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Montag, 24. Februar 2014

Beady Eye, Köln, 22.02.14

5 Kommentare

Konzert: Beady Eye
Ort: Live Music Hall
Datum: 22.02.2014
Dauer: ca. 90 Minuten
Zuschauer: ca. 1000 (nicht ausverkauft)

Quo Vadis: Oasis in der Kölner Live Music Hall


Gestern Nachmittag las mein Freund nachdenklich meine bisherigen Berichte (siehe unten) über die Oasis-Nachfolgeband Beady Eye und sagte schließlich: "Das liest sich eigentlich nicht so, als wolltest du diese Band noch einmal live sehen." Dem hatte ich nicht wirklich viel entgegenzusetzen. Da ich aber ein netter Mensch bin, erklärte ich mich dennoch bereit, ihn - einen großen Oasis- und Gallagherfan - abends nach Köln zu begleiten, wo Liam Gallagher und Kollegen das einzige Deutschlandkonzert ihrer aktuellen Tournee spielten - als Nachholtermin für einen ausgefallenen Termin im letzten Jahr.



Nachdem ich selbst auch kurz zuvor einen Blick auf meine alten Berichte geworfen und so mein Gedächtnis aufgefrischt hatte, fiel mir bei unserer Ankunft zunächst auf, dass die Halle zwar durchaus voll (wenn auch nicht ausverkauft) war, ich entdeckte aber nicht die von anderen Auftritten gewohnten Scharen von grölenden "Ultras". Sicher, der eine oder andere Mod-Haarschnitt war im Publikum zu sehen, der Männeranteil war wie gewohnt hoch und auch Kleidung von Liam Gallaghers Modelabel "Pretty Green" war vielfach zu sehen. Dennoch, die ausgelassene (und für mich zugegebenermaßen eher nervige) Atmosphäre mit besoffenen Fans und deren Gegröle schien dieses Mal auszufallen. Als Aufwärmmusik liefen passenderweise Titel von The Beatles, The Who, The Kinks, wieder The Beatles und ein wenig Punk.

Im Hintergrund der Bühne befanden sich dieses Mal an Stelle eines riesigen "Beady Eye"-Schriftzugs drei Leinwände, die später jedoch nur dezent eingesetzt wurden, um etwa Ausschnitte aus den Videos ("Second Bite Of The Apple", "The Roller") zu zeigen. Gelegentlich, wie bei "Shine A Light" passten die eingesetzten Visualisierungen zu den Songs (hier Lichtpunkte und -reflexe).




Im Netz war von einem Konzertbeginn um 19:30 Uhr die Rede gewesen, was glücklicherweise nicht stimmte, denn wir waren erst gegen 20 Uhr vor Ort eingetroffen. Tatsächlich war in der Live Music Hall aber für 22 Uhr eine Flatrate-Saufveranstaltung angesetzt, so dass Beady Eye, dieses Mal verstärkt durch den Keyboarder Matt Jones, ohne Vorband gegen viertel nach acht die Bühne betraten. Aber irgendwie auch nicht. Liam Gallagher - mit seinem neuen Kurzhaarschnitt erkannte ich ihn nicht sofort, zumal wir relativ weit hinten standen - hielt sich zwar auf der Bühne auf, aber stand dort nur, redete und kauerte schließlich an zwei verschiedenen Stellen des Bühnenrandes, um offenbar mit dem Publikum zu sprechen. Komisch. Gerade als ich begann, mir Sorgen zu machen, ob es vielleicht unlösbare technische Schwierigkeiten gäbe, weshalb das Konzert nicht stattfinden können würde, kam der Rest der Band - Gem Archer, Andy Bell, Chris Sharrock und Neuzugang Jay Mehler - zu den Klängen des unveröffentlichten Songs "White Smoke" ebenfalls eher unspektakulär auf die Bühne und es ging los.


