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Sonntag, 28. November 2010

Twin Sister & Johnny Flynn, Paris, 26.11.10

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Konzert: Twin Sister & Johnny Flynn (Idiot Glee, The New Wine)

Ort: La Flèche d'or, Paris

Datum: 26.11.2010
Zuschauer: mittlerer Andrang

Konzertdauer: Twin Sister etwa 45 Minuten



Die Konzertbloggerei macht so langsam einen kauzigen Typen aus mir. Am Freitag zum Beispiel. Diego Zavatarelli, argentischer Gitarrenlehrer mit Wohnsitz Paris, gab meiner Frau eine Übungsstunde im heimischen Wohnzimmer. Um die beiden nicht zu stören und weil ich auch noch einen Konzertbericht schreiben wollte, bin ich noch nicht einmal aus meinem Arbeitszimmer gekrochen gekommen, um ihm "Guten Tag" zu sagen. Das war ja noch vertretbar, schließlich soll er ja keine Schwätzchen mit mir halten, sondern meiner Süßen beibringen, wie man richtig an den Saiten zupft. Dann aber war die Übungstunde vorbei und man rief mich hinzu, um gemeinsam eine Tasse Tee zu trinken. Ich nippte kurz an dem Heißgetränk, lief dann aber zurück an meinen Computer, weil ich noch Bilder hochladen und beschriften musste. Alles für das Konzerttagebuch versteht sich. Eigentlich wollte ich damit bis zum Abend durch sein. Ich brach den Vorgang aber ab, weil ich keine Egoist sein wollte und gesellte mich wieder zu Diego und meiner Frau. Während wir uns unterhielten, guckte ich permanent nervös auf meine Uhr, weil ich logischerweise schon wieder auf dem Sprung zu einem neuen Konzert war. Diego (rechts auf einem Foto mit SuperBravo) hatte aber Lust mit mir zu kommunizieren und so plauderten wir noch eine Weile weiter. Irgendwann würgte ich ihn aber ab (bildlich gesprochen versteht sich, der gute Kerl lebt noch!) und sagte, daß ich jetzt unbedingt los müsse. Er verabschiedete sich ungläubig guckend und kopfschüttelnd von mir und ich raste Richtung U-Bahn. Durch den Plausch hatte ich mich etwa um 20 Minuten verspätet. Zeit, die mir fehlte, um mehr von dem Konzert von Johnny Flynn zu genießen, daß in der von mir aus weit entfernten Flèche d'or bereits begonnen hatte.

Als ich gerade die Eingangstür passiert hatte, stoppte mich meine Konzertfreundin Michela. Sie ist Fotografin und kommt aus Rom. Auf das Konzert, das drinnen lief hatte sie nicht viel Bock und außerdam wollte sie jetzt mit mir plaudern. "Komm mit, ich möchte, daß Du mir draußen Gesellschaft leistet." Geht nicht, sagte ich, ich will doch noch das Ende von Johnny Flynn sehen. "Mensch, bist du aber ungemütlich, du siehst doch jeden Tag Konzerte, Oliver!", meinte sie nicht zu Unrecht. Dennoch ließ ich sie stehen und rannte in den Konzertsaal rein. Zum zweiten Mal am heutigen Tage hatte ich das dumme Gefühl, der Bloggerei alles unterzuordnen und mich nicht wirklich sozial zu verhalten. Verflucht!

Nun gut, von dem Auftritt von Johnny Flynn, den der junge Folksänger aus England ganz allein an der Akustikgitarre bestritt, habe ich gerade noch zwei Titel mitbekommen. Trotzdem ist mir sofort aufgefallen, daß in der ersten und zweiten Reihe auschießlich junge Mädchen standen. Frauenquote 100 %. Johnny, der Womanizer! Oder stehen jetzt die ganzen pubertierenden Mädels auf Folkmusik und sind nur deshalb zu Herrn Flynn gekommen? Wohl kaum, denn wenn ein Damien Jurado (ein etwas pfundiger Bursche) auf der Akustischen kratzt, sieht man nur alte Männer mit Bärten im Publikum. Hmm. Unfair! An Johnnys Stelle würden mich diese lustmolchigen Groupies aber eher abtörnen. Erinnert mich nämlich an meine Schulzeit, als ein Mädchen aus meiner Klasse mir morgens den Weg zum Schulbus versperrte. Sie saß auf einer Treppe und wartete auf mich, um mir zu sagen, daß sie total auf mich abfährt. Ich wäre damals am liebsten im Erdboden versunken! Dennoch habe ich die Situation ausgenutzt, um ihr im Wald ein paar Zungenküsse zu verpassen. Danach habe ich sie aber selbstverständlich abgeschossen...

