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Sonntag, 2. Februar 2014

Glasvegas, Köln, 26.01.2014

1 Kommentare

Konzert: Glasvegas
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 26.01.2014
Dauer:Glasvegas 105min, Charter 35min
Zuschauer: max. 400, nicht ausverkauft



Glasvegas. Einer der wohlklingendsten Bandnamen überhaupt. Banalerweise nur die Mischung aus dem Tribut an die bodenständige schottische Heimat und dem klassischen Hauch Amerika mit seinen glitzernden verheißungsvollen Metropolen. Wenn der Name im negativen Sinne zum Programm wird...

Ich persönlich ließ mich von meiner Liebe zum schweren schottischen Akzent, dem stark von Van Gogh inspirierten Plattencover ihres Debütalbums und der schmerzhaften Melancholie des Nachfolgewerks EUPHORIC///HEARTBREAK\\\ sehr schnell um den Finger wickeln. Ende 2013 folgte dann Album Nummer drei der Alternative-Rock-Band aus Glasgow namens Later...When The TV Turns To Static, das wohl in etwa dem Mittelweg zwischen Stadionatmosphäre von Album Nummer eins und alles überlagerndem vor Pathos triefendem Herzschmerz von Album Nummer zwei entspricht.

Als freudige Überraschung an einem sonst mäßig euphoriebeladenen Abend fand meine erste Live-Begegnung mit Glasvegas im letzten Herbst im Vorprogramm von Hurts statt. Wenige schrammelnde Songs, kaum verständliche Vocals, Stroboskoplichtgewitter und ein Frontmann der wahlweise mit Lederjacke oder knappgeschnittenem Oberteil wortkarg aber doch irgendwie sympathisch den Rockstar markiert. Weite Teile der Hurts-Fanmeute zeigten sich schockiert, doch für mich war es seltsamerweise haargenau das, was ich mir ausgemalt hatte. Also einige Monate später dann mit einer gefährlichen Mischung aus Skepsis und Neugier trotz Kälte, Dunkelheit, Regenwetter und ausgeprägter Sonntagslethargie ab zum Tourauftakt ins Kölner Gebäude 9 – perfekte Voraussetzungen also für einen Abend, der hinter den Erwartungen zurückbleiben wird.

Während der Vorgruppe Charter ist das recht kleine Gebäude 9 maximal halb gefüllt. Interessanterweise, aber trotzdem sehr unangenehmerweise, fast schon verärgerte Stille seitens des Publikums, als bei der Vorstellung der Band erwähnt wird, dass sie aus Berlin kommen. Tja, dafür gibt’s wohl mittlerweile aus Prinzip keinen Applaus mehr. Viel mehr Worte kann ich leider über die Vorband auch nicht verlieren, um keine schlechten Worte verlieren zu müssen. Zu unausgegoren und zugleich deutlich repetitiv gestaltet sich das dargebotene Set. Über weite Strecken leider nur höflicher Applaus, statt ehrlicher Begeisterung.

So sehr es mir das Herz bricht, wird die mittelmäßige Stimmung, die sich während der Vorgruppe bereits angekündigt hatte, den Abend maßgeblich bestimmen und vielleicht wären die Menschen, die sich während der Vorgruppe noch einfanden, besser wahlweise auf ihrer Couch oder gleich im warmen Bett liegen geblieben. Das Set beginnt mit dem Titelsong des aktuellen Albums, der leider nicht besonders zu überzeugen weiß. Zu leiernd, zu wenig Inhalt. Man könnte die mangelnde Stimmung natürlich auf den Sonntagabend schieben, man könnte anmerken, dass es sich um den ersten Abend der Tour handelt, dennoch wären das alles nur Ausflüchte, da eine wirklich gute Band genau diese Stimmung zu vertreiben weiß bzw. sich davon bestenfalls nicht beeinträchtigen lässt. 

Vor allem bei Songs von EUPHORIC///HEARTBREAK\\\ jedoch macht sich bemerkbar, dass Glasvegas auch anders können. Euphoria, Take My Hand, The World Is Yours und auch Lots Sometimes, das den Abend überzeugend beschließt, retten in Ergänzung mit It Is My Own Cheating Heart That Makes Me Cry und Geraldine des Debütalbums den Abend halbwegs.


Diesen zu wenigen Glanzpunkten sind aber zu viele Schwachpunkte gegenübergesetzt, die sich vor allem in den ruhigen Momenten bemerkbar machen, in denen die Stimme des Sängers James Allan nicht alleine zu tragen vermag. Irgendwo zwischen verschiedenen Stilen, großen Gefühlen und Fußballgesängen scheinen Glasvegas sich verloren zu haben. Die Songs des neuen Albums wissen halbwegs zu überzeugen; das zutiefst dunkle I'd Rather Be Dead (Than Be With You) beispielsweise sehr schön mit mehrstimmigem und mehrhändigem Klavierspiel in Szene gesetzt. Auch das Zusammenspiel mit dem Publikum spiegelt den Abend adäquat wider – höflich, charmant und in manchen Momenten sichtlich bemüht, aber irgendwie fehlt im großen Ganzen das gewisse Etwas.