Wie eingangs und auch sonst schon oft erwähnt, habe ich ja so meine Probleme mit Beady Eye. Zu der Tatsache, dass ihr Songmaterial in den meisten Fällen nicht sonderlich stark ist, kommt noch diese starre Dauercoolness, die ich nicht wirklich begreife. Insofern kann ich nur sagen, dass ich den Eindruck hatte, Liam und die Band seien nicht sonderlich gut gelaunt, aber letztlich sind bei Herrn Gallagher Junior gute und schlechte Stimmung recht schwer voneinander zu unterscheiden. Dass Andy Bell und ein weiteres Bandmitglied den kompletten Auftritt lang Sonnenbrillen trugen und anscheinend keinerlei Kommunikation zwischen den Musikern stattfand, erleichterte die Stimmungseinschätzung auch nicht. Die Tatsache, dass es mir trotz Anglistikstudium darüber hinaus relativ schwer fällt, die verbalen Äußerungen Gallaghers zu verstehen, verkomplizierte die Einordnung der Situation noch zusätzlich.

Immerhin war sich Liam möglicherweise bewusst, dass ihn manch einer nicht verstehen konnte, weshalb er nicht mit Gesten sparte - die ich leider aber auch nur schlecht begriff. Nach dem ersten Song "Flick of the Finger" trat er nacheinander links und rechts an den Bühnenrand und rieb bedeutungsvoll seine Finger in einer Geste, die für mich "Geld" oder auch "Bestechung" bedeutet. Was ja auch der Übersetzung von "Flick of the finger" entspricht, oder wollte er uns damit zusätzlich etwas sagen? Vielleicht gab er ja auch ein Statement zu der Tatsache ab, dass ich soeben an der Abendkasse stolze 80 Euro für unsere beiden Tickets bezahlt hatte?


 

Die restliche Band trug kommunikativ mehr oder weniger nichts bei und spielte recht unbeweglich ihre Songs. Allein Archer griff bei "Second Bite Of The Apple" zur Abwechslung zu zwei Rasseln. Im ersten Drittel der Setliste gab es hauptsächlich Titel des aktuellen Albums "BE" zu hören, allein "Four Letter Word" bildete eine Ausnahme.

Vor dem Liebeslied "Soul Love" verstand ich endlich einmal etwas, da sagte Liam "This one is for the givers, not the takers!" Mysteriös wurde es aber wieder bei der Ankündigung des Oasis-Superhits "Wonderwall", Liam hatte bereits zuvor am Ende von "Shine a Light" mehrfach mit dem Finger ein Viereck in die Luft gezeichnet. Nun weiß ich, dass "square" auch langweilig / bieder / doof bedeuten kann - waren damit wir gemeint? Er sagte dann sinngemäß, dass es im Publikum vorne "circles" und hinten "squares" gäbe, und dass der nächste Song für die "squares" sei. Ah ja. Hieß das jetzt, dass nur doofe Spießer bei einem Beady Eye-Konzert Oasis-Hits hören wollen, er ihnen aber das Verlangte zu geben bereit ist? Nach "Wonderwall" wurde zu einem Publikumsmitglied erst etwas für mich Unverständliches gesagt, dann folgte "If you can't be arsed, then neither can I!". Ein Kommentar zur Stimmung oder etwas ganz anderem?



Das restliche Publikum hatte wohl auch seine Verständnisschwierigkeiten, denn um uns herum blieb die Stimmung in der Tat eher gedämpft. Gut, der eine oder andere gefüllte Bierbecher flog als Begeisterungssignal durch die Gegend, aber insgesamt war von Ausgelassenheit nicht viel zu spüren. Statt "Beady Fucking Eye", das beim früheren Kölne Auftritt immer wieder skandiert worden war, gab es dieses Mal nur noch "Liam! Liam"-Rufe. Selbst die Oasis-Hits (später folgte als zweiter noch "Cigarettes & Alcohol"), zu denen sich das Publikum bei der Stone Roses-Wiedervereinigung in Manchester singend in den Armen gelegen hatte, wurden in der Live Music Hall eher mit stiller Zufriedenheit angenommen, ebenso Beady Eyes bester eigener Song "The Roller". Und seien wir ehrlich: Die Livedarbietung zeigte wieder einmal deutlich, dass die Qualität von Beady Eyes eigenen Lieder in den seltensten Fällen annähernd an das heranreicht, was Noel Gallagher so schreiben kann.




