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Mittwoch, 17. März 2010

The Hidden Cameras, Köln, 16.03.10

2 Kommentare

Konzert: The Hidden Cameras
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 16.03.2010
Zuschauer: knapp 100
Dauer: ca. 95 min


"We can't see you but we love you!" hätte eigentlich auch mein Motto des Abends sein können, denn nach drei brillanten Konzerten seit Samstag, wäre es vernünftig
gewesen, zu Hause zu bleiben und die Hidden Cameras nur aus der Ferne zu mögen. "Der Liebe Vernunft ist ohne Vernunft"*, also stand ich um neun zum dritten Mal in den letzten hundert Stunden im Gebäude 9.

Liebe zu den Hidden Cameras ist allerdings übertrieben. Ich mag die kanadische Band und sehe sie gerne live. Zwischen Konzerten findet sie allerdings in meiner Wahrnehmung selten statt. Das letzte Album der Hidden Cameras, das im September erschienen war, kannte ich noch gar nicht.

Als die heute zu siebt auftretenden Kanadier dann auf der Bühne standen, bereute ich aber nicht mehr, da zu sein. Die ersten Lieder kannte ich nicht, sie stammten alle von Origin:Orphan. Erst mit AWOO und Ode to self-publishing
kamen mir bekannte Töne.

Das widerspricht zwar all unseren sonst üblichen Ansprüchen hier, aber eigentlich war es heute auch egal, was gespielt wurde, Spaß machte die Spielfreude der Band,
obwohl leider wirklich wenig Zuschauer da waren (immerhin eine Steigerung zum letzten Konzert im Gloria, obwohl das eine ganz ganz große Show bot!).

Drei Akteure der siebenköpfigen Band ragten dabei (und bei allem) heraus: Sänger Joel Gibb natürlich, der glatzköpfige Geiger und Laura Barrett, die fabelhafte Keyboarderin, die ich solo als Vorgruppe von Scott Matthew gesehen hatte. Während der Geiger, dessen Namen ich leider nicht kenne, durch rumpelstilzchensches Hüpfen auffiel, ohne dabei seinen Job zu vernachlässigen, überzeugte Laura durch ihr gestenreiches Keyboard- (und Glockenspiel-) Spiel - und ihre glitzernden Leggins und Schuhe. Toll! Toll! Toll!

Ansonsten gab es einen Schlagzeuger, einen Bassisten und zwei Gitarristen, von denen einer auch (eigentlich meist) Trompete spielte. Aber so richtig fix ist da nichts, weder die Bandzusammensetzung noch die Instrumentierung. Es wurde zwar leider
nicht so lustig durchgemischt wir damals im Gloria, als in einem Lied spontan untereinander die Instrumente getauscht wurden, trotzdem spielten jeder mal etwas anderes. Und das können die auch alle!

Zu den "neuen" Liedern kann ich nicht viel sagen. Nicht alle waren sofort eingängig, manche etwas langweilig.
Underage erinnerte mich an Tarzan boy von Baltimora, das Rhythmusgerät, an dem Joel erst zwei falsche Rhythmen eingab, an den Lambada von Badesalz und Walk on an die Fleet Foxes (ich war ganz sicher, daß das ein Cover war, kam aber partout nicht drauf, von welchem Lied, bis ich hinterher merkte, daß es einfach stark an die amerikanischen Folkhippies erinnert).

Ganz toll von
Origin:Orphan war In the NA, bei dem die Hidden Cameras immer wieder gleichzeitig hüpften. Bei Jump (diesem verachtenswerten Lied, das früher immer in der Disko genervt hat) ist das Gehüpfe scheußlich, bei den Hidden Cameras war das einer der charmantesten Momente des Konzerts. Sensationell auch die Lieder, bei denen die Band eine Art Ersatzrefrain durch Schreien erzeugte! Oder das Schwanken aller Musiker von einer Seite zur anderen! Das hört sich alles vollkommen unspektakulär an, machte aber unendlich viel Spaß!

Zur Zugabe kam dann erst nur Laura Barrett, mit verbundenen Augen. Sie hatte offensichtlich einen Moment Angst, ihre Kollegen könnten sie alleine rausgeschickt haben. Aber auch die kamen "blind".
"We can't see you but we love you!", wie gesagt.

