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Sonntag, 1. Juli 2012

Beirut, Düsseldorf, 30.06.12

4 Kommentare

Konzert: Beirut
Ort: Galopprennbahn, Düsseldorf (Open Source Festival)
Datum: 30.06.2012
Dauer: 75 min


Und danach wurde es folkstümlich... Die Bläserbreitseiten von Beirut beendeten die Tagesveranstaltung des Open Source Festivals. Oh Gott, ich fange viel zu sachlich an! Das wird dem Konzert und Beirut ganz allgemein nicht gerecht.

Allerdings beschreibt "sachlich" meine Beziehung zur Blaskapelle aus Santa Fe eigentlich recht gut. The Gulag Orkestar mit seinen atemberaubend ergreifenden Melodien zählt zu den besten Platten der letzten Jahre! Nichts, was danach von Beirut kam, erreichte mein Herz auch nur im Ansatz ähnlich. Vor allem die elektronischen Lieder der späteren Veröffentlichungen stehen massiv im Schatten solch hinreißender Melodien wie Mount Wroclai oder Rhineland.

Live habe ich Beirut bisher erst zweimal gesehen. Der Auftritt in Haldern 2010 war ok, allerdings nicht mehr. Ein paar Tage vorher in der Kölner Philharmonie gehörte zumindest die zweite Hälfte zu den mitreißendsten Konzertmomenten der letzten Jahre.

In den letzten Monaten habe ich das Beirut Debüt
immer mal wieder gehört. Natürlich sind bei zigtausend Liedern auf dem iPod Bands mit A bis E oder W bis Z im Vorteil, wenn ich ziellos nach einer Höridee suche. Trotzdem ist Beirut überdurchschnittlich oft meine erste Wahl. Über Monate aufgebaute Vorfreude, denke ich...

Nach Bréton hatte ich mir ein paar Minuten Mouse on Mars auf der elektronischen Bühne hinter den Tribünen angesehen. Als ich dann zurück zur Mainstage kam, war der Bühnenaufbau da bereits beendet. Es sah vielversprechend aus! Es gab zwar ein Piano, sonst standen da aber nur Mikros und das Schlagzeug, ein Akkordeon und zwei Bässe und keine zusätzlichen Keyboards.

Und genauso klang es dann auch! Es war die Bläser-Instrumentierung, die die Liveversionen so unwiderstehlich macht, die hier zum Einsatz kam, ergänzt durch Akkordeon, zurückhaltend eingesetztes Klavier und Bass. Ich verstehe, daß Künstler ihren Stil wechseln. Ich bin auch sicher, daß Bläser statt Keyboards bei Beirutkonzerten eher praktischen als künstlerischen Gründen geschuldet sind, das Ergebnis ist allerdings brillant, nur das zählt. Beirut sind also live im Klassen besser als auf Platte, keine überraschende Erkenntnis, für viele Bands, die wir mögen, gilt das schließlich. Bei Beirut fällt mir der Unterschied immer wieder als besonders groß auf.

Zach Condons Band bestand aus fünf bis sechs Musikern (Akkordeon und Piano waren nicht immer gleichzeitig besetzt).

Ihnen in der sinkenden Sonne mit dem Geläuf der Galopprennbahn im Hintergrund zuzusehen und -hören war ein ausgesprochenes Vergnügen! Dem konnten sich auch einige der Gäste auf der benachbarten Hochzeitsfeier nicht entziehen. Am Zaun zwischen Party und Festival standen einige feierlich gekleidete Menschen und lauschten Beirut. Vermutlich war das musikalisch um Längen besser als der eigene Hochzeits-DJ. Zach, wohlerzogen wie viele Amerikaner, entschuldigte sich nuschelnd dafür, die Hochzeitsfeier zu ruinieren. Wenn so viele am Zaun stehen, war das sicher nicht nötig.

Angekündigt waren anderthalb Stunden Konzert, daraus wurden dann schließlich 75 min. Auch dazu nuschelte der trompetende Sänger etwas, ich meine etwas von einem drohenden Kollaps verstanden zu haben. Auf der Setlist standen dann auch ein paar Lieder mehr, allerdings halten sich Beirut wohl nie an das, was da vor ihnen liegt, bisher stimmte die Papierversion nie mit dem tatsächlich gespielten überein. Aber auch ohne die fehlenden Viertelstunde war das Konzert genau so, wie ich es mir erhofft hatte! Naja, außer dieser Kleinigkeit... Es wäre doch eigentlich nicht zuviel verlangt gewesen, auch noch Rhineland (Heartland) zu spielen, Zach? Wenigstens hatte er das im Kern-Rheinland gemacht vor zwei Jahren.

Setlist Beirut, Open Source Festival, Düsseldorf:

01: Santa Fe
02: The shrew
03: Elephant gun
04: Vagabonds
05: Cherbourg
06: Postcards from Italy
07: Port of Call
08: Forks and knives
09: Cocec
10: East Harlem
11: The Akara
12: Nantes
13: Scenic world
14: A sunday smile
15: Mount Wroclai
16: My night with a prostitute from Marseille
17: The Gulag Orkestar

18: The penalty (Zach Condon solo) (Z)
19: Carousels (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Beirut, Scheeßel, 24.06.12
- Beirut, Paris, 13.09.11
- Beirut, Paris, 29.08.10
- Beirut, Haldern, 13.08.10
- Beirut, Köln, 12.08.09
- Beirut, Paris, 12.05.09
- Beirut, Paris, 12.11.07



Freitag, 29. Juni 2012

Beirut, Hurricane Festival, Scheeßel

2 Kommentare

Konzert: Beirut

Ort: Hurricane Festival, Scheeßel
Datum: 24.06.2012
Dauer: etwa 60 min


von Ursula (neulich als ich dachte) und Dirk (Platten vor Gericht)

Zum Regen gesellten sich nun noch kalte Windböen und deutlich mehr Zuschauer als zuvor noch bei The Temper Trap. Aber Beirut sollten unsere Herzen erwärmen!

Spätestens als Zach Condon, Kelly Pratt und Ben Lanz beim Opener „Santa Fe“ zum ersten Mal an diesem Abend in Position traten, gemeinsam Trompeten und Posaune erschallen ließen und dies mit lautem Jubelgeschrei des Publikums beantwortet wurde, war allen Anwesenden egal, ob auf den anderen Bühnen gerade New Order, Die Ärzte oder sonst irgendwer spielten.

Aber vielleicht doch nicht allen Anwesenden, denn die Band, zu der auch noch Perrin Cloutier (Akkordeon, Klavier), Paul Collins (Bass) und Nick Petree (Schlagzeug) zählten, schien etwas vom herüber schallenden Lärm gestört zu sein. Dass auch noch Zach Condons Ukulele vor dem sechsten Titel wegen technischer Probleme ihren Geist aufgab, passte zu den widrigen Umständen dieses Auftritts. Der Begeisterung im Publikum tat dies jedoch keinen Abbruch.

Beirut spielten in knapp einer Stunde ein Set, das die drei Alben mit jeweils drei Titeln gleich bedachte, zudem Songs aus den EPs „Lon Gisland“,„March Of The Zapotec“ und „Holland“ beisteuerte und nur wenig Wünsche offen ließ. Nur den neunten Titel konnte ich nicht recht zuordnen, eine instrumentale Balkan-Pop-Nummer mit Posaunen-Solo, die vielleicht „Serbian Cocek“, im Original von A Hawk And A Hacksaw+ The HunHangár Ensemble stammend, gewesen sein könnte.

Müsste ich einen Titel bestimmen, der Publikum (und (wieder einmal) Security) am meisten begeisterte, so wäre dies vielleicht „Cherbourg“, das für die größte Bewegung vor der Bühne sorgte oder vielleicht „East Harlem“, das äußert lautstark umjubelt wurde oder „The Gulag Orkestar“, für das Beirut noch einmal zurück auf die Bühne kamen oder...