Dass Liam sich nun wie sein Bruder die Freiheit nimmt, in seinen Sets auch alte Oasis-Hits zu spielen, gönne ich ihm gerne. Aber wieso entschied er sich ausgerechnet für zwei Titel aus den frühen Tagen der Band, in der weder Bell, noch Archer, noch Sharrock mit dabei und somit noch nicht einmal in die Aufnahmen der Songs involviert waren? Dann wären doch Singles, die nach 2002 erschienen sind, sinnvoller, oder doch erst recht Oasis-Songs, die von Liam ("Songbird", "I'm Outta Time", "The Meaning Of Soul"), Andy ("Turn Up The Sun") oder Gem ("To Be Where There's Life") geschrieben wurden und die Setliste ein wenig authentischer hätten aufpeppen können. Stattdessen spielte man mit "Wonderwall" ein Lied, das Noel Gallagher einst für seine Exfreundin schrieb und das mit Beady Eyes Mitgliedern nun wirklich überhaupt nichts zu tun hat.

Meine Vermutung, dass die Band nicht sonderlich gut aufgelegt sei, schien sich zu bestätigen, als nach "Wigwam" der Hauptteil zu Ende ging. Beady Eye spielen aktuell stets dieselbe Setliste, weshalb bereits klar war, dass als Zugabe noch eine Coverversion von "Gimme Shelter" der Rolling Stones geplant war. Dennoch begann sofort Musik vom Band, weshalb viele Besucher bereits Richtung Ausgang strömten, als die Band doch noch zurückkehrte und den Song spielte. Vielleicht hatte diese Merkwürdigkeit aber auch gar nichts mit dem Publikum zu tun, sondern mit dem bereits erwähnten, für 22 Uhr geplanten Saufevent - nach Ende der Zugabe war es 21:50 Uhr, so dass die Hallenbetreiber es sicher eilig hatten, die Konzertbesucher nun aus der Halle heraus und die Alkoholfreunde hinein zu bekommen. Und auch dieser Umstand könnte sich durchaus negativ auf die Stimmung der Band ausgewirkt haben, denn wer lässt sich schon gerne hetzen?




Beim Herausgehen hörte ich ein Gespräch von zwei anderen Konzertbesuchern mit, von denen der eine meinte, dass "Gimme Shelter" ja wirklich gut gewesen sei. Der andere meinte darauf: "Ja, aber es war auch mit Abstand das beste." Er fuhr fort, dass die Band für die Zukunft nur zwei Optionen habe, dann nannte er derer drei: Sich mit Noel versöhnen, bessere Songs einkaufen oder aber eine Coverband für die besten britischen Hits der letzten 30 Jahre werden. Mir erscheint keine der genannten Optionen als realistisch, dennoch blieb auch für mich der Eindruck zurück, dass es so wohl nicht mehr lange mit Beady Eye weitergehen kann. Aber wie dann?