Nach dem fabelhaften
Hump from bending kam dann aber das ganz besondere Highlight des Abends. Das Lied ging in ein nächstes Stück über, das ich erst nach einem Moment erkannte, weil nicht alle Hidden Cameras akzentfrei deutsch sangen. Macht kaputt, was euch kaputt macht von Ton Steine Scherben spielten und sangen sie. Wie toll!

Auch wenn ich müde war, und nicht alle Lieder so aufregend waren wie die Zugaben, war das Konzert extrem kurzweilig. Daß das nur so wenige in Köln begeistert, ist äußerst schade!

Setlist The Hidden Cameras, Gebäude 9, Köln:

01: Origin:Orphan
02: Pencil case
03: Kingdome come
04: AWOO
05: Ode to self-publishing (fear of zine failure)
06: Mind, matter and waste
07: Bboy
08: The fear is on
09: Heaven turns to
10: He is the boss of me
11: Colour of a man
12: Walk on
13: Do I belong?
14: Follow these eyes
15: In the NA
16: Underage
17: The little bit
18: Death of a tune
19: Silence can be a headline

20: Smells like happiness (Z)
21: Hump from bending (Z)
22: Macht kaputt, was euch kaputt macht (Ton Steine Scherben Cover) (Z)

23: ??? (Z)**

Links:

- aus unserem Archiv
- The Hidden Cameras, Traunstein, 06.09.08
- The Hidden Cameras, Köln, 29.04.08
- The Hidden Cameras, Frankfurt, 18.07.07
- The Hidden Cameras, Paris, 10.10.06



* Shakespeare (und google - um ehrlich zu sein)
** bin nicht sicher bei der letzten Zugabe



Donnerstag, 11. September 2008

The Hidden Cameras, Traunstein, 06.09.08

0 Kommentare

Konzert: The Hidden Cameras

Ort: Metropolitain, Traunstein
Datum: 06.09.2008
Zuschauer: ca. 100 (Mehmet Scholl wurde nicht darunter gesichtet)
Konzertdauer: fast zwei Stunden



Dass Joel Gibb eine Zeitlang in Berlin lebte, hört man. Denn seine Aussprache und der Reichtum an deutschen Vokabeln ist gut. Sollten sich die Zuhörer und Zuseher mehr Richtung Bühne bewegen, sagte er: "Bitte, etwas näher spazieren!". Eine verschwitzte Stunde später fragte er gar, ob Traunstein bereit zum ausflippen wäre und hakte nach: "Wirklich, seid Ihr bereit?". Traunstein war bereit. wenngleich es auf vielen Seiten ein Zögern gab. Zunächst waren die ca. 100 Traunsteiner, daruntern vereinzelte Besucher aus Salzburg und extra aus München angereiste, skeptisch und ließen sich von den sechs Menschen auf der viel zu kleinen Bühne nur zum Kopfnicken und Fuß-Rhythmus-Schlagen anregen. Doch nachdem man näher zueinander gerückt war, die Musiker um Joel Gibb und er höchstselbst immer wieder die Bühnengrenze Richtung Auditorium überschritten hatten, gab es für die cCowd kein halten mehr. Gehüpft wurde, unverdrossen getanzt und die animierten Armbewegungen wurden nachgewunken, -geschwenkt.