Setlist Beirut, Hurricane Festival, Scheeßel:

01: Santa Fe
02: The Shrew
03: Elephant Gun
04: Vagabond
05: Nantes
06: Postcards from Italy
07: A Sunday Smile
08: East Harlem
09: Serbian Cocek
10: Cherbourg
11: Scenic World
12: My Night with the Prostitute from Marseille
13: Carousels

14: The Gulag Orkestar (Z)

Links:

- aus unserem Archiv:
- Beirut, Paris, 13.09.11
- Beirut, Paris, 29.08.10
- Beirut, Haldern, 13.08.10
- Beirut, Köln, 12.08.09
- Beirut, Paris, 12.05.09
- Beirut, Paris, 12.11.07


Mittwoch, 14. September 2011

Beirut, 13.09.11

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Konzert: Beirut
Ort: Studio 104, Canal + Pleine de Saint Denis (l'Album de la semaine), unweit von Paris
Datum: 13.09.2011
Zuschauer: hmm? 150?
Konzertdauer: etwa 45 Minuten


Live-Konzerte bei Radiosendern oder Fernsehstationen mag ich nicht sonderlich. Die Atmosphäre ist mir zu steril, der Sound zu glatt und das Publikum kommt oft nicht in erster Linie für die Band die auftritt, sondern weil es umsonst ist, oder um mal ein Studio von Innen gesehen zu haben.

Bei der Fernsehsendung "Album de la semaine" von Canal + kommt noch hinzu, daß vor dem Beginn des Konzertes ein Animateur das Publikum heiß macht und ihm eintrichtert, auf Befehl zu klatschen und zu johlen. Das wird dann bis zu 10 mal geübt. Die Leute klatschen wie die Gestörten und johlen als hätte ihre Fußballmannschaft das entscheidende Tor geschossen. Grauenvoll!

All dies sind Gründe, die mich in der Regel davon abhalten, beim Album de la semaine aufzukreuzen. Daß ich mich am 13. September dennoch auf den langen Weg zu Pleine de Saint Denis gemacht habe, liegt sicherlich daran, daß ich den angesetzten Künstler Beirut für außerordentlich attraktiv hielt. Zach Condon alias Beirut war (in meiner Abwesenheit) erst am Vortag im legendären Olympia aufgetreten und hatte viele Zuschauer begeistert. Da war ich natürlich neugierig, wie mir persönlich seine neuen Sachen live gefallen würden.

Letztlich kann ich es aber kurz machen. In der sterilen Atmospähre des Studios von Canal + entfalteten die Balkanballaden von Beirut nur bedingt ihren Charme. Meine vorherrschende Emotion war gepflegte Langweile. Es tönte alls sehr schön und lieblich von der Bühne, aber der Funke wollte (fast) nie überspringen. Einzige Ausnahme: Nantes. Als Zach und seine Kumpels dieses alten Hit schmetterten kam endlich mal etwas Stimmung im Publikum auf, so einige meiner Mitbürgerinnen und Mitbürger tanzten und sangen. Ansonsten blieb es aber sehr ruhig. Das lag mit Sicherheit auch daran, daß viele die neuen Songs noch nicht so richtig kannten. Highlights wie Santa Fe, oder East Harlem verpufften so fast wirkungslos. Schade, denn gerade East Harlem ist äußerst stimmungsvoll und charmant. Und die kleine Trompetenmelodie, die den Song durchzieht ist Gold wert. Das schönste Lied des recht kurzen Sets war aber sicherlich die romantische Ukulele Nummer Port Of Call. "And I called through the air that night I can't see your voice without light I could only smile I've been alone some time and all and all it's been fine, croonte Zach in diesem fein instrumentierten Stück (das Piano! die Blasinstrumente!), das in diesem Jahr mit Sicherheit noch so einige Male auf meinem i-pod laufen wird.

Fazit: Konzerte in Fernsehstudios sind und bleiben steril und recht fad. Beirut muss ich mir deshalb noch einmal in einer richtigen Konzertlocation ansehen, die neuen Lieder haben Potential.

Setlist Beirut, Album de la Semaine, Paris:

01: Santa Fe
02: Goshen
03: East Harlem
04: Vagabond
05: Port Of Call
06: Nantes
07: The Akara
08: Prostitute From Marseille

Aus unserem Archiv:

Beirut, Paris, 29.08.10
Beirut, Haldern, 13.08.10
Beirut, Köln, 12.08.09
Beirut, Paris, 12.05.09
Beirut, Paris, 12.11.07

Photos: Archivpics.



Mittwoch, 1. September 2010

Beirut, Festival Rock en Seine, Paris, 29.08.10

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Konzert: Beirut

Ort: Domaine National de Saint Cloud, Festival Rock en Seine bei Paris

Datum: 29.08.10

Zuschauer: mehrere zehntausend

Konzertdauer: etwa 50Minuten




Ja was denn nun? Ist Beirut jetzt total langweilig oder doch hoch spannend?


Da scheiden sich die Geister. Einige Musikfans, die die Festival- Auftritte von Beirut beim Haldern Pop und bei Rock en Seine gesehen hatten, äußerten sich ziemlich negativ. "Zum Einschlafen!, so ihr hartes Urteil. Andere wiederum schnalzten mit der Zunge und schwärmten von den herzerwärmenden Trompeten-Konzerten. Schwer zu sagen, wer recht hat. Gerade bei Festivals kommt es sicherlich auch darauf an, wo man sich auf dem Gelädne befindet. Wenn man weit weg ist und das Geschehen nur am Rande verfolgt, ist es nur logisch, daß die Sache an einem vorbeigeht. Am besten man ist nahe dran und bekommt neben der Musik auch noch die Mimik und die Gestik der Künstler mit. Bei einer Sophie Hunger beispielsweise kann ich mir gar nicht vorstellen, wie man mitfiebern will, wenn man die packende Mimik der Schweizerin nicht sieht (wie sie den Mund verzieht, leidet, explodiert, toll!).

Im Falle von Beirut bei Rock en Seine hieß es deshalb für mich: Mittendrin statt nur dabei! Ich ließ meinen Hunger Hunger sein (hat jetzt grad nix mit der Sophie zu tun) und stellte mich 40 (!) Minuten vor Beginn des Konzertes vor der Hauptbühne an. So etwas mache ich sonst nie, aber hier musste es sein, denn das Gelände der Domaine National de Saint Cloud ist so riesig, daß man von weitem die Akteure nur auf der Leinwand sehen kann. Ich wollte aber kein Kino, sondern ein richtiges Liveerlebnis. Also stand ich bereits um 17 Uhr 20 in der dritten Reihe und wartete auf Godot, ähem nein, auf Beirut natürlich! Viele Mädchen standen und saßen um mich rum, was darauf schließen lässt, daß Zach Condon mit seinem Lausbubencharme gut bei den Weibern ankommt. Dabei dachte ich immer, daß Frauen nicht auf Softies und Romantiker stehen, aber anscheinend gibt es Ausnahmen, wenn der Softie Trompete und Ukulele spielen kann. Nun gut.

