Dienstag, 27. Oktober 2026

Abhirup Roy & Deepsankar Bhattacharjee, 17.10.2026, Karlsruhe

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Konzert: Abhirup Roy an der Tabla & Deepsankar Bhattacharjee an der Sitar
Ort: Wohnzimmer im Europaviertel
Datum: 17. Oktober 2026
Dauer: 70 min
Zuschauer: 24

 
 
Bericht von Renate, Fotos von Matthias (vielen Dank!)
 
Kennengelernt hatten wir Abhirup Roy und Deepsankar Bhattacharjee bei einem ihrer Konzerte bei Gabriele in Kirchfeld. Beeindruckt waren wir von den Klängen und Rhythmen, die so ganz anders auf uns wirkten als unsere westliche Musik und diesen so virtuos spielenden Händen der Musiker. So viele Töne mehr als unsere Ohren es gewohnt sind! Dazu werden die Saiten sanft gezogen. So gehen die Töne ineinander über und fügen sich zu einem wunderbaren Klangerlebnis.
 

Auf unsere Einladung zum Konzert meldeten sich einige ab, weil es nicht ihre Musik sei. Wer aber kam, kannte sich aus, wollte genau diese Musik erleben, oder kam bewusst, um sich auf etwas Neues einzulassen. Belohnt wurden beide.

Die ersten Minuten stimmte Deepsankar akribischen die über 20 Saiten seines Instruments – ein Prozess, der in der indischen Musik wohl ein Teil der Performance ist und das Publikum akustisch einstimmt.

Dann gab er uns einen kleinen Einblick in die Raga-Musik: Sie wird traditionell in Tempeln gespielt, heutzutage auch in kleinen und großen Konzerthäusern und auf Festivals. Sie wird den verschiedenen Tages- oder Jahreszeiten zugeordnet. 
 

Wir lauschten aufmerksam den zunächst fremden Klängen, bis dass wir immer tiefer in sie eintauchten und die spirituelle Kraft des Ragas spürten. Für die, die den Raga das erste Mal live erlebten, erweiterte sich an diesem Abend der Horizont der Hörgewohnheiten. Beim Raga gibt es keine kurzen, voneinander getrennten Songs, sondern eine fortlaufende Entwicklung in drei Teilen:
 
Alap: Deepsankar begann völlig ohne Rhythmus, die Saiten der Sitar zu zupfen und zu ziehen, während Abhirup die Augen schloss und den meditativen Klängen folgte.
Jod & Jhala: Nun wurde es rhythmischer, die Tonfolge immer schneller, während die Tabla noch schwieg. Westliche Musik kommt meist schnell auf den Punkt, ein Raga nimmt sich Zeit.
Gat / Bandish: Abhirup puderte sich immer wieder die Hände. Gespannt warteten wir auf seinen Einsatz. Dann änderte sich die Dynamik radikal, strukturierter Rhythmus wechselte sich mit Improvisationen ab. 

Sitar und Tabla forderten sich gegenseitig heraus. Nur ein kleiner Teil der Musik ist vorgegeben, 95 % improvisiert. Es war ein Wechselspiel, vielleicht eine Geschichte. Wie greifen sie ineinander, ohne Dirigent. Führt einer und der andere folgt, wie beim Tanzen, oder gibt es in Tonfolge oder Rhythmik ein Zeichen wie es weitergeht? Oder sind es Blickkontakte, minimale Bewegungen oder Kommentare, die die beiden ohne Verzögerung synchronisiert und auf den Punkt bringt?
 
 
Zum Ragaspieler wird man geboren, stammt meist aus einer Musikerfamilie und bekommt schon als Kleinkind Unterricht von einem Meister und es braucht alle Kraft, so dass es bei diesem einen Instrument bleibt, wenn man es professionell machen will. Abhirup spielt die Tabla in dritter Geberation, begann mit 2,5 Jahren mit dem Unterricht, Deepsankar spielt die Sitar in fünfter Generation, begann mit 3,5 Jahren mit dem Unterricht. Abhirups Komposition und das gleichnamige Album „The Other Half“ brachten ihm 2024 die Auszeichnungen in den Kategorien „Best Composer“ und „Best Original Score“ bei den Global Music Awards ein. Das Werk zeichnet sich durch eine Verschmelzung von traditioneller indischer klassischer Musik und zeitgenössischen, cineastischen Klängen aus. Durch seine über zehnjährige internationale Arbeit und seine künstlerischen Erfolge wurde Abhirup dieses Jahr von der Recording Academy als stimmberechtigtes Mitglied für die Grammy Awards benannt.