Setlist Beady Eye, Köln:

01: Flick of the Finger
02: Face the Crowd
03: Four Letter Word
04: Soul Love
05: Second Bite of the Apple
06: Iz Rite
07: Shine a Light
08: Wonderwall
09: The World's Not Set in Stone
10: I'm Just Saying
11: Soon Come Tomorrow
12: Cigarettes & Alcohol
13: The Roller
14: Start Anew
15: Bring the Light
16: Wigwam

17: Gimme Shelter (Z)

Aus unserem Archiv:

Beady Eye, Köln, 14.03.2011
Beady Eye, Manchester, 30.06.2012

Bilder: Dirk von Platten vor Gericht




Mittwoch, 4. Juli 2012

The Stone Roses, Manchester, 30.06.12

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Konzert: The Stone Roses u.a.Ort: Heaton Park, ManchesterDatum: 30.06.2012Zuschauer: 75.000 (ausverkauft)
Dauer: The Stone Roses 105 min, Beady Eye 45 min

von Ursula (neulich als ich dachte) und Dirk (Platten vor Gericht)
Wir hatten das Thema schon einmal: Eigentlich mag ich Bands nicht gerne mehrmals sehen. Klar, bei grundsätzlich tollen Interpreten ist zumindest bei neuen, guten Albumveröffentlichungen, jedes Mal wieder ein Konzertbesuch fällig. Aber ich bin nicht der Typ, der sich Karten für die halbwegs erreichbaren Stationen einer kompletten Morrisseytournee kauft, so gerne ich ihn auch mag.
Folglich war ich auch nicht begeistert, als ich erfuhr, dass die Stone Roses, für deren großes Reunionkonzert in Manchester ich zu meiner eigenen Überraschung Karten ergattert hatte, anschließend etliche Konzerte in Europa bekanntgaben, die VOR der großen offiziellen Wiedervereinigung stattfinden sollten – und als einer dieser Auftritte beim Hurricane Festival sein sollte, für das ich ebenfalls Karten hatte. Über dieses Konzert berichtete ich ja bereits, aber das Event in Manchester hatte natürlich andere Dimensionen.
Gestern war sie nun, die offizielle Stone Roses Reunion. Eines von drei Konzerten im Heaton Park im Band-Heimatort Manchester, an drei aufeinander folgenden Tagen, vor jeweils 75.000 Zuschauern. Beim Hurricane Festival hätte die Band, wenn jeder einzelne Gast gekommen wäre, immer noch „nur“ 70.000 erreichen können. In Wirklichkeit kam aber nur jeder Siebzigste bis Hundertste ...

225.000 Menschen hatten also dafür bezahlt, eine Band, die seit 1994 nichts mehr veröffentlicht hat, zu sehen, eine für mich unvorstellbare Zahl. Bei unserer Ankunft in Manchester gestern Morgen sahen wir sie aber schon überall: Menschen in unserem Alter, meistens in Gruppen, in Gummistiefeln und mit Stone Roses
T-Shirts. Manchesters Plattenläden haben ihre Auslagen mit Alben der Roses und Band aus ihrem Umfeld dekoriert, in den Pubs waren alle eifrig mit Vorglühen beschäftigt.

Der Heaton Park, in dem das Massenevent stattfand, liegt relativ weit außerhalb. Aus der Innenstadt konnte man mit Shuttlebussen oder der Straßenbahn anreisen. Als wir uns gegen 15 Uhr der Bahn näherten, warteten hier bereits Massen andere Konzertbesucher, und bereits nach einigen Haltestellen wurde die Anreise zu einer feucht-fröhlich-gequetschten Saunafahrt.

Im riesigen, abgesperrten Areals des Parks verliefen sich bei unserem frühen Eintreffen die Konzertbesucher nach dem Einlass zunächst einmal ziemlich. Die Massen an Fress-, Bier- und Merchandiseständen konnten sich mit jedem Festival messen, und auch das Wetter entschied sich, festivalmäßig zu sein und gelegentlich heftige Schauer auf uns niederregnen zu lassen. Die englischen Besucher lösten das Problem der langen Schlangen an den Bierständen, indem immer so viele Becher gekauft wurden, wie man zu Tragen in der Lage war.
Am Vortag hatte ich auf Twitter gesehen, dass man für den Raum vor der Bühne ein spezielles Armbändchen benötigte, und wir waren begeistert, als wir ein solches noch bekommen konnten – fühlten uns dann aber weit weniger auserlesen, als wir sahen, wie groß der Vorbühnenbereich war – die Bändchen wurden auch zwei Stunden später noch ausgegeben.