Pünktlich um 18 Uhr kam dann Zach zusammen mit seiner Band wirklich auf die Bühne geschlichen, ein Köfferchen und einen Fotoapparat in der Hand. Wohl immer noch erstaunt darüber, inzwischen vor zigtausend Leuten zu spielen, schoß der Trompeten-Titan ein Foto von den Zuschauern. Dann ging es mit Schwung los. Im Nu wurde im Publikum zu Nantes geschunkelt und mitgesungen. Die Stimmung war prima und viele Mädchen kletterten auf die Schultern ihrer Freunde, um besser sehen zu können. Zach und seine Mitstreiter bliesen mit der Kraft der drei Trompeten den Leuten den Marsch. Der Drummer grinste währenddessen wie ein Honigkuchenpferd und der Akkordeonspieler erinerte mich mit seinen schwarzen Locken und dem blaßen Teint an Robert Smith. Eine lustige und hochsympathische Truppe! Der Chef selbst sprach in den Pausen zwischen den Songs immer mal wieder in gebrochenem französisch, was beim patriotischen Publikum sehr gut ankam. Schließlich hatte Zach eine ganze Weile in Paris gelebt und nicht nur Nantes, sondern auch Cherbourg, eine andere französische Stadt, besungen. Das Pariser Indiepublikum hat deshalb früh eine Liebesbeziehung zu Beirut aufgebaut, die auch durch tolle Videosessions mit der Blogothèque befeuert wurde. Daß der engelsgleiche Knabe aber vor solch vielen Leuten wie heute spielt, war neu. In ganz kleinen Locations hatte er angefangen und nun das: Ein Auftritt auf der Hauptbühne bei einem der größten Festivals in Frankreich! Sein berühmt-berüchtigtes Lampfenfieber schien Zach aber dennoch gut im Griff zu haben. Sein Gesang war fest und sicher und Trompete und Ukulele spielt er noch im Schlaf.

Das Set war songtechnisch gut durchgemischt, alte und neue Stücke hielten sich die Waage. Ich persönlich freute mich am meisten über Elephant Gun und Postcards From Italy, denn mit diesen melancholischen Liedern hatte ich den Künstler aus New Mexiko entdeckt. Am besten kam beim Publikum aber die Schlußphase an. Mit A Sunday Smile (von tausenden Kehlen mitgesungen), Mount Wroclai und dem berauschenden The Gulag Orkestar landete die Band einen lupenreinen Hattrick. Die Mädels jubelten und Zach verabschiedete sich auch noch mit einer charmantenLiebeserklärung: "Je vous aime."

Beirut mag in einem mittlgroßen Club zwar besser zu gefallen, seine Auftritte bei Festivals als langweilig zu bezeichnen, finde ich aber unfair.




Setlist Beirut, Festival Rock en Seine 2010, Paris:

01: Nantes
02: The Shrew
03: Elephant Gun
04: Cocek
05. Postcards From Italy
06: Scenic World
07: Carousels
08: Cherbourg
09: East Harlem
10: The Akara
11: A Sunday Smile
12: Mount Wroclai (Idle Days)
13: The Gulag Orkestar




Montag, 30. August 2010

Arcade Fire & Guests, 3. Festivaltag, Rock en Seine, 29.08.10

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Konzert: Arcade Fire (u. a.)

Ort: Domaine National de Saint Cloud bei Paris, Festival Rock en Seine
Datum: 29.08.2010
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: netto oder brutto? Ohne oder mit Regenpause? 1 Stunde


Rock en seine = Flop en Seine! Anders kann man es wohl nicht ausdrücken. Zum vierten Mal hintereinander steckte beim Headliner des Pariser Festivals der Wurm drin. Im letzten Jahr prügelten sich die Gebrüder Gallagher kurz vor ihrem Auftritt und lösten Oasis ohne angetreten zu sein, gleich im Anschluß auf und in den beiden vorangegangenen Editionen sagte Amy Winhehouse in letzter Minute ab.

Heute gab es zumindest ein halbes Konzert. Die texanischen Kanadier (ihr wisst was ich meine) Arcade Fire performten 11 Songs, als während We Used To Wait ein heftiger Regen einsetzte, der bedingt durch böige Winde auf die Bühne fegte. Die warmduschenden Weicheier aus Montreal* brachen daraufhin nach Ende des Songs ab. Regine erklärte kichernd auf französisch, daß es zu gefährlich sei weiterzuspielen (ist das wie mit dem Fön, der in die Badewanne fällt? Stromschlag und so?) und schwuppdiwupp lagen Planen auf den Instrumenten. Die Band saß unterdessen im Warmen in der Kabine, während die Festivalbesucher tropfnass wurden. 10 Minuten später kamen die Musiker dann zurück und Optimisten (darunter auch ich; Pessimist = der einzige Mist auf dem nichts wächst) glaubten, daß es nun normal weitergehen würde. Großzügig verkündeten Régine und Win, daß sie versuchen würden, ein weiteres Liedchen für uns zu spielen und stimmten unter großem Jubel den Schunkel- und Mitgröhlsong Wake Up an. Die durchnässten Zuschauer summten aus voller Kehle mit, getreu dem Motto: " Wir lassen uns den Spaß nicht verderben, jetzt erst recht!" Sie hatten aber die Rechnung ohne den Wirt, sprich die Band gemacht. Die nämlich machte nach dem Verklingen der letzten Note erneut den langen Schuh und winkte zum Abschluss (?!) noch einmal in die Menge. Ich glaubte zu viele halluzinogene Pilze gegessen zu haben. "Wie jetzt? Das war schon alles?" Wie gerne hätte ich jetzt das bandeigene Megaphon gehabt, um die Truppe augenblicklich aufzufordern, zurückzukommen. "Halt, stehengeblieben! Macht gefälligst weiter!" Mir wären schon die richtigen Sprüche eingefallen, aber mir stand nun einmal kein Megaphon zur Verfügung und meine lauten Buhrufe interessierten auch keinen Arsch. Schluß, aus, Ende! Das half auch kein treudoofes Warten und Hoffen, die Messe war gelesen. Nun ja, wenigstens hatten wir Intervention (allerdings ohne Kirchenorgel) geboten bekommen und auch noch ein paar andere Klassiker wie Laika oder No Cars Go. Aber 12 Lieder, darunter Neulinge wie Ready To Start (sehr guter Opener) waren eindeutig zu wenig. Es fehlten Kracher wie Rebellion, Tunnels, Power Out oder der fetzige Neuling Month Of March. Es war wie bei einem Coitus Interruptus. Man wurde heiß gemacht ohne Ende, durfte aber den Orgasmus nicht genießen. Ein scheiß Gefühl!

Rock en Seine = Flop en Seine! Blame it on the Veranstalter, die nicht gegen Regengüsse gewappnet sind?

Zum Glück waren vorher wenigstens die Oldies Roxy Music brillant und auch Beirut enttäuschten nicht...

Setlist Arcade Fire, Festival Rock en Seine 2010:

01: Ready To Start
02: Keep The Car Running
03: Neighborhood # 2 (Laika)
04: No Cars Go
05: Haiti
06: Modern Man
07: Rococo
08: The Suburbs
09: Ocean Of Noise (mit Zach Condon von Beirut an der Trompete)
10: Intervention
11: We Used To Wait

12: Wake Up

* ist jetzt nur so ein Spruch, höchstwahrscheinlich war es wirklich zu riskant weiterzumachen. Und total naß waren sie auch.

Aus unserem Archiv:

Arcade Fire, 05.07.10 (bereits mit der Besprechung der neuen Lieder/chronique en français également)
Arcade Fire, Paris, 24.08.07
Arcade Fire, Köln, 22.08.07
Arcade Fire, Nimes, 22.07.07
Arcade Fire, Paris, 20.03.07

Setlist Roxy Music, Festival Rock en Seine 2010, Paris:

01: Re-Make/Re-Model
02: Out Of The Blue
03: While My Heart Is Still Beating
04: Avalon
05: Ladytron
06: Song For Europe (en partie en français)
07: In Every Dream Home A Heartache
08: Love Is The Drug
09: Editions Of You
10: Do The Strand

11: Let's Stick Together
12: Jealous Guy

Setlist Beirut, Festival Rock en Seine 2010, Paris:

01: Nantes
02: The Shrew
03: Elephant Gun
04: Cocek
05. Postcards From Italy
06: Scenic World
07: Carousels
08: Cherbourg
09: East Harlem
10: The Akara
11: A Sunday Smile
12: Mount Wroclai (Idle Days)
13: The Gulag Orkestar



Dienstag, 17. August 2010

Beirut, Haldern-Festival, 13.08.10

0 Kommentare

Konzert: Beirut
Ort: Haldern-Pop Festival
Datum: 13.08.2010
Dauer: 65 min


Beirut habe ich lange unterschätzt. Man muß schließlich nicht jedem Hype hinterherhechten, dachte ich wohl, als alle plötzlich ihre Leidenschaft für Balkan-Pop entdeckten. Jeder Hauch Weltmusik ist mir schon immer suspekt - dummerweise funktionierten meine Reflexe bei der Band des Zach Condon irgendwann nicht mehr und ich begann Spaß an den herrlichen Ukulelen und Blechbläsern zu bekommen.