Objektiv betrachtet eine solide Leistung, mehr aber, trotz aller Sympathie für die nette Band von Nebenan, leider nicht. Definitiv lässt sich hier keine bedingungslose Empfehlung aussprechen, aber für Freunde heiserer Krächzvocals und breiter von schwerem schottischen Dialekt plattgewalzter Lyrics trotzdem mal ganz nett. In den Momenten in denen sich Glasvegas merklich in ihrer Musik fallen lassen können blitzt glücklicherweise aber durch, was an diesem Abend wohl noch möglich gewesen wäre. Schade, maybe next time.


Setlist: Glasvegas. 26.01.2014. Gebäude 9 Köln


01 Later... When The TV Turns To Static
02 Youngblood
03 It Is My Own Cheating Heart That Makes Me Cry
04 Euphoria, Take My Hand
05 I Feel Wrong (Homosexuality, Part One)
06 If
07 Secret Truth
08 The World Is Yours
09 Dream Dream Dreaming
10 Geraldine
11 Ice Cream Van
12 Go Square Go

13 Flowers & Football Tops (Z)
14 I'd Rather Be Dead (Than Be With You) (Z)
15 Daddy's Gone (Z)
16 Lots Sometimes (Z)


Aus dem Archiv:




Freitag, 8. Mai 2009

Glasvegas, Köln, 07.05.09

7 Kommentare

Konzert: Glasvegas
Ort: Gebäude 9, Köln
Datum: 07.05.2009
Zuschauer: seit Wochen ausverkauft
Dauer: Glasvegas knapp 53 min, The Temper Trap 30 min



Ich glaube, gut Ding braucht Weile und so wollte ich nicht einfach drauflos zu tippen, als ich am Freitagmorgen aufwachte und über den Abend mit Glasvegas nachdachte.

Das Echo des Abends war denkbar schlecht, die Runde, aus welcher wir Donnerstag Köln heraus verließen, überlegte, ob man nicht lieber hätte Fußball sehen sollen. An anderer Stelle musste ich lesen, dass man nach einer gewissen Zeit den Saal verlassen hatte, zum einen um den Frust mit Bier zu bekämpfen, zum anderen um die Heimreise anzutreten.

Meine Freundin teilte mir mit, dass der Typ auf der Bühne mit der Sonnenbrille mal so gar nicht ging und dass, wer immer da Schlagzeug spielt null Taktgefühl habe, was sie aufregen würde.

Klasse Voraussetzungen um einen Bericht zu schreiben!?

Aber fangen wir von vorne an. Die vier Clubshows von Glasvegas wurden Anfang März in der Woche, als wir umzogen und internetlos waren, angekündigt. Der Zuspruch muss riesig gewesen sein, denn als ich eine Woche später feststellte, dass die Band im Gebäude 9 spielen würde, gab es schon keine Karten mehr. Klasse, ich hatte sie zwar im November interviewen dürfen, hatte sie aber nicht in Essen sehen können. Zwar wohnte ich dem Event per Stream bei, was aber nicht wirklich befriedigend war.

Donnerstagabend in Köln, auf dem schräg gegenüber vom Gebäude 9 liegenden Messeparkplatz hat die Polizei eine Art zweites Guantanamo Bay eingerichtet, als wir um 20 Uhr ankommen. Es ist einer dieser Abende der Woche, an dem es nicht regnet und somit stehen noch sehr viele Besucher des Konzerts vor dem Gebäude und drängeln sich nicht in dessen stickigen Inneren. Christoph erwähnt, dass die Besucher nicht aussehen, wie typische Gebäude 9 Besucher, weiter fällt der recht hohe Altersdurchschnitt auf. Gegen 20:20 h holen wir unsere Karten ab und kriegen noch recht gute Plätze im vorderen Drittel des kleinen Saals.

Pünktlich um 20:30 h betreten The Temper Trap aus Melbourne die Bühne. Schon wieder eine Aussi Band, und da dachte ich doch, meine Down-Under-Wochen wären mit The Living End und Eskimo Joe schon zu Ende. The Temper Trap sind uns nun als Konzertbesucher gänzlich unbekannt. Wir wissen nicht, dass die altehrwürdige BBC diese Band unter ihren TOP 15 Sounds des Jahres 2009 führt. Und schon gar nicht wissen wir etwas über die doch recht eigenwillige musikalische Mischung, die uns die fünf Herren aus Down Under dort auf der Bühne präsentieren. Ja, auf der Bühne stehen fünf Musiker, obwohl Myspace oder Wikipedia nur vier listen.

Was uns da von den Wahl-Londonern entgegengebracht wird, hört sich im ersten Moment an, wie eigentlich so viele andere Rockbands auch, die hier im Gebäude9 schon gespielt haben. Als dann jedoch Dougy Mandagi mit seiner hohen souligen Fistelstimme einsetzt, ist klar, so normal sind die Herren da oben nicht. Ist der Opener noch recht rockig, so überrascht die Band doch im Anschluss mit einer überraschenden Vielfältigkeit und witzigen Ideen, was die Umsetzung ihrer Songs angeht. Mal hört sich das ganze eher an wie U2s Where the Streets have no Name, mal beginnt man verdammt langsam und endet in einem Höllentempo, ein anderer Song wird auf weiten Strecken nur durch Klatschen und die Basedrum getragen. Interessant! Dougy erkundigt sich auch brav ob er Angst wegen der Polizeipräsenz auf dem Nachbargelände haben muss oder sich sicher fühlen darf, und bevor er die Bühne verlässt, weißt er darauf hin, dass man doch auch T-Shirts von der Band kaufen kann – nicht das Album, denn das erscheint ja selbst Down Under erst im kommenden Monat. Ich glaube für viele der Anwesenden war dieser recht radikale Mix der musikalischen Stilrichtungen doch zu viel. Die zwei Damen hinter uns sind total angetan und rücken gen Merchstand ab, um uns dann im Anschluss brühwarm über die Band zu berichten – so muss Recherche sein!