Kommen wir zu Twin Sister aus New York, die als nächste Band anstand. Die gefielen mir auf Anhieb außerordentlich gut. Also ich meine, die brünette Sängerin mit den Rehaugen gefiel mir sofort außerordentlich gut, bei der Musik war ich mir zunächst nicht so sicher. Niedlicher Süßwarenpop ist ja eher nicht so meine Sache. Eigentlich. Bei Twin Sister aber wurde das Ganze mit so vielen Ideen und interessanten Wendungen geboten, daß ich von Lied zu Lied angetaner war. Jeder Song klang anders, mals gab es psychedelische oder shoegazige Anklänge, dann plötzlich 80er Jahre Diskosound und ab und an wurden auch die Gitarren mal ein wenig noisiger. Vor allem aber störte glücklicherweise nie ein Bubblegum-Refrain, der bei so vielen Popbands schnell nervtötend wird.

Auffällig war die Stimme des Gitarristen, der auch ab und zu mitsang. Er klang wie ein Eunuch und als er sich und die Band dem Publikum vorstellte, kicherten einige Leute im Publikum, weil er so hoch sprach. Die Typen in der Band waren mir allerdings weitgehend schnuppe, denn ich glotzte die ganze Zeit nur auf die hübsche Sängerin. Der Süßen wurde es gegen Ende zu warm und sie ließ ihren schicken blauen Blazer fallen. Nun war der Blick frei auf ein wunderschönes Tattoo, das sie am Arm trug. Ich konnte mich daran kaum sattsehen, hatte von der Glotzerei fast Stielaugen! Leider konnte ich das Bild nicht richtig erkennen, es schien einem Comicstrip zu entstammen.

Insgesamt ein schönes Konzert, das mich auch noch zum Kauf ihrer auf Domino erschienenen Doppel EP (Vampires With Dreaming Kids und Color Your Life ) verleitete. Ich kann die Silberlinge empfehlen, sie liefen jetzt schon ein paar Mal auf meiner Anlage.



Ganz zum Schluß traten dann auch noch The New Wine auf, aber über deren billligen 1980er Jahre- Sound hülle ich lieber den Mantel des Schweigens.

Konzerttermine Johnny Flynn:
29.11.2010: Gebäude 9, Köln
30.11.2010: Atomic Café, München
01.12.2010: Magnet Club, Berlin
02.12.2010: Molotow, Hamburg

Aus unserem Archiv:

Johnny Flynn, Paris, 21.04.10
Johnny Flynn, Paris, 10.11.07





Freitag, 23. April 2010

Johnny Flynn & The Joy Formidable, 21.04.10

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Konzert: Johnny Flynn & The Joy Formidable
Ort: La Flèche d'or, Paris
Datum: 21.04.2010
Zuschauer: etwa 250-300

Konzertdauer: Johnny Flynn um die 50 Minuten, The Joy Formidable etwa 60-70 Minuten



Johnny Flynn (auf dem Foto), zur Zeit Support von Mumford & Sons, spielte in der Pariser Flèche d'or mit mehrköpfiger Band auf und zeigte einige Kostproben seines großen Talents. Danach rockte die blonde Ritzy mit ihrer Band The Joy Formidable wie Hölle und erinnerte an eine hellhaarige Ausgabe von Laura-Mary "Blood Red Shoes" Carter, zumal der Drummer ähnlich brachial wie Steven Ansell zu Werke ging. Insgesamt ein richtig guter Konzertabend, von dem ich demnächst mehr erzählen möchte...

Und hier ist der ausführliche Bericht:

Johnny Flynn gehört genau wie Noah & The Whale, Laura Marling, Jeremy Warmsley, Jay Jay Pistolet, Thos Henley, Peggy Sue, Blue Roses und Mumford & Sons zu der neuen Garde junger britischer Folkmusiker. Sehr schön, was aus dieser Ecke kommt und eine willkommene Wiedergutmachung für schauderhafte Popsängerinnen wie Kate Nash (würg, röchel!), Florence & The Machine, Little Boots, Ellie Goulding, Marina & The Diamonds etc, die uns die Engländer in den letzten Jahren auf den Hals gehetzt haben.