Ähnlich verlief auch mein vor Haldern einziges Konzert der Band. In der Kölner Philharmonie gefiel mir der Auftritt gut, bis dann die Zugaben so unglaublich fabelhaft waren, daß Beirut von da ein einen Stammplatz in meinem musikalischen Herzen hatten.

Auf Beiruts Auftritt in Haldern hatte ich mich sehr gefreut. Mein Festival war vorher nicht richtig glücklich verlaufen. Den Donnerstag erlebte ich vor der Einlaßkontrolle wartend und hoffend, vielleicht doch ins Zelt zu kommen, weil das Vergnügen, neben der Flaschensammelfamilie, die gerade ihre Erträge sortierte, Konzerte auf Leinwand zu verfolgen, eher begrenzt ist.

Beirut war schließlich mein zweites Konzert beim diesjährigen Festival...

Vorher hatten mich Mumford & Sons ordentlich beeindruckt. Musikalisch gehören beide Bands sicher in die gleiche Kategorie, nicht nur wegen des Einsatzes ähnlicher Instrumente. Den Gegensatz zum Folkpop der Briten machten Beirut allerdings schnell deutlich, die Walzer- und Polka-Rhythmen ihrer Lieder, die die Musik spannend, weil ungewohnt, aber eben auch unabhängig davon reizvoll machen.

Hätte man mir mit 18 gesagt, daß ich irgendwann mal eine Art volkstümliche Musik mit Tuba und Akkordeon im 3/4 Takt hören würde, wäre ich vermutlich handgreiflich geworden. Als erste "long time, longe time" von Nantes anklang, war ich aber wieder mittendrin in der Hitparade der Volksmusik, und sie gefiel mir außerordentlich gut!

Wie der andere Headliner The National hatten auch Beirut früh technische Probleme. Nach dem zweiten Stück gab es Ärger mit der Ukulele (ein Satz, den man bei Rock am Ring Berichten vermutlich nie lesen kann). Zach stimmte mit seinen Kollegen eine Änderung ab und spielte erst
Mimizan. Wie ich beim Rockpalast gesehen habe, sollte wohl ursprünglich zunächst Elephant gun kommen. Überhaupt unterschied sich das, was Beirut letztlich spielten, deutlich von dem (veröffentlichten), was vorher geplant war. Wir wären zum Beispiel nicht in den Genuß des fabelhaften Mount Wroclai gekommen!

Die stärksten Momente hat ein Beirut-Konzert, wenn es ordentlich scheppert, wenn dem Publikum Breitseite um Breitseite Blechbläser um die Ohren gehauen werden. Mit dem Einsatz von teilweise gleich drei Trompeten gleichzeitig lagen Beirut eh mitten im diesjährigen Haldern Trend. Es gibt nämlich jedes Jahr das eine dominierende Instrument. Im vorletzten Jahr waren Geigen in, 2009 Loopmaschinen und jetzt Blasinstrumente, vor allem aus Blech.

Auch wenn viele Lieder, die gespielt wurden, laut arrangiert waren - Ruhiges wie
A Sunday smile bildete die Ausnahme - fehlte dem Konzert selbst das ein oder andere Dezibel. Oft war der amerikanische Sänger schlechter zu verstehen als die holländischen Frauen neben mir. Was helfen da die schönsten Instrumentierungen und die schmachtendsten Gesangseinlagen, wenn sie mangels Lautstärke flach klingen?

So leise, auch im Verhältnis Stimme zu Instrumenten, wirkt pompöse Musik nicht, der Auftritt lief weitestgehend ins Leere. Dabei waren im Set genug Lieder, die ein wahnsinnig tolles Konzert garantiert hätten. Ein wenig war der zweite Abend dann also auch wieder wie der Donnerstag - es hatte etwas von Leinwand-Konzerten.

Vielleicht wirkte Beirut aber auch deshalb etwas flach, weil vorher Marcus Mumford & Sons den Maßstab verflucht hoch angesetzt hatten, kein Wunder also, daß der Headliner auch eine Ecke weniger Besucher als die Band vorher hatte!


Setlist Beirut, Haldern-Festival:

01: Nantes
02: The shrew
03: Mimizan
04: Elephant gun
05: Postcards from Italy
06: Scenic world
07: East Harlem
08: Cocec
09: The concubine
10: Cherbourg
11: The Akara
12: A Sunday smile
13: Closing song
14: The penalty
15: Mount Wroclai (Idle days)
16: The Gulag Orkestar

17: Carousels (Z)



Donnerstag, 13. August 2009

Beirut, Köln, 12.08.09

13 Kommentare

Konzert: Beirut
Ort: Philharmonie Köln (c/o pop)
Datum: 12.08.2009
Zuschauer: nicht ganz ausverkauft (vielleicht 1.800)
Dauer: Beirut gut 85 min, Johannes Stankowski und Band 35 min


Richtig warm geworden bin ich mit Zach Condons Beirut bisher nicht. Die Musik des Amerikaners ist besonders, gar keine Frage. Aber der Funke, der dafür gesorgt hätte, daß Beirut eine größere Rolle in meinem Hörverhalten gespielt hätte, ist nie übergesprungen - und das, obwohl es kaum jemand so meisterhaft beherrscht, seinen Stücken großartige Namen zu geben! Trotzdem wollte ich mir Beirut natürlich ansehen, denn oft begeistern Bands mit solch wuchtigem Sound ja erst live richtig. 2007 fiel Zachs Stimme, 2008 der Rest aus; Chancen, die Balkan-Folk-Pop Band im Rhineland zu sehen, gab es nicht.

Als dann die c/o pop ein Beirut Konzert im der Kölner Philharmonie ankündigte, funktionierte bei mir wohl erst einmal das sozialpyschologische Prinzip der Knappheit: schwer zu sehen -> also kaufen... Aber in meinem schlanken Konzertkalender waren ganz ehrlich sehr viele andere Abende, von denen ich mir (fürs Herz) mehr versprach. Ok, Philharmonie und eine Band, die ich immer schon mal erleben wollte, ist schon toll, Lieblinge wie Noah And The Whale oder Saint Etienne endlich einmal zu sehen, Nummern besser.

So ungefähr war meine Erwartungshaltung.

Das Ambiente war ähnlich, die Stimmung weit weniger feierlich-entrückt als bei Antony And The Johnsons im April in der Alten Oper in Frankfurt. Los ging es relativ pünktlich mit Johannes Stankowski und Band aus Köln. Den Sänger hatte ich bisher nur mit seiner alten Band Werle & Stankowski gesehen. Das gefiel mir gut, denn die Mischung aus ganz reduzierter Gitarrenmusik mit elektrischen Beats, schöne Melodien und eine gute Stimme machte schöne Musik.

Auch wenn Johannes Stankowski und Band Sachen von Werle & Stankowski gespielt haben (das grandiose Lady Grey!), klingt die Band heute nach einer amerikanischen
Band. Gäbe es nicht Johannes' großartige kölsche Ansagestimme, hätte man die Band auch für Freund von Zach aus New Mexico halten können. Perfektioniert wurde dieser Eindruck am Ende durch den Einsatz einer knallroten Steelguitar (oder so - hier spricht der nicht-Musiker). Aber auch die meisten Lieder klangen nach amerikanischen Referenzbands, nicht nach Köln. Johannes' Band hatte zumindest auf einer Position ein mir bekanntes Gesicht, Tasteninstrumente spielt der Wolke Keyboarder Benedikt Filleböck. Komplettiert wird die Gruppe durch Daniel Schaub (Basse), Dan Enderer (Schlagzeug) und Phillip Tielsch (Gitarre). Die Setlist bekomme ich wohl leider nicht zusammen...