Dann wird auf der Bühne umgebaut. Das Publikum wird währenddessen mit Musik von Elvis und Co. bedudelt. Bis um 21:30 Uhr wieder die Lichter im Saal erlischen und Glasvegas, begleitet von lautstarkem Applaus ganz in schwarz gekleidet die Bühne betreten. James Allan trägt eine schwarze Sonnenbrille und ein schwarzes Hemd und setzt ein, um die Show mit Geraldine zu starten.

James posed, was das Zeug hergibt, mal mit dem Rücken zum Publikum und dem Kopf im Nacken, ein anderes mal schrammelt er lässig das Intro des nächsten Songs vor sich her. Er verbeugt sich vor seiner Bandkollegin Caroline und verzieht während des ganzen Konzerts nicht eine Mine. Sein Cousin Rab hingegeben hüpft wie wild auf der linken Bühnenseite auf und ab und gibt sich ganz der Musik hin. Paul Donoghue auf der rechten Bühnenhälfte fällt nicht weiter auf, und was macht die bereits erwähnte Caroline? Nach anderthalb Jahren on tour mit dem Debüt Album, ist sie immer noch sehr bemüht, die Taktreihenfolge einzuhalten, das sieht zuweilen recht komisch aus und erinnert an Fließbandarbeit.

Ich hatte mit allem an Songs gerechnet, nur nicht mit der Tatsache, dass man Fuck you, it’s over von der immer noch nicht in Deutschland erschienen Weihnachts-CD anstimmt.

Dabei ist die Bühnenbeleuchtung genauso dezent wie das, was die vier auf der Bühne produzieren, schwarzes und weißes Licht, ab und an grün, rot oder blau bzw. Stroboskopblitze.

Ihr reguläres Set beschließen die vier Schotten mit Ice Cream Van wobei Rab den Synthie bedient und James verzückt an der Gitarre zupft. Dann verschwinden beide hinter dem schwarzen Vorhang.

Doch entgegen allem, was ich nach dem Konzert so gehört habe, verlangt das Publikum nach Zugaben! James betritt die Bühne in einem schwarzen T-Shirt, an dem die Arme großzügig abgeschnitten wurden. Man spielt Weihnachtssong Nr. 2 Please Come Back Home und beendet das Set mit Daddys Gone. Coverversionen wie einen Abend vorher in Berlin gibt es heute nicht. Und dann passiert das für mich eigentlich überaschendste an dem Konzert, James, der während des gesamten Konzertes so kühl und unnahbar schien verbleibt als einzigstes Bandmitglied auf der Bühne und bedankt sich bei den Fans. Er schüttelt lange Hände und dreht sich immer wieder winkend um, auf seinem Kurzen Weg hinter die Bühne.

Nun fällt es schwer, mit all den doch recht drastischen Bewertungen ein halbwegs neutrales Fazit zu fällen, doch ich fand das, was ich gesehen und gehört habe, nicht schlecht, schlecht wäre etwas anderes. Sicherlich, es war kein überragendes Konzert und vielleicht liegt genau da der Knackpunkt, dass zu viele Zuschauer zu hohe Erwartungen hatten. Gefallen haben muss es letztendlich auch dem ein oder anderen, ansonsten wäre nicht zu erklären, dass es auf eventim Einträge gibt, wie: "ich habe mir gleich die Karte fürs nächste Konzert gekauft …"

Ich würde jedenfalls jederzeit Glasvegas einem Abend mit Chris Martins Coldplay vorziehen. Auf mich wirkt Glasvegas nach wie vor irgendwie interessant und anders als andere und sicherlich wird es weiterhin spannend sein zu verfolgen, was aus dieser Band wird …

Im Übrigen wird das Konzert nicht vom allercoolsten Jugendsender von NRW, nämlich 1Live präsentiert, sondern von BigFM, was für mich ein wenig befremdlich wirkt, es hat aber auch etwas Positives, denn so ist der keine Raum nicht mit 1Live Werbebannern vollgehängt.

von Oliver S.

Tourtermine The Temper Trap:

13.06.2009 - Greenfield Festival, Interlaken
20.06.2009 - Magnet, Berlin
23.08.2009 - Highfield Festival, Erfurt

Tourtermine Glasvegas:

19.06.2009 Hurricane Festival, Scheeßel
19.07.2009 Melt! Festival

Setlist Glasvegas, Gebäude 9, Köln:

01: Geraldine
02: Lonesome swan
03: It's my own cheating heart that makes me cry
04: Polmont on my mind
05: Fuck you, it's over
06: Flowers & football tops
07: Ice cream van
08: Go square go

09: S.A.D. light (Z)
10: Please come back home (Z)
11: Daddy's gone (Z)

Links:

- Interview mit Glasvegas
- Glasvegas in Essen am 22.11.08
- und in Paris drei Tage vorher
- und schließlich noch einmal in Paris im Mai 2008




Dienstag, 3. Februar 2009

Interview: Glasvegas

3 Kommentare

Zweifelsohne einer der größten Newcomer der vergangenen Monate ist Glasvegas aus Schottland. Die Band wurd für ihr Debüt hochgelobt und nicht zuletzt dank des prominenten Unterstützers Alan McGee sehr schnell sehr bekannt.