Das Line-up des Nachmittags sollte folgendermaßen aussehen: Zunächst spielten die mir unbekannten Bands Hollie Cook und Professor Green, dann wie bei allen drei Konzerttagen Ian Browns angebliche Lieblingsband The Wailers, dann Beady Eye und zuletzt natürlich die Gastgeber. Band 1 und 2 ignorierten wir so gekonnt, dass wir nicht einmal Professor Greens Gaststar Lily Allen bemerkten. Für The Wailers begaben wir uns dann notgedrungen vor die Bühne – schließlich wollte man ja bei Beady Eye etwas sehen – und stellten eher überrascht fest, dass die anderen Konzertbesucher mit Reggae deutlich mehr anfangen konnten als wir. Alte Bob Marley Hits wie „I shot the Sherriff“, „Everything’s gona be all right“, „No Woman No Cry“ und „One Love“ wurden durchaus begeistert abgefeiert.
Dann war es Zeit für Beady Eye. Auch Liam Gallaghers Oasis-Nachfolgeband hatte ich bereits live gesehen und verspürte keine gigantische Neigung, das ohne neues Album zu wiederholen, aber immerhin mein Freund war glücklich. Vor 15 Monaten in Köln hatte Liam beim Hallenkonzert einen Parka getragen, den er komplett durchgeschwitzt hatte, beim regnerischen Open Air Festival erschien er in schwarzem T-Shirt mit schwarzer Lederjacke. Auch hier waren nach kürzester Zeit Transpirationsspuren sichtbar, obwohl sich der jüngere Gallagher doch gewohnt wenig auf der Bühne bewegte.
Spannend bei diesem Auftritt war immerhin, dass Beady Eye angekündigt hatten, auch Oasis-Titel zu spielen, was die Band in ihrer bisherigen Karriere verweigert hatte. Kurz zuvor hatten Beady Eye Warm-Up-Gig gespielt, da sie dieses Jahr zuvor noch keinen Auftritt bestritten hatte, und so war durchgesickert, dass es tatsächlich zwei Oasis-Songs in die Setliste geschafft hatten. Und in der Tat erklang nach „Four Letter Word“, „Beatles and Stones“, „Bring the Light“ und dem neuen Song „World not set in Stone“ als erster Oasis-Hit „Rock ’n’ Roll Star“ – mit einer Widmung an „the one and only Ian Brown“. Der Unterschied war frappierend: Während das betrunken-gutgelaunte Publikum um uns herum die Beady Eye-Songs wohlwollend aufgenommen hatte, wurde „Rock’n Roll Star“ mit Enthusiasmus und beeindruckender Textsicherheit der Masse abgefeiert. An Stelle der Band wäre ich über diesen Resonanzunterschied, der sich später bei „Morning Glory“ genauso wiederholte, alles andere als erfreut gewesen. Zu deutlich wurde, dass Beady Eye als Oasis-Ersatz akzeptiert wird, aber mehr auch nicht. Und angesichts des Qualitätsunterschieds der eigenen Songs gegenüber den alten Hits ist das auch mehr als verständlich, denn höchstens „The Roller“ konnte sich, auch im Hinblick auf die Reaktion des Publikums, mit den beiden Noel-Kompositionen messen.

Vor „Morning Glory“ hatte uns Liam Gallagher noch versichert, dass es ihm eine „fucking honour“ sei, vor „the best fucking band in the world“ zu spielen. Worte, die man ihm abnehmen darf, denn schließlich war er Gast der Stone Roses bei den ersten Konzerten in Warrington und Barcelona. Den Abschluss des rund 45minütigen Auftritts bildete eine sehr lange Version von „Sons Of The Stage“, zu der Liam sich ungewohnt volksnah präsentierte und unterhalb der Bühne reichlich Hände schüttelte.