In Paris hatte sich Johnny Boy schon sehr früh blicken lassen. Im November 2007 war das, zu einem Zeitpunkt,
da er noch kein einziges Album auf den Markt gebracht hatte. Natürlich waren wir vom Konzerttagebuch (genau wie bei Mumford & Sons, Laura Marling und Noah & The Wahle etc.) wie immer früh an dem heißen Braten dran (selbstaufdieschulterklopf!). Und der Schweinebraten ist immer noch zart und saftig. Oder sollte man besser sagen, daß das Stück Fleisch nun erst richtig abgehangen ist? Ach, lassen wir doch lieber die tierischen Vergleiche, die hinken eh wie ein Hund mit einer verletzten Pfote.

Kommen wir zur Musik. Johnny und seine vier Mitstreiter starteten mit der alten Single The Box, die auf dem Debütalbum A Larum drauf war. Johnny spielte Akustikgitarre, wechselte im Laufe des Konzertes aber munter die Instrumente. Ukulele, Mandoline, Trompete, Banjo, Fender, der Junge beherscht einfach alles! Ein kleines Genie, zum Glück ohne Allüren. Seine nette, zurückhaltende Art kam sehr gut an und vor allem die Engländerinnen im Publikum tanzten von Song 1 bis Song 10. Der Folk von Flynn eignete sich dafür aber auch ausgezeichnet. Schnell und schwungvoll waren die meisten Stücke, vom depressivem Gesäusel anderer Musiker dieses Genres ist er weit entfernt. In dieser Hinsicht, aber auch bezüglich der verrauchten Altherrenstimme, bestehen deutliche Parallelen zu Marcus Mumford und seinen Sons, wenngleich der gute Marcus doch noch wesentlich temperamentvoller ist. Der heißspornige Bursche soll heute sogar im Publikum gewesen sein, was nicht verwundert, da Johnny gerade mit Marcus tourt. Die beiden teilen auch eine besonders Vorliebe für gelegentlich eingestreute ,mit Inbrunst vorgetragene Balladen, die an der Grenze des Kitschigen entlangtänzeln (Brown Trout Blues), aber immer irgendwie die Kurve kriegen. Besser gefallen mir aber die flotten Stücke wie das famose Eyeless In Holloway, das auch heute wieder voll abräumte. Eine Perle des jungen britischen Folks, harmonisch und warm instrumentiert und voller charmanter Wendungen. Wenn man den Text kannte, konnte man super mitsingen, da gab es ein paar Passagen, die sich glänzend dazu eigneten (Resultat: die Franzosen blieben stumm, die Engländer kannten jede Zeile auswendig und sangen aus voller Kehle).

Der Abschluß dann auch noch mal ganz prima. Leftovers machte da weiter, wo Eyeless In Holloway aufgehört hatte und ließ die Girls im Publikum frohlocken. Ingesamt ein tolles Konzerte eines großen Talents. Von Jonny Flynn wird man noch so einiges hören, dessen bin ich mir sicher!

Das Gleiche kann man sicherlich von The Joy Formidable sagen. Pariser Konzertfreude, die sie schon vorher gesehen hatten, schwärmten in den höchsten Tönen von der Garagenrockband aus England (bzw. Wales, wo sie herkommen). Das Trio um die unfassbar charismatische Blondine Ritzy Bryan hatte bei früheren Auftritten in der Kapitale bereits mächtig Staub aufgewirbelt. Ich war saumäßig gespannt, ob sie auch mich umnieten würden. Schon nach ein paar Minuten war klar: sie würden und wie! Ritzy wirbelte wie ein wasserstoffblondes Teufelchen über die Bühne, ging mit ihrer Gitarre ins Hohlkreuz und kitzelte messerscharfe Riffs aus ihrer Elektrischen. Ihre blauen Husky Augen funkelten und sie sang wie eine Mischung aus Siouxsie und Blondie. Auch der Drummer fiel sofort auf. Matt Thomas, ein Typ mit langer Mähne und einem knochentrockenen, beinharten und schnellen Spiel, kloppte wie ein Besessener auf sein Fell ein. Bassist Rhydian Dafydd war diskreter, obwohl er es war, der zusammen mit Ritzy die Band gegründet hatte. Das Power Trio nahm den Fuß so gut wie nie vom Gaspedal. Seit 2008 haben The Joy Formidable etliche Singles veröffentlicht und ein Minialbum (A Balloon Called Moaning) herausgebracht, auf den ersten richtigen Longplayer muss man aber noch ein wenig warten. Mit Krachern wie Cradle, Austere, oder Whirring wird einem die Wartezeit aber deutlich erträglicher gemacht. Live fetzten diese sagenhaft druckvollen Song noch deutlich mehr, als bei einem Hördurchlauf bei MySpace. The Joy Formidable sind wie für die Bühne geschaffen. Selten erlebt man eine solch feurige und energiegeladene Frontlady wie Ritzy. Karen "The Yeah Yeah Yeahs" O wirkt gegen das blonde Bündel Dynamit fast schon wie eine alte Dame und Kim "The Breeders" Deal kann bei einem solchen Rocknachwuchs gleich schon einen Platz im Seniorenheim reservieren!

