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Montag, 16. Mai 2016

Dirk Darmstaedter, Montabaur, 14.05.16

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Konzert: Dirk Darmstaedter
Ort: Ursulas & Dirks Wohnzimmer
Datum: 14.05.2016
Dauer: 95 min
Zuschauer: gut 30




Nach dem letzten Lied des Wohnzimmerkonzerts legte Gastgeber Dirk Irresistible von Prinzessin Stéphanie auf. Der andere Dirk - Dirk Darmstaedter - hatte vor seiner ersten Zugabe Beautiful criminals erzählt, er habe als Kind davon geträumt, nach Monte Carlo zu gehen, sich einen weißen Anzug anzuziehen und auf den Yachten Parties zu feiern. "Nighttime in Monte Carlo in the Hotel Tangiers and princess Stéphanie, she was whispering in my ear, singing 'hey, casino boy, I'm in love again!'"  


Beautiful criminals ist der Titelsong des im März erschienen neuen Albums des Hamburger Sängers, seines dreizehnten, seit es seine erste Band Jeremy Days nicht mehr gibt. Ich hatte Dirk Darmstaedter 2013 bei einem Wohnzimmerkonzert in Mendig gesehen. Damals war er gemeinsam mit einem zweiten Gitarristen unterwegs. In Montabaur spielte er alleine, mit akustischer Gitarre und einer eindrucksvollen Sammlung Mundharmonikas.

Obwohl er ein riesiges Repertoire eigener Lieder hat, begann Dirk Darmstaedter das Konzert mit einem Cover: Motel blues des amerikanischen Sängers Loudon Wainwright III (Vater von Rufus und Martha, die ihm eines meiner Lieblingslieder gewidmet hat - Bloody mother fucking asshole). Obwohl er seine Unterkunft für die Nacht nach dem Konzert mehrfach lobte, scheinen Motels den Hamburger sehr zu beschäftigen. Auch das zweite Lied Learn to love what's killing me hatte mit einer Hotelerfahrung zu tun, mit einer Nacht in einem Etap. Das sollten wir nie nachmachen. Wichtig sei aber, daß die Etaps jetzt Ibis Budget hießen, sich also hinter dem neuen Namen versteckten. 


Vor vielen Liedern erzählte Dirk Geschichten über ihre Entstehung oder die Geschichten dahinter. Beim besten Stück des Abends, Pop guitars vom aktuellen Album, erklärte er, Johnny Marr habe sein Leben gerettet. Davon, wie er als Jugendlicher zum ersten Mal This charming man gehört hat, handelt das Lied. Natürlich lief auch das Smiths-Lied in der Pause zwischen Konzertende und ESC.

Die schönsten Geschichten waren die rund um den größten Erfolg der Jeremy Days. Brand new toy war damals ein Radio-Hit, der bis auf Platz 11 der Charts kam. Das Management der Band hatte ihr damals vorgeschlagen, eine Einladung der ZDF-Hitparade anzunehmen. Danach ginge die Single auf Platz eins! Vor dem Auftritt hatte Costa Cordalis (griechischer Olympiateilnehmer im Ski-Langlauf und später Dschungelkönig) der Hamburger Band viel Glück gewünscht, Brand new toy war in der Folgewoche auf Platz 36. Jahre später traf Dirk Darmstaedter einen Russen, der ihn nach seinem Beruf und dann nach seiner Band fragte. Als der Sänger sagte, daß er die Band sicher nicht kenne - Jeremy Days, sagte der Russe, natürlich kenne er die, jeder in Rußland habe die Single Brand new toy gehabt, auf der auch Cheri cheri lady von Modern Talking draufgewesen sei. Dirk bat, ihm dringend diese Split-Single zu besorgen, die hätte er gerne als Andenken!



Brand new toy klang so akustisch ganz anders, auch die Melodie hatte der Sänger ein wenig angepasst. Dabei - und bei vielen anderen Stücken - machte der Hamburger lustige Ausfallschritte nach hinten. Die Bühne war mit einem Behelfsvorhang vom Gang abgetrennt. Bei seinem ersten Schritt zurück wunderte sich Dirk Darmstaedter sichtbar darüber, daß er mit einem Bein plötzlich backstage stand.

Neben Pop guitars und Beautiful criminals gefielen mir die beiden Hochzeitslieder ganz besonders: das wundervolle Won't die for you, das im ein wenig unpassend erschien, nachdem sein bester Freund ihn gebeten hatte, ein Lied bei seiner Hochzeit zu singen und It is the time, eines seiner wenigen fröhlichen Stücke, das es dann am Ende wurde. 



Dirk Darmstaedter sagte vor This is where I leave you, das Stück sei sein Versuch, Wichita lineman (Glen Campbell) noch einmal neu zu schreiben. Eigentlich seien das all seine Lieder, mal mehr und mal weniger gelungen.

Das letzte gute Lied des Abends war Rome wasn't built in a day von den Jeremy days. Danach begann der ESC.

Setlist Dirk Darmstaedter, Wohnzimmerkonzert, Montabaur:

01: Motel blues (Loudon Wainwright Cover)
02: Learn to love what's killing me
03: Western Union
04: Capetown
05: This is where I leave you
06: Pop guitars
07: Brand new toy (Jeremy Days)
08: Number one single
09: I won't give up on you
10: Won't die for you
11: Julie thru the blinds (Jeremy Days)
12: ???

13: Beautiful criminals (Z)
14: Walking with your shoes tied together (Z)


15: It is the time (Jeremy Days) (Z)
16: Rome wasn't built in a day (Jeremy Days) (Z)

Links:

aus unserem Archiv:
- Dirk Darmstaedter, Mendig, 16.06.13


 


Samstag, 25. Oktober 2014

Enno Bunger, Montabaur, 20.10.14

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Konzert: Enno Bunger Wohnzimmertour
Ort: Wohnzimmer von Ursula und Dirk in Montabaur
Datum: 20. Oktober 14
Dauer: 100 min
Zuschauer: über 30

Maifeld 2103
Ich werde so oft interessiert gefragt, warum ich Wohnzimmerkonzerte veranstalte. Stets komme ich dann ins stottern.  Die einfachste und zugleich aufrichtige Antwort wäre: Um Abende zu erleben wie diesen. Künstler, die ihrem Publikum ins Gesicht schauen, es ansprechen und ernst nehmen. Manche schaffen auch vom Podium der Bühne aus, diese Illusion zu erzeugen. Aber nur in der Intimität des kleinen Raumes gibt es den Augenkonktakt, der dann zu viel mehr führt. Dieser besondere Geist des wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind...

Nun ist die Musik von Enno Bunger schon länger mein Begleiter. Ich habe mich etwas geziert, weil ich mit deutschen Texten immer sehr mäkelig bin und Herz-Schmerz-Dinge irgendwie nicht meins sind. Sogar, als ich live  gewonnen worden war im Rahmen der TV-Noir-Tour 2013 war ich mir noch nicht so recht sicher über den Raum, den ich seiner Musik geben will.

Denn machen wir uns nichts vor: Enno Bunger ist ein begnadeter Entertainer. Beim ersten Mal haut es einen komplett aus den Puschen, weil es weder zum Bild passt, das man sich anhand seiner Musik macht noch zum Bild, das im Kopf entsteht, wenn man ihn vorn auf der Bühne stehen sieht. Umso gnadenloser erwischen einen die schwarzhumorigen Zwischenansagen.  Alles Volltreffer und Eisbrecher.

Maifeld 2013
Die Musik hatte ich 2013 in der eher akustischen Umsetzung mit Onno Dreier in Karlsruhe und (mit Schlagzeug) in Mannheim gesehen. Diesen Sommer in Mannheim dann zuletzt in sehr bombastischer und mitreißender Besetzung (mit zum Teil neun Leuten auf der Bühne in einem Set fast ohne Ansagen). So langsam ist sie über meine hohe Hemmschwelle gekrochen.