Nachdem wir die Pause mit Getränken verbracht hatten, wurde es um zwanzig nach
neun spannend. Also unser Grübeln, wie viele Musiker Zach wohl mitbringen würde. Da standen nämlich viel zu wenige Mikros... Wie soll man denn den wuchtigen Balkan-Mexiko-Sound mit fünf oder sechs Hansels erzeugen? Obwohl die Philharmonie eine grandiose Akustik hat, schien das doch ein wenig dünn zu sein. Wir kamen zu dem Schluß, daß das große mexikanische Orchester wohl rechts oder links der Band aufgebaut werden müsse.

Es kamen dann aber wirklich "nur" sechs Musiker, und alle hatten Instrumente, die sie in richtigen Rockbands zu Außenseitern machen würden. (Kontra)bass,
Trompeten, Akkordeon, Posaune, Glockenspiel, Hörner, Tuba, eine Ukulele und ein ganz merkwürdig abgespecktes Schlagzeug (waren da neben der Bassdrum und einer kleinen Trommel wirklich keine anderen?).

Der Anfang des ersten Stücks Nantes hörte sich schon vielversprechend an. Die Akustik des Saals erzeugte dann aber dann erst mit dem Einsetzen der Bläser den ganz großen Effekt. Die perfekte Abmischung der Stimmen mit den lauten Instrumenten, einfach atemberaubend!

Schon bei The Shrew, einem der "mexikanischen" Lieder von der Doppel-EP March Of The Zapotec / Holland klatschte der halbe Saal mit und juchzte, als die mittelamerikanischen Tröten einsetzten! Wie fabelhaft! Ein zu unrecht von mir bisher weitestgehend ignoriertes Lied!

Egal von welcher Platte, alle Stücke begeisterten mich. Die lauten sicher mehr als ruhigere Sachen wie Elephant gun. Zwischendurch kündigte Zach ein Serge Gainsbourg Cover an. Auch auf die Gefahr hin, daß mich jetzt Blitze treffen -
La Javanaise war das schwächste Stück des Abends.

Die besten des normalen Teils des Konzerts waren für mich das abschließende
After the curtain, The Shrew und Mount Wroclai. "Normaler Teil" eines Konzerts ist in meinem Sprachgebrauch eigentlich alles vor den Zugaben. Hier hat das aber durchaus noch eine weitere Bedeutung. Denn nicht nur die Setlist betreffend, änderte sich jetzt einiges. Während bei den ersten Liedern sich nur die (wegen ihrer schrecklichen Jackets armen) Ordner bewegten, durchzuckte es mit den ersten Zugaben immer mehr Leute, nach und nach stand das Publikum auf und feierte die drei offenbar geplanten Zugaben The penalty, Carousels und Siki siki baba. Ein sehr schöner, vor allem würdiger Abschluß eines wirklich vollkommen überzeugenden Konzerts! Vermutlich eines der besten des Jahres! Überall glückliche Gesichter! Hätte es so geendet, alles wäre gut gewesen!

Aber Zach hatte vorher wohl nicht gelogen, als er nach dem üblichen "schön, in Köln zu sein" (Rockstar-Lexikon, Seite 15) noch zufügte, daß er Köln lieber möge als Berlin. Denn nach langem Klatschen kamen die Amerikaner wirklich noch einmal
wieder, auch zum Erstaunen des Tourmanagers oder Roadies. Das nächste Lied habe man sehr lange nicht gespielt, man wolle es aber versuchen. Und "versuchen" war wohl das Stichwort...

Irgendwer links vor mir fragte dann ziemlich schüchtern die Band, ob man auf die Bühne klettern dürfe zum Tanzen. Kein Problem! Und plötzlich kletterten rechts und links zig Menschen auf die ehrwürdige Bühne, bildeten einen Halbkreis um Beirut, klatschten und tanzten und verwandelten das ernste Gebäude in eine Partybude! Krawall und Remmidemmi! Es war unglaublich toll!

Und es hörte nicht auf, denn nach Rhineland (ungeschlagen bestes Lied des Abends), stimmten die sichtlich angetanen Musiker My night with the prostitute from Marseille an. Und nein, es gab keinen Grund, da schon Angst vor dem Ende zu haben. Denn auch The Gulag Orkestar spielten Zach und Kollegen noch.

Und als dann endgültig Schluß war, schüttelten
Tänzer und Musiker sich die Hände, bedankten sich die Leute am Bühnenrand mit Umarmungen von der Band, die uns einen irren Abend mit den besten letzten Minuten geschenkt hatte! Der Auftritt wird übrigbleiben im Konzertgedächtnis!

Setlist Beirut, Philharmonie Köln, c/o pop:

01: Nantes
02: Mimizan
03: The Shrew
04: Elephant gun
05: The concubine
06: Mount Wroclai
07: La Javanaise (Serge Gainsbourg Cover)
08: Postcards from Italy
09: Cocek (instrumental)
10: Scenic world
11: Cherbourg
12: The Akara
13: A sunday smile
14: After the curtain

15: The penalty (Z)
16: Carousels (Z)
17: Siki siki baba (Z)

18: Rhineland (Heartland) (Z)
19:
My night with the prostitute from Marseille (Z)
20: The Gulag Orkestar (Z)

Links:

- Beirut am 12.05.09 in Paris
- und am 27.11.07 auch dort
- und schließlich am 12.11.07 im Olympia in Paris
- mehr Fotos von Beirut in der Philharmonie



Mittwoch, 13. Mai 2009

Beirut, Paris, 12.05.09

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Konzert: Beirut (Mina Tindle)

Ort: Le Bataclan, Paris
Datum: 12.05.2009
Zuschauer: ausverkauft
Konzertdauer: Beirut: ca.75 Minuten, Mina Tindle: ca 30-35 Minuten




Zach Condon alias Beirut hat vor ausverkauftem Haus im Pariser Bataclan ein erwartet gutes und erlesenes Konzert geboten. Auch die Stimmung war weitestgehend hervorragend, allerdings gab es ab und zu auch ein paar kleinere Hänger. Ich persönlich habe nach einer gewissen Zeit eine nicht so leicht zu definierende Monotonie empfunden, die ich mir dadurch erkläre, daß die einzelnen Stücke sich nicht großartig voneinander unterscheiden und Zach stimmlich oft in der gleichen Tonlage singt. Aber das ändert nichts daran, daß der junge amerikanische Trompeter ein großes Talent ist und heute auch sein berühmt-berüchtigtes Lampenfieber gut im Griff hatte (er scherzte sogar auf französisch: "Wir kommen gerade aus Mexico, aber wenn wir euch nun mt irgendwelchen Krankheiten anstecken, ist das eure Schuld, ihr habt ja schließlich die Ticktes gekauft!") Ich muß abwarten, wie stark mich das Konzert in den nächsten Tagen noch gedanklich beschäftigen wird, zur Zeit sehe ich keine Top Ten Platzierung im Jahresend-Ranking.


Die Französin Mina Tindle, die mit ihren Musikerfreuden das Vorprogramm bestritt, hat allerdings sehr gute Chancen auf die Krone der besten Vorgruppe des Jahres!

