man mehr oder weniger schweigend auf die Rückkehr der Band. 

Diese kannte sich mit den lokalen Gewohnheiten sicher ebenfalls aus und kehrte auch ohne "Zugabe"-Rufe oder andauernden Applaus nochmals für zwei Songs zurück auf die Bühne - eigentlich eine ärmliche Zugabe, aber bei Sigur Rós dauern zwei Titel, wenn man Svefn-g-englar und Popplagið auswählt, gerne einmal insgesamt 25 Minuten. 

Danach gab es keine weitere Zugabe, aber die Band kehrte ihrer eigenen Tradition entsprechend nochmals zurück auf die Bühne und verbeugte sich zum Abschied. 

Für den Rückkehr in die Innenstadt - mittlerweile war es nach Mitternacht und der letzte Zug weg - hatten wir uns Plätze in einem vom Veranstalter eingesetzten Bus gebucht, der uns zurück an den Hauptbahnhof Termini fahren sollte. Das tat er dann irgendwann auch, aber erst, nachdem wir ein unorganisiertes Chaos überstanden hatten, in dem der Name jedes einzelnen Busgastes in einer alphabetischen Liste abgehakt werden musste. Die sich daran anschließende Fahrt im Nachtbus vom Bahnhof zum Hotel erwies sich dagegen als ausgesprochen effizient, zumindest im Hinblick auf die Geschwindigkeit. Immerhin haben wir - glaube ich - niemand überfahren. 

Setlist Sigur Rós, Rock in Roma, Rom: 

01: Yfirborð 
02: Brennisteinn 
03: Glósóli 
04: Vaka 
05: Ísjaki 
06: Sæglópur 
07: Olsen Olsen 
08: Hrafntinna 
09: Varúð 
10: Hoppípolla 
11: Með Blóðnasir 
12: Kveikur 
13: Festival 
14: Svefn-g-englar (Z) 
15: Popplagið (Z) 

Links: 

- aus unserem Archiv: 
- Sigur Rós, Wien, 04.09.12 
- Sigur Rós, Paris, 15.11.08 
- Sigur Rós, Köln, 11.08.08 

Fotos: Dirk von Platten vor Gericht




 

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