Als ich schließlich die Anfrage las, wer sein Wohnzimmer für Enno und Onno öffnen wollte, fühlte ich mich ein wenig vom Schicksal verarscht. In den möglichen zwei Wochen Ende Oktober hatte ich schon am 19., 26., 28. 10 sowie am 1.11. und 4.11. Konzerte verabredet. Das ist selbst für meine Verhältnisse in bisschen verrückt und ich konnte wirklich unmöglich noch Platz für die Nordlichter schaffen - so sehr mich das auch wurmte. Regelrecht erlösend erschien die Einladung aus Montabaur in meiner Mailbox und so habe ich nicht lange überlegt, sondern die Fahrkarten in den Westerwald gebucht. 


Dass der Abend schließlich jeden einzelnen Fahrkilometer wert war, hatte ich mir erhofft, war dann aber doch ein wenig überwältigt davon, wie sehr mich die Wohnzimmeratmosphäre trug und beeindruckte. Lieder wie Herzschlag, Astronaut, Am Ende des Tunnels, Scheitern, Regen wie Applaus waren in der Fassung des Abends häufig ausufernd expressiv und mit Instrumentalsoli gespickt bevor Die Nacht ist noch jung - Ich möchte noch bleiben schließlich einen innigen Schlusspunkt setzte. Als weiteres Kleinod nahm ich Onnos Projektor-Projekt mit heim.



Jetzt ist das wieder so ein Bericht geworden, der kaum etwas über den Konzertablauf erzählt, aber zum Glück für mich hat Christoph das ordentlich notiert und ich habe deshalb nur ein ganz kleines bisschen ein schlechtes Gewissen. Und hier auch noch einmal ganz explizit großen Dank an Dirk und Ursula, die die Hand ausgestreckt haben!



Tour mit Spaceman Spiff 
24.11. Essen - Weststadthalle
25.11. Frankfurt - Mousonturm
26.11. Erlangen - E-Werk
27.11. Schweinfurt - Stattbahnhof
28.11. Dresden - Scheune
30.11. Berlin - Volksbühne (Grüner Salon)
01.12. Münster - Sputnikhalle
02.12. Hamburg - Grünspan
03.12. Bremen - Tower
04.12. Leipzig - Werk 2
05.12. Rostock - Zwischenbau 


Montabaur

Aus unserem Archiv: 

Enno Bunger, Montabaur, 20.10.14 (Christoph; mit Setliste)
Enno Bunger, Montabaur, 20.10.14 (Ursula)

Enno Bunger, Mannheim, 10.08.14 (Ursula)
Enno Bunger, Mannheim, 10.08.14 (Gudrun)
Enno Bunger, Frankfurt, 11.11.13
Enno Bunger, Mannheim, 31.05.13
Enno Bunger, Offenbach, 09.05.13
Enno Bunger, Stuttgart, 19.03.13
Enno Bunger, Karlsruhe, 31.01.13
Enno Bunger, Darmstadt, 27.01.13 

 

Dienstag, 21. Oktober 2014

Enno Bunger, Montabaur, 20.10.14

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Konzert: Enno Bunger
Ort: Ursulas und Dirks Wohnzimmer in Montabaur
Datum: 20.10.2014
Dauer: fast 100 min
Zuschauer: ca. 35



Wie gut es doch ist, Freunde mit ausgezeichnetem Musikgeschmack zu haben. Mir brachte das heute eine Einladung zu einem Wohnzimmerkonzert mit Enno Bunger ein. Ich hatte zwar schon viel über die Auftritte des Ostfriesen gelesen, bisher hatte ich den Sänger aber nicht gesehen. Da Freude mit gutem Musikgeschmack für mich die Funktion einer kulturellen Stiftung Warentest (vor Ritter Sport) übernehmen, war kein großes Risiko dabei, die Einladung anzunehmen. Dillon, die am gleichen Abend in Darmstadt spielte, kann ich immer wieder sehen, ein Enno-Bunger-Konzert in Montabaur ist vermutlich seltener.

Mehr als 30 Zuschauer waren diesmal in Ursula und Dirks Wohnzimmer gekommen. Enno Bunger hatte vor ein paar Wochen solche Auftrittsorte gesucht, um eine kleine Privatkonzert-Tour durch Deutschland zu machen. Das Wohnzimmer in Montabaur liegt verkehrsgünstig und hatte mit bereits drei Auftritten toller Künstler auch bereits seine Konzerttauglichkeit bewiesen, sodaß Enno Ursula und Dirk eine Zusage machte. 

Als ich ankam, war bereits aufgebaut - und wie! Das Equipment, die professionellen Lampen, die vielen Instrumente (und der Tourbus) sahen so aus, als hätte zur Not auch die örtliche Stadthalle bespielt werden können. "Beim Soundcheck war es sehr laut, heute kommt sicher die Polizei", berichteten die Gastgeber. 

Enno Bunger wird auf seiner Tour von Onno Dreier, der aus der gleichen Stadt in Ostfriesland stammt, begleitet. Onno, der nicht nur einen prima passenden Vornamen hat ergänzte den Sänger während des achtzigminütigen Konzerts auch ganz wunderbar. Er spielte Gitarre, sang und bediente ein elektronisches und ein echtes, abgespecktes Schlagzeug. Außerdem spielte er eine Art Mittendrin-Vorgruppe, als er in der Mitte des Konzerts ein eigenes Lied, das er unter dem Namen Projektor veröffentlicht hat, spielte. "Welches Stück spielst Du, Onno?" - "Es gibt doch nur eines!" Auch die kurzen Gespräche zwischen den beiden waren herrlich. Das Element of Crime Cover Bitte bleib bei mir kündigte Enno als Stück einer Band an, die sie beide sehr mögen würden. "Magst Du die überhaupt, Onno?" - "Ich muß mal gucken, muß mir das Lied mal anhören." Pass auf dich auf, das Enno bei Inas (feuchtfröhlicher) Nacht gespielt hatte, mochte Onno. Auch das hatte der Gitarrist aber erst während des Spiels festgestellt. Enno hatte das angekündigt, indem er behauptete, er habe Pass auf dich auf für Onno geschrieben. "Welches hast du für mich geschrieben?" - "Pass auf dich auf" - "Das mag ich nicht" Als das Lied vorbei war, klatschte Onno: "ich mag das doch!"

Enno hatte uns vor dem ersten Lied gewarnt, er schreibe nur traurige Lieder. Als Hochzeits- und Wohnzimmermusiker sei er also nur bedingt geeignet. Ich war schon bei deutlich traurigeren Hochzeiten!


Enno spielte Lieder seiner bisherigen Platten und drei (denke ich) neue Stücke. Er arbeitet gerade ein einigen Songs gleichzeitig, die wenigsten seien fertig. Für eine neue Platte sammele er noch Ideen. Die drei neuen passten wundervoll zum Rest, wobei Irgendwann (das ist ein vorläufiger Titel, den Enno langweilig und Onno toll fand) sehr fröhlich war und vom Spiegelzelt in Haldern, einem Flausenleger und einem Hund in einem Bällebad handelte. 

Nach 80 Minuten beendeten die beiden das Konzert, kündigten aber bereits Zugaben an. Die erste davon war "der Hit" laut Enno, Regen, ein sehr persönliches Lied, das Gloria (die Band von Mark Tavassol und Klaas Heufer-Umlauf) ohne Ennos Wissen gecovert hatten. Der noch größere Hit war aber das neue Scheitern anschließend, dessen Ende enorm schmissig war und das für mich eines der besten (unter vielen sehr guten) Lieder des Abends war.

Als es dann eigentlich schon vorbei war, spielten Enno und Onno noch unverstärkt und mit Akkordeon Ich möchte noch bleiben, die Nacht ist noch jung. Schöner kann man ein Wohnzimmerkonzert sicher nicht beenden!