Setlist Beirut, Le Bataclan, Paris:

01: Nantes
02: The Shrew
03: Elephant Gun
04: The Concubine
05: Mount Wroclai (Idle Days)
06: La Javanaise (Serge Gainsbourg Cover)
07: Postcards From Italy
08: Mimizan
09: Cocek
10: Scenic World
11: Cherbourg
12: The Akara
13: A Sunday Smile
14: After The Curtain

15: The Penalty (Z)
16: My Wife (Z)
17: My Night With The Prostitute From Marseille (Z)
18: The Gulag Orkestar (Z)

18: Brazil
19: Siki Siki Baba (Kocani Orchestra Cover)

Setlist Mina Tindle, Le Bataclan, Paris:

01: Tom's Rider
02: To Carry Many Small Things
03: The Good
04: Apple
05: The Kingdom
06: Too Loud
07: Lovely Day
08: Austin

Pour nos lecteurs français:
Un bon concert d'un musicien doué et attachant! Mais j'avoue que j'avais mieux aimé le concert de Zach Condon alias Beirut à L'Olympia pendant le Festival des Inrocks 2007. Pour plusieures raisons: D'une part il faisait une chaleur à mourir au Bataclan et ce n'était pas vraiment un plaisir de transpirer à ce point. D'autre part le concert , qui avait commencé par le fabuleux Nantes à connu quelques passages un peu moins passionnantes, ce qui s'explique par le fait que sur une longeur de 80 minutes les rythmes à l'accordéon et à la trompette sont un petit peu repetitives. Mais bon, sinon il n'y avait pas beaucoup de raisons de se plaindre. Zach était trés gentil et il a fait l'effort de parler en français, évoquant qu'ils venaient de rentrer de la Mexique et qu'en cas de transmission de maladie ce n'est pas sa faute, parce que les spectateurs ont choisi volontairement d'assister à ce concert! Il a même chanté dans la langue de Molière quand il a repris La Javanaise de Gainsbourg, mais là aussi, j'ai préféré Le Moribond de Brel, morceau qu'il avait interprété à L'Olympia.

Sinon, les meilleures chansons venaient pour moi des deux premiers albums. J'ai adoré Postcards from Italy, interprete´à l'Ukulele et l'euphorisant (malgré sa melancholie des Balkans) Mount Wroclai et puis Nantes et A Sunday Smile ( de l'album The Flying Club Cup). Du dernier disque March Of The Zapotec je choisirais plutôt My Night With The Prostitute From Marseille.

Et vous, vous avez aimé ce concert?
Et qu'est- ce que vous dites à propos de Mina Tindle qui a fait la première partie comme à Bruxelles le 6 mai? Moi, j'ai adoré! Je trouve qu'elle a un talent extraordinaire, une voix folk/jazz à faire rougir Feist (Pauline chante beaucoup mieux que Leslie Feist en fait!) et des chansons sublimes! Entouré d'un très bon groupe, composé de Maxime (membre également de Toy Fight et Please Don't Blame Mexico, deux groupes chouettissimes) au piano, Oliver Marguerit (il joue dans des groupes magnifiques comme Syd Matters, Chicros, Fugu et sûrtout My Girlfriend Is Better Than Yours) à la batterie, JP Nataf (tout le monde connait ses albums, mais il participe aussi aux concerts des britanniques sousestimé The Mabuses) à la guitare et au Banjo et Sidi Ali (qui écrit sous ce nom aussi ses propres morceaux) , Mina a montré qu'elle a largement mérité d'être invité par Beirut (!) ce soir! Elle va aller loin, j'en suis persuadé, parce qu'elle a tout pour plaire. La voix, le jeux de guitare (et de la melodica), une écriture très mûre et raffinée, une charme incroyable et un très beau sourire. Félicitations à Mina et son groupe! Son premier 45 tour sort le 13 juin. Je vais l'acheter c'est sûr, il y aura son tube The Kingdom dessus et Austin en face b. À cette occasion elle donnera un concert au Divan Du Monde, le 13 juin. Il ne faut pas rater ça!

Links:


-Fotos von Beirut, Bataclan, Paris hier
- Fotos von Mina Tindle hier
Beirut live @ Bataclan, Paris by Rockerparis. English review also on Rockerparis

Aus unserem Archiv:

Beirut, Festival des Inrocks, Olympia, Paris, 12.11.2007 hier
Mina Tindle, L'International, Paris, 14.04.2009 hier und in der Pariser Flèche d'or am 13.01.2009 hier
zusammen mit Toy Fight im Mains D'Oeuvres am 04.05.2009 hier und ebenfalls mit Toy Fight im International am 26.02.2009 hier



Mittwoch, 28. November 2007

Beirut, Paris, 27.11.07

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Konzert: Beirut

Ort: Studios von Canal + bei Paris ("Album de la semaine")
Datum: 27.11.2007
Zuschauer: bis auf en letzten Platz besetzt
Wo war Oliver?: zu Hause!



Es gibt Leute, die einfach mehr Power als ich haben. Die Französin Marguerite z.B. Arbeitet den ganzen Tag sehr hart, läßt aber abends nie ein Konzert aus. Bravo für diese Ausdauer! Weil sie weiß, daß ich Beirut mag und Setlisten sammele, hat sie mir diese zugeschickt. Merci!

Setlist Beirut, Canal +, Album de la semaine:

01: Nantes
02: Scenic World
03: A Sunday Smile
04: Mt. Wroclai
05: Forks And Knives (La Fête)
06: In The Mausoleum
07: The Penalty

08: Postcards From Italy (auf Wunsch von Marguerite)

Kurios: Drei Titel wurden wohl 2x gespielt!

Setlist Beirut, Black Session, France Inter, Paris (merci à Stéphane!)

01: Nantes
02: Brandenburg
03: A Sunday Smile
04: Scenic World
05: Mount Wroclai
06: In The Mausoleum
07: Forks and Knives (La fête)
08: Elephant Gun
09: The Penalty
10: After The Curtain
11: Le Moribond (Brel Cover)
12: Postcards From Italy
13: Cherbourg
14: The Gulag Orkestar

15: Siki Siki Baba
16: Halleluyah



Dienstag, 13. November 2007

Beirut, Andrew Bird u.a., Paris, 12.11.07

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Konzert: Devendra Banhart, Andrew Bird, Beirut, Remi Nichole & Loney, Dear (welch grandiose Bestzung!)
Ort: L'Olympia, Paris (Festival Des Inrocks)
Datum: 12.11.2207
Zuschauer: ausverkauft, logisch!


Die schönsten Dinge im Leben gehen leider immer am schnellsten zu Ende...

So auch das - wie immer - großartige "Festival Des Inrocks" in Paris (und anderen Städten Frankreichs). Allerdings wurde zum Abschluß am Montag im Olympia noch einmal ein regelrechtes Feuerwerk fabelhafter Musik gezündet. Ausnahmekünstler wie Loney, Dear, Beirut, Andrew Bird, Devendra Banhart gaben sich die Klinke (bzw. das Mikro) in die Hand, da konnte man wahrlich nicht meckern. Eher schon schwelgen und zwar zu wunderschönen Melodien und herzerweichendem Gesang.