Wer glaubte, dass es sich um einen Irrtum handelte, dass die Band aus Toronto, die vor allem mit ihrem Auftritt im Olympiastadion zum Abschiedsspiel des dauerverletzten und angeblichen Indie-Musik-Fetischisten Scholl für Furore sorgten, wirklich in Traunstein auflaufen würde, hatte sich schwer getäuscht. Der kleine Club "Metropolitain", unscheinbar in einer bahnhofnahen Seitenstraße liegend, hatte laut Tourmanager The Hidden Cameras angefordert und die waren bereit für einen Ausflug in die bajuwarische Provinz. Wer von den Anwesenden im vorhinein gewußt hatte, mit wem er es zu tun bekommen sollte, war sicher an einer Hand abzuzählen. Genauso herrschte vermutlich Unwissenheit darüber, dass sich die Band seit vielen jahren aktiv in der Lesben- und Schwulenszene zeigt und vielerorts dem Queerpop zugeordnet wird (sie selbst nannten es gern auch gay church folk). davon abgesehen, würde sich heute mittag manches junge Ding an den Kopf schlagen, wenn es wüsste, dass der verschwitzte Kerl von gestern nacht lieber mit Jungs in die Falle schlüpft als mit Mädels.
Dass das widerum an diesem Abend keine Rolle spielte, ist einer in Entwicklung befindlichen Band zu verdanken, die weniger offensiv mit ihren Idealen, Wünschen, Vorstellungen und Meinungen umgeht.
Gestern mit am Start: Jens aus München am Bass, meist unscheinbar im Hintergrund stehend, sorgte er auch für Backgroundgesang und wildes Rufen, das zwischendurch immer wieder nottat, um textliche Avancen zu unterstützen. Markus, ebenfalls aus München, das Küken der Band, bediente die Drums, sehr sehr versiert steuerte er durch das anspruchsvolle, sich vor allem immer wieder durch Tempiwechsel auszeichnende Programm. Jamie Mccarthy, der "platterte" Violinist, war neben dem Sänger Gibb der Auffälligste. Er verliert sich unmittelbar in der Musik und musste obacht geben, dass er mit seinem Bogen im wilden Tanz niemanden aufspießte. Sehr virtuos sein Spiel, sehr freundlich seine Gesten, wie überhaupt der Kontakt der Band intra- und interpersonell beispiellos war. Ivan spielte das Cello, ein junger, hübscher Kerl, der sein Gerät, groß wie es war, auch hochriss, um die wilden Bewegungen seiner Kollegen mitzugehen. Ein Kraftakt allenthalben, aber auch ein Zeichen für den starken Zusammenhalt der sechs. Laura barrett wurde vermisst. Sie bedient sonst das Keyboard. Für sie eingesprungen: ein junger Wiener, der spindeldürre, mit Matrosenhut bemützte, verdichtete den Sound, der anfangs sehr nach Electropop klang, sich zunehmend aber etwas entzweite, um einen folkigeren Charakter anzunehmen.
Mit "Awoo" an früher prominenter Stelle wurde zügig ein Hit zum Besten gegeben. Aber auf das in 2006 veröffentlichte Album gleichen Namens verließ sich the hidden cameras nicht. Alle vier Longplayer kamen zu Gehör. Ob Highlights wie "Golden Streams" oder "Smells Like Happiness" vom 03er "The Smell Of Our Own" über "High Upon The Churchground" (das herrlich mit "macht kaputt, was Euch kaputt macht" verschmolzen wurde) und "The International m.m.a. The Mild Mannered Army" vom Debut "Ecce Homo" bis zu "Music Is My Boyfriend" von "Mississauga Goddam" von 2004 sowie "Death Of A Tune" und dem sagenhaften, die Zugabe abschließenden "Lollipop" vom Album "Awoo". Das insgesamt fast zweistündige Konzert versüsste einen schönen Abend, eine belebte Nacht und ließ die Rückfahrt kürzer erscheinen, als die langwierige Anreise verhieß. Wer auch immer in Traunstein und Umgebung am 06.09./07.09. eine Kneipe besuchte, den heimischen Fernseher bewachte oder vor dem Computer nach Partnern suchte, hatte ein ausgezeichnetes Konzert verpasst.

Danke für den lebendigen Bericht an Eike vom Klienicum!


Setlist The Hidden Cameras, Traunstein:

01: Origin
02: In The ...
03: Awoo
04: Heji-Bboy
05: Fear Is On
06: Day Is Dawning/Learning The Lie
07: A Miracle
08: The Falls
09: Smells Like Happiness
10: Death Of A Tune
11: Breathe On It
12: Golden Streams
13: Ban Marriage
14: Music Is My Boyfriend
15: High Upon The Churchground
16: Macht Kaputt, Was Euch Kaputt Macht!

17: The International M.M.A. the Mild Mannered Army/Hump From Bending
18: Lollipop




Mittwoch, 30. April 2008

The Hidden Cameras, Köln, 29.04.08

1 Kommentare

Konzert: The Hidden Cameras

Ort: Gloria, Köln
Datum: 29.04.2008
Zuschauer: ca. 50
Konzertdauer: 115 min.