Ich sollte häufiger auf meine Freunde mit dem guten Musikgeschmack hören, dann hätte ich auch Enno Bunger schon viel früher einmal live gesehen. Aber er kommt im November auf Tour, da kann ich nachholen.

Setlist Enno Bunger, Wohnzimmerkonzert, Montabaur:

01: Abspann
02: Leeres Boot
03: Ein Astronaut
04: Blockaden
05: Die Flucht
06: Am Ende des Tunnels (neu)
07: Pass auf dich auf
08: Bear in the woods (Projektor)
09: Bitte bleib bei mir (Element of Crime Cover)
10: Herzschlag
11: Irgendwann (?) (neu)
12: Roter Faden

13: Regen (Z)
14: Scheitern (neu) (Z)

15: Ich möchte noch bleiben, die Nacht ist noch jung (Z)


Links:

- aus unserem Archiv 
- Enno Bunger, Mannheim, 10.08.14
- Enno Bunger, Mannheim, 10.08.14
- Enno Bunger, Frankfurt, 11.11.13
- Enno Bunger, Mannheim, 31.05.13
- Enno Bunger, Offenbach, 09.05.13
- Enno Bunger, Stuttgart, 19.03.13
- Enno Bunger, Karlsruhe, 31.01.13
- Enno Bunger, Darmstadt, 27.01.13






Dienstag, 15. Juli 2014

The Indelicates, Montabaur, 12.07.14

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Konzert: The Indelicates
Ort: Ursulas und Dirks Wohnzimmer in Montabaur
Datum: 12.07.2014
Dauer: ca. 100 Minuten
Zuschauer: 22



Langsam aber sicher entwickelt sich Montabaur noch zur Musik-Location. Ich spreche natürlich nicht vom Mair1-Festival, das hier vor kurzem stattfand, sondern von unserem dritten Wohnzimmerkonzert. Dieses Mal hatten sich The Indelicates angesagt Wie bereits bei Pelle Carlberg erfuhren wir durch andere, bereits geplante Hauskonzerte im Konzerttagebuch-Kreis von der Tournee, den Rest machte dann Christoph für uns klar.

Wegen der bereits geplanten Tournee der Band war das Konzert terminlich festgelegt, weshalb es nur einen knappen Monat nach unserem Abend mit Jonah Matranga stattfand. Das bereitete mir (natürlich) Sorgen, denn es war schwer abzuschätzen, ob unsere Stammgäste sich schon so bald wieder bei uns einfinden werden würden. Hinzu kam noch die Fußball-WM, denn für den Abend war das Spiel um den dritten Platz angesetzt, in dem wir Deutschland als Teilnehmer vermuteten. Deshalb luden wir vorsichtshalber gleich auch zum Fußballschauen ein. Julia hatte diesem Arrangement zugestimmt und behauptet, sie freue sich darauf, Özil zu sehen, aber wir hofften im Geheimen, dass dieser am Spiel um den dritten Platz nicht beteiligt sein würde - erfolgreich, wie sich herausstellte.


Der nach zwei Konzerten schon quasi zur Routine gewordene Ablauf mit Abendessen für die Künstler und quasi parallel stattfindendem Aufbau wurde dieses Mal abgeändert: Die Indelicates wollten vor dem Konzert nichts essen und hatten ihre überschaubare Ausrüstung, bestehend aus Keyboard, Hocker und Gitarre, aber ohne Verstärker, selbst dabei. Aufzubauen gab es also auch nicht viel, dafür dann umso mehr Zeit, sich Sorgen zu machen, dass keiner kommen würde. Zwischendurch hatten wir auch noch Gelegenheit, hinter der "Bühne" ein eigens für den Konzertabend angefertigtes Lego-"Tourposter" aufzuhängen, bei dem es sich um das abgewandelte Plattencover ihres Albums "Songs for Swinging Lovers" handelte, und die Indelicates bauten auf unserem Couchtisch einen erstaunlich reichhaltigern Merchandisestand mit CDs, Vinylplatten, Postern und selbst gestalteten Kinderbüchern auf.


Einmal mehr hatte ich mir umsonst Sorgen gemacht, denn auch an diesem Abend erschienen erfreulich viele Gäste, um unsere Stühle und auch die Künstlerkasse zu füllen. Das Set des Duos begann, wobei sich die beiden Musiker erstaunlicherweise so aufgeteilt hatten, dass Simon etwa 90 % des Redens übernahm, wobei er zwar durchaus brauchbar Deutsch konnte, aber anscheinend wesentlich schlechter als Julia. Diese half lediglich bei der Übersetzung einzelner Begriffe aus dem Englischen, und nachdem die Ansagen ohnehin sprachlich nicht sonderlich komplex waren, ergab sich eine leicht absurde Situation, in der alle im Publikum mithalfen, deutsche Begriffe für etwas zu finden, das im Zweifel sowieso schon jeder verstanden hatte.


Zusätzlich zu den bereits erwähnten Instrumenten - Julia spielte Keyboard und sang gelegentlich, Simon spielte Gitarre und sang viel - gab es noch ein etwas seltsames Teil, mit dem Simon, wenn er in einen Schlauch blies, jaulende E-Gitarrentöne imitieren konnte. Wobei er zwar behauptete, das Ding sei peinlich und ein Weihnachtsgeschenk gewesen, er mochte es aber offenkundig sehr und brachte es bereits beim Soundcheck zum Einsatz - wir vermuten deshalb, dass sich das Teil auf seinem Wunschzettel befunden hatte. Mit und ohne Jaulen zeigte sich in jedem Fall, dass die Indelicates keine Mikros brauchen, um einen Raum mit Musik und Gesang zu füllen, der Sound war klar, gut und relativ laut. Bei "Flesh" erklärte Simon, der darin verwendete Gitarrenakkord komme in jedem zweiten Popsong vor und demonstrierte das zum Ende des Songs, indem er zahlreiche andere Lieder einbaute, beispielsweise "Let it be" und sogar Lenas "Satellite".


Simon hatte vor dem Set erzählt, dass man dem Duo, da es selbst Indie Rock mache, immer unterstellen würde, diesen auch zu mögen. Er mache aber Indiemusik, weil er alle anderen Interpreten dieses Genres doof fände und es besser machen wolle, und er höre Niki Minaj viel lieber als die Strokes. Was ihm aber offenbar sehr gefällt, sind Musicals: Die Indelicates haben ein komplettes Musical über die Waco-Tragödie vorrätig, und anscheinend arbeitet Simon aktuell an etwas, das "Paradise Rocks" heißen soll und Miltons berühmtes Versepos "Paradise Lost" nach Hawaii versetzt, mit Elvis als Satan. Aus diesem noch nicht vollendeten Werk hörten wir zwei Songs, die Simon jeweils stilecht mit Elvisstimme vortrug.


Mit "Dovakiin", in dem es um Skyrim spielende Schotten geht, und "Something goin' down in Waco" aus dem besagten vollendeten Musical, das mit quer gehaltener Gitarre und vielen verstellten Stimmen vorgetragen wurde, endete die erste Hälfte des Sets, es folgte eine kurze Ess-, Trink- und Klopause, während der die Band auch bereits mit einigen Fragen aus dem Publikum konfrontiert wurde.

In der zweiten Hälfte hörten wir unter anderem das sehr stimmungsvolle "Not alone", sowie den Quasi-Hit des Duos "Waiting for Pete Doherty to die", bei letzterem erklärte Simon, dass sie nie gedacht hätten, diesen zehn Jahre nach seinem Entstehen noch spielen zu können. "Be afraid of your parents" trug er anschließend ohne Gitarre  und mit vielen theatralischen Gesten vor, dann war es Zeit für die Zugaben.