Bei uns ist die Band nicht unumstritten, da ihre Liveauftritte, die wir bislang sehen konnten, alles andere als überzeugend waren. Aber das ist kein Grund, uns nicht
mehr über diese Shootingstars, deren erstem Album der NME 9 von 10 Punkten gegeben hat, zu informieren. Oliver aus Unna führte ein Interview mit Gitarrist Rab und Schlagzeugerin Caroline, das ihr hier findet.







Sonntag, 23. November 2008

Glasvegas, Essen, 22.11.08

1 Kommentare

Konzert: Glasvegas
Ort: Grugahalle Essen (Rockpalast Festival)
Datum: 22.11.2008
Zuschauer: halb volle Halle (sehr optimistisch)
Dauer: 30 min


Glasvegas war die zweite Gruppe, auf die ich mich in Essen besonders gefreut hatte. Wenn man sich ein wenig mit britischer Musik beschäftigt, ist man in den letzten Monaten an der schottischen Band nicht vorbeigekommen. Meine Vorfreude, die Glasgower einmal zu sehen, stieg und stieg.

Und so wie die Rascals vorher meine Skepsis ruckzuck weggespielt hatten, machten das Glasvegas mit meiner Vorfreude. Am Anfang war ich noch ganz gefesselt, doch das verflog. Damit muß ich meinem Pariser Mitblogger Oliver vollkommen recht
geben, der beim ersten Mal Glasvegas lobte, dann aber immer weniger Gefallen am gigantischen Sound der Schotten fand. Und ja, Glasvegas sind auch für mich jenseits der Bombastgrenze.

Zunächst waren die vier Bandmitglieder in Dunkelheit und Nebel gehüllt und nur schemenhaft wahrzunehmen. Das passte schon recht gut zu den Klängen von
Flowers and football tops. Dann gingen mehr Scheinwerfer auf, allerdings nicht metaphorisch.

Vielleicht könnte man Glasvegas als eine düstere Mischung der Killers mit den Fratellis bezeichnen. Düster aber popig. Dieses Dunkle spiegelte sich in der Kleidung
der Schotten wider. Sowohl Sänger James Allen, als auch sein Cousin Rab, Bassist Paul Donoghue und Schlagzeugerin Caroline McKay waren schwarz gekleidet. Die Schlagzeugerin fiel aber durch etwas anderes auf, durch ihr - nunja - dezentes Spiel. Sicher ist Trommeln auch schwer, wenn es leicht aussieht. Es sah sehr leicht aus, was sie da machte. Hände und Füße schienen immer das Gleiche zu machen. Das erinnerte mich an die Volksmusikgruppe bei Switch Reloaded.

Eines der Lieder erinnerte mich extrem an Ultravox'
Hymn. James Allen (der Fredi Bobic gleicht) klang manchmal aber auch nach Bono. Wer sich von einer ordentlichen Portion Bombast nicht abschrecken läßt - und der Bandname verspricht den ja schon - findet sicher an Glasvegas großen Gefallen, schlecht sind sie ja schließlich nicht, wie die teils überragenden Kritiken zeigen - und die Reaktionen der vielen Briten in der Grugahalle. Aber mir war das zu dick aufgetragen. Schade, schade.

Setlist Glasvegas, Rockpalast Festival, Grugahalle Essen:

01: Flowers and football tops
02: Lonesome swan
03: It's my own cheating heart that makes me cry
04: Polmont on my mind
05: Geraldine
06: Go square go
07: Daddy's gone

Links:

- Glasvegas in Paris (19.11.08)
- und am 15.05.08
- mehr Fotos vom Rockpalast



Donnerstag, 20. November 2008

Liam Finn, Paris, 19.11.08

3 Kommentare

Konzert: Liam Finn (Glasvegas)

Ort: Le Nouveau Casino, Paris
Datum: 19.11.2008
Zuschauer: nicht ausverkauft
Konzertdauer: Glasvegas 30-40 Minuten, Liam Finn eine gute Stunde



Gleich in zweifacher Hinsicht hatte ich mich am heutigen abend geirrt. Zum einen erwartete ich von Liam Finn ruhigen Singer/Songwriter - Folk, zum anderen hielt ich die Mitnahme von Ohrenstöpseln aus jenem Grunde für unnötig. Beide Annahmen sollte sich aber letztlich als Trugschluss herausstellen...