Das wäre übel für uns ausgegangen, hätten sie ernstgemacht. Das Standardwerk für das Überleben unter Untoten, "The Zombie Survival Guide" von Max Brooks, betont immer wieder, daß entscheidend bei einem Angriff ist, daß man den Zombies in ausreichend großer Gruppenstärke begegnet. "As with any type of combat, undead warfare should never be a solo mission." [...] "Working together, always together, has shown to be the only successful strategy for annihilating an undead army."1

Im Gloria wäre das Verhältnis Zombie-Nichtzombie 1:2 gewesen, denn nur 50 Zuschauer verteilten sich in dem großen Saal, um die Hidden Cameras zu sehen. Daß das Gloria an einem Dienstagabend nicht unbedingt ausverkauft sein würde, konnte ich mir vorstellen, daß allerdings so gut wie niemand zu einer Band kommt, die gemeinsam mit dem "Münchner2 Fußballchor" auftreten wollte, habe ich im Leben nicht erwartet. Vom Konzert in München vor ein paar Tagen hatte ich gehört, wie
grandios die Show gewesen ist. Die Hidden Cameras spielten da anfangs ein ganz normales Konzert, wurden dann von Zombies angegriffen, die mitten im Lied die Kontrolle über die Instrumente übernahmen und weiterspielten, bis die durch den Kampf gezeichnete Band wieder durch den Saal zurückkam und auf die Bühne stieg. Darauf war ich sehr gespannt.

Allerdings ließ sich dieses Konzept3 4 vor einer Handvoll Zuschauer wohl nicht umsetzen. Noch kurz vor Beginn des Konzerts liefen Musiker der Band und Mastermind Joel Gibbs immer wieder durch den Saal und stimmten sich ab. Dabei wurde dann wohl auch entschieden, einen ganz normalen Gig zu spielen, sofern man bei der kanadischen
Band von normalen Konzerten sprechen kann. Die schon ausgelegten Setlisten wurden noch schnell ausgetauscht.

Um 21.20 Uhr kamen dann nach und nach Musiker auf die Bühne und begannen ihren Job. Im Verlauf des ersten Lieds standen schließlich elf Hidden Cameras an
ihren Instrumenten. Neben Sänger und Gitarrist Joel Gibbs waren das drei Streicher (Cello, Violine und Viola), Bassist, Trompeter, Schlagzeuger, zwei Keyboarderinnen und zwei Keyboarder. Der Aufbau erinnerte an einem Musikgeschäft mit großer Tasteninstrument-Abteilung. Neben den vielen Keyboards waren noch diverse Sampler und mehrere Glockenspiele vorhanden, zum Beispiel ein stationäres, das ich gerne als Souvenir mitgenommen hätte.

Schon bei den ersten Liedern passierte nicht nur musikalisch vieles auf der Bühne. Die beiden Keyboarderinnen (die einzigen Frauen vorerst im Ensemble) und ihr Trompeter-Kollege tauchten immer wieder unter ihre Instrumente, hockten dann kurz am Boden, spielten dabei aber auch teilweise weiter.

Nach "Follow these eyes", dem zweiten Stück des Abends, tauchten die ersten "Zombies" auf, die weiße geschminkte Gesichter mit schwarzen
Augen und zugenäht-gemalten Mündern hatten. Sie trugen kurze Kaputzencapes, die die Band schon im Frankfurter Bett anhatte, als ich sie erstmals gesehen habe - in Frankfurt waren übrigens damals zumindest nicht weniger Besucher.

Die Zombies stellten sich in den Bühnenhintergrund und sangen mit. Das war also vermutlich der Münchner Fußballchor. Bei "B-boy" erschienen dann die nächsten Zombies, einer von denen spielte mittlerweile ab und an Gitarre. Wenn ich mich nicht verzählt habe, standen in der Spitze 17 Musiker auf der Gloria-Bühne. Aber die standen nicht nur, sie machten alles mögliche. Plötzlich hockte die Keyboardergruppe auf dem Boden und stampfte mit Händen und Füßen. Bei "Heji" danach standen die Musiker immer wieder wie eingefroren still, um dann anschließend weiterzuspielen. Oder sie spielten Zombies
und streckten die Arme nach vorne, ohne aber ihre eigentlichen Jobs zu vergessen.

Besonders viel Spaß bei all dem hatten (und machten) die beiden Frauen und der Trompeter (Namen kann ich wirklich keine liefern, die Besetzung schien wieder ganz anders als in Frankfurt). Eine der Keyboarderinnen erinnerte mich äußerlich an Chelsea Clinton, aber das ist nun wirklich gemein und überflüssig oberflächlich.