Setlist Beady Eye, Heaton Park, Manchester:

01: Four Letter Word
02: Beatles And Stones
03: Bring The Light
04: World Not Set In Stone
05: Rock ’n’ Roll Star (Oasis)
06: The Roller
07: Standing On The Edge Of Noise
08: Wigwam
09: Morning Glory (Oasis)
10: Sons Of The Stage

Mit dem Abspielen des Supremes-Hits „Stoned Love“ (den um uns herum ebenfalls viele mitsingen konnten) war es dann so weit – mit wesentlich mehr Dramatik und Jubel als in Scheeßel betraten Ian Brown, John Squire, Reni und Mani die Bühne. In
deren Hintergrund wurden, zu den bereits bei den Vorbands im Einsatz gewesenen riesigen LCD-Leinwänden seitlich der Bühne, zehn weitere, bewegliche enthüllt, so dass ein riesiger Raum um die Bühne herum wahlweise die Band, die von 3 Kameras aufgenommen wurde, oder andere Bilder, wie Plattencover oder die obligatorischen Zitronen, zeigen konnte.

Das Publikum war größer, die Stimmung besser, die Bühne beeindruckender, aber die Setliste wich nur in einigen Details von der bereits gehörten ab. Wie gehabt begann alles mit „I Wanna Be Adored“, doch von Ian Browns Gesang war kaum ein Ton zu hören - nicht weil er so schlecht sang, sondern weil er vom Publikum komplett übertönt wurde. Nach den folgenden „Mersey Paradise“, „(Song For My) Sugar Spun Sister“ und „Sally Cinnamon“ flachte die Stimmung bei den nächsten, mit einigen B-Seiten versehenen Songs etwas ab. An einem Abend, an dem die Stone Roses ihr Debütalbum komplett spielen, darf man sich eigentlich nicht über die Songauswahl beschweren, anmerken darf man aber dennoch, dass mit „Elephant Stone“, „What The World Is Waiting For“, „One Love“ und „Begging You“ gleich vier Singles keine Berücksichtigung fanden.
Spätestens mit „Fools Gold“, das gestern Abend noch mal ein paar Minuten länger gespielt wurde, war dann alles wieder in Ordnung. Fast schon gruselig fand ich, dass Ian Brown auch dieses Mal „Don’t Stop“, das nahtlos aus „Waterfall“ hervorgegangen war, gesanglich wieder völlig versemmelte, im Anschluss bot er zu „Love Spreads“ eine deutlich besser funktionierende Rapeinlage. Bei den häufig extrem langen Gitarrensoli konnte John Squire seine Klasse zeigen, und Mani durfte am Ende von „Standing Here“ mit einem Basssolo glänzen, für das er von Ian Brown geknuddelt wurde.

Die folgenden „Made Of Stone“, „This Is The One“ und „She Bangs The Drums“ führten beim Publikum zu enthusiastischer Begeisterung, die sich auch im Abbrennen von Bengalischen Feuern äußerte.
Eine angenehme Überraschung war, dass die Band auch ihr im Stil extrem untypisches und superkurzes „Elizabeth My Dear“ spielte, begleitet von Kritik an der Königin durch Ian Brown, die ich im Detail nicht verstanden habe.
Zuletzt konnten wir dann auch wieder das bewährte und allseits mitgesungene „I Am The Resurrection“ genießen, dann umarmten sich die vier Bandmitglieder zunächst ausgiebig, um sich gemeinsam am Bühnenrand stehend mit dem Ausruf „We are fucking back!“ zu verabschieden. Alles vorbei? Nur beinahe, denn nun erklang aus Lautsprechern Bob Marleys „Redemption Song“ während hinter uns am Rande des Konzertareals ein riesiges Feuerwerk abgebrannt wurde. Als wir uns im anschließenden beachtlichen Gedränge Richtung Bahn treiben ließen, erläuterte hinter mir ein Engländer seinem Kumpel, dass er nach diesem Ende keine Zugabe gewollte habe, es sei so einfach gut und komplett gewesen. Da kann man ihm nur zustimmen - auch, wenn ich im Mittelteil die Setliste geändert hätte.