Die Schotten Glasvegas, die das Vorprogramm bestritten, hatte ich zum Zeitpunkt des Kaufes meiner Karte gar nicht hier erwartet. Sie wurden mir erst ziemlich spät "untergejubelt". Wenn ich sage untergejubelt, dürften sich Stammleser unserer Seite über den kritischen Unterton wundern . Wie meint Oliver das denn jetzt? , werden sie vermutlich fragen, denn als ich die junge Band aus Glasgow im Mai zum ersten Mal gesehen habe, war ich voll des Lobes und sparte nicht mit vollmundigen Kommentaren: "Wow, welch hymnischer und euphorisierender Sound", schrieb ich vor 6 Monaten an gleicher Stelle. Aber gerade jenes hymnische Element ist mir beim späteren Hören des Albums übel aufgestoßen. Ich finde nämlich das Debüt der immer ganz in schwarz gekleideten Musiker zu bombastisch, ja manchmal fast sogar zu schwülstig. Demzufolge hatte sich meine Begeisterung für die Band in der Zwischenzeit deutlich gelegt und ich kam bewußt noch nicht einmal pünktlich im Nouveau Casino an. Vom Set von Glasvegas bekam ich deshalb gerade noch drei Stücke mit, darunter die Singleauskopplung Daddy's Gone, die den Abschluß bildete. Ein melodisch-melancholischer Gitarrensound erfüllte den kleinen Pariser Club und ich fühlte mich irgendwie unangenehm an U2 erinnert. Zumindest ein Teil des Publikums schien aber an dem Bombast Gefallen gefunden zu haben und spendete Beifall. Die Jungs und das eine Mädel (die Drumerin) bedankten sich dafür artig und auch ziemlich gerührt bei den Zuschauern und verschwanden in der Kabine. Sympathisch wirken sie also nach wie vor, aber ihre Musik ist dann eher doch nichts für mich...

Setlist Glasvegas:

01: Flowers And Football Tops
02: Lonesome Swan
03: Cheating Heart
04: S.A.D. Light
05: Polmont On My Mind
06: Geraldine
07: Go Square Go
08: Ice Cream Van
09: Daddy's Gone


In der darauffolgenden Pause unterhielt ich mich angeregt mit der amerikanischen Folksängerin Mariee Sioux, die zur Zeit in Paris weilt und wegen Liam Finn gekommen war. Sie hatte von Musikerkollegen aus den Vereinigten Staaten Gutes von den Shows von Liam gehört und auch mir wurde Mister Finn von einer Flickr- Freundin empfohlen, die ihn kürzlich in Chicago gesehen hatte.

Liam ließ sich auch nicht allzulange bitten und zeigte sich recht bald auf der Bühne, um nachzuschauen, ob technisch alles in Ordnung sei. Dann verschwand er kurz, kam aber mit einer jungen, schwarzhaarigen Lady zurück und begann sein Set. Von Beginn an machte er klar, daß er es roh und verdammt rockig liebt, seine Gitarrenriffs hatten fast brachiale Gewalt und er schrie sich auch die Seele aus dem Leib! Ich wußte vorher nicht, was mich erwartet, denn Liam's Debütalbum I'll Be Lightning von 2007 lag mir nicht vor. Wenn man sich aber bei i-tunes oder auf der MySpace- Seite des Künstlers Kostproben davon anhört, kann man nicht erahnen, daß die teilweise poppig erscheinenden Stücke live eine solche Wucht entfalten.

Und als Liam sich hinter die Drums setzte und auf diese wie ein Wilder einprügelte, war mir definitiv klar, daß ich jetzt die Ohrenstöpsel dringend brauchte! Ich schob mir die Teile bis zum Anschlag in den Gehörgang, denn der bärtige Kerl auf der Bühne verstand wirklich keinen Spaß und erzeugte einen Höllenlärm. Der Sohn des Crowded House- Sängers Neil Finn trommelte so beherzt, daß ihm und den Zuschauern die Schlagstöcke um die Ohren flogen und er oft genötigt war, neue zu benutzen. Irre!

Bei seiner weiblichen Begleiterin auf der Bühne handelte es sich um die Multiinstrumentalistin Eliza-Jane Barnes, die ihrerseits Tochter von Jimmy Barnes, einem in Australien bekannten Musiker ist. Die schwarzgelockte Dame trug einen ziemlich gothisch aussehenden Fummel, wie ihn ältere Semester wie ich noch von frühen Anhängern von The Cure in Erinnerung hatten. Bei einem Song spielte sie auch ein seltsames Instrument, das aussah wie eine Harfe oder Zitter. Instrumentenkenner mögen mich bitte darüber aufklären, worum es sich dabei handelte...

Den Großteil des Sets bestritten Liam und Eliza-Jane zu zweit, aber bei drei Songs stieß Liams Bruder Tim mit hinzu und wirbelte am Schlagzeug, während Liam selbst seine Gitarre aufheulen ließ. Zu den gespielten Songs kann ich leider nicht viel sagen, aber man kann sicherlich davon ausgehen, daß fast das gesamte Album, das in Frankreich und Deutschland (hier beim Haldern Pop Label) erst 2008 erschienen ist, performt wurde. Bekanntestes Lied ist vermutlich Second Chance, das der (in Australien geborene) Neuseeländer bereits im TV bei David Letterman gespielt hatte.

Interessant ist, daß ich live nicht viel von seiner in den Medien oft zitierten Vorliebe für die Beatles und Elliott Smith heraushören konnte, das klang komplett anders, von Dreampop war bis auf wenige Ausnahmen fast nichts zu spüren.