Der Aggressivität ud Angriffslust von Ritzy während der Performance der Songs stand ihr herzliches, freundliches und wohlerzogenes Wesen bei den Ansagen zwischen den Liedern entgegen. Mehrfach erwähnte sie, wie froh sie sei, mit ihrer Band wieder in Paris spielen zu dürfen und wieviel Spaß ihr das Ganze mache. Sobald sie aber zum nächsten Lied überging, verdunkelte sich ihr Blick und sie schien ganz in ihrem Element. Ihre Songs sind unschwerlich als Ausdruck ihrer jugendlichen Rebellion zu identifizieren, aber auch ein Bekenntnis zum Rauschhaften und Ungestümen. Das Pariser Publikum fraß ihr aus der Hand, ging voll mit und war am Ende schweißgebadet, aber glücklich. Eine Stunde Dauerbeschallung mit noisigem Garagenrock hatten ihre Spuren hinterlasen. Aber die Meute hatte noch nicht genug, jubelte die junge Band noch einmal heraus und bekam prompt zwei frenetisch gefeierte Zugaben spendiert. Hinterher waren sich alle einig: This band is awesome! Oder wie man auf französch sagt: formidable. The Joy Formidable eben!

Setlist Johnny Flynn, La Flèche d'or, Paris

01: The Box
02: Cold Bread
03: Kentucky Pill
04: Brown Trout Blues
05: Howl
06: Barnacled Warship
07: Churlish May
08: Been Listening
09: Eyeless In Holloway
10: Leftovers


Setlist The Joy Formidable, La Flèche d'or, Paris:

01: The Greatest Light Is The Greatest
02: Cradle
03: The Last Drop
04: Austere
05: Ostrich
06: The Magnifying Glass
07: Anemone
08: Popinjay
09: Whirring

Ausgewählte Konzerttermine von The Joy Formidable (ohne Gewähr)

23.04.2010: Doornroosje, Nijmegen, Holland
03.06.2010: Comet, Berlin
04.06.2010: Atomic Café, München
05.06.2010: Schorndorf, Manufaktur
06.06.2010: Molotow, Hamburg
07.06.2010: Studio 672, Köln


Ausgewählte Konzerttermine von Johnny Flynn (mit Mumford & Sons):

23.04.2010: Epicerie Moderne, Lyon
26.04.2010: Tivoli, Utrecht
27.04.2010: AB Club, Brüssel
29.04.2010: Rote Fabrik, Züric
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Aus unserem Archiv

Johnny Flynn, Paris, 10.11.07

Link:

- Viel mehr Fotos von Johnny Flynn hier



Sonntag, 11. November 2007

Patrick Watson, Seasick Steve & Johnny Flynn, Paris, 10.11.07

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Konzert: Patrick Watson, Seasick Steeve & Johnny Flynn

Ort: La Boule Noire
Datum: 1o.11.2007
Zuschauer: ausverkauft und brechend voll, selbst Jack Penate mußte Schlange stehen!


Nach dem ungestümen und kräftezehrenden Konzert von Gossip in der Cigale, ging es in der benachbarten Boule Noire mit dem Blues-Sänger Seasick Steve gleich ohne Pause weiter. Ich war aber von den abbekommenen Ellbogenstößen und der Hitze so angeschlagen, daß ich eine kurze Auszeit benötigte. Gelegenheit für mich, neue Kräfte zu tanken, eine Kleinigkeit zu essen und mal durchzuschnaufen. Auf dem Mittelstreifen vor der Cigale wollte der Lärm jedoch nicht abreißen. Was hörte ich da? War das nicht schon wieder "Standing In The Way of Control"? Doch, doch, es lief aber nur vom Band. In einem kleinen improvisierten Studio witzelte MTV-Mann Ray Cokes mit Gästen über den ein-oder anderen Auftritt und resümierte am Ende zusammen mit einer langbeinigen französischen Kollegin die Geschehnisse des Abends. Videos von Yelle und dem Go! Team wurden abgespielt und anschließend fragte Ray die hübsche Französin, wer denn ihr Liebling des Festivals gewesen sei. "New Young Pony Club", sagte sie ohne lange zu überlegen und lieferte die Begründung auch gleich mit: die Sängerin (Tahita Bulmer) ist eine Granate! ("elle est canon"). Na dann...