Nach dem sehr traurigen, wegen der besseren Verdaulichkeit von einer Handpuppe "gesungenen" "Everything is just disgusting" bekamen wir auch kurz Julia als Puppenversion zu sehen, allerdings nur kurz. Beide Marionetten kamen auch in dem zugehörigen Video zum Einsatz. Nun begann ein Wunschkonzert. Einer der ersten Wünsche war "Last Significant Statement To Be Made In Rock'n'Roll", von dem Simon erklärte, sie könnten es nicht spielen, stattdessen gab es dann "New art for the people" und "America". 

Anschließend kamen wir, nicht zuletzt, da die Band die "Bühne" kaum verlassen konnte, noch eine zweite Zugabe, die mit "We hate the kids" endete - bei dem Simon jedoch arge Textprobleme hatte, weshalb er das Booklet der bereits zum Verkauf bereit liegenden CD studieren musste. Außerdem hatte er nun auch genug von seinem eigenen Indierock und forderte Wünsche nach anderen Musikstilen. Das dann postwendend "Marsch" gefordert wurde, überraschte ihn dann sichtlich, aber er gab sein bestes, während er beim nächsten Wunsch "Death Metal" schnell aufgab, um seine Stimme nicht für den folgenden Abend zu ruinieren. Mit Stil Nummer drei "Irish Folk" gab er sich dann wieder redliche Mühe und machte das Lied zu einer Art Pogues-Song. Mit der letzten Textzeile "No more music, thank you, goodnight." hatten wir dann das echte Ende des Konzertabends erreicht.


Nachdem das Interesse am Fußballspiel dann doch nicht riesig war, stiegen wir erst zur zweiten Halbzeit ein, die Band blieb auch noch ein bisschen, bevor sie Richtung Hotel aufbrach. Wiederum ein völlig anderes Konzerterlebnis als bei den ersten beiden Musikern, aber ein weiteres Mal mitreißend und intensiv.

Setliste:

Europe
I am Koresh
Flesh
Le godemiché royal
Lake of fire
All you need is love
Dovakiin
Something goin' down in Waco

We love you, Tania
Savages
Dirty Diana
Not alone
Our daughters will never be free
Waiting for Pete Doherty to die
Be afraid of your parents

Everything is just disgusting
New art for the people
America

Palekaiko Luau
We hate the kids

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Indelicates, Montabaur, 12.07.14 (Christophs Bericht mit massenweise weiteren Links)

Bilder: Dirk von Platten vor Gericht



Montag, 14. Juli 2014

The Indelicates, Montabaur, 12.07.14

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Konzert: The Indelicates
Ort: Ursulas und Dirks Wohnzimmer
Datum: 12.07.2014
Dauer: knapp 40 und 60 min
Zuschauer: 22



Um nichts in der Welt wollte ich auf den zweiten Tag des wundervollen Phono Pop in Rüsselsheim verzichten, zu sehr ist mir das Festivals im alten Opel-Werk ins Herz gewachsen. Der Freitag gab mir (mir gegenüber) wieder recht: man kommt durchs Werkstor und fühlt sich gleich willkommen und vollkommen richtig. Ein Festival für Menschen, die Festivals nicht mögen, herrlich! Beim Phono Pop ist nichts anstrengend, nichts lästig. Auf diese zwei Tage Musik will ich nicht verzichten, komme, was wolle!

Es kam aber dummerweis diesmal etwas, das genauso wundervoll, aber viel seltener ist - ein Konzert einer Lieblingsband im Wohnzimmer von Freunden. Die Indelicates aus England sind schon ewig eine meiner liebsten Gruppen. Zum ersten Mal hatte ich Julia und Simon (mit Band) als Support von Art Brut 2007 in Frankfurt und Köln gesehen. Die wundervollen Songs mit den teilweise urkomischen, teilweise sehr bittersüßen Texten und vor allem die grandiose Art, wie die beiden sie live darbieten, hatten mich sofort! Es folgten eine ganze Menge Konzerte, die immer wieder anders waren, in anderer Besetzung, mit anderen Platten, die aber gemeinsam hatten, daß sie höchstcharmant und herrlich unterhaltsam waren. 

Mein letztes Konzert der Indelicates liegt schon drei Jahre zurück. Umso verlockender war die Idee eines Wohnzimmerkonzerts. Julia und Simon waren auf Urlaubsreise durch Frankreich, Bayern und Italien und suchten unterwegs Auftrittsmöglichkeiten. Montabaur liegt zentral, es bot sich also als Auftrittsort an. Mit den beiden Konzerten von Pelle Carlberg und Jonah Matranga haben Ursula und Dirk aus dem Nichts so etwas wie eine Indieszene in der Kreisstadt des Westerwaldkreises geschaffen, in der alternative Kultur ansonsten arg anders aussieht. Wenn Gastgeber schon zwei tolle* Konzerte veranstaltet haben, vertraut man ihnen offenbar langsam blind, auch zu den Indelicates kamen wieder mehr als 20 Zuschauer.

Julia und Simon waren schon im Vorfeld herrlich unkompliziert. "Mikros brauchen wir nicht!" Also begannen die beiden um kurz nach acht mit akustischer Gitarre (Simon) und Keyboard (Julia) und dem abwechselnden Gesang, der typisch für ihre Musik ist. Im Vorfeld hatten die beiden nach Wunschliedern gefragt. Ich hatte das bewußt nicht beantwortet, weil ich überrascht werden wollte und weil ich nicht mit den gleichen Wünschen nerven wollte, mit denen ich sie schon einmal zum Augenverdrehen gebracht habe (auf ihrer Raritätensammlung oder den B-Seiten der frühen Singles sind einige Knüller wie Vladimir, Fun is for the feeble minded, Unity Mitford** oder The sequel to Peter Pan and Wendy, die ich liebe!). Daher war nicht nur die Mischung für mich neu, es gab auch viele Stücke, die ich noch nie live und andere, die ich überhaupt noch nicht gehört hatte. 

Die beiden hatten vorgeschlagen, das Konzert in zwei Teile aufzuteilen (und meinen Wunsch, im ersten Teil nur B-Seiten und im zweiten Songs, die mit S beginnen, zu spielen, ignoriert). Der erste Teil bestand aus Stücken der letzten Platten, Europe und Flesh von Songs for swinging lovers, dem Konzept-Album David Koresh Superstar über die Belagerung dessen Davidianer-Sektenzentrale in Waco und der letzten Platte Diseases of England, die in drei Teilen veröffentlicht worden war. Ganz neu war für mich Lake of fire von einem neuen Projekt, einem Konzeptalbum Paradise rock, angelehnt an John Miltons Paradise lost, mit den kleinen Variationen, daß statt des Teufels Elvis auftritt und die Handlung nicht im Garten Eden sondern auf Hawaii spielt. Ich hatte ja erwähnt, daß die Indelicates enorm hohen Unterhaltungswert haben! Im zweiten Teil spielten sie ein weiteres Stück dieses kommenden Werks.


Einer der besonderen Knüller des ersten Teils war Something goin' down in Waco, das im Original von zig Sängerinnen und Sängern gesungen wird. Um das gut hinzubekommen, mussten Julia und Simon häufig ihre Stimmen verstellen - herrlich! Dovakiin stellte Simon als "ein bißchen traurig" vor. Das Lied der letzten Platte sei für Männer in Schottland, die Skyrim spielen.

Nach der Pause kamen zwei der Lieder, die ich gewünscht hätte, hätte ich Wünsche abgegeben. Erst das unglaublich schöne We love you, Tania, das von Patty Hearst, der Erbin einer amerikanischen Zeitungsdynastie handelt, die von einer marxistisch-revolutionären Guerilla entführt wurde und sich der später unter dem Tarnnamen Tania anschloß und sich an Überfällen beteiligte - und im Anschluß das kaum weniger schöne Savages. 

Nach Dirty Diana und Not alone (wundervolles Duett!) von Diseases of England wurde es punkig. Our daughters will never be free vom ersten Album American demo war das erste der ganz alten Stücke und wie üblich großartig! 