Aber macht Euch bei den anstehenden Deutschland- Konzerten am Besten selbst ein Bild von Liam und berichtet an dieser Stelle einmal, wie ihr das Ganze empfunden habt!


Ausgewählte Konzerttermine von Liam Finn:

22.11.2008: Koninkliijke Schouwburg, 's Gravenhage, Niederlande
23.11.2008: Concertzaal Vooruit, Gand, Belgien (zusammen mit den black Keys)
25.11.2008: Blue Shell, Köln
26.11.2008: Roter Salon, Berlin
27.11.2008: Uebel & Gefährlich, Hamburg
28.11.2008: Paradiso, Amsterdam




Freitag, 16. Mai 2008

Lightspeed Champion, Paris, 15.05.08

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Konzert: Lightspeed Campion (These New Puritans, Glasvegas, Koko von Napoo)
Ort: La Maroquinerie, Paris (Inrocks Indie-Club)
Datum: 15.05.2008
Zuschauer: ausverkauft, aber wegen der Hitze zunächst nicht restlos gefüllt
Konzertdauer: alle 3 Vorgruppen circa 30 Minuten, Lightspeed Champion knapp 60 Minuten



Wenn man doch gleichzeitig auf zwei verschiedenen Konzerten sein könnte!


An diesem warmen 15. Mai wäre ich zu gerne wieder dazu in der Lage gewesen. Es gab nämlich zwei parallel laufende Veranstaltungen, die mich interessierten. Zum einen den einmal im Monat stattfindenden Inrocks Indie Club in meiner geliebten Maroquinerie und zum anderen ein Konzert von Folk-Barde Scott Matthews, der im Point FMR gastierte. Von letztgenanntem Konzert hatte ich allerdings erst sehr spät erfahren und zwar zu einem Zeitpunkt als Tickets für Lightspeed Campion längst geordert waren. Trotzdem kaufte ich eine Karte für Scott, denn ich wollte mich nach Glasvegas von der Maroquinerie abseilen und ins Point FMR hetzen. Lightspeed Champion interessierte mich nämlich nicht sonderlich, ich hatte Dev im November letzten Jahres schon einmal gesehen und bin auch kein Fan seiner CD.

Meine Pläne stellten sich aber leider als überambitioniert heraus, denn ich kam noch nicht einmal dazu, mein Ticket für Herrn Matthew abzuholen, ich hatte schlicht und einfach zu viel zu tun. Mist!

Volle Konzentration also auf den Inrocks Indie Club, der mit dem Auftritt der Pariserinnen Koko von Napoo begann. Ob es an den heissen Weibern auf der Bühne lag, dass mir so unglaublich warm war? Nun, zum Teil, denn ich musste zuvor den Berg Richtung Maroquinerie (rue menilmontant) zu Fuss besteigen, da die Buslinie 96 bestreikt wurde. Die Franzosen und ihre Streiks, eine unendliche Geschichte! Da frage ich mich doch, was Herr Sarkozy den ganzen Tag treibt. Der hat wohl alle Hände voll mit der Carla zu tun! Könnte er nicht einfach diese Streiks und Demos kurzerhand verbieten, zumindest wenn Konzertblogger Oliver Peel zu einem Gig muss?

Mit völlig verschwitztem T-Shirt stand ich also vor mich hin müffelnd in dem noch nicht besonders gut gefüllten Laden und glotzte auf die Bühne. Dort agierten die drei feschen Mädels und der mir vollkommen egale junge Mann am Bass. Im Mittelpunkt: die brünette Sängerin Toupie, die auch Gitarre und Klavier spielt und zuweilen in eine grüne Melodica bläst. Sie hatte sich extra für mich hübsch gemacht und war in einen roten Faltenrock geschlüpft (passend hierzu der Nagellack) zu dem sie wundervolle, karamellbraune Schuhe trug. Obenherum war sie in ein weisses Lightspeed Champion T-Shirt gehüllt. Der Headliner des heutigen Abends, mit dem Koko von Napoo auch durch Frankreich touren, hatte wohl die Spendierhosen an und der gesamten Pariser Band T-Shirts gestiftet. Ein netter Kerl dieser Devonte Hynes, ein richtiger Frauenversteher...

Mit der für den heutigen Abend passenden Kleidung konnte also nicht viel schief gehen und obwohl ich gegenüber dem über die Girlgroup lästernden Fotografen Robert Gil, behauptete, dass ich Koko von Napoo auch nicht so grandios fände, amüsierte ich mich insgeheim grossartig. Zum einen finde ich die schräge Stimme von Toupie, die wie die Sängerin der Eighties Band Altered Images klingt, ziemlich geil, zum anderen gefällt mir auch der schrammelig dargebotene New-Wound Sound. Alles ist sehr amateurhaft (die Schlagzeugerin macht auf mich immer den Eindruck, dass sie sich sehr konzentrieren müsse, um sich nicht zu verspielen) und simpel gehalten, dafür aber sehr eingängig und auch tanzbar. Und Hits haben die Kokos reichlich zu bieten, eigentlich ist jedes Lied ein Kracher! "Polly" und Jonbon" findet man auch auf ihrer MySpace Seite, aber es gibt noch andere Perlen, die man im Moment nur auf Konzerten hören kann. "I'm Dead" beispielsweise ist mit seinem scharfen Basslauf und der Synthiesprenklern bester 80 er Jahre Indie-Pop im Stile von New Order und das ein oder andere Stück hätte auch Blondie nicht besser hinbekommen.