Die drei von den Keyboards wechselten sich auch am Glockenspiel ab. Erst spielte
Chelsea, dann ihre besonders quirlige Nachbarin, schließlich der Trompetenmann. Aber das war erst der Anfang...

So spielten sich die Kanadier (die aber auch deutsche Bandmitglieder hatten) durch das Programm und hatten offenbar trotz des leeren Hauses Spaß. Mir hat der leere Saal schon viel Freude genommen, es war aber nicht der Band anzulasten, denn die lieferte ganz große Unterhaltung. Nach der ein oder anderen Korrektur ("kommt doch mal weiter nach vorne") waren sie auch
einigermaßen zufrieden mit uns. Einigermaßen, denn nach "Learning to lie" bat uns Joes, doch mal ausgelassener zu tanzen. Um uns das zu erleichtern, zogen alle Musiker (und Zombies) Augenbinden an und spielten blind!

Es hat so viel Spaß gemacht, der Band zuzusehen, es war ein herrlicher Kindergeburtstag. Die Tastenleute griffen sich gegenseitig in die Instrumente, so als hießen sie alle Campesinos! mit Nachnamen, tanzten hin und her.

Dann wieder ein Mitmachpart. Die Keyboarderin, die nicht wie Chelsea Clinton
aussieht, erklärte einen kurzen Tanz (so ein macarenaähnliches Zeugs), das Zombies dann am Bühnenrand vortanzten. So richtig prall ist die Wirkung nicht, wenn gerade mal eine Handvoll Publikum da ist, die Kanadier ließen sich aber ihren Spaß nicht nehmen.

"Silence", ein wunderbares, mir vorher unbekanntes Stück, bildete den Schlußpunkt. Ganz anders als sonst, bestritt das am Anfang nur Joel mit Gitarre und mit Begleitung des Schlagzeugers und des
Bassisten. Erst langsam kamen die anderen Musiker wieder dazu und setzten ein. Das Lied scheint neu zu sein, der Chor und die anderen Sänger hielten nämlich Zettel mit dem Text in der Hand. Trotzdem klang es überhaupt nicht improvisiert sondern sehr fertig und wunderhübsch.

Danach war erst einmal Schluß. Ich hätte es den Hidden Cameras nicht übel genommen, wenn sie nicht zurückgekommen wären. Dafür ist das aber eine viel zu nette Band.

Zur Zugabe kamen zwei GoGos mit nach draußen (sind die nicht eigentlich alle immer Dauergast bei Oliver Geissen?) und animierten. Erstes Lied war das mir neue "Golden streams", zu dem die Tänzer goldene Papierbänder ins Publikum warfen. Nach "Music is my boyfriend" war dann wieder Schluß. Aber auch danach erschienen die Cameras wieder, das heißt erst einmal Chelsea. Es tauchten aber nach und nach
wieder mehr Leute auf und spielten. Der eigentliche Spaß dabei war aber, daß die Musiker ein lustiges Instrumente-Tausch-Spiel machten - auf offener Szene, wie Sportjournalisten gerne sagen. Ein Beispiel gefällig?

Der Violaspieler ging zum Glockenspiel, die vertriebene Keyboarderin setzte sich dann eben ans Schlagzeug. Der Trommler suchte sich als Ersatz eine Gitarre, legte sie wieder ab, nahm sich Handclaps, war aber wieder nicht zufrieden und bekam Joels Gitarre umgehängt. Der zweite Gitarrist und sein Bassistenkollege tauschten ihre Instrumente währenddessen, nachdem sie das kurz abgesprochen hatten. Quasi ein Trikottausch wie beim Fußball. Dann ging Joel ans Schlagzeug, die verdrängte Frau nahm sich eine Gitarre, legte sich auf den Boden und spielte da weiter, während
Chelsea aus der Trompete ein paar Töne quälte. Aber hätte man die Augen dabei geschlossen, wären die Wechsel nicht aufgefallen, weil das Lied weiterging, als wäre nichts gewesen. Eine irre Band! Dieses letzte Stück dauerte alleine gut 15 Minuten...