Das Lied danach habe er vor zehn Jahren geschreiben und niemals damit gerechnet, daß er es noch heute singen würde. Durch die Reunion der Libertines hat Wating for Pete Doherty to die wieder irgendwie an Aktualität gewonnen. So oder so ist es ein Klassiker und amüsierte das Montabäurer Publikum! Mir gefiel dabei besonders, daß Julia die Klavier-Zwischenteile immer beschleunigen wollte und Simon sie bremsen musste, nicht anzukürzen, als brauche er die Pause, um den Text wieder herzukramen.

Be afraid of your parents beendere das Konzert vor den vollkommen überraschenden Zugaben, die Simon bereits angekündigt hatte. 

Diese begannen mit Everything is just disgusting, das so traurig sei, daß Simon es nicht selbst singen wolle. Also übernahm eine Simon-Handpuppe diesen Part! Ich wette, das hattet ihr noch nicht in eurem Wohnzimmer! Anschließend baten die beiden (Julia und Simon, nicht die Handpuppe) um Wünsche. "The last significant statement to be made in Rock 'n' roll? Nein, das haben wir neulich schon erfolglos versucht. Beim nächsten Mal!" - New art for the people, America und We hate the kids waren leichter umzusetzen. Wobei das für das letzte Stück nur zum Teil gilt. Simon hatte bei We hate the kids ein paar Texthänger. Wie praktisch, daß es im hauseigenen Label auch Textbücher gibt, ein paar Blicke und es konnte weitergehen. Die letzten beiden Strophen wollte Simon aber in anderen Stilen spielen. Ich glaube, "Marsch" überraschte ihn. Die beiden lösten das aber souverän ("so march, march, march to the music tonight"). Irish folk klang ebenso überzeugend, nur Speed metal mußte unter Rücksicht auf das Konzert am nächsten Tag auf ein paar Takte beschränkt bleiben.

Oh, das Wohnzimmerkonzert mit den Indelicates war das erhoffte große Highlight. Ich wusste zwar, was mich erwartet, wie viel schöner Konzerte aber in solch angenehmer und intimer Umgebung sind als in stinkigen Eckkneipen, ist immer wieder phänomenal!

Und so hatten wir einen viel schöneren Abend als die brasilianischen Fußballfans (und auch als die niederländischen), deren Spiel um Platz irgendwas wir hinterher noch guckten.

Vielen Dank an die wundervolle Band und die perfekten Gastgeber und Wohnzimmereigentümer! Something's goin' on in Montabaur.

Setlist The Indelicates, Wohnzimmerkonzert, Montabaur:

01: Europe
02: I am Koresh
03: Flesh
04: Le godemiché royal
05: Lake of fire (neu)
06: All you need is love
07: Dovakiin
08: Something goin' down in Waco

09: We love you, Tania
10: Savages
11: Dirty Diana
12: Not alone
13: Our daughters will never be free
14: Waiting for Pete Doherty to die
15: Be afraid of your parents

16: Everything is just disgusting (Z)
17: New art for the people (Z)
18: America (Z)

19: Palekaiko Luau (neu) (Z)
20: We hate the kids (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Indelicates, Mainz, 20.07.11
- The Indelicates, Wiesbaden, 15.12.10
- The Indelicates, Köln, 02.12.10
- The Indelicates, Frankfurt, 05.08.10
- The Indelicates, Köln, 09.06.10
- The Indelicates, Heidelberg, 14.08.08
- The Indelicates, Frankfurt, 12.08.08
- The Indelicates, Münster, 30.04.08
- The Indelicates, Köln, 24.04.08
- The Indelicates, Köln, 04.10.07
- The Indelicates, Frankfurt, 30.09.07
- Interview mit den Indelicates 

* ich habe leider nur das eine gesehen
** ist auf der ersten Platte
**** weil's so schön ist




Sonntag, 22. Juni 2014

Jonah Matranga, Montabaur, 19.06.14

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Konzert: Jonah Matranga
Ort: Ursulas und Dirks Wohnzimmer in Montabaur
Datum: 19.06.2014
Dauer: Zweimal über eine Stunde
Zuschauer: 27



Eigentlich wollte ich das alles nicht.

Obwohl unser erstes Wohnzimmerkonzert mit Pelle Carlberg wider Erwarten optimal verlaufen war, weshalb ich zukünftigen ähnlichen Unternehmungen nicht grundsätzlich negativ gegenüber stand, hätte ich mir eine Pause gewünscht. Ich dachte, wir warten ab, bis Herbst oder nächstes Jahr, damit man sich auch sicher sein kann, dass wieder genügend interessierte Gäste kommen.

Jonah Matranga war aber einer von zwei Wunschkünstlern, die uns von Gästen des ersten Konzerts genannt worden waren (Roxette erschienen uns weniger realistisch). Zufällig sahen wir, dass er auf seiner Homepage eine Europatournee ankündigte, mit der Bitte, ihn zu kontaktieren, wenn man Ideen hätte. Mein Freund brachte mich trotz meiner Bedenken mit einem Trick (das Konzert müsse überhaupt nicht zwingend bei uns Zuhause stattfinden, denn auch der Kollege mit dem Wunsch habe Interesse gezeigt) dazu, den amerikanischen Musiker anzumailen. Ich schrieb also meine E-Mail, wobei ich mir ziemlich doof vorkam - wie ein Kind, das seinen Lieblingsstar zum Geburtstag einlädt. Es kam keine Antwort, wir vergaßen die Sache. Man kann ja niemand vorwerfen, wenn er keine Lust hat, ein Wohnzimmerkonzert bei Fremden in Deutschland zu geben.



Dann kam - nach vier Wochen - doch noch eine Antwort, und zwar eine positive. Das klänge alles ganz prima, Hauskonzerte mache Jonah sowieso am liebsten, und wir sollten uns einen der noch freien Termine der Europtournee aussuchen. Als ich nun gegenüber meinem Freund zur Sprache brachte, dass das Konzert doch eigentlich gar nicht bei uns stattfinden sollte, meinte er, der betreffende Kollege sei verreist, deshalb müssten wir das nun schnell allein organisieren. Also eben doch bei uns.

Tatsächlich wurden meine Sorgen, niemand werde nach der recht kurzen Pause schon wieder zu uns kommen wollen, um erneut einen Mann mit Gitarre singen zu hören, bald entkräftet, denn die Gästeliste füllte sich recht schnell, sogar mit einigen langjährigen Fans des Künstlers, der bereits in einer ganzen Reihe von Band gespielt hat. Zu unser großen Überraschung kündigte sich einige Tage vor dem Termin sogar ein Fan an, der uns überhaupt nicht kannte, sondern auf Jonahs Website über das Konzert gelesen hatte.



Ein bisschen aufregend wurde es dann noch am Abend selbst, denn wir hatten Jonah samt Fahrer für 18 Uhr zum Abendessen eingeplant, ab 19 Uhr rechneten wir mit den Konzertgästen. Da unser Haus aber natürlich keinen Backstagebereich hat, wurde ich ziemlich nervös, als zur Essenszeit vom Musiker noch nichts zu sehen war und es später und später wurde. Letztlich regte ich mich aber, wie fast immer, umsonst auf, und alle Abläufe funktionierten halbwegs, auch, wenn es zeitlich eng wurde. Beim nächsten Mal (denn tatsächlich hat mein "Booker" bereits die nächste Band organisiert) müssen wir den Zeitplan ein wenig strecken.

Jonah Matrangas Eintreffen verpasste ich, weil ich gerade mit Nudeln kochen beschäftigt war, weshalb ich mich später fragte, zu welchen Zeitpunkt er wohl seine Schuhe ausgezogen hatte. Später erfuhr ich, dass er wohl bereits barfuß aus dem Auto gestiegen war.