"Felicitations et bravo" also von meiner Seite an Koko von Napoo für ein knallbuntes und kurzweiliges 30 Minuten Set!

Im Anschluss blieben wir mit den Schotten Glasvegas musikalisch beim Thema Eighties- Revival. Die Bühne war in äusserst dichten roten Nebel gehüllt, so dass man von den Musikern nur die schwarzen Umrisse und ab und zu das Gesicht des Sängers (James Allan) mit der schmalzigen Elvis Presley Tolle sah. Man konnte anhand der Silhouetten erahnen, dass die Schotten, die vom NME in den höchsten Tönen gelobt werden, nicht sonderlich schlank waren, aber die Optik spielte hier überhaupt keine Rolle. Es ging in allererster Linie um eine melancholische und leicht gothisch zu nennende Atmosphäre, die mit Hilfe des rot-schwarzen Lichts und einer wahren Wand hochmelodischer Gitarren erzeugt wurde. Wow, welch hymnischer und euphorisierender Sound, kein Wunder, dass der NME von den neuen Jesus & Mary Chain schwärmt und die Single "Daddy's Gone" zur Nummer 2 (!) seiner Jahrescharts 2007 gewählt hat! Nicht nur von diesem Hit war auch ich von den Socken, sondern im Grunde genommen von jedem Song, der da abgefeuert wurde. Sänger James Allan sang zeitweise wie ein schottischer Robert Smith (Akzent inklusive) und die weibliche Schlagzeugerin Caroline McKay trommelte hinten wie eine Wilde, das es eine wahre Wonne war.

Und dann diese unfassbare Nummer "Geraldine", ein zukünftiger Klassiker des Brit-Pop. Schade, dass nach lediglich 30 Minuten schon Schluss war, ich hätte noch stundenlang den atmosphärischen Klängen zuhören können. Kurzum: meine neue englische Lieblingsband, von der sich auch andere Zuschauer begeistert zeigten. Philippe sah Ähnlichkeiten zu Aztec Camera, den Manic Street Preachers und natürlich Jesus And Mary Chain, ich allerdinsg auch zu den frühen U2, was mir die Sache aber nicht im Geringsten vermieste. Malcolm Middleton oder The Twilight Sad wären ohnehin die passenderen Referenzen gewesen.

Also vergesst sofort Las Vegas und merkt euch Glasvegas!

Die Schotten werden dieses Jahr bei allen renommierten englischen Festivals auftreten, Glastonbury, T in The Park, etc. Wer Glück und Zeit hat, ist dabei!

Setlist Glasvegas, La Maroquinerie, Paris:

01: Flowers And Football Tops
02: Lonesome Swan
03: It's My Own Cheatin Heart That Makes Me Cry
04: Geraldine
05: Polmont
06: Go Square Go
07: Daddy's Gone

Nach Glasvegas enterte eine andere junge "NME-Band" die Bühne der Maroquinerie. Ihr Name: These New Puritans. Eigentlich ein Quartett mit weiblicher Keyboard-Spielerin (Sophie Sleigh- Johnson), heute aber nur zu dritt und rein männlich. Präsent waren neben dem Bassisten Thomas Hein die Brüder Barnett, Jack verantwortlich für Gitarrenspiel und Gesang und sein Zwilling Georg, zuständig für die Drums und das "Löcher-in-die-Luft gucken" (was hatte er da oben an der Decke bloss gesehen?).

Ein stylishes Trio, das so schick ist, dass sich schon Modedesigner Hedi Slimane auf sie gestürzt hat und sie womöglich in klamottentechnischer Hinsicht berät. Ob er für Sänger Jack Barnett auch dieses seltsame Oberteil angefertigt hat, was dieser heute trug? Und was war das eigentlich?
Eine Ritterrüstung? Ein Adlerkostüm? Ich hatte soetwas jedenfalls noch nie gesehen...

Und kostbare Spielzeit wollten die jungen Engländer wohl auch nicht vergeuden, sie stiegen mit Volldampf in ihr 32 minütiges Set ein und feuerten mit "Navigate, Navigate", "Swords Of Trouth" und Numbers" (what's your favourite number?") drei UK-Singles hintereinander ab. Allesamt schrammelige Neo-New Wave Nummern, die äusserst hibbellig und tanzbar daher kamen. Ich musste aufgrund der düsteren Grundstimmung un dem nörgeligen, repetetiven Gesang sofort an die Kultband The Fall denken.
Junge Leser, die The Fall nicht kennen, stellen sich einfach eine rohere und weniger meliodiöse Form von Franz Ferdinand und Bloc Party vor. In der Fachpresse werden sie zudem oft mit den Klaxons verglichen (mit denen sie auch schon auf Tour waren), aber sie scheinen mir live doch deutlich weniger elektronisch zu sein.