Gleich zu Beginn wurde schon der Schwede Emil Svanängen aka Loney, Dear in den Ring geschickt und trotz der frühen Uhrzeit - ca. 18 Uhr - waren schon einige Leutchen da, die entweder faul auf ihren roten Theatersesseln saßen und das Schauspiel von oben betrachteten, oder aber auf dem Parkett vor der herrlichen Bühne standen und somit wesentlich näher dran waren. Selbstredend hatte ich mich ganz vorne postiert, schließlich wollte ich den lieben Emil, aber auch seine reizende Keyboarderin und Tambourinspielerin namens Malin Stählberg abknipsen. Und dann kamen sie auch schon, die Schweden, das beschriebene Pärchen, ein zusätzlicher Keyboarder und ein Schlagzeuger, der im Übrigen nicht mehr der Gleiche wie noch im August in Haldern war. Ansonsten gab es durchaus Parallelen zu dem tollen Festival am Niederrhein. Der Opener z.B., der war auch heute wieder das traurig-schöne "Life Has Been This Low". Man findet das Stück auf dem Album "The Year Of River Fontana", das es im Foyer des Olympia in dieser herrlich-amatuerhaften Auflage zu kaufen gab, die aussieht, als hätte sie Emil zu Hause selbst angefertigt. Sowieso alles mit Liebe gemacht bei dem Burschen, und wenn er anfängt zu singen und mit Inbrunst ins Mikro zu trällern, bin ich sowieso immer hin und weg. War heute auch nicht anders. Unglaublich wieviel Herz er da rein legt, er lebt seine Lieder, die Begeisterung ist förmlich ansteckend. Mit "I Am John" bringt er zur Abwechslung auch mal Stoff von "Loney, Noir" und schwört: "I never gonna let you down". Und wie sollte man solch einen Satz einem Lausbuben wie dem semmelblonden Schweden nicht abnehmen? Malin spielt hierzu süßlichste Glöckchen und übernimmt auch die "nanana-Parts". Ich bin augenblicklich gefesselt, könnte noch stundenlang zuhören. Leider bleibt aber nicht viel Zeit; nach dem herrlichen "Carrying A Stone" verliest Emil einen Zettel, er klingt dabei sehr offiziell: "Dear Citizens Of France, I have an announcement to make: please sing with me!" Und in der Tat, die immer etwas schüchternen Franzosen sind nicht abgeneigt mitzusummen, als das walzerartige "Warm, Dark, Comforting Night" ertönt. Der Schwede hat es geschafft, innerhalb kürzester Zeit Sympathien zu gewinnen, überall sieht man gerührte und lächelnde Gesichter. "We are so happy to be here, honestly", platzt es dann auch mehrfach aus dem Sänger heraus und ich glaube ihm aufs Wort. Zum Abschluß gibt er dann noch folgendes mit auf den Weg: "Here's a song we like and we hope you'll like it, too!". "Ignorant Boy, Beautiful Girl" heißt besagtes Lied und natürlich lieben es die Zuschauer auch. Glaube ich zumindest. Ich jedenfalls kann gar nicht mehr aufhören "manamamama" zu singen und bin traurig, daß der rote Vorhang anschließend fällt. Loney, Dear müssen mir versprechen, wiederzukommen, ansonsten fahr ich ihnen halt eben hinterher. Und wenn ich dafür bis nach Schweden fahren muß...

Goodbye, Emil!

Setlist Loney, Dear, Olympia, Paris, Festival Des Inrocks:

01: Life Has Been This Low
02: I Am John
03: neu
04: neu
05: Carrying A Stone
06: Warm, Dark, Comforting Night
07: Ignorant Boy, Beautiful Girl

Möglicherweise wurde wie in Haldern "Harsh Words" gespielt, ein neues Stück.

Link: Mehr Photos von Loney, Dear hier

Nach Loney, Dear ist eine junge Künstlerin dran, von der ich bisher nur gelesen hatte. Remi Nichole heißt die flotte junge Dame, die so schön schlank ist, daß ihre Gitarre fast zu wuchtig an ihr aussieht. Die Engländerin ist seit geraumer Zeit ein Thema im britischen NME und da werden nun einmal Karrieren gehypt, oder aber auch verhindert, allerdings am ehesten dadurch, daß Künstler einfach nicht erwähnt werden. Die gute Remi wird aber immer ganz wohlwollend besprochen und nach Glasto hat sie es auch schon gebracht. Kann eine Laufbahn verheißungsvoller starten? - Wohl kaum! Aber verdient sie auch die Komplimente? Zunächst einmal verblüfft sie die Zuschauer mit einem extrem rockigen Stück, obwohl man sie doch eher für eine Folk-Sängerin gehalten hätte. Die Kleine legt so wild los, daß sie aus dem Takt kommt und neu starten muß. Das bringt sie und die Pariser zum Schmunzeln. Überhaupt haben wir es hier mit einer lebenslustigen Frau zu tun, die von männlichen Kollegen musikalisch unterstützt wird, am heutigen Abend. Sie habe heute Schuhe in der Stadt gekauft, läßt sie verlauten. Auch den Preis der Neuanschaffung erfahren wir: 35 € sollen die Treterchen gekostet haben. Damit sammelt sie Punkte bei mir, welche trendige Frau kauft schon solch günstigen Schuhe? Hätte ich die Lady doch bloß früher getroffen...

Im Louvre war sie übrigens auch und auf dem Eiffelturm, klar junge Musiker müssen fremde Städte auch erst einmal erkunden. Ansonsten zieht sie ein kurzweiliges und auch recht kurzes Set durch, kommt auch mal mit ihrer Setlist durcheinander und will "Fed Up" zu früh spielen. Macht nichts, man kennt hier eh ihre Songs noch nicht. Sie wiederum kennt sich in der Landessprache nicht so gut aus. "Voulez vous couchez avec moi" ist der einzige Satz, den sie beherrscht, erklärt sie unbeschwert. Auch gut, direkte Frauen trifft man selten. Musikalisch hält sich die Begeisterung meinerseits hingegen einigermaßen in Grenzen. Sie spielt eine bunte Mischung aus Rock, Folk und zuweilen Reggae, der aber manchmal der Spritzer Genialität fehlt. Brauchbar ist das trotzdem und mit dem Lied "Rock 'n Roll" gelingt ihr auch noch ein guter Abgang.

Dann entschwindet sie und alle warten gespannt auf den kleinen amerikanischen Trompeter-Prinzen Zach Gordon aka Beirut und seine Band. Ich drücke fest die Daumen, daß diesmal bei ihm alles in Ordung ist. Vor ziemlich genau einem Jahr hatte das junge Talent seinen Auftritt beim Festival des Inrocks 2006 kurzfristig absagen müßen und verbrachte den Abend in der Pariser Psychartrie statt auf der Bühne der Boule Noire. Was war passiert? Anscheinend war der Nachwuchsmusiker vom Touren völlig erschöpft und auch das Lampenfieber muß schlimm gewesen sein. Aber zum Glück bekam er eine zweite Chance und konnte im ungleich größeren Olympia zeigen, was in ihm steckt. Und das ist eine ganze Menge! Von Beginn an war von Nervosität oder gar Panikattacken zumindest äußerlich nichts zu spüren, und er und seine Band trafen alle Töne. Zahlreich waren sie einmarschiert, und mit etlichen Blasinstrumenten (Tuba, Horn, Trompeten, Klarinette, Saxofon), Streichinstrumenten (eine weibliche Violinistin) und natürlich auch Banjos, Gitarren und Ukulelen wurde von insgesamt acht Künstlern ein himmlicher Sound erzeugt. Auch ein Akkordeon durfte natürlich nicht fehlen. Mit "Nantes" ging es los und somit wurde thematisch gleich ins Thema Frankreich eingestiegen. Wenn er nicht durch die Weltgeschichte tourt, ist Zach Gordon nämlich inzwischen in Paris wohnhaft und dies hat sich natürlich auch auf sein zweites und neues Album "The Flying Club Cup" ausgewirkt. Von dem spielte er aber interessanterweise gerade einmal drei Titel. Neben dem zitierten Opener später auch noch "A Sunday Smile" und "Forks And Knives". Dennoch: der Amerikaner ist ein richtiger kleiner Franzose geworden. Mit der Pariser Blogothèque hat er eines der inzwischen berühmten Konzerte "Concerts à emporter" aufgenommen, die hübsch gemachte DVD gab es im Foyer des Olympia käuflich zu erwerben und ich freue mich schon auf tolle Unterhaltung. Die gab es aber natürlich auch im Saale selbst geboten. Herrlich, wenn die Bläser losschmetterten und eine gewisse Balkan-Melancholie an die Seine zauberten. Hinter mir sangen Franzosen laut die "ohoho-Passagen" mit und fingen fast an zu schunkeln. Heinz "der blaue Bock" Schenk hätte seine helle Freude gehabt. War aber auch schwer, sich dem Charme von Schmachtfetzen wie "A Sunday Smile" oder "Postcards From Italy" zu entziehen. Ich freute mich sehr, daß für Zach diesmal alles so reibungslos und harmonisch verlief, die Herzen der Pariser, sie flogen ihm zu! Aber auch seine großartige Band hatte großen Anteil am Gelingen des Ganzen, ohne die Unterstützung der Musiker wäre ein solch wuchtiger Sound nie zu produzieren gewesen. Besonders gut gefiel mir das beschwingte "Forks And Knives (La Fête), wozu man auch wieder wunderbar mitsummen konnte. Die Fete, sie fand in der Tat statt und wurde noch gekrönt durch eine Coverversion des legendären Jaques Brel, "Le Moribond", der früher auch schon im Olympia aufgetreten war. Auch er soll im übrigen Zeit seines Lebens unter extremen Lampenfieber gelitten haben, eine erstaunliche Parallele...