Sein aktuelles Album heißt "You and me are two", wobei "are two" ein Wortspiel mit R2(D2) ist und der kleine Roboter aus Star Wars sowohl das Albumcover ziert als auch eine musikalische Rolle spielt. Jonah hatte selbst einen kleinen R2D2 dabei, wir hatten aber praktischerweise selbst einen riesigen Pappaufsteller der Figur besorgt und sammelten das Eintrittsgeld in einer R2D2-Tasse ein, so dass es an diesem Abend nicht an Roboterdekorationen mangelte. Auch die Einladung, die wir potenziellen Interessenten gegeben hatten, war passend mit R2D2 dekoriert gewesen.

Nachdem alle Gäste eingetroffen waren, konnte auch das Konzert beginnen. Jonah begrüßte uns auf Deutsch und betonte mehrfach den interaktiven Charakter des Abends, man dürfe sich jederzeit Lieder wünschen und auf beliebige Art kommunizieren. Los ging es dann erst einmal mit "I Really Love Yr Company" vom aktuellen Album, es folgte Johnny Cashs "I Still Miss Someone". Für "Bitte ein Kuss" nutze Jonah erstmals einen mp3-Player, um zusätzliche Beats einzuspielen, was dann noch mehrmals passierte. Das Lied handelt von einer Beziehung mit einer Deutschen namens Christiane, die nicht mehr besteht - aber der Song ist geblieben.

Auffällig war, neben der extremen Freundlichkeit, Dankbarkeit und Begeisterung des Künstlers, die uns bereits in seinen E-Mails überrascht hatte, die Inbrunst und Emotionalität der Darbietung, die sich gegen Ende oftmals in eine Art Brüllen (das aber immer noch den Ton traf) verwandelten. Für die Zuhörer war es beeindruckend, meine Katzen bevorzugten es allerdings, sich das Konzert im Schlafzimmer unter der Bettdecke anzuhören.


Zu "Every Mistake" erfuhren wir, dass das Lied von bedingungsloser Liebe handelt, genauer gesagt von der Liebe Jonahs zu seiner Tochter, aber nicht von einem hehren, letztlich bedeutungslosen Konzept aus Popsongs, sondern der Schwierigkeit einer solchen Liebe in der Realität. Insbesondere die Eltern im Publikum waren darüber nach eigenen Angaben tief gerührt. Bei "14-41" gab es einen ziemlich schrägen Versuch, die Zahlen des Songs (der sich um die Bedeutungslosigkeit von Alterskonzepten dreht) auf Deutsch aufzusagen, was nicht allzu gut funktionierte, aber für Lacher sorgte.

Schließlich traute sich auch endlich jemand, einen Wunsch zu äußern, allerdings war das "Deafening" ein ziemlich harter Song mit Schrammelgitarren von Jonahs früherer Band Far, den er sich so gar nicht als akustisches Gitarrenlied vorstellen konnte. Stattdessen gab es zunächst ein ruhigeres Lied vom selben Album ("At Night We Live"). Jonah erkundigte sich anschließend, ob es nun genehm sei, eine Pause zu machen - im Vorfeld hatte er mich bereits gefragt, wie lange er denn spielen solle, was ich nicht so recht beantworten konnte, weshalb ich nur scherzhaft "vier bis fünf Stunden" gesagt hatte. Er hatte ebenso unernst geantwortet "Und am Ende ein Schlagzeugsolo!". Man durfte also gespannt sein.


Nach "Stay" (das quasi als Wunsch ans Publikum gedacht war) gab es dann die Pause, in der der erste Merchandise (auch hier nicht autorisierte Star Wars Devotionalien) verkauft wurde und die ersten die Chance nutzten, mit dem Künstler zu sprechen. Beim Kauf von Platten und anderen Fanartikeln zeigte sich für die Gäste, dass es geradezu schwierig war, hier Geld auszugeben. Sowohl Jonah selbst als auch sein Fahrer betonten immer wieder, man solle einfach geben, was man könne, und wer bereits "Eintritt" bezahlt hatte, konnte seine CD eigentlich auch umsonst bekommen. Viele Gäste bemühten sich redlich, die Preise ein wenig hochzuhandeln. Jonah zog sich anschließend kurz zurück, um zu üben, und präsentierte anschließend eine Weltpremiere, eine akustische Version von "Deafening".

Während im ersten Teil des Sets Lieder von Jonah und seinem Soloprojekt onelinedrawing dominiert hatten, widmete er sich nun den Songs seiner früheren Bands New End Original, Far und Gratitude, weil sich in der Pause einige Fans dieser Bands zu erkennen gegeben hatten. Jonah erklärte, er wisse, dass seine Musik nicht in vielen Plattenregalen vorhanden sei, dass es ihn aber freue, dass sie seinen wenigen Fans häufig viel bedeute. "Better Than This" mit seinem Refrain "I'm better than nothing and nothing is better than this..." war ein Geschenk an Menschen, die emotionalen Verletzungen überstehen mussten. Außerdem stammt es von einem Album namens "Thriller", weshalb es auch ein Zitat aus Michael Jacksons "Wanna Be Startin' Somethin'" enthielt. In "#1 Defender" baute er kurz Neil Youngs "Heart Of Gold" ein.

Dann kam auch der kleine R2D2 zu seinem Einsatz, denn in "Smile" ersetzt sein Gezwitscher (also in Wirklichkeit R2D2-Gezwitscher vom mp3-Player) jaulende Gitarren im Stil von Eddie van Halen (der für die Aufnahmen leider nicht zur Verfügung stand).


Zum Schluss zog er den Stecker aus dem Verstärker und bot "Lukewarm" unplugged dar. Für "Sing" brauchte er noch nicht einmal eine Gitarre, sondern nutzte seinen eigenen Körper, Fußbaden, Wand, Tisch oder Gläser als Rhythmusinstrumente. Nach weit über 2 Stunden Konzertdauer kehrte er für "So Long" noch einmal zurück. Nach weiteren Plattenverkäufen und Gesprächen sowie der Aussage Jonahs, dieses sei das beste Konzert der Tournee gewesen, begann die Gästeschar langsam, sich aufzulösen, wobei Jonah sich bei vielen einzeln bedankte und fast alle zum Abschied geknuddelt wurden. Was für ein toller Abend mit einem gleichermaßen begeisterungsfähigen wie authentischen Künstler!

Setliste Jonah Matranga, Wohnzimmerkonzert, Montabaur:

01: I Really Love Yr Company
02: I Still Miss Someone (Johnny Cash Cover)
03: Bitte ein Kuss
04: No Hurry
05: Every Mistake
06: I Want You To Be My Witness
07: 14-41
08: Free
09: At Night We Live (Far)
10: Stay

11: Deafening (Far)
12: Halo (New End Original)
13: #1 Defender (New End Original) / Heart Of Gold (Neil Young Cover)
14: You're What Went Right
15: Hostage (New End Original)
16: The Greatest Wonder (Gratitude)
17: Better Than This (New End Original) / Wanna Be Startin' Somethin' 18: (Michael Jackson Cover)
18: Smile
19: Lukewarm (New End Original)
20: Sing

21: So Long (Z)


Bilder: Dirk von Platten vor Gericht


Sonntag, 30. März 2014

Pelle Carlberg, Montabaur, 24.03.14

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Konzert: Pelle Carlberg
Ort: Wohnzimmer in Montabaur
Datum: 24.03.2014
Dauer: zweimal 45 Minuten
Zuschauer: ca. 23




In meinem eigenen Blog habe ich hier in epischer Breite darüber berichtet, wie es zu Pelles Auftritt in Montabaur kam. Das ist aber nicht wirklich ein Konzertbericht, deshalb steige ich hier etwas später ein.