Als persönliches Highlight des Sets empfand ich "Elvis", das mit einem gemeinen Basslauf und treibendem Sound gefallen konnte. Stücke wie "FFF" (Fire Fire Fire) und das abschliessende "Infinity" wirkten hingegen recht monoton und sorgten somit für eine gemischte Einschätzung des Potentials dieser aufstrebenden Band. Fetzig und stylish sind sie, aber ob das reicht, um auch noch 2009 eine Rolle bei den Kids zu spielen, muss man abwarten. 2008 sind sie jedoch bei fast allen wichtigen Festivals dabei, sei es Benicassim, Pukkelpop, oder gar bei dem japanischen Summer Sonic Event.

Setlist These New Puritans, La Maroquinerie, Paris:

01: Navigate- Colours
02: Swords Of Truth
03: Numerology AKA Numbers
04: C 16 TH
05: Elvis
06: Colours
07: En Papier
08: FFF
09: Infinity

Auf den diesen Konzertabend abschliessenden Auftritt von Lightspeed Champion musste man eine ganze Weile warten.

"Sorry for the wait" entschuldigte sich dann auch der pelzkappetragende Sänger Devonte Hynes, der hinter dem Projektnamen Lightspeed Champion steckt. Zvor hatte schon seine niedliche Drummerin Trockenübungen an ihrem Schlagzeug gemacht. Sie war die Erste von der Band, die sich auf der Bühne blicken liess, wahrscheinlich wollte sie sich ausgiebig mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut machen...

Die kleine Lady, die mit ihrem Dress und dem flotten Tuch an eine Pfadfinderin erinnerte, war schon die dritte Schlagzeugerin des Abends, nur bei These New Puritans gab es einen männlichen Drummer. Drummerin, ein typischer Frauenberuf? Scheint zumindest stark im Kommen zu sein!

Und Männer spielen jetzt neuerdings Geige, oder was? Eigentlich ist dies ja das typisch weibliche Instrument, man braucht bloss einmal in die Berliner Philharmonie zu gehen, oder sich anzusehen,
wer bei Get Well Soon, Operator Please und Arcade Fire fiedelt. Bei Lightspeed Chamion ist aber alles ein wenig anders...

Ein schwarzer Mann mit Pelzkappe und Brille, der damals bei den Test-Icicles den New-Rave miterfunden hatte und nun mitsamt männlichem Geiger und weiblicher Gitarristin Folk-Pop im Stile von Conor "Bright Eyes" Oberst spielt, mit dessen Musikern er auch das Album "Falling Off The Lavender Bridge" in Omaha aufgenommen hat. Schon komisch, oder?
Und dafür im übrigen hervorragende Kritiken eingeheimst hat. Ich bin allerdings nicht sein allergrösster Fan, das muss ich gestehen. Und damit meine ich jetzt nicht meine recht bescheidene Körpergrösse, sondern die Tatsache, dass mir seine Kompositionen zeitweilig ein wenig zu süsslich sind. Man muss sich nur einmal das schmalzige Teil "All To Shit" anhören, dass gegen Ende kam, um zu wissen, was ich meine.

Insgesamt ist das Liedmaterial von Devonte aber gar nicht mal so schlecht, den Hit "Galxy Of The Lost" muss auch ich ihm lassen und das neue Stück
"Marlene" kam recht fetzig und dennoch melodiös daher. Darüber hinaus muss man auch den Soundtechnikern in der Maroquinerie mal ein Kompliment machen, der Sound war klar, druckvoll und präzise. Und dass lag natürlich auch an der gut eingespielten Band, die sehr interessante und charmante Kompositionen zu bieten hat, die mich wohl vollends begeistern würden, wenn nicht desöfteren die Extraportion Zuckerguss darübergekippt würde.

Wirklich etwas für's Herz war aber der Kurzauftritt der süssen Mädels von Koko von Napoo, die Devonte galanterweise als "amazing band" bezeichnete. Die Pariserinnen sangen zu "Madame van D" herzallerliebst und mit viel Einsatz mit und wurden zu recht gefeiert. Von den angekündigten französischen Lyrics, die extra für heute eingebaut werden sollten, habe ich aber irgendwie nichts mitbekommen. Vielleicht habe ich nicht richtig hingehört?!

Richtig hingehört dürfte ich aber bei der Ankündigung der Singleauskopplung "Tell Me What It's Worth" haben, denn diese stellte der sehr gut gelaunte Herr Hynes als "Let's fucking kill it" vor.

Ansonsten zeigte er sich aber guterzogen und galant und kam vor allem beim weiblichen Publikum sehr gut an.

Neben der Gitarre spielte er auch Keyboard und zu "All To Shit" sogar Schlagzeug und stellte sich gar nicht mal so dumm dabei an. Letzlich endete er nach circa einer Stunde Spielzeit auf der rechten Box und spielte über den Köpfen der erstaunten Zuschauer seine melodiösen Riffs weiter. Abgefahren!...

Setlist Lightspeed Champion, Maroquinerie, Paris:

01: Galaxy Of The Lost
02: Marlene (neu)
03: Dry Lips
04: Madame Van D
05: Tell Me What It's Worth
06: No Surprise
07: Happy Birthday (neu)
08: All To Shit
09: Star Wars Surprise (eigentlich Midnight Surprise)


Links:

- mehr Fotos von Koko von Napoo
- mehr Fotos von Glasvegas
- Fotos von These New Puritains
- Fotos von Lightspeed Champion




 

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