Nach leider nur elf Stücken war dann unter tosendem Beifall aber schon Schluß, mit dem "Gulag Orkestar" wurde jedoch noch einmal so richtig auf den Putz gehauen. Da schmetterten die Hörner wie wild und die Trompeten katapultierten mich in traumhafte Höhen. Zach Gordon hatte es geschafft: er hat das Olympia erobert und ist jetzt endgültig ein ganz Großer. Dieser Auftritt wird ihn unsterblich machen, genau wie sich einige Leute heute unsterblich in seine Musik verliebt haben.

Setlist Beirut Paris, Olympia, Festival Des Inrocks (merci à Stéphane!)

01: Nantes
02: Mount Wroclai (Idle Days)
03: Brandenburg
04: A Sunday Smile
05: Elephant Gun
06: Scenic World
07: Postcards From Italy
08: Forks And Knives (La Fête)
09: After The Curtain
10: Le Moribond (Jaques Brel Cover)
11: Gulag Orkestar


Nachdem Beirut und seine Band abgezogen waren,
wurde es im Olympia deutlich leerer. Viele Besucher waren wohl in erster Linie wegen seines Auftritts gekommen und sie hatten mit dieser Form der Prioritätensetzung natürlich nicht ganz Unrecht. Allerdings verabschiedeten sich wohl die wenigsten endgültig, sondern nahmen lediglich ihre Pause während des Konzertes von Andrew Bird, um dann zu dem abschließend auftretenden Devendra Banhart gestärkt in den Saal zurückzukehren. Für mich kam es allerdings gar nicht in die Tüte, meine Stellung aufzugeben. Andrew Bird ist einzigartig, da bleibt man doch am Ball!

Mit seiner Violine unter'm Arm kam der schlanke Mann dann auch schließlich hineinspaziert und er hatte auch noch zwei Musiker zur Verstärkung mit dabei.
Als ich den Amerikaner vor zwei Jahren das erste Mal in Paris live erlebt habe, begleitete ihn nur ein Drummer, den Rest, daß heißt Pfeifen, Violine- und Gitarre spielen, besorgte Andrew ganz alleine. Heuer gab es also einen dritten Mann, was Herrn Bird aber nicht davon abhielt, auf spektakuläre Weise zwischen Geige und Gitarre während ein und desselben Liedes zu wechseln. Sensationell!

Genau wie Beirut hat der Künstler einen gewissen Bezug zu Frankreich, wenngleich er im Gegensatz zu Zach Gordon nicht in Paris lebt.
In der wunderschönen französischen Kapitale ist aber sein Plattenlabel, Fargo, beheimatet. Konsequenz daraus ist, daß die Franzosen immer früher in den Genuß von Neuerscheinungen von Andrew Bird kommen als die Deutschen. Und gerade der letzte Output "Armchair Apocrypha" hat es in sich. Hiervon stammten dann auch die meisten Lieder des mit sieben Liedern leider viel zu kurzen Sets. "Fiery Crash" wurde gleich zu Beginn abgefeiert, gefolgt von "Plasticties", einem anderen neuen Glanzlicht. Mit "Lull" ging es dann aber zurück in den Back-Katalog des Ausnahmekünstlers und zwar zurück zum Album "Wheather Systems". Faszinierend wie Andrew hierzu vogelgleich pfiff, ich fragte mich ernsthaft wie er diese Töne erzeugt. Legt er sich etwa irgendetwas in den Mund, um so trällern zu können?...

Als er ausgeträllert hatte, zeigte er,daß er auch ein wenig französisch spricht, "Imitosis" kündigte er nämlich an mit: "c'est une chanson sur le scientifique".
Aha, also eine Wissenschaft für sich. Auffällig war für mich erneut, daß er bei diesem Lied singt wie der junge Sting, bloß, daß die Kompositionen von Herrn Bird natürlich wesentlich ausgeklügelter und besser sind. "We were all basically alone", wird da gesungen und wenn man recht überlegt, stimmt dieser Satz ja auch. Mit "Heretics" und dem glänzenden "Fake Plaindromes" wurden dann noch zwei Highlights aus dem Live-Standard Repertoire zum Besten gegeben, bevor es noch eine echte Überraschung zum Schluß gab. Der "Happy Birthday Song" vom Album "The Mysterious Production Of Eggs" wurde gespielt, ohne daß bekannt wurde, ob und wer denn eigentlich Geburtstag hatte. All dies bliebt mysteriös, um beim Albumtitel zu bleiben. Offensichtlicher war aber die Güte des Auftritts von Andrew Bird. Der war nämlich ohne Zweifel hervorragend!

Setlist Andrew Bird, Olympia, Paris, Festival Des Inrocks:

01: Fiery Crash
02: Plasticities
03: Lull
04: Imitosis
05: Heretics
06: Fake Palindromes
07: The Happy Birthday Song


Nach solch vielen grandiosen Künstlern war natürlich die Konzentrationsfähigkeit so langsam erschöpft, aber zumindest den Anfang von Devendra Banhart wollte ich mir nicht entgehen lassen. Schön wie ein junger Gott erschien der Liebling von Modedesigner Karl Lagerfeld dann schließlich auch auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Mit dabei war eine mehrköpfige Band, deren Mitglieder in punkto Optik Devendra nicht das Wasser reichen konnten. Dafür machten sie aber musikalisch einen sehr versierten Eindruck und plusterten die Kompositionen des Amerikaners ordentlich auf. Der "Chef" war guter Laune und witzelte darüber, daß heute ja schon so viele tolle Künstler aufgetreten seien, da müsse er doch mal was in negativer Hinsicht entgegensetzen. Natürlich war auch sein Auftritt qualitativ hochstehend, wenngleich ich nicht verhehlen will, daß ich mich nicht zu den Banhart-Fans zähle. Sein letztes Album "Smokey Rolls Down..." liegt mir zum Beispiel gar nicht vor. Insofern war ich mit dem, was heute gespielt wurde nicht so recht vertraut und kann deshalb auch keine Titel des Sets nennen. Mir schien es, als wären zumindest auch ein paar Sachen von "Cripple Crow" gebracht worden, aber die Hand ins Feuer legen will ich dafür nicht. Auf jeden Fall gab es auch Songs auf spanisch. Ihr seht schon, bei Herrn Banhart bin ich im Moment nicht so drin, der Mann ist Vielschreiber und nach dem Doppelschlag mit "Nino Rojo" und "Rejoicing In The Hands" hatte ich ein wenig den Faden verloren und lange nichts mehr von ihm auf meinem i-pod laufen lassen. Wahrscheinlich habe ich damit Unrecht, denn entgegen mancher Schmähkritiken scheint mir Devendra nicht bloß ein mediengeiler Neo-Hippie zu sein, der halbgaren Mist produziert. Seien wir ehrlich: der Mann polarisiert, manche finden ihn regelrecht zum Kotzen (darunter auch Musikerkollegen), andere vergöttern ihn geradezu. Ich nehme eine vermittelnde Position ein, halte ihn für talentiert und gut hörbar. Sein Universum war mir aber heute zu komplex, die Müdigkeit lag wie Blei auf meinen Gliedern und ich verließ vorzeitig das Olympia. Zuvor hatte aber eine junge Amerikanerin, die wohl in Paris lebt noch einen artig beklatschten Gastauftritt. Ihr charmantes Lächeln wird mir in guter Erinnerung bleiben, wie ohnehin der ganze Abend äußerst denkwürdig war.


 

Konzerttagebuch © 2010

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