Es war ein großes Erlebnis, das steht außer Frage. Wer wie ich die Musik der Hidden Cameras mag (zu der ich nicht furchtbar viel geschrieben habe...), hatte einen tollen Abend. Aber auch für Neugierige wäre das sicher etwas gewesen. Schade nur, daß die nicht da waren. All das Spektakel, all die Mühe der Band, die Liebe zu Details verpuffte dadurch. In Berlin ist das am Donnerstag hoffentlich besser, denn da spielen die Kanadier im Maria, vielleicht dann mit Zombieangriff...

Setlist The Hidden Cameras, Gloria, Köln:

01: Origin: Orphan
02: Follow these eyes
03: Ratify the new
04: B-boy
05: Heji
06: In the Na
07: AWOO
08: Union of wine
09: The day is dawning
10: Learning the lie
11: Smells like happiness
12: Doot doot
13: Hump for bending
14: He falls to me
15: Shame
16: Breathe on it
17: I believe in the good of life
18: Silence

19: Golden streams (Z)
20: Music is my boyfriend (Z)

21: High upon the church ground (Z)

Links:

- Aus den Tiefen des Archivs:
- The Hidden Cameras, Frankfurt, 18.07.07
- The Hidden Cameras, Paris, 10.10.06

- mehr Fotos von Zombies und Kanadiern


1 Brooks, M.: The Zombie Survival Guide. New York, 2003.
2 nicht "Münchener"
3 eines der häufigsten Worte beim smsen, weil T9 noch immer nicht kapiert, daß Konzert die erste Bedeutung von 5669378 ist
4 ich weiß, daß ich die Zahlen "hochgestellt" setzen müsste, das kann Blogger aber nicht. Oder ich nicht.



Donnerstag, 19. Juli 2007

The Hidden Cameras, Frankfurt, 18.07.07

1 Kommentare
Konzert: The Hidden Cameras
Ort: Das Bett, Frankfurt
Datum: 18.07.2007
Zuschauer: ca. 100 (voll)

Als Musik und Licht im Bett (der Club heißt wirklich so) ausgingen, marschierte eine ganze Menge Musiker mit kurzen Kapuzencapes, begleitet von Geigenklängen und komischem Gesang quer durchs Publikum auf die Bühne. Ein extravaganter Konzertstart - aber ein sehr unterhaltsamer. Und so sollte dann der Abend auch weitergehen, viel Unterhaltung, tolle Musik und keinerlei Langeweile. Meine Lust war vorher sehr gering, mich bei diesen Temperaturen in eine überhitzte Kneipe zu begeben, um da mit verschwitzen Leuten ein Konzert zu sehen. Doch nach Frankfurt zu fahren, war sicher nicht meine schlechteste Idee der letzten Wochen.

Der Club mit dem komischen Namen liegt in Sachsenhausen, mitten zwischen Apfelweinkneipen. Das Bett ist ein kleiner Raum, ein Rechteck mit Bar am einen Ende und Bühne am anderen. Auf seiner Webseite behauptet es, die Musik sei, weil es so klein sei, leise. Ich sah also keinerlei Grund, mich nicht nach ganz vorne an den Rand zu stellen. Die Boxen sahen auch wirklich nicht besonders eindrucksvoll aus, der durchschnittliche hessische Heimtuner hat größere Lautstärker im Auto. Der Platz am Rand hatte aber einen viel wichtigeren Vorteil: Er war gut belüftet mit kalter Luft. Herrlich! Meine Vermutung bezüglich der Lautstärke sollte sich als falsch rausstellen, es war ordentlich laut in der kleinen Bude!

Die Band hatte mittlerweile die Kaputzen abgelegt und sich irgendwie auf der kleinen
Bühne aufgebaut. In Frankfurt waren es acht Musiker, bei Hidden Cameras Konzerten ist wohl nie ganz klar, wie viele Leute da gerade beteiligt sind. Das scheint aber auch nicht richtig wichtig zu sein, denn es fand ein lustiges und regelmäßiges Wechseln der Instrumente statt. Im Bett spielten neben Sänger und Gitarrist Joel Gibb ein Geiger, ein Kontrabassist und ein anderer Bassist, ein Schlagzeuger und drei Keyboard, Tambourin oder Gitarre spielende Musiker, u.a. die einzige Frau der Band.

Die Keyboarderin war es auch, die vor jedem Lied Vorschläge machte, was gespielt werden könnte. Sie sah auf ihren handgeschriebenen Zettel, sagte Joel irgendetwas
und er begann und der Rest stieg ein. Bei einem Stück fragte der Schlagzeuger einen der drei Keyboarder (und so) mehrfach, ob er denn nun fertig sei, es ginge jetzt weiter. Manchmal diskutierte man auch erst eine Weile, was denn nun käme. Der glatzköpfige Geiger schlug dabei immer "We oh we" vor, konnte sich aber nicht durchsetzen.