Setlist The Stone Roses, Heaton Park, Manchester:

01: I Wanna Be Adored
02: Mersey Paradise
03: (Song For My) Sugar Spun Sister
04: Sally Cinnamon
05: Where Angels Play
06: Shoot You Down
07: Bye Bye Badman
08: Ten Storey Love Song
09: Standing Here
10: Fools Gold
11: Something's Burning
12: Waterfall
13: Don't Stop
14: Love Spreads
15: Made Of Stone
16: This Is The One
17: She Bangs The Drums
18: Elizabeth My Dear
19: I Am The Resurrection

Links:

- aus unserem Archiv:
- The Stone Roses, Scheeßel,
- The Stone Roses, Amsterdam, 12.06.12
- Beady Eye, Köln, 14.03.11


Dienstag, 15. März 2011

Beady Eye, Köln, 14.03.11

1 Kommentare

Konzert: Beady Eye
Ort: Ewerk, Köln
Datum: 14.03.2011
Zuschauer: ausverkauft


Zweiter Aufguss: Beady Eye in Köln
von Ursula von neulich als ich dachte

Einige leidenschaftliche Oasis-Fans erinnern mich daran, wie ich mir manche Fußballfans vorstelle: Statt des Fanschals trägt man ein Seidentuch, statt der Mannschaftsfahne einen Union Jack und statt Fangesängen grölt man „Wonderwall“ oder „Don’t look back in anger“ - selbstverständlich, nachdem man ausführlich vorgeglüht hat. Anders ist allein die England-Leidenschaft dieser Musik-Ultras (es gibt ja tatsächlich Oasis-Ultras): Sie tragen Fred Perry mit Parka oder irgendetwas Mod-mäßiges. Im Endeffekt sind sie aber meist nur dumme Deutsche, die lieber dumme Engländer wären.

So weit, so egal. Sollen sie doch ihren Spaß haben. Aber als wir uns anlässlich des Geburtstags meines Freundes (Oasis-Fan, Fußballfan, grölt trotzdem nur ganz selten) gestern Abend dem Kölner E-Werk näherten, wo ein Auftritt von Liam Gallaghers neuer Band Beady Eye stattfinden sollte, und wo bereits reichlich Fans nach dem Strickmuster des ersten Absatzes vorhanden waren, lag auch die Frage nahe: Sind diese Fans überhaupt am richtigen Ort? Wer weiß, vielleicht zieht der gute Liam ja gleich wieder ab, wenn er hört, wie hier die Songs seines verhassten Bruders gebrüllt werden?

Und wie ist das aus Fan-Sicht: Kann und darf man die aufgelöste Lieblingsband einfach so durch das Nachfolgeprojekt ersetzen? Obwohl das zunächst einzige Konzert der Band in Deutschland praktisch sofort ausverkauft war und Karten auf Ebay für bis zu 80 Euro die Besitzer wechselten, hatte es in den Tagen vor dem Auftritt einen rapiden Preisverfall gegeben, und wir hatten unsere Tickets eher zum „zwei für eins“-Tarif ergattert. Wollten die Deutschen nun Beady Eye unbedingt sehen oder nicht?

Los ging der Konzertabend aber mit jemand anderem, der mit einer anderen Band bekannt wurde: Die Vorband war Steve Cradock, Mitglied von Ocean Colour Scene und der Liveband von Paul Weller, außerdem Kumpel von Liam Gallagher (mit dem zusammen er „Carnation“ auf The Jam-Tribute Sampler aufgenommen hat). Er spielte Songs aus seinem demnächst erscheinenden zweiten Soloalbum sowie seiner ersten Platte „The Kundalini Target“ und zeigte, warum er als einer der besten Gitarristen Englands gilt, aber in einer solchen Liste über Sänger absolut fehl am Platze wäre. Gesanglich eher noch schwächer zeigte sich seine Frau an den Keyboards.