Am frühen Abend holte mein Freund wie verabredet Pelle Carlberg in seinem Hotel ab. Dieser hatte sich bereits im Laufe des Tages per SMS gemeldet, also wussten wir bereits, dass er unsere Kleinstadt gut gefunden hatte. Bei uns daheim lauteten dann die ersten Programmpunkte Soundcheck und Abendessen. Ersterer schien ganz gut zu funktionieren, letzteres ... nun, man sollte, wenn man Arrabiata kocht, und im Supermarkt keine regulären Chilis bekommt, diese nur sehr, sehr vorsichtig durch Habaneros ersetzen. Mein Sauce war unglaublich scharf und mir ziemlich peinlich, immerhin scheinen aber alle Beteiligten ihren Genuss überlebt zu haben. Nach dem Essen waren wir schon relativ spät dran, es musste schnell noch das Buffet für die Gäste aufgebaut werden, dann trafen bereits die ersten Konzertbesucher ein.

Wie bereits in der Vorberichterstattung erwähnt, hatte mein Freund einen Plan: Pelle Carlberg hat ein Lied namens "Pelle Carlsberg", in dem er von einer Asientour erzählt, bei dem sich der Sponsor Tiger Beer verbat, Pelles Nachnamen, der für sie zu sehr nach dem Brauerei-Konkurrenten Carlsberg klang, auf die Plakate zu drucken. Pelle hieß plötzlich nur noch Pelle. Also ging mein Freund vor dem Auftritt mit je einer Flasche beider Sorten Bier zu dem Sänger und fragte ihn, welche von beiden er beim Konzert trinken wollte. Pelle verstand fast sofort, worum es ging, erklärte aber, dass er diesen Song überhaupt noch nie live gespielt habe und auch eigentlich gar nicht mehr wisse, wie er geht. Als netter Künstler war er aber bereit, dem Wunsch nachzukommen, und verschwand erst einmal mit seiner Gitarre in meinem Zimmer, wo er sich den besagten Song in iTunes anhören und üben konnte. 



Inzwischen waren erfreulich viele weitere Gäste eingetroffen, die nun auch langsam und vorfreudig ihre Plätze einnahmen. Ein mit meinem Freund befreundetes Pärchen überreichte Pelle sogar ein Schokoladenpräsent und erklärte ihm, dass sie das Baby, das sie gerade erwarten, auch Pelle nennen möchten. Freundlicher kann man von einem Publikum ja eigentlich kaum empfangen werden ... 

Das Konzert konnte nun beginnen. Pelle spielte zum Großteil dieselbe Setliste wie am Vorabend, ich hatte sie ihm nämlich persönlich aus Christophs Bericht ausgedruckt. Wie bereits in Köln hatte Pelle zu seinen Liedern viel zu erzählen. Teils, etwa bei "Replaceable", war die Geschichte in etwa dieselbe wie am Vortag. Andere kamen neu hinzu, so erfuhren wir zu "Fly me to the Moon", dass der im Song beschriebene Ryanair-Flug nach einem Auftritt in Barcelona stattfand, der den spanischen Gewohnheiten entsprechend erst gegen 1 Uhr früh begonnen hatte - entsprechend müde und frustriert reagierte die Band, als sie horrende Zusatzgebühren für den Transport eines Tamburins bezahlen sollte. 



Auch zu "1983" gab es an diesem Abend eine längere Geschichte darüber, wie der junge Pelle mit seinem besten Freund Nachtspaziergänge in Uppsala unternahm und dabei aus Angst, ausgeraubt zu werden, einem Fremden Geld schenkte. Zu "I love you, you imbecile" gab es zwar keine Geschichte, aber immerhin die deutsche Übersetzung des Titels: "Ich liebe dich, du Schwachkopf". Als letztes Lied vor der Pause kündigte Pelle schließlich den gerade erst geübten Bier-Song an. Dem restlichen Publikum erklärte er, dass Dirk ein "peculiar guy" sei, und wie er ihm die Bierflaschen gezeigt hatte. "Pelle Carlsberg" hatte einst Pelles Plattenfirma nicht gefallen, weshalb der Sänger es seit der Aufnahme 2008 überhaupt nicht mehr gespielt hatte. Statt auf einem Album war der Song nur als Bonus-Download erschienen, angeblich mit einem extra unleserlichen Passwort. Der eben noch geprobte Song klappte dann, nach einer Textpanne ganz am Anfang, sehr gut. Montabaur hatte eine Live-Premiere erlebt.

Es folgte eine Pause für alle Beteiligten, während der Pelle etwas nervös meinen Freund fragte, ob er glaube, dass den Gästen das Konzert gefalle - was dieser bejahte. Anschließend führte er noch ein Gespräch mit Christoph über deutsche und schwedische Bands und Lieder in Originalsprache - was wohl Spuren hinterließ, denn nach der Pause hörten wir als erstes ein schwedischsprachiges Lied, das Pelle Carlberg mit seinen Kindern aufgenommen hat - mit diesen betreibt er nämlich eine Band, die anscheinend anders als er allein bei einem Major Label unter Vertrag ist. 



Kurz danach folgte "Metal to metal", zu dem Pelle wieder dieselbe Geschichte von der Autopanne in Berlin erzählte, dieses Mal mit einer besonders liebevollen Beschreibung des Automechanikers und Imitation von dessen deutschem Akzent.

Zu "Riverbank" erzählte uns Pelle, dass es in dem Song darum ginge, sein ganzes Geld einfach in den Fluss zu werfen, also Konsumkritik. Als Beispiel nannte er die zahlreichen Cremes und Tonics sowie einen Porenverkleinerer, die sich alle in seinem Kulturbeutel befänden, was für deutsche Männer sicherlich befremdlich sei - der arme Christoph wurde gefragt, ob er er denn überhaupt wisse, was Tonic ist: "You don't mix it with gin!"

Nach dem weiterhin großartigen "Clever girls like clever boys much more than clever boys like clever girls" war zunächst Schluss. Im Vorfeld hatten wir überlegt, wohin Pelle wohl nach dem letzten Lied abgehen würde. Er entschied sich dafür, ein bisschen auf der Treppe im Flur zu sitzen. Mein Freund, der die Ansage von "Pamplona" mit der Erwähnung der Band I'm from Barcelona ja bereits vom Vortag kannte, hatte die Vinylplatte gut sichtbar bereit gelegt, so dass Pelle bei seiner Erklärung darauf Bezug nehmen konnte. Bei "Pamplona" sangen auch viele, zumindest mehr als in Köln, mit. 


Bei der einen Zugabe blieb es dann auch, Pelle wollte anschließend gerne die bereitgelegte Platte hören und konnte schnell alle seine mitgebrachten CDs verkaufen und sich noch mit einigen Konzertbesuchern unterhalten. Als anschließend noch, ebenfalls auf Wunsch des Künstlers, die Stone Roses aufgelegt wurden, wurde es langsam Zeit, den sehr schönen Abend zu beenden, denn am nächsten Morgen war ja für die meisten ein normaler Arbeitstag. Vorher überreichte ihm Christoph allerdings noch Fotografien der Lego-Versionen aller seiner Albumcover, was Pelle zu der Frage "Oh, you are the Lego Man?" veranlasste. Eines der Cover war ihm nämlich bereits via Facebook bekannt gewesen, er hatte aber nicht gewusst, dass er den Schöpfer kannte.

Ich war relativ überrascht darüber, wie gut mir unser Wohnzimmerkonzert gefallen hat. Ich hatte eigentlich gar nicht damit gerechnet, den Abend selbst genießen zu können, aber alles lief so entspannt ab, dass es wenig Anlass zur Sorge gab, nicht einmal für mich. Leider fängt mein Freund aber auch bereits an, darüber zu reden, dass er noch ein Konzert machen möchte. 