Für mich war eher die Moderatorin selbst eine Granate, aber ich mußte jetzt weiterziehen, schließlich war das Treiben in der kleinen Boule Noire bereits in vollem Gange. "Nur noch Leute mit normaler Eintrittskarte, keine Besucher mit Pässen", raunzte der bärbeißige Gorilla vor der Einrittstür den Wartenden entgegen. Pech gehabt, dank Philippe hatte ich einen Pass! Der Sesam blieb eine Weile für mich verschlossen und zusammen mit Jack Penate und Band wartete ich in der Schlange auf Einlaß. Irgendwann hatten dann ein paar Leutchen die Boule Noire verlassen und es wurden neue Gäste hineingelassen und zwar auch die "Passträger". Endlich war ich drin, aber Seasick Steeve "hatte bereits fertig" und ich fühlte mich angesichts der Strapazen auch schon "wie ein Flasche leer"...

Patrick Waston hatte auch schon begonnen, auf Grund des Andrangs konnte ich ihn jedoch kaum erkennen,
er war in der linken Ecke hinter seinem Piano versteckt und ich sah lediglich seine rechts postierte Band. Das wunderbare "Drifters" erklang und ich fühlte mich gleich deutlich wacher und besser gelaunt. Danach stieg der kleine Kanadier mit Schirmmütze von der Bühne runter und mischte sich unters Publikum. Jetzt sah ich den Bartträger aus nächster Nähe, wie er "Man Under The Sea" zum Besten gab. Er hatte hierzu die Hände tarzanlike an den Mund geführt und sang auf diese recht ungewöhnliche Weise das gesamte Lied. Danach ging alles ziemlich schnell. Es wurden noch circa. zwei Titel gespielt, die aber ein wenig vor sich hin plätscherten und die Messe war gelesen. Schade, schade, ich hätte gern mehr Patrick Watson für mein nicht bezahltes Eintrittsgeld bekommen, aber so ist das oft bei Festivals! Man kann nicht jeden Auftritt gleichermaßen genießen und bekommt Probleme, wenn man versucht alles mitzunehmen. Ich tröste mich aber unterdessen mit der wundervollen CD "Close To Paradise", die wirklich paradisisch schön ist.

Link: mehr Photos von Patrick Watson

Herr Watson war gegangen aber ich alter Sherlock war noch da und kombinierte: Johnny Flynn,
klingt nach einem alten Folksänger mit Bart und Klampfe. Aber weit gefehlt Johnny ist ein ganz junger, semmelblonder Bube mit roten Bäckchen und riesigem Talent. Vielleicht wächst da sogar ein neuer Sufjan Stevens heran, wer weiß? Herr Flynn spielte zumindest schon mal ähnlich viele Instrumente, man sah ihn gleichermaßen an Geige, Banjo, Gitarre und Mandoline brillieren. Er hatte auch seine rötlich-blonde Schwester Lilly mitgebracht, die Querflöte, Tambourin und Keyboard bediente und zudem ein äußerst charmantes Wesen hatte. Ein Herr an der Ukulele, der einmal auch sitzenderweise musizierte und ein Drummer komplettierten die Runde (die Band heißt The Sussex Wit). Lieder kannt ich allerdings noch keine, da wohl noch kein Album erhältlich ist. Bisher gibt es nur Singles, wie die wandelnde Musikenzoklopädie Philippe zu berichten wußte. Wer aber glaubte, lahmen Schnarchnasen-Folk geboten zu bekommen, sah sich getäuscht. Die meisten Titel waren nämlich sehr flott und luden zum Tanzen ein. Jack Penate ließ sich nicht lumpen und legte ein Ringeltänzchen aufs Parkett, Hierzu schrie er wie ein Cowboy laut "Yippiee", es war köstlich! Einer seiner Freunde rief hinein: "this music is fucking amazing!". Recht hatte er, der vorlaute Kerl. Es war in der Tat "fucking amazing!"

Setlist Johnny Flynn, La Boule Noire, Paris, Festival Les Inrocks:

01: The Box
02: Cold Bread
03: The Wrote + Writ
04: Brown Trout Blues
05: Leftovers
06: Sally
07: Eyeless In Holloway
08: All The Dogs
09: Tickle Me Pink



 

Konzerttagebuch © 2010

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