Dann war Herr Cradock auch schon wieder weg, und wir konnten durchaus angenehme „Wartemusik“ von den Beatles, The Who, The La’s und so weiter genießen. Sicher nicht zufällig kamen Beady Eye dann nach den letzten Tönen von „I am the Resurrection“ von den Stone Roses auf die Bühne, und das Konzert begann – wie früher auch bei Oasis üblich – mit einem Instrumentalstück.

Neben Liam Gallagher besteht Beady Eye aus den Oasis-Veteranen Gem Archer (Gitarre) und Andy Bell (Bass, Gitarre). Ergänzt wurden sie durch Chris Sharrock am Schlagzeug, live werden sie von Jeff Wootton und Matt Jones an Bass und Keyboards unterstützt.

Wie alle relativ neuen Bands haben Beady Eye bei ihrem Liveset nicht die Qual der Titelauswahl: Bis auf „Wigwam“ spielen sie einfach alle 13 Titel ihres Albums, dazu die beiden iTunes-Bonus Tracks („Man of Misery“und “Sons of the Stage“). Hinter der Band werden teils Bilder und Textauasschnitte aus dem schön gestalteten CD-Booklet, teils Lavalampenmuster an die Wand projiziert. Das Konzert dauert alles in allem etwa eine Stunde, und als Zugabe gibt es die Coverversion „Sons of the Stage“ von World of Twist - wer auch immer das sein mag.

Die Lieder klingen allesamt wie nicht wirklich schlechte, aber auch nicht sonderlich tolle Oasis- beziehungsweise auch gleich Beatles-Songs, und die Aufmerksamkeit des Publikums konzentriert sich auch wie früher – neue Band hin oder her – komplett auf Liam. Dieser verhält sich etwas freundlicher, aber grundsätzlich nicht wesentlich anders als zu Oasis-Zeiten: Die Helmfrisur sitzt, ebenso der Parka, den man aus Coolnessgründen natürlich nicht ablegen kann, auch wenn sich bereits außen die Schweißflecken absetzen - im Gegenteil setzt man in so einer Situation auch noch die Kapuze auf. Die Posen, nämlich das Singen in gebückter Haltung mit auf dem Rücken verschränkten Händen, das Ablaufen der Bühne und das regungslose am-Bühnenrand-stehen: Im Grunde könnten wir auch bei Oasis sein, nur wäre dann ein weiterer Gallagher auf der Bühne und die Songs besser.

Und das Publikum wäre enthusiastischer, denn irgendwie lässt die Begeisterung um uns herum im Laufe des Abends stark nach. Es gibt zwar Grölgesänge mit „Beady Fucking Eye“, aber der allgemeine Applaus wird von Lied zu Lied leiser, und das Zugabengebrüll ist schließlich so zaghaft, dass wir uns über die Rückkehr der Band regelrecht wundern. Letztlich bleibt als Nachgeschmack, dass eine Band mit nur einem Gallagher eben auch nur halb so gut ist. Maximal.

Setlist Beady Eye, Ewerk, Köln:

01: Four Letter Word
02: Beatles and Stones
03: Millionaire
04: For Anyone
05: The Roller
06: Wind Up Dream
07: Bring the Light
08: Standing on the Edge of the Noise
09: Kill for a Dream
10: Three Ring Circus
11: Man of Misery
12: The Beat Goes On
13: The Morning Son

14: Sons of the Stage (World of Twist Cover) (Z)

Links:

- Beady Eye bei Pretty Paracetamol
- Oasis (Auflösung), Paris, 28.08.09
- Oasis, Düsseldorf, 04.02.09
- Oasis, Paris, 10.11.08
- Fotos von Dirk von Platten vor Gericht


 

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