Setliste Pelle Carlberg, Wohnzimmerkonzert, Montabaur:

01: Oh no! It's happening again
02: Musikbyrån makes me wanna smoke crack
03: 1983 (Pelle & Sebastian)
04: Loser of the century (neu)
05: Fly me to the moon
06: I love you, you imbecile
07: Replaceable? (neu)
08: Pelle Carlsberg

09: Varannan vecka (Tvillingarna, Truls & Jag)
10: Because I'm worth it
11: How I broke my foot and met Jesus
12: Metal to metal
13: Salt (neu)
14: Go to hell, Miss Rydell
15: Riverbank
16: Clever girls like clever boys much more than clever boys like clever girls

17: Pamplona (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Pelle Carlberg, Montabaur, 24.04.14 (Christoph)
- Pelle Carlberg, Köln, 23.03.14 (Ursula)
- Pelle Carlberg, Köln, 23.03.14 (Christoph)
- Pelle Carlberg, Köln, 22.09.11
- Pelle Carlberg, Köln, 25.08.09
- Pelle Carlberg, Köln, 23.11.07


Bilder: Dirk von Platten vor Gericht

Dienstag, 25. März 2014

Pelle Carlberg, Montabaur, 24.03.14

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Konzert: Pelle Carlberg
Ort: Ursulas und Dirks Wohnzimmer in Montabaur
Datum: 24.03.2014
Dauer: 47 min & 43 min
Zuschauer: gut 20



"Wir sind hier nicht bei 'Wünsch dir was'", war der Lieblingsspruch meines ehemaligen Chefs und sein Allheilmittel gegen Anfragen aller Art. Das funktionierte ganz gut. Überhaupt hatte mein Ex-Chef einen guten Job, allerdings hatte er dafür einen extrem miesen Musikgeschmack. Pelle Carlberg hat aus meiner Sicht auch einen guten Beruf, vor allem aber auch einen exzellenten Musikgeschmack. Und viel wichtiger, der schwedische Sänger hat einen andere Einstellung zu Wunschkonzerten.

Dirk, gemeinsam mit Ursula Gastgeber des Wohnzimmerkonzerts in Montabaur, hatte mich eingeweiht, daß er den Musikgast bitten wollte, seinen "Tiger Beer-Song" zu spielen. Vor ein paar Jahren spielte Pelle mit Band in Malaysia. Vor dem Konzert kam der Veranstalter und teilte dem Künstler mit, auf den Plakaten stünde nur sein Vorname. Tiger Beer, der Sponsor der Show, wolle wegen seines skandinavischen Konkurrenten keine Plakate sehen, auf denen "Carlsberg" oder so stehe. Pelle schrieb ein Lied darüber, das seinem Label aber nicht gefiel und es nicht auf die Platte schaffte. Es erschien dann nur als Bonusdownload, "wir haben den Download-Code aber extra so unleserlich gestaltet, daß das niemand runterlädt." Ohne Erfolg. Als der Sänger vor der Show vom Gastgeber gefragt wurde, ob er ein Bier wolle und Carlsberg und Tiger Beer zu Auswahl standen, verstand er das Anliegen und erklärte, er habe diesen Song noch nie live und seit 2008 gar nicht mehr gespielt (also nur für die Aufnahme). Den Text gab es im Internet, das Lied auf Festplatte, und Pelle Carlberg verbrachte die Zeit vor dem Konzert im Proberaum.

Am Ende des ersten Teils des Konzerts - es war wie das in Köln am Vorabend  in zwei etwa gleichlange Sets unterteilt - spielte der Schwede das Wunschlied, und es funktionierte wundervoll! Wäre nicht der ganze Abend besonders gewesen, das wäre der spezielle Moment des Konzerts gewesen!

Gut 20 Gäste hatten das Wohnzimmer im Westerwald gefüllt. Im Vergleich zum Vorabend begann das Konzert punkig spät, nämlich um fünf nach acht (die fünf Minuten waren meine Schuld, Pelle und ich unterhielten uns noch über die WM 74). Im ersten Teil spielte der Ex-Edson Frontmann die beiden neuen Stücke Loser of the century und Replaceable?, die hoffentlich ein neues Album ankündigen. Fast genauso wichtig wie seine Lieder sind die Geschichten zu ihnen, die er vorher erzählt. Die Erlebnisse als Kind in Uppsala, als er mit Freund Sebastian abends halbstark durch die Stadt lief, der Flug zurück vom Konzert in Barcelona, der zum Ryan-Air-Song Fly me to the moon führte, die Erklärung zu Riverbank..., auch das macht einen guten Teil des Reizes von Pelle Carlberg-Konzerten aus (was bei seinem Landsmann Jens Lekman ja ähnlich ist - der wäre doch auch mal was für euch, Ursula und Dirk?). 

Das zweite Set begann mit einem Publikumswunsch, diesmal aber einem ungeplanten. Wir hatten uns in den Pause über kulturelle Unterschiede zwischen Schweden und Deutschland unterhalten und über deutsche Indiebands. Irgendwie fiel dabei, daß schwedische Bands leider viel zu selten Lieder in ihrer Landessprache singen. Pelle Carlberg nahm das auf und spielte ein Stück der Band, die er mit seinen drei Kindern hat (Tvillingarna, Truls & Jag), wenn ich richtig hingehört habe Varannan vecka. Die CD dieser Gruppe ist seine einzige, die bei einem Majorlabel erschienen ist, und ist eine "Platte mit Kinderliedern mit Erwachsenentexten", wie er vor ein paar Jahren bei einem Kölner Konzert erklärt hatte.  

Auch die zweite Hälfte mit Hits wie Riverband, Go to hell, Miss Rydell (über ein Telefonat mit der Kritikerin, die die letzte Edson Platte verrissen hatte), das sehr schwermütige neue Salt, das noch trübere Metal to metal oder das wundervolle Clever girls... Es ging alles viel zu schnell um. Glücklicherweise war aber auch die Debütplatte von I'm from Barcelona gut sichtbar im Wohnzimmer ausgelegt, sodaß Pelle das von der inspirierte Stück Pamplona als Zugabe spielen musste. Um zehn nach zehn war das wundervolle Konzert beendet und die wenig aufregende Kulturgeschichte Montabaurs ein gutes Stück vorangebracht worden.

Dieser Bericht ist nicht etwa so postiv ausgefallen, weil die Gastgeber einen perfekten Konzertabend organisiert hatten. Oder weil ich seit dem ersten Hören von Go to hell, Miss Rydell panische Angst davor habe, ein böses Wort über Pelle zu verlieren. Pelle Carlbergs Auftritte sind eben einfach so gut. Und ich hoffe, daß es nicht wieder drei Jahre dauert, bis der Schwede zurück nach Deutschland kommt. Da er auf Wünsche ja eingeht, sollte das funktionieren!
 

Setlist Pelle Carlberg, Wohnzimmerkonzert, Montabaur:

01: Oh no! It's happening again
02: Musikbyrån makes me wanna smoke crack
03: 1983 (Pelle & Sebastian)
04: Loser of the century (neu)
05: Fly me to the moon
06: I love you, you imbecile
07: Replaceable? (neu)
08: Pelle Carlsberg 

09: Varannan vecka (Tvillingarna, Truls & Jag)
10: Because I'm worth it
11: How I broke my foot and met Jesus
12: Metal to metal
13: Salt (neu)
14: Go to hell, Miss Rydell
15: Riverbank
16: Clever girls like clever boys much more than clever boys like clever girls

17: Pamplona (Z)

Tourdaten Pelle Carlberg:

25.03.: Luxemburg - Konrad 
26.03.: Stuttgart - Wohnzimmerkonzert 
27.03.: Stein, Appenzell (CH) - Kulturhaus Rose 
29.03.: Paris - Oliver Peel Session 
30.03.: Bielefeld - Bunker Ulmenwall

Links:

- aus unserem Archiv:
- Pelle Carlberg, Köln, 23.03.14
- Pelle Carlberg, Köln, 22.09.11
- Pelle Carlberg, Köln, 25.08.09
- Pelle Carlberg, Köln, 23.11.07




 

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