Leider erkenne ich viel zu wenige Liedtitel, um die Setliste zusammen zu bekommen. Aber so hatte ich auch viel mehr Muße, dem wundervollen Konzert zuzuhören. Musikalisch bewegte sich der Abend irgendwo
zwischen den Eckpunkten Arcade Fire, Beach Boys, Interpol und Belle & Sebastian, mal kamen ruhigere Stücke, dann aber auch richtiger Indierock, eine perfekte Mischung.

Und es war vor allem ein fröhliches Konzert. Die kleine Keyboarderin und der keyboardende Gitarrist tanzten immer wieder mit Tambourin bewaffnet durchs Publikum und animierten die Zuschauer, auch zu tanzen (dafür waren die befürchteten
Gogo-Tänzer auch nicht da - die hatten vermutlich einen Talkshowauftritt). Sänger Joel, der wohl in Berlin lebt, spricht passabel deutsch. Er fragte irgendwann: "Was geht, Frankfurt?" (das ist sogar die exakt richtige Wortwahl für Frankfurt!). Ein Freund hätte ihm erzählt, Frankfurt sei die beste Stadt Deutschlands und "Hessen ist die beste Bundesland." Heute war Frankfurt ganz sicher musikalisch der Ort in Deutschland, an dem man sein mußte!



Sonntag, 8. April 2007

Konzertrückblick: The Hidden Cameras, Paris, 10.10.06

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Konzert: The Hidden Cameras

Ort: Point Ephemere, Paris
Datum: 10. 10.2006

Die Location war schon mal interessant gewählt: Das Point Ephemere ist ein Teil einer alten Fabrikhalle und liegt idyllisch am Canal St. Martin im 10. Pariser Arrondissement. Während irgendeine langweilige Vorgruppe noch vor sich hin dudelt, nehme ich meinen Mut zusammen (das ist kein Stalker-Gen, sondern ich bin nur kommunikativ!) und spreche ein Bandmitglied der französischen Hushpuppies an, den ich schon oft auf Konzerten gesehen habe, zuletzt auch bei El Perro Del Mar. Er ist erfreut, es mit einem Deutschen zu tun zu haben, denn es läuft sehr gut für die Hushpupppies in Deutschland, wie er nicht ohne Stolz erzählt. Im Dezember stehen wohl wieder Konzerte der Band in Germany an, mit Louis XIV und einer deutschen Gruppe, deren Namen er vergessen hat. Ich verabschiede mich und trete in die dunkle Spelunke ein, es geht nämlich jetzt los mit den versteckten Kameras.

Go-Go-Tänzer kann ich zum Glück keine ausmachen, dafür wäre wohl auch die Bühne zu klein. Stattdessen tummelt sich auf derselben ein erstaunlich heterogenes Häuflein (sind die gecastet?), angeführt von dem durchtrainierten Sänger, der auch als Personal Fitness-Trainer eine gute Figur abgeben könnte. Begleitet wird er von zwei Streichern (einer der beiden hat was von Hape Kerkeling), einem Cellisten und u.a. zwei Damen, wobei die eine die Dolmetscherin abgibt, denn die Band spricht kaum Französisch. Sie (spielt Keyboard) scheint ohnehin eine sehr aktive Rolle in der Band zu spielen.

Das Publikum bekommt eine Band voller Spielfreude und Energie zu sehen (die beiden Streicher amüsieren sich wie Bolle!), die es auch ohne Go-Go-Tänzer schafft, die oft etwas unterkühlten Pariser aus der Reserve zu locken. Meine neuen Freunde von den Hushpuppies tanzen jedenfalls wie wild ab zu den Country-Geigen, den Handclapps und dem Falsett-Gesang. Alles wirkt hier sympatisch amateurhaft, spielerisch und spontan. Gespielt werden Stücke aus allen drei Alben und beendet wird das Set von dem Gassenhauer: "I believe in the good of life". Ein gutes Motto für einen gelungenen Abend, dem nichts mehr hinzuzufügen ist.

von Oliver


 

Konzerttagebuch © 2010

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