Beide touren durch Indien, USA und immer im Herbst durch Europa, geben Konzerte und sind Meister ihrer Kunst. Ihre Schüler kommen oft von weit her zu Ihnen nach Kolkata. Sie bieten online-Unterricht an, einige Schüler kommen zu ihnen und bleiben eine Zeitlang.

Wenn man meint, dass in Indien alle Raga hören, liegt man falsch. Auch in Indien ist diese Musik neben indischem Pop, Bollywood-Filmmusik usw. eher eine Nische. 

Auf die Frage, ob jemand etwas über die Musik erfahren möchte, kam der jüngste Konzertbesucher (8J.) und ließ sich die Instrumente zeigen. Ein Geschenk.

Nach dem Konzert waren die beiden Musiker genauso wie wir beseelt von dem schönen Konzert. Sie wollen im kommenden Jahr wieder zu uns kommen und das nehmen wir sehr gerne an.




Mittwoch, 7. Oktober 2026

"Come as you are" Festival - Effenaar/Eindhoven - 03.10.2026

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Konzert: "Come as your are"-Festival
Ort: Effenaar/Eindhoven
Datum: 03.10.2026
Dauer: 1 Tag
Zuschauer: ca. 1.400 ausverkauft


Tagesfestivals in kleineren Hallen sind in Deutschland ja nahezu unbekannt. In den schönen Clubs unserer niederländischen Nachbarn sind sie fester Bestandteil der Szene-Kultur. Thematisch unterscheiden sich die Konzertserien wie "Fuzz-Club", "London-Calling" und hier das "Come as you are"-Festival in Eindhoven natürlich erheblich. Was bleibt, ist eine tolle Atmosphäre, mit vielen Newcomern am Nachmittag, und größeren, etablierteren Acts am Abend.  

"Fiep" sind so eine tolle Newcomer-Band aus dem unendlichen Amsterdamer Kosmos. Ich durfte sie bereits beim Misty Fields Festival bewundern, und auch heute haben sie nichts von ihrem Charme und den guten Indiesongs verloren. TIP: Nightshop


Nach einer klassischen, frittierten Stärkung am extra aufgebauten Pommesstand dann eine kleine Überraschung: "Republica" sind zurück. Ausgestattet mit zwei echten Welthits, gibt es eine lupenreine Zeitreise in die 90er. Einige der neuen Bandmitglieder/innen waren da allerdings noch gar nicht geboren. Frontfrau Saffron Sprackling und der bereits sehr gut gefüllte Saal haben Spaß und schwelgen bei "Drop that gorgeous" und "Ready to go" in Erinnerungen.

Im Anschluss wird es dann für mich etwas emotional. Die "Afghan Whigs" sind eine der Bands, die mich niemals langweilen. Seit 1992 habe ich unzählige Konzerte besucht und mich immer wieder von ihrem souligen, intelligenten Rock mitreißen lassen. Frontmann Greg Dulli schreibt auch nach der langen Pause der Band immer noch fantastische Songs, die auch heute Abend gegen die alten Kracher sehr gut bestehen können. 



Seit Ewigkeiten werden nochmal Schätze aus ganz alten Zeiten ausgepackt. "What jail is like", "I`m her slave" und "My enemy" sind unzerstörbare Klassiker und zeigen die Whigs live wieder als rollenden Zug, den keiner aufhalten kann. Dazu die Highlights der neuen Platte. Das groovende "Duvateen", "House of I" und "My lover". 

Diese Tour spart sich die, sonst auch immer tollen Streicher und Bläser. Zum Jubiläum gibt es die rockige Version der Band zu bewundern. Leider war die Spielzeit aufgrund des Festivalrahmens auf 60 Minuten begrenzt. Ich hätte noch stundenlang lauschen wollen.


"Shame" haben es danach etwas schwerer. Ihr Post-Punk wirkt etwas beliebiger als in ihren Anfangstagen. Dazu kommen große technische Probleme, die zu mehreren Unterbrechungen führen. Da kann keine Stimmung aufkommen.

 
Als besonderes Schmankerl präsentiert das Festival dann zu später Stunde noch eine Stunde "Nirvana" live. In Perfektion vorgetragen von der niederländischen Band "Paceshifters". Diese touren mit diesem Konzept durch niederländische Clubs, haben aber auch schon selber diverse Alben veröffentlicht. Es macht höllischen Spaß, diese Klassiker live zu erleben. Die Wucht und pure Energie sind in jeder Sekunde spürbar.  


Es war wieder ein wunderschöner, perfekt organisierter und entspannter Tag in Eindhoven. Lasst Köln links liegen und besucht mehr Konzerte und Festivals in den Niederlanden. Es lohnt sich.



 

Konzerttagebuch © 2010

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